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Full text of "Jahrbuch Der Drahtlosen Telegraphie Und Telephonie Vol 12"

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“Jahrbuch 
drahtlosen Telegruphie und Telephonie 


sowie des Gesamtgebietes der elektromagnetischen Schwingungen. 


Unter Mitarbeit 
von 
Prof. M. Abraham (Mailand), Chefingenieur Dr. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin 
(Washington), Prof. A. Blondel (Paris), Prof. Ferdinand Braun (Straßburg), Dr. W. Burstyn 
(Berlin), Reg.-Rat H. Eales (Groß-Lichterfelde), Dr. A. Esau (Berlin-Charlottenburg), 
Prof. J. A. Fleming (London), Dr. Lee de Forest (New York), Prof. Josef von Geitler 
(Czernowitz), Prof.Leo Graetz(München), Ingenieur W. Hahnemann (Kiel), Oberpostrat 
0. Jentsch (Oppeln), Prof. L. Mandelstam (Odessa), Dr. Guglielmo Marconi (London), 
Dr. Eugen Nesper (Berlin), Prof. J. W. Nicholson (Cambridge), Ingenieur Dr. Valdemar 
Poulsen (Kopenhagen), Dr. phil. Heinrich Freiherr Rausch v. Traubenberg (Göttingen), 
Prof. Augusto Righi (Bologna), Ingenieur Dr. J. S. Sachs (Frankfurt a. M.), Oberlt. 
Thor Thörnblad (Stockholm), Geh. Hofrat Prof. Max Wien (Jena) 


und unter besonderer Mitwirkung 
von 


Prof. Dr. J. Zenneck 
herausgegeben 


von 


Dr. Gustav Eichhorn 


(ehemal. Leiter der Ostseeversuchsstationen von Prof. Braun-Siemens & Halske) 


in Zürich. 


Zwölfter Band 


Mit 298 Figuren im Text und 3 Tafeln 


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BERLIN W. 
VERLAG VON M. KRAYN 
1918 


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Druck von Metzger & Wittig in Leipzig, 


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Inhaltsverzeichnis. 


Erstes Heft. 


Robert Lindemann 7. Von K. W. Wagner und G. Eichhorn . 

A. Sommerfeld: Die Überwindung der Erdkrümmung durch die 
Wellen der drahtlosen Telegraphic. (Mit 1 Figur im Text) 

C. J. de Groot: Über einige Probleme der Energieübertragung 
zwischen zwei drahtlosen Stationen. (Mit 4 Figuren im Text) . 

H. Nagaoka: Die Fortpflanzung elektrischer Wellen auf der Ober- 
fläche der Erde und die ionisierte Schicht der A Papae; ea 
8 Figuren im Text) pei 

O. Demmler: Messungen über die Ausbreitungsgeschwindigkeit elek- 
trischer Wellen an der Erdoberfläche. (Mit 5 Figuren im Text). 

H. M. Macdonald: Das Fortschreiten elektrischer Wellen um die 
Erdoberfläche ; 

E. W. Marchant: Die Heaviside- Schicht. (Mit 3 Hena. im Text) 

Louis W. Austin: Die au der Stärke er ER 
Signale mit der Jahreszeit. (Mit 1 Figur im Text). . . 

Referate: 


A. H. Taylor und A. S. Blatterman: Die zeitliche Änderung 
der drahtlosen Übertragung bei Nacht an in nocturnal 
transmission“. (Mit 2 Figuren im Text). 


H. Parodi: Die Theorie von Eccles und die ae e Telegraphie : 


(Mit 7 Figuren im Text). 
Mitteilungen aus der Praxis: 


Über eine besondere Antennen-Anordnung. (Mit 1 a im Text) | 


Unabhängige holländische Übersee- an 
Funkentelegraphie auf Tahiti ; 
Reichweite drahtloser Stationen . 
Norwegische Großstation Övresaeter 
Der Zeitsignaldienst an Nordamerikas Kasten ei 
Französische Funksprüche . . . . 2 nn nn nen 
Patentschau: 
H. Eales. (Mit 20 Figuren im Text) 


Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften . 
Literaturverzeichnis . 
Bücherbesprechungen a e E E E 
Ausgegeben im Juni 1917. 


RTD ar) E) 
a 


115 
116 
118 


IV Inhaltsverzeichnis. 


Zweites Heft. 


Paul Ludewig: Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer 
Faktoren auf die drahtlose Telegraphie. (Mit 16 Figuren im Text) 


Fritz Löwenstein: Der Mechanismus der Strahlung und Fortpflan- 
zung bei der drahtlosen Übertragung. (Mit 6 Figuren im Text) . 


J. L. Hogan: Die Signalreichweite bei der Aa OETA PAS 
(Mit 1 Figur im Text) i 


Louis Cohen: Drahtlose Zeichengebung auf wäils Knkfornungen, 
J. A. Fleming: Über die Ursachen der Ionisation der Atmosphäre . 


Referate: 


Frederick Schwers: The effect of water vapour in the atmo- 
sphere on the propagation of electromagnetic waves. (Die Wir- 
kung von Wasserdampf in der Denen auf die ROFRESDEUNE 
elektromagnetischer Wellen) . 


Mitteilungen aus der Praxis: 

L. W. Austin: Quantitative Messungen über die Stärke der von 
den deutschen Funkenstationen in Nauen und Eilvese aus- 
gehenden Signale zu Washington. (Mit 2 enan im ae) 

Funkspruchverkehr mit dem Auslande . . 

Drahtlose Telegraphie auf Flugzeugen 

Patentschau: 

H. Eales. (Mit 21 Figuren im Text.) . 

Bei der Redaktion en Bücher und Schriften . 
Literaturverzeichnis . © 


Bücherbesprechungen . a e Er E e e 
Ausgegeben im August 1917. 
Drittes Heft. 


R. Lindemann und E. ae x ne nr 30 Ben | 


im Text) . 
Edwin H. ENER oie. Einige neuere Verbesserungen am Audion 
empfänger. (Mit 26 Figuren im Text) A 
J. Bethenod: Über die Verwendung des Audions als Generator an 
Selbsterregung. (Mit einer Figur im Text). a a aS 2 
L. W. Austin: Quantitative Versuche mit dem Audion  . 
Referate: 
Marius Latour: Theoretische pid des Audions. En 
3 Figuren im Text). . . = en 
Mitteilungen aus der Praxis: 
L. W. Austin: Die Messung radiotelegraphischer Signale mit dem 
schwingenden Audion. (Mit 2 Figuren im Text). . . 
Patentschau: 
H. Eales. (Mit 18 Figuren im Text) ; 
Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften . 
Literaturverzeichnis . SP a 
Bücherbesprechungen . pei e Dr N ee er 
Ausgegeben im Oktober 1917. 


184 


185 
192 
195 


197 


210 
211 
213 


218 
241 
278 
284 


282 


296 


305 
323 
324 
326 


Inhaltsverzeichnis. 


Viertes Heft. 
H. Wiesent, Über einen direkt zeigenden ee a ac an 
9 Figuren und 2 Kurven im Text und 1 Tafel.) 


G. Vallauri, Über die Wirkungsweise der in der ae Tele- 
graphie benutzten Vakuumröhren mit drei Elektroden a 
(Mit 18 Figuren im Text.) . 


Mitteilungen aus der Praxis: 
Eichhorn, Audion. (Mit 1 Figur im Text.). ; 
Drahtlose Telegraphie zwischen Kalifornien und Japan i 
Patentschau: i 
H. Eales. (Mit 18 Figuren im Text.) | 
Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften . 
Literaturverzeichnis . 
Bücherbesprechungen . Be er lee 
Ausgegeben im Dezember 1917. 


Fünftes Heft. 


Eichhorn, Camille Tissot + 

Eichhorn, William Duddell + Be le rt Rn 

W. Burstyn, en und Abskinmschäiie; (Mit 7 Figuren 
im Text) ; aoe a a SE 

Mitteilungen aus der Praxis: 


J. Zenneck, Über telephonische Messungen an einem drahtlosen 
Empfänger. (Mit 4 Figuren im Text). ; 


Benjamin Liebowitz, Quantitative Beziehungen in Detektor- 
kreisen. (Mit 4 Figuren im Text) . ee 


E. Roux, Untersuchungen und Verbesserungen am Parallelohm- 
meter. (Mit 5 Figuren im Text). ; a 


Briefe an die Redaktion . 


Patentschau: 
H. Eales. (Mit 27 Figuren im Text.) 
Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften . 
Literaturverzeichnis . 
 Bücherbesprechungen . 
Ausgegeben im Februar 1918, 


418 
421 


426 
426 


427 


448 


451 


462 
478 


473 
499 
500 
502 


vI Inhaltsrerzeichnie. 


on Sechstes Heft. 

Max Dieckmann, Über BD zeiennnngen ce 
Sende- und Empfangsstationen ; ; 

W. Eccles, Eine a zur * Wellonlängenborechnung Sie 1 Figur 
im Text). ... | 

Referate: . 
C. H. Graf von Bressler, Eine neue Anordnung zur Darstellung 

von stehenden Wechselstromkurven mit der Braun-Röhre 
Mitteilungen aus der Praxis: | 


P. Luckey, Nomogramm für Schwingungszahl und Wellenlänge 
von Kondensatorkreisen. (Mit 1 Tafel.) . ; 


. _ Tyng M. Libby, Eine Übersichtstafel für, die Übermittelung 
ungedämpfter Wellen. (Mit 1 Tafel.). 


Aage S. M. Sörensen, Konstruktive Panne der Wellen- 
länge aus Kapazität und Selbstinduktion. (Mit 5 Figuren im Text.) 


Cornelius J. De Groot, Über das Wesen}und die Auscnltung 
von Störungen. (Mit 2 garen) im Text) . 


Patentschau: 5 
H. Eales. (Mit 22 Figuren im Text). 


Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. 
Literaturverzeichnis . 
. Namenregister . EV u er 
Ausgegeben im April 1918. ` 


Seite 


506 


511 


515 


516 


519 


526 


582 


547 


565 
565 
567 


Jahrbuch EN 


drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


Band 12. 197. Heft 1. 


Robert Lindemann. + 


Am 19. XI. 1916 verstarb plötzlich der Ständige Mitarbeiter an 
der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt Dr. Robert Lindemann, 
der auch allen Lesern dieses Jahrbuches als Mitarbeiter desselben 
wohl bekannt ist. Er wurde am 20. V.1879 in Oker a. Harz ge- 
boren, besuchte das Gymnasium zu Goslar und studierte nach be- 
standener Reifeprüfung in Halle und Göttingen Naturwissenschaften 
und Mathematik. In den Jahren 1903 bis 1905 war er als Assistent 
am Physikalischen Institut der Technischen Hochschule in Dresden 
tätig, im Dezember 1905 trat er in die Physikalisch-Technische Reichs- 
anstalt ein. Hier hat er sich vorzugsweise auf dem Gebiet der schnellen 
Schwingungen und der drahtlosen Telegraphie erfolgreich betätigt. Er 
entdeckte die für die Praxis wichtige Tatsache, daß die Unterteilung 
eines Leiters seinen Wechselstromwiderstand nicht immer erniedrigt, 
so daß eine Litze unter Umständen einen höheren Widerstand hat als 
ein massiver Draht von gleichem Querschnitt. Weitere Arbeiten 
Lindemanns betreffen Dämpfungsmessungen mittels ungedämpfter 
elektrischer Schwingungen, die Verwendung der harmonischen Ober- 
schwingungen des Poulsen-Kreises bei Messungen der Wellenlänge, die 
Messung von dielektrischen Verlusten bei Hochfrequenz, Untersuchungen 
über die Wirkungsweise elektrolytischer Ventile und über die Wirkungs- 
weise der Lieben-Röhre. Seine letzte wissenschaftliche Arbeit bestand 
in der Ausarbeitung eines Hochfrequenz-Strommessers mit beliebig 
vielen Meßbereichen und zur Messung beliebig starker Ströme. Die 
Angaben des Instrumentes sind unabhängig von der Wellenlänge, es 
kann mit niederfrequenten Wechselströmen geeicht werden und ver- 
spricht für die Hochfrequenz-Meßtechnik von großer Bedeutung zu 
werden. Seit Kriegsausbruch hatte Dr. Lindemann seine Arbeits- 
kraft in den Dienst des Heeres gestellt. Auch auf diesem Gebiet ist 
er erfolgreich tätig gewesen. | | 

Jahrb. d. drahtl. Telegrapbie u. Telephonie. 12. 1 


2 | A. Sommerfeld. 


Die Reichsanstalt beklagt den allzu frühen Heimgang des hoff- 
nungsvollen jungen Gelehrten. Durch seine Arbeiten hat er sich in 
der Wissenschaft, durch sein liebenswürdiges und stets hilfsbereites : 
Wesen hat er sich in den Herzen seiner Mitarbeiter ein bleibendes 
Denkmal gesetzt. K. W. Wagner. 


Den Verstorbenen, den ich noch im Frühjahr 1916 in Berlin. 
in seinem Wirkungskreis aufsuchte, schätzte ich nicht nur als scharf 
denkenden Wissenschaftler und tatkräftigen Pionier auf unserem Gebiete, 
sondern auch als liebenswürdigen Menschen, dem alle, die ihn persönlich 
gekannt haben, ein dauerndes freundliches Andenken bewahren werden. 

G. Eichhorn. 


Die Überwindung der Erdkrümmung durch die Wellen 
der drahtlosen Telegraphie. 


Bericht über den gegenwärtigen Stand des Problems. 


Von A. Sommerfeld. 


Die Frage, wie die drahtlosen Signale größere Strecken der ge- 
krümmten Erdoberfläche überstreichen können, hat naturgemäß seit je 
das größte Interesse erregt. Anfangs glaubte man, die Wellenbahnen 
im Sinne der geometrischen Optik konstruieren zu können; man meinte 
also, daß zur Vergrößerung der Reichweite eine Erhöhung der Antenne 
nötig wäre: nur solche Punkte sollten von den drahtlosen Signalen 
erreicht werden, die von der Spitze der Antenne aus gesehen 
werden könnten. Diese rohe Vorstellung wurde alsbald durch die Tat- 
sachen der sich vervollkommenden Technik aufs Glänzendste widerlegt. 

Indem man den optischen Ideenkreis zunächst festhielt, mußte 
man zur Erklärung dieser Tatsachen auf die Beugung des. Lichtes 
verweisen, also nicht geometrische, sondern physikalische Optik 
treiben. Das Licht pflanzt sich bekanntlich nicht immer geradlinig 
fort, sondern wird um Kanten herumgebeugt; es kann, wenn auch mit 
kleiner Intensität, bis tief in den geometrischen Schatten eindringen. 
H. Poincaré, der das Ausbreitungsproblem der drahtlosen Wellen 
immer wieder und immer wieder mit anderem Ergebnis bis in die 
letzten Jahre seines Lebens untersucht hat, schätzte in früheren 


Die Überwindung der Erdkrümmung durch die Wellen usw. 3 


Arbeiten die Wirkung der Wellenbeugung an der Erdkrümmung ab; 
er kam dabei zu einem negativen Ergebnis, nämlich zu der Meinung, daß 
die Gesetze der optischen Beugung die tatsächlich beobachteten Reich- 
weiten nicht erklären können. 

Allerdings sind die Methoden der. gewöhnlichen Beugungstheorie 
auf die außerordentlich kleine Wellenlänge des Lichtes zugeschnitten. 
Man konnte bezweifeln, ob sie auf die großen Wellenlängen der draht- 
losen Telegraphie übertragen werden dürfen. Sicherheit hierüber 
konnte nur eine tiefere mathematische Analyse geben, die das Feld 
eines elektromagnetischen Dipols (Antenne) in der Umgebung einer 
leitenden (mit Seewasser bedeckten) Erdkugel strenge ermittelt. Dieses 
Problem ist von verschiedenen Seiten in Angriff genommen worden, 
zuerst wohl von Macdonald, dann in einer Serie von Abhandlungen 
im Philosophical Magazine von J. W. Nicholson, über welche der 
Verf. in diesem Jahrbuch 4, 20, 1910 selbst zusammenfassend berichtet. 
Poincar6s letzte Arbeit über diesen Gegenstand ist den Lesern dieses 
Jahrbuches sogar ausführlich in einer Übersetzung 8, 445, 1910 
mitgeteilt worden. 

Da mir die mathematischen Methoden der genannten Arbeiten 
reichlich verwickelt und undurchsichtig erschienen, schlug ich Hrn. 
H. W. March eine Behandlung des Problems mit neuen Mitteln vor 
(Ersetzung der üblichen unendlichen Reihe nach Kugelfunktionen durch 
eine Integraldarstellung mit Kugelfunktionen, deren Beweis Hrn. March 
in der Tat gelungen ist) Leider ist die Diskussion des Schlußresul- 
tates bei March durch einen Fehler entstellt, den bald darauf 
W. v. Rybezynski!) verbessert hat. Die Darstellung der Ryb- 
czynskischen Resultate wird den Hauptteil des gegenwärtigen Be- 
richtes bilden. Wie ich glaube, müssen dieselben die Grundlage für 
alle weiteren Untersuchungen auf diesem Gebiete und für den Ver- 
gleich mit der Erfahrung bilden. Während das Schlußresultat von 
March infolge des genannten Fehlers prinzipiell von den Resultaten 
von Poincaré und Nicholson abwich, nähert sich das Ergebnis 
Rybezynskis diesen in erfreulicher Weise, verbessert sie aber durch 
die genauere numerische Diskussion des maßgebenden Zahlenfaktors. 
So kommt es, daß Nicholson und Poincaré zu einem negativen Er- 
gebnis gelangen: Nach ihnen kann die beträchtliche Reichweite der 
drahtlosen Wellen nicht durch die Rechnung erklärt werden; die Ab- 
nahme der Intensität beim Fortschreiten der Wellen fiele rechnerisch 


1) Ann. d. Phys. 41, 191, 1913. 
1* 


4 A. Sommerfeld. 


zu groß aus. Dagegen läßt die Rybezynskische Formel eine positive 
Deutung zu, trotzdem sie ihrer allgemeinen Bauart nach mit Poin- 
car6 und Nicholson zusammenfällt: der „Dämpfungsfaktor“ oder 
„Zerstreuungsfaktor“, der bei Rybezynski genauer untersucht wird, 
und dessen Wert hier kleiner ausfällt, scheint mit den Beobachtungen, 
wenigstens denen bei Tage, verträglich zu sein. 

Der Vergleich der theoretischen Ausbreitungsgesetze mit den er- 
. fahrungsmäßigen ist keine leichte Sache. Ganz abgesehen von den 
meteorologischen Störungen und den lokalen Unsicherheiten erfordert 
dieser Vergleich offenbar ausgedehnte quantitative Messungen. Bei der 
außerordentlichen Empfindlichkeit der neueren Detektor- und Ver- 
stärkervorrichtungen bedeutet die Tatsache des Empfanges an sich 
noch nichts für die Stärke der ankommenden Wellen. Es ist durch- 
aus nötig, die Wellen für verschiedene Entfernungen und bei ver- 
schiedenen Wellenlängen in vergleichbarer Weise zu messen. Sorg- 
same Messungen dieser Art scheinen bisher nur von L. W. Austin 
vorzuliegen (vgl. dieses Jahrbuch 5, 75, 1911). Es wird die Aufgabe 
späterer ruhigerer Zeiten sein, weitere derartige Messungen unter ver- 
änderten Versuchsbedingungen beizubringen. Zurzeit sind wir auf 
diesen einen Gewährsmann angewiesen. Alle unsere Bemerkungen über 
die Gültigkeit der Theorie in der Erfabrung sind daher mit dem Vor- 
behalt weiterer Prüfung an einem umfassenderen Material gemeint. 

Einen radikalen Standpunkt in der Frage der Reichweiten und 
ihres Zusammenhanges mit der Erdkrümmung nimmt J. A. Fleming 
in seiner Eröffnungsrede zur Diskussion über „ausstehende wissen- 
schaftliche Fragen der drahtlosen Telegraphie‘ auf der British Asso- 
ciation in Dundee 1912 ein. Er stützt sich auf meine Arbeit vom 
Jahre 1909 in den Ann. d. Phys. auf die dort abgeleitete Unter- 
scheidung zwischen Raumwellen und Oberflächenwellen, aus denen sich 
der Ausbreitungsvorgang zusammensetzt und auf die Ähnlichkeit 
zwischen Öberflächenwellen und Hertzschen Drahtwellen, welche letz- 
tere ohne merklichen Strahlungsverlust jeder Krümmung des Drahtes 
folgen können. Fleming schließt aus dem Nachweis der theoretischen 
Möglichkeit von Oberflächenwellen!): „Wir brauchen nicht länger nach 
einer Erklärung von Reichweiten gleich ein Viertel des Erdumfanges 
durch abnorme Beugung zu suchen. Die Beugung hat nichts mit 
der Sache zu tun. Der Erfolg auf solche Entfernungen hin ist allein 


1) Vgl. Nature, Ba. 90, p. 267, s. auch Jahrbuch d. drahtl. Telegraphie 
8, 389, 1914. | | 


Die Überwindung der Erdkrümmung durch die Wellen usw. 5 


den Oberflächenwellen zuzuschreiben, die gleich den Drahtwellen längs 
der Oberfläche fortgeleitet werden, gleichgültig, welche Krümmung 
sie hat.‘ 

In einem Briefe an die Versammlung, der bei der Diskussion 
vorgelesen wurde, mußte ich dieser für die Oberflächenwellen gar zu 
schmeichelbaften Auffassung entgegentreten. Die Oberflächenwellen sind 
nur ein Teil des Feldes; sie sind ursächlich verbunden mit den Raum- 
wellen. Wenn die Raumwellen von der gekrümmten Erde forteilen, 
können die ÖOberflächenwellen ihren Weg nicht ungestört fortsetzen. 
In meiner Arbeit wurde nur die ebene Erdoberfläche strenge unter- 
sucht; der Schluß von dieser auf die gekrümmte Erdoberfläche ist, 
wie auch Herr Nicholson bei der Diskussion hervorhob, nicht ohne 
weiteres gestattet und die strenge mathematische Untersuchung des 
Problems der gekrümmten Erdoberfläche ist deshalb nicht überflüssig. 
Diese Untersuchung, welche, wie gesagt, am besten von Rybezynski 
ausgefürt ist, enthält in ihren Schlußformeln alles zusammengenommen: 
die Beugung der Raumwellen, die Fortleitung der Oberflächenwellen, 
die Dämpfung durch Energieverluste in der Erde und durch Ausstrah- 
lung in den Raum („Zerstreuung‘‘). 

Lange bevor die quantitative Theorie des Problems so weit ge- 
gefördert war, hatte man zur Erklärung der großen Reichweiten Ge- 
sichtspunkte speziellerer, mehr meteorologischer Art aufgestellt. DaB 
solche Umstände eine große Rolle spielen, beweist zweifellos die Ver- 
schiedenheit der Reichweite bei Tag und Nacht, ihre Veränderlichkeit 
mit dem Wetter und sonstigen schwer kontrollierbaren Nebenumständen, 
ihre Abnahme bei Sonnenaufgang ete. Die Frage ist nur, ob diese 
Umstände bereits zur Erklärung der normalen und durchschnittlichen 
Tagesreichweiten herangezogen werden müssen und ob ohne sie eine 
Überwindung der Erdkrümmung überhaupt unmöglich ist. Wohl- 
bekannt ist die Ansicht von Lecher u. a.: Die oberen Schichten der 
Atmosphäre sind verhältnismäßig stark leitend, durch Ionenzerfall unter 
dem Einfluß ultravioletter Sonnenstrahlen; die drahtlosen Wellen be- 
wegen sich also in einer engen Schale zwischen Erdoberfläche und 
Atmosphärengrenze; letztere reflektiert die Wellen nach der Erde 
zurück; die Überwindung der Erdkrümmung wäre hiernach dem Ein- 
greifen einer äußeren Hilfe zu verdanken. Ein anderer Gesichtspunkt 
wird von Fleming vertreten: Die höheren Luftschichten haben eine 
höhere Dielektrizitätskonstante, also auch einen höheren Brechungs- 
index wie die tieferen; die Wellen werden daher nach der Normalen 
der Schichtenbildung hin — also von der Erdoberfläche weggebrochen. 


6 A. Sommerfeld. 


Man erkenut den Unterschied beider Ansichten: Nach Lecher sollen 
die atmosphärischen Schichten günstig, nach Fleming ungünstig 
wirken; nach jenem sollen sie die großen Reichweiten ermöglichen, 
nach diesem sollen sie die Reichweite unter denjenigen Betrag herab- 
setzen, der bei einer homogenen Atmosphäre zu erwarten wäre. Dabei 
ist zu beachten, daß in beiden Fällen ein anderer Charakter der 
Sebichtbildung vorausgesetzt wird: bei Lecher eine relativ scharfe 
Schichtbildung, die zu einer regelrechten Reflexion Anlaß gibt, bei 
Fleming eine allmähliche Änderung der Eigenschaften nach der 
Normale der Schichtung, die das Eindringen der Wellen begünstigt, 
wobei „scharf“ und „allmählich“ nach der Skala der Wellenlängen zu 
beurteilen ist: für den Reflexionseffekt muß die Änderung der Material- 
eigenschaften auf die Strecke einer Wellenlänge erheblich, für den Ein- 
dringungseffekt muß sie auf eben diese Strecke sehr gering sein. 
Poincaré und Nicholson waren bei ihrem negativen Resultat 
gezwungen, das Eingreifen eines deus ex machina nach Art der Re- 
flexionsschichten in der oberen Atmosphäre anzunehmen. Wir glauben, 
nach dem Ergebnis der Rybezynskischen Rechnungen im Zusammen- 
hang mit den Austinschen Messungen bei der Erklärung der nor- 
malen Tagesreichweiten der Reflexionshypothese entbehren zu können. 
Eher scheint es uns angezeigt, die Reflexionseffekte für die abnormen 
und wechselnden Reichweiten bei Nacht verantwortlich zu machen. 
Die ungünstige Wirkung der geschichteten Atmosphäre im Sinne von 
Fleming dürfte dagegen normalerweise, also auch bei Tagesbeobach- 
tungen, mitwirken. Wir kommen auf diese Frage zum Schlusse 
unseres Berichtes zurück, nachdem wir das — allerdings noch recht 
spärliche — quantitative Material zusammengetragen haben werden. 


Die theoretischen Ergebnisse von Rybczynski. 


Eine das elektromagnetische Feld der Wellenausbreitung zusammen- 
fassende Potentialfunktion wird bei Rybczynski ebenso wie bei 
March durch ein Integral dargestellt, in dem neben der Kugel- 
funktion P, mit kontinuierlich veränderlichem Index œ ein Quotient 
&/& vorkommt, der aus einer gewissen Besselschen Funktion mit dem 
ebenfalls kontinuierlich veränderlichen Index œ und dem Argumente 


ana 
parc (1) 


gebildet ist (a = Erdradius, A = Wellenlänge, so daB ọ eine sehr 
große Zahl bedeutet). Die Integration erstreckt sich in der Variabeln œ 


Die Überwindung der Erdkrümmung durch die Wellen usw. 7 


von 0 bis 00. Für die Ausführung der Integration muß der Wert 
von 5/6’ durch eine Näherungsformel ersetzt werden. Die Näherungs- 
formel war bei March so gewählt, daß sie auf der ganzen «-Achse 
sich der darzustellenden Funktion &/&’ anschmiegte, außer an der kri- 
tischen Stelle œ = ọ. Auf die Umgebung dieser Stelle kommt es aber 
gerade an, da sie den Hauptbestandteil für das fragliche Integral lie- 
fert. Rybezynski ersetzt daher die Marchsche Näherung durch eine 
andere, welche in einiger Entfernung von der Stelio œ = ọ mit jener 
merklich identisch wird, überdies aber auch noch an dem maßgebenden 
Punkte in der Umgebung der Stelle œ = ọ den wirklichen Wert von 
C/& wiedergibt. Die Integration läßt sich auf Grund dieser Näherungs- 
formel ausführen und liefert als Amplitude des fraglichen Potentials 
den Ausdruck 
(O sin O) = is e- 0,33e'i50 (2) 
Hier ist 
r l 
0 = a (8) 
der durch den Erdradius a geteilte Abstand r des Empfängers vom 
Sender, auf der Erdoberfläche gemessen, also der geozentrische Winkel, 
unter dem, vom Mittelpunkte der Erde aus gesehen, Sender und 
Empfänger erscheinen. Bei March fehlt wegen seiner ungenaueren 
Näherungsformel in dem Ausdruck (2) der Exponentialfaktor, der die 
uns hauptsächlich interessierende Zerstreuung oder Dämpfung der 
Wellen mißt. 

Die Ermittelung des für die Integration „maßgebenden‘“ Punktes 
der «-Achse ist eine ziemlich schwierige und heikle Sache. Sie ge- 
schieht bei Rybczynski auf Grund umfangreicher numerischer Rech- 
nungen und genauer Zeichnungen für den Verlauf der Funktion £/£”. 
Rybczynski betont selbst die Unsicherheit und Empfindlichkeit seiner 
Resultate gegen kleine Änderungen der Approximationsrechnungen, die 
mit der Natur der Aufgabe (Annäherung in einer für die Funktion 
kritischen Stelle) notwendig verknüpft ist. Daher erklärt es sich, daß 
bei Nicholson trotz eines im Grunde ähnlichen Verfahrens das Re- 
sultat praktisch wesentlich anders lautet, nämlich in den obigen Be- 
zeichnungen 

(O sin O)-"re- 97. =@ (4) 


Bei Nicholson ist die numerische Diskussion nicht so weit ge- 
führt wie bei Rybezynski; die Näherung wird hier, was bei einer 
weniger heiklen Frage ausreichen würde, so gewählt, daß sie mit £/£’ 


8 A. Sommerfeld. 


die der «-Achse nächstgelegene Unendlichkeitsstelle gemein hat. Diese 
scheinbar geringfügige Abänderung des Approximationsverfahrens, welche 
an sich mathematisch nahe liegt, bringt es mit sich, daß im Dämpfungs- 
faktor statt 0,33 der mehr als doppelte Wert 0,7 erscheint. Bei Poin- 
care ist die Rechnung nicht bis ins Numerische hinein geführt; Poin- 
care begnügt sich, festzustellen, daß überhaupt ein exponentieller 
Dämpfungsfaktor von der in (3) und (4) angegebenen Form auftritt, und 
schließt daraus, daB dieser Faktor auf größere Entfernungen (endliche Werte 
von 0) die Wellen völlig zum Erlöschen bringt. Demgegenüber ist zu 
betonen, daß die genaue numerische Größe dieses Dämpfungsfaktors für 
die Frage der Überwindung der Erdkrümmung entscheidend ist und 
daB eine Erhöhung des Zahlenwertes von 0,33 auf 0,7 die Lage der 
Dinge vollständig verändern würde. 
Wir zeigen dies durch Angabe einiger Zahlenwerte. Es sei 


=5000km, A=5km 
(5000 km entspricht einem halben Erdquadranten. Dann ist 


0=7, ọ = 8000, g'i = 20 


also 
1 
180 


Auf den halben Erdquadranten würde also die Amplitude wegen 
des Rybczynskischen Dämpfungsfaktors auf 1/180 ihres Wertes bei 
kleinen Entfernungen abnehmen. Das erscheint bei der Empfindlichkeit 
unserer Empfangsapparate nicht verhängnisvoll. Anders bei dem 
Nicholsonschen Dämpfungsfaktor. Da 0,7 größer als 2. 0,33, würde 
sich statt 1/180 weniger als 


1 1 
(180)? 32400 


also eine ganz andere Größenordnung ergeben, welche nach der Mei- 
nung von Nicholson den Empfang in solchen Entfernungen aus- 
schließen würde. Da wir auf die genauere quantitative Seite der 
Frage noch eingehen werden, brauchen wir hier die reichlich un- 
bestimmten Meinungen über die Empfangsmöglichkeiten nicht zu ver- 
folgen. Worauf es ankam, war nur dieses: zu zeigen, wie delikat die 
Frage der analytischen Annäherung sich gestaltet und welche prak- 
tischen Folgerungen aus der größeren oder geringeren SADELA dieser 
Annäherung fließen. 


e -0,330 he — 


Die Überwindung der Erdkrüämmung durch die Wellen usw. 9 


Wie gesagt, ist der zweite Faktor in dem Ausdrucke (2), unser 
Dämpfungs- oder Zerstreuungsfaktor, praktisch die Hauptsache. Wir 
wollen aber auch noch über den ersten Faktor F = (O sin O)-" ein 
Wort sagen, da ihm ein gewisses theoretisches Interesse nicht abzu- 
sprechen ist. Für kleine Entfernungen (© klein gegen 1) wird dieser 
Faktor ersichtlich 


(5) 


Wir haben hier also das bekannte Gesetz der Amplitudenabnahme, 
das aus der Vorstellung der „Raumwellen“ unmittelbar folgt und 
z. B. durch Versuche von Tissot eine (wenn auch ungenaue und 
qualitative) Bestätigung gefunden hat. Dabei ist zu beachten, daß das 
Auftreten von Oberflächenwellen bei der Art der bisherigen Problem- 
stellung (Erdkugel mit Seewasser bedeckt, also unendlich gut leitend) 
ausgeschlossen ist. Lassen wir nun © wachsen, so nimmt F zunächst 
weiter ab, bis über © = n/2 hinaus. Dann aber folgt, mit der An- 
nöherung an’Q = rn, ein Anstieg von F, welcher für © = n wegen 
Verschwindens von sin © sogar einen unendlichen Anstieg ergeben 
würd. © = n ist der zum Sender antipodische Punkt; er würde 
einen Brennpunkt und Sammelpunkt für die von dem Sender aus- 
gehenden Wellen darstellen, was unsere Formel in der Tat automatisch 
wiedergibt. Natürlich wird in Wirklichkeit dieser Anstieg durch die 
überhand nehmende Dämpfung illusorisch.h Die von March für F 
mitgeteilte Figur (F in Abhängigkeit von ©) ist in den Zenneckschen 
Leitfaden, 2. Aufl., S. 307 aufgenommen. 

Rybczynski untersucht auch anhangweise den Einfluß endlicher 
Leitfähigkeit auf die Ausbreitung an der Erdkugel. Das Resultat ist, 
daß der Dämpfungsfaktor dadurch nicht merklich geändert wird; die 
endliche Leitfähigkeit modifiziert nur den ersten Faktor F, in dem 
sich dann neben den Raum- auch Öberflächenwellen etc. bemerklich 
machen. Diese letzten Angaben legen noch eine Bemerkung über die 
Nomenklatur nahe. Von Dämpfung sprechen wir gewöhnlich bei 
Energieverlusten durch Widerstände. Unser „Dämpfungsfaktor‘ dagegen 
ist, wie sich soeben zeigte, hiervon unabhängig; er hat denselben Wert 
für die widerstandsfreie, unendlich gut leitende Erde, wie für eine 
Erde von wirklichem elektrischen Widerstande Deshalb bevorzuge 
ich die Benennung „Zerstreuungsfaktor‘‘ an Stelle des sonst üblichen 
„Dämpfungsfaktor‘ und werde im Folgenden an jener Benennung fest- 
halten. Ze | | 


10 A. Sommerfeld. 


Vergleich mit den Austinschen Messungen. 


Austin hat seine schon oben genannten Messungen bis auf fast 
2000 km über Seewasser ausgedehnt. Sein Empfänger war auf einem 
Kriegsschiff angebracht; die Geberstation war Brant-Rock. Gemessen 
wurde der effektive Strom im Empfänger. Als allgemeine Ergebnisse 
fand er, daß die Abnahme der Amplitude auf größere Entfernungen 
erheblich rascher erfolgt als proportional 1/r und daß sie bei Tage, 
wo allein gleichmäßige und gesetzmäßige Werte erhalten werden, für 
lange Wellen kleiner ist als für kurze Wellen. Beide Resultate ent- 
sprechen unserer Formel (2) (sowie der davon qualitativ nicht ver- 
schiedenen Formel (3). Die stärkere Abnahme als 1/r wird in 
unserer Formel dadurch zum Ausdruck gebracht, daß zu dem vorher 
mit F bezeichneten ersten Faktor, der nach Gl. (5) mit r umgekehrt 
proportional war, noch der zweite Exponentialfaktor hinzutritt. Dieser 
hängt vermittelst der Größe o, Gl. (1) von A und vermittelst der 
Größe ©, Gl. (3) von r ab. Die Abhängigkeit von A ist derart, daß 
der fragliche Exponentialfaktor mit Vergrößerung von A (Verkleinerung 
von 0) sich vergrößert, was der beobachteten Verminderung der Ampli- 
tudenabnahme bei Vergrößerung der Wellenlänge entspricht. 

Die Formel, die Austin zur Darstellung seiner Messungen be- 
nutzt, ist allerdings von der unsrigen verschieden. Sie lautet nämlich 


C N (6) 


r 


Diese Formel ist rein empirischer Natur; r und A sind in km zu 
messen, C ist von r unabhängig, dem primären Strom direkt und der 
Wellenlänge indirekt proportional. Schreiben wir unsere Formel (2) 
ebenfalls in km an, indem wir den Wert von a einsetzen, so ergibt 
sich für solche Werte von ©, für die man annähernd sin durch O 
ersetzen kann (z. B. © < n/4): 

© 9,017 — 


a Vi (7) 


jr 
Ähnlich folgt aus der Formel (4) von Nicholson auf gleiche Weise 
und unter den gleichen Bedingungen 
©”  — 0,0036 —- 
7e Vi (8) 
Die Ähnlichkeit der Zahlenwerte 0,0015 und 0,0017 in (6) und 
(7) soll uns indessen nicht eine praktische Äquivalenz dieser beiden 


Die Überwindung der Erdkrümmung durch die Wellen usw. 11 


Formeln vortäuschen. Da die Formel von Austin nicht homogen in 
den Dimensionen der Längeneinheit ist und wir uns des Vergleichs 
wegen diesem (an sich nicht empfehlenswerten) Gebrauch in (7) an- 
schließen mußten, so bedeutet die Ähnlichkeit von 0,0015 mit 0,0017 
zunächst nur etwas für die Wellenlänge A=1 km Für} = 2 km 
wären die zu vergleichenden Zahlenkoeffizienten von r im Exponenten 
bzw. 


$ 015 bd e 
eak = 0,00106 bei Austin, 
va. 
01 
a = 0,00136 bei uns. 
v2 


Bei größeren Werten von A wird der Unterschied beider Formeln 
dementsprechend noch größer, in dem Sinne, daß unsere Formel eine 
stärkere Abnahme des Zerstreuungsfaktors mit r ergibt als die em- 
pirische Formel, 

Indessen ist die empirische Formel in keiner Weise bindend oder 
der Natur der Sache unbedingt angepaßt. Vielmehr weiß jeder, der 
mit den empirischen Formeln der Technik zu tun gehabt hat, wie viel 
Willkür hier unterlaufen kann. Im vorliegenden Falle sehen wir die 


2 
Willkür in dem Ansatz VA: ob die Abnahme der Zerstreuung mit 


2 3 
wechseindem A im Sinne von YA oder von VA vor sich geht, ist 
offenbar aus einem wenig scharfen Beohachtungsmaterial kaum zu ent- 
scheiden. Deshalb wollen wir die empirische Formel von Austin zu- 
nächst auf sich beruhen lassen und uns direkt an das Austinsche 
Versuchsmaterial halten. 

Auf die vollständigere Bearbeitung dieses Materials hoffe ich in 
späteren Zeiten zusammen mit J. Zenneck zurückzukommen. Für 
den Augenblick muß ich mich darauf beschränken, eine Äußerung aus 
dem Zenneckschen Leitfaden und eine Rybczynskische Figur her- 
zusetzen. Zenneck bemerkt l. c. S. 308: „Vergleicht man die 
Austinschen Beobachtungen mit dem theoretischen Gesetz (unsere 
Gl. (2) bzw. (7), so überzeugt man sich, daß diese Beobachtungen 
durch das theoretische Gesetz ebenso gut wiedergegeben werden wie 
durch das empirische.“ Dies wird im Speziellen (für A = 3,75 km) 
durch die nachstehende Figur von Rybczynski belegt. Hier ent- 
spricht die ausgezogene Kurve dem empirischen Zerstreuungsfaktor von 
Austin, Gl. (6), die gestrichelte unserem theoretischen Gesetz, Gl. (7), 


4 


Empfangsstrom in 10 Amp. 


12 A. Sommerfeld. 


die punktierte Kurve dem theoretischen Gesetz von Nicholson, 
Gl. (8). Wie man sieht, scheint unsere theoretische Kurve den Tages- 
beobachtungen sogar besser gerecht zu werden wie die empirische 
Kurve. Die Nachtbeobachtungen liegen viel unregelmäßiger wie die 
Tagesbeobachtungen und fallen bei großen Entfernungen gelegentlich 
höher aus, als der Gang der Tagesbeobachtungen oder irgendeine 
formelmäßige Festlegung derselben erwarten läßt. 


0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000 


Seemeilen. 
` © Tagesbeobachtungen x Nachtbeobachtungen A = 3,75 km. 


Wir möchten also als Ergebnis dieses Berichtes folgende Schlüsse 
ziehen, immer vorbehaltlich einer späteren Erweiterung des Beobach- 
tungsmaterials und einer vollständigeren Durchrechnung desselben: 

1. Die Erdkrümmung bringt einen Zerstreuungsfaktor mit sich, 
die Schwächung durch Zerstreuung wächst nach Theorie und Beobach- 
tung exponentiell mit der auf der Erdoberfläche gemessenen SOTE 
zwischen Sender und Empfänger. 

2. Durch Vergrößerung der Wellenlänge wird die Yet 
heruntergesetzt, worin wir einen Hinweis auf die Nützlichkeit von 
großen Wellenlängen für die Überseetelegraphie sehen können; die die 


Die Überwindung der Erdkrümmung durch die Wellen usw. 13 


Praxis längst erkannt hat. Ob die Abhängigkeit des Zerstreuungs- 
s 
faktors durch YA gegeben wird, wie es die Theorie verlangt oder durch 


2.2 
VA, wie es Austin nach seinen Messungen vermutet, läßt sich aus 
den Messungen nicht eindeutig entscheiden; jedenfalls widersprechen 


3 
sie nicht der theoretischen Forderung Và. 

3. Die Größe des Zahlenfaktors im Exponenten des Zerstreuungs- 
faktors kommt bei Rybczynski vermöge einer genaueren numerischen 
und graphischen Approximation etwa halb so groß heraus wie bei 
Nicholson (Poincaré spricht nur im allgemeinen von der exponen- 
tiellen Abhängigkeit, ohne genauere numerische Angaben). Dement- 
sprechend wird der Zerstreuungsfaktor selbst bei Rybezynski etwa 
gleich der Quadratwurzel des Wertes von Nicholson. 

4. Bei diesem so reduzierten Zerstreuungsfaktor ist die Meinung 
von Nicholson und Poincaré nicht mehr haltbar, daß die tatsäch- 
lichen Reichweiten mit der reinen elektromagnetischen Theorie unver- 
träglich seien. Vielmehr stimmen die Tagesmessungen von Austin 
(vgl. Figur) recht gut mit den theoretischen Werten überein. 

5. Wir haben daker keinen Grund, bei den Tagesbeobachtungen 
die Mithilfe von reflektierenden Luftschichten in Anspruch zu nehmen. 
Wohl aber dürften diese zur Erklärung der abnorm großen und 
gleichzeitig unregelmäßigen Reichweiten bei Nacht heranzuziehen sein. 

6. Die Möglichkeit ist im Auge zu behalten, daß die Resultate 
der reinen elektromagnetischen Theorie durch sonstige atmosphärische 
Einflüsse (z. B. Abbiegung der Wellen nach den Schichten höheren 
Brechungsindex, welche notwendig mit weiterer Schwächung der Signale 
verbunden wäre), sekundär beeinflußt werden. 

Zusatz bei der Korrektur, 8. Dezember 1916. Gerade zur 
rechten Zeit erhalte ich eine neue Arbeit von Herrn Austin, die in 
den Proceedings of the Institute of Radio Engineers, Vol. IV, Nr. 3, 
veröffentlicht ist", vom Februar 1916. Die Messungen sind auf der 
Station Darien gemacht und geben die Hörbarkeit der verschiedenen 
Groß-Stationen in Darien wieder, darunter als der entferntesten die- 
jenige von Nauen im Abstande 9400 km, also fast einem Erdquad- 
ranten. | 

Herr Austin benutzt seine neuen Messungen zu einem Vergleich 
seiner zusammen mit Herrn Cohen aufgestellten Formel mit der auf 


meine Veranlassung von Herrn Rybczynski berechneten und kommt 
® 


1) Vgl. auch Jahrbuch 11, 125, 1916. 


14 A. Sommerfeld. Die Überwindung der Erdkrümmung usw. 


zu dem folgenden Endergebnis: „Es scheint möglich, daß die Sommer- 
feldsche Formel die niedrigsten Stärken der Empfangssignale richtig 
wiedergibt, daß diese aber in der Regel verstärkt werden durch Energie 
aus den oberen Schichten der Atmosphäre; die Intensität dieser Energie- 
zufuhr wird vermutlich von der Wellenlänge abhängen. Unter dieser 
Voraussetzung würde der Zersteuungsfaktor der empirischen Formel 
die Summe der beiden Wirkungen darstellen, welche in ihrem Zu- 
sammenwirken möglicher Weise die Quadratwurzel aus der Wellenlänge 
mit sich bringen könnte, an Stelle der dritten Wurzel, die die Theorie 
liefert.“ Zu 

Die neuen Austinschen Messungen würden also nach Auffassung 
von Herrn Austin gegen unsere obigen Folgerungen (4) und (5) sprechen, 
nach denen für die Tagesbeobachtungen die Mitwirkung der Reflexion 
entbehrlich wäre. Indessen ist zu beachten, daß die neuen Messungen 
für die theoretische Diskussion weniger günstig sind wie die älteren. 
bei denen die Entfernung und Wellenlänge variiert wurden, während 
bei den neuen Messungen Entfernung und Wellenlänge durch Ort und 
Betrieb der aufgenommenen Stationen ein für alle mal gegeben sind. ° 
Andrerseits haben die neuen Messungen den Vorteil, daß sie bis zu 
fünfmal so große Entfernungen benutzen wie die älteren, so daß auch 
sie einen wertvollen Beitrag zur Klärung der in diesem Bericht be- 
sprochenen Fragen liefern. 

Was die Abhängigkeit des Zerstreuungsfaktors von der Wellen- 
länge betrifft, so läßt sich diese ersichtlich nur entscheiden durch 
Messungen, die bei gleicher Entfernung mit verschiedenen Wellenlängen 
ausgeführt sind. Solche Messungen liegen in den älteren Beobachtungs- 
reihen von Austin teilweise vor, wobei allerdings eine noch stärkere 
Variation der Wellenlängen sehr erwünscht wäre. Die Austinsche 
Vermutung, daß Reflexion an den oberen Luftschichten die theoretische 


3 2 
Abhängigkeit YA in die Abhängigkeit YA verwandeln könnte, scheint 
mir zunächst nicht sehr einleuchtend. Wenn, wie es nach den neueren 
Messungen von Austin festzustehen scheint, unsere theoretische Formel 
auf sehr große Entfernungen zu kleine Empfangsstärken ergibt, so 
würde es meiner Meinung nach am nächsten liegen, unter Beibehaltung 
der theoretischen Form des Zerstreuungsfaktors und seiner Abhängig- 


3 
keit von YA nur den Zahlenfaktor 0,38 in dem Ausdrucke (2) empi- 
risch zu korrigieren, welcher, wie oben. auseinandergesetzt, nicht sehr 
sicher ist; eine geginge Verminderung desselben würde zumal bei großen 
Entfernungen die Reichweite schon erheblich vergrößern. 


C. J. de Groot. Über einige Probleme der Energieübertragung usw. 15 


Im Übrigen liegt es mir fern, die oben unter (4) und (5) ge- 
äußerte Ansicht von der Unwirksamkeit des Reflexionseffektes einseitig 
zu verteidigen, um dadurch die einfache rein-elektromagnetische Auf- 
fassung zu stützen. Ich möchte nur neuerdings dazu auffordern, die 
Frage nicht zu früh für erledigt anzusehen und geeignete Beobach- 


tungen sorgsam zu diskutieren. (Eingesandt 15. Oktober 1916.) 


Adresse des Autors: Prof. Dr. A. Sommerfeld, 
München, Leopoldstr. 87. 


Über einige Probleme der Energieübertragung zwischen 
zwei drahtlosen Stationen. 
Von C. J. de Groot. 


Es ist bekannt, daß die noch ungelösten Probleme in der draht- 
losen Telegraphie sich nicht auf die eigentlichen Stationseinrichtungen 
bezieben, sondern hauptsächlich die Energieübertragung und die 
auftretenden luftelektrischen Störungen im zwischenliegenden Medium 
betreffen. 

Bei der großen Zahl von hervorragenden Gelehrten, teils Phy- 
sikern, teils Ingenieuren, die sich mit ihrer vollen Energie auf 
diese neue Wissenschaft geworfen haben, welche so besondere Reize 
bot, ist es kaum zu verwundern, daß die innere Apparatur der Sta- 
tionen in kurzer Zeit zu einer Vollkommenheit gebracht wurde, welche 
derjenigen ‘der normalen technischen Einrichtnngen fast gleichkommt. 

Seitdem man brauchbare Wellenlängen mit einem Nutzefiekt von 
50°), und mehr, bei großen Energiemengen, direkt mittelst einer 
Maschine erzeugen kann, seitdem man winzig kleine ankommende 
Energiemengen in einfacher und zuverlässiger Weise an der Empfangs- 
seite verstärken kann auf das 1000- und mehrfache, gibt es an den 
Stationseinrichtungen selbst wenig Wesentliches zu verbessern, und 
es werden sich auf diesem Gebiete die Bestrebungen hauptsächlich 
dahin richten, den an und für sich schon guten Nutzeffekt noch etwas 
zu steigern, Schnelltelegraphie einzuführen, sich von atmosphärischen 
Störungen, und solchen, die anderen Stationen entstammen, frei zu 
machen, etwa gerichtete Telegraphie einzuführen und zu versuchen, 
ohne die kostspieligen hohen Antennenträger auszukommen. 

Viele dieser Probleme sind sogar teilweise schon gelöst. 


16 C. J. de Groot. 


Weniger glücklich war man bei der Erforschung der Energie- 
übertragung im Medium zwischen den Stationen, sowie festzustellen, 
woher die luftelektrischen Störungen stammen und damit gleichzeitig 
zu ermöglichen, diese unschädlich zu machen. 

Von verschiedenen Gelehrten sind Hypothesen aufgestellt worden, 
die sich zum Teil widersprachen. 

So sind die Hypothesen der meisten Forscher basiert auf Über- 
tragung der Energie mittelst freier Raumwellen, worüber sich der 
bekannte Fachmann Erskine-Murray in seinem Handbuch entrüstet 
angesichts der Nachbarschaft der leitenden Erde und wegen der aka- 
demischen Erziehung der Urheber dieser Hypothesen; so nimmt weiter 
Eccles an, daß infolge der Ionisation der Atmosphäre tagsüber ein 
Raumstrahl sich im Sinne der Erdkrümmung krümmen!) muß, wäh- 
rend z. B. Fleming eine Krümmung im entgegengesetzten Sinne an- 
nimmt zur Aufrechterhaltung seiner Hypothese. 

So hat auch die an und für sich schöne Sommerfeld-Theorie 
keinen Aufschluß geben können über verschiedene, im praktischen Be- 
triebe auftretende Unregelmäßigkeiten, nicht einmal über den Unter- 
schied zwischen Tag- und Nachtübertragung und über die Veränder- 
lichkeit der Nacht- und Taglautstärke, wie solche in den Tropen 
hervortrat. Dies braucht aber auch nicht zu verwundern, da die 
Sommerfeld-Theorie aufgebaut worden ist für einen ganz speziellen 
Fall, und weder die Erdkrümmung, noch die Verschiedenheit des Ge- 
ländes (Berge, Wechsel von Meer und Land etc.) berücksichtigt worden 
sind, auch beide Medien als homogen vorausgesetzt werden, was be- 
sonders für das Luftmedium auch nicht annähernd zutrifft. Dichte, 
Leitfähigkeit, Ionisation, alles wechselt mit wachsender Höhe und zwar 
in einer Weise, welche sich unserer Berechnung größtenteils entzieht. 

Wo diese Ungleichmäßigkeit der Atmosphäre als Funktion ver- 
schiedener Umstände, wie Sonnenbeleuchtung, Anwesenheit geladener 
kosmischer Teile usw. sich noch ändert, braucht es nicht zu verwundern, 
daß die tatsächlich auftretenden Erscheinungen viel komplizierteren 
Gesetzen folgen als diejenigen, welche von Sommerfeld und seinen 
Nachfolgern aufgestellt worden sind. Die mögliche Kompliziertheit 
zwingt dazu, daß man sich zur Lösung des Problems vorläufig von 
jeder, auf Berechnung basierenden Theorie frei machen und rein ex- 
perimentell vorgehen muß, um in großen Zügen allgemeine Gesetz 


1) Hier sei es unentschieden gelassen, ob diese Krümmung eigentlich 
Biegung oder vielmehr gleichmäßige Brechung ist. 


Über einige Probleme der Energieübertragung usw. 17 


mäßigkeiten feststellen zu können. Die große Gefahr dieses Verfahrens 
liegt natürlich in der Möglichkeit, daß örtliche Umstände verallgemei- 
nert werden. Dies mag der Grund sein für die Unmenge der An- 
schauungen und Hypothesen ganz widersprechender Natur, welche 
bereits aufgestellt worden sind. Ein Hauptgrund der dabei begangenen 
Ungenauigkeiten spielt hier auch die unzureichende Anzahl syste- 
matischer Beobachtungen. 

Diesen letzten Vorwurf kann man nicht erheben den Versuchen 
gegenüber, welche während mehr als einem Jahr von der Niederländisch- 
Indischen Regierung ganz systematisch angestellt worden sind. Es 
haben sich dabei Tatsachen herausgestellt, welche bis dahin nicht be- 
achtet wurden, wie z. B. große Lautstärkeschwankungen während des 
hellen Tages, die bis zum Zehnfachen und mehr gingen, und die 
von keiner der bekannten Hypothesen erklärt werden konnten. 

Über diese interessanten Versuche werden offizielle Rapporte er- 
scheinen; in der vorliegenden Arbeit möchte ich aber schon jetzt ein- 
zelne interessante Hauptmomente mitteilen, und zwar wird die Arbeit 
sich beziehen auf: 

A. Beweis dafür, daß der Raumstrahl tagsüber die 
Fähigkeit besitzt, sich zu krümmen, welche Fähigkeit er 
jedoch nachtsüber nicht in merklichem Maße aufweist. 

Dieser Beweis dafür, daß der Raumstrahl sich nachts nicht, wohl 
. aber tags und zwar im selben Sinne wie die Erdoberfläche krümmen 
kann in Übereinstimmung mit der Annahme von Eccles, welcher 
Beweis von niemand bisher geliefert werden konnte, kann jetzt durch 
die Versuche zwischen der Noesanivestation (Ambon) und I. Ms. Kriegs- 
schiff „Tromp“ in der Nordbucht der Insel Ceram!) stationiert, als 
erbracht betrachtet werden. Hier trat keinerlei Nachtverbindung und 
gute Tagesverbindung auf.) 

Hieraus geht hervor, daß, wo der einzige ungünstige Umstand 
für die Energieübertragung das dazwischenliegende Hügelland war, um 
welches oder über welches der Raumstrahl sich- krümmen muß, um die 
Gegenstation zu erreichen, auch hiermit der Beweis geliefert ist, daß 


1) Man betrachte die in Fig. 4 abgebildete Karte; die „Lromp“-Statiou 
ist mit Y angedeutet, 

2) Die Entfernung zwischen beiden Stationen betrug nur 150 km, im 
normalen Betriebe waren die Stationen imstande, tagsüber mehr als 750 km, 
nachts einige tausend km zu überbrücken (2,5 und 5 Kw. Antennenenergie- 
Tonsender). Es lagen aber ein 530 m hoher Hügel in 17 km Entfernung 
der Ambonstation und ein solcher von 830 m Höhe in 20 km Entfernung 
der Schiffsstation in der Verbindungslinie. 


Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie, 12. 2 


18 C. J. de Groot. 


sich nachts eine Raumwelle nicht bedeutend krümmen kann, tagsüber 
dagegen wohl. Die Tatsache, daß Stationen, welche sich im Schatten 
von Hügeln befinden, keine Verbindung aufweisen, ist an und für sich 
nicht neu. So erwähnt Erskine-Murray in seinem Handbuch auf 
Seite 271 die bereits im Jahre 1906 stattgefundenen Versuche von 
Kapitän Jackson, welche sich auf diese Tatsache beziehen. 

Erskine-Murray gibt als seine Meinung an, daß diese Schatten- 
bildung nur scheinbar sei, daß die Wellenfront vielmehr an der Erde 
haften bleibe, aber beim Entlangstreifen am Hügel sich gegen die Erde 
neige und so von vertikaler Lage in fast horizontale Lage komme, 
wodurch für eine damals benutzte Vertikalantenne der Empfang sehr 
ungünstig beeinflußt werde. Er meint für eine geneigte oder Horizontal- 
antenne würde sich da kein Schatten ergeben haben. 

Diese Auffassung kann ich nicht unterschreiben: erstens sind mir 
verschiedene Fälle bekannt, wo eine L-Antenne benutzt wurde, also 
Empfangsempfindlichkeit für jeden Einfallswinkel der Wellenfront be- 
stand, und trotzdem ausgesprochene Schattenwirkung auftrat; zweitens 
ist hiermit nicht erklärt, wie nachts Schattenbildung, tagsüber jedoch 
gar keine auftreten kann. 

Es muß also angenommen werden, daß wirkliche Schatten- 
bildung eintritt. Stellt man sich also die Ausbreitung vor dem 
Hindernisse vor mittelst an der Erde haftender Wellenfront, so muß 
man etwa annehmen, daß z. B. am Gipfel des Gebirges die Wellenfront 
sich nicht plötzlich genug knicken kann, um dem Abhang zu folgen, 
und zeitweise in eine von der Erde freie Raumwelle übergeht, um in 
einiger Entfernung binter dem Hügel die Erde wieder zu treffen und 
als gebundene Welle weiter zu gleiten. Stellt man sich die Energie- 
übertragung mittelst Energiestrahlen vor, so heißt die Schattenbildung. 
daß ein Strahl sich um den Hügel krümmen muß, um die Gegen- 
station zu erreichen. 

Das Neue bei der vorerwähnten Verbindung besteht nun darin, 
daß nachis die Schattenbildung bestand, tagsüber aber gar nicht. 

Man stieß also auf eine große Abnormalität. Tags viel bessere 
Verbindung als nachts; nachts versagte die Verbindung sogar ganz 
und gar. 

Wo dabei die Sonnenbeleuchtung der Gelände wenig Einfluß auf 
Eigenschaften des Geländes haben kann, dagegen großen Einfluß auf 
den Luftraum, so ist deutlich, daß dieses abnormale Benehmen seinen 
Grund finden muß in der Änderung des elektrischen Zustandes der 
Atmosphäre in Abhängigkeit des Sonnenlichtes. 


Über einige Probleme der Energieübertragung usw. 19 


Wir müssen also aus diesem Versuche schließen, -daß tagsüber 
die Raumwelle sich stärker der Erde zukrümmen konnte als nachts, 
wo die Krümmung nicht genügte, um die Gegenstation zu erreichen. 
Also kommt die Fleming-Theorie, welche tagsüber eine Biegung der 
Strahlen von der Erde ab bedingt, zu Falle und die Eccles-'Theorie 
wird durch absolute Beweise gestützt. 

Ich könnte hiermit mit einer weiteren Behandlung dieses Problems 
aufhören und mich damit begnügen, die Theorie von Eccles be- 
gründet zu haben, wäre nicht zu berücksichtigen, wie ich bereits schon 
erwähnte, daß die Eccles-Theorie ohne Ergänzung keine Erklärung 
gibt für die in den Tropen stark: auftretenden Lautstärkeveränderungen 
am hellen Tage. — Es freut mich, diese Ergänzung der Eccles- 
Theorie liefern und damit auch diese Tropenphänomene erklären zu 
können. 

Ich werde darauf in einer weiteren Abhandlung zurückkommen. 
Zunächst ist es sehr interessant, zu wissen, in welchem Maße eine 
Krümmung der Raumstrahlen tagsüber wohl, nachts dagegen nicht 
möglich ist. Es wird sich ergeben, daß der mögliche Grad der Krüm- 
mung für die niederen Atmosphärschichten ziemlich genau zu ermit- 
teln ist durch einige Versuche, die meistenteils mit einer Wellenlänge 
von 600 m ausgeführt wurden. Nehmen wir nun der Einfachheit 
halber an, daß der gekrümmte Strahl unbekannter Form angenähert 
werden darf durch einen Teil eines Kreisbogens, und daß für die 
kürzeren Entfernungen, welche bei diesen Versuchen überbrückt wurden 
(einige hundert Kilometer), man die Erde als eine flache Ebene betrachten . 
darf, und daher die Erdbiegung zur Höhe der Gebirge, über die der 
Strahl sich krümmen muß, vernachlässigt werden kann. Der Raum- 
strahl wird also wie ein Kreisbogen dargestellt, dessen Sehne die Ver- 
bindungslinie zwischen beiden Stationen ist, und der Krümmungsstrahl 
muß nun so klein sein, daß die Geländehindernisse zwischen Sehne und 
Bogen liegen, wobei dieser Bogen den Berggipfel, über welchen Ver- 
bindung möglich war, genau berührt. Es handelt sich nun also darum, 
den kleinstmöglichen Krümmungsstrahl für eine bestimmte Wellenlänge 
tags auszurechnen. Kennen wir die Entfernung von der einen Station 
bis zum Geländehindernis (Berg) = p, die Entfernung von der anderen 
Station bis zu diesem Berg = q, die Totalentfernung zwischen beiden 
Stationen = (p + q), die Höhe des Gebirges = k und den Krümmungs- 
strahl des Bogens, welcher beide Stationen vorbinda = R (alle Größen 


in Kilometer), dann ist: RS pP'qg 


— 


2h 


20 C. J. de Groot. 


Liegen .nun mehrere Hindernisse zwischen beiden Stationen, so 
werden sie natürlich durch denjenigen Kreisbogen verbunden, für 
den R den kleinsten Wert ergibt, weil Krümmung um das größte 
Hindernis möglich sein muß, falls Verbindung eintritt. Für die be- 
trachtete Verbindung mit dem „Tromp“ ist dann der Minimalstrahl: 
R = 1565 km = 0,246 x dem Radius der Erdkugel. Hieraus geht 
deutlich hervor, daß selbst bei Gebrauch von einer Wellenlänge von 
nur 600 m der Raumstrahl sich tags wenigstens viermal stärker 
krümmen kann als wie die Erdkrümmung. 

Hiermit ist also der Beweis, nach dem schon lange gesucht wurde, 
geliefert, nämlich, daß tagsüber Wellen der Erdoberfläche folgen können 
und sogar imstande sind, sich stärker zu krümmen. Nachts war diese 
Krümmung, wie aus dem Versuche hervorging, nicht möglich; ob 
nachts gar keine Krümmung möglich war, ist damit nicht bewiesen. 
Der Grad der Krümmung nachts kann aber in vorkommendem Falle 
festgestellt werden dadurch, daß die bewegliche Station sich in der 
Verbindungsrichtung von dem Gebirge entfernt, wodurch in oben- 
stehender Formel p oder q wächst. Wir finden dann, daß in einer 
gewissen Entfernung die Verbindung anfängt, und es ist hieraus der 
Minimumwert von R nachts festzustellen. Als bewiesen darf man 
also betrachten, daß ein Raumstrahl nachts nicht merklich biegt, 
d. h. einen größeren Krümmungsradius besitzt, wie oben berechnet 
wurde. 

Nun ist andererseits von großer Bedeutung, festzustellen, welches 
die maximale Krümmung ist (Minimum R), die tags möglich war, und 
wir finden die Grundlagen dazu in den Versuchsrapporten zwischen 
I. Ms. Kriegsschiff Wilhelmina und den damaligen Versuchsstationen 
zu Weltevreden und Cheribon im Jahre 1906—1907. Damals war 
es gerade noch möglich, quer über den Berg Pangrango (3022 m hoch) 
in 172 km Entfernung mit Weltevreden zu arbeiten, während dieser 
Berg 60 km von Weltevreden entfernt lag. Daraus geht hervor, 


daß für 
Be.» = 1120 km 


für die benutzte 600 Meterwelle die Grenze erreicht war (die Ent- 
fernung ist hier nicht der begrenzende Faktor, da die Stationen mehr 
als 500 km Meer überbrückten. Wurde das Geländehindernis noch 
größer (in derselben Entfernung über den Tjerimai 3070 km nach 
Cheribon, wobei der Berg 25 km von diesem Ort lag) wofür R = 600 km 
sein müßte, so hörte die Verbindung auf. Der Grenzwert dieser 


R 


Über einige Probleme: der Energieübertragung usw. 21 


Krümmung tagsüber von einem Raumstrahl in den niederen Luft- 
schichten (kurze Entfernung) und bei Gebrauch von einer Wellenlänge 
von 600 m ist also ca. R = 1000 km, gleich ca. !/, Erdradius, d. h. 
also eine Krümmung, welche bedeutend stärker ist als die Erd- 
krümmung. 

Für längere Wellen ist die erreichbare Krümmung vermutlich 
noch stärker, so daß man noch weniger daran zu zweifeln braucht, 
daß ein freier Raumstrahl tags der Erdkrümmung folgen kann. 


Fig. 1. 


B. Die Nachtverbindung. Es hat sich also bei den Ver- 
suchen herausgestellt, daß eine bedeutende Krümmung des Raum- 
strahles nachts nicht besteht, wie ich ja schon bewies; es kann also, 
abgesehen von sehr kurzen Entfernungen, für die die Erde als flach 
betrachtet werden darf, eine Gegenstation nur von einem Raumstrahl 
getroffen werden, welcher in höheren Schichten reflektiert wurde, da, 
falls der Strahl nicht reflektiert wird, er die Erde verlassen müßte, 
oder in oberen Schichten absorbiert werden muß. Es wird sich hier- 
nach dann auch ergeben, daß, falls man eine solche reflektierende obere 
Schicht annimmt, alle hervortretenden Erscheinungen nachts bequem zu 
erklären sind. In Fig. 1 ist ein Teil der Erdschale, mit in größerer 
Höhe gedachter reflektierender Schicht gezeichnet. Der Punkt Z ist 
die sendende Station, ausgerüstet mit einer senkrechten Antenne. Wir 
sehen nun, daß die Verbindung zwischen Z und den Punkten (1’ 2’ 3”) usw. 
nur durch reflektierende Raumstrahlen stattfinden kann; die Strahlen 


22 C. J. de Groot. 


1’2’3’ usw., welche diese Verbindungen herstellen, müssen in um so 
größerer Elevation in Z ausgeben, je näher die Gegenstation liegt (vgl. 
z. B. Strahl 1—1’ mit 5—5). Die eingetragenen Enifernungen‘ sind 
nun so gewählt, daß daraus sofort praktische Schlüsse gezogen werden 
können, und zwar sind hier Entfernungen zwischen bestehende Stationen 
genommen, wo die Versuche ausgeführt wurden. !) 

Nun sind aber die Strablen 1 bis 6 nicht alle gleich kräftig. 
Nach der Herizschen Theorie ist die Feldstärke, durch einen linearen 
Oszillator in einem entfernten Punkte erregt, abhängig vom Winkel 
zwischen ÖOszillator und ausgehendem Strahl. Infolgedessen strahlt 
eine Vertikalantenne am kräftigsten in einer wagerechten Fläche und 
nicht in der Antennenrichtung selbst. Wir müssen uns also die An- 
tenne als einen senkrechten elektrischen Beleuchtungskörper vorstellen, 
sie verhält sich wie ein senkrechter Glühlampenfaden gegenüber Licht- 
wellen. Die Strahlungscharakteristik ist, da bei konstanter Entfernung 
die im entfernten Punkte erregte Feldstärke proportional dem Sinus 
des Winkels zwischen Strahl und Oszillator ist, ein Kreis, z.B. der 
eingezeichnete Kreis 7123456. Die Länge der eingetragenen Sehnen 
geben also ein MaB für die Strahlungsintensität in der Richtung der 
Pfeile. Man sieht deshalb, daß bei Überbrückung größerer Entfer- 
nungen nachts allerdings die große Länge des Strahles (größere Ent- 
fernungen) ein ungünstiger Faktor bleibt, der Strahl selbst jedoch 
kräftiger ist. Daher war es tatsächlich nachts nicht möglich, die 
Entfernung Z—1’ (Noesanive—Tromp) zu überbrücken, dagegen aber 
wohl die 24mal längere Entfernung Z— 6’ (Aiermelek—Oiba). Hierbei 
muß man noch bedenken, daß der Strahl 1 beinahe senkrecht die 
reflektierende obere Schicht trifft, in welchem Falle, wie die Theorie 
der Totalreflexion lehrt, viel Aussicht besteht, daß der größere Teil 
des Strahles nicht reflektiert wird, jedoch gebrochen in das darüber 
liegende Medium übergeht, um die Erde zu verlassen oder in höheren 
Schichten absorbiert zu werden. Dagegen sind aber die Umstände für 
Reflexion des flach eintretenden Strahles Z—6 besonders günstig. Wir 


1) Es sind nämlich (vgl. die in Fig. 4 abgebildete Karte): 
Z-1’ = Entfernung Noesanive—Tromp (Y) = 150 km. 
Z=? = Entfernung Oiba—Noesanive = 890 km. 

Z-% = Entfernung Landangan—Oiba = 1090 km. 

Z—-4 = Entfernung Landangan—Noesanive = 1620 km. 

Z-5’ = Entfernung Aiermelek—Landangan = 2540 km. 
`. Z-6’ = Entfernung Aiermelek—Oiba = 3580 km. | 

Z-7T = Entfernung Aiermelek—Noesanive = 8775 km. 

Z-6” = Entfernung Aiermelek—Osaka (Japan) = 5500 km. 


Über einige Probleme der Energieübertragung usw. 23 


müssen weiter bedenken, daß beim Gebrauch einer vertikalen Empfangs- 
antenne genau dieselben nachteiligen Verhältnisse vorliegen gegenüber 
dem in großer Elevation einfallenden Raumstrahl wie beim Sender. 
Ein horizontal einfallender Strahl erregt, wie bekannt, eine maximale 
EMK. in einer vertikalen Empfangsantenne, ein vertikaler Strahl hat 
dagegen gar keine Wirkung. Die Folgen dieser Umstände, nämlich 
nachteilige Erzeugung und Empfang bei Gebrauch einer Vertikalantenne 
von steil aus- und einfallenden Strahlen und weniger gute Reflexion 
gegen die obere spiegelnde Schicht, verursacht, daß eine Verbindung 
in kürzerer Entfernung nachts schwieriger ist als in größerer Ent- 
fernung, obwohl die Entfernung an und für sich natürlich ein un- 
günstiger Faktor bleibt. Die Bedingungen für mehr oder weniger 
günstige Reflexion sind schwierig zahlenmäßig anzugeben, da der 
Brechungsindex für beide Medien beiderseits der Reflexionsschicht nicht 
bekannt ist. Lassen wir aber diesen Einfluß, der für sehr kurze Ent- 
fernungen merklich sein muß, außer Betracht, so ist es möglich, den 
bestehenden Zusammenhang zwischen Entfernung und erzeugter 
Empfangs-EMK. zu finden. Die Feldstärke in einem entfernten Punkte 
ist nach Zenneck (falls wir Sendestromstärke, Antennenlänge und 
Wellenlänge konstant halten und Absorption vernachlässigen): 


sin & 
M = K Ren NG 
r 


worin bedeuten 


K = eine Betriebskonstante, | 

« = der Winkel zwischen Antenne und ausgehendem Strahl, 

r = die Entfernung (das heißt hier die Länge des reflektierten 
Strahles). 


Nun kommt der Strahl, welcher unter einem gewissen Winkel « 
die vertikale Sendantenne verläßt, unter demselben Winkel bei der 
vertikalen Empfangsantenne an (da die ganze Reflexionserscheinung, 
wie aus Fig. 1 hervorgeht, systematisch verläuft). Demzufolge ist die 
erzeugte EMK. in der Empfangsantenne kleiner, als sie sein würde, 
falls der Strahl horizontal einfiel und zwar wiederum im Verhältnis 
sinus «. 

Wir bekommen daher für die erzeugte EMK. in der Empfangs- 
antenne: 


in2 
Sın“ g 
E,=K' 


(D 


aus Fig. 1 ist also für | Jede Entfernung E, bequem zu berechnen. 


24 C. J. de Groot. 


Für den Strahl Zab ist: 
Za=1= HoF 


nehmen wir weiter in einem gewissen Maßstabe: 


EK’ Ye 4 1, 
Zb= F "sin e (also F = Z — b = Kreisdurchmesser) 


so ist: 
sin?«x Zb? 


E, = K er (vgl. Figur) 


Fr 
also aus der Figur ablesbar. Wir können nun (I) auf nachstehende 
Form bringen, wie aus der Figur hervorgeht: 
K'[R+h\?:p? 
m=z =. T i 
Hierin bedeuten: 
R = Erdstrahl, 
h = die Höhe der reflektierenden Schicht, 
p = die Hälfte der Sehne, welche beide Stationen verbindet, 
l = die Hälfte des Raumstrahles, d.i. der Teil des Strahles von 


einer Station bis zum Punkte, wo er reflektiert wird, l = z 


Nun sehen wir unter Benutzung dieser Formel schon, daß für 
sehr kurze Entfernungen für l als Funktion der Entfernung sich wenig 
ändert (der reflektierte Strahl verläuft beinahe vertikal, so daß lœ h), 
und die halbe Sehne = p = ungefähr die halbe Entfernung der 
Stationen bedeutet, die erzeugte EMK. = E, ungeführ proportional 
dem Quadrate der Entfernung, an der Erdoberfläche entlang gemessen, 
wächst, hiermit also die merkwürdige Erscheinung dieser in den 
Tropen auftretenden normalen Nachtverbindungen erklärt, wonach bei 
Gebrauch von Vertikalantennen und nicht zu großen Entfernungen die 
Lautstärke nachts wächst, wenn die Stationen sich weiter voneinander 
entfernen. 

Andererseits ergibt sich für größere Entfernungen (bis 0, Fig. 1) 
und bei h < R (h wird sich ca. 8°/, von R ergeben), d8 p œl = un- 
gefähr die halbe Entfernung der Stationen, längs der Erde gemessen, 
ist; dies beweist deutlich die Figur. 

Der Winkel zwischen halber Sehne (p) und halbem Raumstrahl (l) 
wird dann nämlich sehr klein, während ?! die Hypotenuse eines recht- 
winkeligen Dreiecks ist, dessen lange Schenkelseite in diesem Falle p 
ist. Wir ersehen also aus Formel (II), daß für diese größeren Ent- 


Über einige Probleme der Energieübertragung usw. 25 


fernungen die erzeugte EMK. = E, = umgekehrt proportional mit 
der wirklichen Entfernung zwischen den Stationen, der Erde entlang 
gemessen, abnimmt, als gäbe es keine Reflexion. 

Wir bekommen also zuerst ein starkes Zunehmen der Lautstärke, 
bei vergrößerter Entfernung zwischen beiden Stationen, bis natürlich 
ein Maximum erreicht ist, wonach die Lautstärke allmählich wieder 
abnimmt, welche Abnahme aber geringer ist, als wenn wir mit einem 
direkten Strahl zu tun hätten (für sehr große Entfernungen, in welchen 
der Strahl in der Praxis jedoch schon zum zweiten Male reflektiert 
werden muß und also die oben erwähnte Rechnungsweise nicht mehr 
gültig ist, nimmt die EMK. umgekehrt proportional mit der Entfernung 
ab. Wollen wir daher die vollständige Funktion dieser Linie, so 
drücken wir am bequemsten die der Erde entlang gemessene Entfer- 
nung im Mittelpunktwinkel 9 aus. 

Die genaue Entfernung ist alsdann: 


n R 
Wir finden dann aus (II) unter Berücksichtigung der Fig. 1: 
; sin? Ê 
K 3 2 
E= 5 (R +h) (III) 


en... BB  _A 
de: +? — 2 R(R + h)cos É + rel 
Für geringere Entfernungen (ĝ klein) ist nun: 


of in m h=<R 


= 
rI ; 2 
p=” er 2 ‚sin? É K" sin Im pn. a (II) 


E, nimmt also ungefähr mit dem Quadrat der Entfernung a zu 
(genauer mit dem Quadrat vom sinus des halben Mittelpunktwinkels). 

Nun ist nach Formel (I) in Fig. 2 E, als Funktion der Ent- 
fernung aufgezeichnet, wobei die Höhe der spiegelnden Schicht (h) zu 
180 km angenommen ist, wie in Fig. 1 gezeichnet. 

Tatsächlich sehen wir dann, daß E, als Funktion der Entfernung a 
zuerst stark zunimmt, bis bei ca. 500 km (bei dieser angenommenen 
Schichthöhe) ein Maximum erreicht ist, wonach Æ, langsam abnimmt. 


Darüber ist die Funktion E, = K Z gezeichnet, die in einer 


26 C. J. de Groot. 


flachen Ebene gelten würde, falls wir uns die Energieübertragung 
mittelst Raumwellen denken. 

Wo für Empfang in 0, der benutzte Strahl Z-6-0, horizontal 
austritt und einfällt, geben beide Funktionen für 0, denselben Wert. 

Wir sehen daher, daß für noch größere Entfernungen, welche 
aber nur durch wiederholte Reflexion des Strables Z’-6-0,-0, zu über- 
brücken sind (die anderen werden durch die Erde abgefangen), Æ, um- 
gekehrt der Entfernung allmählich abnimmt. (Also in 0, ist Æ, halb 
so groß als in 0), 

Vom Punkte, wo die maximale Lautstärke erhalten wird (hier 
500 km) bis 0, nimmt, wie die Fig. 2 zeigt, die erregte EMK. bedeu- 


tend weniger schnell ab als nach Formel E, = K = 


Durch die Übertragung mittelst reflektierender Strahlen nimmt 
also die Lautstärke erst stark zu, hernach mit wachsender Entfernung 
nur sehr wenig ab. Bei der hier 
oben gefolgerten Anschauung geht 
man nun aber von der Annahme aus, 
daß die Raumstrahlen nur gegen die 
obere Schicht, nicht aber gegen die 
Erde reflektiert werden. Es ist aber 
sehr wohl möglich, daB z. B. ein 
Strahl Z-4, welcher durch Reflexion 
die Erde bei 4’ erreicht, abermals 
nach oben reflektiert wird und dann 
wieder zurück zur Erde (0, punk- 
tierte Linie Fig. 1) usw., so daß die 
Lautstärke, erzeugt in einem Punkt, 
nicht ausschließlich die Folge ist von einem nur ein einziges Mal reflek- 
tierten Strahle, sondern von der Summe aller derjenigen Strahlen, welche 
ungeradzahligmal reflektiert, den betrachteten Punkt erreichen können. 
Es ist tatsächlich möglich, daß solches geschieht, z. B. über Meer, oder 
flachem Gelände mit bequem erreichbarem flachen Grundwasserspiegel. 
Jedoch werden die zusätzlichen Strahlen, im Vergleich zum erst be- 
trachteten Hauptstrahl, bedeutend weniger kräftig sein, und zwar weil: 

1. der vom Zusatzstrahl durchlaufene Weg länger ist, je nachdem 
der Strahl zwischen denselben zwei Punkten mehrmals reflektiert wurde. 

2. der Aus- und Einfallswinkel ungünstiger ist, je nachdem der 
Strahl, welcher dieselben zwei Punkte verbindet, mehrmals reflektiert 
wurde; der Strahl muß dazu steiler ausgehen. 


Über einige Probleme der Energieübertragung usw. 27 


3. die Aussicht auf totale Reflexion bei den mehrmals reflek- 
tierten Strahlen an beiden Flächen geringer wird, da durch den 
größeren Einfallswinkel die Aussicht auf Brechung vermehrt, die auf 
totale Reflexion aber vermindert wird. | | 

4. jedesmal, wenn der Strahl reflektiert wird, Arbeit verloren 
geht, sei es infolge teilweiser Brechung, sei es durch Absorption 
(Übergang in Wärme oder andere Energieform). Die Aussicht, es mit 
mehreren zusätzlichen Strahlen zu tun zu haben, ist daher nicht sehr 
groß, bleibt aber bestehen, besonders für lange Verbindungen, wofür, 
was den ersten zusätzlichen Strahl betrifft (dreimalige Reflexion), noch 
die günstigsten Daseinsbedingungen bestehen. Die unter 1—4 ge- 
nannten ungünstigen Verhältnisse bestehen in diesem Falle am we- 
nigsten. Nun müssen wir aber bedenken, daß infolge eines Unter- 
schiedes in dem von beiden Strahlen durchlaufenen Weg im allgemeinen 
eine Phasenverschiebung für beide Strahlen entstehen muß, so daß wir 
mit Interferenzerscheinung zu rechnen haben. Diese Erscheinungen 
werden beim Betrieb mit gedämpften Wellen, mit einigem Zwischen- 
raum zwischen zwei aufeinanderfolgende Schwingungsgruppen, nicht 
merklich auftreten können, so daß wir annehmen können, es hier 
praktisch nur mit dem Hauptstrahl zu tun zu haben. Anders ist es 
aber beim Betrieb mit Sendern, welche mit ungedämpften Wellen 
arbeiten; hier könnte sich diese Iuterferenzwirkung merkbar machen, 
und dies mag die Erklärung sein für die Erscheinung, von Austin 
und de Forest wahrgenommen, daß nachts eine kleine Änderung der 
Wellenlänge die Empfangslautstärke stark beeinflussen kann. 

Ist der Unterschied des von beiden Strahlen durchlaufenen Weges 
eine ganze Anzahl Wellenlängen, so sind beide eintreffiende Wellen in 
Phase, verstärken einander daher (maximale Lautstärke), Ändert man 
jedoch die Wellenlänge um ein Geringes, dermaßen, daß derselbe Weg- 
unterschied übereinstimmt mit einem ungeraden Vielfachen der halben 
Wellenlänge, so schwächen sich beide Schwingungen (minimale Laut- 
stärke). - Es läßt sich daher sehr gut verstehen, daß eine geringe’ 
Änderung der Wellenlänge genügt, um vom günstigsten Falle in den 
ungünstigsten zu geraten. Der Unterschied zwischen dem durch- 
laufenen Weg für den Haupt- und ersten additionellen Strahl zwischen 
dem Punkte Z und 0, (Fig. 1) ist, wie man aus der Figur nachmessen 
kann, ca. 160 km. Nehmen wir z.B. an, daß wir die Maximallautstärke 
erhalten, wenn wir mit einer Welleulänge von 1 km = 1000 m arbeiten 
(da der Entfernungsunterschied in diesem Falle = 320 halbe Wellen- 
längen ist), so erhalten wir die minimale Lautstärke für eine Wellen- 


28 C. J. de Groot. 


länge, für welche die Entfernung von 150 km 819 oder 821 halbe 
Wellenlängen darstellt (A = 1003 resp. 997 m). 

Eine Änderung von drei pro Mille der Wellenlänge bedingt also 
schon eine Schwankung der Lautstärke von einem Minimum zu einem 
Maximum und umgekehrt!. Es ist daher eine erfreuliche Tatsache, 
daß auch die oben behandelte Erscheinung, von Austin und Forest 
wahrgenommen, in dieser Weise erklärt werden kann und meine An- 
schauungsweise stützt. Wie bereits erwähnt, kann die Interferenz- 
erscheinung bei den Tonsendern, arbeitend mit gedämpften Wellen, 
schwerlich auftreten, obwohl vielleicht ein Teil der Veränderlichkeit 
der Nachtlautstärke darauf zurückzuführen wäre. 

Der Hauptstrahl reflektiert auf einer ganz anderen Stelle der 
‚Oberfläche als der additionelle Ist nun die Spiegelfläche, elektrisch 
gesprochen, in Bewegung, was nicht zu bezweifeln ist, so wird diese 
Bewegung auf den drei Punkten, wo Reflexion stattfindet, ganz und gar 
verschieden sein; der Anteil beider Komponenten in der empfangenen 
Lautstärke wechselt daher immer. Die Beweglichkeit der reflektierenden 
Oberfläche, welche der Grund einer gewissen Art von Luftstörungen 
sein muß, ist gleichfalls der Hauptgrund der Veränderlichkeit der 
Nachtlautstärke. Es ist dann auch zweifellos festgestellt, daß die 
größeren Reichweiten erzielt werden (Reflexion am besten), wenn nachts 
die atmosphärischen Störungen am geringsten sind (die oberen Schich- 
ten sind dann in Ruhe). Beachten wir also allein den Hauptstrahl, 
so sehen wir, daß am Punkte 0, (Fig. 1) vorüber Nachtverbindung 
nur möglich ist infolge des horizontal ausgehenden Strahles Z-6-0,- 
C-0, usw. 

Die übrigen unter Elevation ausgehenden Strahlen 1—5 haben 
alle bereits die Erde bei 1’-5’ erreicht, und werden da absorbiert, falls 
man annimmt, daß sie nicht mehr zur Höhe empor reflektiert werden. 
Die Folge davon ist, daß zwischen 0, und 0, kein einziger Strahl die 
Erde mehr erreichen kann. Hier muß deshalb eine stille Zone be- 
stehen. 


Tatsächlich wird nun meine Theorie durch die Resultate der 


Praxis in den Tropen bestätigt, da gewöhnlich nachts die Entfernung 
Aiermelek—Oiba (Z-6’) sehr gut überbrückt werden konnte, die Ver- 
bindung bis zu dem nur wenig weiter entfernten Punkte 7’ (Noesaniv6) 
dagegen niemals gelang und nur ein einziges Mal in umgekehrter 


1) In dieser Weise wäre es möglich, die Höhe der Heaviside-Schicht 
genau zu bestimmen: 


BO a a Taaa ARE EG 


Über einige Probleme der Energieübertragung usw. 29 


Richtung überbrückt wurde, obwohl beide Stationen schon verschiedene 
Jahre arbeiten. Nach meiner Meinung ist diese einmalige Ausnahme 
nur dadurch zu erklären, daß in dieser Ausnahmenacht die Spiegel- 
schicht etwas höher gelegen war als gewöhnlich (dazu ist nur ein 
kleiner Unterschied nötig), oder daß ein dreimal reflektierter Strahl 
die Verbindung unter ganz besonders günstiger Existenzbedingung 
besorgte. 

Da beide Stationen schon jahrelang im Betrieb sind, kann man 
dieses Resultat ruhig als Beweis dafür annehmen, daß gewöhnlich hier 
(d. h. bei 7”) die stille Zone schon erreicht wurde. In dieser Entfernung 
(etwas über 3000 km) hören auch alle Nachtrekords der Aiermelek- 
station, welche mit Schiffsstationen arbeitet, auf, bis man plötzlich in 
einer sebr großen Entfernung von 5500 km sehr gute Nachtverbin- 
dungen erhält. Daher ist in dieser Entfernung gewöhnlich die stille 
Zone wieder überschritten (Punkt 0,, Fig. 1) Ich konnte dann auch 
keinen besseren Beweis für die Reflexionstheorie erhoffen als das Be- 
stehen dieser stillen Zone und die bewiesene Lautstärkeverbesserung 
nachts mit zunehmender Entfernnng. Es war mein fester Entschluß 
— welcher leider durch den Krieg vereitelt wurde — auf meiner 
Reise von Indien nach Europa die weiteren, regelmäßig auftretenden 
stillen Zonen festzulegen, wodurch es mir ermöglicht worden wäre, 
die Höhe der reflektierenden Schicht genau zu bestimmen. Eine weitere 
Bestätigung dieser Auschauungsweise ist nun gleichfalls die in der 
Fachliteratur bekannte „freak“-Nachtverbindung (z. B. s. Jahrbuch Bd. 7, 
1913, S. 201) einer Schiffsstation etwas außerhalb der Bucht von 
Melbourne mit der Küstenstation auf der Cocosinsel (ca. 6000 km), 
wo beiderseits mit nur 1,5 KW. gearbeitet wurde. Daß man sich 
dazu ein wenig außerhalb der Bucht begeben mußte, war selbstver- 
ständlich nötig, um das Abfangen der Raumwellen durch das Gebirge 
zu verhindern. Diese unerklärlich scheinende regelmäßige Verbindung 
wird nun im Lichte meiner Tbeorie erklärlich; man befindet sıch dann 
nämlich in 0, (Fig. 1) und ist also an der ersten stillen Zone (wo 
man keine Verbindung erhält) schon vorüber. Tatsächlich erhielt man 
dann auch in geringerer Entfernung keine Verbindung. Der Erfolg, der 
schon einige Male gelungenen Nachtverbindung Nauen—-Aiermelek 
(Sabang), wobei in Europa mit ca. 100 KW. und langer Wellenlänge 
(ca. 7000 m) gegeben wurde, muß vermutlich dem Umstand zu- 
geschrieben werden, daß bei der dann überbrückten Entfernung 
(9450 km) die zweite zwischen 0, und 0, befindliche stille Zone be- 
endet ist, und man sich daher nahe bei 0, befindet. Die Kenntnis 


30 C. J. de Groot. 


der Begrenzungspunkte von diesen verschiedenen Zonen hat nun den 
weiteren Nutzen, daß wir die Höhe der reflektierenden Schicht an- 
nähernd bestimmen können. Wie die Schicht in Fig. 1 eingezeichnet 
ist, herrscht die stille Zone, von 0, bis 0,, so daß 6 und 6” schon 
teilweise, 7’ aber schon gänzlich darin liegen. — Wie vorher schon 
gesagt, war nun in 6° und 6” Verbindung da, nicht aber in 7”. 
Nehmen wir nun als erste Begrenzung an, daß die stille Zone un- 
mittelbar binter 6° anfangen sollte, z. B. in einer Entfernung von 
3600 km von Z, dann würde sie erst enden in 7200 km (da Z 0, = 
0, 0, ist), so daß der Punkt 6” noch ganz in der stillen Zone liegen 
müßte. Es kann nun bequem bewiesen werden, daß die Höhe der 
Schicht: 


h= R| + seo- É ist 


wenn R = der Erdradius und 
ß = der Mittelpunktswinkel Z 0, oder 0, 0, ist 


wenn wir also a = 3600 km oder 


180 -a 
— zz 32030’ 
ß n R 


So wird h = 267 km. 


Nehmen wir dagegen als zweiten Grenzfall 0, in 6” an, also 0, 
auf 2750 km von Z, so daß nun 6° ganz im stillen Sektor liegen 
würde, so ließe sich A = 152,5 km berechnen. 


Die reflektierende Schicht muß dann zwischen diesen beiden Grenz- 
werten liegen, und wir können uns denken, daß sich entweder diese 
Schicht tatsächlich zwischen diesen Grenzen bewegt (die Verbindungen 
Z6 und 6” wurden nicht am selben Tage überbrückt), oder daß die 
Schicht in einer Höhe, welche sich zwischen diesen beiden Grenz- 
werten befindet, dauernd gelegen ist, wobei die Strahlen auch nachts 
nicht absolut gerade anzunehmen sind, sondern ein wenig gekrümmt, 
wodurch, wenn die eingezeichneten Punkte bei 0, und 0, in Fig. 1 
die richtigen Begrenzungspunkte der stillen Zone sind, der Strahl 
noch genug Krümmung besitzt, um sich in 6° und 6” noch merkbar 
zu machen. Ich bin geneigt, letzteres anzunehmen, da die erste An- 
nahme wichtige Höheschwankungen in der oberen Schicht bedingen 
würden. | | 

Die beiden Grenzwerte A = 267 und h = 152,5 km bedingen 
nun eine mittlere Höhe von 210 km, andererseits bedingen die ge- 


Über einige Probleme der Energieübertragung usw. 81 


nannten Verbindungen Melbourne—Cocos und Nauen—Sabang beide 
eine Schichthöhe von ungefähr 197,2 km. Die Reflexionsschicht muß 
sich daher in rund 200 km Höhe befinden. 

Nun ist es ein ganz erfreuliches Zeichen, daß man in der Nähe 
dieser Gegend, begründet auf Erscheinungen vom Nordlicht, eine solche 
Schicht erwartet, und zwar in ca. 180 km Höhe. Der Beweis der 
Existenz dieser Schicht (Schicht von Heaviside) ist hiermit also als ge- 
liefert zu betrachten. Es hat sich auch als notwendig herausgestellt, 
diese Schicht als bestehend anzunehmen, um eine zusagende Erklärung 
zu finden für eine der verschiedenen Kategorien luftelektrischer Stö- 
rungen, wobei sich der Tages- und Jahresverlauf dieser luftelektrischen 
Störungen analog gestaltet!) wie der tägliche und jährliche Verlauf 
der Abweichungen in dem Erdmagnetismus, welch letzte Erscheinung 
wiederum mit dem Nordlicht zusammenhängt. Erscheinungen auf 
dreierlei Gebieten weisen übereinstimmend auf das Bestehen dieser 
Schicht hin, so daß die Existenz nicht bezweifelt zu werden braucht. 
Es freut mich, die Höhe dieser Schicht fixiert haben zu können. Leider 
konnten die beabsichtigten Versuche zu einer genaueren Annäherung 
nicht stattfinden wegen des Kriegszustandes, Der Weg, auf dem man 
weiterschreiten kann, ist jedoch angedeutet (vgl. auch Fußnote S. 28). 
Es wäre sehr zu empfehlen, diese Versuche nicht mit zu starken Sen- 
dern auszuführen, weil sonst die mehrfach reflektierten Strahlen zu 
kräftig werden und in die stille Zone dadurch merkbar eindringen 
könnten, wodurch die Grenzen nicht scharf genug ausfallen würden. 
Nach dieser Erklärung ist es wünschenswert, noch einige Punkte zu 
behandeln, und zwar: 

a) Bei der Betrachtung des Versuches zwischen Noesaniv6 und 
I. M. Panzer Tromp wurde erklärt, daß nachtsüber Verbindung un- 
möglich war, da durch die zwischenliegenden Berge der nicht merk- 
lich sich biegende Raumstrahl die Empfangsstation nicht erreichen 
‘konnte. Es müßte aber nach dem Vorstehenden möglich sein, daß 
ein beinahe vertikaler Strahl nach Reflexion gegen die obere Schicht 
die Verbindung zustande bringt (Strahl Z1’ in Fig. 1). 

Wie ungünstig dieser Strahl denn auch ausgeht, muB die er- 
zeugte EMK. nach der berechneten Charakteristik, Fig. 2, doch noch 
gerade so kräftig sein wie für einen Punkt zwischen 3° und 4’, wo 
gute Nachtverbindung bestand. Aus der Lautabwesenheit bei oben- 
genannter kurzer Verbindung muß die Schlußfolgerung gezogen werden, 


1) Hierüber in einer nächsten Abhandlung. 


32 C. J. de Groot. 


daß die berechnete Charakteristik nicht mit der Praxis in Einklang sein 
kann. Dies darf auch nicht erwartet werden, da bei der Berechnung dieser 
Charakteristik angenommen wurde, daß für jeden Einfallswinkel totale 
Reflexion des Raumstrahles auf der spiegelnden Oberfläche stattfindet. 
Dies darf ruhig bezweifelt werden; wir brauchen nur Fig. 3 anzusehen, 
welche die Verbindung Noesanivé— Tromp in genauem Maßstab wider- 
gibt, um zu verstehen, daß der aufsteigende Strahl X größtenteils ins 
höhere Medium gebrochen übergeht (Y) und nur für einen kleinen 
Teil reflektiert werden würde (Z), so daß die empfangene Energie 
nicht genügt, um das Telephon zu erregen. Je flacher der Strahl 


Jo AÄm--__. 


~ 
- =. ~o 


einfällt, desto größer also der Anteil von Z, und um so kleiner ist 
der von Y, so daß sich die Maximallautstärke, welche für die berech- 
nete Kurve bei 500 km lag, in der Praxis nach einer größeren Ent- 
fernung verschiebt. Diese Verschiebung kann unmöglich berechnet 
werden, weil wir den Brechungsindex zwischen beiden Medien beider- 
seits der Schicht nicht kennen, die Tatsache aber, daß die Lautstärke 
in der Praxis in 2’ weniger war als in 8’ oder 4’, als richtig an- 
nehmend (Lautstärke wächst in Indien nachts mit der Entfernung), 
wird der Verlauf etwa derjenige sein, welcher durch die Linie -.-.-.-.- 
in Fig. 3 angegeben wird. Bei größeren Entfernungen (5’” und 0) 
darf jedoch angenommen werden, daß totale Reflexion mit Sicherheit 
stattfindet. 


Über einige Probleme der Energieübvertragung usw. 33 


b) Hiermit ist zugleich die Erklärung für einen quantitativen 
Unterschied gefunden, welcher noch auftrat zwischen der berechneten 
Kurve E, = fia) (Fig. 3) und der Praxis. Wohl nahm EZ, mit de! 
Entfernung sehr stark zu, jedoch ergab sich das berechnete Maxi- 
muam bereits bei 500 km, während die Praxis anzeigte, daß nachts 
die Verbindung Oiba—Noesaniv6 (890 km) schlechter war als die Ver- 
bindung Landangan—Oiba (1090 km), welche wieder gewöhnlich durch 
die Landangan—Noesanivöverbindung übertroffen wurde (1620 km). 
Die Lautstärkesteigerung dauerte daher zwischen 1090 und 1620 km 
noch immer fort. 

Durch die besser werdende Reflexion gegen die obere Schicht mit 
der Entfernung, welche Funktion bei der theoretischen Linie nicht 
mit berechnet wurde, findet diese Erscheinung genügende Erklärung 
(-.-...... Linie Fig. 8) Das Problem der Nachtverbindung kann nach 
dem oben behandelten kein Problem mehr genannt werden; ich glaube 
die vollständige Lösung, genügend durch Beweise gestützt, erbracht 
zu haben. 

Absichtlich sind hier bei den Betrachtungen über Nachtverbin- 
dungen keine bestimmten Meßwerte angegeben. Die veränderliche Laut- 
stärke nachtsüber (innerhalb einer Sekunde variierte die Lautstärke 
um das Tausendfache) machte genaue Messungen unmöglich. 

Die Messungen können durch die fortwährend anwesenden, sehr 
kräftigen Luftstörungen nur mittelst des Parallel-Ohm-Verfahrens ge- 
schehen, ohne Anspruch auf Genauigkeit zu erheben, und es wurde 
nachts daher sehr wenig gemessen. Wegen Personalmangel war es 
dabei unmöglich, die Versuche alle 24 Stunden hindurch abzuhalten, 
so daß gewöhnlich nur Anfang und Ende der Nacht untersucht wurden, 
nur wenige Male untersuchte man die ganze Nacht -hindurch. — Diese 
wenigen Messungen bestätigen aber nur die launenhafte ungesetzlicbe 
Nachtlautstärkeänderung, die nur zu sehr auf Reflexion gegen eine 
unruhige Schicht hinweist. Daß die Erfahrungen trotzdem hinreichend 
waren zum Aufstellen obengenannter Gesetze, hat seinen Grund einmal 
in der Tatsache, daß man während den schlechten Jahreszeiten darauf 
angewiesen war, immer bis zur späten Nachtstunde weiter zu arbeiten, 
um die vorliegenden Telegramme, welche tagsüber wegen mangelhafter 
Verbindung nicht aufgearbeitet werden konnten, zu erledigen, wobei 
auch, ohne zu messen, ein gutes allgemeines Urteil erzielt werden 
konnte, während andererseits die Resultate der Aiermelek-(Sabangstation), 
welche Tag und Nacht mit Schiffen arbeitet, gleichfalls zur Verfügung 
standen. Es muß nun darauf hingewiesen werden, daß man nicht er- 

Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 5 3 


C. J. de Groot. Über einige Probleme der Energieübertragung usw. 


34 


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H. Nagaoka. Die Fortpflanzung elektrischer Wellen usw. 35 


warten darf, in Europa eine vollständige Bestätigung des hier Dar- 
gestellten zu erhalten, und zwar hauptsächlich wegen des Umstandes, 
daß in den Tropen die oberen Schichten stärker ausgeprägt sind als 
in Europa, wo im allgemeinen die Luftschichten oft in starker Be- 
wegung gehalten werden. 

Es darf als bekannt vorausgesetzt werden im Einklang mit 
Obigem, daß in den Tropen fast jede Nacht auftritt, was in Europa 
gelegentlich auftritt und als freak-Verbindungen bezeichnet wird. 

Für Europa bezieht sich meine obige Abhandlung daher haupt- 
sächlich nur auf solche Freakverbindungen. Nachtverbindungen über 
6000 km für eine 21/, KW.-Station mit einer Wellenlänge von nur 
600 m arbeiteud, ist in den Tropen etwas Alltägliches. Auch die 
Tagesverbindung gestaltet sich dort ganz abnormal, worüber ich ein 


anderes Mal berichten werde. 
(Eingesandt 18. August 1916.) 


Adresse des Autors: Regierungsingenieur Dr. C. J. de Groot, 
Gouv. Post-Telegraaf-en Telefoondfenst Technische Dienst 3. Hoofd- 
bureau Batavia (Ned. O. Indie.) 


Die Fortpflanzung elektrischer Wellen auf der Oberfläche 
der Erde und die lonisierte Schicht der Atmosphäre. 


Von H. Nagaoka. )) 


Die Hypothese einer ionisterten reflektierenden Schicht scheint zu- 
erst im Jahre 1893 von Fitzgerald und ohne Hinweise auf irgend- 
welche Ursache der lonisierung im Jahre 1902 von O. Heaviside 
aufgestellt worden zu sein. A. E. Kennelly und andere Forscher 
haben im Jahre 1902 dicse Hypothese benutzt, um die drahtlose . 
Telegraphie auf große Entfernungen zu erklären. Ihre Erklärung ging 
dahin, daß die Wellen zwischen der ionisierten Schicht und der Erde 
ohne großen Energieverlust, wie er bei Wellen im Weltraume ein- 
treten würde, wandern sollten. In der vorliegenden Arbeit beabsichtige 
ich, denselben Gedanken zu entwickeln. Nimmt man eine teilweise 
Reflexion als möglich an, so vermag man allgemein die Probleme des 


1) Auszug aus einer Veröffentlichung in „La Revue Générale des 
Sciences“. 
3* 


86 H. Nagaoka. 


Sonnenauf- und -unterganges bei der Signalgebung sowie der Über- 
mittelung längs des Meridians oder quer zu diesem und das Vorhanden- 
sein atmosphärischer Störungen zu erklären. 

Das Vorhandensein einer solchen Fläche und das beständige Auf- 
fangen ionisierender Teilchen scheinen durch die Arbeiten und die 
Versuche von Birkeland, Störmer und Arrhenius erwiesen zu 
sein. So widersinnig dies auch erscheinen mag, ist doch dieses Bom- 
bardement der Erdatmosphäre bei Tag und bei Nacht nicht stark von- 
einander verschieden. 

Wir haben gute Gründe zu der Annahme, daß die lonisierung 
der Atmosphäre durch ultraviolette Strahlen in Höhen von mehr als 
10 km stattfindet. Die Ballonbeobachtungen von Wigand scheinen 
darauf hinzuweisen, daß ein Maximum der lonisierung in mehr als 
9 km Höhe vorhanden ist. Wahrscheinlich erreicht die lonisierung 
einen Höchstwert und nimmt alsdann ab. Die Fläche der maximalen 
Ionisierung durch ultraviolette Strahlen ist auf ungefähr 50 km ge- 
schätzt worden, wo der Druck etwas weniger als 1 mm beträgt und 
dem Druck für das Mindestpotential bei gewöhnlichen Versuchen über 
Funkenentladung in Vakuumröhren entspricht. 

Diese Fläche liegt in der Stratosphäre, nicht weit von der Wasser- 
stoffschicht, und das Gebiet, in welchem die Teilchen gefangen werden, 
liegt wahrscheinlich in der Wasserstoffsphäre (dem Geoconium Wege- 
ners) und besteht in einer Höhe von 200 bis 500 km. Norwegische 
Beobachtungen und Messungen beweisen, daß die Nordlichtentladungen 
in dieser Höhe vor sich gehen. Da die ultraviolette lonisierung auf 
ein verhältnismäßig niedriges Gebiet beschränkt ist, muß sich die 
Wirkung besonders bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang fühlbar 
machen. Die lonisierung der Atmosphäre wird demnach durch diese 
zwei Ursachen bestimmt. 

Das Vorhandensein einer derartigen Fläche muß sowohl eine Ab- 
sorption als eine Reflexion der auftreffienden Wellen hervorrufen. Die 
Reflexion muß jener des Schalles an Dunst- oder Nebelwolken analog 
sein und einer Art rings um die Erde laufenden ‚Flüstergallerie‘ ähn- 
lich sein. Wenn wir auch den Durchlässigkeitskoeffizienten der Schicht 
für die Wellen nicht kennen, muß doch das Gesetz für den Energie- 
verlust, nämlich umgekehrt proportional der Entfernung, mit großer 
Annäheruug gelten. Wenn wir annehmen, daß sich die reflektierende 
Schicht in einer Entfernung von 20 bis 30 Wellenlängen befindet, so 
wird die Art der Fortpflanzung um die Krümmung der Erde eine 
sehr verwickelte infolge der vielfachen Reflexionen zwischen der Schicht 


Die Fortpflanzung elektrischer Wellen auf der Oberfläche der Erde usw. 37 


und der Erde, und wir haben es mit einem Problem zu tun, das sich 
weder durch Beugung, noch durch Öberflächenwellen, noch durch 
höhere Geschwindigkeit der Wellen in den oberen Schichten der 
Atmosphäre leicht erklären läßt. Machen wir uns die eingangs kurz 
umrissene Anschauung von der lonisierung zu eigen, so wird der Ein- 
fluß des Sonnenaufgangs und des Sonnenuntergangs durch die Fig. 1 
und 2 dargestellt. In der ausführlichen Veröffentlichung werden noch 
zwei weitere Abbildungen wiedergegeben, welche den Einfluß des Sonnen- 
auf- und Sonnenuntergangs zeigen und im allgemeinen mit denen über- 
einstimmen, die Marconi für die Nachrichtenübermittelung über den 
Atlantischen Ozean angegeben hat. Der Verfasser legt dar, daß wenn 
wir eine Schicht bei Tage in verhältnismäßig geringer Höhe annehmen, 
daß diese dann meteorologischen Störungen aller Art ausgesetzt ist. 


nn. 
Eai a DN 2 Bas > 
f DE ~ 


Fig. 1. Sonnenaufgang. | Fig. 2. Sonnenuntergang. 


Vielleicht verursacht das Vorhandensein von Falten und Runzeln Beu- ` 
gung, und er zieht.deshalb vor, mit langen Wellen zu arbeiten. Bei 
Nacht ist das Wesen des Einfangens von Teilchen verwickelt, wie dies 
Störmer gezeigt hat, und die Falten haben dann weit größere Ab- 
messungen als bei Tage. Wenn eine ionisierende Schicht vorhanden 
ist, so sind die Bedingungen für eine günstigste Wellenlänge gegeben. 
Bei einer runzeligen Fläche in sehr hohen Gebieten, die teilweise unter 
dem Einfluß der Erddrehung steht, müssen schwache Maxima und 
Minima miteinander abwechseln. Die äquatoriale Zone der Erdatmosphäre 
ist nicht annähernd so kompliziert wie jene der höheren Breiten, wo 
die Nähe der Nordlichtbanden auftritt. Da der Querschnitt der reflek- 
tierenden Schicht sich nicht plötzlich mit der Krümmung verändert, 
mnß es viel leichter sein, Signale von Norden nach Süden zu geben 
als von Osten nach Westen. Gegenwärtig vermögen wir zu keiner 
sicheren Schlußfolgerung hinsichtlich der Änderung mit der Jahreszeit 
zu gelangen. 

Nach H. Ebert haben die elektrischen Schwingungen der Sonne 
eine Periode von 6!/, Sekunden, und während der Perioden der Sonnen- 


38 . 0. Demnmler. 


tätigkeit ist die elektrische Erregung der Sonne imstande, Wellen in 
das Weltall hinauszusenden. Wenn es möglich wäre, den Durchgang 
derartiger Wellen durch die ionisierte Schicht zu beobachten, würde 
damit viel Licht über unsere Kenntnis von der lonisierung der Atmo- 
sphäre verbreitet werden. Der Einfluß von Sonnenfinsternissen läßt 
sich in ähnlicher einfacher Weise erklären. Die ionisierte Schicht er- 


er 
m 
x 


a e S 
Fig. 3. Wirkung der Sonnenfinsternis. 


hebt sich allmählich in die höheren Gebiete, gerade wenn die Totalität 
erreicht wird. Offenbar wird die Stärke der Signale bei Beginn der 
Finsternis geschwächt werden, ein Maximum erreichen und dann 
wiederum abnehmen. Wenn wir die Ergebnisse derartiger Beobach- 
tungen betrachten, müssen wir indessen notwendig berücksichtigen, daß 
sie nicht durch irgendwelche andere elektrische Störung in der Atmo- 
sphäre verschleiert sein dürfen. 


(Nach Electrician 76, 741, 1916 aus dem Englischen übersetzt 


von Max Iklé.) 
(Eingesandt 20. August 1916.) 


Messungen über die Ausbreitungsgeschwindigkeit 
elektrischer Wellen an der Erdoberfläche. 


Von ©. Demniler.') 
(Mitteilung aus dem Kaiserlichen Telegraphen-Versuchsamt.) 


1. Einleitung. 
Um die Länge elektrischer Wellen zu messen, benutzt man nach 


dem Vorgang von Lecher und Drude?) stehende Wellen auf Drähten. 
Solche Messungen liegen unter anderem auch der Eichung der Wellen- 


1) Nach Archiv f. Elektrot. Bd. 3, Heft 3/4, 1914. Verlag Julius 
Springer, Berlin. 
2) P. Drude, Ann. Phys. 9, 614, 1902. 


Messungen über die Ausbreitungsgeschwindigkeit usw. 39 


messer durch die Physikalisch-Technische Reichsanstalt zugrunde.!) 
Hierbei muß man sich einer Paralleldrahtleitung bedienen, um den 
EinfluB der Umgebung auszuschalten. Bei der vorliegenden Unter- 
suchung sollte dieser Einfluß festgestellt werden, nämlich die Abhängig- 
keit der Fortpflanzungsgeschwindigkeit von der Beschaffenheit der Erd- 
oberfläche. 


2. Versuchsanordnung. 


Zu diesem Zwecke wurden in der Gegend von Neu-Strelitz zwei 
Paralleldrähte aus Bronze von 1,5 mm Durchmesser und je 940 m 
Länge ausgespannt (Fig. la). Sie wurden mit Bindfaden au Porzellan- 


Holzstutze 


Hlolzshitze 


Fig. 1a. 


rollen gebunden, die senkrecht übereinander mit einem Abstande von 
10 cm an 1 m hohen Holzstützen befestigt waren. Die Holzstützen 
wurden in 20 m Entfernung voneinander in gerader Linie aufgestellt. 


Fig. 1b. 


Um eine gute Erdleitung zu erhalten, wurden drei 25 cm breite 
Zinkblechstreiffen Z von 1,5 m Länge senkrecht in die Erde so ein- 
gegraben, daß sie in die Ecken eines gleichseitigen Dreiecks zu liegen 
kamen, dessen Seiten 4 m lang waren. Die Zinkbleche reichten ins 


1) Dießelhorst, Jahrb. d. drahtl. Telegr. 1, 262, 1907. 


40 O. Demmler. 


Grundwasser und waren durch Kupferband miteinander verbunden. Das 
eine Zinkblech Z, war mit Anschlüssen versehen und ragte ungefähr 
1 m aus der Erde hervor; mit dem oberen Teil war es auf einem 
Brett befestigt. Dieser Erdanschluß wurde noch durch zwei Draht- 
netze N von 25 m Länge und 1 m Breite verbessert, die an die 
äußersten Zinkbleche angelötet waren (Fig. 1b). Der erste Teil der 
Drähte, 220 m, führte über einen Sandhügel, der Rest über eine 
moorige Ebene (Fig. 2). 


Über dem einen Ende der Leitungen, wo die Erdleitung sich be- 
find, war ein Zelt aufgeschlagen, in dem die Messungen ausgeführt 
wurden. Zur Erregung von Schwingungen auf der Leitung diente ein 
magnetisch mit ihr gekoppelter, im Zelt aufgestellter Hahnemann- 
Wellenmesser, der mit Summer betrieben wurde. Dieser Wellenmesser 
war deshalb sehr geeignet, weil seine Kapazität klein ist, und dadurch 
eine große Abstimmschärfe erzielt wird. Lose magnetische Koppelung 
zwischen dem Erregerkreis und den Paralleldrähten genügte, um im 
Resonanzfalle Schwingungen auf den Drähten zu: erzeugen, die stark 
genug waren, mit einem aperiodischen Detektorkreis wahrgenommen 
werden zu können. Dieser bestand aus 12 Windungen umsponnenen 
Drahtes, die auf einem Brett von 50 X 70 cm angebracht waren, einem 
Glimmerkondensator von 2500 cm Kapazität und einem regulierbaren 
Bleiglanzdetektor. Paralell zum Kondensator lag der Fernhörer. 

Wellenmesser und Detektorkreis wurden in der Nähe der Draht- 
leitungen so aufgestellt, daß der Wellenmesser den Detektorkreis nicht 
erregte, daß jedoch die Drahtleitungen mit dem Wellenmesser und dem 
Detektorkreis genügend gekoppelt waren. 


3. Melmethode. 


Mit der 940-m-Leituung wurde die Eichung des Wellenmessers 
verglichen. An dem einen Ende waren dabei die Drähte frei, am an- 
deren, im Zelte, überbrückt, und es wurden durch geeignete Stellung 
der Wellenmesserspule W (Fig. 3a) Schwingungsvorgänge hervorgerufen, 
die für die beiden Drähte entgegengesetzte Phase haben. 

Die Drahtleitung wurde mit dem Wellenmesser erregt und zu- 
nächst die Grundschwingung, die bei 4 = 3760 m liegen’ mußte, ge- 


Messungen über die Ausbreitungsgeschwindigkeit usw. 41 


messen. Dann wurde der Wellenmesser verstellt, und es bestand bei 
mehreren Einstellungen Resonanz zwischen Drahtleitung und Wellen- 
messer entsprechend den Öberschwingungen der Leitung. Bei sämt- 
lichen Beobachtungen ergab sich eine gute Übereinstimmung zwischen 
den aus der Drahtlänge berechneten und dem gemessenen, aus der 
Eichkurve abgelesenen Werten der Wellenlängen. 

Die Erregung war bei diesem Versuche sehr schwach, und die 
Beobachtung sehr mühsam; deshalb wurden die Drähte für die Haupt- 
versuche auf 540 m verkürzt. 

Zunächst wurde wiederum nur das Ende im Zelt überbrückt, 
während die Dräbte an den Außenenden frei waren. Somit konnte 
jeder für sich in ungeraden Vielfachen von Viertelwellen schwingen, 
und es ergaben sich die 1., 8., 5. usw. Oberschwingung. In diesem 


Drahtzuun? 


Fig. 3a. Fig. 3b. 


Falle ist die Fortpflauzungsgeschwindigkeit c gleich 3 - 101° cm/sec. 
Dann wurden die Leitungen an willkürlichen Stellen überbrückt und 
im Zelt mit der Erdleitung verbunden. Nunmehr schwingen bei ge- 
eigneter Lage der Wellenmesserspule W (Fig. 3b) beide Drähte iu 
gleicher Phase wie ein Draht, dessen inneres Ende geerdet ist, und 
zwar wiederum in der Form ungerader Vielfacher von Viertelwellen- 
längen. i 

Während vorher die Fortpflanzungsgeschwindigkeit c = 8 - 10!°cm/sec 


war, liegt sie jetzt zwischen Rn -8.101° und 3 . 10! cm/sec, wo- 
£ 


bei e die Dielektrizitätskonstante des Erdreichs ist. Es war zu er- 
warten, daß bei gleicher Länge die Schwingungsdauer T größer wurde. 
Die gemessenen Wellenlängen ergaben in der Tat zu große Werte. 
Man kann das Verhältnis der Lichtgeschwindigkeit zur Fort- 
pflanzungsgeschwindigkeit elektrischer Wellen an der Erdoberfläche, 


42 O. Demmler. 


Tabelle 1. 


Beide Drähte schwingen 
wie ein Draht, dessen eines 


Ende geerdet Àm berechnet 


Einstellung des | }„ nach der | Einstellung des | îm nach der 
Wellenmessers | Eichkurve | Wellenmessers | Eichkurve 


Die Drähte schwingen 
als Paralleldrähte 


V. 120 | 
119 | 2200— 2210 — — 2160 
119 | 

IV. 265 | IV. 520 | 
27,0 | 7125 53,5 | 860—870 720 
27,0 540 

III. 55,5 | I. 83,0 | 
55,0 435 82,0 ` 496—498 432 
55,0 | 82,5 

II. 140,0 | III. 26,0 
139,5 307—308 24,5 350—360 309 
140,5 24,0 

II. 71,0 lI. 98,0 
71,0 239 100,0: 268—270 240 
71,5 99,0 | 

IL 875 | II, 54,0 
87,5 197 55,0 217—218 196 
87,0 55,0 

I. 17,5 II. 31,0 
17,0 167—168 80,0 184—187 165 
18,0 81,5 | 

I. 109,0 I. 143,0 
108,0 | 138 143,5 156—157 144 
108,0 | 144,0 | 

l. 78,0 | 1. 104,5 | 
18,0 : 123 104,0 185—136 127 
78,5 ` 103,0 | 

I. 56,0 | I. 75,0 
55,5 | 110 76,0 | 122 114 
55,5 | 75,0 

I. 41,0 | 
405 ° 100-101 — — 103 
40,0 ` | 

I. 28,0 
285 92 — — 94 
28,5 l 


c:c', folgendermaßen finden: 1. mißt man die Reihe der Oberschwin- 
gungen in Schaltung 3a; 2. mißt man die Reihe der Oberschwingungen 
in Schaltung 3b. Da sich die Wellenlängen umgekehrt verhalten wie 
die Fortpflanzungsgeschwindigkeiten, so erhält man das Verhältnis c: c’ 


Messungen über die Ausbreitungsgeschwindigkeit usw. 43 


durch Division der Wellenlängen entsprechender Oberschwingungen von 
2 und 1. 


4. Ergebnisse. 


Die Ergebnisse sind tabellarisch zusammengestellt. In der Tabelle 
sind in den beiden ersten Spalten die Messungen bei Schaltung 3a 
angeführt — beide Drähte schwingen als Paralleldrähte — während 
in den Spalten 3 und 4 die Messungen für Schaltung 3b angegeben 
sind — beide Drähte schwingen wie ein Draht in einer Viertelwellen- 
länge In der Spalte „Einstellung des Wellenmessers‘‘ bedeuten die 
römischen Zahlen die Nummern der Wellenmesserspule, die arabischen 
die Kondensatoreinstellungen. Jede Einstellung wurde dreimal wie- 
derholt. 

Die Tabelle zeigt, daß bei der Paralleldrahtleitung innerhalb der 
Grenzen der Eich- und Ablesegenauigkeit eine gute Übereinstimmung 
zwischen gemessener und berechneter Wellenlänge besteht. Schwingen 
jedoch beide Drähte in gleicher Phase wie ein einfacher Draht, so er- 


Tabelle 2. 
= 2 : Beide Drähte schwingen 
ee wie ein Draht, dessen eines 
Ende geerdet Àm berechnet 
Einstellung des | A„ naeh der | Einstellung des | àm nach der 
Wellenmessers | Eichkurve | Wellenmessers | Eichkurve 


IV. 136 | | V. 35,0 | 
136 1222 36,5 1490—1505 1200 
186 | 36,0 

III. 43,5 Id. 750 ı 
44,0 405—407 73,5 | 477—480 400 
43,0 745 | | 

II. 73,0 II. 105,0 
T25 | 240 106,0 274—276 240 
725 | 104,0 | 

IL 21,5 I. 370 
21,5 172—172 36,0 193 -194 171 
20,5 37,0 | 

I. 89,0 I 1290 
89,0 129 128,0 | 147 133 
89,0 129,5 

I. 505 | I 79,5 
50,5 | 106—107 79,0 123—124 109 
50,0 80,0 

I. 265 | 
26,0 90 — — 92 


44 0.Demmler. Messungen über die Ausbreitungsgeschwindigkeit usw. 


scheint die Wellenlänge zu groß; und zwar verhalten sich die Wellen- 
längen der Oberschwingungen im zweiten Falle zu den Wellenlängen 
entsprechender Oberschwingungen im ersten Falle wie 1,13:1; d. h. 
die Ausbreitungsgeschwindigkeit im zweiten Falle ist kleiner als die 
Lichtgeschwindigkeit. Hieraus geht hervor, daß die Fortpflanzungs- 
geschwindigkeit merklich von der Dielektrizitätskonstante des Erd- 
bodens abhängig ist. Hätte sich der Draht ganz im Dielektrikum be- 
funden (für trockenen Boden € = 2 bis 6), so würde das Verhältnis 
1,4:1 bis 2,45:1 zu erwarten gewesen sein. 

Um eine etwaige Verschiedenheit über Sand und moorigen Boden 
feststellen zu können, wurden die Leitungen auf 300 m verkürzt, so 
daß sie zum größten Teil über Sand führten. Die Ergebnisse dieses 
Versuches sind in Tabelle 2 zusammengsstellt. 

Mit der 300-m-Leitung wurden ferner Versuche ausgeführt, wobei 
beide Enden überbrückt und isoliert waren, so daß die geradzahligen 
Oberschwingungen auftreten. Die Ergebnisse zeigt Tabelle 3. 


Tabelle 3. 

Beide Enden der Leitung überbrückt und isoliert. 
Einstellung des },„ nach der | Àm be- | Einstellung des |} nach der | 2m bc- 
Wellenmessers Eichkurve ‚rechnet Wellenmessers | Eichkurve | rechnet 

II. 140,5 | L 670 | | 
141,0 608—610 600 68,0 0 117 | 120 
141,0 | 67,0 | 

II. 131,5 I. 3865 | 
131,5 299—300 300 37,5 ags ' 100 
131,0 837,0 

II. 40,5 | | IL 190 | 
41,0 ı 199—200 | 200 18,5 85 86 
41,0 | 185 | 

I. 1255 | 

1255; 141 > 150 
1250 | | 


Auch dieser Versuch zeigt, daß die Eichung des Wellenmessers 
innerhalb der Grenzen der Ablesegenauigkeit richtig ist. Wie vorher, 
so waren auch hier wieder die Wellen über der Erde größer als auf 
Drähten, und das Verhältnis der Lichtgeschwindigkeit zur Ausbreitungs- 
geschwindigkeit schwankte zwischen 1,24:1 bis 1,13:1. 

Zu einer besonders bequemen Prüfung bietet die Oberschwingung 
Aà = 240 m Gelegenheit, weil sie sowohl bei der 540-m- wie bei der 
300-m-Leitung vorkommt. Im ersten Falle wuchs sie auf 268—270 m, 


H. M. Macdonald. Das Fortschreiten elektrischer Wellen usw. 45 


im zweiten sogar auf 274—276 m. Da die 540-m-Leitung zum 
größten Teil (280 m) über eine moorige Ebene, die 300-m-Leitung 
jedoch über einen Sandhügel führte, so geht hieraus erneut hervor, 
daß sandiger Boden auf die Ausbreitungsgeschwindigkeit elektrischer 
Wellen einen größeren Einfluß ausübt als feuchter Boden. Dies 
erklärt sich daraus, daß Sand ein Dielektrikum ist, während Wasser 
für Schwingungen als ein Leiter anzusehen ist. 


5. Zusammenfassung. 


Es wird eine Methode beschrieben, um auf langen Drahtleitungen 
stehende Schwingungen mit ihren Oberschwingungen nachzuweisen. 
Diese wird angewandt, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit elektrischer 
Wellen über der Erde zu untersuchen. Es wurde gefunden, daß sie 
merklich kleiner als die Lichtgeschwindigkeit ist (1,24: 1 bis 1,11:1) 
wobei vornehmlich Sand eine große Rolle spielt. 


(Eingesandt 15. September 1916). 


Adresse des Autors: Dr. O. Demmler, Kaizerl. Telegraphen-Versuchs- 
amt Berlin, Königsgrätzerstraße. 


Das Fortschreiten elektrischer Wellen um die 
Erdoberfläche. 


Von H. M. Macdonald. 


Der Wert der magnetischen Kraft an einem Punkte auf der Erd- 
oberfläche, die von einem auf der Oberfläche mit seiner Achse senk- 
recht zur Oberfläche ängeordneten einfachen Oszillator herrührt, ist 
kürzlich von Love!) für eine Wellenlänge von 5 km und für be- 
stimmte Entfernungen von dem Öszillator berechnet worden. Seine 
Ergebnisse für den Fall vollkommener Leitung sind die gleichen, zu 
denen ich gelangt bin.?) Er hat ferner den Wert der Summe der 
entsprechenden Reihe für den Fall berechnet, daß die Erde als un- 
vollkommen leitend vorausgesetzt wird. Der Zweck meiner vorliegenden 

1) Phil. Trans., A, vol. 215, p. 105 (1915). 

2) Roy. Soc. Proc., vol. 90, p. 50 (1914). 


46 H. M. Macdonald. 


Mitteilung ist, die allgemeine Formel für den Fall unvollkommener 
Leitung zu erhalten. 

Es seien r, 0, @ die Polarkoordinaten eines Punktes, wo r seine 
Entfernung vom Mittelpunkte der Erde, Ô sein Winkelabstand vom 
Oszillator ist. Ferner seien E, Eo, Ep die Komponenten der elek- 
trischen Kraft, œ, p, y die E Komponenten der magne- 
tischen Kraft. Dann ist, da rings um die Achse des Oszillators Sym- 
metrie herrscht, l 


«= 0 
B=0 
E,= 0 
und in dem ganzen Raum außerhalb der Oberfläche 
1 ôE, 1 Ö 
ro IT "A 
1 0E 1 0 
y? > "rs ddr Ba) (1) 
ðy 10 1 ôE, 


TETT) 
wo V die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Wellen ist. Durch Eli- 
minierung von E, und Eg folgt, daß y der Differentialgleichung 


1 02 


2 
yaggl rino) = (Yrsin) + Z = (1 — u’) rin 6) (2) 


genügt, wo überall im äußeren Raume 
u = cos 0 
ist. Ist ferner ø der spezifische Widerstand des Leitungsmaterials, so 


sind die Gleichungen, die im ganzen inneren Raume befriedigt werden 
müssen, 


1 0 
tn Elo = -zgarie 0) 
1 6 . ; 
An Eoo = = zang g,” r0) (3) 
ðy 10 1 ô E, 


sa ro OA 


und daher genügt, wenn wir E, und Lo eliminieren, Y im ganzen 
inneren Raume der Differertiaigleichung 


Das Fortschreiten elektrischer Wellen um die Erdoberfläche. 47 
ind... aoo, 1 „8. 
reiner ern (4) 


Die Grenzbedingungen an der Oberfläche bestehen darin, daß die tan- 
gentialen Komponenten der elektrischen und der magnetischen Kraft 
stetig sind. Für Wellen von der Wellenlänge 2r/x sind, wenn wir 
im äußeren Raume 

yrsia ð = wer’! 
und im inneren Raume 

y rsin 0 = wer! 


schreiben, die Gleichungen, die durch w und %’ befriedigt werden 
müssen, | 


d? 30 

a al- pga ty=n r>a (5) 
0? y 4 V, 

u a(l = PY, r<a (6) 
oe Oy V öwv 


EZ ee vv, r= 7 
4nrsinĝð ðr ıxrsnOdr” PRU PER 2 
wo a der Erdhalbmesser ist. Ist w, der von der Schwingung allein 
herrührende Wert von w, so ist bekanntlich 


| op! 
A ER hr n+ 1)ekmtidmur, 21, (ı ur, )In+3, (Kr)(1 Burn ) (8) 


l 


wo r, die Entfernung dəs Orzillators vom Mittelpunkte ist. Wir können 
daher die Lösungen der Gleichungen (5) und (6) folgendermaßen 
schreiben: 


[eo] ` 
= — ri —2g y'la 2 (2 n + 1) cn + dnt Kayn (ær) 


ô P 
X ntn (er) + A, Kuna ug, (9) 
ô P, 
Ver SB InN -eg 00) 
wo Ä x? = — 4nıxVlo (11) 


1) Roy. Soc. Proc., vol. 71, p. 251 (1903). 


48 H. M. Macdonald. 


ist, und die Oberflächenbedingungen sind dann: 


G B Ö 1 1.8) ô P 
re "In +',(% ajj (1 u Ze 


00 
-- rn, > Rn Derttwmurk,.ı,(er)Xx 
à 


P ; O ga „OP, 
x (2 Jati aa + Anz ia Ana, (al 
OP, 
SB, In +, (# a)(l = ur) —— Ara 
= — ne (2n + Ne:rtrine Kapiler) X 
I 
; | OP 
x [hend + A Kla] a a 
folglich ist 
Foa Q gi 
er T(n p 1) enta Ka pa lAr IE al], +1,(#a)!-+ 
u „.led) | =; ES D fa" Jay: (x a)} — 


rn (2n 4 Yet dern (r) 4.0) + 
L 


T AuRuu,lexa)| B In +1,,(# a) 
und durch Elimination von B, folgt: 
4 r Ö 1! Ö 1, ır 
u er a) E ja Jala) T 4,52 ja a Ka+ lta) l = 
c 0 | 
= Ar da fa" Jay (x a n Jnl% a) + 4 En+',(1% a) 

d.h. 

j $ nV 


PaO ga 
n Tag mr ne a) yz {a Kn +1 (1% a)} 


2 Bus 
sy Kn +a (tH a) 2a la Jn ra a) = 


Ooi ‚ 
= n +1) (% a) 5> (0 In t 1y (x a)} 


án V 


, ð 1 
Tag Pen ag Whana 


Das Fortschreiten elektrischer Wellen um die Erdoberfläche. 49 


Daher ist im äußeren Raume: 
(° 0] m 


v-—r tr D>(2n 1er nK, (er) X [Jaate 


l 
Ô.. , AnV „0, 
Jarla) ia Jat’, a), — I In t'al% a)y la "Jay: (a)i 


pese ce nn ta Se u I yet X 
4nV EINE 2 PER z Oi ; 
N era) [en Kur (ixa) Rus (a) gaT, y daa) 
> OP 
x Kantan a= Ge 08) 


An der Oberfläche, wo r = a ist, wird hieraus: 
L 


er nn a’ S (2 n + 1)ehta tar Kyy (i xr) X 


1 
4nV ô 
-——— 1: 4 1: MW, =— "fe 1 f } 
gg tl o henead gt Kn+ „Ural 


| Ô 
un 4, Ra) fa's u.) 


X oa x 
4nV Ko) | 
— 1. (x a — Sa’ 1 
Tun ayo- la" Kur (a) 
(1x4) 2 fa'a x'a) 
| n+'/e a n +'(% a 
h (1 2 OP, 
Nun ist RAN ET (14) 
Ö,, | 
In +1,(% a) h Ky +,(1* a)} 
ð , 
a Kn Hera) la Jn A a)} = a he. nt. 
daher ist 
ver), 
(2n +1) Kurı,(er,) 
Oi 1x0 de ls = 
Era :Kn+1,(txa)}- gny Etla Jagi X a) Jn+: a% a) 


N OP 
x (1 — u —: 
(d — u’) On 
Die wichtigen Glieder dieser Reihe’) sind jene, für welche 


1) Roy. Soc, Proc., vol. 90, p. 50 (1914). 
Jabrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 1?. 


50 H. M. Macdonald. 


n+t-xal von derselben oder von niedrigerer Ordnung ist als (x a) >; 
wenn daher |x’a| groß gegen æa ist, so liefert 


In pp (x a) = (2| x a) cos f} (n + l)a — x a} 
eine genügende Annäherung für J, ,:,(x a). 
Es ist aber 
x ?]x? =— 4ni Vjxo =— 21 Viljo 
wo A die Wellenlänge ist. Mithin ist, wenn VA/o groß ist 


ATE A a) JaJa: (æ a) = x tanfh (n+ l)a — x'a} 


0a 
d.h. wenn wir, 
x = x (l — ı) 
schreiben : 


ð, a 5 
gaie Taal ah ai In+ 1,1% a) 2 


, tanf{l (n + l)a — x a} + tahx a 


1 — ı tanh x a tan |} (n + l)a — xa} 


und sonach, da x,a sehr groß ist, annähernd: 
ô 3 , t I [4 
gge" Tath ajad, + (% a) = x% 


wenn V4j/c groß ist, und daher: 


ver, -AS (2 n+ 1) Ka +1,lt %1) (1 ur z 
1 Ôu (15; 


x? 
age" n+, (a) + i a"? Kn+1,(1%a) 


Wenn der Oszillator sich dicht an der Oberfläche befindet, so 
können wir, außer für Punkte in der Nähe des Oszillators, r, durch a 
ersetzen; es ist daher, wenn wir 


a2 
schreiben | 
© (2n +1) Kn 41,42) 


Vene 


„OP 
i- (1 E 
5, Kanli?) 2 En ilte) 


und für die wichtigen Glieder!) 


1) Roy. Soc. Proc., vol. 90 (1914). 


Das Fortschreiten elektrischer Wellen um die Erdoberfläche. 51 
'/ 2 ® 1 1 1 3’ 1 x 
2'it Kn+1,(12) = E B-'e ziee m'ha t?ar Eh K, (E e77’) 


Ö .: ‚ 2 1' 1 1 2; 
net Ku, gen") 


wo I 
E = 2%; 8 E = 6'sz7'(n + 4} — 2) 
folglich 
y=- > 
(2n + 1)8"az'a g'h Ky (E e77") 


Eh Elger) — Žan Ege) 


ðP 
Dr) 


wo sich die Summenbildung zu beiden Seiten von n + 4 =z er- 
streckt. Um diese Summenbildung auszuführen, muß man die Null» 
werte des Ausdrucks 


2 pi “ —! =l; $l; -xt 
E Ka, (eo) Z 3h zm g'a Ki, (de) 


r 


kennen. Dieser Ausdruck ist eine Integralfunktion von &", und seine 
Nullwerte sind mit den in meiner früheren Mitteilung erörterten Null- 
werten von &": K. (&e-*) kontinuierlich. Der kte Nullwert von 
Eh Rr,(&e-*') wird durch 

Er Pen x. ed «3 


gegeben; folglich ist der kte Nullwert von 
e yr er % —1 1 gi! -xt 
Eh Ka, (E0771) — Ž 8— z" B'a Ro, (E e77) 


éis = x,’ gr 
Es folgt hieraus: 
x, eni — xh e? 7/3 + Y, 
und wenn |xz':/x’| klein ist, kann y, als eine Potenzreihe von x z'h|x’ 
angenähert werden. Behält man die zweite Potenz von xz's/x’ bei, 
so ist y, durch die en 


EEE) u A Zul 2] 


ER ge) Hing pE EE] =0 


bestimmt, wo 
él: = 2 e57 3 
ist. Da 
4* 


52 H. M. Macdonald. 
O EP N -a ch, -xt 
leer) = EE (E07) 


J Sei, (Ee a S E Ro (Eem) 
ist, so ist mithin 
3 m 3 ERE < x A 17 Š 
zus K (e77) +] Yr Sg Ri, (ger) 3 82 sE nK (£e =) 


also: 
3 3 x | 
Ms 2 2’ ý 8-a za = 0 
2 Yy $ + 4 Jk 1% 
Nun ist: 
xj? = ı0/2)V 
daher: 
xhw = jer 
wo 
7 = (7/2 À y) 
ist, mithin: 
$ Yy Eis + 3 IPA = 3-a z's ner: 
und 
Y; = 23 -'s Eli 2 eure = ge -2 gi rer: 
daher: 
(8 "AL 2 (3 r,’ + 92 1) 2 3 (3 x,) -° s ẹ571/12 + 2 n? zis (32,) "es: (17) 
Ferner ist: 
u PRE _ SEP RER 
get) un Terug, ige) Tora neirn 
wo 


A SIE. nn. 


u Wr a a a Ò, in 
zS ggs Ealse I= rise )} 


ist, wenn 


Eh = x, ® ed r t3 
ist. Das heißt: 


ur AAT 
: u 3 9 A 1 1/ 2 u 
z SK (e IE 270? ag 5 K: (&e-x.) 
oder: 
2 l 1 
A, = 3 en 2 IRIE ERN EDENE 


s EN, —- rzı\/E -nt 
gh 8-2, gh Ky (ge yjEl K (E77) 


Das Fortschreiten elektrischer Wellen um die Erdoberfläche. 583 


Nun ist naeh verlangter Ordnung der Annäherung: 


3 t rr 
Eh Ka, (ge )/$" Ku, (077) = mE" gai En (Ee77)}/ E'n K, (E77) 
oder: | 
Eh Ka, (ger EK: (&e=*‘) = 3-"s z'an PET 
und daher: 


2 1 
A E EAE 
3 Es — 3T sny eT n 
also: 
2 1 
ur a ehe 
3 sent (I ry) nz se 
oder: 
2 1 
Ase a IT EE an E S E EA E (18) 
Sehr (3x Ô 3+2 n23 xr, BE AN) zl e— (2 (8 x)? 1) 


Setzen wir weiter für P (u) den passenden Näherungswert 


P (u) = Ja (2n + 1}sin 4 0} 
ein, so wird die Reihe für w: 
— 2:3 "ha xz" (sin } 0)2cos?t 0X (n + Hi: 
[en + Dein "20+? UL e-(Zn+1)sin RO+*rı] 5 > = r 
0 & 3 — X 86: aa 
Da 
n + Tan: 6 "iszis 
ist, so heißt dies, daß der Hauptteil W von w durch 
p = — Ana (32)-">(zsin 4 O): cos?10 
ferezen 1,.0-ırı S, + e?ızsin!;d+ >; nt S,] 
gegeben ist, wo 


4; 

= > 2 6 32 18 2ısin'; Kr] 

S, : > Es rye elini 
Á 

6 sz sisinta k 

>> E 


selrt 


ist. Daher verschwindet der Hauptteil von S| und der Hauptteil 
von S, ist}: 


i , 2 S A 
— 8% qa g'is > eT (3xx) la2"3sin 1 Oe lent Á; 
k=0 


1) Roy. Soc. Proc., vol. 90, 1914. 


54 H. M. Macdonald. 


das heißt: 
— 3’: 2nız" se” taae gen" sz/asin!,0 0X 8x)" — y?" em) 
k=0 
und daher: 
W = 4 me z (z’ 3 sin 4 0)? cos? } 0 e-?ızein le 0+ lnt 
o e- (3z) az issin! „O)clert 
2 [Zur 2 _r 1 (19) 
(engen er 
wenn wir höhere Potenzen von nz» als die zweite vernachlässigen. 
Vergleichen wir dieses Ergebnis mit dem Werte von w, für den 
Fall, daß „7 verschwindet, also mit dem Werte von w der vollkom- 
menen Leitung entspricht, so erhellt, daß das erste Glied der Reihe 
jenes ist, das am meisten beeinflußt wird, und in solchen Entfernungen 
vom Oszillator, für welches das erste Glied eine genügende Annäherung 
an den Wert von w liefert, besteht die Wirkung der unvollkommenen 
Leitung darin, den der vollkommenen Leitung entsprechenden Wert 
von w um den Faktor 
e— [2 7z"? (3 To) get + Imtz.s(3 ro) "1," sint 0 
1+2n2'(82,) "et 4 y2 8 x) 280)? 1} eer: 
zu vervielfachen. Bezeichnen wir daher mit A das Verhältnis der 
Amplitude der magnetischen Kraft für den Fall unvollkommener Lei- 
tung zur Amplitude der magnetischen Kraft für den Fall vollkom- 
mener Leitung, so wird A, durch die Gleichung 
A el? n2' 820) "sin en —2 g?r ls (3 r0) 7 "22 2’ sin 1/0 20 
eT ank8) ren tee 
oder | 
A,=[1-2n z'l dx) sin qty m + q?z" (8 x)" 
— y? z (8x) {5 (8x)? — 1}cos4 z] 


x el?nz 28x) T "ssin ya 2227832) T? ]z"/3sin 1/20 


gegeben. 

Es folgt daraus, daß, wenn 72" klein ist, A mit dem Winkel- 
abstand 0 vom, Oszillator wächst und mit zunehmender Wellen- 
länge abnimmt. Es ist zu beachten, daß die Wirkung der Glieder 
zweiter Ordnung darin besteht, den Faktor. A, zu verringern. Für 
eine Wellenlänge von 5 km ist der Wert von nz’: 0,365, und in 
Winkelabständen von 6°, 9°, 12°, 15° und 18° vom Oszillator sind 
die Werte von A, wenn wir die Glieder vernachlässigen, in welche 
n? zh. eingeht, 1,005 bzw. 1,011, 1,017, 1.023 und 1,029. 


Das Fortschreiten elektrischer Wellen um die Erdoberfläche. 55 


Diese Ergebnisse stimmen mit Ausnahme des dem Winkel- 
abstande von 15° entsprechenden Wertes mit den Ergebnissen über- 
ein, die man nach der Formel (51) von Love!) erhält, wenn man 
(k/m)? vernachlässigt. In einer Entfernung vom Oszillator, die 0 = 86° 
entspricht, das heißt in einer Entfernung von 4000 km, ist der Wert 
von A, von derselben Ordnung 1,064. Wenn man die Glieder zweiter 
Ordnung beibehält, so liefert unsere Formel (20) für 6°, 9°, 12°, 15°, 
18° und 36° für A, die Werte 1,004 bzw, 0,010, 1,015, 1,021, 
1,027 und 1,061, und die Wirkung unvollkommener Leitung für 
eine Wellenlänge von 5 km besteht darin, daß sie die Amplitude in 
Entfernungen von nicht mehr als 4000 km um nicht mehr als 
61/, v. H. vergrößert. Um die Wirkung einer Herabsetzung der Wellen- 
länge zu zeigen, habe ich die Ergebnisse für eine Wellenlänge von 
2 km berechnet. Die entsprechenden Werte von A, sind in den 
gleichen Entfernungen 1,020, 1,038, 1,056, 1,073, 1 ‚091 und 1,095, 
wenn man die Glieder zweiter Ordnung vernachlässigt, und 1,016, 
1,082, 1,049, 1,065, 1,082 und 1,186, wenn man die Glieder zweiter 
Ordnung beibehält. 

Unmittelbare Bestimmungen des Wertes von ø für den Fall, daß 
Wellen auf Meerwasser auftreffen, scheinen nicht angestellt worden zu 
sein. Es ist unwahrscheinlich, daß o für alle Wellenlängen denselben 
Wert hat und es ist nicht festgestellt worden, daß œ denselben 
Wert hat, als wenn ein Strom von derselben. Frequenz durch das 
Wasser geleitet wird. Den Wert von © für eine gegebene Wellen- 
länge könnte man finden, wenn man die elektrische Störung in ver- 
schiedenen Tiefen für den Fall kennen würde, daß Wellen von der 
gegebenen Wellenlänge über die Oberfläche hingehen. Wenn man 
annehmen darf, daß für Wellen von großer Wellenlänge der bei der 
Berechnung benutzte Wert 101} von der richtigen Größenordnung ist, 
so folgt, daß die Wirkung der unvollkommenen Leitung seitens des 
Meeres auf die Fortpflanzung von Wellen dieser Länge über seine 
Oberfläche praktisch zu vernachlässigen ist. 

(Nach Proc. Roy. Soc, 92, Nr. 643, S. 493—500, 1916, aus dem 
Englischen übersetzt von Max Ikle.) 


1) Phil. Trans., A., vol. 215, p. 122 (1915). 
(Eingesandt 25. Januar 1917.) 


Adresse des Übersetzers: Dr. Max Iklé, Berlin-Zehlendorf 
(Wannseebahn), Milinowskistr. 31. 


56 E. W. Marchant. 


Die Heaviside- Schicht. ` 


(The Heaviside Layer.) 
Von E. W. Marchant., 


Die Formeln, die (dank den Ergebnissen der Untersuchungen und 
Messungen Austins und anderer Forscher) für die Stärke der Signale, 
die man an einer Station aufnimmt, gewonnen wurden, wenn einem 
entfernten Senderluftleiter eine gemessene Energiemenge hober Frequenz 
zugeführt wird, sind bekannt und in der Arbeit, die Fuller 
dem American Institute of Electrical Engineers?) vorgelegt hat, aus- 
führlich behandelt worden (vgl. auch Jahrbuch 5, 75 und 8, 575). 

Wie jeder Funker weiß, wechselt die Stärke der Signale inner- 
halb weiter Grenzen, und zwar häufig im Verlaufe weniger Minuten, 
und diese Änderungen lassen sich am’ leichtesten aus Reflexion oder 
Brechung seitens in Bewegung befindlicher „Wolkenmassen“ oder 
Ionennebelmassen erklüren. Die von Sommerfeld entwickelte Theorie 
der Oberflächenwellen erklärt zwar die Signalübermittelung auf lange 
Strecken längs der Krümmung der Erde, erklärt jedoch diese plötz- 
lichen Änderungen nicht. Die Tatsache, daß diese Änderungen bei 
Nacht stärker auftreten als bei Tage, liefert einen weiteren Beweis 
dafür, daß die Reflexions- und Brechungstheorie, deren eifrigster Vor- 
kämpfer in den Vereinigten Staaten von Nordamerika Eccles gewesen 
ist, die beobachteten Erscheinungen am ehesten zu erklären geeig- 
net ist. 

Die Versuche, die Balsillie’) beschrieben hat, und bei denen er 
gefunden hat, daß Staubstürme, die längs der. Bahn der Signale. auf- 
treten, die Signalstärke dann beeinflussen, wenn die Übermittelung in 
der Richtung erfolgt, in welcher der Wind gerade weht, sind insofern 
von Interesse, als sie darauf hindeuten, daß die unmittelbar an die 
Erde angrenzende Atmosphärenschicht ein Faktor ist, der bei der Ab- 
sorption von Wellen eine Rolle spielt. Die hauptsächlichen Erschei- 
nungen indessen, die einer weiteren Erklärung bedürfen, sind (a) die 
plötzlichen Änderungen der Signalstärke zur Nachtzeit und (b) der 
Umstand, daß verhältnismäßig geringe Änderungen der Wellenlänge 
verhältnismäßig gewaltige Änderungen in der Stärke der empfangenen 


1) Proc. Inst. Radio Engineers (New York) 4, Nr. 6, S. 511—521, 1916. 
2) Proc. Am. Inst. El. Eng. 34, 567. 
3) Proc. Brit. Ass. (Australia), S. 514. — Siehe auch „The Electrician“. 


Die Heaviside-Schicht. 857 


Signale hervorzubringen vermögen. Die Versuche, die Fuller 
neuerdings beschrieben hat!), haben das Material, über das wir für 
eine Erörterung dieses Gegenstandes verfügten, um viele genaue Auf- 
schlüsse vermehrt, und es dürfte daher von Nutzen sein, sie in ihrer 
Tragweite für das Vorhandensein und die mutmaßliche Natur jener 
Schicht zu betrachten, die man hierzulande allgemein als die „Hea- 
viside-Schicht bezeichnet. 

Zwar bezeichnen wir sie allgemein mit diesem Namen; indessen 
hat Professor Fleming kürzlich bemerkt,?) daß einer der ersten, 
die auf ihr Vorhandensein hingewiesen haben, Sir James Dewar ge- 
wesen ist. In einem Vortrage, den er im Jahre 1902 vor. der Royal 
Institution gehalten hat), hat Dewar gelegentlich einer Erörterung 
der Zusammensetzung der Atmosphäre dargetan, daß diese tatsächlich 
aus zwei Bestaudteilen bestehe, nämlich dem unteren Teile, in welchem 
atmosphärische Strömungen zirkulieren, und wo die Bestandteile denen 
der Atmosphäre in tieferen Schichten ähnlich sind, und dem oberen 
Teile, in welchem die Verteilung der Gase durch deren Dichte geregelt 
wird. In zwei Vorträgen, die er kürzlich vor der Royal Institution 
gehalten hat‘), hat Fleming die Bildung dieser oberen Schicht ° 
und die Ursachen ihrer Erzeugung erörtert. Fleming weist nach, daß 
man, um durch Lichtstrahlung in eivem Gase wie Sauerstoff lonisie- 
rung hervorzubringen, eine Wellenlänge von der Größenordnung von 
1500 bis 1800 Ängströmeinheiten (107 mm) haben muß, also solches 
Licht, das weit jenseits des übervioletten Endes des Spektrums liegt. 
Wenn derartiges Jicht wirklich irgendwelche lonisierung hervorbringt, 
dann ist zu erwarten, daß die lonisierung zur Nachtzeit vermindert 
sein wird, und infolgedessen ist weiter zu erwarten, daß sich die 
Stärke der Signale zur Nachtzeit ändert, falls diese ionisierten Gase 
die Ursache der Änderung der Signalstärke bilden. Fleming 
meint indessen, daß in Höhen von der Größenordnung von 100 km, 
wo die gewöhnlichen Bestandteile der Atmosphäre verschwinden und 
durch Wasserstoff und Helium und möglicherweise noch andere leich- 
tere Gase ersetzt sind, das wahrscheinlichste Agens bei der Erzeugung 
der Ionisierung der Sonnenstaub sei, der von der Sonne atsgeschleu- 
dert und durch die Vermittelung des Lichtdruckes der Erde zugeführt 
wird. Diese Erklärung für die Erzeugung einer oberen ionisierten 


1) Proc. Am. Inst. El. Eng. a. a. O. 
2) Electrician ‘75, 348. 

3) Proc. Roy. Inst. 17, 223. 

4) a.a O. | 


58 E. W. Marchant. 


= Gasschicht wird durch die Tatsache bestätigt, daß der Zeitraum, der 

zwischen dem Durchgange eines Sonnenfleckes durch den Sonnen- 
meridian und dem zugehörigen magnetischen Gewitter verstreicht, wie 
Arrhenius nachgewiesen hat, ungefähr 45 Stunden beträgt, ein Wert, 
der ziemlich genau mit der Zeit übereinstimmt, die nach den Berech- 
nungen Flemings ein Teilchen mit einem Durchmesser von 1200 
Ängströmeinheiten brauchen würde, um von der Sonne zur Erde zu 
gelangen. Mag die Ursache für die Bildung dieser Schicht sein, welche 
sie immer wolle, jedenfalls ist kaum daran zu zweifeln, daß eine solche 
Schicht besteht, allerdings nicht: notwendig in Gestalt einer mit der 
Erde konzentrischen Schale mit ziemlich glatten Oberflächen, sondern 
wahrscheinlicher in Gestalt großer Gasmassen in den oberen Gebieten 
der Atmosphäre, die als Reflektoren und Refraktoren für die zur Über- 
mittelung drahtloser Signale angewandten Wellen wirken. 

Andere das Vorhandensein dieser Schicht betreffende Tatsachen 
hat Eccles in einer seitens der Royal Society veröffentlichten 
Arbeit!) behandelt. Es dürfte sich erübrigen, hier die Gründe noch- 
mals anzuführen, deren er sich zum Beweis für die Existenz dieser 
Schicht bedient, da diese Existenz angenommen werden kann. Der 
Zweck der vorliegenden Veröffentlichung ist, auseinanderzusetzen, in- 
wieweit die Heaviside-Schicht die von Fuller beschriebenen Er- 
scheinungen zu erklären vermag. 


Theorie der Interferenzbanden an einem sphärischen Reflektor. 


Zunächst mögen die Bedingungen erörtert werden, welche für die 
Bildung von Interferenzbanden an einer sphärischen Fläche mit einer 
umgebenden .Hülle von gleichfalls sphärischer Gestalt, deren innere 
Fläche als Reflektor wirkt, maßgebend sind. Man nimmt für gewöhn- 
lich an, daß die Höhe, in welcher die Heaviside-Scbicht genügend 
leitend wird, um als Reflektor zu wirken, ungeführ 80 km beträgt. 
Das ist in Fig. 1 maßstäblich dargestellt; die Punkte A und B ent- 
sprechen hier den Orten San Francisco und Honolulu. Es liegt auf 
der Hand, daß der Durchgang zwischen dieser Schicht und der Erde 
sehr stark jenem in einer engen Schlucht zwischen zwei parallelen 
Flächen oder spiegelnden Reflektoren äbnelt. 

In erster Annäherung genügt es daher, die Bildung von Inter- 
ferenzbanden durch Reflexion seitens eines Paares ebener paralleler 
Flächen zu betrachten. Der Abstand zwischen den Banden elektro- 


1) Eccles, Proc. Roy. Soc. (A) 87, 79—99. 


Die Heaviside-Schicht. 59 


magnetischer Helligkeit und Dunkelheit wird dadurch bestimmt, daB 
der Gangunterschied zwischen den Bahnen der Strahlen, welche diese 
Punkte auf zwei verschiedenen Wegen erreichen, eine halbe Wellen- 
länge beträgt. Wenn der Gangunterschied zwischen den beiden Wegen 
ein Vielfaches einer Wellenlänge beträgt, so ist der Punkt ein Hellig- 
keitspunkt; beträgt er ein ungerades Vielfaches einer halben Wellen- 
länge, so ist der Punkt dunkel. 


Fig. 1. 


Wir können zunächst einmal annehmen, daß der eine Strahl längs 
der Oberfläche der Erde fortschreitet, wie dies in der Sommerfeld- 
schen Theorie vorausgesetzt wird, und daß der andere seiteus der 
Heaviside-Schicht und seitens der Erdoberfläche reflektiert wird. 

Wenngleich auch kaum anzunehmen ist, daß die Reflexion eine 
regelmäßige sein wird, dürfte es doch ratsam sein, zunächst einmal 
die Bedingungen zu betrachten, welche für die Breite solcher Inter- 
ferenzbanden bestimmend sind, die durch regelmäßige Reflexion zwischen 
ebenen Flächen gebildet werden. Die beiden Flächen mögen durch OP 
und OR dargestellt werden und A km voneinander entfernt sein 
(s. Fig. 2). 


Fig. 2. 


Es sei n die Gesamtzahl der nacheinander reflektierten Strahlen 
und 9 der Winkel, unter welchem der reflektierte Strahl die Heavi- 
side-Schicht trifft. Dann ist, wie leicht ersichtlich, 


tang 0 = nh/D. 


Der Gangunterschied zwischen zwei von A nach B gehenden 
Strablen, von denen der eine unmittelbar längs der Erdoberfläche ver- 
läuft und der andere seitens der Fläche O P reflektiert wird, ist durch 


2 [720 — A 
n n 


gegeben. Für die ganze Reihe von n Reflexionen wird diese Größe 


60 E. W. Marchant. 


Disec# — 1), und diese Größe ist, wie wir sehen, nur von den Werten 
für O und D abhängig. Nehmen wir an, daß ein Strahl auf die 
reilektierende Schicht unter einem wenig abweichenden Winkel O auf- 
trifft, so wird der Gangunterschied bis zu einem von der Senderstation 
um die Strecke (D + «) entfernten Punkte (D + «)isec9’ — 1) sein. 
Um den Abstand zwischen den Interferenzbanden zu erhalten, diffe- 
rentiieren wir D(sec 0 — 1) nach D, wobei wir für sec die er- 
forderliche Substitution einführen, und erhalten: 


E 
E *P ea | 
© daD o dD) 


V A oi pap 


Ist & die halbe Breite einer Interferenzbande, d. h. der Abstand 
zwischen einem dunklen und einem hellen Fleck, so muß der Unter- 
schied zwischen den Gangunterschieden der beiden unter den Winkeln O 
und O’ auftreffenden Strahlen, die an den von der Senderstation um 
die Strecken D und (D -+ «) entfernten Punkten interferieren, gleich 
+ A/2 sein, 
Folglich ist: 


d[ D (sec À — 1\] Ea À 
= a 


Durch Reduktion dieser Größe gelangen wir zu der Bedingung: 


h= yae R ssil 


Es ist aber: u 
sec 0 = ji + +2]. 
folglich: 
sec 0 = WS 
1 +5 — 


Setzen wir nun A=6 km und « = 14,4 km (das sind dis Werte, die 
Herr Fuller in seiner Arbeit angibt), so wird sec) = 1,26 und 
0 = 37,6%, denn es liegt auf der Hand, daß wir hier das Minus- 
zeichen nehmen müssen. ' 


Die Heaviside-Schicht. 61 


Nunmehr setzen wir. für sec 9 seinen oben gefundenen Wert: 

nh 

D 

ein. Ist D = 383700 km und h= 80 km, wo D die Entfernung zwischen 


San Francisco und Honolulu und k die gewöhnlich für die Heavi- 
side-Schicht angenommene Höhe ist, so folgt, daß 


n = (0,76 x 3700)/80 = 35 mal 


ist, oder daß die von der Heaviside-Schicht reflektierten Strahlen 
85mal zwischen der Schicht und der Erde auf- und abwärts laufen 
müssen, um eine Interferenzbande von dieser Breite zu liefern. Es 
ist sicherlich nicht wahrscheinlich, daß dies obne beträchtlichen 
Energieverlust seitens des reflektierten Strahles geschehen wird, und 
ein soleher würde eine Schärfe der Interferenzbande verhindern. Außer- 
dem würden derartige Reflexionen einen Gangunterschied von 


Disec6 — 1) = 3,700 x 0,26 = 960 km. 


zwischen den beiden Strahlen ergeben. 


= 0,76 


Die Theorie der Heaviside-Wolke. 


Die hochinteressanten Kurven, die Fuller mitteilt, und in 
denen er zeigt, daß bei Änderung der Wellenlänge an der Sender- 
station eine Schwächuag und Verstärkung der Signale eintritt, deuten 
nun darauf hin, daß der Gangunterschied zwischen den beiden inter- 
ferierenden Strahlen weit geringer ist als der vorstehend berechnete Wert. 

In der Figur 13 seiner Arbeit gelangt Fuller zu nach- 
stehenden Ergebnissen: Ä 


Wellenlängen, bei denen Wellenlängen, bei denen 
Mindestwerte der Signal- | Höchstwerte der Signal- 
stärke gefunden werden | stärke gefunden werden 


Ty 3 
10 „ 


T 


99 


5 km | 6 kın 

| 

| 
Wenn die beiden interferierenden Strahlen längs ihrer beiden ver- 
schiedenen Bahnen in derselben Richtung unabhängig von der Wellen- 
länge verlaufen, so ist es einleuchtend, daß der Gangunterschied für 
Wellen von 5 km, von 7 km und von 10 km eine ungerade Anzahl. 
und für Wellen von 6 und von 8 km eine gerade Anzahl halber 
Wellenlängen betragen muß. 


62 E. W. Marchant. 


Es sei ð der Gangunterschied.. Dann ist: 


ð 7 10 


= — = — — i — 4 
ô z” ; m 2) = z" J 


wo m irgendeine ungerade Zahl ist. In derselben Weise erhalten wir: 
6 8. 
= — — = -- , — 3 i 
Ò 5 (m 1) z M ) 


Das ergibt eine Reihe von Gleichungen, aus denen man m und Ò 
finden kann, und welche ziemlich übereinstimmende Ergebnisse liefern. 
Der durch die Auflösung dieser Gleichungen gewonnene "Mittelwert 
ergibt m = 7 km oder 9 km (die gefundenen Werte für m sind 7,5 
bzw. 8 und 9) und ô = 17,5 km oder 22,5 km, ein Ergebnis, das von 
den nach der Theorie der einfachen Reflexion gefundenen sehr stark 
abweicht. 

Aus den anderen Kurven, die in der Fullerschen Arbeit mit- 
geteilt werden, und in denen die Höchst- und Mindestpunkte mit 
wechselnder Wellenlänge dargestellt werden, läßt sich der Gangunter- 
schied der beiden interferierenden Wellengruppen leicht berechnen. 
Die Ergebnisse dieser Rechnung sind in der nachstehenden Tafel zu- 
sammengestellt. (Alle Angaben beziehen sich auf die Signalgebung von 
San Francisco aus nach Honolulu.) 


Gang- Zustand 
Kurve, 5 i ; 
Figur, ge eit von San Frands unterschied der |des zwischen- 
Runer interferieren- liegenden 
den Wellen Raumes 
5 März 8 | 3 p.m.— 3,54 p.m. 28 km ganz hell 
6 „ 15 10,30 a.m.— 12 p.m. 2l y ~ m 
T a19 3 p.m.— 4 pm. | 35 „ PN 
8 April 1 3am.— 4am. 28 „ ganz dunkel 
10 Mai 17 11,30 a.m.— 12 a.m. 19:4; ne hell 
11 „ 24 10,25 a.m.—11,25 a.m. ` 36 y 
12 24 | 11,25 a.m.— 12 a.m. 14 „ u 
13 Juni 13 2,45 a.m.— 3,30 a.m. | 20: y | ganz dunkel 
' Mittelwert 
14 „ 22 ‘10,30 a.m.—11,15 a.m. 2 km | ganz hell 
15 „ 28 ; 10,45 a.m.— 11,30 a.m. 3 | j 3 


Zwischen dem Gangunterschied der interferierenden Wellen und 
dem Zustande des Himmels, d. h. ob dieser ganz hell oder ganz dunkel 
ist, läßt sich keinerlei Zusammenhang beobachten, aber die Änderung 
des Gangunterschiedes ist ein Zeichen dafür, daB die beobachteten Er- 
scheinungen von Reflexionen an unregelmäßig angeordneten Flächen 


Die Heaviside-Schicht. 63 


herrühren, und liefert eine Stütze für die Theorie der „Heaviside. 
Wolke“, 

Es besteht natürlich ein Unterschied zwischen den Aufzeichnungen 
bei Tage und jenen bei Nacht, insofern als die von der Änderung 
der Wellenlänge herrührenden Veränderungen gewöhnlich bei Nacht 
größer sind als bei Tage und dadurch anzeigen, daß die interferierenden 
Wellen bei Nacht einander mit größerer Annäherung gleich sind als 
bei Tage. Aus der Figur 13 der Fullerschen Arbeit geht dies deut- 
lich hervor. Die Aufzeichnungen aus den Morgenstunden ergeben 
gleichfalls große Änderungen, und es scheint fast, als wenn, trotzdem 
der dazwischen liegende Raum vollständig erleuchtet ist, die nächt- 
lichen Bedingungen der Halbdurchlässigkeit noch hinzutreten. Eines 
der interessantesten Ergebnisse, das Fuller am Ende seiner 
Arbeit erwähnt, ist die von ihm gemachte Beobachtung, daß der 
Charakter des Landes oder des Wassers zwischen den Stationen an- 
scheinend für die Übermittelang über große Entfernungen sehr wenig 
Unterschied macht, d. h. daß die über Land gegangenen Signale ebenso 
stark sind wie die über Wasser gegangenen. Diese Tatsache scheint 
ein fast bündiger Beweis dafür, daß die beobachteten Signale von 
solchen Strahlen herrühren, welche nahezu gänzlich reflektiert oder ge- 
brochen werden. Das Ergebnis weicht natürlich von Beobachtungen mit 
kürzeren Wellenlängen über geringere Entfernungen ab. Wir können 
daher bei der Behandlung der Interferenzerscheinungen annehmen, daß 
die beiden Strahlen ùm die Erde durch den engen Zwischenraum fort- 
schreiten, der von der Erde und der Heaviside-Schicht gebildet 
wird, wobei sie, wie es Eccles dargelegt hat, während ihres 
Fortschreitens gebrochen und ferner an der Unterfläche der Heavi- 
side-Schicht reflektiert werden. | 

Wenn wir einen Strahl annehmen, der so gebrochen wird, daß er 
nahezu der Krümmung der Erde folgt, und der auf eine reflektierende 
Fläche in der Weise auffällt, wie es die Figur 3 zeigt, so kann 
zwischen den von zwei Gebieten CE und DF reflektierten Wellen Inter- 
ferenz eintreten. Wenn wir eine reflektierende Fläche von solcher Be- 
schaffenheit!) annehmen, daB sich der Einfallswinkel eines auf sie auf- 
treffenden Strahles bei geringem Höhenunterschiede beträchtlich ändert, 
wie dies in der Figur angedeutet ist, d.h. wenn die reflektierende 


1) Es ist vielleicht irreführend, da von einem Einfallswinkel zu 
sprechen, wo die Abmessungen der reflektierenden Fläche von derselben 
Größenordnung ist wie die Wellenlänge; die einfallende Strahlung wird 
tatsächlich zerstreut. 


64 E. W. Marchant. 


Fläche unregelmäßig ist, so kann eine Reihe von Strahlen seitens 
einer solchen Wolke an derartigen (einander nahe benachbarten) Punkten 
wie C und E unter verschiedenen Winkeln in den Richtungen UA 
und BE reflektiert werden, und es ist leicht ersichtlich, daß der 
Gangunterschied zwischen der Bahn von C unmittelbar nach A und 
der Babn CDA eine ungerade Anzahl von halben Wellenlängen be- 
tragen kann, während der Gangunterschied zwischen der Bahn von E 
unmittelbar nach B und der Bahn EFB eine gerade Anzahl von 
halben Wellenlängen betragen kann.!) Wenn dies der Fall ist, so 
kann sich der Abstand zwischen den beiden Stellen A und B, an 
denen sich die beiden Wellen gegenseitig verstärken bzw. aufheben 
werden, innerhalb weiter Grenzen ändern. Die Figur ist so gezeichnet 


Fig. 3. 


worden, daß sie mit möglichster Annäherung den Bedingungen ent- 
spricht, die Fuller in seiner Arbeit angibt, wo er zwei Stationen 
behandelt, die 9 Seemeilen auseinander liegen. Der Gangunterschied 
zwischen den beiden Bahnen nach A beträgt ungefähr 30 km und 
jener zwischen den beiden Bahnen nach?B ungefähr 26 km. Für eine 
Wellenlänge von 7500 m würden die Signale in A stark sein, weil 
der Gangunterschied 8 halbe Wellenlängen beträgt; in B würden die 
Signale schwach sein, weil der Gangunterschied nahezu 7 halbe Wellen- 
längen ausmacht. Bei einer Wellenlänge von ungefähr 8500 m würde 
der Gangunterschied zwischen den beiden Bahnen nach A eben etwas 
weniger als 7 halbe Wellenlängen ausmachen, so daß die Signale 
schwach sein würden, während bei B der Gangunterschied eben etwas 


1) Die Zeichnung ist allerdings so ausgeführt, daß die beiden inter- 
ferierenden Strahlen in einer Ebene liegen; es ist aber klar, daß die 
Strahlen auch aus anderen, nicht in einer und derselben Ebene liegenden 
Richtungen reflektiert werden können. 


Die Heaviside-Schicht. 65 


mehr als 6 halbe Wellenlängen betragen würde und die Signale dort 
daher stark sein würden. Diese Vorgänge lassen sich kaum als von. 
der Erzeugung einer Interferenzbande in dem gewöhnlichen Sinne her- 
rührend darstellen, in dem man in der Lichtlehre von Interferenz- 
erscheinungen spricht. Die Interferenz zwischen den längs der ver- 
schiedenen Bahnen fortschreitenden Strahlen ist eine durchaus zufällige, 
und die Gebiete elektromagnetischer Helligkeit und Dunkelheit sind 
wahrscheinlich in höchst unregelmäßiger Weise verstreut. Die hier ge- 
gebene Erklärung ist allerdings nur eine aus einer unendlichen Anzahl 
möglicher Erklärungen, aber sie steht in Einklang mit allen Beobach- 
tungen, die Herr Fuller gemacht hat, und entspricht sehr nahezu 
allem, was wir auf Grund unserer Kenntnis der oberen Schichten der 
Atmosphäre erwarten können. Die interessante Rechnung, die kürzlich 
Herr Cohen angestellt hat?) und aus der hervorgeht, daß die Ergeb- 
nisse Austins sich durch eine Formel von der Form 


Ig = = 1 + ND - 0,00195 

R= PA + jema vr 
darstellen lassen, steht ebenfalls zu unserem Gegenstande in Beziehung, 
insofern als sie anscheinend auf die Stärke zerstreuter Wellen hin- 
weist, die von der Unterseite der Heaviside-Schicht reflektiert worden 
sind. Die Fullerschen Ergebnisse verleihen somit der Theorie Ge- 
wicht, nach welcher die von der Heaviside-Schicht gebildete reflek- 
tierende Fläche gänzlich unregelmäßig ist, oder vielmehr, sie weisen 
auf das Vorhandensein einer unregelmäßigen Masse reflektierender 
Wolken hin, welche die untere Fläche der Schicht bilden. Im Verein 
hiermit muß eine Brechung von gewissem Betrage vorhanden sein, um 
den Strahlen zu ermöglichen, einen Bogen von nahezu 30° der Erd- 
oberfläiche zu umgehen, den sie auf dem Wege von San Francisco. 
nach Honolulu zurücklegen müssen, wie bereits Eccles auseinander- 
gesetzt hat.?) 

Wir können allerdings nicht mehr tun, als Vermutungen an- 
stellen über die Ursachen jener Erscheinungen, die in solchen Medien 
auftreten, von deren Eigenschaften wir keine durch unmittelbare Ver- 
suche gewonnenen Kenntnisse besitzen können; immerhin aber scheinen 
die Tatsachen durch eine Auffassung der geschilderten Art eine an- 
gemessene Erklärung zu finden. Wir dürfen daher die Theorie der 
Heaviside-Wolke als weiter gefestigt ansehen. Meine eigenen Unter- 


1) Cohen, Electrician 76, 743. 
2) Eccles, Proc. Roy. Soc., a. a. O. 


Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 5 


66 E. W. Marchant. 


suchungen, die leider durch den Krieg eine vollständige Unterbrechung 
erfahren haben, bewegten sich in derselben Richtung, wenngleich die 
Entfernung, über die ich arbeitete, nämlich die Strecke von London 
nach Paris (650 km), verhältnismäßig kurz war. In dem Berichte über 
meine Versuche, der seitens der Institution of Electrical Engineers ver- 
öffentlicht worden ist?) habe ich nachdrücklich auf die zuerst von 
Fessenden aufgestellte ‚„Wolkentheorie“ als die wahrscheinlichste Er- 
klärung der beobachteten Erscheinungen hingewiesen. Nunmehr wird 
denn auch diese Erklärung durch die Ergebnisse des Herrn Fuller 
bestätigt, obschon man bei den Versuchen zwischen San Francisco und 
Honolulu notwendig auch noch eine Brechung annehmen muß. Es 
steht zu hoffen, daB weitere Versuche folgen werden, denn solche 
Untersuchungen geben uns nicht nur reichliche Aufschlüsse über die 
Technologie der drahtlosen Telegraphie, sondern sie können uns auch 
gestatten, weitere Kenntnisse über die Natur der oberen Atmosphären- 
gebiete zu erlangen, und zwar in größeren Höhen als jenen, in welchen 
Ballonbeobachtungen möglich sind. 

Zum Schlusse möchte ich Herrn Professor Wilberfokee für seine 
Mitarbeit danken. 

Zusammenfassung. 

Die in der Stärke der empfangenen Signale auftretenden Ände- 
rungen werden zum Teil dem Vorhandensein einer „Heaviside- 
Wolkenschicht“ zugeschrieben, die aus Massen ionisierter Gase in be- 
trüächtlichen Höhen besteht. Es wird eine teilweise Bibliographie über 
diesen Gegenstand mitgeteilt. 

Es wird die Theorie der durch einen sphärischen Reflektor ver- 
ursachten Interferenz gegeben, und die Ergebnisse der von Herrn Leonard 
Fuller angestellten Empfangsversuche werden im Lichte der abgelei- 
teten Theorie untersucht. Es wird gezeigt, daß die Heaviside- 
Schicht wahrscheinlich ganz unregelmäßig ist, und daß wahrscheinlich 
eine Brechung der fortschreitenden Wellen stattfindet. 


Meinungsaustauch. 
Schriftliche Meinungsäußerung des Herrn Leonard F. Fuller: 
Telegraphisten, die mit kontinuierlichen Wellen arbeiten, haben 
häufig beobachtet, daß zwar die zur Nachtzeit empfangenen Signale 
bei den kürzeren Wellen stärker sein können, daß indessen ihr 
Schwächerwerden so viel häufiger auftritt, daB diese kürzeren Wellen 


1) Proc. Am. Inst. El. Eng. 53, 329. 


Die Heaviside-Schicht. 67 


für den praktischen Betrieb selbst beim Arbeiten zur Nachtzeit den 
längeren Wellen nachstehen. 

Diese Beobachtung läßt sich folgendermaßen erklären: 

Wenn man in die Kurve der Figur 15 meiner von Herrn Pro- 
fessor Marchant erwähnten Arbeit, die vom American Institute of 
Electrical Engineers veröffentlicht worden ist, die Mittelwerte aus den 
Beobachtungen einträgt, so erhält man eine Kurve für die Zahl der 
empfangenen Watt, die annähernd der Kurve für die seitens des 
Senderluftleiters ausgestrahlten Energiemenge folgt. 

Das ist durchaus naturgemäß und ist der Grund für die erste 
der praktischen Beobachtungen der Telegraphisten. Die zweite Be- 
obachtung läßt sich durch die folgende Betrachtung der Theorie der 
Figur 3 in der Arbeit des Herrn Marchant erklären, 

Wie Herr Marchant betont, sind Interferenzbanden in dem Sinne, 
in dem wir sie bei Lichterscheinungen für gewöhnlich auffassen, nicht 
vorhanden, wenn wir die Bahn des Fortschreitens parallel zur Erd- 
oberfläche im Ganzen oder auch örtlich in A nnd B betrachten. Sofern 
die Zabl der möglichen Anordnungen einer Heaviside-Wolke un- 
begrenzt ist, besteht eine unbegrenzte Zahl von Möglichkeiten für ähn- 
liche Punkte wie A und B. Sonach können Gebiete schwacher und 
starker Signale hinsichtlich ihrer Ausdehnung und ihrer räumlichen 
Verteilung gänzlich unregelmäßig sein. 

Diese Gebiete entstehen durch die Übereinanderlagerung zweier 
Wellen derselben Frequenz, die nicht miteinander in Phase sind, 
und nicht durch die Vereinigung zweier Wellen verschiedener Frequenz. 
Der relative Betrag der Schwächung oder Verstärkung von Signalen an 
einem gegebenen Punkte hängt daher von der Verschiebung des Phasen- 
winkels der beiden interferierenden Wellen ab. Diese Verschiebung 
hängt von den tatsächlichen mechanischen Abmessungen der Krüm- 
mungen an der Unterseite der Heaviside-Schicht ab. Wenn wir 
annehmen, daß sich die Umrisse dieser Schicht beständig ändern, so 
leuchtet es ein, daß die Phasenverschiebung der interferierenden Wellen 
bei einer gegebenen Veränderung der Heaviside-Schicht um so ge- 
ringer ist, je größer die Wellenlänge ist. Sonach kann die Schwächung 
bei den längeren Wellen weniger störend und der praktische Wert 
solcher Wellen daher größer sein. 

(Nach Proc. Inst. Radio Engineers (New York) 4, Nr. 6, S. 511 
bis 521, 1916 aus dem Englischen übersetzt von Max Ikle.) 

(Eingesandt 31. Januar 1917.) 


Adresse des Übersetzers: Dr. Max Iklé, Berlin-Zehlendorf 


(Wannseebahn), Milinowskistr. 31. EN 


68 Louis W. Austin. 


Die Anderung der Stärke radiotelegraphischer Signale 
mit der Jahreszeit. 


(Seasonal Variation in the Strength of Radiotelegraphic Signals.) 
Von Louis W. Austin. 1) 


Im Jahre 1912 wurden am Bureau of Standards Versuche zur 
Messung der Stromstärke in der Empfangsantenne in Angriff genom- 
men, wie sie durch die von den drahtlosen Stationen zu Philadelphia 
und auf der Navy zu Norfolk ausgesandten Signale erzeugt wird. Der 
Zweck der Versuche war, die Änderung der Signalstärke zu verschie- 
denen Jahreszeiten zu bestimmen. 

Es war bereits qualitativ bekannt, daß die Signale im Winter 
im allgemeinen stärker waren als im Sommer, insbesondere dann, wenn 
die Übermittelung über Land stattfand. Gewöhnlich wird als Grund 
hierfür die Absorption der Wellen infolge der Vegetation zur Sommers- 
zeit angegeben. 

Die Versuchsbedingungen waren folgende: Die Sendewellenlänge 
betrug 1000 m, und die Funkenfrequenz war ungefähr 1000 in der 
Sekunde, wobei die Stromstärke in der Senderantenne nicht weit 
von 10 Ampere gehalten und dafür Sorge getragen wurde, daß Wellen 
von nur einer einzigen Frequenz ausgesandt wurden. Die Höhe bis 
zur Mitte der Kapazität des. Luftleiters in Philadelphia betrug 39 m, 
jene bis zur Mitte des Luftleiters in Norfolk 52 m. Der Luftleiter 
des Bureau of Standards ist eine Harfenantenne von 55 m mit einer 
wirksamen Höhe bis zur Mitte der Kapazität von 30 m. Die Kapazität 
bnträgt 0,0014 Mikrofarad. Die Entfernung vom Bureau of Standards 
bis zur Station in Philadelphia ist 185 km und bis zur Station in 
Norfolk 235 km. Das Verfahren zur Messung der Empfangsstromstärke 
im Luftleiter ist an anderer Stelle beschrieben worden. ?) 

Die Ergebnisse der Beobachtungen sind in der beigegebenen Figur 
dargestellt. Die Ordinaten bedeuten Mikroampere der Empfangsstrom- 
stärke, bezogen auf eine konstante Stromstärke von 10 Ampere in der 
Senderantenne Der Gesamtwiderstand des Empfangsluftleiters, mit 
Einschluß jenes des Luftleiters, betrug 69 Ohm. Die Figur zeigt einen 


D) Dem Institute of Radio Engineers, New York, am 2. Dezember 1914 
vorgelegt. 
2) Bull. Bur. of Stand. 7, 295, 1910. Reprint No. 157. 


Die Änderung der Stärke radiotelegraphischer Signale usw. 69 


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Signal aus Norfolk 


70 Louis W. Austin. 


stark ausgeprägten Unterschied zwischen den Stromstärken im Sommer 
und im Winter, aber die großen Schwankungen zwischen den einzelnen 
Werten macht es schwierig, quantitative Schlüsse zu ziehen; weichen 
doch Beobachtungen an aufeinanderfolgenden Tagen in mehreren Fällen 
stärker als im Verhältnis 2:1 voneinander ab, während die Beob- 
achtungsfehler sicherlich kleiner als 10 v. H. sind. Ich habe durch 
die einzelnen Beobachtungspunkte rohe Kurven gezogen, die den all- 
gemeinen Verlauf der Änderungen angeben. Die Werte für Phila- 
delphia liegen im allgemeinen höher als jene für Norfolk, mit Aus- - 
nahme der im Herbst 1912 vor der Ausführung gewisser Änderungen 
an dem Luftleiter zu Philadelphia aufgenommenen; diese Änderungen 
haben anscheinend die Kapazität des Luftleiters vermehrt. Nach dem 
November 1913 wurden in Norfolk keine Beobachtungen angestellt, da 
Änderungen an dieser Station eine richtige Vergleichung der vor dieser 
Zeit gemachten Beobachtungen mit den später angestellten unmöglich 
machten. Trotz der Unregelmäßigkeiten zwischen den Beobachtungen 
gehen einige Tatsachen ziemlich sicher aus ihnen hervor: Die Ände- 
rungen mit der Jahreszeit scheinen in verschiedenen Jahren verschieden 
zu sein, und das Minimum für 1912 ist höher als jenes für 1913. 
Die Kurven für den Herbst 1912 scheinen steiler anzusteigen als jene 
für den Herbst 1913, denn der Höchstwert wird praktisch 1912 am 
1. November und 1913 erst in der Mitte des Dezembers erreicht. Es 
hat sich nicht als möglich erwiesen, einen bestimmten Zusammenhang 
zwischen der Signalstärke und den Änderungen in den Belaubungs- 
verhältnissen herzustellen, obschon letztere möglicherweise einen wich- 
tigen Faktor bei den Änderungen bildet. Im Gegensatz zu den früber 
vertretenen Anschauungen scheint zwischen Regenfall und Übertragung 
der Signale kein stark ausgeprägter Zusammenhang zu bestehen. Das 
war besonders im Herbst 1912 bemerkbar, als nach einer Trockenperiode 
Regen einsetzte und vier Tage lang heftig fiel. Diese Erscheinung 
verursachte jedoch keine sichere Zunahme in der Stärke der empfangenen 
Signale. | 

Diese vorläufige Beobachtungsreihe lehrt, daß es zu einer gründ- 
lichen Erforschung des Gegenstandes erforderlich sein wird, mindestens 
zweimal wöchentlich, und noch besser jeden Tag, während eines langen 
Zeitraumes zu beobachten. Aus diesen Beobachtungen wird man dann. 
Mittelwerte ableiten und aus diesen wiederum den allgemeinen Gang 
der Erscheinung mit einem gewissen Grade von Genauigkeit ermitteln 
können. Dann wird es vielleicht möglich sein, durch Vergleichung 
mit den Kurven für die meteorologischen und magnetischen Vorgänge 


Die Änderung der Stärke radiotelegraphischer Signale usw. 71 


Beziehungen aufzufinden, die zur Erklärung der Änderungen mit der 
Jahreszeit, sowie auch der Unregelmäßigkeiten zwischen den einzelnen 
Beobachtungen beitragen könnten. 

Die meisten dieser Beobachtungen sind von meinem Assistenten, 
Herrn Öberelektriker H. J. Meneratti, angestellt worden. 


Zusammenfassung. 


Im Bureau of Standards wurde während eines Zeitraumes von 
etwa zwei Jahren die Stärke der von zwei Stationen her empfangenen 
Signale gemessen. Die Sendewellenlänge betrug 1000 m, die Funken- 
frequenz 1000 und die Sendestromstärke für jeden der Sender etwa 
10 Ampere. Ihre Entfernung war 185 bzw. 235 km. Es werden 
die Kurven für die Änderung in der Stärke der empfangenen Signale 
mitgeteilt und besprochen. 


Erörterung. 


Robert H. Marriott: Es wird sich als interessant und lehr- 
reich erweisen, die von Herrn Dr. Austin gefundenen Ergebnisse 
mit jenen zu vergleichen, die ich in meiner Arbeit über die Änderung 
der Reichweite drahtloser Signale („Radio Range Variation“) dem In- 
stitute of Radio Engineers vorgelegt habe (s. Proceedings of tlıe Institute 
of Radio Engineers, 2, 37), insbesondere mit der Tafel 3 und den 
Figuren 1 und 2 jener Arbeit. 

Alfred N. Goldsmith: Aus den Ergebnissen des Herrn 
Dr. Austin geht klar hervor, daß für die besonderen Stationen, die 
er in Betracht gezogen hat, der für die Übermittelung günstigste Tag 
in der Nähe des 1. Januar und der für die Übermittelung schwierigste 
Tag in der Nähe des 15. Juli liegt. Das Verhältnis zwischen der 
empfangenen Energie im Winter und im Sommer (für die äußersten 
Fälle) ergibt sich zu 6,3. Dieses letztgenannte Ergebnis ist indessen 
nicht sehr genau, denn die einzelnen \Verte dieses Verhältnisses liegen 
zwischen 3, 9 und 10. | a 

Nach Proc. Inst. Radio Eng. (NewYork) 3, Nr. 2, 103—106, 
1915 aus dem Englischen übersetzt von Max Ikle. 

(Eingesandt 18. März 1916.) 


Adresse des Autors: Dr. L. W. Austin, U. S. Naval Radio Telegraphic 
Laboratory Navy Dept. Washington D. C., U. S. A. 


72 Referate. 


Referate. 

A. H. Taylor und A. S.Blatterman, Die zeitliche Änderung 
der drahtlosen Übertragung bei Nacht „Variations in noc- 
turnal transmission“, (Proc. Inst. Radioeng. 4, 131—148, 1916.) 

Die Versuche wurden gemacht zwischen 2 Landstationen in den 
Vereinigten Staaten, Grand Forks (North Dakota) und St. Louis (Mis- 
souri), deren Entfernung 1250 km beträgt. 

Beide Stationen besaßen gedämpfte Sender mit synchron rotieren- 
den Funkenstrecken. Diejenige in St. Louis gab bei Verwendung von 
70 periodigem Wechselstrom eine Gruppenfrequenz von 700/sek., diejenige 
in Grand Forks mit 60 periodigem Wechselstrom eine Gruppenfrequenz 
von 1100/sek. St. Louis sandte mit einer Wellenlänge von 850 m, 
einem Dekrement von 0,14 und einem Antennenstrom von 7 Amp., 
Grand Forks war zur Aussendung von 3 Wellenlängen, 1500, 850 
und 500 m eingerichtet; das Dekrement war 0,11 bzw. 0,09 bzw. 0,18, 
der Strom in der Antenne ca. 12 Amp., die effektive Höhe der An- 
tenne ca. 27 m. 

Für den Empfang wurden in beiden Stationen 1 gekoppelter 
“Empfänger verwendet, in St. Louis mit einem einfachen Audion, in 
Grand Forks mit einer komplizierteren Anordnung, die 2 Audion ent- 
hielt. Bestimmt wurde auf der Empfangsstation die Lautstärke mit 
der Parallel-Ohm methode; bei der Berechnung der Lautstärke aus 
dem gemessenen Parallelwiderstand wurde die Impedanz des Telephons 
für die betreffende Gruppenfrequenz, die ungefähr doppelt so groß war 
als der Ohmsche Widerstand, in Rechnung gesetzt. Die Konstanz der 
Empfindlichkeit des Empfängers wurde geprüft mit einem Standard- 
summerkreis, der auf die betreffende Wellenlänge eingestellt war, oder 
durch Vergleich mit einem Perikondetektor mit sehr konstanter Ein- 
regulierung. Über die Konstruktion des Standardsummerkreises und 
die Art der Prüfung sind in der Abhandlung keine näheren Angaben 
gemacht. | 

Die Messungen wurden während der eigentlichen Nacht alle 
Stunden, in der Nähe von Sonnenaufgang und -untergang alle 15 Mi- 
nuten gemacht. Reproduziert sind in der Arbeit die Kurven, welche 
die Abhängigkeit der Lautstärke von der Zeit für die Nächte dar- 
stellen, die am 23. Dez. (Fig. 1), 7. Jan., 28. Jan., 6. März und 17. April 
begannen. Zum Vergleich sind beigefügt die Wetterkarten (Fig. 2) 
des der betreffenden Nacht vorhergehenden Tages. 


Referate. 73 


Die Resultate der Messungen zeigen folgendes: 

1. Sie bestätigen, daß die mittlere Lautstärke bei Nacht erheb- 
lich größer ist als bei Tag: die mittlere Lautstärke, die mit der 
500 m-Welle in der Nacht nach dem 23. Dez. erzielt wurde, ist un- 
gefähr 90, während bei Tag überhaupt kein Verkehr zwischen den 
Stationen möglich war. 


HE eee E 


E 


EPSZEENTE 
- Ht e 
AHH 


Cii * 
\ 
SIT 
zn ` 


7 8 9 
Curve I 1IJOOM IX 
En Zum Zum m) 


PARNA Sari 


£ 2 3J 


/ 
re}? 50 : 
Ber 850m 9Av -9 - ©- - ®--- 
PENTES 


Die Zunahme der Lautstärke von Abend bis Mitternacht er- 
folgt in anderer Weise als die Abnahme der Lautstärke von Mitter- 
nacht bis Morgen: die Lautstärkekurve ist nicht symmetrisch bezüg- 
lich Mitternacht. 

2. Sie bestätigen ferner, daß der Nachtverkehr im Winter er- 
beblich günstiger ist als im Sommer: die Lautstärken im März und 
April sind viel kleiner als im Dezember und Januar. Bei Versuchen, 
die noch später (am 10. Juni) gemacht wurden, konnte keine der 


74 Referate. 


beiden Stationen die Zeichen der anderen aufnehmen. Nach Ansicht 
der Verfasser ist der starke und ziemlich rasche Abfall der Lautstärke 
im Frühling auf das Verschwinden der Schnee- und Eisdecke zurück- 
zuführen. 

3. Aus dem Vergleich der mittleren Lautstärke in einer Nacht 
mit der Wetterkarte des vorhergehenden Tages leiten die Verfasser 
eine Bestätigung der Ansicht ab, die der eine von ihnen schon früher 
geäußert hatte, daß nämlich wolkiges Wetter am Tage auf die Laut- 
stärke in der nächsten Nacht sehr günstig wirkt. 


Fig. 2. 


4. Der Unterschied zwischen 2 Lautstärken, die in derselben 
Nacht verhältnismäßig kurz nacheinander aufgenommen wurden, kann 
außerordentlich groß sein und — wenn man ihn in Prozenten aus- 
drücken will — mehrere Hundert Prozent betragen. 

5. Bezüglich des Einflusses der Wellenlänge bestätigen die Ver- 
suche, daß für die Nachtübertragung im Winter kurze Wellenlängen 
viel günstiger sind als lange. Dagegen sind die Schwankungen kleiner 
bei langen Wellen. u 

Besonders interessant sind die Ergebnisse, soweit sie sich mit der 
Frage beschäftigen, ob die Schwankungen der Lautstärke für die ver- 
schiedenen Wellenlängen zusammenfallen oder verschieden sind. Die 
500 m-Welle ist die 3. Harmonische der 1500 m-Welle, während die 


Referate. 75 


850 m-Welle in keinem ganzzahligen Verhältnis zu der 500- oder 
1500 m-Welle steht. Diese Zahl der 3 Wellenlängen gestattet einen 
Schluß darauf, ob die plötzlichen Schwankungen der Lautstärke durch 
einen Interferenzeffekt (z. B. durch Reflexion an einer diskontinuierlichen 
Schicht) zu erklären sind oder nicht. Wenn diese Schwankungen durch 
eine Interferenzwirkung hervorgerufen sind, so ist zu erwarten, dab 
jedem Maximum bzw. Minimum der 1500 m-Welle auch ein Maximum 
bzw. Minimum der 500 m-Welle entspricht (nicht notwendig umgekehrt), 
daß dagegen die Maxima und Minima der 850 m-Welle in keinem ein- 
fachen Zusammenhang mit denjenigen der 1500 m-Welle stehen. Das 
scheint durch die Messungen bestätigt zu werden. Sie machen es 
demnach wahrscheinlich, daß mindestens ein Teil der raschen Ände- 
rungen der Lautstärke durch Interferenzerscheinungen verursacht sind. 
Die Abhandlung enthält reichliche Angaben über frühere Arbeiten, 
die sich mit der zeitlichen Änderung der Reichweite beschäftigen. Z. 


(Eingesandt 21. April 1916.) 


Adresse des Referenten: Prof. Dr. J. Zenneck, c/o. K. G. Frank, 
90 West-Str., New York U. S. A. 


H. Parodi^, Die Theorie von Eccles und die drahtlose 
Telegraphie La Lum. El. (2) 25, 449, 491, 1914. 


Übersicht. 

Dr. Eccles in London zeigt, daß der Durchgang einer elektro- 
magnetischen Welle durch eine ionisierte Atmosphäre eine Zunahme der 
Fortpflanzungsgeschwindigkeit eben dieser Welle hervorbringt; in einer 
Atmosphäre, in welcher die Ionisation verteilt ist, müssen daher die 
elektromagnetischen Strahlen in der Weise gebeugt werden, daß ihre 
konvexe Seite sich der Seite zuwendet, auf welcher die Ionisation zu- 
nimmt, und daß sie eine umso stärkere Krümmung annehmen, je ge- 
ringer die Schwingungsfrequenz ist. 

Aus dieser Grundtatsache zieht Eccles wichtige Schlußfolgerungen 
in Betreff der Rolle, welche die Frequenz für die Reichweite der 
Signale in der drahtlosen Telegraphie spielt; ferner folgert er aus ihr 
eine einleuchtende Erklärung für die periodischen Erscheinungen der 
Änderung in der Stärke der atmosphärischen Störungen. 


1) Vgl. auch Jahrbuch 8, 253, 282, 1914. (Arbeiten von Eccles.) 


76 Referate. 


Die drahtlose Telegraphie ergibt sich unmittelbar aus der Theorie 
von Maxwell und den Versuchen von Hertz, durch welche die 
Identität der elektrischen und der optischen Vorgänge dargetan wird. 

Die seitens eines Luftleiters ausgesandten elektromagnetischen 
Wallen unterscheiden sich von den seitens einer Lichtquelle ausgesandten 


Fig. 3. Fig. 2. 


Lichtwellen nur durch die Schwingungszahl der Ätherschwingungen. 
Ein Detektor spielt die Rolle eines Auges, das für die Strahlen großer 
Wellenlänge empfindlich ist, das heißt für das „Licht geringer Schwin- 
gungszahl“. Aber aus der elektrooptischen Theorie in ihrer Anwen- 
dung auf den Äther allein ergeben sich zahlreiche Schwierigkeiten: 
insbesondere vermag diese Theorie nicht den Mechanismus der Signal- 
übermittelung auf Entfernungen von 10000 km zu erklären, wie sie 
einer Lage der Sende- und der Empfangsstation zueinander unter 90° 
auf der Oberfläche der Erdkugel entsprechen. 


Referate. 77 


Der gewaltige Unterschied in der Schwingungszahl, der zwischen 
einem elektromagnetischen Strahl der drahtlosen Telegrapbie (F = 10°) 
und einem Lichtstrahl (F = 101%) besteht, gestattet keine Erklärung für 
die Übertragung einer merklichen Energiemenge auf 10000 km trotz 
der Krümmung der Erde durch einfache Beugung. Die Untersuchungen 
eines Poincar6!), eines Rayleigh, eines Macdonald, eines Nicholson 
und anderer lassen hierüber keinen Zweifel bestehen. Nicholson?) hat 
nämlich gezeigt, daß die während der Zeiteinheit durch Beugung an 
zwei identischen Stationen in einer Entfernung von 3000 km bezw. 
100 km von einer und derselben Senderstation empfangenen Energie- 
mengen sich zueinander annähernd wie 1:10!? verhalten müßten. Und 
kein Empfänger, der in 100 km Entfernung arbeitet, wäre imstande 
auf 3000 km Entfernung durch eine billionenfach kleinere Kraft be- 
einflußt zu werden. 

Seit langer Zeit hat man sich darüber Rechenschaft gegeben, daß 
die Krümmung der elektromagnetischen Strahlen auf einer eigentüm- 
lichen Wirkung des Mediums beruhen müsse, einer Wirkung, die ihrer- 
seits durch die von der Sonne ausgesandten Strahlungen hervorgerufen 
würde. Man hat nämlich schon seit den ersten Versuchen in der 
drahtlosen Telegraphie bemerkt, daß die Übermittelung im allgemeinen 
bei Nacht leichter war als bei Tage, und daß die Reichweite der Appa- 
rate im Dunkeln merklich größer war. 

Heaviside hat übrigens schon im Jahre 1904°) darauf hinge- 
wiesen, daB die von der Sonne ausgehenden ultravioletten Strahlen eine 
kräftige Elektrisierung der oberen Schichten der Atmosphäre hervor- 
rufen müssen, in denen die Luft stark verdünnt ist, und daß sie dort 
eine Art leitender Schale erzeugen müssen, an welcher die von der 
Sonne ausgehenden Strahlen reflektiert werden müssen; infolge der 
fortschreitenden Änderung der Ionisierung der Luft muß sich die At- 
mosphäre wie ein Medium mit veränderlichem „Brechungsvermögen‘“ 
verhalten. Ä 

Eccles hat den Gedankengang Heavisides in veränderter Ge- 
stalt wieder aufgenommen und bat in einer Mitteilung an die Royal 
Society in London im Jahre 1912) eine sehr interessante Erklärung 
für die Krümmung der elektromagnetischen Strahlen und für die Perio- 
dizität der Intensitätsänderungen der übermittelten Signale gegeben, 


. 1) S. z. B. Jahrbuch 3, 445. 
2) Phil. Mag., Januar 1911, On the bending of electric waves, S. 68. 
3) Electrical Papers 2, 94. 
4) Proc. Roy. Soc. London, Juni 1912. 


78 Referate. 


wobei er die Wirkung eines Mediums mit „verteilter Ionisation“ auf 
einen Zug elektromagnetischer Wellen genau umrissen hat. 

Diese Wirkung ist nach Eccles die folgende: 

Eine elektromagnetische Welle erfährt beim Durchgang durch ein 
ionisiertes Medium eine Zunahme der Fortpflanzungsgeschwindigkeit, die 
um so größer ıst, je kleiner die Frequenz ist. 

Wir wollen rasch den Beweis wiedergeben, den Eccles für diesen 
Satz gegeben hat, um uns dann eingehender mit der Darlegung seiner 
Folgerungen zu beschäftigen. 


In einem isotropen Dielektrikum, das durch seine elektrische Kon- 
stante k und seine magnetische Konstante u definiert ist, lauten be- 
kanntlich die Maxwellschen Gleichungen für die elektrische und die 
magnetische Kraft in einem Punkte einer ebenen Welle, die sich bei- 
spielsweise senkrecht zur x-Achse fortpflanzt, folgendermaßen: 


Ô z ó p 
Ja ot 
Ox ot 


wenn wir mit f die magnetische Kraft parallel zu oy und mit z die 
elektrische Kraft parallel zu oz bezeichnen. 

Weiter ist bekanntlich, wenn diese Welle eine Schwingung von 
der Schwingungszahl F mitführt, des Integral der Gleichungsgruppe (I) 


x 
2 rife- Š) 
E ), 


ist, wenn wir mit 


u 
Vk u 
die Lichtgeschwindigkeit bezeichnen. 

Eine elektromagnetische Welle pflanzt sich also in einem voll- 
kommenen Dielektrikum ohne Dämpfung fort und mit einer konstanten 
Geschwindigkeit gleich jener des Lichtes. 

Nehmen wir jetzt an, das Medium sei ionisiert, und zwar gleich- 
förmig mit einer Konzentration vou n Ionen im Kubikzentimeter, mit 
der Masse m und der Ladung e; dann müssen die vorstehenden 
Gleichungen in nachstehender Weise ergänzt werden, wobei & die Ver- 
schiebung der Ionen und f einen Reibungskoeffizienten bezeichnet, 
welcher den Widerstand definiert, den das Medium der Bewegung der 
Ionen analog einer „inneren Reibung" entgegensetzt: 


Referate. 79 


a 

ôr ' ôt. 

oOß 0z dE 

T T (IT) 


m- + f= ez 
( 


Wenn wir annehmen, daß die Welle eine Schwingung von der 
Frequenz F mit sich führt, so muß z die Gestalt 


-i2 aF 


z=e q (x) 
haben, und die Gleichungen (I!l) werden; 
d ez 1) 
dt 2nFmi+f À 
0? z 0? z Annue? Oz 
Ja T EATE t mi T OT (2) 
Diese letztere Gleichung läßt als Integral die Gleichung 
Pn „nizti2ar (t-27) (3) 


zu, wenn wir 
4nmne? 


/ = Mea PFET 
setzen und den Größen l und v die folgenden Werte geben: 
Bi; u f 7 v 


Im ’ 


TETE EUR; TT n 
Tor rn TrA 7) 


Diese Werte für l und v erhalten wir unmittelbar, wenn wir 
eine Gleichung vierten Grades auflösen, die sich ergibt, wenn wir in 
die Differentialgleichung (2) für z seinen Ausdruck (3) einsetzen.!) 


1) Die sehr einfache Rechnung ist folgendermaßen auszuführen: 


x 
x = erlzti2ar(e- 7) 
s=€ v 


öx _ er min dt, [22n Fmi 
062 ot 3 eR A [>+ (Zn k m) 
0x 2a F .\ 0x : 
De = | l — i) to S — (2a F?x 


Setzt man diese Werte in die Gleichungen (1) und (2) ein, so erhält man: 
je a (3) + danue? C LE E 


ERN ee 
E a (4a Fm? +f’ 


gu Referate. 


Wenn wir die Größe y als klein voraussetzen, vereinfachen sich 
die vorstehenden Gleichungen beträchtlich; behalten wir nur die Glieder 
ersten Grades von y bei, so werden die Größen l, v und z dann: 


: z 
tere t-—) | 


2 = 
_ Anmne? 
Y = kan Fm? + f’) 
IU 
ja ml r) m 
2m | : 
en l 


o al +37) 


Wir sehen also, daß wegen der Ionisation des Mediums die Fort- 
pflanzungsgeschwindigkeit der elektromagnetischen Wellen größer sein 


Setzt man die recllen und die imaginären Glieder getrennt für sich 
gleich Null, so findet man die beiden Gleichnngen: 
„Se 


= (27 Ffuaky-ı) (8) 
l luk 
el (4) 


die durch Eliminieren von / die Gleichung 
yt Berl (2n Fuk — y) r? + (a FP =0 
2m , 
liefern. Die Lösung dieser Gleichung ist: 


- (Zn F)ukll - p+ en: Ffw ka- y-a [# CII) aP) 


ra 2m 
A o[ukyf 

2f 2m o) 
y? = E — 2 (1 — y) yı+ + [2a Fm(l — -n| —1 


Nimmt man y ale sehr klein au, so erhält man, wenn man die einzelnen 
Glieder in Reihen entwickelt und diese mit den Gliedern ersten Grades von 
y abbricht: 


_ [2m Fm\’ı 2 y) 1 yf 2 
ji f J +a) tee 


a 2n Pm\?1 fyi Z 1L 
2 f ku m) 1-y kul-p 


und hieraus schließlich 
1 
Viu | F”) 


k [27 F m)? +72 
= Adnmne: 


y 


und 


. „er 


or mit y= 


Referate. | 81 


wird als jene des Lichtes. Man kann sich in groben Zügen von der 
Notwendigkeit dieser Zunahme durch die Bemerkung Rechenschaft 
geben, daß, wenn die elektrische Kraft gering ist, die Bewegungs- 
richtung des Moleküls die Richtung dieser Kraft Z ist, und daß diese 
Verschiebung einer elektrisch geladenen Masse einen Konvektionsstrom 
erzeugt, der der Ladung und der Geschwindigkeit des Teilchens pro- 
portional ist. Die Phase dieser Geschwindigkeit wird gegen die Kraft Z 
um ungefähr 90° rückwärts verschoben sein, während der wahre Ver- 
schiebungsstrom im Dielektrikum, %k dz/d t, der dieselbe Richtung hat, 


Fig. 4. Fig. 5. 


gegenüber Z vorwärts verschoben ist; diese beiden Ströme werden sich 
also tatsächlich gegenseitig beeinträchtigen, und die Ionisation wird eine 
Wirkung hervorbringen, die einer Verminderung des Koeffizienten k 
gleichwertig ist, und die zugehörige Fortpflanzungsgeschwindigkeit 


1 
v= -— 
1277 
muß daher durchaus eine Vergrößerung erfahren. 
Diese Geschwindigkeitszunahme ist um so kleiner, je größer die 
Schwingungszahl ist, und für Schwingungszahlen von der Größen- 
ordnung jener des Lichtes, 101% Perioden in der Sekunde, sind diese 


Änderungen zu vernachlässigen. Für Frequenzen von der Größenord- 
Jahrb. d. draht]. Telegraphie u. Telephonie. 12, 6 


82 Referate. 


nung 10°, wie sie in der drahtlosen Telegraphie benutzt werden, können 
diese Veränderungen bedeutend genug werden, um die „Krümmung 
der elektromagnetischen Strahlen“ in einem Medium mit verteilter Ioni- 
sation hervorzurufen. 


Die Krümmung der Strahlen. 

Betrachten wir jetzt dasselbe Medium wie vorher, doch sei es 
ungleichförmig ionisiert, und nehmen wir an, die Größe y in einem 
gegebenen Punkte, 

= Annne 
kl(2# Fm)? + f°)’ 
sei eine Funktion der Entfernung ọ dieses Punktes vom Mittelpunkte 
der Erde. Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit wird in verschiedenen 
Höhen verschieden sein, und die Flächen gleicher Ionisation werden 
zur Erde konzentrische Kugeln sein. Bezeichnen wir mit v die Ge- 
schwindigkeit auf dem Niveau o und mit v + dv jene auf dem Ni- 
veau ọ + do, so erhalten wir: 


oder, da 


ist, schließlich: 


Die an der Erdoberfläche sehr schwach ionisierte Atmosphäre der 
Erde muß in den oberen Schichten sehr stark ionisiert sein. Wir 
wollen sehen, wie groß die Ionisation sein müßte, damit die Krümmung 
der Strahlen eine solche wird, daß sie sich auf einer zur Erdoberfläche 
parallelen Fläche anordnen. Es sei r der Erdhalbmesser, A die Höhe 
des betrachteten Kurvenpunktes. Es ist: 


1 1I1dy_ 1 _1dy 
oe 2dọ r+h 2dh' 


für die betrachteten geringen Höhen werden wir also roh 


erhalten müssen. Die durch den Wert von y definierte Ionisation 
müßte also proportional mit der Höhe über der Erdoberfläche wachsen. 


Referate. 93 


Das Gesetz der Änderung von y mit der Höhe ist uns tatsächlich 
vollkommen unbekannt; alles, was wir sagen können, ist, daß y eine 
rasch anwachsende Funktion von h ist.!) 

Immerhin können wir andeutungsweise sagen, daB beispielsweise 
für eine Höhe A = 30 km, r = 6400 km, y von der Größenordnung 
0,1 sein müßte. Damit dies der Fall wäre, müßte bei einer Frequenz 
F = 150000 (A = 2000 m), n = 160000 sein, und bei F = 50000 
(A = 6000 m) müßte n = 16000 sein. Diese Konzentrationen sind für 
eine derartige Höhe nicht unwahrscheinlich. 

Was nun die Zusammensetzung der Erdatmosphäre anlangt, so 
nimmt Eccles an, daß man in ihr drei verschiedene Schichten be- 
trachten kann. 


1) Dieses unbekannte Gesetz müßte so beschaffen sein, daß es, wenn 
die Theorie von Eecles richtig ist, imstande wäre, die Änderung der 
empfangenen Energie als Funktion der Entfernung zu erklären. 

Den Herren Austin und Cohen ist es gelungen (s. Bull. Bur. of 
Stand.. Nr. 3, 1911), diese Änderungen empirisch mit Hilfe der nachstehen- 
den Formel darzustellen: 


In dieser Formel sind ce und a Konstanten, und es ist ferner 
s die Entfernung, 
à die Wellenlänge. 

Diese Energieabnahme, die dem Quadrate der Entfernung umgekehrt 
proportional und mit einer Absorption verbunden ist, welche jener analog 
ist, die das Licht erleidet, erfolgt sehr rasch: bei einer Wellenlänge von 
5400 m ist das Verhältnis x zwischen den in 

830 km, 1660 km und 2490 km 
Entfernung empfangenen Energiemengen: 
1 : 0,087 : 0,0028. 

Die Berechnungen, welche Eccles angestellt hat, zeigen, daB die 
scheinbare Anderung der Dielektrizitätskonstanten nach der Theorie schneller 
erfolgen muß, als durch die Formel 

ı_ e 

pa ko on+| 
ausgedrückt wird. Nehmen wir an, daß das Gesetz der Ionisierungsände- 
rung durch diese letztere Formel ausgedrückt werde, so würden die oben 
angegebenen .Ecclesschen Gleichungen gestatten, durch eine Reihe von 
JUmformungen, die wir hier nicht wiedergeben wollen, als Verhältnis zwi- 
schen den Energiemengen, die in den eben genannten Entfernungen bei der- 
selben Wellenlänge von 5400 m empfangen werden, die Werte 

1 : 0,103 : 0,0107 


= y (Brechungsindex) 


zu erhalten. 
6 e 


84 Referate. 


Die obere Schicht, in welcher die Konzentration außerordentlich 
stark und die Luft sehr verdünnt ist, verhält sich genau wie die 
„leitende Hülle‘ Heavisides; sie wird wie ein Spiegel wirken, an 
dem die bis zu ihr gelangenden Strahlen reflektiert werden. 

In der mittleren Schicht ist y merklich, obwohl schwach, und 
hängt ausschließlich von der Frequenz ab: 


_ Anne? 
7 Elan Pem’ 
dabei ist der Koeffizient der inneren Reibung gegenüber (47a Fm) zu 
vernachlässigen, da das Gas bereits sehr verdünnt ist. 
Es folgt die untere Schicht, in welcher die Glieder mit f vor- 
herrschen, und wo infolgedessen y, das klein ist, als Hauptwert 
kf? 
4 Anm e? 
bat. Hier ist: 
e = 107? in elektromagnetischen Einheiten, 
f= 7.1071? (annähernd), 
On F= 1071, 
m = 2 x 107?! g, 
2a Fm = 2.1071, 


In diesem Falle sind 2% Fm und f von derselben Größenordnung 
(Frequenz 1000000); bei einer geringeren Frequenz von der Größen- 
ordnung, wie sie in der drahtlosen Telegraphie Anwenduug findet, wird 
also das Glied mit f in den geringen Höhen, wo der Koeffizient f den 
angegebenen Näherungswert besitzt, das wichtigere sein. -~ 

Wenn die lonisierung von den Sonnenstrahlungen herrührt, so 
muß sich offenbar die „Verteilung“ beständig mit der Intensität und 
der Neigung der Strahlen ändern, welche die Ionisation erregen. Das 
elektrische Leitvermögen des Mediums wird also von der Tageszeit 
und der Jahreszeit abhängen: tagsüber muß sich die mittlere Schicht 
iu Augenblicke des Durchganges der Sonne durch den Meridian sehr 
weit nach unten ausdehnen und muß sich hinterher dann allmählich . 
wieder erheben, um während der Nacht in einem nahezu stationären 
Zustande zu verharren. Die mittlere Schicht wird also eine den Ge- 
zeiten analoge auf- und absteigende Bewegung ausführen. 

Während der Nacht verschwindet diese mittlere lonisation mög- 
licherweise fast ganz, und der leitende Teil der Atmosphäre konzen- 
triert sich vielleicht ganz und gar in der oberen Heavisideschen 
Schicht. 


Referate. 85 


Die Wiedervereinigung der Ionen muß besonders heftig im Augen- 
blicke der Dämmerung sein, wo infolge der Drehung des Erdballes 
um die Pollinie NS die Intensität der Sonnenstrahlen rasch abnimmt, 
um kurz nach Sonnenuntergang vollständig null zu werden. | 

Gerade in der Nachbarschaft des zur Verbindungslinie des Erd- 
mittelpunktes mit dem Sonnenmittelpunkte senkrechten großen Krei- 
ses XX’ muß eine Zone zu finden sein, die Eccles als „Dämmerungs- 
zone‘‘ bezeichnet hat, eine Zone, in welcher in den Gebieten der Atmo- 
sphäre, welche infolge der täglichen Drehbewegung der Erde nach- 
einander durch diese Zone hindurchgehen, sich beständig die Ände- 
rungen des lonisierungszustandes vollziehen. 

Diese Schicht mit gestörter Ionisation muß nach Eccles wie eine 
Art Schirm wirken, der für die elektromagnetischen Wellen um so 
undurchlässiger ist, je größer deren Schwingungszahl ist. 

Wir sind nunmehr in der Lage, nach dem Vorgange von Eccles 
gewisse bei’ der Nachrichtenübermittelung durch die drahtlose Tele- 
graphie auftretende Eigentümlichkeiten zu erklären: 

1. Die Reichweite der Signale. 

Marconi hat im Jahre 1912 angegeben, daß die Nachrichten- 
übermittelung mittelst verhältnismäßig kurzer Wellen, wie sie damals 
zur Anwendung gelangten, bei Tage und bei Nacht gleich gut von 
statten gehe, so lange die Entfernung 800 km nicht überschreite, 
dahingegen wurden die Signale bei Tage in Entfernungen von der 
Größenordnung 1200 km nicht mehr unterscheidbar, während sie bei 
Nacht noch in 3000 bis 3500 km wahrgenommen werden konnten. 

Mit Wellen von größerer Länge, nämlich 8000 m, Frequenz un- 
gefähr .36 000 in der Sekunde, hat Marconi später in gewissen 
Fällen bei Tage ebenso gute, wenn nicht gar noch bessere, Ver- 
ständigung erreichen können als bei Nacht. 

Es ist weiter bekannt, daß in bergigen Gegenden die Hindernisse 
‘ die kurzen Wellen anscheinend leichter hemmen können als die langen, 
und es ist gelungen, regelmäßige Verbindungen zwischen zwei durch 
Geländeunebenheiten voneinander getrennten Stationen dadurch sicher 
zu stellen, daß man die Frequenz der Senderapparate herabsetzte. 

Alle diese Tatsachen lassen sich mit Hilfe der Theorie von 
Eccles ohne weiteres erklären: 

Auf kurze Entfernungen erfolgt die Übertragung unter Vermit- 
telung der unteren Schichten der Atmosphäre, und die Frequenz spielt 
bei dieser Angelegenheit keinerlei Rolle. Da indessen die Strahlung 
eines Luftleiters dem Quadrate der Wellenlänge umgekehrt proportional 


86 Referate. 


ist, läßt sich die Übertragung mit verhältnismäßig kurzen Wellenlängen 
leichter (mit geringerer Leistung) bewerkstelligen. 

Auf große Entfernungen erfolgt die Übertragung durch die mitt- 
leren Schichten der Atmosphäre, die Strahlen gehen tangential von 
der Erdoberfläche aus und bleiben geradlinig, bis sie in die Gebiete 
mit zunehmender lIonisierung eindringen, in denen sie sich mehr und 
mehr krümmen, so daß sie eine allgemeine Gestalt nach Art von AcB 
annehmen, und zwar ist die Krümmung um so stärker ausgeprägt, 
je geringer die Frequenz ist. 

Um auf geringe Entfernung über Hindernisse hinweg zu ver- 
kehren, muß man Wellen von geringer Schwingungszahl und, wenn 
man so sagen darf, „tauchende“ aussenden. 


A 


> 
A 


B 
Fig. 6. Fig. 7 


Bei Nacht ist die Reichweite größer als bei Tage, weil sich die 
Schicht mit wirksamer lonisierung in größerer Höhe befindet und in- 
folgedessen die allgemeine Krümmung der Strahlen schwächer ist, 
einerlei, welche Schwingungszahl sie besitzen. 

Bei Tage wie bei Nacht muß es für zwei gegebene Stationen 
für jede Verteilung der lonisierung eine günstigste Frequenz geben, 
die bald groß und bald klein ist. Diese Tatsache wird durch die 
Versuche, die Marconi üher den Atlantischen Ozean hinweg zwischen 
Clifden in Irland und Glace Bay in Kanada ausgeführt hat, anschei- 
nend bestätigt. 

2. Tägliche Schwankungen in der Stärke der übermit- 
telten Signale. 

Auf jeder Station für drahtlose Telegraphie stellt man fest, daß 
die Apparate unausgesetzt arbeiten, selbst wenn kein beabsichtigter 
Austausch von Mitteilungen stattfindet, und zwar unter der Einwirkung 
natürlicher elektromagnetischer Wellen. Die Aufzeichnung dieser 
„natürlichen oder parasitären Signale“ läßt das Vorhandensein we- 


Referate. 87 


nigstens eines täglichen Minimums erkennen, das im allgemeinen mit 
dem Untergange der Sonne an der Empfangsstation zusammenfällt. 

Diese verhältnismäßige Lautlosigkeit ist nicht nur bei den natür- 
lichen Wellen wahrzunehmen, sondern auch bei den Signalen im eigent- 
lichen Sinne, deren Stärke im Augenblick der Dämmerung eine merk- 
liche Verminderung zu erfahren scheint. | 

Im allgemeinen ist dieses Minimum am leichtesten zu beobachten, 
wenn die Empfangsstation auf eine ziemlich große Wellenlänge, von 
der Größenordnung 6000 m, abgestimmt ist. Bei kleinen Wellen- 
längen, von der Größenordnung 1000 m, ist die Intensitätsänderung 
viel weniger beträchtlich. Ä 

Diese Erscheinung erfährt eine einleuchtende Erklärung, wenn 
wir nach dem Vorgange von Eccles annehmen, daß ihr Bestehen mit 
dem Vorhandensein der oben beschriebenen Dämmerungszone in Zu- 
sammenhang steht. 

Da die Intensitätsänderungen bei großen Wellenlängen besonders 
deutlich sind, wie sie im allgemeinen großen Reichweiten entsprechen, 
so ist es wahrscheinlich, daß die natürlichen Wellen sehr weit von den 
Empfangsstationen entfernt entstehen, und daß sie die Atmosphäre in 
großer Höhe durchlaufen. Sie treffen also auf die Ecclessche Däm- 
merungszone, welche einen, je nach der Jahreszeit und je nach der In- 
tensität der erregenden Sonnenstrahlen, mehr oder minder undurch- 
lässigen, mehr oder minder breiten, mehr oder minder hohen Schirm 
bildet. 

Gerade die Höhe dieses Schirmes unter der Sonne gestattet, die 
Verzögerung zu erklären, welche zwischen dem Dämmerungsminimum 
und dem genauen Zeitpunkte des Sonnenunterganges besteht; diese 
Verzögerung hat im allgemeinen die Größenordnung von 10’. 

Eccles leitet weiter aus seiner Theorie und seinen Hypothesen 
von der „Schirmwirkung“ der Dämmerungszone die Erklärung für ge- 
wisse eigentümliche Erscheinungen her, die bei der Signalgebung über 
den Atlantischen Ozean zwischen Glace Bay in Kanada nnd Clifden 
in Irland auftreten, und die Marconi in einem Vortrage vor der 
Royal Institution zu London am 2. Juni 1911 beschrieben hat. Eccles 
zeigt, daß die Zeit des Intensitätsminimums der in Clifden aufgenom- 
menen Signale aus Glace Bay, die zwei Stunden gegenüber der Zeit 
des Sonnenunterganges in Clifden verzögert ist, mit dem Durchgange 
der Dämmerungszone durch einen Punkt zusammenfällt, der zwischen 
diesen beiden Stationen liegt, und in welchem die Horizontalebene von 

Glace Bay in ungefähr 70 km Höhe über dem Meeresspiegel dahingeht. 


88 | Mitteilungen aus der Praxis. 


Wir wollen auf diese sehr merkwürdige Theorie nicht weiter 
eingehen, ebenso wenig auf die Anwendungen, die Eccles von ihr zu 
machen versucht hat. Wir wollen uns vielmehr darauf beschränken, 
zum Schlusse noch anzudeuten, daß sie ernstliche Einwendungen wach- 
ruft, sowohl was den Wert der Ionisierung in den hohen Schichten 
angeht, als auch was gerade die durch die Elektrisierung der Luft 
hervorgerufene Geschwindigkeitszunahme betrifft. 

Ich würde mich glücklich schützen, wenn die, übrigens recht unvoll- 
ständige, Darlegung der Ecclesschen Gedanken, die ich hier gegeben 
habe, zu einem Meinungsaustausch anregen möchte, der zweifellos 
sehr lehrreich werden würde. 

(Nach La Lumière Electrique (2) 25, 449—453, 491—4938, 1914 
aus dem Französischen übersetzt von Max Ikle.) 

(Eingesandt 15. September 1916.) 


Mitteilungen aus der Praxis. 


Österr. Feldpost 95, am 22. Nov. 1916. Nachstehend erlaube ich mir 
eine interessante Beobachtung zur Kenntnis zu bringen. 

Die von mir — auf 1700 m Höhe errichtete Stationsanlage wurde in 
der Weise geschaffen — daß ich die Paßhöhe mittels eines 2 km langen 


=f nm, ae 
Stahldrahtes (4 x 3 m/m) überspannte — und an dasselbe zwei unter- 
einanderbefindliche sechsspeichige Schirmantennen hängte. Die absoluten 
Höhen der Antennen betragen 110 m, respektive 106 m. 

Bei den stärksten auftretenden atmosphärischen Entladungen zeigte 
es sich nun — daß, sobald die obere, größere Antenne geerdet wurde — 


Mitteilungen aus der Praxis. 89 


die Aufnahme mit der unteren, kleineren Antenne anstandslos — mit nur 
ganz geringen Störungen — durchzuführen war. 

Diese Beobachtung wurde schon des öfteren gemacht, und erlitt der 
Empfang mit der kleinen Antenne — selbst in Fällen wo die 1 Amp. Siche- 
rungen der großen Antenne durchbrannten — keine Einbuße. 

Hauptmann Leodegar Gutmann, 
Kommandant der österr.-ungar. Feldradiostation 
Nr. 21 — österr. Feldpost Nr. 95. 


-—o a nn 


Die „Frankfurter Zeitung“ Nr. 327 vom 25. November 1916 
bringt folgende Notiz: 


‚Unabhängige holländische Ühersee-Telegraphen. 

Haag, 24. Novbr. (Priv.-Tel., zf.) Das sozialistische Blatt „Het 
Volk“ meldet: Mit Unterstützung verschiedener großer Reedereien wird 
die Errichtung einer niederländischen Gesellschaft zur Anfertigung 
von Apparaten für drahtlose Telegraphie zum Gebrauch auf 
Schiffen in die Wege geleitet. Niederland will sich hiermit sowohl 
von der englischen Marconi-Gesellschaft, wie von der deutschen Tele- 
funkengesellschaft unabhängig machen. Leitender Ingenieur der neuen 
Gesellschaft wird der früher bei der Marconi-Gesellschaft tätig ge- 
wesene Ingenieur Tulter sein. 

Es tritt in Holland wieder das Bestreben hair sich auch in der 
telegraphischen Verbindung zwischen dem Mutterlande und Niederlän- 
disch-Indien unabhängig von England und seiner Kontrolle zu 
machen. Eine gerade jetzt von dem Sachverständigen de Groot ver- 
faßte Schrift kommt zu dem Schluß, daB Indien eine direkte drahtlose 
Telegraphenverbindung mit dem Mutterlande haben müsse. Dieses Be- 
streben wird umso begreiflicher, wenn man weiß, daß England sogar 
eine Kontrolle der niederländischen Regierungstelegramme nach Indien 
ausübt und die Chiffrierung dieser Telegramme verbietet. 

(Eingesandt 27. November 1916.) 


— 


Wir entnehmen der E.T.Z., Heft 33, S. 444, 1916 folgenden 
Bericht: | 
Funkentelegraphie auf Tahiti. 
(Journal Telegrapnique, Bd. 40, S. 47 und 144.) 
Die französische Regierung hat am 28. XII. 1915 eine Stelle 
für drahtlose Telegraphie in Haapape oder Mahina bei Kap Venus 
auf der Insel Tahiti (Gesellschaftsinseln) eröffnet. Diese steht mit 


90 Mitteilungen aus der Praxis. 


Suva (Fidschiinseln) und über Samoa und Awanui (Neuseeland) mit 
den Vereinigten Staaten in Verbindung, Von Awanui werden die 
Telegramme mittels Kabels nach San Francisco befördert. Die Ge- 
bühren sind noch nicht festgesetzt. Wahrscheinlich wird die Wort- 
gebühr für die Telegramme von und nach den Vereinigten Staaten 
den Betrag von 4,25 M. nicht übersteigen. Es sind Verhandlungen 
im Gange, um die Beförderung der Telegramme nach Honolulu über 
Tutuila und von da nach San Francisco ausschließlich auf drahtlosem 
Wege zu ermöglichen. Auf diesem Wege würde die Übermittlung 
schneller und für die Hälfte der jetzigen Gebühren erfolgen können. 

Die vorläufig zur Verfügung stehende Energie von 10 KW er- 
möglicht eine gute Verbindung mit Tutuila unter Anwendung 600 m 
langer Wellen. Die Stelle ist nach der Bauart des französischen 
Staates eingerichtet und hat zwei Luftleitertürme von 100 m Höhe. 
Sie soll später durch eine bereits im Bau begriffene Großstelle ersetzt 
werden, die über eine Energie von 300 KW verfügen und durch einen 
Gasolinmotor von 370 KW betrieben werden wird. Für die Groß- 
stelle sind 8 Luftleitertürme von 100 m Höhe vorgesehen, die in zwei 
parallelen Reiben zu vier aufgestellt werden sollen. Die Türme der- 
selben Reihe sollen voneinander 250 m und von der anderen Reihe 
200 m entfernt sein. Außer einem Luftleiter für 600 m lange Wellen 
ist auch ein solcher für 2500 m Wellenlänge vorgesehen. Die Groß- 
stelle soll unmittelbare Verbindung mit Honolulu und wahrscheinlich 
auch mit San Francisco, Sydney und mit den westindischen Inseln 
Martinique und Guadeloupe erhalten. Bisher hat die neue Stelle noch 
keinen amtlichen Namen bekommen. In Vorschlag gebracht sind die 
Bezeichnungen: Haapape-, Mahina- oder Kap Venus-Radio. Voraus- 
sichtlich wird der Kriegsminister bei der Festsetzung der Gebühren 
gleichzeitig den Namen bestimmen. Sie ist 18 km von Papeete ent- 
fernt und mit dem dortigen Postamt durch eine Telegraphenlinie ver- 
bunden. Die Siedelung steht also nunmehr mit der Außenwelt in 
unmittelbarer Verbindung, so daß die Handelshäuser nicht mehr aus- 
schließlich auf die monatlich einmal erscheinenden Dampfschiffe an- 
gewiesen sind. 


Reichweite drahtloser Stationen. 

„Japan Advertiser“ meldete am 1. Juli 1916, daß die elektrischen 
Wellen von Nauen aufgenommen wurden von der neuen drahtlosen 
Großstation der japanischen Marine in Femabashi — Entfernung 
ca. 5000 Seemeilen. Ä E. 


Mitteilungen aus der Praxis. 91 


Norwegische Großstation Üvresaeter. 


Die Tageszeitungen berichten von der Errichtung einer neuen 
Telefunken-Großstation Övresaeter in Norwegen. Die Mitteilung ist 
korrekt, doch müssen wir uns darauf beschränken, anzugeben, daß es 
sich um eine Telefunken-Hochfrequenz-Maschinenstation handelt; nähere 
technische Angaben können erst nach dem Kriege gemacht werden. 

o E 
(Eingesandt 20. Februar 1917.) 


Der Zeitsignaldienst an Nordamerikas Küsten. ') 


Die Übermittelung der Zeitsignale an die auf der Fahrt be- 
findlichen Schiffe mittels Funkentelegraphie ist in den Vereinigten 
Staaten im Jahre 1905 eingeführt worden. Dieser Dienst, der in- 
zwischen erweitert und ausgebaut worden ist, gestaltet sich, wie die 
„Elektrotechnische Zeitschrift“ nach ausländischen Fachblättern berichtet, 
folgendermaßen: Von den Funkspruchstellen der Atlantischen 
Küste, die zu diesem Zweck mit der Seewarte in Washington durch 
die Telegraphenlinien der Western Union Telegraphy Company ver- 
bunden sind, werden täglich Zeitsignale entsandt. Von 11 Uhr 
55 Minuten bis Mittag (Zeit des 75. Längengrades westlich von Green- 
wich) wird jeder Schlag der Normaluhr der Seewarte in Form eines 
Punktes übermittelt, wobei die 29. Sekunde jeder Minute, die fünf 
letzten Sekunden jeder der vier ersten Minuten und die zehn letzten 
Sekunden der letzten Minute unterdrückt werden. Um 12 Uhr mit- 
tags wird ein Strich gegeben. Gegenwärtig erfolgt die Abgabe der 
Zeitsignale an der Atlantischen Küste nur in Arlington, Key West und 
New Orleans. Arlington entsendet die Signale zweimal des Tages und zwar 
von 11 Uhr 55 Min. bis 12 Uhr mittags und von 9 Uhr 55 Min. bis 10 Uhr 
abends. Die beiden anderen Stellen entsenden die Signale nur einmal 
von 11 Uhr 55 Min. bis 12 Uhr. An der pazifischen Küste werden 
die Zeitsignale von Mare Island, Eureka, Point Arguello, San Diego 
(Kalifornien) und North Head (Washington) entsandt. Die Zeit wird 
von der Normaluhr der Seewarte in Navy Head auf Mare Island 
angegeben. Mare Island entsendet die Signale zweimal täglich, und 
zwar von 11 Uhr 55 Min. bis 12 Uhr mittags und von 9 Uhr 55 Min. 
bis 10 Uhr abends (Zeit des 120. Längengrades westlich von Green- 


1) Nach der „Frankfurter Zeitung“. 


92 Mitteilungen aus der Praxis. 

wich) North Head, Eureka und San Diego geben das Zeitsignal nur 

einmal täglicb, und zwar mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, von 

11 Uhr 55 Min. bis 12 Uhr mittags. Arlington und Mare Island 

arbeiten mit 2500 m, North Head und San Diego mit 2000, Eureka 

mit 1400 und Key West und New Orleans mit 1000 m Wellenlänge. 
E. 


(Eingesandt 20. Februar 1917.) 


anme men a e a 


Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ (Nr. 37 vom 7. Februar 
1917) veröffentlicht folgenden charakteristischen Artikel: 


Französische Funksprüche. 
(Von unserem Kriegsberichterstatter W. Scheuermann.) 


Großes Hauptquartier, im Januar 1917. Von den Auf- 
wiegelungsmitteln, die der Entente zu Gebote stehen, um im neutralen 
Auslande Stimmung gegen uns zu machen, benützt sie wenige mit so 
unermüdlichem Eifer wie die Funksprüche. Ganze Bündel von Druck- 
seiten funken täglich Paris, Lyon, mit Poldhu um die Wette, an Ver- 
leumdungen und Beschimpfungen gegen uns in die Welt hinaus, soweit 
sich die elektrischen Wellen über Meere und Landesgrenzen schwingen, 
und wenn man die Mittelmächte tot telegraphieren könnte, exerzierten 
die Alpenjäger längst auf dem Tempelhofer Felde. 

Unter dem übrigen Stoff, der uns Kriegsberichterstattern während 
unseres Aufenthaltes im Großen Hauptquartier West zugänglich ge- 
macht wird, erhalten wir auch regelmäßig die ganze Sammlung der 
Funksprüche unserer Feinde. Sie haben uns, wie ich gleich anmerken 
will, anfangs manche verärgerte Stunde bereitet. Ist es denn möglich, 
so fragten wir uns, daB man unser herrliches deutsches Volk mit 
soviel Kot und Unrat bewirft, daß man unser heldenmütiges Heer, 
Mannschaften und Offiziere, mit soviel Gemeinheiten zu besudeln wagt? 
Es wollte uns nicht in den Kopf, wenn wir die feindlichen Um- 
fälschungen deutscher Waffenerfolge, deren wir selber Zeuge gewesen 
waren, im feindlichen Funkspruche lasen, daß man im 20. Jahrhundert 
amtlich und öffentlich so schamlos lügen kann. Aber dieser Ärger 
legte sich bald. Der französische Schriftsteller Henry Meilhac hat 
einmal sehr hübsch ausgeführt, daß ein großer, anerkannter Schurke 
vor den kleinen und Anfängern einen Vorzug habe. Niemand regt 
sich mehr darüber auf, daß der Kerl ein Schurke ist, denn man weiß, 


Mitteilungen aus der Praxis. 93 


das ist sein Beruf. Man verlangt von ihm nur, daß er auf der Höhe 
seiner Kunst bleibt, nickt ihm anerkennend zu, wenn ihm Schurkereien 
von großem Zuschnitt gelingen, und ist ärgerlich, wenn er seinen Ruf 
durch offenbare Ungeschicklichkeiten schädigt. So ist sehr bald unser 
Verhältnis zu den anerkannten Erzlügnern und Meisterschurken von 
Paris, Lyon, Poldhu geworden. Wir verfolgen ihre täglichen Leistungen 
nur noch mit gerecht abwägendem kritischen Interesse; warum soll 
die Steigerung der menschlichen Verlogenheit bis zum Höchstmaße 
weniger Anspruch darauf haben, als artistische Darbietung gewürdigt 
zu werden, als die Künste der Feuerfresser, Schlangenmenschen usw.?! 
Wir sind also gerechte, aber strenge Richter. Nach jeder Verlesung 
der Funksprüche stellen wir voll Bewunderung fest, daß Lyon den 
Rekord im Lügen hält oder gar, daß es sich selbst übertroffen, sich 
selbst überlogen hat. Da sparen wir nicht mit Lob, wie wir auch 
nicht unsere Enttäuschung verbergen, wenn Lyon seinen schwachen 
Tag hat und nur ganz zaghaft und stümpernd schwindelt.e. Wenn man 
sich durch den Wust von Verdrehungen und Erfindungen durch- 
gearbeitet hat, muß man schon eine kleine Erholung haben, und der 
Krieg schafft seltsame Gesellschaftsspiele. ’ 

Mit dieser heiteren Abfertigung der Funksprüche unserer Feinde 
durch den kleinen Kreis von Wissenden, die sich nach ihren Fahrten 
an die Front in unregelmäßigen Zwischenräumen im Kriegspresse- 
quartier zusammenfinden, ist die Bedeutung eines Unternehmens, das 
sich unsere Feinde viele Millionen kosten lassen, nicht erschöpft. Daß 
sie durch ihren Nachrichtendienst auf uns Deutsche wirken können, 
glauben unsere Feinde selber nicht. Mehr als das: Sie lügen sich 
und andern nicht einmal vor, daß sie das könnten. Aber mit größerem 
Rechte als jemand vor ihm kann der drahtlose Funke von sich sagen: 
Mein Feld ist die Welt! Was er berichtet, was er schwätzt und was 
er lügt, das vernehmen in derselben Sekunde die Völker der fünf 
Erdteile. Nicht auf uns, sondern auf die Neutralen, die beiseite 
Stehenden, die Ohnseitigen, wie das Flämische unser unschönes Leih- 
wort „Neutrale“ verdeutscht, auf sie, die keine eigenen Grundlagen 
zum Urteilen haben, ist der gewaltige funkentelegraphische Apparat 
in erster Linie berechnet. Darum ist es eine ernsthafte Sache, zu ver- 
folgen, wie weit die auf diese Weise gegebenen Mitteilungen auf die 
„Ohnseitigen“, auf die beiseite stehenden Nationen wirken. 

In den Hauptzügen ist das unschwer festzustellen. Man sieht 
heute das Flackerfeuer irgendeiner Funkspruchmeldung aufleuchten. 
Einige Tage später gewahrt man ihren Widerschein in irgendwelchen 


94 Mitteilungen aus der Praxis. 


Blättern des neutralen Auslaudes. Da ist es denn sehr befriedigend, 
festzustellen, daB der Kreis der auf die neueste Verleumdung ein- 
gehenden Blätter sehr klein ist. Freilich, die Entente hat einen Kreis 
fester — fast hätte ich gesagt zahlender Abonnenten, während ich 
doch eher bezahlte meine. Das sind die festen Abnehmer der Funk- 
sprüche der Entente, auf diese Getreuen kann sie unter allen Um- 
ständen zählen. Sie prostituieren sich auf telephonischen Anruf. Frei- 
lich bedürfte es dazu keiner kostspieligen Funksprüche, da die be- 
treffenden Geschäftsführer ohne das jedem Agenten der Entente freudig 
aus der Hand fressen. 

Dabei darf man aber nicht vergessen, daß mit dem Funkspruch- 
apparat wie mit so manchem anderen Versuche der Entente eben nur 
ein kleiner Teil der ursprünglichen, in langen Jahren vor dem Kriege 
vorbereiteten Hoffnungen in Erfüllung gegangen ist. Die Absicht war 
eigentlich eine andere. Wenn der Eiffelturm funkte, sollten die Völker 
der Welt gläubig und andächtig lauschen. Von diesem Gesichtspunkte 
gesehen, ist die tägliche schweißtriefende Arbeit des feindlichen 
Funkerdienstes sogar verhältnismäßig beachtenswert. Denn wir guten 
Deutschen, die wir ‘uns immer vorgeworfen haben, wir könnten mit 
fremden Völkern nicht umgehen, lernen daraus, welches Universal- 
verfahren die englischen Weltbeherrscher und die französischen Meister 
der Herzensgewinnung zur Beeinflussung der Neutralen herausgefunden 
haben. Die Methode ist sehr einfach nnd läßt sich, nach dem Über- 
blick über mehr als zwei Jahrgänge der feindlichen Funksprüche in 
folgendes Schema fassen: 

Anleitung zur Beeinflussung Neutraler, besonders der Schweizer, 
Skandinavier, Holländer, Spanier, Amerikaner (soweit sie bei ihnen . 
nötig) durch die Funksprüche der Entente, ausgegeben von Paris, 
Lyon, Poldhu. s 

1. Grundsätze. Das Begriffsvermögen der neutralen Zeitungsleser 
ist einfältig. Es empfiehlt sich daher, mit nur zwei Farben zu arbei- 
ten, weiß und schwarz. Alles, was von der Entente kommt, ist weiß 
und strahlend. Alles, was wir von und über Deutschland berichten, 
ist in die dunkelsten Schattierungen getaucht. | 

I. Hauptgrundsatz. Deutschland und seine Verbündeten erringen 
nie einen Erfolg. Wo die Tatsachen das Gegenteil erweisen, ist es 
wünschenswert, sie totzuschweigen oder in das Gegenteil umzuberichten. 

II. Hauptgrundsatz. Die Entente kämpft für Zivilisation, Kultur, 
Menschlichkeit, Aufklärung, Gleichheit, Freiheit, Schönheit und Würde 
des Menschenlebens usw. (Der Rest der Vokabulatur ist in irgend- 


Mitteilungen aus der Praxis. 95 


einem Thermidormanifest lückenlos nachzulesen und täglich mindestens 
zweimal einem Redner der Entente in den Mund zu legen, gleichgültig, 
ob Herr Briand zur Deputiertenkammer, Lloyd George zu einer kir- 
gisischen Abordnung oder ein marokkanischer Scheich zu den fran- 
zösischen Subventionsüberbringern redet. Falls kein Thermidormanifest 
zur Hand, findet sich die vollständige Vokabulatur in dem Buche 
„Die menschliche Tragikomödie“ von Johannes Scherr, das im übrigen 
wegen hervorragender Bochigkeit zu Ententefunksprüchen nicht ge- 
. eignet ist.) 

2. Leit- und Lehrsätze. 

I. Jede Woche mindestens einmal müssen die belgischen Greuel 
erneuert werden. “ Löwen eignete sich dazu nur vor dem Besuche 
durch zahlreiche Neutrale. Aber es gibt zahllose kleinere Orte in 
Belgien, die noch der Erschließung harren. 

Il. Die Ausquartierung und der Arbeitszwang für die Bevölke- 
rung im besetzten Frankreich soll, obwohl das Material zur Über- 
sättigung erschöpft ist, mindestens jede Woche einmal in aufreizender 
Form wachgerufen werden, 

II. Es ist sehr wünschenswert, daß die herzlichen Bundes- 
genossenbeziehungen der Entente eine möglichst persönliche Hervor- 
hebung Tag für Tag erfahren. Wenn daher ein Pariser Vorstadt- 
schauspieler stirbt, so ist nach einem beiderseitigen Abkommen der 
französischen Nation das tiefgefühlte u nun: der edlen 
englischen Nation auszudrücken und umgekehrt. 

IV. Sehr wichtig ist: Jeder Mensch, gleichviel welcher Art und 
welchen Berufes, der sich irgendwie unfreundlich gegen Deutschland 
äußert, ist mit dem schmückenden Beiwort „berühmt“ zu bezeichnen. 
Dies ist wichtig und unerläßlich. 

Dies etwa ist das System, wie ich es nach genauer Prüfung 
herausgefunden habe, und ich bin bereit, jederzeit an der Hand von 
beliebig viel Bänden feindlicher Funksprüche den Beweis für die >= 
falt meiner Beobachtungen anzutreten. 

. Man wird einwenden, daß das System jeder Idiotenschule aus- 
führlicher und verwickelter ist als diese Anweisung, durch welche die 
Meinung der hochentwickelten Völker der heutigen Welt durch den 
Nachrichtendienst der Entente geknetet und geknebelt werden soll. 
Aber an der Tatsache kann ich nichts ändern. Ich kann nur sagen: 
Wir Deutschen waren niemals so vermessen, zu glauben, daß wir die 
ganze Geistesrichtung von hochentwickelten Völkern, deren literarisches 
und künstlerisches Schaffen wir bewunderten,: mit zwei Grund- und 


96 Mitteilungen aus der Praxis. 


vier Leitsätzen, die irgendein Kanzlist auswendig lernt, beeinflussen 
zu können uns anmaßten. Das aber ist die Praxis der Entente. Ich 
fordere jeden Neutralen auf, der den Funkspruch der Entente kennt, 
mir nachzuweisen, daß ich in einer Zeile zu viel behauptet habe. Wir 
wollen die Funksprüche der Entente, mit denen sie euch eure Mei- 
nungen vorschreiben wollte, seit dem August 1914 bis zum Januar 
1917 durchgehen, und ich warte auf den Nachweis der ersten Zeile, 
die nicht in das von mir aufgestellte Lehrsystem einer Blöden- 
schule paßt. 

Aus vielen tausend Beispielen könnte ich Bände von Witzblättern 
machen. Ich könnte von jenem ersten Funkspruch, der meldet, daß 
Bayern und Sachsen Preußen den Krieg erklären wollten und das 
Königreich Westfalen sich revolutionär selbständig mache, bis zu der 
treuherzigen Meldung der braven Engländer, deutsche Flieger würfen 
mit Cholerabazillen verseuchte Talgkerzen auf die russischen Reserve- 
lager, eine lange Liste schreiender feindlicher Schwindeleien aufstellen, 
die einen Jahrgang deutscher Witzblätter füllen könnten. Aber wir 
wollen gelassen sein und uns beispielsweise an den gestrigen Tag halten. 

Gestern lese ich (nach meinem System deutsch zwei, römisch IV,) 
folgendes, nachdem schon kürzlich der „berühmte“ argentinische Zahn- 
arzt Salpetrio Montez eine beifällig aufgenommene Rede gegen Deutsch- 
land gehalten hat: 

Funkspruch: Paris, 29. Januar 1917, 4 Uhr 30 Min. nachm. 
Spanien. Im Palacehotel in Madrid fand gestern ein Bankett der 
anti-deutschfreundlichen Liga statt, bei dem der berühmte Schriftsteller 
Miguel Unamuno (?) den Vorsitz führte. Ihm wohnten mehrere hun- 
dert Personen bei. Unter lebhaftem Beifall feierte der Vorsitzende die 
Entente. Wenn bei den zukünftigen Friedensverhandlungen Spanien 
eingreifen werde, so werde es das hoffentlich im Geiste der Wilsonschen 
Note tun. 

Also sprach Paris, und wir alle waren schwer erschüttert. Aber 
vier Stunden später meldete sich Lyon, Lyon, das nach unseren Er- 
fahrungen keinen Befehl hat, sachlich zu sein, sondern Paris nur mit 
geistvollen Clownsprüngen beizustehen. Und dieses Lyon ließ sich 
vernehmen: | 

Lyon, 29. Januar 1917, 7 Uhr 40 Min. nachmittags. Spanien. 
Aus Madrid wird gemeldet, daß gestern ein Essen der Antideutschen 
Vereinigung stattfand mit dem großen Schriftsteller Miguel Unamano (?) 
als Vorsitzendem und über 100 Personen. Alle Tischgenossen haben 
der Rede des Vorsitzenden lebhaften Beifall gespendet. 


. H, Eales. Patentschau. 97 


Bums! Ja, deutscher Leser, da staunst du, ich auch. Ich habe 
ein Kulturgewissen, und dieses trieb mich, nachzusehen, wer der ‚„be- 
rühmte“, wer der „große“ Schriftsteller Unamuno (?) (Paris) oder 
Unamano (?) (Lyon) sei. Einer von beiden muß zu finden sein. Ich 
schlug im großen Larousse nach. Da gab es weder den Großen 
Unamuno noch den berühmten Unamano. Ich sah in den Supple- 
menten nach. Er war nicht za finden Deutscher Barbar, dachte ich, 
dir fehlt es am Wahren. Und ich fuhr auf die Departementshaupt- 
bibliothek, fand einen spanischen Literaturkalender von 1914, aber 
weder Unamuno den Großen, noch Unamano den Berühmten. Als ich 
die Namen nannte, lachte der alte französische Bibliothekar, was mich 
verdroß, denn wir Deutschen kennen doch — von Herder und Tieck 
bis auf Johannes Fastenrath das spanische Schrifttum besser als irgend- 
ein Romane. 

Da kam mir ein schwarzer Verdacht. „Unamuno“ oder so ähn- 
lich muß auf spanisch „einstimmig“ heißen. Die 100 Freitischgäste 
im Madrider Palacehotel haben „einstimmig“ die Rede des Redners 
gegen antideutsche Empfindungen aufgenommen. ‚Unamuno“ oder so 
ähnliche Telegraphiefehler sind im Kriege häufig, und von der Wahr- 
heit steht so wie so nichts da, weder in den Grund- noch in den 
Leitsätzen der Entente. 

Und mein Verdacht wurde schwärzer als Tintenschwarz, Unamino, 
Unamuno, Unamininu, der große, der berühmte Schriftsteller, er ist 
ein ganz naher auf die Dummheit der Neutralen rechnender Vetter 
des Generals Staff, Exzellenz von 1870. 

(Eingesandt 20. Februar 1917.) 


m 


Patentschau. 
Von H. Eales. 


Charles M. Green in Lynn, Essex, Staat Massachusetts in den 
Vereinigten Staaten von Amerika, beschreibt in der amerikanischen 
Patentschrift 996580 ein Verfahren und eine Anordnung für Vielfach- 
telegraphie mit elektrischen Wellen, wobei Mehrphasenströme zum Laden 
von Kondensatoren verwendet werden und eine der Anzahl der Phasen 
entsprechende Zahl von Nachrichten gleichzeitig mit derselben Antenne 
ausgesandt werden kann. In Fig. 1 ist eine solche Anordnung dar- 
gestellt und zwar unter Zugrundelegung eines Dreiphasenstromes als 

Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. T 


98 H. Eales. 


Speisestrom, so daß also hierbei drei verschiedene Nachrichten gleich- 
zeitig übermittelt werden können. Es ist jedoch klar, daß bei Ver- 
wendung eines n-Phasenstromes n verschiedene Nachrichten gleichzeitig 
mit derselben Antenne übermittelt werden können. In Fig.1 bezeichnen 
Lọ La und L, die drei Leitungen des Dreiphasenspeisestromes; an 
Jode Phase diese Dreiphasenstromes sind die Primärwicklungen ppp 
der Transformatoren der drei Sendesysteme A. B und C angeschlossen. 
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N Sy EJA S 


Fig. 1. 


In die Primärkreise sind ferner die induktionsfreien Widerstände rrr 
eingeschaltet und parallel zu diesen liegen die drei Morsetaster kk k. 
In die Stromkreise der Sekundärspulen sss, in denen höhere Span- 
nungen indiziert werden, sind je zwei Induktanzen či, zwei rotierende 
Stromschließer S, S, bezw. S, S, und S, S, und ein Kondensator C, 
C, bezw. C, in Hintereinanderschaltung geschaltet. Ein Leiter d ver- 
bindet die einen der beiden Belegungen dieser Kondensatoren mit- 
einander, während die anderen Belegungen je über einen der rotierenden 
Stromschließer S,', S; bezw. ©’ und die Leiter uuu mit der Selbst- 
induktionsspule Z verbunden sind, deren eines Ende durch den Leiter e 


Patentschau. 99 


mit der Erde bei @ und deren anderes Ende mit dem Luttleiter ver- 
bunden ist. Außerdem ist die gemeinsame Verbindungsleitung d der 
Kondensatoren über den Leiter f ebenfalls an Erde und an einen ro- 
tierenden, allen drei Sendesystemen gemeinsamen Stromschließer Sg 
gelegt. Jeder der genannten rotierenden Stromschließer S, S, S, S, 
S,, S, und S, besitzt einen umlaufenden Teil q und zwei feststehende 
Teile £ Mit Ausnahme des gemeinsamen Stromschließers Sy besteht 
der umlaufende Teil jedes anderen Stromschließers aus einem zwei- 
flügeligen Stromschlußteil; beim gemeinsamen Stromschalter S, dagegen 
besteht er aus einem sechsarmigen Sternrad. Die feststehenden Teile 
der Stromschließer $,, S, und S, bestehen aus kreisbogenförmigen 
Metallstreifen, die je einen Viertelkreisbogen umfassen, während bei 
den übrigen Stromschließern diese feststehenden Teile nur einfache 
schmale Metallstreifen oder Spitzen darstellen. Die Teile rotieren so 
dicht aneinander vorbei, daß die hochgespannten Lade- bezw. Ent- 
ladeströme zwischen ihnen übergehen können. Die umlaufenden Teile 
aller dieser Stromschließer werden synchron mit der Periodenzahl des 
Dreiphasenstromes angetrieben und die Rotoren der zu der gleichen 
Sendestelle A, B, bezw. C gehörigen Stromschließer sind in einen 
Winkel gegen einander versetzt, der der Phasenverschiebung des Wechsel- 
stromes entspricht, bei dem dargestellten Falle des Dreiphasenstromes 
also um 60° bezw. 120%. Um die synchrone Rotation zu erzielen, 
sind die umlaufenden Teile der Stromschließer mit der Welle des 
Mehrphasenstromerzeugers direkt gekuppelt. Bei der in Fig. 1 dar- 
gestellten augenblicklichen Lage der Stromschließer sind bei der Sende- 
station A die Stromschließer S, S, offen, der Ladekreis des Konden- 
sators C, also unterbrochen, während der Entladekreis des zugehörigen 
Kondensators C, über d f S e Iut S; geschlossen ist. Bei den Stationen 
B und C dagegen sind die Ladekreise der Kondensatoren C, und C, 
bei S, S, und S, S, geschlossen, dagegen die Entladestromkreise dieser 
Kondensatoren bei Sy und S, unterbrochen. Wenn die Drehung der 
Stromschließer im Uhrzeigersinne erfolgt, so wechselt in zyklischer 
Reihenfolge AUBA ... die dargestellte Schaltung und es erfolgt also 
in zyklischer Reihenfolge das Laden der Kondensatoren C, C, und C, 
und deren Entladung, letzteres aber entsprechend den verschiedenen 


‘ Anschlüssen der Leiter u an verschiedenen Stellen der Autotrans- 


formatorenspule / mit zyklisch wechselnden Schwingungszahlen. Diese 
können in weiten Grenzen von einander. verschieden gewählt und be- 
liebig eingestellt werden, und man kann daher, indem jeder Telegraphist 
einen der Morsetaster k k k bedient, gleichzeitig verschiedene Nachrichten 


nr 


100 H. Eales. 


mit verschiedener Wellenlänge nach verschiedenen Empfangsstationen 
senden. Der gemeinsame Stromschließer © ist nicht unbedingt er- 
forderlich, er ist nur günstig insofern, als dadurch die Kondensatoren 
während der Ladeperioden von der Erde abgeschaltet werden und nur 
während der Entladezeiten an Erde gelegt werden. Man könnte den 
Stromschließer S, z. B. auch dureh den Schalter % und die Leitung k 
kurzschließen. Die Widerstände rrr in den Primärkreisen der Sender 
sind so groß gemacht, daB diese Stromkreise nur sehr schwache Ströme 
aufnehmen, solange die Morsetaster kkk geöffnet sind, und daß daher 
die ausgestrahlten Wellen so schwach sind, daß die Empfangsstationen 
nicht ansprechen. Beim Niederdrücken des oder der Taster wird der 
zugehörige Widerstand kurzgeschlossen und dann starke elektrische 
Wellen ausgesendet. Da ferner jeder der Sender A BC ausschließlich 
von einer der Phasen gespeist wird, völlig unabhängig von den anderen 
Phäsen, und da ferner die von jedem Sender erzeugten Entladungen 
beliebig weit voneinander verschiedene Wellenlängen besitzen können, 
so ist es klar, daß alle Sender gleichzeitig arbeiten können, ohne sich 
irgendwie zu stören. Die Frequenz des Primärwechselstromes braucht 
nicht hoch zu sein, da z. B. noch bei Frequenzen von unter 25 pro 
Sekunde jedem Sender der Speisestrom 25 mal in der Sekunde zur 
Verfügung steht und zwar jedesmal !/,, Sekunde lang. Dies ist für 
gewöhnlich genügend, indessen können auch viel höhere Frequenzen 
für den Primärstrom genommen werden. 

Egbert von Lebel in Berlin-Wilmersdorf beschreibt in der 
Schweizerischen Patentschrift 72778 ein Verfahren zur Erzeugung 
schneller elektrischer Schwingungen 
aus Gleichstrom, bei dem ein Kon- 
densator (1 in Fig. 2) über einen Block- 
kondensator (3) und Funkenstrecken 
(4, 4) periodisch entladen wird. Im 
Gegensatz zu anderen bekannten der- 
artigen Anordnungen besteht das 
Wesen dieses Verfahrens darin, daß 
man den Kondensatoren 1 und 3 des Kondensatorenpaares Kapazi- 
täten gleicher Größenordnung verleiht und zugleich den Speise- 
kreis mit Rücksicht auf den Rhythmus der Funkenfolge derart ab- 
stimmt, daß die im Augenblick der Zündung hintereinandergeschalteten 
Kondensatoren des Paares eine resultierende Zündspannung ergeben, 
die. doppelt so groß ist wie die Speisespannung. Zu diesem Zweck 
werden in dem Speisestromkreis variable Selbstinduktionen (7) gė- 


Fig. 2. 


Patentschau. 101 


nügender Größe gelegt und bei gegebener Rotationsgeschwindigkeit der 
Umladevorrichtung die Selbstinduktion soweit gesteigert, daß sich die 
kritische Wellenlänge A, oder aber eine größere A, + AA für die 
Ladefrequenz ergibt. Unter dem Begriff „kritische Wellenlänge“ ist 
hier (siehe das Diagramm der Fig. 3, welches den Verlauf der Konden- 
satorspannung darstellt) gemeint, daß die Wellenlänge der Speise- 
schwingung im Kreise 2, 6, 7,1, 7,6, 2 (Fig. 2) so gewählt wird, 
daß diese im Augenblick der Zündung der Funkenstrecken 4, 4 gerade 
ihren ersten Scheitelwert e, erreicht hat. Nach dem oszillatorischen 
Ausgleich sinkt die Spannung des Kondensators 1 nicht mehr auf 
Null, sondern nimmt den Wert der Ausgleichsspannung V an, so daß 
das Diagramm Fig. 3 während des Betriebes in das Diagramm Fig. 4 
übergeht. -Der Speisekreis muß also immer der Tourenzahl der Um- 


schaltvorrichtung entsprechend abgestimmt sein. Diese Abstinumung 
ist durch Einstellung einer genügend großen Selbstinduktion leicht zu 
erreichen, da: man auf die genaue Abstimmung der kritischen Wellen- 
länge A, nicht angewiesen ist, sondern auch eine größere Wellenlänge. 
wählen kann. Denn auch in diesem Falle tritt Gleichgewicht ein, 

nicht aber bei kleineren Wellenlängen. . 

Der der Stromquelle entzogene und dem Hochfrequenzkreis 'ZU- 
geführte Effekt berechnet sich bei richtiger Kuppelung nach der Formel 
2 

er en Watt, wobei c die resultierende Kapazität beider Konden- 
satoren (in Mikrofarad), Æ die Speisespannung (in Kilovolt) und n die 
Zahl der Umladungen pro Sekunde bedeutete. Wenn der Speisekreis 
genau auf die kritische Wellenlänge A, eingestimmt ist, kann es, da 
kleine Unregelmäßigkeiten im Rhythmus der Umschaltungen oder der 
Speiseschwingungen sich nicht immer vermeiden lassen, nützlich sein, 
einen kleinen, dem Grade solcher Unregelmäßigkeiten angepaßten Be- 
ruhigungswidorstand 6, 6 in Fig. 2 einzufügen, der die Speiseschwing- 
ungen etwas dämpft und dadurch die Abstimmung gegen Ungenauig- 
keiten unempfindlicher macht. Es ist aber, wie bereits erwähnt, 
vorteilhafter, eine größere Wellenlänge A, + AA zu wählen, wodurch 


102 H. Eales. 


die Einstimmung von vornherein unempfindlicher wird; in diesem Falle 
ist die Anordnung zusätzlicher Widerstände unnütz und zu vermeiden. 
Man kann auch zu einer für die Praxis vollkommen ausreichenden An- 
näherung kommen, wenn man in den Speisekreis Selbstinduktionsspulen 
legt, die so groß sind, daß sie den Speisestrom für die Zeiträume 
der Funkenfolge nahezu konstant halten. Diese Spulen, sogenannte 
Beharrungsspulen, in Fig. 5 mit 15 bezeichnet, sind große eisen- 
geschlossene Selbstinduktionsspulen von der Form normaler Transforma- 
toren. Für den Fall, daß die Selbstinduktions- und Dämpfungsver- 
hältnisse der Stromquelle so groß sind, daß eine Abstimmung auf die 
kritische Wellenlänge nicht mehr möglich wäre, ist es zweckmäßig, 
der Speiseleitung einen dritten Kondensator von viel größerer Kapazität 
parallel zu schalten, der die Stromquelle bzw. das Netz von den Lade- 
schwingungen entlastet. Vorteilhaft ist es durch Verwendung geeigneter 


Funkenstrecken 4, 4 und gegebenenfalls durch Vorschaltung von Funken- 
strecken (8 Fig. 5) von wenigstens angenähert der gleichen Löschcha- 
rakteristik wie die Umschaltfunkenstrecken 4,4 zu bewirken, daß jeder 
Funken schon nach der ersten Halbschwebung zum Erlöschen kommt 
und dabei die Wellenlänge der Speiseschwingung so groß zu wählen, 
daß der Speisestrom für Zeiträume von der Größenordnung der Funken- 
folge ganz oder angenähert konstant bleibt. In den meisten Fällen 
ist es nicht zweckmäßig, den Blockkondensator 3, wie es in Fig, 2 
und 5 der Einfachheit halber dargestellt ist, mit den rotierenden Elek- 
troden unmittelbar zu verbinden und den Kondensator mitrotieren zu 
lassen; man wird vielmehr den Strom von den Elektroden über Schleif- 
ringe und Schleifbürsten hinweg zu dem ruhend angeordneten Block- 
kondensator führen. Man kann auch nach Fig. 6 ruhende Segment- 
elektroden 12, 13 anordnen und die Umschaltung des Blockkonden- 
sators durch rotierende Schaltelektroden 14 bewerkstelligen. Anwendbar 
sind auch Umiladevorrichtungen, bei denen die Stromwendung durch 
künstliche Zündung bzw. Zündverhinderung eingeleitet wird, indem 
die ruhenden Umischaltelektroden durch künstliche Hilfszündung wechsel- 


Patentschau. 103 


weise überbrückt werden. In Fig. 7 ist eine solche Anordnung dar- 
gestellt. Durch einen nicht gezeichneten Hilfszündkreis werden wechsel- 
weise die Elektrodenpaare 10/10 und 11/11 gezündet. Man erkennt ohne 
weiteres, daß hierdurch der Blockkondensator 8 periodisch umgeladen 
wird. Die rotierende Umladevorrichtung läßt sich auch mit der künst- 
lichen Zündung kombinieren, wenn man den Entladekreis so einrichtet, 
daß die Kondensatorspannung auch in der Umschaltestellung noch nicht 
die Entladung einzuleiten vermag; man kann dann durch zusätzliche, 
im Rhythmus der Umschaltungen einsetzende Hilfsspannungen den os- 
zillatorischen Ausgleich mit großer Präzision an beliebiger Stellung 
der Umschaltelektroden, nicht nur in der Stellung ganz oder angenäherter 
Kantendeckung erfolgen lassen. Man kann endlich das beschriebene 
Verfahren bei hohen Leistungen dahin erweitern, daß zwei oder mehr 
Kondensatorenpaare statt eines einzigen angeordnet werden, und zwar 


Fig. 6. | Fig. 1. 


so, daß die Kondensatoren 1 in Parallelschaltung geladen und über 
die Blockkondensatoren 3 in Serienschaltung entladen werden. In 
Fig. 8 ist ein diesem Prinzip entsprechendes Schema für zwei Konden- 
satorenpaare beispielsweise dargestellt. Ganz ähnlich läßt sich natürlich 
die Anordnung auch für drei oder mehr Kondensatorenpaare treffen. 
Aus Fig. 8 ist ersichtlich, daß bei Rotation der synchron laufenden, 
etwa auf gemeinsame Welle sitzenden Umiladevorrichtungen 3, 3, 
die Kondensatoren 1, 1, im Rhythmus der Funkenfolge wechselweise 
über die Beharrungsspulen 15, 15, in Parallelschaltung geladen und 
über die Blockkondensatoren 3, 8, in Serienschaltung entladen werden. 
Man kann auf diese Weise bei einer Anordnung ‚von m-Kondensator- 
paaren die im Schwingungskreis herrschende Gesamtzündspannung im 
Vergleich zur einfachen Anordnung auf den m-fachen Betrag steigern. 
Da ein jedes Kondensatorenpaar eine Zündspannung ergibt, die doppelt 
so groß ist, wie die Speisespannung, so wird hier die Gesamtzündspannung 
gleichfalls auf den m-fachen Wert der doppelten Speisespannung steigen. 

WichiTorikata, Eitaro Yokoyama und Masajira Kitamura, 
sämtlich in Tokio, Japan, beschreiben in der französischen Patent- 


104 H. Eales. 


schrift 444117 und in der britischen Patentschrift 10823 v. J. 1912 
die Verwendung besonderer Materialien als Elektroden für Entladungs- 
strecken zur Erzeugung elektrischer Schwingungen. Nach ihren Unter- 
suchungen ist es besonders günstig, für die Elektroden Silicium, Ferro- 
silicium, Karborundum, Bor oder Mineralien, wie z. B. Graphit, Meteor- 
eisen, Magnetit, Eisenpyrit, Kupferpyrit, Molybdänit, Marcasit oder ge- 
diegenes (natürliches) Kupfer zu verwenden, und zwar soll die eine 
Elektrode aus diesen Mineralien und die andere aus Metall bestehen. 


| Ir 
| 3 s 
Sr! 
ww | 
aŠ S: 
. S = 
VER 


Fig. 8. 


Die Verwendung dieser Materialien soll besonders deshalb günstig sein, 
weil keine Kurzschlüsse trotz engster Einstellung der Elektrodenent- 
fernung und kein Abbrand der Elektroden eintritt. Um die Entladungen 
konstant zu halten, sollen die eine oder beide Elektroden in Bewegung 
erhalten werden. 

Dieselben drei Erfinder beschreiben in der französischen Patent- 
schrift 467576 und in der britischen Patentschrift 1939 v. J. 1913 
eine Anordnung, um diese beständige Bewegung der Elektroden selbst- 
tätig auszuführen und dadurch die Entladungen selbsttätig in Gang 
zu setzen und beständig zu unterhalten, so daß bei den geringen Elek- 
trodenentfernungen etwaige Deformationen der Elektroden keine schäd- 
lichen Wirkungen auf die Konstanz der Schwingungen ausüben können 


Patentschau. 105 


und die Schwingungen so gleichförmig werden, daß sie auch für die 
Zwecke der drahtlosen Telephonie verwendbar sind. Fig: 9 zeigt diese 
Anordnung. C und D sind die Speiseleitungen einer Gleichstromquelle, 
R ein Vorschaltwiderstand, F' eine Vorschaltdrosselspule, H ein Konden- 
sator, LM ein Schwingungstransformator, A ein bei E geerdeter 
Luftleiter, T ein Mikrophon, W ein Elektromagnet mit den beiden 
Ankern O und I, von denen der erstere als Anlasser und der andere 
zum Einstellen der Elektrodenentfernung der Entladungsvorrichtung 


dient. Z ist ein Metallkontakt auf dem Anker O und N ’ein-fest- 
stehender Metallkontakt, gegen den der Kontakt Z sich anlegt; G endlich 
ist die Funken- oder Entladungsstrecke mit den Elektroden. Die An- 
ordnung wird so eingestellt, daß die Elektroden der Entladungsstrecke 
G in mechanischer Berührung sind oder nur ‘einen sehr kleinen Ab- 
stand voneinander besitzen, und daß die Elektroden ZN der Anlaß- 
vorrichtung sich berühren. Wird dann der Speisestrom CD einge- 
schaltet, so fließt ein Strom auf dem Wege DFWOZNRC, jedoch 
nicht auf dem Wege DFWIGRC, da die Elektroden bei @ einen 
großen Übergangswiderstand besitzen. Der Elektromagnet W soll- so 
bemessen sein, daß in dem Augenblick, wo ein Strom auf dem Wege 
DFWOZNERC fließt, der Anker mit dem Kontakt Z angezogen 


106 H. Eales. 


wird. Dann wird der Stromfluß bei ZN unterbrochen und dadurch 
infolge der Induktanz des Elektromagneten W und der Drosselspule F 
eine Überspannung erzeugt, die eine Entladung bei @ einleiten, d. h. 
einen Lichtbogen zünden, wodurch dann in dem Schwingungskreis 
HMG Schwingungen erzeugt werden. Solange dieser Vorgang der 
Schwingungserzeugung dauert, ist der Anker O vom Magneten W 
dauernd angezogen und der Stromkreis bei Z N unterbrochen. Gleich- 
zeitig wird durch den anderen Anker Z die Elektrodenentfernung der 
Lichtbogenentladungsstrecke G entsprechend einreguliert. Reißt jedoch 
der Entladungsvorgang aus irgend welchen Gründen ab, so wird der 


E 
Fig. 10. 


Elektromagnet W stromlos; dann wird der Stromkreis bei ZN wieder 
geschlossen und die Anlaß- bzw. Zündvorrichtung tritt wieder in 
Tätigkeit. 

H. Shoemaker in Jersey (New-Jersey, V. St. A.) beschreibt in 
der amerikanischen Patentschrift 921293 die in Fig. 10 dargestellte 
„Schaltungsanordnung zur Schwingungserzeugung, deren Zweck vor 
allem darin besteht, sehr große Energiemengen in Schwingungen von 
sehr hoher Frequenz umzusetzen und trotzdem die Verwendung hoher 
Speisespannungen und die Bildung von Kurzschlußlichtbögen an der 
Entladungsstrecke zu vermeiden. In Fig. 10 ist A der bei E geerdete 
Luftleiter, in den die Spule L des Primär- oder Stoßkreises eingeschaltet 
ist. @ ist dessen Funkenstrecke und KK, sind Kondensatoren, von 
denen der eine K von der Sekundärwicklung S des Speisestromtrans- 
formators P S gespeist wird. Die Primärwicklung dieses Transformators 


Patentschau. 107 


liegt im Stromkreis der Wechselstrommaschine G; K ist der Morse- 
taster. Die Kondensatoren KK, sollen zweckmäßig von gleich großer 
Kapazität sein, obwohl dies nicht unbedingt erforderlich ist. Da im 
Schwingungskreis L, KK, die Kondensatoren K K, hintereinanderge- 
'schaltet sind, so ist bei gleicher Größe der beiden Kondensatoren die 
wirksame Schwingungskreiskapazität nur halb so groß wie jeder einzelne 
Kondensator. Da nun nur der eine Kondensator K an der Speise- 
spannung S liegt, so wird er bei einer bestimmten Speisespannung 
doppelt so viel Energie aufspeichern, als wenn die Speisespannung an 
beide Kondensatoren in Hintereinanderschaltung in den Speisekreis 
gelegt wäre. Die Entladungsfrequenz dagegen im Schwingungskreis 


F 
Fig. 11. 


KK, L, ist wegen der verringerten Gesamtkapazität wesentlich höher 
als wenn der Kondensator K, nicht vorhanden wäre. Zweckmäßig soll 
die Kapazität K mit der Sekundärspule S auf Resonanz mit der Fre- 
quenz des Speisewechselstromes abgeglichen sein, so daß der Konden- 
sator K auf wesentlich höhere Spannungen infolge der Resonanz- 
erscheinungen des Ladestromes geladen wird. Zu bemerken ist noch,- 
daß der Kondensator X, als Kurzschluß- und Lichtbogenverhinderung 
für die Entladungsstrecke g wirkt, und daß dadurch die Funkenent 
ladung bei g vollkommen stoßartig und ohne jede Lichtbogenerscheinung 
vor sich geht. Beim Niederdrücken des Morsetasters K wird zunächst 
der Kondensator K geladen und dann entlädt er sich über g L K, mit 
sehr hoher Frequenz. Anstelle der Schaltung nach Fig. 10 kann auch 
die Anordnung nach Fig. 11 getroffen werden, wo drei Kondensatoren 
KK, K, vorhanden sind, und entweder die beiden Kondensatoren KK, , 


108 H. Eales. 


oder, wie gestrichelt dargestellt (Leitung a) nur der eine Kondensator 
K an der Speisespannuug liegt. | 

Jules-Ren& Prochasson beschreibt in der französischen Patent- 
schrift 445639 eine Hochfrequenzmaschine für drahtlose Telegraphie 
und Telephonie. Diese Hochfrequenzmaschine enthält einen nach Art 
des Ankers einer Gleichstrommaschine gewickelten und angeordneten 
Anker, bei dem nur der Kommutator weggelassen ist; diese Anker- 
wicklung ist an einer Stelle unterbrochen und von diesen beiden. Enden 
dieser Ankerwicklung wird der Hochfrequenzstrom entnommen. ‚Wenn 
die Wicklung aus v in Serie liegenden Spulengruppen -gebildet wird. 
wobei die Spulen jeder Gruppe in Parallelschaltung liegen, und wenn 
die Anzahl der vollen Fluxschwankungen im Interferrikum n beträgt, 
so zeigt die Rechnung, daß in den verschiedenen Leitern die elektro- 
motorischen Kräfte der Grundschwingung sich gegenseitig aufheben, 
desgleichen diejenigen aller Harmonischen, mit’ Ausnahme derjenigen, 


deren Ordnungszahl gleich K- -e ist, wo K eine ganze Zahl und d 


der größte gemeinschaftliche Divisor von » und v ist. Für diese 
letzten Harmonischen heben sich die elektromotorischen Kräfte nicht 
auf, sondern addieren sich vielmehr und man kann einen Strom ent- 


, Nenv, paii 
nehmen, dessen Grundschwingung F = te ist, wobei wie vorher 


d der größte gemeinschaftliche Divisor von n und v ist und N die 
Anzahl der Umdrehungen der Maschine in der Sekunde bedeutet. Ein 
Spezialfall der beschriebenen Anordnung ist offenbar der, daß man 
die verschiedenen Phasen einer Wechselstrommaschinenwicklung in 
Serie schaltet. Wenn K die Anzahl der Phasen bedeutet, so ist 
die Frequenz des erzeugten Hochfrequenzstromes F=N.n-K, und 
die. erzeugte elektromotorische Kraft ist E = K. E, wobei Æ, die 
elektromotorische Kraft jeder Phase für die Harmonische von der 
Ordnungszahl K der Wechselstrommaschine ist. Man ordnet die Anker- 
wicklung so an, daß die gewünschten Harmonischen so viel als mög- 
lich zur Ausbildung kommen, und man gibt zu diesem Zwecke den 
Polstücken eine bestimmte Breite, die sich bestimmt nach der Polteilung 
(Abstand von Achse zu Achse zweier gleichnamiger aufeinanderfolgender 
Pole) und bemißt die Dicke des Interferrikums unter den: verschiedenen 
Teilen der Pole entsprechend. Auch ist zu demselben Zwecke der 
Anker mit einer geeignet bemessenen Zahnung versehen. Wenn man 
wünscht, Ströme von sehr hoher Frequenz zu erhalten, so wird man 
große Umfangsgeschwindigkeiten anwenden und dann ist es zweckmäßig, 


Patentschau. 109 


die Anordnung so zu treffen, daß die beiden Wicklungen des Ankers 
und des Feldes feststehend angeordnet sind und daß die Induktions- 
schwankungen einzig und allein durch die Rotation eines Eisenrades 
erzeugt werden. Fig. 12 und 1 ee 

13 zeigen beispielsweise eine 
solche Anordnung. Der Anker 
besteht. aus einem feststehend 
angeordneten Ring 1 aus ge -. 
blättertem Eisen, auf dem die 
Ankerwicklung 5 aufgewickelt 
ist. Diese ist an einer Stelle 
unterbrochen und die beiden 
Enden sind zu den Endklemmen 
a und b geführt, von denen der 
Hochfrequenzstrom abgenommen 
wird. Der Induktor besteht aus 
zwei Scheibeü 2 und 3, die auf 
demselben Eisenkern 4 in der 
Mitte befestigt sind; dieser Teil 
ist auf einer Welle 6 befestigt, Fig. 12. 

die in Lagern 7 läuft und auf 

beliebige Weise in Umdrehung versetzt wird.. Die Scheiben 2 
und 8 tragen Polstücke, die, wie Fig. 13 zeigt, gegeneinander ver- 
setzt angeordnet sind. Die Erregung erfolgt durch die Wicklung 8, 


SLILLLLLLLE 


LLES 
fi 


Fig. 13. 


die durch Gleichstrom gespeist wird. Diese Wicklung 8 umgibt den 
sich drehenden Kern 4, bleibt jedoch selbst unbeweglich und ist auf 
dem Gestell der Maschine geeignet befestigt. Die verschiedenen Pole 
jeder Scheibe besitzen gleiche Polarität, z. B. sind die Pole der Scheibe 2 
Südpole und die Pole der anderen Scheibe 3 Nordpole. : Um die Inten- 
sität des Hochfrequenzstromes zu regeln, werden in den Stromkreis 
der Ankerwicklung Abstimmkondensatoren und Selbstinduktionen .ein- 


110 H. Eales. 


geschaltet. Der Hochfrequenzstrom kann entweder direkt oder über 
Transformatoren der Antenne zugeführt werden. Wünscht man mit 
Tonfrequenzen zu arbeiten, so erregt man die Hochfrequenzmaschine 
nicht mehr mit Gleichstrom, sondern mit Wechselstrom der gewünschten 
Tonfrequenz. 

Lucian Levy behandelt in der französischen Patentschrift 467 467 
die Erzeugung. einwelliger Schwingungen mittels Funkenkreisen (soge- 
nannte „ondes uniques“, die er durch die Kombination einer magne- 
- tischen Kopplung mit einer elektrischen Kopplung erreichen will. Er 
geht davon aus, daß die elastischen Kopplungen zweier Schwingungs- _ 


À K 


Fig. 14. 


kreise, und zwar sowohl die magnetische Kopplung als auch die elek- 
trische oder kapazitive Kopplung in den bisher üblichen Anordnungen 
den Nachteil besitzen, daß die beiden Schwingungskreise aufeinander 
rückwirken und so zum Entstehen zweier Schwingungen von verschiedener 
Periode Anlaß geben, die in jedem Kreise gleichzeitig auftreten, und 
die. die bekannten Nachteile besitzen. Er will zur Vermeidung dieser 
Rückwirkung und zur Erzeugung reiner einwelliger Schwingungen 
beide Kopplungsarten miteinander kombinieren. Es kommt dabei 
ein analog zu dem bekannten magnetischen „Autotransformator‘“ von 
Tesla oder Oudin gebauter „elektrostatischer Autotransformator“ zur 
Anwendung, der aus vier oder wenigstens drei Platten gebildet wird. 
Fig. 14 zeigt die Gesamtanordnung. abA’AcE ist der gewöhnliche 
Funkenschwingungskreis und hle B B? ein sekundärer Schwingungskreis. 
Der elektrostatische Transformator besteht aus den beiden Kondensatoren 
AA! und BB}, der elektromagnetische Transformator aus den beiden 
Spulen bb!. Die Kondensatoren des elektrostatischen Transformators 


Patentschau 111 


‘werden aus dem Wechselstromnetz S geladen und E bezeichnet die 
Funkenstrecke. Levy führt aus, daß, wenn man den verschiedenen 
Elementen dieser Schaltungsanordnung geeignete Bemessungen gibt, in 
jedem der Kreise nur eine einzige Schwingung der gleichen Periodenzahl 
auftritt, und daß, wenn man das eine System zum Strahlsystem (Antenne), 
macht, nur Wellen einer einzigen Wellenlänge ausgesandt werden. Die 
von Levy zur Erzielung dieser Wirkung genannten Bedingungen sind: 
| 1. Es soll zwischen den beiden Schwingungskreisen vor ihrer 
Kopplung Resonanz bestehen, d. h. die Periodenzahlen der Eigenschwing- 
ungen dieser Kreise sollen, wenn die Kreise voneinander völlig ge- 
trennt “sind, genau gleich sein. 


Fig. 15. 


2. Wenn Q die Schwingungsperiode bezeichnet, die für beide 
Kreise gleich groß ist, ferner M den Koeffizienten der gegenseitigen 
magnetischen Induktion zwischen den Spulen b und bl, und C° den 
Koeffizienten der gegenseitigen elektrostatischen Induktion zwischen 
den Kondensatoren AA, und BB}, so soll 2?xMxC,=1 sein. 

Diese zweite Bedingung wird verwirklicht durch Regelung der 
gegenseitigen magnetischen Induktion, d. h. durch Nähern und Ent- 
fernen der Spulen bò und bl. (Den Koeffizienten der gegenseitigen 
elektrostatischen Induktion O? definiert Levy folgendermaßen: Wenn 
man zwischen den Platten BB! eines der Kondensatoren eine wirksame 
elektromotorische Wechselstromkraft V unterhält und Q die wirksame 
Blektrizitätsmenge ist, die auf jeder der Platten von BB, induziert 


Q 
= 77°) e 
Fig. 15 zeigt als Beispiel die Anwendung der Schaltung zur Er- 
regung einer Antenne Z, wobei zugleich der Transformator bbt der 


112 H. Eales. 


Fig. 14 durch einen elektromagnetischen Autotransformator ersetzt ist. 
Der elektrostatische Autotransformator BAD und der elektromagne- 
tische Autotransformator bbl liegen in Serienschaltung zwischen der 
Antenne Z und der Erde 7; auf der Spule des Autotransformators b b, 
ist ein Schleifkontakt d verschiebbar, um die Kopplung einstellen 
zu können. | 

Fig. 16 zeigt eine Variante, wobei der elektrostatische Transfor- 
mator der Fig. 14 durch eine magnetische Kopplung zwischen den 
Spulen 5b?b? ersetzt ist. Letztere sollen sehr große Reaktanz besitzen 


Fig. 16. 


(zahlreiche Windungen sehr dünnen Drahtes). Fig. 17 zeigt wiederum 
eine Variante dieser letzteren Anordnung zur Erregung der Antenne Z. 
Die magnetischen Transformatoren bb! und 5?5° der Schaltung nach 
Fig. 16 sind ersetzt durch Autotransformatoren, die in Fig. 17 die- 
selben Bezeichnungen tragen. d und d! sind Schleifkontakte zum 
Einstellen der richtigen Kopplung. Auch bei der Anordnung nach 
Fig. 14 könnte man die magnetische Kopplung zwischen 5 und bl 
durch eine elektrostatische Kopplung ersetzen, indem man die Konden- 
satoren dieser elektrostatischen Kopplung an die Enden der Spulen 
b und b! legt, wobei diese natürlich dann keine gegenseitige Induktion 
mehr haben dürfen. 

Als letzte Schaltungsmöglichkeit beschreibt Levy endlich die An- 
ordnung nach Fig. 18, die sich auf derjenigen nach Fig. 16 aufbaut. 
Die Anordnung nach Fig. 18 soll auch besonders vorteilhaft sein für 


Patentschau. 


den Empfang in der drahtlosen Telegraphie. 


elektromagnetische Transforma- 
toren, und zwar die ersten bei- 
den von sehr schwacher Reak- 
tanz, der dritte jedoch von 
großer Reaktanz. AA, BB 
und Æ A’! B' B’! sind elektro- 
statische Transformatoren. Der 
Transformator b? b8 kann durch 
einen elektrostatischen Transfor- 
mator ersetzt werden. Zweck- 
mäßigerweise soll der Transfor- 
mator 525° rechtwinklig zu den 
anderen Transformatoren aufge- 


stellt werden, wie dies bei den 


Anordnungen nach Fig. 16 und 
17 der Fall ist. 

Auch Louis Cohen in 
Cambridge, Massaschusetts, V. 
St. A. verwendet in der in 


118 


bbl, 4 di und 52° sind 


Fig. 17. 


, Fig. 19 dargestellten Senderschaltung gemäß der amerikanischen Pa- 
tentschrift 1123098 eine elektrostatische Kopplung, und zwar soll 


Fig. 18. 
Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u, Telegraphie. 12. 


114 H. Eales. 


von den Enden der Selbstinduktionsspule 24 im primären Schwin- 
gungskreis 22, 28, 24 einerseits der Leiter cc über den regel- 
baren Kondensator 9 und andererseits der Leiter d an die Enden der 
Selbstinduktionsspule 1la im Antennenkreis 10a 11a 12a führen. 
Wenn hier infolge Durchschlagens der Funkenstrecke 22 die Schwing- 
ungserzeugung einsetzt und die Kreise auf Resonanz abgestimmt sind, 
so kann man durch Einstellen des Kopplungskondensators 9 beliebig 
feste Kopplung zwischen dem Primärsystem a und dem Sekundär- 
system b erhalten, 

Ein vereinfachtes Empfängersystem für drahtlose Telegraphie 
und Telephonie behandelt die Schweizerische Patentschrift 73044 der 
Naamloose Vennotschap de Nederlandsche 
Thermotelephoon Maatschappij in Utrecht; 
es beruht auf der Beobachtung, daß bei Be- A 
nutzung eines thermischen Telephons beliebiger | 
Bauart als Empfänger der bisher zwischen dem b 
Luftleiter der Empfangsstelle und dem Telephon 
eingeschalteten Detektor in Wegfall kommen kann. 

e 
= 
F 


‚Fig. 19. 


ig. 20. 


Versuche haben nämlich ergeben, daß das .als Empfänger dienende ther- 
mische Telephon gleichzeitig die Aufgabe des Detektors erfüllen kann. 
Dieser Vorgang ist offenbar darauf zurückzuführen, daß ein thermisches 
Telephon vollkommen induktionsfrei arbeitet. Es hat sich ferner heraus- 
gestellt, daß auch der sonst im Nebenschluß zu dem Telephon ange- 
ordnete Kondensator und die in dem Nebenschlußkreis befindliche Batterie 
bei Benutzung eines thermischen Telephons als Empfänger in Wegfall 
kommen können. Hierdurch wird nicht nur eine wesentliche Verein- 
fachung des Empfängersystems bedingt, sondern gleichzeitig auch die 
Bedienung der Einrichtung erleichtert und eine Reihe von Fehlerquellen 
ausgeschlossen, die bei den bisher üblichen, mit Detektor und Konden- 
sator arbeitenden Systemen auftreten. Die Anordnung ist in Fig. 20 


Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. 115 


dargestellt. An den Luftleiter a der Empfängerstelle ist das thermische 
Telephon b angeschlossen, das zweckmäßig unter Einschaltung einer 
Induktionsspule ce von regelbarer Wirkung geerdet ist. Es hat sich 
gezeigt, daß die Güte der Lautwiedergabe des thermischen Telephons 
innerhalb gewisser Grenzen mit der Steigerung des inneren Wider- 
standes des Telephons wächst. Diese Anordnung ist wegen ihrer 
großen Einfachheit nnd ihrer geringen Raumbeanspruchung besonders 
für drahtlose Telegraphie und Telephonie im Felde und zur See von 
Bedeutung. | 

Auch Ettore Bellini hatin der französischen Patentschrift 430 446 
eine Anzahl von Empfangsschaltungen beschrieben, bei denen durch 
Anwendung eines nicht polarisierten 'Telephons, welches entweder direkt 
in die Antenne eingeschaltet oder in einen Sekundärkreis gelegt ist, 
der sonst übliche Detektor in Wegfall kommen kann. Als solche nicht 
polarisierte Telephone können entweder magnetische oder elektrische 
(statische) Telephone benutzt werden, von denen Bellini eine Anzahl 
Typen beschreibt. So z. B. das Dolbearsche Kondensatortelephon 
und den singenden Kondensator, ferner ein Telephon, bei dem eine 
Metallplatte (aus Eisen, Kupfer, Silber u. dergl.) der Wirkung einer 
Spule ausgesetzt wird, die von den Hochfrequenzschwingungen durch- 
flossen wird, wobei letztere in der Platte Ströme induzieren und so 
eine Abstoßung der Platte bewirken. Es kann auch auf der Platte 
eine zweite Spule angebracht sein, und zwar kann diese entweder in 
sich kurzgeschlossen sein und von der feststehenden, von Hochfrequenz- 
strömen durchflossenen Spule induziert werden, oder beide Spulen 
können auch hintereinander geschaltet sein und aufeinander einwirken. 
Endlich kann auch eine an der schwingenden Platte angebrachte Spule, 
die von den Hochfrequenzschwingungen durchflossen ist, mit einem 
feststehend angeordneten Kern aus Weicheisen zusammen wirken. 


Adresse des Autors: Regierungsrat H. Eales, Berlin- Lichterfelde, 
Roonsr. 12 


Bei der Redaktion elngegangene Bücher und Schriften 


(Die Redaktion behält sich die Besprechung einzelner Werke vor.) 


H. Rein} (herausg. v. Prof. Dr. K. Wirtz), Lehrbuch der draht- 
losen Telegraphie. Verlag Julius Springer, Berlin 1917. geb. M. 20.— 
Elektroindustrie. 1. u. 15. Februar, 1. u. 15. März 1917. ' Fachschriften- 
Verlag A.-G. Zürich. Eden er . 
8*r 


116 Literaturverzeichnis. 


A. Miethe, B. Seegert, F. Weidert, Die totale Sonnenfinsternis vom 
21. August 1914, beobachtet im Sandnessjöen auf Alsten (Norwegen). 
Verlag Friedr. Vieweg u. Sohn, Braunschweig 1916. geb. M. 12.— 

L. Graetz, Die Physik, mit Berücksichtigung ihrer Anwen- 
dungen. Band I des Sammelwerkes „Die Naturwissenschaften und 
ihre Anwendungen“. Herausgeber C. Thesing, Leipzig. Verlag „Natur- 
wissenschaften“ G. m. b. H., Leipzig 1917. 

M. 16.—, geb. M. 18.—, Prachtband M. 20.— 

W. Winkelmann, Das Fernsprechwesen. I.u. II. Sammlung Göschen 
Nr. 155 u. 773. @. J. Göschensche Verlagshandlung, Leipzig 1916. 

je M. 1.— 
(Eingesandt 1. März 1917.) 


Literaturverzeichnis. 


Bennett, Edward, El. World 69, Nr. 2, 95, 1917. High versus low 
antennae in wireless telegraphy. 

Brillouin, Marcel, Rev. Gén.') 1, 7, 46, 123, 1917. L'État actuel des 
théories électriques. 

Brylinski, E., Rev. Gén. 1, 43, 1917. Sur le système électromagnétique 
de mesures. 

Chambre Syndicale, Rev. Gén. 1, 22, 58, 133, 180, 1917. La porcelaine 
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14. X. 1916.) Drahtlose Verbindung Peru—Bolivien. 

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~ Giles-Freiburg). 

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discher Wellen und ein neuer mechanischer Analysator. 

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frequenten Wechselstrom benutzbar). 

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bestimmungen von ein- und mehrlagigen Spulen verschiedener Wick- 
lungsart. | 

Korda, D., Arch. des Sc. (Genève) Nr. 11, 402, 1916. La consonance poly- 
phase et son rôle dans les transformateurs statiques de fréquence. 


1) Revue Générale de lÉlectricité entstanden aus den seit Januar 1917 
vereinigten Zeitschriften „La Revue Électrique“ u. „La Lumière Électrique“. 
Rédaction et Administration: 12 Place de Laborde, Paris. 


Literaturverzeichnis. 117 


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Mech. 37, 288.) Neues hochempfindliches Stromrelais (auch für draht- 
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149, 1916.) Schwankungen bei nächtlichen Übermittlungen der Funken- 
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l’audion. 

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169, 193.) Der Vreeland-Oszillator und seine Verwendung für Wechsel- 
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Niethammer, F., E. u. M. 35, 17, 32, 1917. Zusätzliche Verluste durch 
Stromverdrängung in wechselstromdurchflossenen Leitern. 

Pflüger, A., Physik. Ztschr. 18, 13, 1917. Ein einfacher veränderlicher 
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Pomey, J. B., Rev. Gen. 1, 9, 1917. Sur la réciprocité des actions «lee- 
triques et magnétiques. 

— Rev. Gen. 1, 83, 1917. Analogies mécaniques des phénomènes de 
couplage entre deux circuits oscillants de télégraphie sans fil. 

— Rev. Gen. 1, 163, 1917. Sur les analogies mécaniques des phénomènes 
eleetriques. 

— Rev. Gen. 1, 206, 1917. Theorie élémentaire du magnćtismc, 

Prez-Crassier, J. de, Rev. Gen. 1, 277, 1917. Les brevets Fleming et 
de Forest (Un procès en Amérique). 

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Rübesamen, H., Über Empfangsstörungen und elektrisch - meteorologische 
Elemente der Atmosphäre. Diss. Halle 1915 (vgl. Bespr. in Physik. 
Ztschr. 18, 19, 1917). 

Rubens, Sitzungsber. Pr. Ak. Wiss. 18 I. 1917, S.47. Das ultrarote Spek- 
trum und seine Bedeutung für die Bestätigung der elektromagnetischen 
Lichttheorie. 

Schwers, Frederick, Electrieian 78, 615, 1917. The effect of water vapour 
in the atmosphere on the propagation of electromagnetic waves. 

Starke, H., Physik. Ztschr. 18, 6, 1917. Resonanz in eisenhaltigen Kreisen. 

Stigant, S. Austen s Thompson, J. Lindley. 

Telegraphen- u. Fernsprechiechnik, Heft 20, 158, 1917. (Ref. ü. Ztschr. 
f. P. u. T., Wien, Nr. 33, 264.) Die drahtlosen Verbindungen zwischen 
Deutschland und Amerika. 

— 8.159. Drahtlose Telegraphie vom Flugzeug. 

— 8.167. (Ref. ü. El. World 64, 385.) Elektrische Schwingungserzeugung 
mittels Quecksilberdampflampen. 

Thompson, J. Lindley u. Stigant, S. Austen, Electrician 78, 573, 609, 
1917. The parallel operation of static transformers. 

Townend, R., Electrician 78, 576, 1917. Frequency changers (ebenda 
S. 607, Diskussion). 


118 Bücherbesprechungen. 


Tschudy, Wm., Elektrot. Ztschr. 38, 18, 23, 1917. MeßBverfahren und De- 
finitionen für den Quecksilberdampf-Gleichrichter. 

Wick, Frauce G. s. Me Dowell, Louise S. 

Wiesent, J., Elektrot. Ztschr. 38, 84, 1917. (Ref. ü. Diss. München 1916.) 
Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser. 


(Eingesandt 1. März 1917.) 


Bücherbesprechungen. 


J. Spielrein, Lehrbuch der Vektorrechnung. 386 S., 48 Fig., VIII 
Stuttgart 1916. Verlag von Konrad Wittwer. Preis M. 16.—. 

Das auf Anregung von Prof. Dr. h. c. F. Emde entstandene und 
ihm gewidmete Werk soll nach Angabe des Verfassers, den wir durch seine 
vorwiegend im „Archiv für Elektrotechnik“ erschienenen Arbeiten auf dem 
Gebiete der theoretischen ElektrizitätslIchre kennen, vor allem Studierenden 
der technischen Hochschulen ein Wegzeiger und Führer durch das weite 
Feld der Vektorenreehnung — vielen leider noch eine unfruchtbar erschei- 
nende Wüste — sein. 

Wer aus eigener Erfahrung die Schwierigkeiten kennt, die sich auf 
diesem Gebiete dem Anfänger entgegenzustellen pflegen, wird ein Buch, 
wie das vorliegende, das, an Hand zahlreicher Beispiele, nicht allein einen 
Abriß des Bestehenden geben, sondern vor allem anleiten und zeigen will, 
wie das Gelernte sich praktisch verwenden läßt, herzlich willkommen heißen. 
Die Verwirklichung dieser Absicht ist — um es gleich vorwegzunehmen — 
dem Verfasser wohl gelungen. 

Von den auf dem Markt befindlichen Büchern dieses Gegenstandes, 
die sich für die Hand des Studenten eignen, unterscheidet sich das Spiel- 
rein’sche Werk vorteilhaft dadurch, daB es durchaus seinen Charakter als 
wirkliches Lehrbuch wahrt, also in allen Teilen neben guter Auswahl des 
Wesentlichen in logischer Folge jenen Grad von Ausführlichkeit besitzt, 
den der Anfänger schlechterdings nun einmal nicht entbehren kann. Man 
wende nicht ein, daß die Zahl der Ingenieure, für die das Beherrschen der 
Vektorenrechnung eine Notwendigkeit bedeutet, nur klein sei im Verhältnis 
zum Rest, der sie nicht braucht, und daß demgemäß ein auf breiter Basis 
angelegtes Lehrbuch ähnlich denen der allgemeinen Mathematik keinem 
dringenden Bedürfnis entspreche. Dieser Standpunkt ist heute nicht mehr 
berechtigt. Wohl sind nur wenige Ingenieure zu rein wissenschaftlicher 
Betätigung berufen, doch die Zahl derer, denen in ihrem eigenen Interesse 
die Sprache der Vektoren kein fremdes Idiom sein darf, ist nicht mehr 
vernachlässigbar, mögen sie nun auf den Gebieten der Elektrizitätslehre, 
der Hydromechanik oder der Elastizitätslehre arbeiten. Bei der zunehmen- 
den Zahl grundlegender moderner Werke auf allen Gebieten der Ingenieur- 
wissenschaften, deren Verfasser sich der Vektorenrechnung bedienen, sollte 
heute auch der mehr praktisch arbeitende Ingenieur, sowie der Hochschul- 
absolvent in der Lage sein, derartige Rechnungen zu lesen und zu ver- 


Bücherbesprechungen. 119 


stehen. Liegt doch der Vorteil der Kenntnis der Vektorenrechnung keines- 
wegs allein in der Beherrschung des Formalen und der dadurch erreich- 
baren Vereinfachung der Rechnung an sich. Stets wird damit — und darin 
dürfte der Hauptwert liegen — eine tiefergehende Erkenntnis physikalischer 
Vorgünge und Zustände, sowie eine Stärkung und Festigung des räumlichen 
Denkens überhaupt erreicht. Dies aber gehört zum wichtigsten Gut des 
angehenden, wie des fertigen Ingenieurs. Aus diesen Gründen bedarf auch 
der Wunsch, an die Stelle der meistens noch mehr gelegentlich und neben- 
her betriebenen Vektorenrechnung an den Hochschulen ein mehr vertieftes 
Studium, wenn auch von mäßigem Umfang, zu setzen, keiner besonderen 
Rechtfertigung mehr. 

Wir dürfen sagen, daß das vorliegende Werk hier einem wirklichen 
Bedürfnis entgegenkommt. Sein klarer Aufbau läßt es zu einem schätzens- 
werten Hilfsmittel des Unterrichts, sein Reichtum an Beispielen und seine 
Ausführlichkeit zum Selbststudium und als Nachschlagewerk und Handbuch 
für den in der Praxis stehenden Ingenieur in hervorragender Weise ge- 
eignet erscheinen. Besonders dem, der sich auf diesem Gebiete fortbilden 
will, ohne über die Zeit zu langwierigen Quellenstudien zu verfügen, sei 
es als vektoranalytische Werkzeugsammlung warm empfohlen und in diesem 
Zusammenhange auf die am Schinsse angehängte reichhaltige Formelsamm- 
lung besonders hingewiesen. Auch wäre hervorzuheben, daß der Verfasser 
überall den Übergang von der vektoranalytischen Behandlung zu den 
meist gebrauchten Koordinatensystemen vermittelt. 

In der Vorrede sagt der Verfasser: „Ich habe aber den technischen 
Wert des Buches nicht durch eine Häufung von Beispielen aus der Mechanik 
und Physik zu steigern gesucht, sondern mich bemüht, die Vektorenrech- 
nung selbst gründlich zu lehren und nicht Mechanik und Physik.“ Man 
wird dem Verfasser beipflichten müssen, wenn er es ablehnt, die Einheit- 
lichkeit der Darstellung durch allzu weites Eingehen auf die Anwendungs- 
möglichkeiten zu stören, andererseits aber frägt es sich, ob man sich hier 
durch den Verzicht auf alles Konkrete nicht auf ein, wenigstens für den 
studierenden Techniker, etwas trocknes Gelände begibt. 

Für den Ingenieur sind doch im allgemeinen die mathematischen 
Operationen nur Mittel zum Zweck, daher dürfte der Wunsch nach Bei- 
spielen, die den Übergang zur Zahl und die 'praktische Verwendung ab- 
geleiteter Resultate zeigen, bei einem Lehrbuch für Studierende technischer 
Fachrichtung nicht unberechtigt sein. Pflegt doch die an Hand geeigneter 
Beispiele gewonnene Erkenntnis, daß auch aus der Beschäftigung mit zu- 
nächst rein mathematischen Aufgaben häufig ein unmittelbarer praktischer 
Nutzen entspringt, mächtig stimulierend auf das Interesse des Lernenden 
zu wirken, ganz abgesehen von der mit jenen verbundenen Erleichterung 
des Verständnisses.. Dieser Ansicht möchte der Berichter besonders im 
Hinblick auf den dritten Teil des Buches, der die Grundzüge der Affinoren- 
rechnung behandelt, Ausdruck geben. Zu wünschen wäre ferner vielleicht 
eine etwas reichere Ansstattung des Werkes mit erläuternden Figuren, s80- 
wie einige gelegentliche Beispiele, die die Entwickelung graphischer 
Methoden aus den Ergebnissen vektoranalytischer Operationen vorführen. 

Es mag sein, daß durch die Einschaltung dieser Dinge in das Lehr- 
buch selbst dessen Umfang zu sehr auwachsen und damit vielleicht auch 


120 Bücherbesprechungen. 


die Übersicht über das Ganze notleiden könnte. Dies wäre jedoch leicht 
zu vermeiden‘, falls sich der Verfasser bereit finden würde, etwa in einem 
zweiten Bande die Anwendungen auf technische und rein physikalische 
Aufgaben zu behandeln. Man könnte dabei an ein Buch denken, das das 
vorliegende in ähnlicher Weise ergäuzt, wie das von Hort, „Die Differential- 
gleichungen des Ingenieurs“, die rein mathematischen Lehrbücher. An Stoff 
hierzu dürfte es gewiß nicht mangeln, zumal zweifellos ein Bedürfnis nach 
einem Werke besteht, in dem die Methoden für die exakte als auch, daran 
anschließend, die genäherte Berechnung wichtiger spezieller elektrischer und 
magnetischer Felder zusımmengestellt und die Bedeutung der Eigenschaften 
der Vektorfelder für technische Probleme eingehend diskutiert werden. 

Rein äußerlich ist der Stoff in drei Teile gegliedert, in denen nach- 
einander die Vektoralgebra, die Vektoranalysis und die Grund- 
züge der Affinorrechnung abgehandelt werden. Der erste Teil zer- 
fällt in "die drei Kapitel: „Elementare Vektoroperationen“, „Besondere 
Vektoren“ und „Bezeichnungen in der Vektorrechnung“. Der zweite Teil 
macht, ebenfalls in drei Kapiteln, den Lernenden mit den „Funktionen 
skalarer Veränderlichen“, den ‚Ortsfunktionen‘“ und der „Geometrie der 
Vektorfelder“ bekannt. Den drei Kapiteln, in die die Grundzüge der 
Affinorrechnung eingeteilt werden, ist als Einleitung ein kurzer Paragraph 
über die Beziehung’ der Vektoranalysis zur Vektorenrechnung vorangestellt. 
Kapitel 1 und 2 behandeln „Lineare Vektorfunktionen“ und „Affinor- 
algebra“, Kapitel 8 die „Affinoranalysis“. 

Am Ende eines jeden Kapitels sind die Lösungen der Aufeaben zu- 
sammengestellt. Die schon erwähnte reichhaltige Formelsammlung und 
ein Inhaltsverzeichnis beschließen das Buch. 

Abschließend möchte der Berichter sagen, daß das Werk allen Kreisen, 
an die es sich wendet, aufs wärmste empfohlen werden kann.. Möge es 
die ihm gebührende Verbreitung finden und so seine Brauchbarkeit beim 
Unterricht, wie beim Selbststudium bewähren! 

Die Ausstattung des Buches ist gut, sein Preis im Verhältnis zum 
Umfang und zu den Schwierigkeiten des Satzes unter den heutigen Ver- 
hältnissen als angemessen zu bezeichnen. 


. Dipl.-Ing. W. Beilage Stuttgart. 
(Eingesandt 9. März 1917.) 


Jahrbuch 


der 


drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


Band 12. 1917. Heft 2. 


Inhalt. 


Seite 
Paul Ludewig: Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer 
Faktoren auf die drahtlose Telegraphie. (Mit 16 Figuren im Text) 122 
Fritz Löwenstein: Der Mechanismus der Strahlung und Fortpflan- 
zung bei der drahtlosen Übertragung, (Mit 6 Figuren im Text). 156 
J. L. Hogan: Die Signalreichweite bei der drahtlosen sen 
(Mit 1 Figur im Text) ... . . 168 
Louis Cohen: Drahtlose Ze ichöngebang ur vat Caenu . 171 
J. A. Fleming: Über die Ursachen der Ionisation der Atmosphäre . 115 


Referate: 

Frederick Schwers: The effect of water vapour in the atmo- 
sphere on the propagation of electromagnetic waves. (Die Wir- 
kung von Wasserdampf in der Atmosphäre auf die DE 
elektromagnetischer Wellen) . . . . 2 22.2. . . . 184 


Mitteilungen aus der Praxis: 


L. W. Austin: Quantitative Messungen über die Stärke der von 
den deutschen Funkenstationen in Nauen und Eilvese aus- 
gehenden Signale zu Washington. (Mit 2 u im rel) . 185 


Funkspruchverkehr mit dem Auslande . . . 192 

Drahtlose Telegraphie auf Flugzeugen Be ir te dee erst. üs dr a ED 
Patentschau: 

H. Eales. (Mit 21 Figuren im Text) . . . in ir Zn ar 
Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften . en a 210 
Literaturverzeichnis. . . : 2 2 2 om nennen. 211 
Bücherbesprechungen . : . 2 2 2 nn nn nenn nn. 218 


Manuskripte für das Jahrbuch sind an die Redaktion: Dr. G. Eichhorn in 
Zürich, Hauptpostfach 6123, zu senden. Zur Erleichterung der Be- 
richterstattung wird um Zusendu einschlägiger Sonderabdrücke und 
Mitteilung wichtiger Arbeiten für das Literaturverzeichnis gebeten. 

Abonnements und Inserate sind an die Verlagsbuchhandlung von M. Krayn, 
Berlin W. 10, Genthinerstraße 39 zu richten. 


Jahrb. d. draht!. Telegraphie u. Telephonie. 12. 9 


122 Paul Ludewig. 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer 
Faktoren auf die drahtlose Telegraphie.”) 


Von Paul Ludewig. 


Drei Erscheinungen bilden die Grundlage für ein immer mehr 
an Bedeutung gewinnendes Zwischengebiet der drahtlosen Telegraphie 
einerseits und der Geophysik und Meteorologie andererseits: Der Unter- 
schied in der Reichweite einer Funkenstation bei Tag und Nacht, die 
Schwankungen der Empfangsintensität in der Dämmerung und die 
„Irtgänger“. Während die letzten sich schon früh beim drahtlosen 
Verkehr über kurze Entfernungen unangenehm bemerkbar machten, 
wurde man in weiteren Kreisen auf die beiden ersten Erscheinungen 
erst aufmerksam, als man zu Versuchen auf große Entfernungen über- 
ging. Die folgenden Ausführungen enthalten eine Übersicht über die 
bisherigen Versuchsresultate und die Erklärungsversuche, 


I. Die Theorie der Ausbreitung der elektrischen Wellen. 

Nimmt man an, daß sich die von der Antenne ausgestrahlten 
elektrischen Wellen längs eines ebenen, gut leitenden Bodens fort- 
pflanzen, so ist die Amplitude A der Schwingung in der Entfernung r 
von der Sendestation durch die Beziehung gegeben: 


1 
A= 47 


worin A, die Amplitude an der Sendestation bedeutet. Berücksichtigt 
man aber die Erdkrümmung, so wird die Formel in zweierlei Weise er- 
weitert. Die Amplitude nimmt nicht mehr einfach proportional 1/r 
ab, sondern proportional dem Wert: 


1 V 
r |/ sin 0 
Hierin bezeichnet 9% den Winkel, den die Verbindungslinien Sende- 
1) Auszug aus der Originalarbeit in den Annalen der Hydrographie 


und Maritimen Meteorologie 42, 77, 1914 und 43, 193, 1915. 
Vgl. auch Schweiz. Elektrot. Ztschr. 13, Hefte 29—40, 1916. 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. ‚123 


station— Erdmittelpunkt und betrachteter Punkt— Erdmittelpunkt mit- 
einander bilden. Außerdem kommt noch ein Glied hinzu, welches 
darauf beruht, daß die Energie der Erdoberfläche nicht vollkommen 
folgt, sondern zum Teil in den Raum hinausgeht; dieser Faktor hat, 
wenn man mit e die Basis der natürlichen Logarithmen und mit A 
die Wellenlänge der elektrischen Schwingung bezeichnet, die Form: 


0,0019 r 
-+ 
e Va 


Die Amplitude A in der Entfernung r von der Sendestation ist dann 
durch die Beziehung gegeben: 


_ 0,019 r 
1 P t 
A = Á, — Vi 
0 y mo 


Diese von Sommerfeld abgeleitete Formel wurde von anderer 
Seite noch erweitert, indem auch die wirksame Höhe h, und die 
Stromstärke J, der Sendeantenne berücksichtigt wurden. Es ergab 
sich die Beziehung: 


_ 9,0019 r 
h, Js I VT 
ALNA lr T 


Die Stromstärke J x in der Empfangsantenne von der wirksamen Höhe hg 
und dem Hochfrequenswiderstend R beträgt, falls man mit un- 
gedämpften Wellen arbeitet: 


— _ 9,019 r 
Ah, hh, Js ,/ 8 z 
a Sa Vna 


Benutzt man auf der Sendestation gedämpfte Wellen, so gehen noch 
die Dämpfungsdekremente ô, und ô, des Sende- und Empfangssystems 
in diese Formel in folgeunder Weise ein: 


_ 0,0019 r 
I a y VT 
F) F sin u 
Rl/ı+-< ArRl/ı+- 
ò, l Ò, 


Bei den Entfernungen, die bei quantitativen Versuchen überbrückt 


wurden, kann man 
A 
= 1 
J= Va 


9* 


124 Paul Ludewig. 


setzen, so daß man für ungedämpfte und gedämpfte Schwin- 
gungen die beiden wichtigen Beziehungen erhält: 


_ 9009 r j 
h, ħ J, Van 
agja Ks Va 
ARS Ar R : 
_ 0,0019 r 
3,__ 
ER. EE Se L vi 


ArR +3 
3 


II. Methoden zur Messung der Empfangsstromstärke. 


Zur Prüfung der Gültigkeit dieser beiden Formeln und zur wei- 
teren Erforschung des ganzen Problems bedarf man einer Methode, die 
auf der Empfangsstation in einwandfreier Weise die Stärke der ankom- 
menden Zeichen zu messen gestattet. Man hat folgende Meßmethoden 
dafür vorgeschlagen: 

1. Die Parallelohmmethode. — Parallel zum Empfangs- 
telephon liegt ein Regulierwiderstand, der so lange verkleinert wird, 
bis der Ton im Telephon gerade verschwindet. Der eingestellte Wider- 
stand ist dann ein Maß für die Empfangsstärke, und zwar entspricht 
einem kleineren Parallelwiderstand eine größere Empfangsintensität. 


Bei früheren Untersuchungen ist diese Methode meist unter der 
Voraussetzung benutzt worden, daß die ankommende Energie der 
Größe des Parallelwiderstandes umgekehrt proportional ist, daß also 
zwischen den beiden Werten eine lineare Beziehung besteht. In- 
zwischen ist durch Untersuchungen von Klages und Demmler 
nachgewiesen worden, daß das nicht der Fall ist. Zu diesem Nach- 
weis wurden auf einer Sendestation mit verschiedener Energie Zeichen 
ausgesandt und dabei jeweils die Antennenstromstärke gemessen. Auf 
der Empfangsstation wurde die zu jeder Sendestromstärke gehörende 
Größe des zum Detektor und Telephon parallel liegenden Widerstandes r 
bestimmt, 

Aus den erhaltenen Ergebnissen geht hervor, daß zwischen der 
Empfangsstromstärke und der Größe des Parallelwiderstandes keine 
Proportionalität besteht. 

Die Parallelohmmethode ist daher für alle quantitativen Mes- 
sungen unbrauchbar. Sie vermag nur dort Dienste zu leisten, wo 
es auf eine rein qualitative Bestimmung der Lautstärke ankommt, 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 125 


wo man also nur bestimmen will, ob ein Empfang besser oder 
schlechter geworden ist. 

2. Messung mit Kontaktdetektor und Galvanometer. — 
Schaltet man parallel zu einem in der Empfangsantenne liegenden 
Kontaktdetektor ein Galvanometer, so sind dessen Ausschläge ein 
Maß für den in der Antenne fließenden Strom. Für den Bleiglanz- 
detektor wurde von Klages und Demmler und für den Perikon- 
detektor von Marchand eine direkte Proportionalität zwischen An- 
tennen- und Galvanometerstrom nachgewiesen. Diese Methode ist 
daher in erster Linie geeignet, bei quantitativen Empfangsversuchen 
benutzt zu werden, und wurde infolgedessen von dem später zu er- 
wähnenden Ausschuß zur Untersuchung der in dieser Zusammen- 
fassung behandelten Erscheinungen besonders empfohlen. Bei prak- 
tischen Versuchen kann man natürlich ein Galvanometer mit langer 
Schwingungsdauer nicht benutzen, da bei diesem die Zeit bis zur 
endgültigen Einstellung länger dauert als das zu messende Zeichen. 
Geeignete Galvanometer mit kurzer Schwingungsdauer (1—2 Sek.) 
und einer Empfindlichkeit von ca. 5-107? Amp. werden von den 
Firmen Hartmann & Braun und Siemens & Halske geliefert. 

Statt des gewöhnlichen Drehspulgalvanometers kann man natur- 
gemäß bei der gleichen Schaltung auch ein Saitengalvanometer be- 
nutzen. Dieses Instrument hat eine besondere Bedeutung, weil es die 
Möglichkeit bietet, die Stärke der Empfangssignale zu registrieren. 

3. Substitutionsmethoden. — Der einzige Nachteil der 
Kontaktdetektor-Galvanometermethode besteht darin, daß die Emp- 
findlichkeit des Kontaktdetektors sehr veränderlich ist, daß 
sie sich zwar ab und zu längere Zeit konstant halten läßt, daß aber 
oft durch eine auch nur geringe Erschütterung oder durch eine 
starke atmosphärische Entladung, bisweilen auch ohne einen direkt 
sichtbaren Grund, Änderungen in der Empfindlichkeit eintreten, die 
eine ganze Versuchsreihe unbrauchbar machen. 

Um diesem Übelstand abzuhelfen, kann man nach Dieckmann 
und Eppen folgendermaßen verfahren: Auf der Empfangsstation 
wird ein Schwingungskreis eingebaut, in welchem sich ein Meß- 
instrument befindet, das den im Schwingungskreis fließenden Strom 
zu messen gestattet. Dieser Schwingungskreis wird mit einem Ticker 
erregt und läßt sich mit dem Antennenkreis mehr oder weniger fest 
koppeln. In den Antennenkreis, der demnach sowohl von den von 
einer fernen Sendestation ausgehenden Wellen als auch von diesem 
Hilfssender erregt werden kann, ist ein Kontaktdetektor mit 


126 Paul Ludewig. 


Galvanometer eingeschaltet. Hat man nun Empfang von einer 
Fernstation und erhält dabei einen gewissen Ausschlag am 
Galvanometer, so erregt man den Hilfssender mit Strom von einer 
ganz bestimmten Stärke und reguliert die Koppelung zwischen Hilfs- 
sender und Antennenkreis so lange, bis der gleiche Ausschlag am 
Galvanometer entsteht. Die Entfernung der beiden Kop- 
pelungsspulen gibt dann ein Maß für die empfangene 
Energie. Dadurch, daß sogleich nach dem Empfang der Fern- 
station diese Vergleichsmessung ausgeführt wird, fällt der Einfluß 
der Empfindlichkeit des Detektors heraus. 

Eine ähnliche Substitutionsmethode hat Eccles angegeben. 

4. Das Einfadenelektrometer. — Statt eines Saitengalvano- 
meters kann man zur Registrierung auch ein Einfaden- oder Saiten- 
elektrometer benutzen, wie es z. B. von Edelmann gebaut wird. 
In ihm sind in geringen Abständen zwei Metallelektroden a und b 
angebracht, die nach Fig. 1 mit einer Hilfsspannung E auf ein be- 
“stimmtes Potential geladen werden. Zwischen den Platten befindet 
sich die Saite, die auf ein Potential, das der Empfangsenergie pro- 
portional ist, aufgeladen wird und damit je nach dem Vorzeichen 
des Potentials entweder von a oder von b angezogen wird. In der 
Schaltung bedeutet S die im Antennenkreis liegende Selbstinduktions- 
spule die mit dem Kontaktdetektor D und dem Kondensator C ver- 
bunden ist. Besonders geeignet sind nach Angaben von Wulf die Rot- 
zinkerzdetektoren, die als Gleichrichter für die elektrischen Wellen 
wirken. Den Vorgang beim Empfang hat man sich dann so zu er- 
klären, daß durch den Detektor eine Ventilwirkung ausgeübt wird und 
daß daher von dem Hochfrequenzwechselstrom nur die Halbperioden 
einer Richtung durchgelassen werden und den ‚Kondensator C auf- 
laden. 

5. Das Thermogalvanometer. — Neben den angeführten 
Methoden kommt .die Messung mit dem Thermogalvanometer dort 
in Betracht, wo die Empfangsenergie nicht zu klein ist. Dem Prinzip 
nach ist es das zuverlässigste Instrument, da eine eindeutige Beziehung 
zwischen dem Ausschlag und dem zu messenden Strom besteht. 

Es ist selbstverständlich, daß die Meßresultate, die auf einer 
Station erhalten wurden, nicht direkt mit denen einer anderen 
Station verglichen werden können. Sie geben nur einen Anhalt über 
die quantitativen Änderungen, die der Empfang der einen Station 
erfahren hat. Wollte man auch einen direkten Vergleich zwischen 
verschiedenen Stationen ermöglichen, so müßte man dafür 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 127 


sorgen, daß auf den Empfangsstationen nicht nur die Schaltungen ganz 
genau gleich gemacht werden und daß nicht nur eine Empfangs- 
methode gewählt wird, bei welcher die Schwankungen der Empfind- 
lichkeit des Detektors keine Störungen veranlassen, sondern daß auch 
die Antennenformen und die Erdungen vollkommen gleich sind. Das 
ist aber nur sehr schwer zu erreichen. 


Ampere 


Empfangsstrom'stärke 10 


„ame 
1000 1500 2000 km 


500 
Entfernung 


Fig. 1. Fig. 2. 


III. Das Ergebnis der Tagesversuche. 


Der erste. Versuch, die experimentell gefundenen Empfangs- 
stromstärken mit den theoretisch gefundenen zu vergleichen, stammt 
von M. Reich. Er stellte fest, daß Theorie und Experiment innerhalb 
der Fehlergrenzen gut übereinstimmen, wenn man nur die am Tage 
erhaltenen Werte berücksichtigt. 

Ähnliche Versuche wurden später von Austin beschrieben. Aus 
der gleichzeitigen Messung von Sende- und Empfangsstrom bei ver- 
schiedenen Entfernungen, aus der wirksamen Höhe von Sende- und 
Empfangsantenne und der benutzten Wellenlänge leitete er die Formel ab: 

h hJ, _ 0,0016 r 
Jp = 4,25 2 se vi 
In dieser Formel wurde der Empfängerwiderstand R willkürlich zu 
25 Ohm angenommen, was allerdings bei kurzen Wellenlängen zu 
hoch und bei größeren zu niedrig ist. 


128 Paul Ludewig. 


Später hat Austin die Versuche weitergeführt, und zwar mit 
der Großstation Arlington, Va, die mit einer Sendeeinrichtung von 
100 Kilowatt mit rotierender Funkenstrecke und einer Plattform- 
antenne von 122 m wirksamer Höhe ausgerüstet ist. Als Empfangs- 
station diente die Station des Kreuzers „Salem“, der auf eine Reise 
nach Gibraltar geschickt wurde. Die Resultate zeigt die Fig. 2. Die 
ausgezogene Kurve ist nach der letzten Formel berechnet. Die 
aufgenommenen Punkte fallen ganz gut mit dieser Kurve zusammen. 

Zwischen der letzten Formel und den theoretisch abgeleiteten 
Beziehungen besteht der Hauptunterschied, daß nach den Austin- 
schen Resultaten das Zerstreuungsglied die Form 


= 0,0015 r 
e Vi 
hat, während die Theorie die Form ergibt: 
_ 0,0019 r 
3 
e Va 


Neuere Versuche von Austin hatten den Zweck, die Ent- 
scheidung zwischen diesen beiden Exponentialfunktionen zu treffen, 
Während die Empfangsresultate auf dem Kreuzer ‚Salem‘ das Er- 
gebnis lieferten, daß die theoretische Gleichung 


__ 0,0019 r 
3 
I Aht e yı 
gi 
Ar R LE 


zu Werten führte, die zu niedrig waren, um mit den Beobachtungen 
vereinbar zu sein, und während zugleich die halbempirische 
Gleichung 


0,0015 r 
Ja=877 —5ħhss Va 
Ò, 


mit dieser Beobachtung in guter Übereinstimmung zu sein schien, 
ergaben anderseits die Sende- und Empfangsstromstärken, die beim 
Verkehr in umgekehrter Richtung gemessen wurden, bei der gra- 
phischen Aufzeichnung eine Anzahl Punkte, die mit beiden Kurven 
übereinstimmen konnten. Eine endgültige Entscheidung zwischen 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoreu usw. 129 


den beiden Formeln vermögen daher diese Versuche noch nicht 
zu geben. 

Die Versuche Austins beschäftigten sich nur mit den Empfangs- 
intensitäten, die in unmittelbarer Nähe des Erdbodens gemessen 
wurden. Besonderes Interesse beanspruchen daneben noch einige 
Messungen von Lutze, die im Freiballon, und zwar bei einer Nacht- 
fahrt und bei zwei Hochfahrten bis etwa 6000 m Höhe ausgeführt 
wurden. Da dabei mit der Parallelohmmethode gemessen wurde, so , 
kann man den Ergebnissen nur bedingten Wert beimessen. Es wurde 
gefunden, daß die Empfangsintensität in größeren Höhen geringer 
als am Erdboden war, daß sie z. B. bei einer Entfernung von 400 km 
in 1500 m Höhe über dem Erdboden doppelt so groß als in 
6500 m Höhe war. Bei einem anderen Versuch wurde in zwei Frei- 
ballons zu gleicher Zeit gemessen; der eine hielt sich dauernd in etwa 
1000 m Höhe, während der andere eine Hochfahrt unternahm. Beide 
Ballons schlugen ungefähr dieselbe Fahrtrichtung ein. Auch hier zeigte 
es sich, daß die Empfangsintensität des höher fahrenden Ballons 
kleiner war. 


Sonnenuntergang Sonnenaufgang 
Clifden Glace Bay Clifden Glace Bay 


1r 38 b 7 9 ıb 1 8 5 7 9 uk 


Wellenlänge 7000 m 
5000 m 


—— = = = n 


Fig. 3. In der Nacht über den ganzen Atlantischen 
Ozean Lautstärke sehr veränderlich. 


IV. Der Unterschied im Empfang bei Tag und Nacht 
und die Dämmerungsschwankungen. 


Von Marconi und Schwartzhaupt wurden zuerst die seit 
langem bekannten Unterschiede in der Stärke des Empfanges bei 
Tag und Nacht eingehender beschrieben. Marconi erhielt bei Ver- 
suchen zwischen Clifden und Glace-Bay die in den Figg. 3 und 4 
enthaltenen Ergebnisse. In ihnen sind als Abszissen die Stunden in 
Greenwicher Zeit aufgetragen, als Ordinaten die Stärke der in Clifden 
ankommenden Zeichen. Die ausgezogene Kurve in Fig. 3 gilt für 


130 Paul Ludewig. 


eine Wellenlänge von 7000 m, die gestrichelte für eine solche von 
5000 m. Man sieht, daß die Lautstärke am Tage für beide Wellen 
konstant und daß sie für die längere Welle beträchtlich größer ist. In 
der Nacht ist sie bei beiden Wellen so veränderlich, daß sie nicht ge- 
zeichnet worden ist. Besonders interessant ist der Kurvenverlauf in 


Nacht 
12h 6 12 6 12b 


a 
y 
1. Jan. NA ra 
3 
| © 
1. Febr. NA 1 8 
N = 
MEET TI VAN, I 
A l Aa 
1. April j | 
en A Ä 10 2 6 10 2 6 ı0 
Sonnenuntergang in Clifden Mittag Mttncht. Mittag 
= in Glace Bay Kurze Welle 
--—--— Sonnenaufgang in Clifden —— — — Mittlere ,, 
z225 AR in Glace Bay =O o oresesesees Lange ,„ 
Fig. 4. Fig. 5. 


der Zeit zwischen dem Sonnenaufgang (-untergang) in Clifden und in 
Glace-Bay. Die Untersuchungen ergaben, daß er im wesentlichen im 
ganzen Jahr derselbe bleibt (s. Fig. 4). 

Bei den Versuchen von Schwartzhaupt diente die mit 20 KW 
Primärenergie ausgerüstete Station Nauen als Sendestation. Fig. 5 
stellt die Stromstärken dar, die eine Station in 1000 km Entfernung 
über gebirgiges Land hinweg empfing. Es zeigt sich, daß nachts 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 131 


eine beträchtliche Intensitätsverstärkung vorhanden ist und daß bei 
Nacht- und Tagesanbruch regelmäßige Schwankungen vorhanden sind. 

Wie sehr die Reichweite einer Station von diesen Erscheinungen 
abhängig ist, geht aus der Fig. 6 hervor, die von Schwartz- 


Die Dampfer nen 
sich in3 Em ans 


1900 1400 900 km 1209 
260 


Intensităt 


Nacht Tag Nacht Tag Nacht Tag Nacht Tag Nacht Tag Nacht 
Fig. 6. 


haupt stammt. Auf zwei Dampfern, die sich einander näherten, 
wurde in verschiedenen Entfernungen die Empfangsenergie gemessen. 
Aus der Figur geht hervor, daß bei großen Entfernungen nur nachts 


Galvanometeranschläge 


Minuten Zeit 5h 55 510 515 520 52 580 
Fig. 1. Fig. 8. 


ein Verkehr möglich war und daß auch bei geringen Entfernungen 
des Nachts ein erhebliches Ansteigen der Kurven vorhanden ist. 
Versuche von Mosler in den Jahren 1912 und 1913 führten zu 
ähnlichen Resultaten. Er bediente sich der von der Norddeicher 
Anlage zu bestimmten Zeiten ausgesandten dienstlichen Zeichen und 
führte seine Versuche während eines ganzen Jahres durch. Am Tage 
traten keine Energieschwankungen ein; dagegen zeigten sich in der 


132 Paul Ludewig. 


Nacht starke Unregelmäßigkeiten, wobei die Empfangsintensität im 
Frühjahr und Herbst etwa doppelt so groß, im Sommer dagegen 
ungefähr ebenso groß wie am Tage war. Ab und zu traten ganz 
außergewöhnliche Steigerungen in der Empfangsintensität mit sprung- 
weisen Änderungen ein. Eine besonders bemerkenswerte Schwankung 
wurde am 12. November 1912 beobachtet (Fig. 7). In 7 Minuten 
schwankte hier die Empfangsstärke um den 6,3fachen Betrag. 


A 
82 
5: 
Sr 
= 
12 2V 4 6 8 10 12 2N. 4 6 e 0 R 
Ncht. Mttg. 


Fig. 9. 


Bei den bereits erwähnten Versuchen von M. Reich ergab sich 
das gleiche Resultat. In der Fig. 8 sind die Schwankungen des 
Empfangsstromese enthalten, die beim Verkehr zwischen Neumünster 
und Göttingen kurz nach Sonnenuntergang bei einer Wellenlänge 
von 1340 m gemessen wurden. 


A 

3 

g 

ù 

Ta 

R 

kana 

d 

Pa 

D 

u 

Qz 

1 V 4 6 : 10 1 2N. 4 6 z 10 12 

Ncht. Mttg. 
Fig. 10. 


Versuche von G. W. Pickard zwischen den Stationen Glace-Bay 
und Amesburg (bei Boston), und Versuche von Dolbear und Proctor 
zwischen Glace-Bay einerseits und Somerville und Revere (bei Boston) 
andererseits lieferten die Kurven der Figg. 9 und 10. Auch aus ihnen, 
ergibt sich wieder das Resultat, daß die Nachtintensitäten sehr groß 
sind, daß am Tage ein relativ schwacher, aber konstanter Empfangs- 
strom gemessen wird, und daß in der Dämmerung regelmäßige. 
Schwankungen auftreten. 


} 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 188 


V. Der Einfluß der Sonnenfinsternis vom 17. April 1912. 


Bei dieser Sachlage war es von besonderem Wert, zu untersuchen, 
in welcher Weise eine Sonnenfinsternis auf die drahtlose Übertragung 
einwirkt. Eine erste günstige Gelegenheit bot die Sonnenfinsternis 
vom 17. April 1912, da bei ihr die Verfinsterung für Mitteldeutsch- 
land ziemlich total und gerade in der Mittagszeit an einem fast voll- 
kommen klaren Tage stattfand. Die Resultate dieser Versuche liegen 
in den Berichten von 12 Empfanssstationen vor. Als Sendestation 
diente einmal die deutsche Station Norddeich, die mit 1650 m Wellen- 
länge in der Zeit von 12—3 Uhr stündlich viermal ein bestimmtes 
Kennwort je 5 Minuten lang gab. Als Empfangsstationen beteiligten 
sich die Station_in Emden, zwei Stationen des Telegrapkenversuchs- 
amtes in Berlin, eine Station der Telefunkengesellschaft in Berlin, 
zwei Stationen der Lorenz-A.-G. in Berlin und die Küstenwachen 
in Swinemünde und Danzig. 

Eine andere Gruppe von Empfangsstationen erhielt ihre Zeichen 
von der Station des Eiffelturmes, die von 9 Uhr 40 Min. bis 3 Uhr 
40 Min. mit 2000 m Wellenlänge Dauersignale von je 10 Sekunden 
gab. Diese wurden von zwei französischen Stationen, nämlich denen 
in Saumur und Poitiers, von einer Station in Marburg und einer in 
Graz aufgenommen. Eine Übersicht über die Gesamtergebnisse gibt 
die nachstehende Tabelle, in der die Stationen nach der überbrückten 
Entfernung geordnet eingetragen sind. Die Messungen wurden zum 
Teil mit der Parallelohmmethode, zum Teil mit Kontaktdetektor und 
Galvanometer ausgeführt. 

Die Tabelle zeigt, daß fast sämtliche Stationen, die keinen Ein- 
fluß der Sonnenfinsternis konstatieren konnten, mit der ungenauen 
Methode gemessen haben. Andererseits fanden die Station der Tele- 
funkengesellschaft und die Station in Eberswalde, ebenso wie die 
mit dem Galvanometer messenden Stationen, einen sicheren Einfluß. 

Die französischen Stationen unter Leitung von A. Turpain 
haben die Methode des Nebenschlußtelephons sogleich aufgegeben 
und nur mit dem Galvanometer gemessen. Die Kurven zeigen 
ein deutliches Maximum im Zeitpunkt der größten Verfinsterung. 
Ausführliche Angaben liegen von Take und Vos vor, die in 
Marburg und Graz gleichfalls die Einwirkung mit dem Galvanometer 
verfolgten. Take fand in Marburg eine Zunahme der Empfangs- 
intensität von rund 25°/, und Vos in Graz sogar eine solche von 
96°%/,. Bei beiden war das Maximum der Empfangsintensität dann 


Paul Ludewig. 


134 


J39WOUBALELH) 
uoydaja]L 
1949WOUBALBK) 
uoydaja I, 
uoydaja L, 
uoydaja], 
uoydaja 
uoydaja], 
ù . 
A9JIWOUBALBL) 


19J9UI0UBA[BK) 
uoydaja], 


apoypu 
-sdugjdug 


vorhanden, wenn das Maximum der Verfinsterung sich gerade in der 


Mitte zwischen Gebe- und Sendestation befand. 


our] 
-ua M 


g013 ıyos gupur 


| uəpuvyIoa gugum 


go gugurg 
gugury ug 
uHPUByL10A gngum 
gupumy Uy 
gupur UA 
gupgurg WA 
g013 gngum 
UHPUBLLIOA gngur 


uUAPUBYLIOA npuy 


yeypusoy 


gngug uq 


0001 | soA NW Ä 
09 | — 
OSS S 'H 
OLF 
09F -Yy a NY 
OSF 9- Y ‘Zuo O | 
OSF "ISUY-SYONEIOA | 
OGF "udeıdalay] a 
067 89x)-"ydoa]L | 
0008 uwd], 
87 
ocz uredan I, | 
LS | 
1 ayuansIoA 19 
Junu i a P 
-Juy E 


 ZEI9-ULmoHIY 
SIZuUB-YPTPPppIoN 

` Imgieg-wıngogrg 
HPUNWAUTAS-UPTPPPION 
* OPIBAEIIAY-UPIOPpIoN 
` ug- r ppIoN 
- BIIQIUQYIQ—-YILƏPPION 
l U- PPPpIoN 
' urg -yor ppIoN 
Ousg Jures-uunyaogry 


* anuneg-uumoptg 


ó | 7 UOpmg-yplappIoN 


(}saənz U0148I89494)) 
UORBJESYOINSII A 


Sie zeigt ein Maximum 


Als Beispiel der Änderung der Empfangsintensität im Verlauf 
der Finsternis möge die von der Telefunkengesellschaft erhaltene Kurve, 


die in Fig. 11 wiedergegeben ist, dienen. 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 135 


des Empfangs zur Zeit der größten Verfinsterung. (Außerdem wurden 
vor und nach dem Eintritt des Maximums mittelstarke Störungen 
wahrgenommen.) | 

Aus der vorstehenden Tabelle ist zu entnehmen, daß mit zuneh 
mender Entfernung zwischen Gebe- und Sendestation der Einfluß 
der Sonnenfinsternis wächst. Dieser Schluß wird besonders gestützt 
durch einen Vergleich der Versuche von Take und Vos, die mit 
derselben Wellenlänge, derselben Gebestation und derselben Emp- 
fangsmethode arbeiteten. 


50 


100 


Lautstärke 


150 


Zeit 120 19 1% 1% 20 2% 20 
Fig. 11. 


VI. Der Einfluß der Jahreszeit, des Mondes, des Nordlichtes 
und des Wetters auf die Empfangsstärken zugleich. 


Mit den in Abschnitt IV erwähnten Versuchen hat Mosler auch 
Versuche über den Einfluß der Jahreszeit auf die Größe der Empfangs- 
energie veröffentlicht. Die Versuche ergaben, daß die Lautstärke 
am Tage während des ganzen Jahres nahezu den gleichen Betrag bei- 
behält. Die Entfernung zwischen Sende- und Empfangsstation betrug 
425 km. Die Resultate dieser Versuche sind in der folgenden Tabelle 
zusammengefaßt, welche den Mittelwert des Verhältnisses Nachtintensität 
zu Tagesintensität enthält. Es ergaben sich folgende Werte: 


= Februar . . 2,06 Juni. .... 1,09 Oktober . . . 2,82 
März .. . . 2,07 Juli. .... 1,22 November . . 3,15 
April . . . . 2,20 August . . . — Dezember . . 1,79 
Mai. .... 1,29 September . . 2,14 Januar . . . 1,64 


Bemerkenswert ist dabei der starke Anstieg der Werte im Herbst. 
In der Literatur finden sich ferner Hinweise, die einen Einfluß 
des Mondlichtes auf die drahtlose Übertragung nachzuweisen suchen. 
Mosler hat auch in dieser Richtung Versuche unternommen und 
folgert aus ihnen, daß für die Entfernung von 425 km ein Einfluß 
nicht zu erkennen ist. Curtis glaubt zu finden, daß beim Aufgehen 


136 Paul Ludewig. 


des Mondes die Intensität der elektrischen Welle, die von einer 
etwa 1000 km entfernt liegenden Station ankommen, in ähnlicher Weise 
schwankt, wie es Marconi zuerst bei Sonnenaufgang gefunden hat. 
Eccles weist darauf hin, daß in diesem Falle mit dem Aufgehen des 
Mondes der Sonnenuntergang zusammengefallen ist, daß also die ge- 
fundene Erscheinung auf dem bekannten Einfluß der Sonne beruht. 

Über den Einfluß des Polarlichtes liegt ein Bericht der Telefunken- 
gesellschaft vor. Er lautet: ‚„Hochinteressante Einwirkungen, die 
mit Sicherheit auf das Auftreten von Polarlicht zurückzuführen sind, 
ließen sich bei der drahtlosen Nachrichtenübermittlung zwischen den 
neuen von der norwegischen Telegraphenverwaltung in Betrieb ge- 
nommenen und von der deutschen Telefunkengesellschaft errichteten 
Stationen Spitzbergen und Ingoe (bei Hammerfest) beobachten. Bei 
dem Erscheinen des Polarlichtes wurden die ankommenden Zeichen 
von Spitzbergen in Ingoe derart geschwächt, daß eine Aufnahme nach 
dem Gehör oft nur schwer möglich war; ja, es zeigte sich, daß die 
Zeichen für längere Zeit vollkommen verschwanden.“ 

„Merkwürdig war jedoch die beobachtete Tatsache, daß, während 
in Hammerfest kein Polarlicht zu beobachten war, das Vorhanden- 
sein eines solchen drahtlos von Spitzbergen gemeldet wurde, plötz- 
lich die Zeichen in Hammerfest weit über die bisher beobachtete 
Lautstärke hinausgingen.“ 

Weiter berichtet C. H. Taylor, daß bei dem drahtlosen Verkehr 
zweier Marconistationen in der Nähe des Polarkreises das Auftreten 
des Nordlichts stets einen großen und günstigen Einfluß aus- 
übte. Zuweilen brachte, wenn die Signale für die Verständigung zu 
schlecht waren, ein Nordlicht augenblicklich eine gute Verständigung 
zuwege. 

Über den Einfluß des Wetters sind in einigen Veröffentlichungen 
Hinweise enthalten, welche zeigen, daß auch die Witterungsvorgänge 
in dem von den Wellen zwischen Sende- und Empfangsstation durch- 
laufenen Raum von Einfluß sein können. Allerdings muß man dabei 
beachten, daß sie lokal sehr verschieden sind, und daß meist ein und 
dasselbe Wetter, z. B. das Vorhandensein einer gleichmäßigen ge- 
schlossenen Wolkendecke, nur in einem relativ kleinen Gebiet — 
verglichen mit den großen Entfernungen, die in der drahtlosen Tele- 
graphie überbrückt werden — vorhanden sein wird. Nur überaus selten 
wird daher ein Einfluß dieser Art nachzuweisen sein. 

Einzelne Beobachtungen sind jedoch bereits vorhanden. So nimmt 
nach Jackson die Reichweite einer Station beim Eintritt von stür- 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 137 


mischem Wetter sehr stark ab und geht zum Teil bis auf den vierten 
Teil ihres normalen Wertes herab. Auch können nach Fleming ähn- 
liche Beobachtungen sehr häufig an der afrikanischen Küste beim Ein- 
setzen des Siroccos gemacht werden. 

Ausführlichere Angaben stammen von A. H. Taylor. Als Emp- 
fangsstation diente ihm die Station der Universität von Nord-Dakota. 
Er fand bei seinen Versuchen, daß in der Nacht vom 1. zum 
2. März Signale von der Station Colon, Panama besonders deutlich 
eintrafen. Die Wetterkarte zeigte am 1. März eine Wolkendecke längs 
der ganzen Atlantischen Küste. Auch am 4. und 13. März war es 
ähnlich. Am 17. März wurden zwischen 8 p. m. und 11 p. m. keine 
Signale gehört. Nach der Wetterkarte war am 17. März der ganze 
östliche Teil des Landes unbedeckt. Über die Verhältnisse am 18. März 
gibt er folgendes an: 

„Die Wetterkarte vom 18. März schien anzuzeigen, daß die Wolken 
ostwärts ziehen würden. Auf Grund dieser Annahme verbrachte der 
Verfasser den Abend des 19. März auf der Station, in der Erwartung, 
Zeichen von zahlreichen östlichen Stationen aufzufangen. Zu seinem 
größten Erstaunen waren keine zu hören. Als am nächsten Morgen 
die Wetterkarte ankam, zeigte es sich, daß die Wolken umgekehrt 
und durch das Tal des Mississippi gezogen waren und daß der Osten 
klar geblieben war. Dies scheint ein endgültiger Beweis dafür zu sein, 
daß Bewölkung und gute Übertragung direkt miteinander verbunden 
sind.“ 

Aus diesen Versuchen zieht Taylor den Schluß: Wenn wäh- 
rend des Tages über einer großen Fläche Bewölkung ge-- 
herrscht hat, dann folgt eine Nacht, in der besonders 
große Reichweiten zu beobachten sind. Es muß daher nach 
seiner Ansicht ein atmosphärischer Einfluß vorhanden sein, der ın 
den geringen Höhen,’ in denen Wolken vorkommen, vor sich geht. 


VII. Atmosphärische Störungen (Irrgänger). 


Neben den bisher erwähnten Versuchsergebnissen gibt es, wie 
eingangs erwähnt, auf dem Übergangsgebiet zwischen drahtloser Tele- 
graphie und Meteorologie nozh eine zweite Erscheinung, die in diesen 
Zusammenhang hineingehört: Man hört bei jeder drahtlosen Über- 
tragung im Empfangstelephon Geräusche, die auf atmosphärische 
Ursachen zurückzuführen sind und denen man den Namen atmo- 
sphärische Störungen oder Irrgänger gegeben hat. Sie machen sich 
in der Weise bemerkbar, daß zwischen den eigentlichen dralıtlos über- 


Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 10 


138 Paul Ludewig. 


mittelten Morsezeichen zum Teil scharfe Knacke, zum Teil brodelnde 
und zischende Geräusche auftreten, die die Verständigung wesentlich 
stören. 

Das Studium der atmosphärischen Störungen ist in den letzten 
Jahren von verschiedenen Seiten aufgenommen. K. E. F. Schmidt 
berichtet, daß die Störungen zwei Perioden am Tage besitzen. Er 
macht darauf aufmerksam, daß diese Perioden mit der Periode der 
Elektrizitätszerstreuungen einen Parallelismus aufweisen. 

Untersuchungen von Esau ergaben eine jährliche Periode mit 
je einem Maximum im Juni und August und einem Hauptminimum 
im Juli. Weiter fand Esau, daß die Störungen zunehmen 


mit wachsender Durchsichtigkeit der Luft 
mit abnehmender relativer Feuchtigkeit, 
mit wachsender Windgeschwindigkeit, 

mit Kumulus- und Gewitterbildung, 


und daß sie abnehmen 


mit zunehmender Bewölkung, 
mit wachsendem Dunstgehalt der Atmosphäre, 
mit Nebelbildung. 


Dieckmann folgert aus seinen Messungen, daß der Gang der 
Gesamttätigkeit des Antennenstromes mit dem Gang des Potential- 
gefälles im wesentlichen direkt parallel geht. 

Wichtig ist die Bemerkung von Eccles und Airey, daß bei ihren 
Messungen 80°/, aller Störungen gleichzeitig auf zwei 500 km von- 
einander entfernten Stationen auftraten, und daß 50°/, derselben an 
beiden Orten gleiche Intensität hatten. 

Mosler hat eingehende quantitative Untersuchungen hierüber auf 
die Dauer eines ganzen Jahres ausgedehnt, und zwar hat er vom August 
1911 bis zum Juli 1912 beobachtet. Benutzt wurde eine 18 m hohe, 
sechsdrähtige Schirmantenne, mit der ein aperiodischer Kreis mit 
Gleichrichterzelle gekoppelt war. An jedem Versuchstage wurde zu 
bestimmten Zeiten die Anzahl der Störungen pro Minute festgestellt. 
Es ergab sich für die Wintermonate eine geringe, für die Sommer- 
monate eine hohe Störungszahl, ferner ein tägliches Minimum in den 
frühen Morgenstunden. An außergewöhnlich warmen Tagen war die 
Zahl der Störungen sehr groß, und besonders dann, wenn Ge- 
witterwolken über die Antenne hinwegzogen. Es ließ sich fest- 
stellen, daß die Anzahl der Störungen sich im gleichen Verhältnis 
mit den Schwankungen des Luftpotentials änderte. Den Verlauf bei 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 139 


Annäherung eines Gewitters zeigt die Kurve Fig. 12, die in der Nacht 
vom 24. zum 25. Juli 1912 aufgenommen wurde. Man sieht bei dem 
Herannahen des Gewitters das ungewöhnlich starke Anwachsen der 
Störungszahl. Beim Abziehen des Gewitters nehmen die durch Blitze 
verursachten Zischgeräusche schnell ab. Am 29. März 1912 wurden 
Blitze eines in etwa 200 km Entfernung niedergehenden starken 
Gewitters nicht wahrgenommen. 

Mosler faßt seine Beobachtungen folgendermaßen zusammen: 
„Wie aus den angeführten Beobachtungen und aus den Abbildungen 
über den Störungsverlauf folgt, sind die atmosphärischen Störungen 
hauptsächlich auf örtliche Einflüsse zurückzuführen und entstehen 


12 2 4 6 8 10 12 2 4 6 8 
Mittag Mitternacht 


a Blaugraue Wolken über Luftdraht ziehend (Gewitterbildung). 
b Heraufziehendes Gewitter, in der Ferne Blitze. 

c Gewitterwolken über Station abziebend, keine Blitze. 

d Sternklar. e Wolkenlos. 


Fig. 12. 


überwiegend infolge Potentialschwankungen der Luftschichten, welche 
auf stoßweise Änderung der Ladungsverteilungen schließen lassen. 
Durch Ausgleichsvorgänge in der atmosphärischen Elektrizität werden 
wechselnde Ladungen der Antenne hervorgerufen und hierdurch Schwin- 
gungen derselben erzeugt, welche die Störungszeichen im Detektor 
bilden.“ — Ä 

Zu diesen Erscheinungen durch Ladung kommen noch Störungen 
durch elektromagnetische Wellen hinzu, die durch ferne Blitze her- 
vorgerufen werden. Es ließ sich feststellen, daß dieee Blitze ein 
markantes Zischen im Empfangstelephon entstehen lassen, welches 
gut von den teils knackenden, brodelnden, teils zusammenhängenden 
und wieder abgerissenen, durch atmosphärische Ladungen verursachten 
Geräusche zu unterscheiden ist. 

Da diese Versuche ergeben hatten, daß bei den Messungen die 
meteorologischen Verhältnisse eine große Rolle spielen, machten 
Wiegand und Lutze gleichzeitige Beobachtungen auf einer Ballon- 
und einer Landstation. Es liegen die Berichte von zwei Freiballon- 
fahrten vom 24. bis 25. September 1912 und vom 27. Oktober 
1912 vor. 

10* 


140 Paul Ludewig. 


Bei der Ballonstation wurde eine Empfangsantenne nach der von 
P. Ludewig vorgeschlagenen Form benutzt, und zwar wurden in 
Abständen von etwa 2 m drei Ringe aus 1 mm Gummiaderdraht 
um den Ballon geschlungen und ihr Verbindungsdraht in den Korb 
geführt. Der untere Antennenteil bestand aus einem nach unten 
hängenden Draht von 70 m. 

Als feste Landstation wurde die in Halle-Cröllwitz liegende Ver- 
suchsstation für drahtlose Telegraphie benutzt. Es diente hier als 
Antenne ein 18,5 m hoch und 22 m lang horizontal ausgespannter 
Kupferdraht mit der Erde als Gegengewicht. 

Auf beiden Stationen wurden die im Empfangstelephon gehörten 
Geräusche registriert und zwar in der Weise, daß die Geräusche 
ihrer Intensität nach in einer fünfteiligen Skala gewertet und die 
in je drei Minuten auftretende Anzahl von Störungen als Maß für 
die Disposition der Atmosphäre zu Störungserscheinungen angesehen 
wurde. Auf beiden Stationen waren die Detektoren direkt in die 
Antenne eingeschaltet. , 

Die erste Fahrt begann am 24. September abends 6 Uhr und 
führte von Halle bis in die Nähe von Diedenhofen, wo die. Landung 
am 25. September mittags erfolgte. Aus den Beobachtungen ergab 
sich, daß die im Ballon und den Landstationen gemessenen Störungen 
im großen und ganzen parallelen Verlauf nehmen, daß auch hier die 
früher beobachtete Periode auftritt, daß aber, im einzelnen betrachtet, 
die Zahl der Störungen auf den beiden Stationen wesentlich verschieden 
ist. Auch die meteorologischen Verhältnisse auf den beiden Stationen 
waren wesentlich verschieden, z. B. gingen gegen Schluß der 
Beobachtungen über die Hallenser Station starke Regengüsse nieder, 
während der Ballon über einer Gegend schwebte, die nur von einer 
dünnen, unterbrochenen Strato-Kumulusdecke überzogen war. 

Die zweite Fahrt fand am 27. Oktober morgens um 7 Uhr von 
Halle aus statt und führte bis nach Mecklenburg. An diesem Tage 
kam Mitteldeutschland in den Bereich eines von Westen heranziehenden 
Tiefdruckgebietes, das die Fahrt wesentlich beeinflußte. Es zeigte sich 
bei dieser Fahrt in der zeitlichen Änderung der Störungszahlen kein 
Parallelismus in den Beobachtungen im Ballen und auf dem Lande. 

Speziell die Beobachtungen in Halle scheinen durch starke lokale 
Einflüsse, wie Landregen usw., wesentlich modifiziert worden zu sein. 
Bei der Ballonstation andererseits scheinen Schichtungen in der Atmo- 
sphäre wesentlichen Einfluß gehabt zu haben. Inmitten einer Wolken- 
schicht erreichten die Störungszahlen z. B. ein Maximum und nahezu 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 141 


proportional dem Abfall der Temperatur und Feuchtigkeit gingen sie 
beim Heraustreten des Ballons aus den Wolken zurück. 
Die Verfasser folgern aus ihren Versuchen: 


„Durch gleichzeitige Beobachtungen in Freiballon und Land- 
station wird eine Übereinstimmung des täglichen Ganges der elek- 
trischen Empfangsstörungen an beiden Orten, wie er sich in der 
doppelten Periode ausprägt, festgestellt. Diese steht im engsten Zu- 
sammenhang mit dem Stand der Sonne. 


Die einzelnen Störungsgeräusche werden bei größeren Entfernungen 
zwischen beiden Stationen nicht zeitlich übereinstimmend gefunden. 


Verschiedenheiten in den Störungszahlen auf den beiden Beob- 
achtungsstationen lassen sich auf lokale meteorologische Einflüsse 
zurückführen. 


Die Häufigkeit der Störungen ändert sich mit dem Wechsel der 
vom Ballon durchfahrenen Luftschicht. 


Eine derartige Übereinstimmung des Ganges der luftelektrischen 
Empfangsstörungen mit den gleichzeitigen Änderungen der nach der 
Zerstreuungsmethode gemessenen luftelektrischen Leitfähigkeit der 
Kondensationskernzahl läßt sich aus den Beobachtungen nicht ent- 
nehmen.“ 


Weiter sind die Störungen von Eccles untersucht worden. Er fand, 
daß ihre Zahl und Intensität in ähnlicher Weise während der Zeit des 
Sonnenaufgangs bzw. -untergangs schwankt, wie es von den drahtlos 
übermittelten Zeichen berichtet worden ist. Eccles berichtet darüber 
folgendes: ‚Wenn man etwa eine Viertelstunde vor Sonnenuntergang 
an einem günstigen Nachmittage im Spätherbst oder Winter zu horchen 
beginnt, so sind die im Telephon gehörten Störungen wenig zahlreich und 

«schwach, wie sie den ganzen Tag über gewesen sind; 5 Minuten nach 
Sonnenuntergang tritt dann eine Veränderung ein: die Störungen 
werden erheblich seltener und schwächer, bis 10 Minuten nach Sonnen- 
untergang eine plötzliche deutliche Beruhigung einsetzt und etwa 
1 Minute anhält. In dieser Periode herrscht häufig vollständige, ein- 
drucksvolle Stille. Dann fangen die Störungen an wiederzukommen; 
sie nehmen rasch an Zahl und Stärke zu und gehen im Verlaufe weniger 
Minuten in den stetigen Strom starker Störungen über, wie er der 
Nacht eigentümlich ist.“ 

Ferner findet Eccles, daß während der erwähnten Sonnen- 
finsternis die Stärke der Störungen in ähnlicher Weise schwankte wie 
die Stärke der von Clifden ankommenden elektrischen Wellen. 


142 Paul Ludewig. 


Nach den erwähnten Untersuchungen haben die Irrgänger zwei 
voneinander sehr verschiedene Ursachen. Sie werden entweder durch 
ferne Blitzschläge hervorgerufen und unterliegen dann auch all den 
Änderungen, die bei gewöhnlicher, drahtloser Übertragung eintreten, 
sind also in der Nacht lauter als am Tage und zeigen in ihrer Stärke 
auch in der Dämmerung die typischen Schwankungen. Sie sind 
naturgemäß besonders zahlreich, wenn auf Grund der Hoch- und Tief- 
druckverteilung Gewittertendenz vorhanden ist. Ein Teil dieser 
Gruppe der Irrgänger wird wahrscheinlich durch Gewitter hervor- 
gerufen werden, die in den Tropen in der Entladung begriffen sind. 

Die zweite Gruppe der Irrgänger läßt sich auf Schwankungen 
des Potentialgefälles in unmittelbarer Nähe der Empfangsstation 
zurückführen. Durch gleichzeitige Registrierung des Potentialgefälles 
und der Irrgänger ist dieses einwandfrei nachgewiesen worden. 


i | | | | | 
10 12 2v. 4 G 8 10 12 

Ncht. Mttg. 
Fig. 13. 


Es ist nicht leicht, die Stärke, die Eigenart und die Zahl der Irr- 
gänger durch quantitative Messungen zu bestimmen. Fig. 13 zeigt 
eine Registrierung des Antennenstromes mit Hilfe eines registrierenden 
Galvanometers, die von M. Dieckmann aufgenommen worden ist. 
Dazu gehört aber eine ziemlich komplizierte Apparatur, die nur in 
wenigen, gut eingerichteten Laboratorien vorhanden ist. Diese Methode” 
kommt also nicht dort in Betracht, wo etwa eine sehr große Anzahl 
von Beobachtungsstationen gleichzeitige Messungen ausführen snll. 

Die Stärke der Störungen könnte man unter Berücksichtigung der 
in Kapitel II gemachten Einschränkungen nach der Parallelohmmethode 
bestimmen. Allerdings sind die einzelnen Geräusche so sehr in ihrer 
Stärke verschieden, daß man auch damit nicht viel erreichen wird. 
Man kann höchstens für die stärksten Signale angeben, bei welchem 
Parallelwiderstand sie zum Verschwinden gebracht werden. 

Die Kommission für Radiotelegraphie der British Asso- 
ciation, deren Tätigkeit wir unten zu erwähnen haben, hat folgende 
Methode vorgeschlagen: 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 148 


„Eine auf Papier gezogene Linie wird so eingeteilt, daß sie die 
Zeit darstellt — z. B. 10, 20, 30... Sekunden; in die Nähe der ge- 
teilten Linie legt man eine Taschenuhr mit einem Sekundenzeiger, 
und der Beobachter, der die Telephone trägt und auf die Uhr sieht, 
bewegt seinen Schreibstift so auf der geteilten Linie entlang, daß die 
Spitze des Stiftes in dem Augenblick durch den Teilstrich 10 oder 
20 oder 30 hindurchgeht, wo der Sekundenzeiger auf seinem Ziffer- 
blatt durch dieselbe Zahl hindurchgeht. So oft der Beobachter eine 
Störung hört, zeichnet er über der Linie eine Marke ein, welche die 
‚Störung darstellt, und verzeichnet somit den Augenblick ihres Ein- 
treffens. Ein Knacken wird durch einen Auf- und Niederstrich dar- 
gestellt, der nahezu senkrecht zur Linie steht; ein Knarren durch eine 
unregelmäßige Marke oberhalb der Linie, und zwar so, daß sie von der 
Linie ausgeht und auf ihr endet und eine Fläche einschließt. Ein 
Summen oder Pfeifen kann durch eine niedrige, gewellte Marke dicht 
über der geteilten Linie markiert werden. Eine sehr starke Störung 
mag etwa einen halben Zoll (etwa 12,5 mm) hoch versinnbildlicht 
werden und eine sehr schwache etwa !/,, Zoll (etwa 1,5 mm) oder 
weniger, usf.“ 


VIII. Die Erklärungen für den Unterschied bei Tag und Nacht. 


Für den in Abschnitt IV beschriebenen Unterschied in der Emp- 
fangsstärke bei Tag und Nacht sind von vielen Seiten Erklärungen 
versucht worden. 

Während Marconi nach den Ergebnissen seiner ersten Versuche 
annahm, daß die Einwirkung der Sonnenstrahlen durch das Auf- 
treten eines photoelektrischen Effektes an der Sendeantenne selbst 
zu erklären sei, der die Aufladung der Antenne zum Teil unmöglich 
mache, hat sich in der Folgezeit ergeben, daß diese Annahme un- 
richtig ist; die Einwirkung der Sonnenstrahlen auf die elektromagne- 
tischen Wellen geht vielmehr in dem Raum, der zwischen den Sta- 
tionen liegt, vor sich. 

Dabei sind noch zwei grundverschiedene Auffassungen möglich. 
Entweder man nimmt an, der Empfang am Tage ist normal und die 
großen Reichweiten in der Nacht werden durch besondere Erschei- 
nungen wie Reflexionen u. dgl. hervorgerufen, oder man betrachtet 
die Empfangsintensität in der Nacht als normal und denkt sich die 
geringeren Empfangsintensitäten am Tage dadurch hervorgerufen, 
` daß unter dem Einfluß der Sonne Absorptionserscheinungen auf- 
treten. 


144 Paul Ludewig. 


Die zweite Auffassung haben anfänglich Kiebitz und Fleming 
vertreten. 

Kiebitz schreibt: ‚Die Dichte und damit auch der Brechungs- 
exponent für elektrische Wellen nimmt mit der Höhe über dem Erdboden 
ab. Infolgedessen ist die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Wellen in 
hohen Schichten etwas größer als in tiefen, und ein geradlinig polari- 
sierter Wellenzug, der parallel zur Erdoberfläche fortschreitet, muß 
nach der Erde hin gebrochen werden.“ 

Eine Durchrechnung dieser Verhältnisse liefert ihm folgendes 
Ergebnis: ‚Die Dichte der Atmosphäre müßte sich also für 1 km 
Entfernung über dem Erdboden im Verhältnis 29 : 13 verringern, wenn 
sie eine so starke Brechung der elektrischen Wellen verursachen sollte, 
daß sie unabhängig von den Eigenschaften der Erdoberfläche der 
Erdkrümmung folgen können. In Wirklichkeit nimmt die Dichte in 
diesem Bereich nur im Verhältnis 76 : 67 oder 29:26 ab. Die Prismen- 
wirkung der Atmosphäre kann also die Strahlung nicht hindern, in 
hohe Schichten zu gelangen; immerhin ist sie stark genug, um das 
Telegraphieren über Entfernungen, bei denen die Erdkrümmung eine 
Rolle spielt, erheblich zu begünstigen. 

Ist ferner die Atmosphäre nicht homogen geschichtet, sondern 
findet infolge von Sonnenstrahlung usw. ungleichmäßige Erwärmung 
‘statt, so können Brechungserscheinungen auftreten, die analog wirken, 
wie die Schlieren bei den optischen Wellen. Derartige Schlieren- 
bildungen großen Maßstabes im Strahlengange (Böen, Niederschläge) 
= werden daher die Reichweiten herabsetzen; da sie bei Sonnenlicht 
und über Land naturgemäß am stärksten auftreten müssen, so er- 
klärt sich die bekannte Tatsache, daß am Tage geringere Entfernungen 
überbrückt werden als b>i Nacht, und über Land geringere als über 
Wasser.“ 

Eine etwas andere Auffassung hat Fleming; aber auch bei ihm 
sind die Nachtresultate die normalen, die am Tage durch die Sonne 
beeinflußt werden. Von der Sonne werden am Tage die oberen 
Schichten der Atmosphäre ionisiert, und an den gebildeten Ionen 
kondensieren sich Wassertropfen. Die Gesamtheit der so in 
großer Höhe gebildeten Wassertropfen bildet dann eine Schicht, die 
eine größere Dielektrizitätskonstante besitzt als die unteren, nicht 
ionisierten Schichten. Eine elektrische Welle wird sich daher in den 
oberen Schichten langsamer fortpflanzen. Das hat zur Folge, daß 
die Welle von unten unter flachem Winkel die oberen Schichten er- 
reichend, in ıhrer Richtung nach aufwärts gebogen wird. Da infolge 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 145 


der Erdkrümmung die Wellen unter der Annahme geradliniger Aus- 
breitung immer an diese obere Schicht gelangen werden, so wird bei 
größerer Entfernung ein großer Teil der Wellen nach oben weggebogen 
und gelangt nicht zur Empfangsstation. Die Fmpfangsenergie wird 
daher am Tage geringer sein als in der Nacht, wo eine Ionisation und 
darauffolgende Wassertröpfchenbildung in den oberen Schichten nicht 
vorhanden ist. 

Diese beiden Auffassungen sind entstanden, ehe die Versuche 
von Reich und Austin erwiesen haben, daß die Tagesergebnisse 
innerhalb der zu erwartenden Genauigkeit mit den theoretisch er- 
rechneten übereinstimmen. Danach ist es bewiesen, daß der Verkehr 
am Tage der normale ist und daß die großen Empfangsintensitäten in 
der Nacht durch Störungen verursacht werden. 


Sehr anschaulich vertritt Barkhausen diesen Standpunkt. Er 
gibt zwar keine Erklärung, worauf im Grunde der Unterschied in den 
Tag- und Nachtresultaten zurückzuführen ist und hält dies für eine 
Spezialaufgabe der meteorologischen Forschung; er nimmt 
aber an, daß aus irgendwelchen Ursachen in der Nacht eine Reflexion 
an Schichten, die in großer Höhe liegen, eintritt und daß außer dem 
direkten, durch Beugung zur Empfangsstation gelangenden Strahl 
nachts ein zweiter an diesen oberen Schichten reflektiert wird. 

Barkhausen schreibt darüber folgendes: ‚Man muß nach 
den Versuchen annehmen, daß die schwachen Tageswerte der nor- 
malen Ausbreitung der elektromagnetischen Wellen entsprechen, die 
meist stärkeren, unregelmäßigen Nachtwerte dagegen durch eine außer- 
gewöhnliche Ausbreitung hervorgerufen werden. Man kann sich diese 
etwa durch eine Spiegelung (Fig. 14) in der Atmosphäre hervor- 


146 | Paul Ludewig. 


gerufen denken, wie sie ja auch beim Licht als Fata Morgana be- 
kannt ist. Die Empfangsantenne wird dann von dem direkten durch 
keine Beugung oder Erdabsorption geschwächten Wellenzug getroffen, 
der bei großen Entfernungen viel stärker ist als der durch die reguläre 
Beugung bedingte. Ist z. B. der Beugungsfaktor B = 0,01 und gehen 
bei der Spiegelung selbst 90°/, verloren, so hätte doch der gespiegelte 
Strahl noch die zehnfache Intensität von der des gebeugten. Diese 
Anschauung, daß die schwachen Tageswerte einer regulären, die Nacht- 
werte einer irregulären Ausbreitung entsprechen, erklärt ohne weiteres 
die wesentlich größeren Intensitätsschwankungen des Nachts, indem 
eine durch Unregelmäßigkeiten in der Atmosphäre bedingte Spiege- 
lung leichter Störungen ausgesetzt sein muß als die stets eintretende 
Beugung. Auch die Beobachtung, daß nur am Tage die langen Wellen 
den ‘kurzen in der Reichweite so überlegen sind, wird dadurch leicht 
verständlich; denn bei der Beugung sind lange Wellen sehr im Vorteil, 
während man sich bei der Spiegelung eher einen Vorteil von den kurzen 
Wellen versprechen kann. Warum diese rätselhafte Spiegelung, oder 
wie man es sonst nennen will, die seit langem von allen Beobachtern 
festgestellt ist, gerade nachts ziemlich unregelmäßig eintritt, tags 
aber nicht, ist eine von den vielen Fragen, auf die sich zurzeit noch 
keine exakte Antwort geben läßt.“ 

Einen Schritt weiter führen die Erklärungsversuche!) von Eccles, 
Erskine-Murray und Kenelly. Eccles gelangte zu folgender 
Theorie: Nach Heaviside ist in großer Höhe in der Atmosphäre eine 
dauernd ionisierte Schicht von großer elektrischer Leitfähigkeit am 
Tage und in der Nacht in gleicher Weise vorhanden. Die darunter- 
liegenden Schichten sind nicht dauernd ionisiert, sondern werden es, 
wenigstens in den höher gelegenen Teilen, erst bei Sonnenbestrahlung. 
Da aber in ionisierter Luft die Fortpflanzungsgeschwindigkeit elek- 
trischer Wellen größer ist als in nichtionisierter, so wird mit zunehmender 
Höhe über dem Erdboden die Geschwindigkeit der Wellen zunehmen. 
Infolgedessen wird eine Wellenfront sich bei ihrem Fortschreiten nach 
vorn überneigen und sich mehr oder weniger als die Erdoberfläche 
krümmen. 

Der Unterschied zwischen den Tag- und Nachtbeobachtungen ist 
daraus zu erklären, daß bei Nacht die dauernd ionisierte Heaviside- 
Schicht wie eine reflektierende Oberfläche wirkt und daß am Tage 
die reflektierende Wirkung der oberen Schicht infolge der durch die 


1) Siehe auch die Ausführungen von Zenneck in seinem Lehrbuch 
der drahtlosen Telegraphie. 2. Aufl. 1913. S. 315f. 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 147 


Sonnenstrahlung erzeugten Zwischenschicht, die nach der obigen Be- 
trachtung die Wellen nicht bis zur Heaviside-Schicht gelangen läßt, 
unmöglich gemacht wird. Durch die reflektierende Wirkung der 
Heaviside-Schicht würden damit in der Nacht bei geeigneter Ent- 
fernung und Wellenlänge die außergewöhnlichen Reichweiten erzielt. 

Diese Hypothese viele Beobachtungsergebnisse; so z. B. die 
Tatsache, daß man bei Nacht über bergiges Terrain leichter 
telegraphiert als am Tage. ‚Wir haben nur nötig, anzunehmen, daß 
bei Nacht die Heaviside-Schicht Wellen aller Frequenzen gleich 
gut reflektiert, daß der Himmel in elektrischem Sinne durch die 
Strahlung seitens der Sendestation aufgehellt wird und Strahlen in 
die jenseits der Berge liegenden Täler sendet, wobei die Wirksamkeit 
der Signalgebung größer ist, wenn die Stationen nicht zu dicht unter 
den Hügeln liegen. Bei Tage verschleiert die ionisierende Mittel- 
schicht der Atmosphäre die reflektierende Schicht und bricht die 
Wellen in gewissem Grade über die Berge hinweg.“ 

Das Bestehen einer reflektierenden Schicht in größter Höhe scheint 
danach in allereinfachster Weise die Unterschiede im Empfang zwischen 
Tag und Nacht zu erklären. Auch von Erskine-Murray wird dieser 
Standpunkt vertreten. Seine Schlußfolgerung ist etwa die folgende: 
Die elektrischen Wellen müssen ein isolierendes Medium haben, wenn 
sie sich fortpflanzen sollen. Innerhalb eines Leiters ist eine draht- 
lose Telegraphie unmöglich. An der Grenzfläche eines Leiters und 
eines Isolators werden die elektrischen Wellen der Oberfläche des 
Leiters folgen. Das ist der Fall an der Grenzfläche zwischen Erdboden 
und Luft. In großer Höhe ist infolge der großen Luftverdünnung 
und der dauernden Ionisation eine zweite leitende Schicht vorhanden, 
und die Wellen laufen nun in der Nacht zwischen diesen beiden leitenden 
Schichten und werden zum Teil an der oberen Schicht reflektiert. Am 
Tage treten dagegen neue Versuchsbedingungen durch die Wirkungen 
der Sonnenstrahlen auf. ‚Es scheint daher, daß in der Nacht die 
untere Fläche der (oberen) leitenden Schicht scharf begrenzt ist und 
daher als guter Reflektor wirkt, während am Tage der Übergang von 
der oberen, leitenden zur unteren, nichtleitenden Schicht nicht scharf 
ist und die Grenzfläche einen verschwommenen Charakter bekommt und 
keine vollkommene Reflexion mehr herbeiführen kann.“ Diese An- 
schauung, die ein wenig von der Theorie von Eccles abweicht, stützt 
sich auch auf Ausführungen von Kenelly, die im wesentlichen in den 
folgenden Sätzen enthalten sind: „Es ist von Dr. J. J. Thomson ge- 
zeigt, daß verdünnte Luft im Laboratorium bei einem Druck von 0,01 mm 


148 Paul Ludewig. 


Quecksilbersäule in einem Glasgefäß mit metallischen Elektroden 
den elektrischen Strom ebensogut leitet wie verdünnte Schwefelsäure. 
Man kann erwarten, daß in einer Höhe von 70 km über dem Meeres- 
spiegel und bei der gleichmäßigen Temperatur von — 60° C die Luft 
eine solche Dichte besitzt. Wenn diese verdünnte Luft die Elektrizität 
bei den geringen elektrischen Intensitäten der drahtlosen Telegraphie 
ebensogut leitet, wie sie es in Vakuumgefäßen bei den im Laboratorium 
verwendeten großen Intensitäten tut: dann sollten wir erwarten, daß, 
ob die Sonne scheint oder nicht, in dieser Luft eine Leitfähigkeit von 
derselben Größe vorhanden ist wie im Ozeanwasser. Wenn solch eine 
leitende Schicht plötzlich in einer bestimmten Höhe beginnt, so daß 
eine exakt definierte Oberfläche die leitende von der nichtleitenden 
Luft trennt, dann sollten wir erwarten, daß diese Oberfläche dieselbe 
Wirkung wie eine umgekehrte Meeresoberfläche haben müßte. Elektro- 
magnetische Wellen würden, wenn sie diese Oberfläche von unten 
her erreichen, nicht wesentlich in sie eindringen, sondern würden längs 
entlang gleiten, geradeso wie sie längs des Salzwassermeeres unten 
entlang gleiten, und die Wellen würden sich über die Oberfläche der 
Erde nur in zwei Dimensionen ausbreiten. — Dieses würde in hohem 
Maße der Verminderung der Amplitude entgegenarbeiten, die bei der 
dreidimensionalen Ausbreitung natürlich wäre, und die Stärke der 
Signale bei großen Entfernungen vergrößern. Man hat angenommen, 
daß einige der ungewöhnlich großen Entfernungen, die gelegentlich 
in der Nacht erreicht wurden, ıhren Grund in einer solchen reflek- 
tierenden Schicht haben. Wenn andererseits die leitende Schicht nicht 
scharf begrenzt ist und die Leitfähigkeit langsam zu einem Maximum 
wächst, wenn man von unten nach oben geht, so kann man eine Zer- 
streuung und nur wenig oder keine Reflexion erwarten, so daß Signale 
bei großen Entfernungen geschwächt, anstatt wie bei Anwesenheit 
der leitenden Schicht verstärkt werden.“ 


IX. Die Erklärungen für die Dämmerungsschwankungen. 


Die in Abschnitt V erwähnten Schwankungen der Empfangs- 
intensität in der Dämmerung müssen sich auf Grund der in Ab- 
schnitt VIII enthaltenen Theorien gleichfalls erklären lassen; denn 
daß sie mit dem Aufgang und Untergang der Sonne zusammenhängen, 
geht daraus hervor, daß die Schwankungen genau in der Zeit zwischen 
dem Sonnenaufgang (Sonnenuntergang) auf der einen und dem Sonnen- 
aufgang (Sonnenuntergang) auf der anderen Station zu beobachten 
sind. Sie müssen daher auch mit den Erscheinungen in engstem Zu- 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 149 


sammenhang stehen, für die im vorigen Kapitel Erklärungen gegeben 
worden sind. 

Eccles nimmt an, daß bei Sonnenuntergang oder -aufgang durch 
Wiedervereinigung oder Bildung von Ionen starke Störungen in der 
Atmosphäre auftreten, die zum Teil Flecken oder Bänke ionisierter 
Luft und damit unregelmäßige Zerstreuung infolge Brechung usw. 
entstehen lassen. Die von Marconi erhaltenen Kurven (siehe Fig. 3) 
erklärt Eccles folgendermaßen: 

„Erstens biegt während des Tages die Brechung in der ionisierten 
Mittelschicht der Atmosphäre einige der von Cape Breton kommenden 
Strahlen direkt nach Clifden, vielleicht unter Absorption; zweitens 
wird nach Sonnenuntergang in Clifden, aber vor Sonnenuntergang 
in Cape Breton die von letzterem Punkte ausgehende Strahlung längs 
einer gekrümmten Bahn in dem Teile der mittleren Atmosphäre ge- 
brochen, der noch beleuchtet ist, sie durchdringt dann den Dämme- 
rungsgürtel und wird weiterhin auf ihrem Wege um die Erdkrümmung 
durch die Heaviside-Schicht unterstützt; drittens bezeichnet die 
Dämmerung, während sie nach Westen fortschreitet, die Vernichtung 
einer brechenden Struktur, in welcher die Fortpflanzung eine gute 
ist, und die Struktur, in welcher die Fortpflanzung gleichfalls besser 
ist als in dem Gürtel selbst. Es wird daher eine Lage des Gürtels geben, 
die ein Minimum der Signalstärke bewirken wird, und diese wird tat- 
sächlich erreicht, wenn der Gürtel nicht sehr weit unterhalb des Hori- 
zontes der Empfangsstation liegt: Viertens und letztens scheint es, 
daß der Dämmerungsgürtel, wenn er über oder hinter der Sende- 
station durchgegangen ist, die Signale in willkürlicher, unregelmäßiger 
Weise durch einen Reflexionsvorgang oder, weniger wahrscheinlich, 
durch irgendeine linsenartige Wirkung verstärken kann.“ 

Ferner schreibt er: „Zunächst liegt es auf der Hand, daß, wenn 
wir die Flächen gleicher Ionisierung in einer ruhigen Atmosphäre 
rings um den Erdball zeichnen, diese Flächen an solchen Orten 
der Erde am nächsten sein werden, für welche die Sonne ım Me- 
ridian steht, und daß sie an solchen Orten, an denen die Sonne 
gerade auf- oder untergeht, einigermaßen steil von der Erde fort an- 
steigen werden. Die Gebiete, in denen der Übergang vom Tages- 
niveau zum Nachtniveau erfolgt, bilden ein großes, kreisförmiges Band 
rings um den Erdball, das gegen die Meridiane um einen von der 
Jahreszeit abhängigen Winkel geneigt ist. Dieses Gebiet der Atmo- 
sphäre wird sich, da es sich beständig mit der Sonne bewegt, in einem 
Zustande starker elektrischer Störung befinden. Eine Bildung von 


150 Paul Ludewig. 


Ionen geht in der einen Hälfte des großen Kreises wirksam vor sich 
und eine Wiedervereinigung in der anderen Hälfte, und diese Vor- 
gänge erfolgen zweifellos, selbst in einer ruhigen Atmosphäre, einiger- 
maßen unregelmäßig mit dem Ergebnis, daß Flecken und Bänke 
ionisierter Luft analog den Nebelbänken, denen man auf See begegnet, 
vorübergehend dieses Band in der mittleren Atmosphäre bilden werden. 
Die Wirkung solcher Flecken verschieden stark ionisierter Luft auf 
elektrische Wellen, die sich durch das Gebiet fortpflanzen, ist, an- 
gesichts des zwischen der Geschwindigkeit der Wellen und der Konzen- 
tration der Ionen bestehenden Zusammenhanges, eine erschwerende. 


Die Zerstreuung durch wiederholte Brechung wird dahin wirken, das 
Gebiet für Wellen, durch deren Richtung es hindurchführt, undurch- 
dringlich zu machen. Wir dürfen daher erwarten, daß die Regel- 
mäßigkeit der Fortpflanzung durch die stetig ionisierten horizontalen 
Schichten, die bei Tage herrscht, durch die Übergangsbänke und 
-flecken, die bei Dämmerung auftreten, stark gestört werden wird, 
und daß als letzte Folge hiervon die in den Empfangsapparaten ge- 
hörten Töne sehr geschwächt werden.“ 

Ausführlich geht auch Kenelly auf die Dämmerungsschwan- 
kungen ein. Er nimmt an, daß die in der Nacht unbeschienene Luft, 
sobald sie am Morgen von den Sonnenstrahlen getroffen wird, sich 
sofort ionisiert und daß daher an der Grenzfläche zwischen in Nacht 
getauchter und unbeschienener Luft eine scharfe Trennung von nicht- 
leitender und leitender Luft vorhanden ist. Diese Grenzschicht muß 
in hohem Maße reflektierende Eigenschaften besitzen. Denkt man sich 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 151 


einen Schnitt durch den Äquator der Erde gelegt, und zwar so, daß 
der Südpol nach vorn zu liegt (siehe Fig. 15), so kann man sich nach 
Kenelly die Schwankungen folgendermaßen erklären: 


„l. Wenn beide Stationen ganz im Schatten sind, wie 20, 20’; 
21, 21’; 22, 22’; 23, 23°; 0,0; 1, l’; 2, 2°; 3, 3’; 4, 4’; so werden 
bei Abwesenheit von Gewittern und meteorologischen Störungen die 
ausgetauschten Signale normal empfangen werden. 

2. Wenn kurz vor der Morgendämmerung auf der östlichen Station 
der Schattenwall hinter diese Station kommt, so wird er für diese 
Station wie ein teilweiser Reflektor wirken und die Zeichen verstärken. 

3. Wenn der Schattenwall bis zu einem Punkt zwischen den 
beiden Stationen vordringt, wie bei 6 und 6’, so wird er wie ein teil- 
weises Hindernis wirken und die Zeichen schwächen. 

4. Wenn der Wall einen Punkt erreicht, der etwas hinter der 
westlichen Station liegt, wie bei 7, 7’, so wird er wie ein zeitweiliger 
Reflektor für die letztere wirken und zeitweilig die Signale verstärken. 

5. Wenn beide Stationen im vollen Sonnenlichte sind, so sind 
ihre Zeichen der Tageslichtverminderung unterworfen, wie sie durch 
diffuse Leitung in höheren Luftschichten herbeigeführt wird. 

6. Wenn der Sonnenuntergangswall hinter die östliche Station 
gelangt, wie bei 17, 17’, so wird er für die letztere wie ein zeitweiliger 
Reflektor wirken und die Signale verstärken. 

7. Wenn der Sonnenuntergangswall bis zwischen die Stationen 
kommt, so wird er wie ein Hindernis wirken, die Wellen zurückwerfen 
und die Zeichen merkbar schwächen. : 

8. Wenn der Sonnenuntergangswall hinter die westliche Station 
kommt, so wird wieder ein zeitweises Stärkerwerden der Signale durch 
Reflexion eintreten. Danach greifen wieder die Bedingungen Platz, 
wie sie bei dauerndem Schatten oder in der Nacht herrschen.“ 


X. Die bei der Sonnenfinsternis vom 21. August 1914 
beabsichtigten Versuche. 

Zur Untersuchung aller hier beschriebenen Erscheinungen hatten 
sich im Anfang des Jahres 1914 zwei Kommissionen gebildet, die 
sich die Aufgabe stellten, die Erforschung in größtem Maßstabe 
durchzuführen. Das konnte natürlich nicht wie bisher dadurch ge- 
'schehen, daß einzelne Forscher zwischen einzelnen Stationen Ver- 
suche machten. Die Bewältigung des Problems war nicht mehr im 
einzelnen drahtlos-elektrischen Laboratorium zu erreichen; es war ein 
selbständiges und wichtiges Kapitel der Geophysik und der Meteoro- 


152 Paul Ludewig. 


logie geworden. Und wie man in der Meteorologie keine nennens- 
werten Ergebnisse finden wird, wenn man nur auf einer einzigen 
Station das Wetter beobachtet, wie vielmehr nur dann ein Erfolg 
erzielt werden kann, wenn auf einer großen Anzahl von über ein 
großes Gebiet verteilten Stationen zu gleicher Zeit Beobachtungen 
gemacht werden, so mußten sich auch zur weiteren Durchforschung 
des hier behandelten Problems viele Forscher zusammentun und 
nach einem einheitlichen Schema und einheitlichen Ge- 
sichtspunkten arbeiten. 


Fig. 16. 


Die beiden erwähnten Kommissionen, deren Veröffentlichungen in 
diesem Jahrbuch ausführlich mitgeteilt worden sind, waren: 


1. La Commission Internationale de Telegraphie Sans Fil Scien- 

tifique. | 

2. Ein Sonderausschuß der British Association. 

Während sich der englische Ausschuß in erster Linie das Studium 
der Irrgänger zum Ziele setzte, legte die Internationale Kommission 
besonderen Wert auf die Erforschung der Unregelmäßigkeiten beim 
praktischen drahtlosen Verkehr und hatte bereits im Jahre 1913 und 
1914 Untersuchungen über die Konstanzhaltung der Energie der als 
Sendestation ausersehenen Brüsseler Station begonnen. 


Beide Ausschüsse beabsichtigten, die Sonnenfinsternis zu einem 
ersten Versuch größten Maßstabes zu benutzen und hatten Aufrufe 
erlassen, in denen ein ausführliches Programm aufgestellt war. So 
hatte die Internationale Kommission sich die Mitwirkung einer An- 
zahl von Sendestationen gesichert, die (siehe Fig. 16) zum Teil im 
Kernschatten, zum Teil auf beiden Seiten des Kernschattens gelegen 
waren, und zwar wollten sich die Stationen 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 153 


I. Petersburg 5000 m 
II. Bobruisk 2500 m 
III. Nauen 9400 m 
IV. Norddeich 1650 m 
V. Paris 2200 m 


mit den angegebenen Wellenlängen beteiligen. Als Empfangsmethode 
wurde der Kontaktdetektor in Verbindung mit einem Spiegelgalvano- 
meter kurzer Schwingungsdauer empfohlen. 

Die Ergebnisse der Beobachtungen sollten in jedem Lande ge- 
sammelt und dann von einer internationalen Kommission bearbeitet 
werden. Im Laufe des Juli 1914 wurden bereits umfangreiche Vor- 
versuche gemacht, so daß die beteiligten Empfangsstationen Erfah- 
rungen in den Messungen sammeln konnten. 

Der Beginn des Krieges machte jedoch diesen großzügig an- 
gelegten Versuchen ein schnelles Ende. 


XI. Literaturzusammenstellung.!) F 


Klages, A. und Demmler, 0., Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 
8, 212, 1914. Lautstärkemessungen nach der Parallelohmmethode und 
ihre quantitative Brauchbarkeit. 

Marchand, E. W., The yearbook of wireless telegraphy and telephony 514, 
1914. The measurement of the strength of wireless signals. 

Dieckmann, M. und Eppen, F., Ztschr. f. Flugtechnik u. Motoluftschiff- 
fahrt Heft 2, 1914. Substitutionsmethode für den quantitativen Emp- 
fang drahtlostelegraphischer Signale. 

Eccles, W. H., Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 8, 334, 1914. 

Edelmann, M., Mitteilung Nr. 6 aus dem Physikalisch-mechanischen Institut 
von Edelmann & Sohn, München. 

Wulf, Th., Physik. Ztschr. 15, 611, 1914. Über einige Anwendungen des 
Einfadenelektrometers in der drahtlosen Telegraphic. 

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durch elektrische Wellen übertragenen Energie. 

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Elektrot. Ztschr. 566, 1913. Über einige Versuche mit Radiotelegraphie 
auf große Entfernungen. 

— Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 8, 575, 1914. Quanti- 
tative Versuche bei radiotelegraphischer Übertragung. 

Lutze, G., Physik. Ztschr. 14, 288, 1913. Funkentelegraphische Empfangs- 
versuche im Freiballon. 

— Verh. D. Phys. Ges. 15, 1107, 1914; Physik. Ztschr. 14, 1151, 1913; 
Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 8, 367, 1914. Die Aus- 


1) Die Arbeiten sind in der Reihenfolge angeführt, wie sie im Text 
erwähnt sind. 


Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 11 


154 Paul Ludewig. 


breitung der elektromagnetischen Wellen der drahtlosen Telegraphie 
längs der Erdoberfläche, nach Beobachtungen bei Freiballonfahrten. 

Marconi, G., Electrician 67, 532, 1911; Electrical World 59, 887, 1912; 
Elektrot. Ztschr. 322, 1912. _ 

Schwartzhaupt, P., Elektrot. Ztschr. 1313, 1911. Sonnenlicht, Gebirge 
und Wellentelegraphie. 

Mosler, H., Elektrot. Ztschr. Heft 44, 1912. Atmosphärische Störungen 
in der drahtlosen Telegraphie. 

— Elektrot. Ztschr. 996, 1913. Intensitätsmessungen radiotelegraphischer 
Zeichen zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten. 

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Dolbear, B. L. und Proctor, J. A., Electrical World. New York. 58, Nr. 6, 
5. Aug. 1911, p. 321. The Effect of Sunlight on the Transmission of 
Wireless Signals. 

Kiebitz, F., Physik. Ztschr. 18, 885, 1912; Jahrb. d. drahtl. Telegraphie 
u. Telephonie 6, 151, 1912. Funkentelegraphische Beobachtungen wäh- 
rend der Sonnenfinsternis am 17. April 1912. 

Fleming, J. A., The Electrician, 10. Mai 1912. Wirkung der Sonnenfinsternis 

auf radiotelegraphische Zeichen. 

Turpain, A., Compt. 154, 1457. 1912; La Nature Nr. 2036, 11, 1912; Jahrb. 
d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 6, 158, 1912. Einfluß der Sonnen- 
finsternis vom 17. April 1912 auf die Fortpflanzung elektrischer Wellen. 

Telefunkenzeitung Nr. 6, 89, 1912. Die Sonnenfinsternis am Mittwoch 
den 17. April 1912, 

Take, E. und Vos, M., Verh. D. Ges. Phys. 14, 837, 1912. Messung der 
während der Sonnenfinsternis am 17. April 1912 von Paris ausgesandten 
Hertzschen Wellen zu Marburg i. H. und zu Graz. 

Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 5, 532, 1911. Einwirkung des 
Polarlichtes "auf die drahtlose Übermittlung. 

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des Mondes auf die Funkentelegraphie. 

Jackson, Proc. Roy. Soc. London 70, 254, 1902. 

Taylor, A. H., Wireless World, Dez. 1913, p. 549. Wireless and Weather. 

Schmidt, K. E. F., Physik. Ztschr. 8, 133, 1907. Störungen in einem ge- 
erdeten Empfangssystem für drahtlose Telegraphie mit doppelter 
täglicher Periode. 

Esau, A., Physik. Ztschr. 12, 798, 1911. Über den Einfluß der Atmo- 
sphäre auf die Dämpfung funkentelegraphischer Sender und Empfänger. 

Mosler, H., Elektrot. Ztschr. Heft 44, 1912; Jahrb. d. drahtl. Telegraphie 
u. Telephonie 7, 215, 1913. Atmosphärische Störungen in der draht- 
losen Telegraphie. 

Esau, A., Physik. Ztschr. 721, 1912. Über den Einfluß der Atmosphäre 
auf funkentelegraphische Sender und Empfänger. 

Dieckmann, M., Luftfahrt und Wissenschaft, Heft 2. Berlin 1912. Springer. 
Experimentelle Untersuchungen aus dem Grenzgebiet zwischen draht- 
loser Telegraphie u. Luftelektrizität. I. | 

Eccles, W. H. und Airey, Proc. of the Roy. Soc. 85 (A), 145, 1911. 


Der Einfluß geophysikalischer und meteorologischer Faktoren usw. 155 


Mosler, H., Elektrot. Ztschr. Heft 44, 1912; Jahrb. d. drahtl. Telegraphie 
u. Telephonie 7, 215, 1913. Atmosphärische Störungen in der draht- 
losen Telegraphie. i 

Wigand, A., und Lutze, 6, Abhandl. d. Naturforsch. Ges. zu Halle a. S. 
Neue Folge, Nr. 2, 1913. Physikalische Untersuchungen im Frei- 
ballon. 

Eccles, W. H., Physik. Ztschr. 18, 1163, 1912; Jahrb. d. drahtl. Telegraphie 
u. Telephonie 7, 185, 1913. Über gewisse, die Fortpflanzung elek- 
trischer Wellen über die Oberfläche des Erdballs begleitende Erschei- 
nungen. 

Kiebitz, F., Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 7, 154, 1913. Über 
die Brechung elektrischer Wellen in der Atmosphäre. 

Fleming, J. A., Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 8, 339, 1914. 
Wissenschaftliche Begründung und ungelöste Probleme der draht- 
losen Telegraphie. (Vortrag, gehalten auf der Versammlung der British 
Association for the advancement of science zu Dundee, 4.—11. Sept. 
1912.) 

Barkhausen, H., Elektrot. Ztschr. Heft 6, 1914; Jahrb. d. drahtl. Tele- 
graphie u. Telephonie 8, 602, 1914. Die Ausbreitung der elektro- 
magnetischen Wellen in der drahtlosen Telegraphie. 

Eccles, W. H., Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 8, 253, 1914. 
Über die täglichen Veränderungen der in der Natur auftretenden 
elektrischen Wellen und über die Fortpflanzung elektrischer Wellen 
um die Krümmung der Erde. 

Erskine-Murray, J., Year-book of Wireless Telegraphy and Telephony, 504, 
1914. The Function of the Atmosphere in Transmission. 

Kenelly, A. E., Th> Proceedings of the Institute of Radio-Engineers 1, 
Part 3, Juli 1913. The Daylight Effect in Radiotelegraphy. 

Schmidt, K. und Wien, M., Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 
8, 420, 1914. Internationale Versuche über die Ausbreitung Hertz- 
scher elektrischer Wellen. 

British Association for the Advancement of Science. Committee for Radio- 
telegraphy Investigation. Aufruf zur Beteiligung an der Spezialunter- 
suchung über den Einfluß der totalen Sonnenfinsternis am 21. August 
1914 auf die Ausbreitung der elektrischen Wellen. 

Bulletin de la Commission Internationale de Telegraphie Sans Fil Scienti- 
fiqus T. S. F. S. Həft 1. Hay:z. Brüssel 1914. Auszug im Jahrb. 
d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 8, 551, 1914. 

Eccles, W. H., Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 8, 289, 1914. Die 
Tätigkeit der Kommission für Radiotelegraphie der British Association. 

Wien, M., Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie 8, 545, 1914; Physik. 
Ztschr. 15, 764, 1914. Programm der radiotelegraphischen Ausbreitungs- 
versuche der Sonnenfinsternis am 21. August 1914. 

Zur Sonnenfinsternis 21. August 1914. Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. 


Telephonie 8, 550, 1914. 
(Eingesandt 1. Janüar 1916.) 


Adresse des Autors: Dr. Paul Ludewig, Freiberg i. S., Albertstr. 22. 


11% 


156 Fritz Löwenstein. 


Der Mechanismus der Strahlung und Fortpflanzung bei 
der drahtlosen Übertragung. 


Von Fritz Löwenstein.!) 


Die durch Radiofrequenzströme (Hochfrequenzströme) zu über- 
mittelnde Energie ist auf der Senderstation abwechselnd in Gestalt 
elektrischer und magnetischer Energie vorhanden. Die elektrische 
Energie ist in jenem Teile des Feldes konzentriert, welcher den Sender- 
laftleiter unmittelbar umgibt. 

Von dem Luftleiter gehen ebenso viele Kraftlinien senkrecht nach 
oben aus wie nach unten, wie dies in Fig. 1 veranschaulicht wird. 


He ‘7 FT 
+ Bu“ Be N 
2 = ia \ U N 
/ j ra $ 5 Pi A AAS N 
/ f F + ’ ú p- r = $ j N 2 \ \ 
/ Z A ie \ A \ 
/ f N Ng \ \ 
/ / / Br A 2 / A \ \ N \ \ \ \ \ \ N 
/ / / / j / / / / // / | | \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ 
j | f Í / u E, J] | \ \ NE \ \ \ \ \ 
/ | pa y l | / / HI I\\\ \ \ \ Ya \ Ra. \ \ 
| | | | | | | | | | | || | || | | | \ | | \ | \ \ 
I. ERREALI LILA 1 Jen 


Fig. 1. 


Das ist deshalb der Fall, weil in einem elektrischen Felde, dessen 
beide Endflächen sehr verschieden an Größe sind, die elektrische Energie 
in der Nähe der kleineren Endfläche (im vorliegenden Falle des Luft- 
leiters) konzentriert ist, und die Verteilung der elektrischen Kraft- 
linien in der Nähe der kleineren Endfläche von der Lage der größeren 
Endfläche unabhängig ist. 

Um ein klares Verständnis der Verteilung der elektrischen Energie 
in einem Felde zu ermöglichen, das von zwei Endflächen von sehr ver- 
schiedener Größe begrenzt wird, habe ich in Fig. 2 das Feld zwischen 
zwei konzentrischen Kugeln dargestellt,“ deren Halbmesser zueinander 
im Verhältnis 1:10 stehen, sowie ferner für ein Verhältnis 1:20. 

Die elektrischen Intensitäten werden durch die Darstellung in der 
linken Hälfte der Figur wiedergegeben. Hier stellt E die elektrische 


1) Dem Institute of Radio Engineers, New York, vorgelegt am 1. De- 
zember 1915. 


Der Mechanismus der Strahlung und Fortpflanzung usw. 157 


Energie als Funktion der Entfernung r vom Mittelpunkte dar. Rechts 
in Fig. 2 stellt D die lineare Energiedichte 
Dsi sar =L E= LE 
8n 2 2 r? 
dar. 
Die senkrecht gestrichelte Fläche gibt somit die Gesamtenergie 
im Felde wieder, während die schräg gestrichelte Fortsetzung dieser 
Fläche nach außen hin die Energie angibt, welche dem Felde noch 
hinzugefügt werden würde, wenn man den Halbmesser der äußeren 


Fig. 2. 


Randfläche auf den Wert R, = 20R, erhöhen würde. Es ist leicht 
ersichtlich, daß die Änderung der Lage der größeren Endfläche nur 
eine sehr geringe Änderung der Gesamtenergie und somit praktisch 
keine Änderung in der Verteilung der von der kleineren Fläche aus- 
gehenden Feldlinien bedingt. | 

Eine derartige Vergleichung wird noch viel schlagender, wenn die 
kleinere Endfläche aus Leitern mit einem Halbmesser von wenigen 
Millimetern besteht und der Abstand zwischen ihnen und dem Erd- 
boden von der Größenordnung von 100 m ist. 

Wenn man Radiofrequenzen benutzt, wird die elektrische Energie 
in dem Raume dicht um den Luftleiter in dem Empfangsluftleiter eine 
Wirkung in wesentlich derselben Weise hervorrufen, als wenn die 
Ladung auf dem Luftleiter eine stationäre ist. In der Fig. 3 möge 
Q die dem Luftleiter mitgeteilte Elektrizitätsmenge bezeichnen und A 


158 Fritz Löwenstein. 


die Höhe der Ladung über dem Erdboden. Die Kraft an einer Ein- 
heitsladung im Empfängerpunkte R wird gleich Q/r? sein. Das Bild 
der Ladung Q erzeugt eine gleiche Kraft F”. Die resultierende elek- 
trische Intensität ist daher 


In einem elektrostatischen System zur Nachrichtenübermittelung 
ist daher die empfangene Intensität proportional dem der Sendestation 
erteilten elektrischen Moment Qh und nimmt proportional der dritten 
Potenz der Entfernung ab. 


Q 


Fig. 3. 


Wenn in dem Senderluftleiter ein Radiofrequenzstrom vom Werte / 
fließt, so ist die empfangene elektrische Intensität gleich 


Ih 1 
E=4n ir : 3(10)10 e 
Setzen wir in diese Gleichung 
| I=22nQ=2n- 0 
ein, so erhalten wir: Qh 
E = 2 — z, 
3 \2 
raz] 


wo v = Lichtgeschwindigkeit = 3 - (10)! cm/sek ist. 


Der Mechanismus der Strahlung-und Fortpflanzung usw. 159 


Wenn wir diese durch Radiofrequenzübertragung erhaltene Energie 
mit dem Werte der nach dem elektrostatischen Verfahren erhaltenen 
Energie vergleichen, so finden wir, daß die Intensität in beiden Fällen 
proportional dem elektrischen Moment, umgekehrt proportional der 
Übertragungsentfernung r und umgekehrt proportional dem Quadrate 
der Entfernung des Empfängers von den das Feld erzeugenden La- 
dungen ist. i 

Im Falle der elektrostatischen Übertragung ist diese Entfernung 
der Ladung identisch mit der Übertragungsentfernung. Im Falle der 
Radiofrequenzübertragung ist sie die mittlere Entfernung der elek- 
trischen Ladungen in der Nähe der Empfangsstation von dieser Station 
und wird durch 4/2% ausgedrückt. 

Diese Analyse zeigt, so glaube ich, -wie schön und vorteilhaft es 
ist, das statische Verfahren durch das Verfahren der Radiofrequenz- 
ströme zu ersetzen, welch letzteres wir Nikola Tesla verdanken. Der 
oben von mir ausgeführte Vergleich zeigt die große Überlegenheit der 
Radiofrequenzströme für die Übertragung, insofern als die Entfernung 
der elektrischen Wirkung von der ganzen Übertragungsstrecke auf einen 
Teil der Wellenlänge erniedrigt worden ist. 

Angesichts der vorstehenden Vergleichung zwischen den verschie- 
denen Verfahren scheint es nicht unangebracht zu sein, einen Überblick 
über die Geschichte der Technik der drahtlosen Übertragung zu geben. 
Im Jahre 1885 reichte Thomas A. Edison ein Patent ein, das im 
Jahre 1891 als Nr. 465971 erteilt wurde, und in welchem er die 
Anwendung des statischen Verfahrens vorschlug. Ein án einer hoch- 
gelegenen Senderkapazität erzeugtes elektrostatisches Feld ist eine Quelle 
elektrostatischer Kraftlinien, welche den Empfangsluftleiter schneiden; 
es wird dann eine Anordnung angewandt, welche die Potentialdifferenz 
verzeichnet, die infolge des Vorhandenseins von Kraftlinien zwischen 
der Spitze des Empfangsluftleiters und dem Erdboden besteht. Man 
darf nicht vergessen, daß die Kraftlinien, welche auf den Empfangs- 
luftleiter auftreffen, tatsächlich von der Senderkapazität ausgehen und 
eine Bahn verfolgen, die an der Senderkapazität ihren Ausgangspunkt 
hat und auf dem Boden in der Nähe des Empfangsluftleiters endet. 

Im Februar 1893 setzte Nikola Tesla im Franklin Institute in 
Philadelphia und dann im März 1893 nochmals in der National Elec- 
trie Light Association in St. Louis sein System der drahtlosen „Hoch- 
frequenzübertragung“ auseinander. In dieser Arbeit legt er dar, daß 
wenn man Radiofrequenzströme von einer durch einen vertikalen Draht 
mit dem Erdboden verbundenen hochgelegenen Kapazität aus an- und 


160 Fritz Löwenstein. 


abschwellen ließe, keine große Energiemenge erforderlich sein würde, 
eine in großen Entfernungen, oder selbst über die ganze Oberfläche 
der Erdkugel, wahrnehmbare Störung hervorzurufen, zumal dann nicht, 
wenn der Empfängerkreis mit Hilfe von Selbstinduktion und Kapazität 
‘so abgestimmt wäre, daß er mit der ausgesandten Frequenz in Reso- 
nanz stände. 


Bei dem Edisonschen Verfahren kam die elektrische Wirkung 
auf den Empfänger unmittelbar von der Senderstation; daher war denn 
auch die Strecke der elektrischen Wirkung identisch mit der tatsäch- 
lichen Entfernung vom Sender zum Empfänger. 


Die Einführung der Übertragung mittels Radiofrequenz durch 
Tesla hatte die Wirkung, eine beträchtliche Menge der Luftleiter- 
ladung in unmittelbare Nähe des Empfängers zu bringen, so daß die 
elektrische Intensität am Empfänger proportional dem Quadrate des 
Verhältnisses zwischen Senderentfernung und der zur Übertragung 
dienenden Wellenlänge vermehrt wurde. 


Die vergleichende Analyse, die ich hier mitgeteilt habe, ist das 
Ergebnis einer Unterhaltung mit Herrn Lieutenant-Commander A. J. 
Hepburn von der Marine der Vereinigten Staaten, dem ich hierdurch 
meinen Dank aussprechen möchte. 


Die Analyse der bei der Übertragung über mangelhaft leitenden 
Erdboden auftretenden komplizierten Wellenform, wie sie Sommer- 
feld gegeben hat, ist sehr wertvoll und interessant. Das gleiche gilt 
auch für die Berechnungen der durch die Kugelgestalt der Erde her- 
vorgerufenen Wirkung und der Wirkung der Absorption, wie sie in 
den geistreichen Arbeiten eines Poincaré, eines Nicholson, eines 
Austin und eines Zenneck vorliegen. 


Die grundlegende Frage bleibt indessen die, ob wir das gegen- 
wärtig geübte Verfahren als eine Übertragung durch Hertzsche Wellen 
bezeichnen dürfen, ähnlich denen, wie sie der Hertzsche Öszillator der 
anfänglichen Marconischen Apparatur aussendet, oder als eine eigent- 
liche Leitung längs des Erdbodens, wie sie Tesla im Jahre 1893 vor- 
geschlagen hat. Die Arbeit von Sommerfeld hat diesen Zweifel nur 
verstärkt, insofern er sich durch den mangelhaft leitenden Erdboden, 
dessen Vorhandensein er bei seiner Analyse angenommen hat, veranlaßt 
gesehen hat, die gesamte Wellenwirkung in eine räumliche Welle und 
eine Öberflächenwelle zu zerlegen. Infolgedessen hat sich bei vielen 
Radioingenieuren die Auffassung festgesetzt, daß die Übertragung der 
Energie durch zwei getrennte und verschiedene Vorgänge erfolge. 


Der Mechanismus der Strahlung und Fortpflanzung usw. 161 


Um diese prinzipielle Frage zu entscheiden, nehme ich den Erd- 
boden als eben und gut leitend an, eine Annahme, die für den Fall 
der Übertragung über Meereswasser durchaus zulässig ist. 

Die empfangene elektrische Energie 


Ih 1 
B=-enz,. "zo 
läßt sich ausdrücken als 
Oh 
= 874? —. 1 
E 7 PEE (1) 


Bezeichnen wir mit Q die elektrische Ladung im Luftleiter und 
mit q die elektrische Ladung jeder einzelnen auf der Erde entlang 


6 
A A, N N 
zZ 7 


+-2 — 


Fig. 4. 


gleitenden Halbwellenlänge, so finden wir, daß die mittlere Ladungs- 
dichte auf der Zone Z (Fig. 4) 


Oa n a 


2 _— 
wg 


und die Höchstdichte auf dem Scheitel 


T _ q4 
T= 5 Im T yA 


ist. 
Daher ist die elektrische Intensität: 


Pedara n (2) 
rÀ 


Auf Grund einer Vergleichung der Gleichungen (1) und (2) finden wir, 


162 Fritz Löwenstein. 


daß die ausgestrahlte Ladung 
h 
= 4g — 
ga=4n e 
, und daher von der Entfernung unabhängig ist. 

Wir können daher den Vorgang der Ubertragnng folgendermaßen 
beschreiben: Eine Höchstladung Q in einem Luftleiter schwingt zum 
Erdboden und zurück und verursacht bei jeder Halbschwinpgung die 
Aussendung einer ausgestrahlten Ladung q längs des Bodens. Dabei 


Fig. 5. 


können wir das Verhältnis dieser ausgestrahlten Ladung g zur vollen 
Ladung des Luftleiters, 


den Strahlungsfaktor nennen, und dieses Verhältnis erscheint unab- 
hängig von der Entfernung. 

Das An- und Abschwellen der elektrischen Ladung des Luft- 
leiters hat naturgemäß ein. magnetisches Feld zur Folge, welches einen 
Teil der abgetrennten Energie darstellt. Während dieses Vorganges 
der Energieabtrennung überwiegt die magnetische Energie Fig. 5 
zeigt die elektrische und die magnetische Intensität in verschiedenen 
Entfernungen. In einer Entfernung von einem Sechstel der Wellen- 
länge ist die magnetische Intensität M um 40 v. H. größer als die 
elektrische Æ; in einer Entfernung gleich einer halben Wellenlänge 


Der Mechanismus der Strahlung und Fortpflanzung usw. 163 


beträgt das Übergewicht der magnetischen Intensität über die elek- 
trische nur 5 v. H.; und in einer Entfernung gleich der Wellenlänge 
besteht zwischen beiden Intensitäten praktisch kein Unterschied. 

Zur bequemen Berechnung der in Fig. 5 benutzten Werte habe 
ich die Formeln für die elektrische und die magnetische Intensität 
folgendermaßen angeordnet: 


Denr. % -aa (2) Filz) 2) 


o Q} 2| T A 
M=2-; j+ Bj + 167° 2 | 

In einem Hertzschen Oszillator bewegen sich keine elektrischen 
Ladungen oder Elektronen längs der Äquatorislebene, während sie bei 
der drahtlosen Übertragung tatsächlich durch den Boden fließen und 
die Energie mit sich führen, welche die Empfangsapparate betätigt. 

. Erscheint es weiter angesichts der Krümmung der Erde nicht 
naturgemäßer, von der Leitung eines Radiofrequenzstromes zu sprechen 
und das mit diesem wandernde elektrische und magnetische Feld als 
das ihn begleitende . Ergebnis anzusehen, als die Radioübertragung als 
identisch mit der Strahlung eines Hertzschen Oszillators zu bezeichnen, 
die durch eine leitende Äquatorialebene sowie durch die Beugung der 
Strahlungslinien infolge der Krümmung der Erde und des Vorhanden- 
seins der oberen leitenden Schicht modifiziert worden ist? 

Es ist mir für die Entwickelung der drahtlosen Übertragungs- 
technik als vorteilhaft erschienen, die Kenntnis unserer Atmosphäre, 
wie ich sie im Folgenden darlegen werde, jedem Radioingenieur zu- 
gänglich zu machen, der in der Lage ist, quantitative Beobachtungen 
anzustellen. 

Figur 6 zeigt die chemische Zusammensetzung, den Druck und 
die Temperatur der Atmosphäre in den verschiedenen Höhen. 

Bei Sonnenuntergang angestellte Messungen der Lichtstärke zeigen 
drei deutliche Unstetigkeiten, wenn die letzten Strahlen tangential zu 
den Luftschichten in der Höhe von 11 km, von 75 km und von 
220 km werden. Tatsächlich zeigen Versuchsballons mit Registrier- 
apparaten deutlich einen sehr scharfen Wechsel auf der Höhe von 
11 km. Die Temperatur, welche nahe am Erdboden um 5° per Kilo- 
meter und in der Höhe von 10 km um 9° per Kilometer sank, wird 
in dem Gebiete von 11 bis zu 75 km plötzlich konstant, und zwar 
ist die mittlere Temperatur dort — 55° C. Ein Blick auf die letzte 
Zeichnung in Fig. 6 läßt diese Unstetigkeit sehr deutlich erkennen. 


164 Fritz Löwenstein. 


Der Grund für die Gleichförmigkeit der Temperatur liegt vielleicht in 
dem Umstande, daB die Drucke, denen die Atmosphäre in diesen Höhen 
ausgesetzt ist, der elektrischen Leitung angepaßt sind, wie aus einer 
Betrachtung der mittleren Zeichnung in Fig. 6 hervorgehen wird, in 


RO 
| WEF 
| X je, 
2a ai: I 
N 
| e!3 
| 3 23 
~X 2 
| | e s 
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L 
2 E i 
> uj 
z | 5 
> I | ° 
Q > 
| 
| pi N = R 
o £ N o Q j 5 
g 8 3 j 


welcher die Drucke mit den zugehörigen Höhen dargestellt sind. Die 
Existenz dieses unteren Unstetigkeitspunktes (11 km) wird ferner durch 
Untersuchungen der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre be- 
wiesen. 


Der Mechanismus der Strahlung und Fortpflanzung usw. 165 


In der Zeichnung links in Fig. 6 habe ich angedeutet, daß die 
volumetrische Analyse der Atmosphäre hinsichtlich des Mengenverhält- 
nisses von Stickstoff und Sauerstoff in dieser ersteren Schicht von 11 km 
ein konstantes Verhältnis ergibt. Der Grund hierfür ist, daß in dieser 
Schicht Luftströme auf- und absteigen und dadurch für eine gründ- 
liche Mischung der beiden Gase sorgen und nicht zulassen, daß diese 
sich nach ihrer Dichte anordnen. 

Diese untere Schicht von 11 km Dicke, die Troposphäre, ist in 
der Zeichnung durch eine vertikale Linie bezeichnet, welche eine Kon- 
stanz des Gemisches bis aufwärts zu 11 km anzeigt. Oberhalb dieses 
Punktes, in der Stratosphäre, stellen sich die beiden Gase nach dem 
Daltonschen Gesetze ein; dabei nimmt das Mengenverhältnis des 
schwereren Sauerstoffs ab und jenes des leichteren Stickstoffs zu. In 
60 km Höhe ist der Sauerstoff praktisch verschwunden, und der Wasser- 
stoff beginnt vorzuherrschen. Wegen des sehr großen Dichteunter- 
schiedes erstreckt sich indessen das Gemisch von Stickstoff und 
Wssserstoff über eine verhältnismäßig dünne Schicht von nur 15 km, 
und bei 75 km Höhe besteht, wie aus der Zeichnung hervorgeht, ein 
ziemlich plötzlicher Wechsel von Stickstoff zu Wasserstoff. 

Der dritte plötzliche Wechsel in der Lichtstärke bei Sonnenunter- 
gang tritt dann auf, wenn die letzten Sonnenstrahlen tangential zu 
einer Schicht in der Höhe von 220 km verlaufen. Bis zu diesem 
Augenblick ist der Himmel infolge der Beleuchtung der Wasserstoff- 
atome, welche imstande sind, die kürzeren Strahlen des Sonnenspek- 
trums unserem Auge zuzusenden, blau erschienen. Das plötzliche Ver- 
schwinden des Blau rührt von dem ziemlich plötzlichen Verschwinden 
des Wasserstoffes aus der Atmosphäre her, weil bei dieser Höhe eine 
Schicht von Coronium beginnt. 

Es bleibt noch die Tragweite dieser verschiedenen Änderungen 
auf die Übertragung elektrischer Energie durch den Raum zu erwägen. 
Die hohen Drucke, welche in der Troposphäre herrschen, machen diese 
zu einem vollkommenen Dielektrikum. Die Stratosphäre ist die Schicht 
mit dem höchsten Leitvermögen; sie ist oberhalb durch Schichten von 
so geringen Drucken begrenzt, daß diese praktisch Dielektrika bilden. 
Allmähliche Änderungen des Leitvermögens würden einen beträcht- 
lichen Verlust zur Folge baben, falls sie zu ausgesprochenen Reflexionen 
bei der Fortpflanzung elektrischer Wellen Anlaß gäben, und man hat 
infolgedessen eine erhebliche Menge von Beweisgründen gegen die Mög- 
lichkeit einer wirksamen Reflexion seitens der oberen Schichten ins 
Treffen geführt. Die plötzlichen Änderungen, deren Vorhandensein 


166 Fritz Löwenstein. 


in der Atmosphäre dargetan wurde, gestatten uns sicherlich, ohne 
längeres Zaudern starke Änderungen in der Stärke der empfangenen 
Signale (je nach der angewandten Wellenlänge) einer wirksamen Re- 
flexion zuzuschreiben. 


Zusammenfassung. 


Die Stärke des elektrischen Feldes in einer Entfernung von einem 
statisch geladenen Luftleiter wird auf Grund elementarer Betrachtungen 
berechnet. Dieselbe Größe wird für den Fall abgeleitet, daß die La- 
dung mit Radiofrequenz schwingt. Es wird gezeigt, daß die Gesamt- 
ladungen, welche in den beiden Fällen auf den Empfänger wirken, 
zueinander in einem Verhältnis gleich dem Quadrate des Verhältnisses 
der Übertragungsentfernung zu einem gewissen Teile der Wellenlänge 
stehen; hieraus ergibt sich dann der große Vorteil der Übertragung 
mittels Radiofrequenz. 

Die Theorien von Edison, von Tesla und von Sommerfeld 
werden historisch betrachtet. Es wird gezeigt, daß für die Zerlegung 
der Welle in eine Raumwelle und eine Oberflächenwelle keine physi- 
kalische Berechtigung vorliegt. Es wird die elektrische und die ma- 
gnetische Intensität in verschiedenen Entfernungen vom Luftleiter be- 
rechnet, und es wird gezeigt, daß sie in der Entfernung von einer 
Wellenlänge praktisch gleich werden. Der Verfasser zieht es vor, die 
Radioübertragung als auf der Leitung von Erdströmen mit Radio- 
frequenz beruhend anzusehen, und nicht als modifizierte Wellen eines 
Hertzschen Oszillators. Es werden die drei verschiedenen Teile der 
Atmosphäre, die Troposphäre, die Stratosphäre und die Coronium- 
schicht, beschrieben, und ihr Einfluß auf die Radioübertragung wird 
betrachtet. 


Meinungsaustausch. 


Herr J. Zenneck: Hinsichtlich der Frage, ob die seitens eines 
Luftleiters ausgesandte Energie durch Leitungsströme im Erdboden 
oder durch elektromagnetische Wellen in der Luft fortgepflanzt wird, 
stimme ich mit Herrn Löwenstein darin überein, daß dies in der 
Hauptsache eine Frage der Ausdrucksweise ist. Stellt man einen 
Senderluftleiter auf der Erdoberfläche auf, so ist tatsächlich in allen 
Entfernungen von dem Luftleiter ein elektromagnetisches Feld sowohl 
in der Luft als auch im Erdboden vorhanden. Es ist daher Geschmacks- 
sache, ob man die Fortpflanzung der Energie als durch Erdströme er- 
folgend darstellt, oder als durch elektromagnetische Wellen in der Luft 


Der Mechanismus der Strahlung uud Fortpflanzung usw. 167 


verursacht. Beide Darstellungen sind unvollständig: die Erdströme 
sind immer von elektromagnetischen Wellen in der Luft begleitet und 
die elektromagnetischen Wellen in der Luft immer von Strömen im 
Erdboden. 

Herr Louis W. Austin (schriftlich mitgeteilt): Ich möchte gern 
auf einen oder zwei Punkte in der überaus interessanten Arbeit des 
Herrn Löwenstein tiber den Mechanismus der Strahlung eingehen. 
Bei der Erörterung des Unterschiedes zwischen dem durch den Oszil- 
lator erzeugten elektrostatischen und dem elektromagnetischen Felde 
setzt Herr Löwenstein den elektrostatischen Ausdruck für die Strom- 
stärke in die elektromagnetische Gleichung für die elektrische Inten- 
sität an der Empfangsstation ein und erhält so einen Ausdruck, den 
er die mittlere Entfernung der elektrischen Ladungen von der Emp- 
fangsstation nennt. Ich vermag nicht, diesem Ausdruck irgendwelche 
reale physikalische Deutung zu geben, und wenn das nicht möglich 
ist, so scheint mir, kann der Begriff kaum als nützlich angesehen 
werden. 

Bei der Erörterung der Übertragung der elektrischen Wellen 
längs der Erdoberfläche könnte man durch die Arbeit zu der Ansicht 
verleitet werden, daß die Wahl zwischen den Theorien zwischen elek- 
tromagnetischen Wellen oberhalb der Erdoberfläche und Leitung längs 
der Oberfläche liege; tatsächlich kann aber unter den gegebenen Be- 
dingungen keines ohne das andere bestehen, gerade so wie der Strom 
in einem Drahte immer von einem Feld rings um den Draht begleitet 
sein muß. Hertzsche Wellen werden sich, wie ich glaube, immer auf 
irgendeine leitende Ebene in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft stützen, 
die parallel zur Fortpflanzungsrichtung liegt. Die in Bewegung be- 
findlichen Ladungen an den geerdeten Enden der elektrostatischen Kraft- 
linien werden dann Ströme hervorrufen wie die, von denen in der 
Arbeit die Rede ist. 

Ich freue mich sehr, daß Herr Löwenstein die Aufmerksamkeit 
suf die Zusammensetzung der Atmosphäre in ihren verschiedenen 
Schichten und die vermutliche Bedeutung dieser Zusammensetzung für 
die Änderung der Stärke drahtloser Signale gelenkt hat. 


(Nach Proc. Inst. Radio-Eng. (New York) 4, Nr. 3, S. 271—281, 
1916, aus dem Englischen übersetzt von Max Ikle.) 
(Eingesandt 20. August 1915.) 


168 J. L. Hogan. 


Die Signalreichweite bei der drahtlosen Telegraphie. 
Von J. L. Hogan.') 


Die verschiedenen Versuchsreihen über die Nachrichtenübermittelung 
auf große Entfernungen, die Herr L. W. Austin und die National 
Electric Signalling Co. gemeinsam ausgeführt haben?), umfaßten Mes- 
sungen des Einflusses, den die Höhe des Luftleiters, die Stromstärke 
im Luftleiter und die Wellenlänge auf die Signalreichweite ausüben. 
Es wurden Höhen von 37 bis zu 130 Fuß, Sendestromstärken von 
7 bis zu 30 Amp. und Wellenlängen von 300 bis zu 3750 m auf 
Entfernungen bis zu 1000 Seemeilen untersucht. Die Vergleichung 
der auf diese Weise gewonnenen Daten führte zu dem Ausdruck 


_4,25],h h, 
De 

In dieser Formel sind I, und I, die Sendestromstärke und die 
Empfangsstromstärke, beide in Amp., h) und h, die wirksamen Höhen 
des Sender- bzw. des Empfängerluftleiters, beide in km, A und d die 
Wellenlänge und die Signalweite, ebenfalls in km. Wie leicht ersicht- 
lich, kann man den Ausdruck benutzen, um die Stromstärken in den 
Luftleitern oder die Höhen der Luftleiter zu ermitteln, die erforderlich 
sind, um bei Tageslicht unter gewöhnlichen Verhältnissen auf irgend- 
eine gegebene Entfernung eine verlangte Signalstärke zu erzeugen. Bei 
gewöhnlichen Funkensendern von 500 Perioden und guten Kristall- 
empfängern ist eine Empfangsstromstärke von ungefähr 10 Mikroamp. 
für eben noch hörbare Signale erforderlich. 

Bei späteren Versuchen?) über größere Strecken wurden die Be- 
obachtungen auf Luftleiterhöhen bis zu 450 Fuß, Sendestromstärken 
bis zu 110 Amp. und Entfernungen bis zu 2300 Seemeilen aus- 
gedehnt. Keine der damals gewonnenen Daten deutete auf die Not- 
wendigkeit hin, die in Gleichung (1) gegebene Beziehung zwischen 
den verschiedenen Größen zu ändern, obgleich es sich ergab, daß bei 
Verwendung des Gleichrichterheterodynes eine Empfangsstromstärke 


— 0,015 da YA (1) 


1) Aus „Electrical World‘. 

2) L. W. Austin, Some Quantitative Experiments in Long-Distance 
Radio-Telegraphy. Buil. Bur. of Stand. 7, 515, 1911. Siehe auch Jahrbuch 
5, 8.75 und 8, S. 575. 

3) John L. Hogan jr., Quantitative Results of Recent Radiotelegraphic 
Tests between Arlington, Va., and U. S. S. Salem, Electrical World, 1913, 
S. 1361. 


Die Signalreichweite bei der drahtlosen Telegraphie. 169 


von nur 5 Mikroamp. selbst mit Funkensendern Signale von der Hör- 
barkeit Eins lieferte, 

Der obige Ausdruck (I) ist demna:h durch Anwendung auf viele 
Fälle der drahtlosen Zeichenübermittelung recht gut bestätigt worden. 
Es ist wahrscheinlich die genaueste Näherungsgleichung für Ermit- 
telungen von der Art, wie sie erforderlich sind, wenn man die Reich- 
weite und die Stärke der Signale vorherbestimmen will, statt sie zu 
schätzen. Für die Zwecke des schnellen Rechnens ist es erwünscht, 
die einzelnen Größen in den Einheiten anzugeben, die für ihre Mes- 
sung am bequemsten sind. Wenn beispielsweise die Sendestromstärke in 
Amp. angegeben ist, die Empfangsstromstärke in Mikroamp., die Höhen 
der Luftleiter in Fuß, die Wellenlänge in Metern und die Entfernung 
in Kilometern, so wird die Gleichung 


Tess 392 L, h, h e— 0044A Va . (2) 


Ad 
Oder wenn man unter Beibehaltung der übrigen eben genannten Ein- 
heiten die Entfernung in Seemeilen ausdrückt, so muB der Koeffizient 
von I, 212 und der Koeffizient im Exponenten 0,0877 werden. 

Eine einfache algebraische Lösung der Gleichung ist für alle 
Größen möglich, außer. für A und für d. Diese beiden Größen lassen 
sich nicht explicite nach den gewöhnlichen Verfahren bestimmen, weil 
sie sowohl linear als auch exponentiell vorkommen. Löst man nach 
I,/Z, auf und bestimmt ein Maximum durch Differentiation nach A, 
so kann man einen Ausdruck für die günstigste Wellenlänge bei einer 
gegebenen Gruppe von Sendebedingungen gewinnen. Das ist vielleicht 
eine zu ausgedehnte Anwendung der ursprünglichen Beziehungen. Ein 
graphisches Verfahren zur Auflösung nach d habe ich in der oben 
genannten Veröffentlichung angegeben. 

Das im Nachstehenden beschriebene geistreiche logarithmische 
Verfahren der Auflösuug nach d bildet die Grundlage für eine Reihe 
von Kurven, die an der United States Navy Yard (Marinewerft der 
Vereinigten Staaten) zu Puget Sound, Washington, im Gebrauch sind. 
Die Gleichung (2) wird algebraisch dividiert: 


I — 0,0877 4 Vr 
212 I, h h d 
und in logarithmischer Form: 
I à — 0,0877 d 
log, =t ee Sa — | 
0810 212 + log; o I, h, h, yà log; o e log; o d (4) 


Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 12 


170 J.L. Hogan. Die Signalreichweite bei der drahtlosen Telegraphie. 


geschrieben. Man zeichnet ein Kurvenpaar für I, = 10 uA (eben hör- 
bare Signale) und für I, = 40 uA („gute“ Signale) mit den Ordi- 
naten A/I,h, h, und den Abszissen 


lo 1, -+ lo 22 
Bio 312 rin, 


Anmerkung: Wenn Sender- und Empfängerluftleiter 
verschiedene Höhe haben, ist k? durch h, hg zu ersetzen. 


5 | „Ordinater=d Tl - Eu: BEBzZERFTUTTG 
Be m X I | Pete | 53 al Hort nn Prr ay zsnn 100 - 1900 
N /| | ma AJA MV LY GAGE ET 
Ñ | TITTI TEULU VITL OTET 
III I I UI I IN IA A 
ENRBERANBIUR ABER at = en 


TUTIA y 
4 I) 4 w0- 160 
savimaa AI 
N IH Y y BrE L-I] 
TIAIA A N 
BUMDES AAAS S go-10 
TIT AEE 
OTELA REE 
ASS rE7 ESERI 
717 +7 N 
Im Hy 
HHH 
LIII 
\ Z = 
i s 
| NN N WERE / 
| | VATA; NASTATI AEE k 
KT $ 47 ONAA 
SH a EK N N} -Hy 
St Al Aoszissen- -108 3} de yo KORB 
a F erat NN ANA IAVAVaNLER 0-10 
vor dureh 25 Ohm. VAVA NIA I J 
oco -+ |n Aösbare Sona ER BES: H N 3 o AVAVAVAY OR 
0) = h A IN \_JA 
$ H SRE OT Lo AYATA Yy PAAZ Ben 
20 -22 -24 -28 -32 34 -38 a ” 48 50 T -5-4 -56 -58 -60 
v L Ca b O L o (e) 
ESEL M $ e D 2 m z 


Tafel zur Ermittelung der Signalreichweite für verschiedene Luftleiterhöhen 
und Wellenlängen. 


Für eine Anzahl von Wellenlängen (die in der beigefügten Figur an- 
gegebenen sind die Normalwellenlängen der Marinewerft der Vereinigten 
Staaten) zeichnet man dann weitere Kurven mit denselben Abszissen, 
die nach der Gleichung (4) durch den Ausdruck 


Louis Cohen. Drahtlose Zeichengebung auf weite Entfernungen. 171 


— 0,0877 d 
——log.e— logo d 


VA 
gegeben sind, und mit d als. Ordinaten. Mit Hilfe dieser Kurven 
kann man in einfacher Weise die Gleichung unmittelbar nach d auf- 
lösen, und zwar nach folgendem Verfahren: 

1. Man ermittelt A/I, h, h,. 

2. Man sucht auf der ÖOrdinatenachse links den Wert und ver- 
folgt ihn in horizontaler Richtung bis zum Schnitt mit der gestrichel- 
ten Kurve für die gewünschte Stromstärke im Empfangsluftleiter. 

3. Vom Schnittpunkt aus geht man in vertikaler Richtung weiter 
bis zum Schnitt mit der ausgezogenen Kurve für die angenommene 
Wellenlänge. 

4. Von diesem zweiten Schnittpunkt aus geht man in horizon- 
taler Richtung nach rechts weiter und liest an der rechten Ordinaten- 
achse den gesuchten Wert von d ab. 

Als Beispiel ist durch gestrichelte Linien der Fall I, = 10 Amp,, 
h, = h, = 115 Fuß, A = 952 m für „= 10 uA und für I, = 40 uA 
angegeben. Die Signalentfernungen sind hier 565 bzw. 305 Seemeilen. 

Bei der Berechnung von Signalen zur Nachtzeit oder für Ent- 
fernungen von weniger als 100 Seemeilen vernachlässigt man das 
Absorptionsglied, und die Gleichung wird dann: 
212 I, h, h, 
| Bang A 

(Nach Electrician 76, 699, 1916 aus dem Englischen übersetzt 
von Max Iklé.) 


d = 
(Eingesandt 20. August 1916.) 


Drahtlose Zeichengebung auf weite Entfernungen. 
Von Louis Cohen. 


Zusammenfassung. 


Der Verfasser geht zunächst auf die Formel von Austin und 
auf die theoretische Formel für den Zusammenhang zwischen der 
empfangenen Einheit und der Entfernung ein. Er schlägt dann eine 
andere Formel vor, welche einen Reflexionskoeffizienten enthält. Die 
drei Formeln werden mit Beobachtungsergebnissen verglichen. 


12* 


172 Louis Cohen. 


Für die Berechnung der drahtlosen Zeichengebung stehen uns 
zwei Formeln zu Gebote. Die eine Formel ist eine empirische und 
ist von Austin und mir auf Grund der Versuche von Brant Rock 
abgeleitet worden!), und die andere Formel ist eine theoretische, die 
neuerdings von mehreren Forschern entwickelt worden ist. Diese 
beiden Formeln lauten: 

die empirische Formel: 


L= 2 e — 0,0015 a; V 7 (1) 
die theoretische Formel: 
3 
I, = z e — 0,0019 a, V (2) 


In beiden Formeln ist d die Entfernung, A die Wellenlänge und 
K eine Funktion der Höhen des Sender- und des Empfängerluftleiters, 
der Wellenlänge und des Widerstandes des Empfängerluftleiters. 

Die beiden Formeln haben dieselbe Gestalt. Der einzige Unter- 
schied besteht in den Exponenten des Schwächungsfaktors; dieser ist 
in der theoretischen Formel größer und zeigt somit eine raschere Ab- 
nahme der elektrischen Intensität an. Die neueren Versuche von 
Austin?) haben dargetan, daB die nach der empirischen Formel ge- 
wonnenen Ergebnisse mit beobachteten Werten sehr eng übereinstimmen, 
während die theoretische Formel bei großen Entfernungen keine be-. 
friedigenden Ergebnisse liefert; das Schwächungsglied ergibt nämlich 
eine Abnahme der elektrischen Intensität, die beträchtlich größer ist 
als die beobachteten Werte. 

Die empirische Formel scheint sehr befriedigend zu sein, soweit 
sie sich durch die begrenzten verfügbaren Daten bestätigen läßt. Der Ein- - 
wand, der gegen sie zu erheben ist, besteht indessen darin, daß sie keiner- 
lei theoretische, mathematische oder physikalische Grundlage besitzt, und 
daß wir daher nicht sicher sein können, daß die Formel allgemein 
anwendbar ist, und uns somit nicht darauf verlassen können, daß sie 
unter allen Bedingungen richtige Ergebnisse liefert. Die Absorptions- 
theorie, die ursprünglich zu dieser Formel geführt hat, ist nicht halt- 


-1) L. W. Austin, Some Quantitative Experiments in Long Distance 
Radio-Telegraphy. Bull. Bur. of Stand. 7, S. 315. Siehe auch Jahrbuch Š, 
S. 75 und 8, 8. 575. 

2) Quantitative Experiments in Radio- -Telegraphic Transmission.. Bull. 
Bur. of Stand. 11, S. 69. 


Drahtlose Zeichengebung auf weite Entfernungen. 173 


bar. Demnach scheint es, daß wenn wir die theoretische Formel so 
abändern könnten, daß sie Ergebnisse lieferte, die mit den beobachteten 
Werten übereinstimmen, daB wir dann eine zuverlässigere Arbeits- 
formel besitzen würden. _ 


Es ist nun bei der Entwickelung der theoretischen Formel gezeigt 
worden, daß das Schwächungs- oder Zerstreuungsglied den Verlust 
darstellt, der durch das Entweichen von Energie in die obere Atmo- 
sphäre entsteht, weil die Wellen der Krümmung der Erde nicht voll- 
kommen zu folgen vermögen, und daß einer etwa möglichen Reflexion 
oder Brechung in den oberen Schichten der Atmosphäre nicht Rech- 
nung getragen wird. Herr Austin hat darauf aufmerksam gemacht, 
daß der Umstand, daß man unterlassen hat, einen möglichen Reflexions- 
vorgang in Betracht zu ziehen, den Unterschied zwischen den beobach- 
teten Werten und den nach der theoretischen Formel erhaltenen zu 
erklären vermag. 


Dieser Anregung folgend habe ich versucht, eine halb empirische 
Formel aufzustellen, welche die theoretische Formel mit einem weiteren 
Faktor vereinigt. um eine etwa mögliche Reflexion oder Brechung zu 
berücksichtigen. Es liegt auf der Hand, daß eine Reflexion, falls eine 
solche auftritt, in ihrer Wirkung kumulativ sein und mit zunehmender 
Entfernung zunehmen muß, und es ist demnach vernunftgemäß, anzu- 
nehmen, daB die Wirkung der Reflexion eine lineare Funktion der 
Entfernung ist. Diese Erwägungen führten zu folgender Formel: 


I, = Zu + N d) e- 0194 VT (3) 


Hier ist N ein Reflexionskoeffizient, und die übrigen Glieder haben 
dieselbe Bedeutung wie in Gleichung (2) Um den Wert von N zu 
erhalten, stellen wir eine beliebige Einzelbeobachtung an und legen N 
einen solchen Zahlenwert bei, daß dadurch die nach der Formel ge- 
wonnenen Ergebnisse mit dem beobachteten Werte übereinstimmen. Wenn 
für diesen Wert von N die nach der Formel erhaltenen Ergebnisse 
mit allen übrigen Beobachtungen übereinstimmen, dann können wir 
annehmen, daß die Formel die Durchgangsvorgänge richtig darstellt. 
Ich habe auf diese Weise die Daten der neueren Austinschen Ver- 
suche nach der vorstehenden Formel durchgerechnet und ebenso eine 
Reihe von Beobachtungen, die ich willkürlich aus den Versuchen vom 
Jahre 1910 herausgegriffen habe. Die Ergebnisse habe ich in den 
Tabellen I und II wiedergegeben. Wie ersichtlich, ist in beiden Fällen 


174 Louis Cohen. Drahtlose Zeichengebung auf weite Entfernungen. 


Tabelle I. 
Signale von Arlington, aufgenommen auf der „Salem“, Februar-März 1913. 
Reflexionskoeffizient N = 0,000945; A = 3800 m. 


` 


Entfernung | Empfangene Stromstärke in 107° Amp. 


berechnet E 
Formel (1) | Formel (2) | Formel (3) | beobachtet 


engl. Meilen km 


Tabelle II. 
Signale von der „Salem“, aufgenommen in Brant Rock, Juli 1910. 
Reflexionskoeffizient N = 0,00045; A = 1000 m. 


Entfernung | Empfangene Stromstärke in 107° Amp. E 


berechnet 


1. Meil ea eea oaa roaa baa 
engl. Mei | m Formel (1) | Formel (2) | Formel (8) | beobachtet 


20 | 37 12500 12300 12400 12000 

50 92,5 4610 4430 4530 4 700 
100 185 2000 1860 2015 2 200 
150 278 1170 1037 1160 1200 
200 370 760 654 163 750 
300 555 382 307 383 370 
400 740 218 162 216 200 
500 925 132 91 130 130 

Reflexionskoeffizient N = 0,00053; A = 3750 m. 

20 37 4460 4400 4486 4500 

50 92,5 1710 ‘1640 1720 1800 
100 185 800 770 845 850 
150 278 495 435 499 500 
200 370 345 292 349 330 
300 555 198 155 200 190 
400 740 129 93 130 115 
500 925 90 59 88 | 88 


J. A. Fleming. Über die Ursachen der Ionisation der Atmosphäre. 175 


die Übereinstimmung zwischen den beobachteten Werten und den nach 
der Formel (3) berechneten eine bemerkenswert gute. 
Man kann nicht sagen, daB diese Formel alle die Vorgänge, 
welche die drahtlose Zeichengebung begleiten, vollkommen darstellt; 
die Annahme einer mittleren gleichförmigen Reflexion von allen Punkten 
längs der gesamten Entfernung kann in Frage gezogen werden. Immer- . 
hin kann man diese Formel als eine geeignete erste Näherungsformel 
für Berechnungen des Ingenieurs ansprechen. 


(Nach Electrician 76, 743—744, 1916 aus dem Englischen über- 
setzt von Max Ikle.) 
(Eingesandt 20. August 1916.) 


Über die Ursachen der Ionisation der Atmosphäre. 
Von J. A. Fleming. 


Die Mitarbeiter des ‚Electrician‘ erörtern fortgesetzt in den 
Spalten dieses Blattes die Frage nach der Ionisation der Atmosphäre 
in ihrem Zusammenhange mit der drahtlosen Telegraphie. Einige von 
ihnen bringen ihre Zweifel und ihren Unglauben an dem Bestehen - 
dieser Ionisation zum Ausdruck oder verlangen zum mindestens Be- 
weise dafür. In zwei Vorlesungen über lichtelektrische Erscheinungen, 
die ich neuerdings an der Royal Institution gehalten habe, habe 
ich nachdrücklich betont, welchen Anteil bei dieser Ionisation wahr- 
scheinlich die Bildung von Ionen hat, die sich unserer Atmosphäre 
von der Sorne her nähern und durch Licht getrieben werden. Da 
bisher an dieser Stelle noch nicht auf diese Vorlesungen Bezug ge- 
nommen worden ist, möchte ich hier einige der Tatsachen und der 
Beweise wiedergeben, die ich als Beitrag zu diesem Meinungsaustausche - 
in der zweiten der genannten Vorlesungen vorgebracht habe. 

Eine der hierbei mitspielenden Fragen ist die nach der gasförmigen 
Zusammensetzung der oberen Schichten in der Erdatmosphäre und 
nach der Wirkung ultravioletten Lichtes auf diese Zusammensetzung. 
Die chemische Zusammensetzung unserer Atmosphäre bildete bereits 


1) ‚Problems of the Atmosphere“‘, vgl. Proc. Roy. Inst. 17, 223, 1902. 
Friday Evening Discourse, 11. April. 


176 | J. A. Fleming. 


im Jahre 1902 den Gegenstand einer Vorlesung von Sir James Dewar 
- in der Royal Institution 1), auf die er auch in seiner Eröffnungsrede als 
Vorsitzender der British Association im gleichen Jahre hingewiesen hat.!) 

Dewar hat gezeigt, daß man ganz allgemein die Atmosphäre 
in zwei Gebiete teilen könne: ein unteres, in welchem die atmo- 
sphärischen Bestandteile durch Winde und durch Konvektion dauernd 
gemischt bleiben, so daß die prozentische Zusammensetzung ziem- 
lich konstant bleibt, und ein höheres Gebiet, in welchem die Gase 
sich, entsprechend ihrer Dichte, voneinander trennen, so daß die 
oberen Schichten aus Wasserstoff und Helium, möglicherweise unter 
Anwesenheit einiger der selteneren Gase bestehen müssen. 

Die mathematische Betrachtung nach den von Heinrich Ferrel 
und mir?) gegebenen Richtlinien zeigt, daß bei gewissen Annahmen 
über den Temperaturgradienten Sauerstoff und Stickstoff, welche die 
vorherrschenden Komponenten in den tieferen Schichten sind, in 
einer Höhe von ungefähr 100 km abklingen müssen, und daß in höheren 
Schichten die Bestandteile der Atmosphäre hauptsächlich Wasserstoff 
und Helium sind. Nach Wegener liegt auch noch ein unbekanntes 
Gas von sehr geringer Dichte vor, das in großen Höhen wichtiger ist 
als Wasserstoff, und das für das Spektrum der Aurora in sehr großen 
Höhen verantwortlich ist. l 

Wenden wir uns nun der Möglichkeit einer Ionisation der Atmo- 
sphäre durch ultraviolettes Licht zu, so haben wir die feststehende 
Tatsache, daß Luft und zweifellos auch Wasserstoff und Helium einer 
eigentlichen Gasionisation durch Wellenlängen, die viel größer als 
1300 bis 1500 Ängström-Einheiten (A.-E.) sind, nicht fähig sind. Das 
Gesetz, welches das Ionisierungspotential V in Volt mit der größten 
ionisierenden Wellenlänge A, in Ä.-E. verbindet, ist in einer Reihe 


von Fällen als 
Fo ĉo = rund 12000 


festgestellt worden. Da das lonisierungspotential des Sauerstoffs an- 
nähernd 9 Volt ist, müssen wir daher, falls das vorstehende Gesetz 
auf das Gasatom anwendbar ist, für Sauerstoff 


A, = rund 1350 Ä.-E. 
erhalten. 


1) British Association Report, Belfast 1902. 

2) Vgl. J. A. Fleming, ‚‚On Atmospheric Refraction and its Bearing 
on the Transmission of Electromagnetic Waves Round the Earth’s Surface“. 
Proc. Phys. Soc. London 26, 318, 1914. 


Über die Ursachen der lonisation der Atmosphäre. 177 


Im Einklang mit dieser Ableitung: lehrt der Versuch, daß sich 
die eigentliche Lichtionisation reiner trockener Luft, bei der positive 
und negative Ionen in gleicher Anzahl erzeugt werden, nur durch 
äußerst kurze Wellenlängen erreichen läßt, die im Schumann- und 
im Lyman-Gebiet des ultravioletten Spektrums liegen. Sowohl 
Huggins als auch Cornu haben dargetan, daß das photographische 
Spektrum der Himmelskörper, wie es an der Erdoberfläche auf- 
genommen wird, bei der Wellenlänge 2950 Ä.-E. oder nahe bei dieser 
ziemlich scharf begrenzt ist. Da Quarz für kleinere Wellenlängen 
als etwa 1850 Ä.-E. nicht durchlässig ist, und da dieses Quarzlicht 
-Luft nicht ionisieren kann, so ist der Beweis ziemlich vollständig 
dafür erbracht, daß in unserer Atmosphäre in geringen Höhen keine 
eigentliche Ionisation der Luft durch ultraviolette Strahlen statt- 
finden kaun. Falls irgendwelche derartige Ionisation vorhanden ist, 
wie dies durch die elektrische Leitfähigkeit bewiesen wird, so kann sie 
nur von lichtelektrischer Wirkung auf Staub oder Eisteilchen, oder 
von radioaktiven Materialien im Meereswasser oder im Boden, oder 
von irgendeinem mittelbaren lichtelektrischen Vorgange herrühren, 
der negative Ionen liefert. 

Andererseits enthält das Sorinenlicht wegen der hohen Temperatur 
der Photosphäre wahrscheinlich tatsächlich Strahlen kurzer Wellen- 
länge, die innerhalb des Schumann-Gebietes (2000 bis 1000 Ä.-E.) 
und des Lyman-Gebietes (1000 Ä.-E. und darunter) liegen. Infolge- 
dessen kann, obgleich das Ionisierungspotential des Sauerstoffs, des 
Stickstoffs, des Wasserstoffs und des Heliums 9 Volt und darüber 
beträgt, eine eigentliche ultraviolette Lichtionisation in den Schichten 
der Atmosphäre stattfinden, die vielleicht in einer Höhe von mehr 
als 10 oder 20 km liegen. 

Hiermit ist aber die Möglichkeit einer dauernd ionisierten Schicht 
nicht erklärt. Es würde sich dadurch nur eine tägliche Schicht erklären 
lassen, die tagsüber oder an der der Sonne zugekehrten Seite der 
Atmosphäre ionisiert ist und nachts verschwindet. Um die dauernd 
ionisierte Schicht, die man — wie mir scheint, nicht ganz mit Recht 
— als Heaviside-Schicht zu nennen pflegt, zu erklären, ist es wesent- 
lich, eine Ursache für die Bildung von Ionen eines einzigen Vorzeichens 
in irgendeiner hohen Schicht der Atmosphäre nachzuweisen. Es sind 
gute Gründe für die Annahme beigebracht worden, daß die Photo- 
sphäre der Sonne hauptsächlich aus Kohlenstoff besteht, der wahr- 
scheinlich zu Rußflocken oder -kernen verdichtet ist, und daß die 
Temperatur, wenigstens die ihrer äußeren Teile, ungefähr 6000 bis 


178 J. A. Fleming. 


7000° C beträgt. Mit anderen Worten: der hauptsächlich Licht und 
Wärme spendende Teil der Sonne ist ein riesenhafter Kohlefaden. 
Wir wissen nun, daß eine solche glühende Kohle nicht nur Äther- 
wellen ausstrahlt, sondern auch positive und negative Ionen aus- 
sendet, und zwar hauptsächlich die letzteren. 

In meiner Vorlesung in der Royal Institution habe ich diese 
Emission von Thermionen durch folgenden Versuch nachgewiesen: 
In die Birne einer elektrischen Kohlefaderglühlampe war ein Metall- 
zylinder eingeschmolzen. Dieser Zylinder war an einen Platindraht 
angeschlossen, der durch die Glaswand hindurchgeführt und in sie 
eingeschmolzen worden war. Der Zylinder wurde an ein Goldblatt- 
elektroskop angelegt, und es wurde ihm eine positive oder negative 
elektrische Ladung erteilt. Unter diesen Versuchsbedingungen be- 
wahrte das Elektroskop seine Ladung vollkommen, wenn der Faden 
nicht glühte, einerlei, ob die Ladung + oder — war. War die Ladung 
—, und wurde der Strom durch den Kohlefaden eingeschaltet, so daß 
dieser zum Glühen gebracht wurde, so entlud sich das Elektroskop 
langsam und: zeigte auf diese Weise die Emission einiger positiver 
Ionen. Wenn jedoch die Ladung des Zylinders + war, so fiel beim 
Einschalten des Lampenstromes das Elektroskop augenblicklich zu- 
sammen und erbrachte somit den Beweis für die reichliche Emission 
negativer Ionen seitens des Kohlefadens. Es liegt anscheinend guter 
Grund vor, die Ansicht von Arrhenius anzunehmen, nach welcher 
in der Sonnenphotosphäre die gleiche Thermionenemission vor. sich 
geht. Wenn dies der Fall ist, so werden diese Ionen, die hauptsächlich 
negativ sind, bei ihrem Wege nach außen durch die umkehrende Schicht 
und durch die Chromosphäre chemische Atome aufnehmen und rings 
um sich kondensieren und auf diese Weise negative Ionen verschiedener 
Größe bilden. Diese Ionen werden dann durch den Lichtdruck nach 
außen getrieben werden. Die Wahrscheinlichkeit, daß der Vorgang 
in der vorstehend angedeuteten Weise verläuft, hat auch Sir James 
Dewar in dem bereits erwähnten Vortrage in der Royal Institution 
vertreten. 

Es ist verhältnismäßig leicht, die Geschwindigkeit solcher Ionen 
von verschiedener Größe unter der Wirkung des Lichtdruckes seitens 
der Sonne und die Zeit ihrer Wanderung von der Sonne zur Erde zu 
berechnen. Wir gehen aus von den bekannten Tatsachen, daß der 
Maxwellsche Lichtdruck in Dynen pro Quadratzentimeter numerisch 
gleich der Lichtenergie in Erg pro Kubikzentimeter ist, und daß der 
beste Wert für die Solarkonstante 2,1 Grammkalorien pro Quadrat- 


Über die Ursachen der Ionisation der Atmosphäre. 179 


zentimeter pro Minute ist, oder daß einer vollkommen blanken Fläche 
von normal auffallendem Sonnenlicht unter Berücksichtigung der 
Korrektion für die Absorption in der Atmosphäre sekundlich 1,47 x 106 Erg 
mitgeteilt werden. Daraus folgt, daß die Lichtenergie im Kubi- 
zentimeter 49 x 10-8 Erg und der Lichtdruck nahezu 5 x 10-8 Dynen 
pro Quadratzentimeter an der Erdoberfläche baträgt. Die Licht- 
intensität an der Oberfläche der Sonne ist aber 46000mal so groß 
wie jene an der Erdoberfläche, und der Lichtdruck auf der Sonne ist 
daher 2,3 Dynen pro Quadratzentimeter. Diese Zahlen lehren, daß 
1 Kubikmeile Sonnenlicht an der Erdoberfläche Lichtenergie im 
Betrage von 14710 Fußpfund enthält, und daß der Lichtdruck dort 
2,8 Pfund pro Quadratmeile ist. An der Oberfläche der Sonne be- 
trägt der Lichtdruck 58 Tonnen pro Quadratmeile und die Lichtenergie 
302300 Fußtonnen in der Kubikmeile, also genug, um 20 Kriegsschiffe 
wie die „Queen Elizabeth“ 15 Zoll hoch über den Gipfel des Mont 
Blanc hinweg zu werfen.!) Wir wollen nun eine kleine Kugel von der 
Dichte Eins in der Nähe der Sonnenoberfläche betrachten. Ihr Durch- 
messer betrage d cm. Der Lichtdruck pro Quadratzentimeter be- 
trage P, und g sei die Schwerkraftsbeschleunigung an der Sonnen- 
-oberfläche, Letztere Größe ist 27 mal so groß wie an der Erdoberfläche, 
also 27 x 981 cm/sek®. Mithin ist das Gewicht des Teilchens oder 
der auf es wirkende Zug der Schwerkraft grd?/6 und der Licht- 
druck nd?P/4. Mithin halten sich diese beiden Kräfte gerade dann 
das Gleichgewicht, wenn d=1,5 P/g oder wenn d = 0,00013 cm 
= 13000 Ä.-E. ist. Schwarzschild will nachgewiesen haben, daß der 
Lichtdruck ein Maximum ist, wenn der Umfang des Teilchens gleich 
der Wellenlänge des Lichtes ist. Dies ist indessen bestritten worden. 

Wir können indessen aus den vorstehenden Werten leicht die 
Zeit berechnen, welche Teilchen mit kleinerem Durchmesser als der 
Grenzwert (13000 Ä.-E.) gebrauchen, um von der Sonne zur Erde 
zu gelangen, wenn sie vom Ruhezustande ausgehen. Es sei a die Ent- 
fernung vom Sonnenmittelpunkt, in der das Teilchen seine Wanderung 
beginnt, und & irgendeine andere Entfernung. Ferner sei v die Ge- 


1) Für die Umrechnung dieser und späterer Angaben auf das CGS- 
System mögen folgende abgerundete Werte dienen: 
1 engl. Meile = 1,6 km, l 
l engl. Zoll = 2,54 cm, 
l engl. Pfund = 373 g, 
1 Fußpfund = 0,14 mkg, 
1 engl. Tonne = 1016 kg, 
1 Kubikfuß = 28,3 dm®, (Der Übers.) 


180 J. A. Fleming. 


schwindigkeit des Teilchens in x und u/a bzw. u/x die potentielle 
Energie in a und in x. Dann erhalten wir die Energiegleichung 


2/2 =u/a—nje 


oder 
daæjdt = Yaula-2ule, 
oder 
n= A, 
Be T 
+ a yz en 


a 227 —a a t 
V va rs) 


Integrieren wir diesen letzten Ausdruck zwischen den Grenzen = a 
und xz = z, so erhalten wir: 


= 1/2! yr ax + — 2 4 ys Zax] — logt 
t= [x x EE + Sg. z +yz az! Ligt], 


Wenn indessen æ% = 93000000 Meilen der Halbmesser der Erd- 
bahn und a = 433000 Meilen der Sonnenhalbmesser ist, so ist a/x=1/215,, 
oder ein kleiner Bruch, und wir können dann den Ausdruck für die 
Übergangszeit schreiben als: 


al 4% 
Es läßt sich nun leicht zeigen, daß 


2ula=3P/d—-2ga 

ist. Folglich ist 
1 f a 4x 

3 Pa 9 | 2 a 

a Ten 
Der letzte Ausdruck in der Klammer ist aber klein gegenüber g, und 
wenn wir daher die Werte a= 7 x 1010 cm, z=15 x 101? cm 
einsetzen und für g den Wert g = 27 x 981 und ferner P = 2,3 Dynen/cm?, 
so erhalten wir für die Wanderungszeit eines Teilchens mit dem Durch- 
messer d von der Sonne bis zur Erde den Audruck 


15.101? 
ee I en, 


a 
/ #910 _ 37.1018 
d 
aus dem wir auch die Endgeschwindigkeit erhalten können. 


Über die Ursachen der Ionisation der Atmosphäre. 181 


Wir wollen diese Formel anwenden, um die Wanderungszeit kugel- 
förmiger Ionen von der Dichte Eius und von drei verschiedenen Durch- 
messern zu berechnen, nämlich für 1600, 5000 und 10000 Ä.-E. Wir 
finden für diese Zeiten die Werte 25 Stunden 17 Minuten bzw. 55 Stunden 
33 Minuten und 112 Stunden 17 Minuten. 

Weiter wollen wir annehmen, daß die Ionen nicht vom Ruhe- 
zustande ausgehen, sondern von der Sonne mit einer Geschwindigkeit 
von etwa 200 km/sek. ausgeschleudert werden und weiterhin vom 
Lichtdruck fortgetrieben werden. Legen wir wieder die oben ge- 
nannten drei Größen zugrunde, so finden wir für die Ankunftsgeschwindig- 
keiten an der Erdoberfläche 1900 km/sek., 1000 km/sek. und 550 km/sek., 
und für die Energien 38 Erg, 325 Erg und 780 Erg für ein Teilchen. 
Wenn wir jedoch nicht einzelne Ionen betrachten, sondern 1 kg dieses 
Sonnenstaubes mit den oben genannten Durchmessern, und wenn wir 
die Energie berechnen, die dieses Kilogramm der Erdatmosphäre zu- 
führt, so erhalten wir die folgenden beachtenswerten Zahlen: Nehmen 
wir für die Durchmesser der Staubteilchen 1600, bzw. 5000 und 
10000 Ä.-E. an, so ist die von 1 kg mitgeführte Energie 187 x 1017 Erg 
= 700000 Pferdekraftstunden für die kleinsten Teilchen, 50x 1017 Erg 
= 180000 Pferdekraftstunden für die mittleren und 15x 1017 Erg 
= 55000 Pferdekraftstunden für die gröbsten Staubteilchen. - 

Mithin führt soviel von diesem feinsten Sonnenstaub, wie man 
in der Tasche tragen kann, dank der gewaltigen Geschwindigkeit, die 
er unter der Wirkung des Lichtdruckes annimmt, der Erdatmosphäre 
eine Energiemenge zu, die ausreichend wäre, um einen unserer größten 
Schlachtkreuzer vierundzwanzig Stunden lang mit voller Geschwindig- 
keit laufen zu lassen. Die Energie muß in irgendwelcher Weise nutz- 
bar gemacht werden. Die Annahme, daß sie teilweise zur Ionisierung 
der oberen Atmosphäre verwendet wird, ist nicht unsinnig. Jedenfalls 
ist dieser Staub selbst elektrisch und bringt Ionen in die Atmosphäre, 
die hauptsächlich negativ sind. Diese werden wegen ihrer geringen 
Größe und wegen der negativen elektrischen Ladung der Erde sehr 
langsam sinken und möglicherweise eine Ursache für eine dauernd 
negativ elektrische Schicht in den höchsten Schichten der Atmo- 
sphäre bilden. Wie Arrhenius in seinem Buche ‚Die Entstehung 
der Welten‘ dargelegt hat, kann man eine solche Theorie aussichts- 
reich zur Erklärung der Nordlichterscheinungen und der magnetischen 
Gewitter und ihres Zusammenhanges mit den Sonnenflecken anwenden. 
Arrhenius hat eine Anzahl von Fällen gesammelt, aus denen hervor- 
geht, daß zwischen dem Durchgange eines Sonnenfleckens durch 


182 J. A. Fleming. 


einen zentralen Sonnenmeridian und dem Auftreten einer magnetischen 
Störung auf der Erde eine Verzögerung von etwa 45 Stunden be- 
steht. Dieser Zeitraum ist von derselben Größenordnung wie die Wan- 
derungszeit durch Licht getriebener Ionen mit einem Durchmesser, 
der ungefähr gleich der Wellenlänge des gelben Lichtes ist, wenn diese 
Ionen den Weg von der Sonne zur Erde zurücklegen. 

Wenn diese Ausschleuderung von Ionen hauptsächlich von Sonnen- 
fleckengebieten ausgeht und in einer Richtung senkrecht zur Sonnen- 
oberfläche stattfindet, so müssen diese Teilchen, da die Erde auf ihrer 
Bahn täglich 16000000 Meilen zurücklegt, notwendig nach einem 
Punkte hin gezielt werden, der beträchtlich weit vor der Erde liegt, 
damit sie die Erde nach ihrer zweitägigen Wanderung von der Sonne 
her treffen können. Selbst dann ist es möglich, daß viele Tonnen von 
diesem elektrischen Sonnenstaube, oder vielleicht Hunderte von 
Tonnen jährlich auf die Erde treffen. Daher ist es nicht gerecht- 
fertigt, zu behaupten, daß für das Vorhandensein einer dauernd ioni- 
sierten Schicht ın der oberen Atmosphäre keine wahrscheinliche Ur- 
sache vorliege. Wir haben in diesen vom Licht angetriebenen Ionen, 
die von der Sonne herkommen, eine sehr wahrscheinliche Quelle für 
die dauernde lIenisation, die wir brauchen, um einige der Erschei- 
nungen zu erklären, die bei der drahtlosen Telegraphie auf große Ent- 
fernungen auftreten. Die Vermutungen, die ich in der eingangs er- 
wähnten Vorlesung aussprach, gingen infolgedessen dahin, daß mög- 
licherweise in hohen Schichten der Atmosphäre eine dauernde Ioni- 
sation negativen Vorzeichens besteht, welche durch die Ankunft durch 
Licht getriebener Ionen aus der Sonne in dieser Schicht hervorgerufen 
wird. Andererseits findet innerhalb dieser Schicht, und vielleicht auch 
unter ihr, eine lonisation bei Tage statt, hervorgerufen durch ultra- 
. violettes Sonnenlicht, dessen Wellenlänge nicht größer ist als etwa 
1500 bis 1800 Ä.-E. Diese letztere Ionisation wird bei Nacht auf- 
gehoben oder stark verringert werden. Schließlich muß jede etwaige 
Ionisation in tieferen Schichten ihrem Ursprunge nach lichtelektrisch 
oder radioaktiv sein und kann nicht von eigentlicher Lichtionisation 
an Gasatomen herrühren. 

Immerhin haben wir in diesen drei Ionisationsquellen mögliche 
Ursachen für die Bildung einer oberen dauernd negativ ionisierten 
Schicht in der Atmosphäre und einer täglichen durch Licht ver- 
ursachten Ionisation, die bei Nacht mehr oder weniger verschwindet. 
Das sind gerade die Bedingungen, die für die Gültigkeit irgendeiner 
Theorie der Ionenbrechung, wie sie Eccles aufgestellt hat, erforder- 


Über die Ursachen der Ionisation der Atmosphäre, 183 


lich sind. Diese Theorie sieht eine Schicht gesteigerter Wellengeschwin- 

‚digkeit und veränderlicher Dicke vor, die imstande ist, auf aufwärts 
gesandte radiotelegraphische Strahlen einen umgekehrten Luftspiege- 
lungseffekt auszuüben und sie mit verschiedener Reichweite vom 
Sender aus wieder der Erde zuzubeugen. 

Nach den neuesten mathematischen Untersuchungen von A. E. 
Love, der die von H. M. Macdonald erhaltenen Ergebnisse be- 
stätigt hat, weist eine ausführliche Behandlung des Problems der 
Beugung langer elektrischer Wellen um eine Kugel anscheinend darauf 
hin, daß bei Wellen mit einer Wellenlänge von 20000 Fuß die Beu- 
gung allein die Fortpflanzung radiotelegraphischer Wellen bei Tage 
auf Strecken von 3000 Meilen zu erklären vermag. Mag dies nun 
der Fall sein oder nicht, vollkommen sicher ist jedenfalls, daß zur 
‚ Nachtzeit noch ein weiteres Agens am Werke ist. Jenen, welche die 
auf atmosphärischer Ionisation aufgebauten Theorien verwerfen, liegt 
es ob, diese durch irgendwelche andere gültige Erklärung für die 
Unregelmäßigkeiten und die im allgemeinen größere Reichweite der 
Signalgebung zur Nachtzeit zu ersetzen. Ich persönlich möchte in- 
dessen glauben, daß die Möglichkeit‘der Ionisation durch Sonnenstaub, 
der vom Lichte getrieben wird, bisher noch nicht genügend berücksich- 
tigt worden ist. 

Es ist vollauf klar, daß wir für unsere Kenntnisse von der physi- 
kalischen Verfassung der Atmosphäre in Höhen von mehr als etwa 
20 Meilen auf indirekte Beweise und auf Deduktionen aus beobachteten 
Tatsachen angewiesen sein werden. Wenn wir gerichtete Luftleiter 
anwenden, um elektrische Wellen unter verschiedenen Winkeln nach. 
oben zu senden, und dann beobachten, wo diese hauptsächlich zur 
Erde zurückkehren, könnten wir vielleicht in der Lage sein, die draht- 
lose Telegraphie als ein Agens zur Erforschung der Atmosphäre zu 
verwenden, gerade wie wir einen Scheinwerfer benutzen können, um 
reflektierende Objekte oder Wolken in den unteren Schichten der 
Atmosphäre zu entdecken. Aber diese Arbeit muß wie viele derartige 
während des furchtbaren Kampfes, der jetzt zwischen den Völkern 
Europas wütet, zurückgestellt bleiben. 


(Nach Electrician 75, 348—350, 1915 aus dem Englischen über- 


setzt von Max Ikle.) 
Eingesandt 1. Oktober 1915. 


Adresse des Autors: University College Gower Street London W.C. 


184 Referate. 


Referate. 

Frederick Schwers, The effect of water vapour in the 
atmosphere on the propagation of electromagnetic waves. 
(Die Wirkung von Wasserdampf in der Atmosphäre auf die Fort- 
pflanzung elektromagnetischer Wellen.) Nach dem Sitzungsbericht der 
Physical Society (London) vom 26. Januar 1917. 


Der Verfasser diskutiert den wahrscheinlichen Einfluß von Feuchtig- 
keit in der Atmosphäre auf die Beugung elektromagnetischer Wellen 
um die Erdoberfläche. Kiebitz’s Schlußfolgerung, daß die Anwesen- 
heit von Feuchtigkeit die Dielektrizitätskonstante nicht um mehr als 
10 °/, beeinflusse, weist der Verfasser als irrtümlich nach, da sie 
basiert sei auf der Annahme, daß die Clausius-Mossotische Formel 
k— 1 
k+2 d 
Zustand gelte. Durch Beispiele wird gezeigt, daß dieses Gesetz ver- 
sagt in vielen Fällen, besonders wenn die Dielektrizitätskonstante in 
Flüssigkeiten hohe Werte hat. In Ermangelung genauer Daten für 
gewöhnliche Temperaturen zieht -der Verfasser die Annahme eines 
Wertes für die D.K. von Wasserdampf vor, der erhalten wird durch 
Extrapolierung der Resultate, die Baedeker für hohe Temperaturen 
erhielt. Der extrapolierte Wert ist sicher meistens zu niedrig. 

Aus diesem Resultat und den Durchschnittsbedingungen der At- 
mosphäre über dem Ozean mit Bezug auf den Temperaturgradienten etc. 
nach meteorologischen Daten ergibt sich, daß die niedrigsten Schichten 
der Atmosphäre (etwa 1000—1500 m in Tiefe) die elektromagnetischen 
Wellen nach der Erde zu beugen, so daß der größere Anteil der 
Raumwellen den Empfänger erreichen wird, was im Gegensatz steht: 
mit der Schlußfolgerung von Kiebitz. 

In einem Einwand von meteorologischen Gesichtspunkten bemerkte 
C. Chree u.a. folgendes: Wenn die empirische Exponentialformel für 
Dampfdruck angenommen wird, so variiert der Druck in einer ge- 
gebenen Höhe direkt mit dem an der Erdoberfläche und ist so in ge- 
mäßigten Breiten viel niedriger im Winter als im Sommer. Als ein 
fundamentaler Gesichtspunkt ergibt sich also, zu untersuchen, ob die 
drahtlose Übertragung in gemäßigten Breiten eine ausgesprochene 
ährliche Schwankung zeigt in Übereinstimmung mit derjenigen des 
Dampfdruckes an der Erdoberfläche. E. 


(Eingesandt 1. März 1917.) 


= konst. für den Übergang vom flüssigen zum gasförmigen 


Mitteilungen aus der Praxis, 185 
Mitteilungen aus der Praxis. 


‚Quantitative Messungen über die Stärke der von den 
deutschen Funkenstationen in Nauen und Eilvese aus- 
gehenden Signale zu Washington Ma 
(Quantitative Measurements at Washington on the Signals from the 
German Radio Stations at Nauen and Eilvese.) - 


Von L. W. Austin. 


Seit dem September 1914 ist die Stärke der von Nauen und 
von Eilvese empfangenen Signale fast täglich im Radiolaboratorium 
der Marine der Vereinigten Staaten von N BES ER im Bureau of 
Standards ae worden. 


DO OU à meng X 


Ill 
5 


IKIE 


i $ = Í 
| G r 
C, = La cal lC; WF, une 
tz Re a S » | 


N 


F 
Fig. 1. 


Der Luftleiter des Laboratoriums hat eine wirksame Höhe von 
30 m. Er ist oben abgeflacht, 450 Fuß!) "lang, und besitzt zwei etwa 
2 m voneinander entfernte Drähte, die am einen Ende 59 m und am 
anderen 17 m hoch sind. Sein Widerstand ist bei den größeren Wellen- 
längen beträchtlich geringer als jener der bisher benutzten. | 

Die für den Empfang benutzten Schwingungskreise sind in Fig. 1 
dargestellt. Als Detektor dient das Audion von de Forest mit einer 
besonderen Koppelung L, L, zur Erzeugung örtlicher Schwingungen. 
Der StromflußB im Audion ist natürlich unbeständig, wie im P oul- 
senschen Lichtbogen. Diese Unbeständigkeit strebt dahin, Schwin- 


1) 185 m (d. Übers.). 
Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 13 


186 Mitteilungen aus der Praxis. 


gungen zu erzeugen, deren Periode durch den Schwingungskreis L, L; C, 
bestimmt ist. Diese Schwingungen werden in dem Kreise PC, F ver- 
stärkt, und diese verstärkte Energie wird durch die Koppelung L, L, 
dem Kreise L,L,C, wieder zugeführt und erhält so die ursprüng- 
lichen Schwingungen aufrecht, die andernfalls das Bestreben haben, - 
auszusetzen. 

Beim Empfang von Signalen solcher Stationen, die mit Hoch- 
frequenzmaschinen oder Bogen arbeiten, wird der Audionkreis des 
Empfängers so eingestellt, daß die örtlichen Schwingungen des Audions 
ein wenig gegen die ankommenden Schwingungen verstimmt sind. Die 
Vereinigung der beiden Schwingungsgruppen erzeugt Schwebungen 
von einer Frequenz, die in den Empfangshörern wahrgenommen werden 
kann. Die Tonhöhe dieser Schwebungen kann man durch Regelung 
des Betrages der Verstimmung nach Belieben einstellen. 

Die Signalstärke wird nach dem Verfahren des kurzgeschlossenen 
Telephons gemessen; dabei wird parallel zu den Telephonen T, des 
Audions ein induktionsfreier Nebenschluß s gelegt und so lange ver- 
ringert, bis die Signale gerade noch hörbar bleiben. Ist I der Wert 
der Stromstöße in den Telephonen ohne Nebenschluß und u die gerade 
noch hörbare Stromstärke, so ist 


IJI =(t+ s)/s 


wo it der Effektivwiderstand des Telephons für die gegebene Frequenz 
der Schwebungen und s der Widerstand des Nebenschlusses ist, der 
die Signale gerade noch zu hören gestattet. Das Verhältnis I/I, wird 
als „Hörbarkeit des Signals“ bezeichnet. Wie durch an anderer Stelle!) 
beschriebene Versuche nachgewiesen worden ist, ist die Hörbarkeit im 
schwingenden Audion der Stromstärke im Empfangsluftleiter proportio- 
nal, und nicht, wie im elektrolytischen Detektor, im Detektor mit 
Kristallkontakt und im nicht schwingenden Audion, proportional dem 
Quadrate der Stromstärke. 

Geeicht wird das schwingende Audion zum Zwecke quantitativer 
Messungen durch Vergleichung der Hörbarkeit eines gegebenen Signals 
mit dem Ausschlag, den dasselbe Signal an einem mit einem Silizium- 
detektor verbundenen Galvanometer hervorbringt.?) Das Audion und 


1) Journ. Wash., Acad. 6, 81, 1916. | | 

2) Wegen atmosphärischer Störungen wird diese Eichung an einem 
künstlichen Luftleiter vorgenommen, der dieselben Konstanten hat wie der 
tatsächliche; dabei werden die Signale durch ein zweites sch wingendes 
Audion im Laboratorium erzeugt. 


Mitteilungen aus der Praxis. 187 


der Siliziumdetektor können durch einen Umschalter abwechselnd mit 
dem Sekundärkreise verbunden werden. Dabei werden der Schwin- 
gungskreis und die Koppelung in jedem Einzelfalle auf die größte 
Wirkung eingestellt. Unmittelbar vor jedem Versuche wird der 
Siliziumdetektor durch Vergleichung mit einem Thermoelement im 
künstlichen Luftleiter geeicht. Es hat sich herausgestellt, daß bei 
richtiger. Einsteilung der Schwingungskreise für jede einzelne Röhre 
alle de- Forestschen Röhren, sofern sie nicht offensichtlich unvoll- 
kommen sind, nahezu dieselbe Empfindlichkeit ergeben. Diese Empfind- 
lichkeit ändert sich indessen bei geringen Veränderungen der Einstel- 
lung sehr stark; es ist deshalb für Meßzwecke wichtig, die Einstellung 
genau in derselben Weise vorzunehmen. Eins der zuverlässigsten Ver- 
fahren besteht‘ darin, den Luftleiter und die geschlossenen Schwin- 
gungskreise bei loser Koppelung abzustimmen, und dann, während 
man den Luftleiter unverändert läßt, den Sekundärkreis einzuschalten 
und ihn wieder bei der besten Koppelung nachzustimmen. Bei Ver- 
wendung Baldwinscher Telephone von 2000 Ohm Gleichstromwider- 
stand und einer Empfindlichkeit von 5 x 101° Amp. bei 1000 Perioden 
für normale Ohren stellt das schwächste hörbare Signal eine Energie 
von ungefähr. 1,5 x 1015 Watt im Empfangssystem dar. Die Hör- 
barkeit wächst wie die Quadratwurzel aus der aufgenommenen Energie- 
menge. Die richtige Einstellung der Hauptkoppelung scheint die 
Empfindlichkeit innerhalb weiter Grenzen vom Widerstand des Sekundär- 
kreises und von der Wellenlänge praktisch unabhängig zu machen. 

Die Ergebnisse der an den von Nauen und von Eilvese kom- 
menden Signalen vom 1. Januar bis zum 1. Juli 1916 angestellten 
Messungen sind in den Kurven der Fig. 2 dargestellt. Die früheren Be- 
obachtungen sind nicht mit aufgeführt, da sie nämlich infolge von 
Veränderungen in den Beobachtungsverfahren als mit den späteren 
nicht recht vergleichbar erachtet werden. 

Das Auffallendste an diesen Kurven ist ihre merkwürdige Ver- 
änderlichkeit; schwankt doch die empfangene Stromstärke zwischen 
1x1077 und 80 x 107 Amp., d.h. zwischen einer Hörbarkeit von 
etwa 25 und einer solchen von mehr als 2000 bei dem benutzten 
Einstellungsverfahren. Die Ursache dieser Veränderlichkeit ist nicht 
völlig klar. Gelegentlich einiger früherer Versuche‘) wurde die An- 
sicht geäußert, daß die Änderungen wahrscheinlich, wenigstens bis zu 
einem beträchtlichen Grade, auf Beobachtungsfehlern beruhten; es 


—— meom 


1) Bull. Bur. Stand. 7, 315, 1911. 
13* 


188 Mitteilungen aus der Praxis. 


scheint aber nunmehr ziemlich sicher zu sein, daß unter normalen 
Verhältnissen hinsichtlich der atmosphärischen Störungen die Beobach- 
tungsfehlergrenzen 20 bis 80 v. H. betragen, während in außergewöhn- 
lichen Fällen die Grenze für die Fehler das Verhältnis 2:1 erreichen 
mag; das reicht aber für die Erklärung dieser großen Änderungen in 
der beobachteten Stromstärke bei weitem nicht aus. 

Ich glaube nunmehr, daß die Änderung der Stromstärke zum 
größten Teile von einer unregelmäßigen Reflexion oder möglicherweise 
einer Brechung in den oberen Lagen der Atmosphäre herrührt, welche 
der Empfangsstation Energie zuführt außer jener, die dicht an der 
Erdoberfläche entlang wandert. Es ist ferner wahrscheinlich, daß in- 
folge der Ionisation der Atmosphäre eine Absorption von gewissem 
Betrage stattfindet. Marconi hat festgestellt. daß die Signale zwischen 
Glace Bay und Clifden in Irland schwächer sind, wenn zwischen den 
Stationen Gebiete ausgesprochen niedrigen Barometerstandes liegen, und 
die vorliegende Arbeit scheint bis zu einem gewissen Grade seine Be- 
hauptungen zu stützen. Es scheint einiger Grund für die Annahme 
zu bestehen, daß solche Gebiete, in denen ausgesprochene atmosphä- 
rische Störungen bestehen, auch Gebiete der Absorption sein können. 

Sommerfeld und seine Schüler!) haben eine Theorie für das 
Fortschreiten von Wellen über eine gut leitende Fläche, wie Salz- 
wasser, entwickelt, die sich näherungsweise durch folgende Formel 
ausdrücken läßt: 

Rd oala 
RaR t Vi (i) 


In dieser Formel ist I, die Stromstärke im Empfangsluftleiter uħd Z, 
die Stromstärke im Senderluftleiter; A, bzw. h, sind die Höhen der 
Mitten der Kapazität im Sender- und im Empfangsluftleiter, A ist die 
Wellenlänge, d die Entfernung und R der Widerstand des Empfangs- 
systems. Die Stromstärken werden in Ampere und die Längen in 
Kilometern ausgedrückt. Das erste Glied dieser Gleichung ist aus 
der Hertzschen Theorie abgeleitet. Das Exponentialglied stellt den 
Intentitätsabfall dar, der dadurch entsteht, daß die Wellen der Krüm- 
mung der Erde nicht folgen. Die Gleichung (1) berücksichtigt nicht 
die Möglichkeit, daß ein Teil dieser verlorenen Energie aus der oberen 
Atmosphäre zurückkehrt, und es ist wahrscheinlich, daß diese Glei- 


1) A. Sommerfeld, Ann.d. Phys. (4) 28, 665, 1900; ferner H. March, 
a. a. O. 37, 29, 1912; W. von Rybezynski, a. a. O. 41, 191, 1913; J. 
Zenneck, Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie 3, 294. 


I; = 377 — 


Mitteilungen aus der Praxis. 189 


chung für die Signale an den schlechtesten Tagen ziemlich richtig ist. 
Die seitens der Marine der Vereinigten Staaten benutzte Formel für 
die empfangene Stromstärke macht von demselben Hertzschen Gliede 
Gebrauch wie die Gleichung (1), verwendet aber ein Exponentialglied 
des auf Grund der in den Jahren 1909 und 1910 zwischen Brant 
Rock und den Kreuzern „Salem“ und „Birmingham“ angestellten Ver- 
suche auf lange Strecken!) empirisch abgeleitet worden ist. Die 
Formel der Marine lautet: 


h h. I  _WI5-4 
Ir = 877 SAIR .e Vi (2) 


Diese Formel sollte den Durchschnittswert der Stromstärke dar- 
stellen, die bei Tage über Salzwasser empfangen wird, und scheint, 
soweit sich dies mit Sicherheit bestimmen läßt, gute Ergebnisse zu 
liefern, welche innerhalb der Beobachtungsfehlergrenzen, wenigstens bis 
zu 3600 Seemeilen, richtig sind. 

Die in den Kurven der Fig. 2 wiedergegebenen Beobachtungen 
wurden im allgemeinen in den Stunden zwischen 9 und 11 Uhr vor- 
mittags Washingtoner Zeit vorgenommen und stellen somit die Signale 
dar, die von Deutschland nach Amerika gesandt wurden, während auf 
der ganzen Bahn der Signale Tageslicht herrschte. Nach Sonnenunter- 
gang in Deutschland — also wenn die Bahn der Signale zum Teil 
im Dunkeln und zum Teil im Tageslicht liegt — ist die Empfangs- 
stärke häufig sehr verringert, gleich als fände eine Zurückwerfung an 
der Schattenwand statt. | 

Einige ganz wenige Beobachtungen sind während der Stunden an 
gestellt worden, in denen die ganze Bahn der Signale im Dunkeln 
liegt, aber diese Beobachtungen deuten darauf hin, daß die Änderung 
zwischen Tag und Nacht bei diesen Wellenlängen nicht größer ist als 
die an verschiedenen Tagen beobachtete. ?) 

Die Mittelwerte aus den beobachteten empfangenen Stromstärken 
für die einzelnen Monate sind in der nachstehenden Tabelle angegeben, 
ebenso die Werte, die nach der Sommerfeldschen Formel und nach 
der Formel der Marine berechnet worden sind. 


1) Bull. Bur. Stand. 7, 35, 1911; Reprint 159. — 11, 69, 1914; Re- 
pint 826. 

2) Die bekannte Zunahme der Stärke bei nächtlichen Signalen ist eine 
Funktion sowohl der Wellenlänge als auch der Entfernung. Bei Wellenlängen 
von 10000 und 12000 Metern wird sich wahrscheinlich eine deutliche Ver- 
stärkung bei Nacht in einer Entfernung von rund 5000 Meilen zu zeigen 
beginnen. 


190 | Mitteilungen aus der Praxis. 


TORIUM DER MAR 
BUREAU OF STAND) 
1JAN. TEE 


ALS 


N 


CE ARENA CANE 


EMPFANG VON NAUEN UND __ = et 
EILVESE IM FUNKENLABOR A: EILVESE— I A =g.800 m 


EINHEIT DER STROMSTÄRKE 1-10amp 


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Al Mh, | Fi Re im 
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Bik pi 


Mitteilungen aus der Praxis. 191 


Wie man sieht, sind die aus der theoretischen Formel berech- 
neten Stromstärken kleiner als ein Zehntel der beobachteten Mittelwerte; 
vergleicht man jedoch die Quadratwurzeln aus den theoretischen Werten 
der Stromstärke mit den beobachteten Kurven, so findet man, daß 
einige der tiefsten Punkte recht gut übereinstimmen. Die von H.M. 
Macdonald!) entwickelte Formel würde anscheinend noch kleinere 
Werte liefern als die Glelchung (1). 


Die Tabelle lehrt, daß die Signale im April und Mai noch stärker 
waren als während des Winters, und daß auf die Periode starker 
Signale ein sehr entschiedener Abfall im Juni folgte. Diese Änderungen 
mit der Jahreszeit stehen ebenso wie die in Fig. 2 dargestellten täg- 
lichen Änderungen nahezu sicher mit atmosphärischen Änderungen im 
Zusammenhang, aber diese treten möglicherweise in sehr erbeblichem 
Maße in Höhen auf, die oberhalb des gewöhnlichen Bereiches meteoro- 
logischer Beobachtungen liegen. Möglicherweise hängt die Abnahme 
der Stärke im Frühsommer mit der südwärts gerichteten Bewegung 
des Gebietes niedrigen Luftdruckes über dem Nordatlantischen Ozean 
zusammen. Bekanntlich eilen die Änderungen mit der Jahreszeit in 
großen Höhen den entsprechenden Änderungen an der Erdoberfläche 
nach.?) So interessant das Studium dieser Beziehungen ist, muß es 
doch zurückgestellt werden, bis wir über mehr Beobachtungsmaterial 
verfügen. j 


Monatliche Mittelwerte für die Stärke der empfangenen Ströme in 
Ampere nach den Beobachtungen 


1916 | Signale aus Nauen | Signale aus Eilvese 
Aan a er a aa 
Januar -oo 182x107 | 195x1077 
Februar . Er E 10,4 18,2 l 
März . 2 222 2.2.20. 2136 20,8 
April ©... Er 22,4 29,0 
Min 21,6 38,8 
Juni Be a 6,2 8,5 
Hauptmittel | 144x107 | 21,6x1077 
Berechnet nach Gleichung (1) 0,95 x 1077 1,91x 1077 
Berechnet nach Gleichung (2) ! 14,3 22,2 


1) Siehe Eccles, Wireless Telegraphy, 1916, S. 161. 
2) S. W. R. Blair, Bulletin of the Mt. Weather Observatory, U. S. 
Weather Bureau 6, (4), 179, 1914. | 


192 Mitteilungen aus der Praxis. 


Daten für die Berechnung 


i 0,0019 d 0,0015d 

"Lin Amp. |h,iam|A,inm|dinkm|i in n| Rin Ohm |," i e 
z TEEN SOENE TE N. SE E. DSE. ERE E EAN 
Nauen 150%) | 150 | 30 | 6650 |12500| 124 0,0039 | 0,058 
Eilvese | 150!) | 150 | 30 | 6100 | 9800 98 0,0045 | 0,052 


(Aus dem Englischen übersetzt von Max Ikle.) 


1) Nach den Angaben aus dem Jahre 1914. 


“ 


(Eingesandt 25. Januar 1917.) 


Adresse des Übersetzers: Dr. Max Ikle, Berlin-Zehlendorf 
(Wannseebahn), Milinowskistr. 31. 


Wir entnehmen der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“, Nr. 324 
vom 22. November 1916 folgenden Artikel: 


Funkspruchverkehr mit dem Auslande.') 


Um die stärkste Waffe seiner Kriegführung, die Verleumdung 
des Gegners und die Irreführung der Neutralen, möglichst nachdrück- 
lich und ungestört zur Geltung bringen zu können, hat England, unser 
Hauptfeind, gleich mit Kriegsausbruch unsere überseeischen Kabel- 
verbindungen unterbrochen. Die so zunächst erzielte Abschließung 
Deutschlands von den außereuropäischen neutralen Ländern benutzte 
es, um durch Vermittlung des in allen Ränken und Intrigen seit 
langen Jahren geübten Reuterschen Bureaus Stimmung gegen Deutsch- 
land zu machen. Deutschland wurde als Friedensstörer bezeichnet; 
erfundene Nachrichten über die Grausamkeit seiner Kriegführung 
wurden nach allen Teilen der Welt gekabelt; die Abschließung 


1) Wir empfehlen als ergänzende Lektüre die kleine Schrift von 

Dr. Richard Hennig: „Die drahtlose Telegraphie im überseeischen Nach- 

richtenverkehr während des Krieges“ (Heft 112 der Sammlung Volkstümliche 

Vorträge „Meereskunde“, Verlag Ernst Siegfried Mittler u. Sohn, Berlin). 

Wir machen jedoch darauf aufmerksam, daß die Bemerkung von Dr. Hennig, 

die Funkenstationen wären zu nahe der Küste errichtet, unrichtig ist. 
E. 


Mitteilungen aus der Praxis. 198 


Deutschlands wurde schließlich auch in wirtschaftlicher Beziehung zum 
Vorteile Englands ausgebeutet. 

Das einzige Mittel, um von uns aus den englischen Lügen und 
Machenschaften entgegenzutreten, blieb der Funkspruch. Wohl be- 
standen bereits in Deutschland zwei Großfunkspruchstellen, Nauen und 
Eilvese, beide aber waren über ihre ersten Versuche im Verkebr auf 
große Entfernungen noch nicht hinausgekommen. Daher war es in 
den ersten Monaten des Krieges nur möglich, wenige hundert Worte 
mit zahlreichen Unterbrechungen an die amerikanischen Funkspruch- 
stellen Sayville und Tuckerton hinüberzubringen, und diese wenigen 
Worte mußten naturgemäß vornehmlich der Richtigstellung englischer 
Behauptungen dienen. Immerhin aber konnten unseren heldenmütigen 
Kämpfern in Deutsch-Südwest, Kamerun und Ostafrika doch schon auf 
diese Weise die zahlreichen ruhmvollen Siege und Taten ihrer Brüder 
in der Heimat übermittelt werden. Leider war es dagegen nicht 
möglich, auch von ihnen Nachrichten zu erhalten. 

In der Erkenntnis, daß die Wiederherstellung der Verbindung mit 
Übersee von größter politischer und wirtschaftlicher Bedeutung sei, 
haben sich die zuständigen Militär- und Zivilbehörden im Verein mit 
den leitenden Persönlichkeiten der drahtlosen Technik in rastloser und 
unermüdlicher Arbeit bemüht, den uns gebliebenen Weg zur Nach- 
richtenübermittlung für die steigenden Bedürfnisse auszubauen. Bereits 
ın den Wintermonaten des Jahres 1914 konnten vereinzelt Geschäfts- 
telegramme zur Beförderung angenommen werden. Der Winter 1915 
sah eins wesentliche Steigerung des Privat- und Geschäftsverkehrs, so 
daß die hierfür gültigen Bestimmungen in feste Formen gebracht 
werden konnten. Natürlich legten die besonderen Eigenschaften des 
Fuokspruchs der Zulassung der Öffentlichkeit gewisse Beschränkungen 
auf, wenn anders nicht das Reich durch Mißbrauch der Einrichtung 
durch einzelue schweren Nachteil erleiden sollte. Die erwähnten Be- 
stimmungen, die der Öffentlichkeit die Benutzung des Funkspruchs 
freigaben, sehen in ihren Grundzügen etwa folgendes vor: 

1. Die Auflieferung der Telegramme hat bei der zuständigen 
Handelskammer zu erfolgen, welche die Telegramme an die zuständige 
Stelle zur Weiterbeförderung abgibt. Um einem Mißbrauch möglichst 
vorzubeugen, soll hierbei der Aufgeber seine Telegramme persönlich 
bei der Handelskammer abgeben. 

2. Die Abfassung des Telegramminhalts muß in offener deutscher 
oder englischer Sprache erfolgen und ohne weiteres klar verständ- 
lich sein, 


194 Mitteilungen aus der Praxis. 


3. Die Adresse soll, um alle Weiterungen auszuschließen, 
mindestens 4 Worte und die Unterschrift mindestens 2 Worte ent- 
halten. 

So unbequem manchem auch diese Bestimmungen erscheinen 
mögen, so ließen sie sich doch aus dem bereits erwähnten Grunde 
nicht vermeiden. Auf dem Wege über die Deutschland mit Amerika 
verbindenden Funkspruchlinien können nun Telegramme nach allen 
Teilen der Welt, mit denen die Vereinigten Staaten von Amerika durch 
Kabel oder eigene Funkspruchlinien verbunden sind, aufgeliefert 
werden. Die Gebühren halten sich in verhältnismäßig beschränkten 
Grenzen, wenn sie auch naturgemäß höher als die im Frieden auf dem 
Kabel bezahlten sind. 

Im Frühjahr 1916 gelang es, neben den beiden bereits erwähnten 
Funkspruchlinien eine weitere Linie nach Spanien verfügbar zu machen. 
Auf diese Weise konnten nach langen Monaten der Ungewißheit zum 
ersten Male die in Spanien internierten Kamerunkämpfer mit ihren 
Angehörigen daheim Nachrichten austauschen. Auch diese Linie hat 
mittlerweise eine so erhebliche Erweiterung erfahren, daß jetzt allen 
Anforderungen entsprochen werden kann. 

Der Winter 1916 zeigt eine weitere Erhöhung der etun 
fähigkeit der Funkspruchlinie nach Amerika. So wurden beispielsweise 
im Monat Oktober mehr als 300000 Worte mit den amerika- 
nischen Gegenfunkspruchstellen ausgetauscht, und diese Wort- 
zahl läßt sich nötigenfalls noch erheblich vergrößern. Diese 
Steigerung der Leistungsfähigkeit gründet sich auf eine Reihe tech- 
nischer Verbesserungen, die zum Teil erst während des Krieges aus- 
geprobt und für den praktischen Gebrauch fertiggestellt werden mußten. 
Die nächsten Monate sollen noch weitere Vergrößerungen und Ver- 
besserungen an den Einrichtungen unserer Großfunkspruchstellen 
bringen. Es darf aber auch nicht vergessen werden, daß insbesondere 
unsere obersten militärischen Behörden (die oberste Leitung des ganzen 
Betriebes liegt in den Händen des Admiralstabes der Marine) sich ein 
ganz besonderes Verdienst durch die Zurückstellung aller entgegen- 
stehenden ‚Bedenken bei der Freigabe des Funkspruchverkehrs mit dem 
neutralen Auslande, durch das Hinwirken auf eine weitere Steigerung 
dieses öffentlichen Verkehrs erworben haben. 

Die Klagen fremder Berichterstatter, die bisher gezwungen waren, 
die englischen Kabel zu benutzen, und deren Berichte durch den eng- 
lischen Zensor nur allzuoft eine dem deutschen Interesse schädliche 
Kürzung oder Änderung erfuhren, sind beseitigt, seitdem auch ihnen 


Mitteilungen aus der Praxis. 195 


die Benutzung der Funkspruchlinien im weitesten Umfange raugestell! 
werden konnte. 

Von welchem Werte die Leistungssteigerung unserer überssäicchen 
Funkentelegraphie ist, mag daraus entnommen werden, daß die Be- 
richte unserer Obersten Heeresleitung und der Seekriegs- 
leitung, sowie die Reden unserer Staatsmänner oder sonstige 
besondere Ereignisse in den großen Tageszeitungen der Vereinigten 
Staaten von Amerika zu gleicher Zeit wie in den deutschen 
Zeitungen erscheinen und damit allen englischen Verdunkelungs- 
und Verdrehungsversuchen zuvorgekommen wird. Eine sinnreiche und 
umfassende Organisation sorgt dafür, daB diese Berichte sofort bis 
in die kleinsten Staaten Südamerikas und bis in das ferne 
Ostasien weitergehen. So wird dem Auslandsdeutschen die Sieges- 
zuversicht erhalten und den neutrnlen Staaten die Wahrheit über die 
Verhältnisse und Zustände bei den Mittelmächten klargelegt, die sie 
in der Flut englischer Lügennachrichten nicht zu erkennen ver- 
möchten. 

Dank der Funkentelegraphie wird an der Sonne der Wahrheit 
englischer und welscher Trug zuschanden werden und dahinschmelzen 
wie vor unseren Waffen das Völkeraufgebot fast der ganzen Welt. 

E. 


Drahtlose Telegraphie auf Flugzeugen. 


Durch die gesamte deutsche Tagespresse ging Ende Februar ein 
offenbar von der deutschen Militärbehörde selbst inspirierter Artikel 
„Bei unseren Fliegern in Döberitz“, der folgende unsere Leser beson- 
ders interessierende Angaben enthielt: 

Vor dem Kriege haben selbst die weitblickendsten Fachleute nicht 
die Entwickelung des Flugwesens und der mit ihm verknüpften Mög- 
lichkeiten vorausgesehen, die dann in den 30 Monaten des Krieges 
eingetreten ist und offenbar noch weiter bevorsteht. Diese Entwickelung 
hat Fortschritte von kaum abmeßbarer Ausdehnung bewirkt. Der Be- 
trachter findet kaum Worte für sein Erstaunen und seine Bewunderung, 
wenn er unser jüngstes, mit den erlesensten kriegstechnischen Hilfs- 
mitteln ausgestattetes Flugzeug mit einem der Apparate vergleicht, 
mit denen seinerzeit unsere ersten Flieger aufstiegen. So sind die alte 
Taube und der erste Fokker aus dem Kriegsdienst verschwunden. Die 
erste Aufgabe war, das Flugzeug dauerhafter, widerstandsfähiger und 


196 Mitteilungen aus der Praxis. 


leistungsfähiger zu machen. Diese Aufgabe wird in immer vollkom- 
menerem Maße gelöst. An Stelle des alten Drahtgewirrs sind meisten- 
teils feste Versteifungen getreten; Flügel, Steuer usw. sind kräftiger 
geworden, so daß die Stabilität des Flugzeuges bedeutend gesteigert 
ist. Ähnlich ist die Tragfähigkeit der Apparate gewachsen. Bomben, 
Maschinengewehre, Beobachtungsapparate, Kameras, Filmkasten tragen 
die Kriegsflugzeuge von heute außer dem Flieger und Beobachter weit 
über die feindlichen Linien. Entsprechend ist naturgemäß die Größe 
und Ausdehnung der Apparate gestiegen. Die Zahl der erreichten 
Ausmaße zu nennen, verbietet sich unter den jetzigen Umständen; der 
Leser muß sich mit der Versicherung begnügen, daß die deutsche 
Technik hier Wunder wirklich zu machen verstanden hat. Ist durch 
diese technische Verbesserung die Sicherheit und Dauerfähigkeit der 
Flugzeuge gestiegen und durch ihre Vergrößerung ihre Tragfähigkeit, 
so ist demgegenüber auch ihre Schnelligkeit und Flugkraft nicht 
zurückgeblieben, sondern hat mit den erwähnten Entwickelungen min- 
destens gleichen Schritt gehalten. Die Eutwickelung des Luftkrieges 
hat es nun mit sich gebracht, daß die weiteren Hilfsmittel, die für 
die eigentliche Kriegstätigkeit in den Lüften notwendig sind, auch 
vervollkommnet werden mußten. In erster Linie steben die Mittel zur 
Verständigung. Der Flieger von einst war darauf angewiesen, das 
von ihm in der Luft Beobachtete entweder erst nach seiner Rückkehr 
den zuständigen Stellen, den infanteristischen bzw. artilleristischeh 
Truppenkörpern mündlich mitzuteilen, oder man war auf Flaggen- 
und Leuchtsignale beschränkt. Heute sind wir so weit, daß wir jeden 
Apparat mit einer eigenen drahtlosen Station ausstatten können, 
die Drahtungen über 50, ja bis zu 300 km ermöglicht. Dabei ist 
mühelos die Verständigung vom Flieger zu der eigenen Frontstelle 
möglich, während umgekehrt die Verständigung!) von der Frontstelle 
zum Flieger infolge des Geräusches auf dem Flugzeuge noch seine 
Schwierigkeiten hat, deren vollstäudige Überwindung indessen wohl 
auch noch nur eine Frage der Zeit ist. Dann wird sich auch eine 
noch bessere Verständigung der Flieger und Fliegergeschwader unter- 
einander ermöglichen, obschon auch für diese Zwecke vieles erreicht 
wurde. — Hierbei sei auch die „Zentralheizung“ der Flugzeuge 
kurz gestreift. Mit Hilfe der elektrischen Quellen des Flugzeuges 


1) Vielversprechende Versuche unter Benutzung der neuen Tele- 
funkenverstärker (Gasrelais) werden auch gerade von der Flugzeugabteilung 
der Schweiz. Armee gemacht. E 


H. Eales: Patentschau. 197 


werden eigens für diesen Zweck angefertigte Fliegermäntel durch- 
wärmt — ähnlich wie es beim elektrischen Ofen geschieht, so daß die 
eisigen ‚Wintertemperaturen, die in mehreren 1000 Meter Höhe bis 
zu — 40 Grad beobachtet wurden, nicht die jeden Nerv anspannende 
Arbeit eines Fliegers beeinträchtigen. E. 


(Eingesandt 15. März 1917.) 


Patentschau. 
Von H. Eales. 


Die britische Patentschrift 7151 vom Jahre 1913 der British 
Thomson-Houston Company Ltd. in London betrifft Anordnungen 
zum Regeln und Beeinflussen der Amplitude bzw. der Leistung von 
Hochfrequenzströmen, und zwar sollen diese Anordnungen sowohl zur 
Erzeugung von Tonfrequenzen als auch für die Zwecke der drahtlosen 


Fig. 1. Fig. 2. 


Telephonie benutzt werden. Es wird davon ausgegangen, daß es be- 
reits bekannt war, Hochfrequenzströme mit Hilfe eingeschalteter Drossel- 
spulen zu regeln, deren Reaktanz mit Hilfe einer zweiten Spule, die 
mit Gleichstrom erregt wird, geändert werden kann. Dieses Verfahren 
hat aber den Nachteil, daß in der Gleichstromspule Hochfrequenzströme 
induziert werden. Dieser Nachteil soll nach der genannten Patent- 
schrift dadurch vermieden werden, daß zwei Drosselspulen in Serie 
geschaltet werden und diese der magnetisierenden Wirkung des Rege- 
langsstromes ‘unterworfen werden, wobei aber die Magnetisierungs- 


198 H. Eales. 


wirkung des Regelungsstromes in der einen Drosselspule derjenigen 
der anderen Spule entgegengesetzt gerichtet sein soll. Der Regelungs- 
strom kann dabei je nach dem besonderen Falle Wechselstrom von 
niedrigerer Frequenz (Tonfrequenz) oder auch Gleichstrom sein. -- 


Fig. 1 und 2 zeigen solche Anordnungen in teilweisem Schnitt, 
während Fig. 8 die Schaltung an sich darstellt. Fig. 4 ist eine sche- 
matische Darstellung der Anordnung für den Fall- der Anwendung auf 


16-5 ii : 17 
12 
41 5 
7 h H 
AO) 8 > 14 
Fig. 4. 


drahtlose Telephonie und Fig. 5 für den Fall der Erzeugung von Ton- 
frequenzen. In Fig. 3 ist: 6 der Hochfrequensgenerator, der das Netz 7 
speist. Zwei Drosselspulen 8 und 9 liegen in diesem Netz in Hinter- 
einanderschaltung und sie wirken zusammen mit den Spulen 10 und 11. 
Diese Spulen 10 und 11 sind gegeneinander geschaltet und werden 
aus einer Stromquelle, in Fig. 3 beispielsweise aus einer Batterie 12, 
gespeist. Infolge dieser Anordnung ist die magnetisierönde Wirkung 


- 


Patentschau. 199 
des in die Spule 10 fließenden Stromes auf die Spule 8 entgegenge- 
richtet der Wirkung des in der Spule 11 fließenden Stromes auf die 
Spule 9. Da die Spulen 10 und 11 einander entgegengeschaltet sind, 
so sind die in 10 und 11 induzierten Spannungen entgegengerichtet, 
und wenn die Spulen entsprechend dimensioniert sind, ist die resul- 
tierende Induktionswirkung Null. Die Gesamtinduktanz der Spulen 8 
und 9 ändert sich dabei proportional dem Magnetisierungsstrom in 
den Spulen 10 und il. Da die Spulen 10 und 11 gegeneinander 
geschaltet sind, muß die Gesamtinduktanz der Spulen 8 und 9 im 
Hochfrequenzkreise 7 für beide Stromrichtungen gleichgroß sein. Durch 


mx 
fu 2 
on 
1 I 


© lesen) u 


Fig. 5. 


den regelbaren Widerstand 13 kann man dann eine beliebige Regelungs- 
wirkung auf den Hochfrequenzstrom ausüben. Fig. 4 zeigt die An- 
wendung auf drahtlose Telephonie, wobei durch das Mikrophon 16 
der Steuerungsstrom entsprechend den zu übertragenden Sprachschwin- 
gungen geändert wird. 14, 15 und 17 stellen die Hochfrequenz- 
kreise und die Antenne dar. In Fig. 5 ist die Anordnung in An- 
wendung auf die Übertragung von Hochfrequenzschwingungen von 
Tonfrequenz dargestellt, wobei 23 ein Wechselstromgenerator von dieser 
Tonfrequenz ist, dessen Strom durch die Spulen 28 und 29 geleitet 
wird, während die aus der Batterie 24 gespeisten Spulen 26 und 27 
eine konstante Grundmagnetisierung liefern. In Fig. 1 und 2 endlich 
ist die Konstruktion der Spulen besonders dargestellt und zwar :be- 
sitzen die Spulen. zwei magnetisierbare Kerne 18 und 19 aus lamel- 
liertem Eisen, die Spulen 20 für den Regelungsstrom und den 
Spulen 21 für den Hochfrequenzstrom, sowie die Spulen an in Fig. 2 
für den Fall der Fig. 5 für den Tonfrequenzstrom. 


27 


200 H. Eales. 


Die Compagnie Générale Radiotelegraphique beschreibt in 
der französischen Patentschrift 444356 und in der Zusatzpatentschrift 
16369/444356 Anordnungen zur Erzeugung von Hochfrequenzströmen. 
Sie geht davon aus, daß die in Fig. 6 dargestellte bekannte Anord- 
nung, bei der eine Wechselstrommaschine A (oder ein Transformator, 
der von einem Wechselstrom oder von unterbrochenem Gleichstrom 


B 


G 
Fig. 6. 


gespeist wird) einen Schwingungskreis mit der Selbstinduktion S, der 
Kapazität D und der Funkenstrecke E über Regelungswiderstände bzw. 
Drosselspulen BC speist, im allgemeinen keine reinen Funken und 
keine sauberen Schwingungen liefert, daß sich vielmehr im allgemeinen 


G 
Fig. 7. 


eine Art Lichtbogen zwischen den Elektroden der Funkenstrecke E 
bildet, der unnütz Energie absorbiert und die Elektroden erhitzt. Zur 
Behebung dieses Nachteils hat man bisher entweder Resonanzladung 
des Speisekreises, oder Kühlung der Elektroden oder des Funkens 
selbst, oder synchron mit dem Speisewechselstrom erfolgende Änderung 
der Elektrodenentfernung oder besondere Bauarten der Wechselstrom- 
maschine mit spitzem Spannungsverlaufe verwendet. Nach der ge- 
nannten Patentschrift soll nun zur Behebung des Nachteils der Licht- 
bogenbildung gemäß Fig. 7 ein zweiter Kondensator F in Serie mit 


Patentschau. 201 


der Funkenstrecke geschaltet werden. Auf diese Weise kann man 
einen einzigen und reinen Funkenübergang pro Halbperiode des 
Speisewechselstromes erhalten. Im Gegensatz zu dem oben erwähnten 
Prinzip der Resonanzladung im Speisekreis ermöglicht diese Anordnung 
ein Arbeiten mit Speisewechselströmen von beliebig verschiedener Fre- 
quenz ohne eine neue Einstellung oder Nachregulierung zu benötigen. 
Indessen kann man trotzdem diese Resonanzladung außerdem noch 
verwenden, um alle 2 oder 3 Halbperioden einen Funkenübergang zu 
erzielen. Auch kann man diese Anordnüng bei den anderen oben an- 
gegebenen bekannten Mitteln zur Lichtbogenverhinderung nebenbei 
verwenden. In bezug auf die Werte der Kapazitäten zeigt die Rech- 
nung, daß man, wenn ihre Summe gegeben ist, ein Maximum der 


B 


Fig. 8. 


Energie erhalten kann, wenn man die Kapazität des Kondensators D 
ein wenig kleiner macht als die Kapazität des Kondensators Æ, Fig. 8 
zeigt eine Abart der Schaltung. Die Funkenstrecke wird je nach den 
besonderen Umständen gewählt. Für Stoßerregung und hohe Span- 
nungen sollen Serienfunkenstrecken mit rotierenden Elektroden ver- 
wendet werden. Wenn die Elektroden oder eine der Elektroden der 
rotierenden Funkenstrecken gezahnt sind und so eine Art rotierenden 
Stromunterbrecher bilden, kann man sie synchron mit der Frequenz 
des Speisewechselstromes umlaufen lassen, um, je nach der Umdrehungs- 
geschwindigkeit, für je 1, 2, 3 oder 4 Halbperioden einen Funken- 
übergang zu .erbalten. Für Tonfunkentelegraphie wählt man den 
Speisewechselstrom von gut hörbarer Frequenz und hat dann ein Mittel, 
den Ton schrittweise zu ändern. Werden dagegen die gezahnten 
Elektroden außer Synchronismus angetrieben, so erhält man unregel- 
mäßige Töne, die dazu dienen können, eine Station für drahtlose Tele- 
graphie besonders kenntlich zu machen. In der Zusatzpatentschrift 
16369/444356. wird dieselbe Kondensatorschaltung angewendet auf 
Jahrb. d. drahtl. Telegraphi u. Telephonie. 12. 14 


202 H. Eales. 


den Fall, wo anstelle des Speisewechselstromes ein kommutierter Gleich- 
strom verwendet wird, wie Fig. 9 zeigt. m ist die Gleichstrommaschine 
und c ein umlaufender Kommutator, der z. B. 500mal in der Sekunde 
die Stromrichtung umkehrt. 


b 
Ə S 
=n E 5 
€ 
D 
F 
® g C 
Fig. 9. 


Emile Girardeau beschreibt in der französischen Patentschrift 
432647 Anordnungen zur Erzeugung ununterbrochener oder schwach 


Fig. 10. 


gedämpfter elektrischer Schwingungen, die in Fig. 10 und 11 dargestellt 
sind. Girardeau beabsichtigt, die Verwendung einer Funkenstrecke im 


B 
| K Z 
B 0 

| Fig. 11. 


Schwingungskreis ganz zu vermeiden. Zu diesem Zwecke will er in dem 
geschlossenen, keine Funkenstrecke enthaltenden Schwingungskreis C L 
(Fig. 10) Schwingungen erzeugen, indem er einen Hilfskondensator K an 
die Klemmen BB’ der Hochspannungsstromquelle anlegt, die sowohl eine 


u 


Patentschau. 203 


Gleichstrom- als auch eine Wechselstromquelle sein kann, und indem er 
diesen Kondensator K, dessen Kapazität im Verhältnis zur Kapazität 
des Kondensators C klein sein soll, so daß auf alle Fälle die Span- 
nung an den Klemmen des Kondensators K einen genügend hohen 
Wert erreicht, sich in den Schwingungskreis C L über einen geeigneten 
Entlader E entladen läßt, worauf dann der Schwingungskreis CL frei 
ausschwingen und seine Energie an die Antenne oder einen anderen 
Nutzschwingungskreis abgeben kann. Zur Erzielung einer guten Wir- 
kung ist es günstig, wenn die Zeitdauer der Enladung des Konden- 
sators K in den Kondensator C so kurz wie möglich ist, so daß. der 
Kondensator C und damit der Kreis CL eine Art Stoßerregung er- 


Fig. 12. Fig. 13. 


hält. Zu diesem Zwecke muß der Entlader Æ geeignet angeordnet 
und ausgebildet werden; er kann z. B. Elektroden erhalten, die durch 
eine Flüssigkeit oder ein Gas gekühlt werden, oder es können Kas- 
kadenfunkenstrecken verwendet werden. In den Fällen, wo man nur 
eine Gleichstromquelle oder eine Wechselstromquelle von niedriger 
Frequenz zur Speisung des Kondensators K besitzt, könnte man ebenso 
gut eine rotierende Funkenstrecke, wie in Fig. 11 dargestellt, ver- 
wenden, wobei dann Hochfrequenzschwingungen erzeugt werden, die 
eine Tongruppenfrequenz besitzen. 

Frederick John Chambers in Liverpool beschreibt in der 
britischen Patentschrift 4777 vom Jahre 1913 Anordnungen zur 
Schwingungserzeugung, bei denen die Eigenschwingungsdauer eines 
Schwingungskreises selbsttätig geändert und so eine Art Löschfunken- 
erregung erzielt wird. Die Anordnung besteht darin, daß eine In- 
duktionsspule oder ein Kondensator in den einen oder den anderen der 
gekoppelten Kreise eingeschaltet wird und daß diese Spule oder dieser 

14* 


204 H. Eales. 


Kondensator durch eine Funkenstrecke kurzgeschlossen wird. Solange 
dann in diesem Kreise eine Entladung stattfindet, hat die Induktanz 
dieser Spule oder die Kapazität dieses Kondensators keinen Einfluß auf 
die Frequenz des betreffenden Schwingungskreises. Wenn dagegen die 
Entladung und die Schwingungen in diesem Kreise aufhören, wird die 


Fig. 14. Fig. 15. 


Spule oder der Kondensator automatisch in den Schwingungskreis ein- 
geschaltet und so dessen Eigenfrequenz geändert. Die beiden gekop- 
pelten Kreise sind dann nicht mehr aufeinander abgestimmt und es 
kann somit keine Rückwirkung und Rückzündung mehr eintreten. In 
den Figg. 12, 13, 14 und 15 sind einige derartige Schaltungsanord- 


Aa 


Fig. 16. 


nungen dargestellt. Nach Fig. 12 ist die Kapazität C und nach Fig. 13 
die Selbstinduktion L durch eine Funkenstrecke D überbrückt; der 
Luftleiter ist bei A und B angeschlossen. F ist der Kondensator des 
Schwingungskreises, E dessen Funkenstrecke und H eine dem Primär- 
kreis und der Antenne gemeinsame Induktionsspule. Gemäß Fig. 14 
liegt ein Teil der gemeinsamen Induktionsspule H sowohl im Primär- 
als auch im Sekundärkreis und dieser Teil L wird durch die bei D 
überspringenden Funken kurzgeschlossen. In Fig. 15 endlich sind die 
Induktanzen L?! L?, die durch die Funkenstrecken D, D, überbrückt 
sind, symmetrisch auf beiden Seiten der Hauptfunkenstrecke Æ an- 
geordnet. Fig. 16 zeigt den Schwingungsvorgang bei der gewöhn- 


Patentschau. 205 


lichen Anordnung gekoppelter Schwingungskreise; im Primärkreis (P) 
finden wiederholte Zündungen statt und im Sekundärkreis (S) treten 
die bekannten Schwebungen auf. Fig. 17 dagegen zeigt den Schwin- 
gungsvorgang bei den Anordnungen von Chambers; wenn der Ent- 
ladungsvorgang im Primärkreis bei a erlischt, findet keine Rückzündung 
mehr statt, denn in diesem Augenblicke findet eine Verstimmung des 
Primärkreises statt, so daß vom Antennenkreise her keine Rückwirkung 
mehr ausgeübt werden kann. Diese Anordnung ermöglicht also, die 
Wirkung der Löschfunkenerregung mit geringeren Primärverlusten zu 
erreichen; auch für größere Leistungen werden besondere Mittel zur 
Kühlung der Elektroden und die Verwendung von Serienfunkenstrecken 
entbehrlich. Die Induktanz L wird zweckmäßig von derselben Größen- 
ordnung oder etwas kleiner als die Induktanz H gewählt und die 
Funkenstrecke D klein gemacht im Vergleich zur Hauptfunkenstrecke E, 


um unnötige Dämpfung zu vermeiden. Natürlich kann die Anordnung 
statt bei direkt gekoppelten Schwingungskreisen auch bei induktiven 
Koppelungen verwendet werden. 

Siegmund Strauss in Wien beschreibt in der österreichischen 
Patentschrift” 71340 eine Anordnung zur Erzeugung elektrischer 
Schwingungen mittels eines mit einem leitenden Dampf oder Gas ge- 
füllten Entladungsrohres, in dem zw'schen Kathode und Anode eine 
an eine Hilfsspannung angelegte Hilfselektrode angeordnet ist. Das 
Wesen dieser Anordnung besteht darin, daß der Stromkreis zwischen 
Kathode und Hilfselektrode mit dem Stromkreise zwischen Kathode 
und Anode induktiv gekoppelt ist, so daß Stromschwankungen im 
ersten Stromkreise auf den zweiten übertragen werden, der dadurch 
die im .Stromkreise zwischen Kathode und Hilfselektrode auftretenden 
Stromschwankungen verstärkt, wodurch im Entladungsrohre kontinuier- 
liche und vor allem verstärkte elektrische Schwingungen bzw. Schwan- 
kungen entstehen, deren Frequenz nebst dem Gas- oder Dampfdrucke 
im Rohre und der Beschaffenheit der Hilfselektrode vor allem durch 
die Größe der Selbstinduktion und Kapazität der in Betracht kom- 
menden Stromkreise bedingt ist. Als besonderer Vorteil dieser An- 


206 H. Eales. 


ordnung erweist sich die Tatsache, daB mit der beim Einsetzen der 
Stromschwankungen auftretenden Veränderung des scheinbaren Gseamt- 
widerstandes im Entladungsrohre die Hilfselektrode gegen die angelegte 
Spannung unempfindlich wird, wodurch sich diese Anordnungen zu- 
gleich gegenüber anderen bekannten Relaisprinzipien vorteilhaft unter- 
scheidet. Die Schwingungen können durch entsprechende Wahl der 


Fig. 18. 


Selbstinduktion und Kapazität usw. vom akustisch wahrnehmbaren Ton 
bis zu unhörbaren Schwingungen (Hunderttausende in der Sekunde) 
gesteigert werden. In Fig. 18 und 19 sind zwei Ausführungsformen 
der Schaltungsanordnung dargestellt. Mit + und — sind die Pole 
einer Stromquelle E bezeichnet, K stellt die Kathode dar, die nach 
Wehnelt mit einem Metalloxyd überzogen werden kann, A die Anode 
und H die dritte Elektrode. Die Kathode K kann auch aus Queck- 
silber bestehen, in welchem Falle die Röhre als Quecksilberlampe be- 
trieben wird. Die Spannung e liegt an der Hilfselektrode H. n, und 
n, sowie n, stellen Transformatorspulen dar, die sich induktiv mehr 


Patentschau. 207 


oder weniger beeinflussen. ZL bedeutet die Antenne, @ das Gegen- 
gewicht für dieselbe und C die Kapazität im beispielsweise angenom- 
menen Schwingungskreise. Die Wirkungsweise dieser Anordnung ist 
folgende: Sobald die Entladungsröhre eingeschaltet ist, entsteht das 
Glimmlicht, welches den ganzen Raum des Entladungsrohres ausfüllt, 
und nur an der gitterförmigen Hilfselektrode, welche an eine bestimmte 
Teilspannung angeschlossen ist und die Röhre unterteilt, zeigt sich auf 


Fig. 19. 


der der Anode zugekehrten Seite der Kathodendunkelraum deutlich. 
Wird nun durch einen Stromstoß, beispielsweise beim Einschalten, die 
an die Hilfselektrode angelegte Gleichstromspannung beispielsweise ver- 
kleinert, so nimmt in bekannter Weise auch die Stärke des Glimm- 
stromes im Entladungsrohre zu, weil infolge der Verringerung des 
Verarmungsbereiches an Ionen (Kathodendunkelraum) der Gesamtwider- 
stand im Entladungsrohre abgenommen hat. Es fließt somit ein (ver- 
stärkter) StromstoB durch die Wickelung x,. Dieser wirkt induktiv auf 
die Wickelung n, zurück und damit auf die Hilfselektrode H, ver- 
mehrt oder vermindert demnach die an diese Hilfselektrode angelegte 


208 H. Eales. 


Spannung, so daß abermals über A nach n, ein Stromstoß zustande 
kommt. Solcherart wird in n, und n, ein kontinuierlicher und ver- 
stärkter Wechselstrom hervorgerufen, der beispielsweise in L zur Aus- 
strahlung in den Raum veranlaßt wird. Der sonst deutlich sichtbare 
Kathodendunkelraum an der gitterartigen Hilfselektrode scheint wäh- 
rend des Vorhandenseins der Schwingungen nicht ganz zu verschwinden, 
sondern nur bedeutend näher an die Hilfselektrode heranzurücken, so 
daß er für das Auge nicht mehr wahrnehmbar ist. Fig. 19 zeigt eine 
andere Ausführungsform; der Blendenspalt H der Elektrode besitzt 
gitterartige Teilöffnungen. Der Verarmungsbereich (Kathodendunkel- 
raum) an dieser vergitterten Blendenöffnung wird nun durch ein elektro- 


Fig. 20. 


magnetisch beeinflußtes Kathodenstrahlenbündel S entsprechend den Ab- 
lenkungen periodisch verändert, wodurch der Strom im gesamten Ent- 
ladungsrohre zum verstärkten periodischen Schwanken gebracht wird. In 
Fig. 19 sind die gleichen Bezeichnungen wie in Fig. 18 beibehalten, wäh- 
rend m, und m, die das Kathodenstrahlenbündel S ablenkenden Elektro- 
magnetspulen darstellen. Diese Anordnung wirkt wie folgt: Trifft das 
Kathodenstrahlenbündel Ş den Blendenspalt H der Elektrode mit seinen 
gitterartigen Teilöffnungen, dann wird infolge der Verringerung des Ver- 
armungsbereiches an Ionen (Kathodendunkelraum) auch die Stärke des im 
Entladungsrohre ohnehin vorhandenen Glimmstromes zunehmen. Sobald 
das Kathodenstrahlenbündel abgelenkt wird, tritt aber im Anodenraume 
des Entladungsrohres der normale Glimmstromzustand wieder ein. Auf 
diese Weise entsteht gemäß den Ablenkungen des Kathodenstrahlenbündels 
ein periodisches Schwanken des Hauptstromes zwischen Kathode und 
Anode, weil der verstärkte Strom durch die Wickelungen n, der Elek. 
tromagnetspulen fließt, der induktiv auf die Wickelung n, zurückwirkt 


Patentschau. = 209 


und wodurch infolge der Elektromagnete m, und m, das Kathoden- 
strahlenbündel einmal den Blendenspalt trifft, im anderen Falle nicht. 

In Fig. 20 ist eine Anordnung zur Schwingungserzeugung mit 
Kathodenstrahlrelais nach der britischen Patentschrift 13248 vom Jahre 
1914 der Marconis Wireless Telegraph Company und von 
H. J. Round dargestellt. Die Kathodenstrahlröhre V mit der Glüh- 
kathode F, der Anode H und der gitterförmigen Hilfselektrode S ist 
derart geschaltet, daß der Steuerungskreis induktiv beeinflußt wird 
von Strömen in dem Wiederholungs- oder Verstärkungskreise; in 
beiden Kreisen liegen elektromotorische Kräfte mit Ballastwiderständen. 
In Fig. 20 ist im Steuerungskreise © die Gitter- oder Schirmelektrode, 


> 


| 


Fig. 21. 


F die Glühkathode, R, ein Ballastwiderstand, B, eine einstellbare 
elektromotorische Kraft und K, P, ein aus Kapazität und Induktanz 
bestehender Stromresonanzkreis, dessen Eigenfrequenz die Frequenz der 
erzeugten Schwingungen bestimmt. Zum Widerstand R, und der 
Batterie B, parallel liegt ein Kondensator K, und zwar ist hierdurch 
beabsichtigt, eine Stetigkeit des Stromes herbeizuführen und trotzdem 
den Schwingungen zu ermöglichen, ohne Verluste überzugehen. Durch 
Einstellen und Ausprobieren der Größen von R, und B, kann man 
die günstigsten Verhältnisse einregulieren. Im Hauptstromkreis liegt 
der Schwungradschwingungskreis X, P), der auf den Steuerungsstrom- 
kreis K, P, abgestimmt und mit ihm gekoppelt ist, ferner eine Strom- 
quelle @ von hoher elektromotorischer Kraft und ein Widerstand R,, 
der durch einen Kondensator K, überbrückt ist. Wird der Wider- 
stand R, zu stark verkleinert, so entsteht in der Kathodenstrahlen- 
röhre ein Lichtbogen; daher wird zur Vermeidung dieser nachteiligen 
Wirkung der Widerstand R, zweckmäßig doppelt so groß gemacht wie 


- 210 Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. 


dieser kritische Betrag. Mehrere Röhren können zusammenwirken, wo- 
bei dann die Anoden über gesonderte Einstellwiderstände (R,), von 
denen jeder seinen eigenen Kondensator (K,) besitzt, mit dem Hoch- 
spannungsgenerator (G) verbunden sind. Die Schirme oder Gitter (S) 
sind dann je über ihre zugehörigen Schaltungen von R, B, K mit 
einem Ende des K, P,-Schwingungskreises verbunden und die Glüh- 
fäden werden aus einer Batterie B gespeist, wobei jeder Glühfaden 
seinen eigenen Rheostaten besitzt und mit dem anderen Ende des 
K, P,-Schwingungskreises verbunden ist. Diese Anordnung kann auch 
für die Zwecke der drahtlosen Telephonie verwendet werden, und zwar 
zeigt Fig. 21 eine solche Anwendung. Das Mikrophon M liegt dabei 
in einem Zwischenschwingungskreis, der durch die Kathodenstrahlen- 
röhre V erregt wird, wie dies soeben beschrieben wurde. Der Zwischen- 
schwingungskreis ist ferner induktiv gekoppelt mit einer zweiten Drei- 
elektrodenröhre V, von großen Abmessungen, die dazu dient, die 
Schwingungen im Mikrophonkreis zu verstärken. Durch Einstellen des 
stetigen Potentials, welches auf die Steuerungselektrode der zweiten 
Röhre einwirkt, ist es möglich, zu bewirken, daß gleichförmige Schwin- 
gungen, die auf sie einwirken, keine Wirkung auf den Anvdenkreis 
ausüben, und daß lediglich die mikrophonischen Schwankungen ver- 
stärkt werden. Der Mikrophonkreis kann auch zwischen den beiden 
gekoppelten Induktanzen, die zu den Schwingungskreisen der Röhre V 
gehören, angeordnet werden, wobei dann die zweite Röhre weg- 
fallen kann. 
(Eingesandt April 1917.) 


Adresse des Autors: Berlin-Lichterfelde West, Roonstraße 12. 


Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. 


(Die Redaktion behält sich die Besprechung einzelner Werke vor.) 


L. Lucas, Die Akkumulatoren und galvanischen Elemente. Zweite 
umgearbeitete und erweiterte Auflage (mit 92 Abbildungen). Dr. Max 
Jänecke, Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1917. geb. M. 4.40 

J. Spielrein, Lehrbuch der Vektorrechnung, nach den Bedürfnissen 
in der technischen Mechanik und Elektriziättslehre. Verlag Konrad 
Wittwer, Stuttgart 1916. M. 14.—, geb. M. 16.— 

Handbuch der Radiologie (herausgegeben von Erich Marx). 

E. Gehreke: Glimmentladung. 
Band III E Seeliger: Positive Säule. 
W. Hallwachs: Lichtelektrizität. 


Literaturverzeichnis. 211 


N wi en 
agenbac ichtbogen. 
Band IV W. Richardson: Glühelektroden. 
E Mars, Flammenleitung. 
Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1917. 

Elektroindustrie, 1. u. 15. April, 1. u. 15. Mai 1917. Fachschriften-Ver- 
lag A.-G. Zürich. 

W.C. Röntgens Grundlegende Abhandlungen über die X-Strahlen. 
Zum siebzigsten Geburtstag des Verfassers herausgegeben von der 
Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft in Würzburg (mit 1 Porträt). 
Verlag von Curt Kabitzsch, Würzburg 1915. Kart. M. 0.70 


(Eingesandt 5. Mai 1917.) 


Literaturverzeichnis. 


Ahrens, Heinr., Telegr. u. Fernsp.-Techn. 6, 3, 1917. Mikrophon, welches 
in allen Lagen gleichmäßig wirksam ist. 

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Bergholm, C., Ann. Phys. 52, 101, 1917. Ein Detektor mit gelöteten Kon- 
takten. 

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Bemerkung über die Verwendung hochgespannten Gleichstromes für die 
Zwecke der drahtlosen Telegraphie und Telephonie. 

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of August 22, 1916. 

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212 Literaturverzeichnis. 


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for magnetic-mechanical testing. 

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nutzung der ionisierenden Wirkung von Kathodenstrahlen. Diss. Göt- 
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Marchand, H., Schweiz. Elektrot. Ztschr. 14, 81, 89, 1917. Le redresseur 
å vapeur de mercure dans les installations téléphoniques et télėgraphiques. 

McLachlan, N. W., Electrot. Ztschr. 38, 209, 1917. (Ref. ü. El. Eng. 12, 
850.) Der Poulsen-Lichtbogen. " 

Miller, J., E. u. M. 35, 137, 1917. Transformation für Überlastungs- 
betrieb. 

Nansen, E. u. M. 35, 62, 1917 (nach Z. f. Post u. Telegr., Wien). Ameri- 
kanische Funkentelegraphiepolitik. 

Nicholson, J. W. u. Wilson, E., Proc. Roy. Soc., Vol. 93, A 648, S. 129, 1917. 
Magnetic induction and its reversal in spherical iron shells. 

Pfiffner, E., E. u. M. 35, 102, 114, 1917. Der Schutzwert eiserner und 
überbrückter Drosselspulen. 

Pomey, J. B., Rev. Gen. 1, 365, 1917. Oscillations dans les circuits di- 
visés. 

— ebenda S. 563, 1917. Unités et formules de dimensions. 

Sahulka, Joh., Electrician 78, 666, 1917. (Ref. ü. Elektrot. Ztschr., Heft 26, 
1916.) Apparatus for the measurement of the voltage and frequency of 
alternate currents. 


Bücherbesprechungen. 213 


Schüler, L., Elektrot. Ztschr. 38, 188, 201, 1917. Die Geschichte des 
Transformators. l 
Still, Alfred, El. World, Vol. 69, Nr. 7, 312, 1917. Insulation of high 
voltage transformers. | 
Townend, R., El. Review Nr. 2048, 219, 1917. Frequency changers (vgl. 
auch Disku: sion in Electrician 78, 738, 1917). A 
Traubenberg, H. Rausch von, Physik. Ztschr. 18, 75, 1917. Uber die 
Gültigkeit des Ohmschen Gesetzes bei sehr hohen Stromdichten. 
Trench, R. Chenevix, Electrician 79, 102, 147, 181, 1917. Range of wire- 
less stations. 
Uller, Karl, Physik. Ztschr. 18, 99, 101, 130, 1917. Widersprüche gegen 
die Wellenkinematik; ihre Auflösungen. Das Interferenzprinzip. 
Vidmar, M., E. u. M. 35, 77, 1917. Der Entwurf des Transformators. 
Wereide, Th, Ann. Phys. 52, 276, 1917. Maxwells Gleichungen und die 
Atomstrahlung. 
White, W. C., E. u. M. 35, 85, 1917. (Ref. ü. Gen. El. Rev. 19, Nr. 9, 
1916.) Die Glühkathodenröhre als Hochfrequenzgenerator. 
Wilson, E., s. Nicholson, J. W. 
Wolf, W., Helios 23, 81, 91, 97, 105, 113, 132, 1917. Neuere Ausführungen 
und Schaltungen von Transformatoren. 
— ebenda S. 134, 142, 1917. Neuere Hochspannungssicherungen. 


(Eingesandt 5. Mai 1917.) 


Bücherbesprechungen. 


Werner von Siemens, der Begründer der modernen Elektro- 
technik. Von Artur Fürst. Geheftet M. 3.—, gebunden M. 4.— 
(Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt). 


„Am 13. Dezember 1816 wurde Werner Siemens geboren. Die 
hundertste Wiederkehr seines Geburtstages lenkt wieder einmal unsern 
Blick auf diesen großen Gelehrten, Erfinder und Organisator, der zu den 
deutschen Männern gehört, die ihrem Volk in wenigen Jahrzehnten eine 
führende Stellung auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Technik errungen 
haben. Was W. v. Siemens erfunden und geschaffen, ist großenteils ein 
gar nicht mehr wegzudenkender Bestandteil unseres täglichen Lebens ge- 
worden; seine Persönlichkeit tritt dahinter für das Bewußtsein der Allgemein- 
heit etwas zurück. Und doch ist er auch ein vorbildlicher Mensch gewesen 
in seiner gewaltigen Energie, die durch keinen Fehlschlag sich entmutigen 
ließ, in seinem immer weitere Wirkungskreise umfassenden Schaffensdrang 
und seinem großzügigen Gemeinsinn. Ein kurz gefaßtes, allgemeinverständ- 
liches Lebens- und Charakterbild des bedeutenden Mannes ist darum eine 
willkommene und nützliche Gabe zur Feier seines hundertsten Geburtstages; 
und eine solche bedeutet uns Artur Fürsts soeben erschienenes Buch. 
Fürst bewährt auch hier seine oft bewiesene Meisterschaft in allgemein- 
verständlicher Darstellung technischer Probleme und Schöpfungen, so daß die 


214 Bücherbesprechungen. 


fachwissenschaftlichen Abschnitte auch für den Laien klar und gewinnreich 
zu lesen sind. Ihm kam aber bei dem erfolgreichen Bestreben, ein wirk- 
lich populäres, menschlich fesselndes Lebensbild zu geben, auch sein Stoff 
zu Hilfe. „Werner Siemens Erdenwallen‘‘, so sagt Fürst im 1. Kapitel des 
Buches, „ist erfüllt von romantischen Begebenheiten, von Abenteuern 
könnte man sagen, wie sie in solcher Zahl nur wenigen begegnen. Fort- 
während erlebt er Außerordentliches ... dreimal verursacht er schwere Ex- 
plosionen, er erobert eine Festung, kämpft mit Beduinen auf der Spitze einer 
Pyramide, wird durch Schiffbruch auf eine unbewohnte Insel gebannt, eine 
lose gewordene Kabeltrommel droht sein Schiff zu zerschmettern, das Meer 
strömt mit furchtbarem Wüten in seltsamer Weise gegen ihn an. Und — was 
das Erstaunlichste ist — in all diesem Getümmel oft schwerer Gefahren bleibt er 
jeden Augenblick der ruhige, sorgsam beobachtende Mann der Wissenschaft ... 
Er treibt Navigation während des Schiffbruchs und Meeresforschung in- 
mitten der Wasserhose.“ — So trafen die eigenartige Begabung des Ver- 
fassers und der Reichtum seines Stoffes zusammen, um ein Buch entstehen 
zn lassen, das in seiner ebenso anspruchslosen und frischen, wie gut fun« 
dierten Art geeignet ist, die Persönlichkeit eines der bedeutendsten Männer 
deutscher Wissenschaft und Technik weiten Kreisen verehrungswürdig und 
verständlich zu machen; ein technisch-biographisches Volksbuch in gutem 
Sinn, wie etwa die Schriften von Max Eyth und die prächtige Biographie 
des alten Nathusius.“ 

Diesen Einführungsworten können wir durchaus zustimmen. Selbst 
der Fachmann wird in freien Abendstunden solche fesselnde Lektüre gern 
zur Hand nehmen. Man freut sich nochmals der Taten des großen deutschen 
Pioniers auf dem Gebiete der Elektrizität und durchläuft gern alse Phasen 
seines Erdenwallens, aber man schätzt auch den nachdenklichen Biographen, 
wenn er ahnungsvoll andeutet, wie großen Menschen ihre Wege vor- 
geschrieben zu sein scheinen, die sie gehen müssen über alle Hindernisse 
hinweg und manchmal ihrem eignen Wollen entgegen. 

Eine Anzahl guter Abbildungen, in denen öfters das Einst und Jetzt 
einander gegenübergestellt sind, unterstützen an manchen Stellen die leb- 
haften Schilderungen des trefflichen Werkchens. 

An einzelnen Stellen halten die mehr für den Laien geschriebenen 
Fürstschen Ausführungen strengster Kritik nicht stand. So ist z. B. sicher 
unzulässig Emil Rathenau als Nachfolger von Werner Siemens in der Führer- 
schaft in der Starkstromtechnik zu bezeichnen. Rathenau war ausgesprochen 
Kaufmann, Werner Siemens aber vorwiegend wissenschaftlicher Techniker. 

Eichhorn. 


Sven Hedin, „Nach Osten!“ 182 Seiten, 27 Abbildungen (25 Photo- 
graphien, 2 Zeichnungen), Feldpostausgabe 1 M. Leipzig, F. A. Brockhaus. 


Derselbe tapfere Schwede, der schon durch sein Buch über die West- 
front so erfolgreich für Deutschlands Ehre gefochten und unsern verblen- 
deten Gegnern das „Volk in Waffen“ als ein leuchtendes Vorbild hin- 
gestellt hat, tritt noch einmal für die Kulturmission der gesamten germa- 
nischen Welt in die Schranken! Er hat mehrere Monate lang die Ostfront 


ss 


Bücherbesprechungen. 215 


bereist, die deutschen, österreichischen und ungarischen Armeen von Memel 
bis Czernowitz kennen gelernt, ihr Leben und ihr Kämpfen studiert, mit 
ihren Heerführern als Freund verkehrt, die Schauplätze aller großen Kriegs- 
ereignisse besucht, den Zerstörungsweg der moskowitischen Soldateska mit 
Entsetzen verfolgt und zuletzt den Siegeszug der verbündeten Armeen bis 
in das Herz Rußlands hinein mitgemacht. 

Was er auf dieser zweiten Kriegsfahrt erlebt und gesehen, was er aus 
den gewaltigen Eindrücken an neuen Ergebnissen über Wesen und Ziel: 
des uns aufgedrungenen Krieges gewonnen hat, das tritt in seinem Buche 
„Nach Osten!“ an die Öffentlichkeit. Reicher noch und vielseitiger als in 
seinem „Volk in Waffen“ ist in diesem Werk die Fülle der Tatsachen und 
Beobachtungen, der Begegnungen, Schilderungen und Gesichtspunkte, un- 
gleich länger die Front und weit dramatischer der Gang seiner Erzählung, 
die ihn von den Verwüstungen der Kosaken in Ostpreußen in fortreißendem 
Krescendo zu den Höhepunkten des Krieges gegen Rußland, nach Przemysl 
und Lemberg, nach Warschau, Nowo-Georgiewsk und Brest-Litowsk führt. 

Zwei Völker in Waffen, Deutschland und Österreich-Ungarn, sieht er 
hier aufs innigste in Nibelungentreue vereint; zwei gekrönte Häupter, Kaiser 
Wilhelm JI. und Kaiser Franz Joseph, empfangen ihn als ihren Gast; alle 
gefeierten Heerführer des Ostens, Erzherzog Friedrich und Hindenburg, 
Prinz Leopold von Bayern und Conrad von Hötzendorf, Mackensen, Woyrsch, 
Ludendorff, Linsingen widmen dem berühmten Forscher, dem ehrlichen 
Neutralen, Stunde und Tage. Hedin sieht auch hier im Osten, was andern 
nnr zufällig vor Augen kommt, und darf mit Kamera und Zeichenstift 
arbeiten, fast wo er will. Und daß er solchen Vertrauens würdig ist, be- 
weist sein neues Buch, das aus dem gleichen leidenschaftlichen Drang 
nach Wahrheit erwachsen ist wie sein erstes, abermals den verborgenen 
Drahtziehern dieses Krieges, den Engländern, die scheinheilige Maske vom 
Antlitz reißt und ihnen eine pikante „Schwedische Schüssel“ unter die Nase 
schiebt, von der ihnen die Augen übergehen werden. 

Dankenswert ist besonders Hedins schlagend durchgeführter Vergleich 
zwischen Belgien und Ostpreußen. Mit Worten flammenden Zornes 
kennzeichnet er die Heuchelei, die von Mitleid mit den belgischen Frank- 
tireurs überfließt, aber kein Wort verliert über die unschuldig hingemordeten 
Männer, geschändeten Frauen und sinnlos verwüsteten Gegenden Ost- 
preußens. Hedins Schilderungeu dessen, was er dort gesehen hat, werden 
in der ganzen Welt Aufsehen machen. 


Molli, Giorgio, Englands Verhängnis. Die Folgen des U-Bootkrieges. 
Preis 1 M. Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart. 


Italien, das amtliche und politische, steht auf Seiten unserer Feinde. 
Daß viele der Besten im Volke die Irrung ihrer Regierung aufs schwerste 
beklagen, ist heute anerkannte Tatsache und geht aus zahllosen offenen 
und geheimen Dokumenten hervor. Namentlich in den Kreisen des Heeres 
und der Marine hat man sich nur widerwillig der herben Notwendigkeit 
gefügt. Zu denen, die bis zuletzt der alten Freundschaft und Allianz treu 


216 Bücherbesprechungen. 


blieben, zählt vor allem Giorgio Molli, der Verfasser der vorliegenden 
Schrift, der in seiner Heimat als Autorität auf dem Gebiete des Marine- 
wesens bekannt ist. Eine schwere Krankheit hat Molli verhindert, seine 
Glossen zum deutschen U-Bootkriege, die bereits vor Jahresfrist erscheinen 
sollten, schon früher der Öffentlichkeit zu übergeben. Doch kommen sie 
auch heute noch recht, um dem deutschen Publikum zu beweisen, daß auch 
Marinemänner der feindlichen Staaten durchaus auf dem Standpunkte unserer 
deutschen Marine stehen. Giorgio Mollis Urteil ist aus mehr als einem 
Grunde für uns Deutsche wertvoll. Denn seit dem Jahre 1888, wo seine 
„Italia in Mare“ und die darin enthaltene scharfe Kritik der damaligen 
argen Flottenverhältnisse Italiens Aufsehen machte, nahm dieser aus der 
Marineakademie von Livorno hervorgegangene Kritiker unter seinen Kollegen 
einen ersten Platz ein, und Admirale wie Saint-Bon und de Amezaga 
drückten dem scharfen Beobachter ihre vollste Anerkennung aus. Es folgte 
unter vielen anderen Fachschriften das vortreffliche Kompendium des „An- 
tiken und modernen Marinewesens“ (1905). Am meisten Aufsehen, ja wirk- 
lichen Schrecken in fachmännischen italienischen Kreisen weckte aber der 
„Zerfall der italienischen Flotte“ (1908), worin Molli als Folgen des Kohlen- 
mangels und der trotz des Dreibundes ganz auf England und Frankreich 
aufgebauten Militär- und \arineindustrie Italiens die notwendige Katastrophe 
in einem Zukunftskriege voraussagte... Noch einmal bewährte Molli seine 
Prophetengabe, als er 1915, noch vor Beginn des Darlanel.enupsernehmene, 
dessen unfehlbares Scheitern prophezeite .. 

Nach Ausbruch des österreichisch- italienischen Küng kehrte Giorgio 
Molli, der bis zum letzten Augenblicke das römische Blatt „Vita“ durchaus 
im Sinne des Dreibundes geleitet, seinem Vaterlande den Rücken. Mit ihm 
verlor Italiens Journalismus, wie Marinefachkritik, nicht nur einen der 
besten und kenntnisreichsten Männer, sondern auch Deutschland einen 
seiner aufrichtigsten und wärmsten Freunde am Tiber... Sein Büchlein 
über den U-Eootkrieg wird, das ist kein Zweifel, Mollis Scharfsinn und 
kluge Voraussage von neuem erhärten. 

Ich habe das kleine ausgezeichnete Werkchen mit großer Befriedigung 
gelesen und auf dasselbe in meiner politischen Publizistik, der ich als 
Pionier meines Vaterlandes hier meine freie Zeit widme, auch die Neutralen 
aufmerksam gemacht. Ad usum der Vasallen Englands habe ich besonders 
die folgenden Worte Mollis hervorgehoben: „Der Tag. wird nicht aus- 
bleiben, an dem es den heutigen Verbündeten Englands klar werden wird, 
daß sie verblendet durch die jahrelange Hetze (die auch hier in der Schweiz 
kräftig im Gange ist) einer im Solde britischer Interessen arbeitenden Presse, 
fruchtlos ihr bestes Blut englischem Egoismus zum Opfer gebracht haben.“ 


Zürich, Ende Mai 1917. Eichhorn. 
(Eingesandt 23. Mai 1917.) 


Jahrbuch 


der 


drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


Band 12. 1917. Heft 3. 


Inhalt. 
Seite 
R. Lindemann und E. wa Die A DDEON, (Mit 30 Figuren 
im Text) . . ie o aa 218 
- Edwin H. OT Einige neuere obea am Audion- 
empfänger. (Mit 26 Figuren im Text) . . . 2 2.2... . 24l 
J. Bethenod: Über die Verwendung des Audions als Generator mit 
Selbsterregung. (Mit einer Figur im Text. . . . 2 . . . . 28 
L. W. Austin: Quantitative Versuche mit dem Audion . . . . . 284 
Referate: 
Marius Latour: Theoretische Or erne des Audions. Se 
8 Figuren im Text. . . 2.2... a E er . . 288 
Mitteilungen aus der Praxis: 
L. W. Austin: Die Messung radiotelegraphischer Signals- mit dem 
schwingenden Audion. (Mit 2 nenn im Text). . . 296 
Patentschau: 
H. Eales. (Mit 18 Figuren im Text) . . » 2 2.2.. <. . 305 
Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. . . . . . 823 
Literaturverzeichnis. - . . 20 ren 924 
Bücherbesprechungen . . a 2 2 2 nn nn nn nenn. 826 


Manuskripte für das Jahrbuch sind an die Redaktion: Dr. G. Eichhorn in 
Zürich, Hauptpostfach 6133, zu senden. Zur Erleichterung der Be- 
richterstattung wird um Zusendung einschlägiger Sonderabdrücke und 
Mitteilung wichtiger Arbeiten für das Literaturverzeichnis gebeten. 

Abonnements und Inserate sind an die Verlagsbuchhandlung von M. Krayn, 
Berlin W. 10, Genthinerstraße 39 zu richten. 


Jahrb. d. drahbtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 15 


218 R. Lindemann und E. Hupka: 


Die Liebenröhre. 


Theorie ihrer Wirkungsweise. — Untersuchungen über Strom- 
verzerrung und Trägheit der Entladung. 


Von R. Lindemann und E. Hupka. )) 
(Mitteilung aus der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt.) 


1. Beschreibung der Röhre. Zur Verstärkung schwacher 
Wechselströme, z. B. in der Telephontechnik, wurde von Robert 
v. Lieben, Eugen Reiß und Sigmund Strauß in Wien im Jahre 
1910 ein Relais angegeben?) Das Relais (Fig. 1) besteht aus einer 
Entladungsröhre mit vier Zuleitungen; zwei derselben führen an die 
Enden eines nach Art des Glühfadens in den Metalldrahtlampen auf- 
gewundenen Platinbandes, welches mit dem Oxyd eines Erdalkali- 
metalls, z. B. CaO, überzogen ist und elektrisch zum Glühen gebracht 
werden kann. Derartige Oxydkathoden sind von A. Wehnelt zur 
Herstellung von Ventilröhren angegeben worden. Die Glühkathode 
befindet sich etwa in der Mitte eines kugelförmigen Raumes, welcher 
nach oben von einem zweiten, birnenförmigen Raume durch eine sieb- 
artig durchlöcherte Aluminiumplatte getrennt ist. Die Anode besteht 
aus einem etwa 2 cm langen Metalldraht im oberen Teil. Die Röhre 
ist mit Quecksilberdampf gefüllt, dessen Druck auf einige Hundertstel 
Millimeter geschätzt werden kann. Um das Härterwerden der Röhre 
infolge der Entladung zu verhindern, befindet sich in einem seitlichen 
Ansatz etwas Amalgam. Die von uns benutzte Lampe wurde von 
der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft gebaut und uns von der Ge- 
sellschaft für drahtlose Telegraphie freundlichst zur Verfügung gestellt 
und zwar in Verbindung mit einer festen Schaltanordnung. Das 
Schema dieser Anordnung gibt Fig. 2 wieder. Hierin bedeutet Z die 


1) Genehmigter Abdruck aus Arch. f. Elektrot. Bd. IH. Heft 2. S. 49. 
1914. Wir verweisen auch auf den Artikel „Theorie der Liebenröhre mit 
einem Beitrag zur Frage nach der Trägheit von Gasentladungen‘“ der 
gleichen Verfasser in Verh. d. Phys. Ges. 16, 881. 1914. 


2) D.R.P. 236716 und 249142; vgl. auch Reiß, ETZ. 34, 1359—1863, 
1913; und F. W. Schulze, Naturwiss. 2, 7—14, 1914. 


Die Liebenröhre. 219 


Röhre, B, die Heizbatterie*von 80—40 Volt Spannung, B, die Haupt- 
batterie zur Erzeugung der Entladung zwischen Anode und Kathode 
von etwa 240 Volt, w, und w, Vorschaltwiderstände, letzterer über- 
‚brückt durch die Kapazität C, von 1 Mikrofarad für die Zwecke der 


Hochfrequenz, R einen an den Enden des Glühbandes liegenden Wider- 
stand mit Schleifkontakt. Durch den Transformator T, wird dem Kreis 
Sieb—Kathode (Siebkreis) der zu verstärkende Wechselstrom zugeführt. 
Der Transformator T, überträgt die in dem Kreise Anode— Kathode 
(Anodenkreis) entstehenden Stromschwankungen auf die Empfangs- 
leitung, z. B. das Telephon. Durch Verschiebung des Schleifkontaktes 
am Widerstande R wird zwischen dem Sieb und der Kathode eine 
bestimmte „kritische“ Gleichspannung erzeugt, bei welcher die Ver- 


stärkung am größten ist, 
15* 


220 R. Lindemann und E. Hupka. 


2. Ionentheorie der Gasentladufg. Zum Verständnis der 
Wirkungsweise der Liebenröhre wird es nötig sein, auf die Theorie 
der Entladung in verdünnten Gasen etwas näher einzugehen. Diese 
in den letzten 20 Jahren ausgebaute Theorie sieht als Träger der 
Entladung in Gasen diskrete, elektrisch geladene Teilchen an. Besitzen 
dieselben ponderable Masse, so nennt man sie Ionen. Neben den posi- 
tiven und negativen Ionen spielen noch eine besondere Rolle die stets 
negativ geladenen Elektronen, welchen man nach neueren Vorstellungen 
keine ponderable Masse zuschreibt, die jedoch wegen ihrer elektrischen 
Ladung bei Bewegungsvorgängen eine der mechanischen analoge elektro- 
magnetische Trägheit zeigen. Nun denkt man sich ein neutrales Gas- 
atom zusammengesetzt aus einem positiven, die ponderable Masse des 
Atoms tragenden Kern und einer Anzahl negativer Elektronen, welche 
an den positiven Kern durch die elektrischen Anziehungskräfte ge- 
bunden sind. Nebenbei sei bemerkt, daß diese Elektronen unter dem 
Einfluß der sie bindenden Kräfte Eigenschwingungen ausführen können, 
welche sich in den einzelnen Linien des für das betreffende Atom 
charakteristischen Linienspektrums optisch bemerkbar machen. Trifft 
ein mit hinreichender Geschwindigkeit frei bewegtes Elektron auf ein 
neutrales Gasatom, so wird das mit ihm fortbewegte elektrische Feld 
den Verband zwischen dem positiven Kern und seinen Elektronen 
lockern und unter Umständen auch ganz aufheben können. Das Atom 
bzw. das aus Atomen zusammengesetzte Molekül ist alsdann in ein 
bzw. mehrere positive Ionen und freie Elektronen zertrümmert. Bei 
geringer Geschwindigkeit des Elektrons kommt es vor, daß dieses an 
dem getroffenen Atom hängen bleibt und so zur Bildung negativer 
Ionen Veranlassung gibt. Auch die positiven und negativen Ionen 
können durch das Feld so große Geschwindigkeiten erhalten, daß sie 
durch ihren Stoß die Atome zertrümmern. Die Erzeugung von Ionen 
bei Zertrümmerung der Atome durch Stoß bezeichnet man als Stoß- 
ionisation, und man nennt Ionisierungsspannung die bei der Ionisation 
aufgewandte Arbeit, dividiert durch die Ladung. 

Es erhebt sich zunächst die Frage, woher die zur Einleitung 
eines Stromvorganges nötigen Ionen oder Elektronen stammen. Zwei 
Umstände kommen wesentlich hierfür in Betracht: einmal die Ionisation 
durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Substanzen, zweitens 
die Auslösung der Elektronen durch Licht (lichtelektrischer Effekt) 
oder verwandte Strahlen. 

Den einfachsten Fall einer Gasentladung haben wir dann, wenn 
zwischen zwei plattenförmigen Elektroden durch einen künstlichen 


Die Liebenröhre. 221 


Ionisator Ionen gebildet und durch das elektrische Feld zwischen den 
Elektroden fortgeführt werden. Eine solche Entladung nennt man 
unselbständig. Ist die Zahl der in der Sekunde gebildeten Ionen 
konstant, so wächst der Strom mit der angelegten Spannung bis zu 
einem Höchstwert, dem Sättigungsstrom, dadurch ausgezeichnet, daß 
in der Sekunde gerade ebenso viele Ionen vom Strom fortgeführt wie 
neu gebildet werden. 

Im Gegensatz dazu steht die selbständige Entladung. Hier liefern 
die Stromträger durch ihren Stoß die zur Erhaltung des Vorgangs 
notwendigen Ionen dauernd nach. Demgemäß ist eine gewisse Min- 
destspannung zwischen den Elektroden nötig, damit die selbständige 
Entladung bestehen kann. Im allgemeinen findet die Ionisierung nicht 
an allen Stellen in gleicher Stärke statt, sondern in einigen getrennten 
Partien. Durch die Art und Zahl dieser Ionisierungspartien unter- 
scheiden sich die verschiedenen Arten der selbständigen Entladung 
voneinander. Diese sind der Spitzen-, Glimm-, Büschelstrom und der 
Lichtbogen. Am Beispiel des Glimmstromes mögen die bei der Ent- 
ladung auftretenden Verhältnisse etwas näher verfolgt werden. Das 
Bild der Entladung ist nach Fig. 3 etwa folgendes: Unmittelbar an 
der Kathode K befindet sich eine dünne leuchtende Schicht, die erste 
Kathodenschicht a. Von ihr ist durch einen größeren dunklen Zwischen- 
raum b, den Crookeschen Raum, getrennt eine nach der Kathode zu 
scharf abgegrenzte leuchtende Schicht, das negative Glimmlicht c; 
hierauf folgt ein zweiter, unscharf abgegrenzter Dunkelraum d, der 
Faradaysche, und alsdann die entweder gleichmäßig oder in Schichten 
leuchtende positive Säule e, welche der Anode A im allgemeinen nahe 
aufsitzt. Das Gas leuchtet nur dort, wo Ionisierung durch Stoß statt- 
findet. Zunächst ist ohne weiteres verständlich, daß in unmittelbarer 
Nähe der Elektroden die Ionisation von solchen Teilen herrühren 
muß, welche auf die Elektroden zufliegen, da nur diese eine genügende 
Geschwindigkeit besitzen. können. Mithin rührt die erste Kathoden- 
schicht a her von der Ionisation der vor der Kathode liegenden Gas- 
schicht durch den Stoß positiver Ionen. Die dabei abgespaltenen Elek- 
tronen erhalten auf einer gewissen Wegstrecke die Fähigkeit zu 
ionisieren, und zwar ist diese En gleich der ne des 
Kathodendunkelraumes. - 

Die weitere Erklärung der Vorgänge in der Nähe der Kathode 
stößt auf gewisse Schwierigkeiten, welche auch zurzeit noch nicht be- 
friedigend gelöst sind. Während bei den ersten Ansätzen von J. J. 
Thomson, Stark und Townsend die Annahme gemacht wurde, daß 


222 R. Lindemann und E. Hupka. 


die durch ihren Stoß ionisierenden Teilchen die nötige Energie gerade 
auf einer gaskinetischen freien Weglänge erhalten und also am Ende 
derselben beim Stoß auf ein Atom dieses zertrümmern, hat eine 
strengere Nachprüfung!) ergeben, daß die beobachtete Dicke des 
Dunkelraumes sehr viel größer als die freie Weglänge der Elektronen 
ist. Nun machen es neuere Versuche von Franck und Hertz?) wahr- 
scheinlich, daß die Zusammenstöße der Ionen und Elektronen mit 
Gasatomen mehr oder weniger elastisch, im Falle der Edelgase nahezu 
vollkommen elastisch sind, und daß daher die lonisation nicht immer 
sofort beim ersten Stoß, sondern erst nach einer Reihe von mehreren 
Stößen erfolgt. Danach wäre in der Tat die Wegstrecke, welche ein 
Teilchen zurücklegen muß, um ionisieren zu können, im allgemeinen 
erheblich größer als die gaskinetische freie Weglänge. Da andererseits 
die getroffenen Atome durch die wiederholten Stöße nach einer unten 
näher erörterten Hypothese von R. Seeliger gelockert werden, so 
ist der schließlich bei der Ionisation aufzuwendende Rest von Arbeit 
kleiner, als es nach der alten Theorie zu erwarten wäre. Eine mög- 
liche Deutung der Erscheinung wäre hiernach z. B. folgende: Die 
Elektronen und die in entgegengesetzter Richtung fliegenden positiven 
Ionen bewegen sich infolge der mehrfachen Zusammenstöße mit den 
Gasatomen und Zickzackbahnen durch den Dunkelraum. Am Ende 
desselben erreichen die Elektronen bei einem Zusammenstoß die Fähig- 
keit zu ionisieren. Gleichzeitig stellt sich der Spannungsabfall im 
Dunkelraum so ein, daß auch die positiven Ionen an der Kathode 
ionisieren können. Hieraus folgt, daß eine bisher noch unbekannte 
Beziehung zwischen der lonisierungsspannung der Elektronen und 
positiven Ionen in einem bestimmten Gas bestehen muß. Das negative 
Glimmlicht und die erste Kathodenschicht sind insofern eng miteinander 
verkettet, als sie sich gegenseitig die zu ihrer Bildung nötigen Ionen 
liefern. | 

Auf die negative Glimmschicht c folgt ein Gebiet mit stetig ab- 
nehmender Ionisation und daher zunehmendem Potentialgefälle, der 
Faradaysche Dunkelraum d. Das Potentialgefälle wird schließlich so 
groß, daß wieder Ionisation durch Ionenstoß stattfinden kann, und 
zwar in dem der Kathode zugekehrten Ende der positiven Lichtsäule. 
Das Leuchten dieser Säule auch in ihrem weiteren Verlauf bis nahe 
an die Anode heran und das konstante Potentialgefälle deuten darauf 


1) Lit. vgl. E. Seeliger, Ann. d. Phys. (4) 38, 764, 1913. 
2) J. Franck und G. Hertz, Verh. d. D. Phys. Ges 15, 373—390, 
613—620, 929—934, 1918. 


Die Liebenröhre. 2283 


hin, daß überall Ionen neu gebildet werden. Man nimmt an, daß hier 
lediglich die Elektronen als lonisatoren wirken, weil sie einmal eine 
größere freie Weglänge haben als die positiven Ionen und also auf 
ihr unter dem Einflusse des Feldes leichter die zur Stoßionisation not- 
wendige Energie aufnehmen können, und weil sie ferner vermöge ihrer 
Kleinheit tiefer in den Atomverband eindringen und so leichter das 
Atom zertrümmern können, eine Anschauung, die vor allem von 
J. Stark!) vertreten worden ist. 

Wie leicht ersichtlich, stellen sich die beschriebene Vorkaiung der 
Ionisationsbereiche und der entsprechende Potentialabfall im Rohre 
automatisch ein. Und zwar sind dabei offenbar die Verhältnisse an 
der Kathode ausschlaggebend; erst wenn hier die schweren positiven 
Ionen die zur Ionisation notwendige Geschwindigkeit durch das Feld 
erhalten haben, wird die weitere Entladung möglich. Dementsprechend 
ändert sich bei einer Verschiebung der Anode auch nur die Länge 
der positiven Säule, während alles andere wesentlich unverändert bleibt. 
Verschwindet schließlich die positive Säule ganz bei Verkürzung des 
Abstandes der Anode von der Kathode, so geht die Glimmentladung 
in eine der negativen Spitzenentladung entsprechende über. 

Als ein Zwischenstadium zwischen der selbständigen und un- 
selbständigen Entladung führt J. Stark (l. c.) die gemischt unselb- 
ständige Entladung ein. Hier erhalten die geladenen Teilchen durch 
das Feld zwar genügende kinetische Energie, um dauernd durch ihren 
Stoß neue Ionen zu schaffen; jedoch genügt die Zahl der so gebildeten 
Ionen nicht, um die Entladung stabil zu erhalten, ohne daß gleich- 
zeitig dauernd ein äußerer lonisator zur Bildung neuer Ionen mit- 
wirkt. Zu dieser Gruppe ist die Entladung in der Wehneltschen 
Ventilröhre zu rechnen. Der künstliche Ionisator besteht hier aus 
einer glühenden, mit Oxyd bestrichenen Kathode, welche dauernd 
Elektronen abgibt. Im Gegensatz zur selbständigen Entladung sind. 
also die Elektronen nicht erst durch die auf die Kathode zufliegenden: 
positiven Ionen zu schaffen; der Kathodendunkelraum mit dem be- 
trächtlichen Kathodenfall verschwindet daher, und es genügt ein 
Spannungsabfall von nur etwa 12 Volt, um den von der Kathode aus- _ 
gehenden Elektronen die zur Stoßionisierung nötige Energie zu geben. 
Eine solche Wehneltsche Entladungsröhre muß ausgesprochene Ventil- 
wirkung zeigen, denn bei einer Vertauschung der Pole der angelegten 
Batterie tritt an der nunmehr kalten Kathode ein hoher Kathodenfall 


1) J. Stark, Die Elektrizität in Gasen.: Leipzig 1902. 


224 R. Lindemann und E. Hupka. 


auf, und erst wenn die Spannung größer als dieser Kathodenfall ist, 
fließt ein Strom. Auch in der durchlässigen Richtung kann der Strom 
eine nennenswerte Stärke erst erreichen, wenn Stoßionisation eintritt. 
Die hierzu nötige Elektrodenspannung heißt die Mindestspannung des 
Veutils, 

3. Theorie der Liebenröhre. Nach diesen allgemeineren Aus- 
führungen sind wir imstande, uns ein Bild von den Entladungsvor- 
gängen in der Liebenröhre zu machen. Die Verhältnisse werden hier 
durch Einführung einer dritten Elektrode, des Siebes, kompliziert. In 
dem unteren Entladungsraume zwischen dem Sieb und der Kathode 
haben wir offenbar im wesentlichen die Verhältnisse der Wehneltröhre, 
im oberen Raume dagegen im wesentlichen die Bedingungen der selb- 
ständigen Glimmlichtentladung. Dementsprechend ist an dem nach 
oben als Kathode wirkenden Siebe ein Dunkelraum zu beobachten. 
Dadurch, daß die Ionen aus dem einen Raum in den anderen über- 
treten können, beeinflussen sich die Entladungen gegenseitig, und zwar 
muß bei zunehmender Spannung zwischen Sieb und Kathode die Zahl 
der von unten durch das Sieb hindurchtretenden Ionen größer werden. 
Zur Erklärung des Weiteren ziehen wir die von R. Seeliger!) auf- 
gestellte und genauer verfolgte Hypothese heran. Sie sucht die merk- 
würdige Erscheinung zu deuten, daß die Wegstrecke, welche die 
Elektronen bzw. Ionen zurücklegen müssen, um durch ihren Stoß 
ionisieren zu können, nicht nur vom Gasdruck, der Natur des Gases usw., 
sondern auch von der Stromdichte, also der Zahl der neben- und hinter- 
einander fliegenden Teilchen abhängig ist. Seeliger nimmt an, daß 
ein Atom nicht sofort beim ersten Stoß zertrümmert wird, sondern 
nachdem es erst durch einen oder mehrere Stöße gelockert ist. Daraus 
würde folgen, daß bei großer Stromstärke die zur Stoßionisation er- 
forderliche Energie der stoßenden Teilchen kleiner sein kann als bei 
geringer Stromstärke. Im vorliegenden Falle würde die Lockerung 
der Teilchen von den aus dem unteren Entladungsraume durch die 
Löcher des Siebes hindurchtretenden negativen Teilchen besorgt werden 
können, und zwar im ganzen Dunkelraum, aber auch ‚unmittelbar über 
dem Sieb. Dadurch muß einerseits der Kathodenfall verkleinert werden, 
wie in der Tat aus der beobachteten Zunahme des Stromes J zwischen 
Anode und Kathode zu folgern ist, andererseits kann der Fall ein- 
treten, daß die vom Sieb aus nach oben fliegenden Elektronen schon 
früher, also z. B. schon beim vierten und nicht erst beim fünften Stoß 


1) R. Seeliger, Ann. d. Phys. (4) 18, 764—780, 1912. 


Die Liebenröhre.. 225 


auf ein Atom dieses zertrümmern. Der Dunkelraum müßte also kleiner 
werden. Diese mögliche Folgerung aus der Theorie wird ebenfalls 
durch das Experiment bestätigt. 

Es ist ferner zu erwarten, daß auch die von oben nach unten 
durch das Sieb tretenden us Ionen Einfluß auf die Entladung 
haben. Wie unten näher gezeigt wird, lassen sich dadurch gewisse, 
bisweilen zu beobachtende Schwankungen der Entladung erklären. 

Nach den vorstehenden Ausführungen ist als das Charakteristikum 
der Entladung in der Juiebenröhre die Veränderung des Kathodenfalles 
am Siebe durch die von unten durch das Sieb eintretenden Ionen 
und Elektronen zu betrachten. Es sei erwähnt, daß es sich hierbei 
um eine wohlbekannte Erscheinang handelt. Bereits im Jahre 1903 
untersuchte G. C. Schmidt!) ausführlich die Beeinflussung des 
Kathodenfalles durch Ionen, welche künstlich in den Dunkelraum 
hineingebracht wurden. Er fand, daß der Kathodenfall vermindert 
wird. Eine der von ihm benutzten Anordnungen unterscheidet sich 
von der Anordnung der Liebenröhre wesentlich nur dadurch, daß statt 
der Glühkathode eine gewöhnliche Kathode verwendet wurde. Hier wie 
dort treten megative Teilchen von hinten durch ein als Kathode wir- 
kendes Sieb oder Drahtnetz. In anderen Fällen erzeugte G. C. Schmidt 
in einem seitlichen Ansatz des Rohres Kathoden- und Kanalstrahlen 
und ließ sie schräg auf die Kathode bzw. in den Duukelraum eintreten. 

Auf Grund der entwickelten Vorstellungen ist es schließlich mög- 
lich, die Verstärkerwirkung der Röhre und den Verlauf der für die 
Röhre charakteristischen Kurven J = f (i) vorauszusehen. Bedeutet A 
den Anodenfall, K den Kathodenfall, V den Spannungsabfall in dem 
übrigen Teil der Entladungsbahn, J die Stromstärke, Æ die Spannuug 
der speisenden Batterie und R den äußeren ud so gilt die 


ana: E=JR+A+K ei 7 


| pn E—K— (A+) 
Mit abnehmendem Kathodenfall wächst also der Strom J. -Indem 
wir in erster. Annäherung A + V neben K TORN O REEN, a0 auch 
ihre en von ergibt: sich 


oder . 


eaman 


1) G. C. Schmidt, Ann. d. Phys. (4) 12, 622—652, 1903. 


226 R. Lindemann und E. Hupka. 


Wird der Strom i im Siebkreise, von sehr kleinen Werten beginnend, 
allmählich vergrößert, so herrscht zunächst im unteren Raume un- 
selbständige Entladung, es treten nur sehr wenig Ionen durch das Sieb 
nach oben, der Kathodenfall wird nicht merklich verringert. Bei einer 
gewissen Stärke des Stromes i erfolgt plötzlich Stoßionisation im 
unteren Teile. Die große Zahl der durch das Sieb tretenden Ionen 
bedingt eine plötzliche starke Verminderung des Kathodenfalles, welche 
nach der für J geltenden Gleichung um so mehr ins Gewicht fallt, 
als sie in der zunächst kleinen Differenz E— K auftritt. Bei weiterer 
Vergrößerung des Stromes i wächst einerseits die Zahl der durch das 


Fig. 4. i | 
Sieb nach oben tretenden Ionen wesentlich langsamer an als zu Be- 
ginn der Stoßionisation, andererseits wirkt wegen des nunmehr größeren 
Wertes der Differenz E — K die Verringerung von K immer weniger 
auf J ein. Für K = o wird schließlich J durch ¿i kaum noch beein- 
flußt werden. Die hiernach folgende Beziehung zwischen ? und J ist 
durch die Kurve der Fig. 4 wiedergegeben. Die Zone a—b des 
stärksten Anstieges der Kurve, das Stadium der eintretenden Stoß- 
erregung im unteren Entladungsraume, entspricht der größten Ver- 
stärkung. Experimentell ist diese für die Verstärkerwirkung der Röhre 
charakteristische Kurve bereits verschiedentlich gefunden worden. 
Bei den bisherigen Überlegungen haben wir nur stationäre Zu- 
stände betrachtet. Es ist vorausgesetzt, daß die Erscheinungen durch- 
aus die gleichen sind, sofern die verschiedenen die Entladung be- 


Die Liebenröhre. | | 227 


stimmenden Größen wie Strom, Spannung- usw. gleiche Werte haben. 
Bei allen sehr langsamen Änderungen ist diese Annahme im großen 
und ganzen erfüllt. Bei schnellen Änderungen dagegen, wie sie gerade im 
vorliegenden Falle der Verstärkung durch die Liebenröhre interessieren, 
kann von einem stationären Zustande in jenem Sinne nicht mehr die 
Rede sein. Wie verschiedene neuere Untersuchungen gezeigt haben, 
ist der Zustand einer Entladung von der Vorgeschichte abhängig. 
Z. B. beobachtet man bei Aufnahme der sogenannten Charakteristik, 
d.h. der Abhängigkeit der Elektrodenspannung vom Strom, bei schnellen 
Änderungen unter gewissen Umständen verschiedene Werte der Span- 
nung, je nachdem die Änderung im Sinne wachsender oder abneh- 
mender Ströme erfolgt. Man spricht von einer dynamischen Charakte- 
ristik im Gegensatz zur statischen. Diese Erscheinungen sind offenbar 
auf eine gewisse Trägheit der die Entladung beeinflussenden Vorgänge 
zurückzuführen. Obgleich sich im einzelnen die Ursachen dieser Träg- 
heit noch nicht mit Sicherheit angeben lassen, so wird man doch 
kaum fehlgehen, wenn man die von Herweg!) vorgeschlagene An- 
nahme macht, daß die verhältnismäßig langsamen Temperatur- und 
Druckänderungen die Trägheit bedingen. Freilich sind gegen diese 
Anschauung von anderer Seite Einwände erhoben worden?). Als wei- 
tere Ursache kämen noch in Betracht elektrische Ladungen der Glas- 
wände, die Diffusion der Ionen, die nach den gaskinetischen Vorstel- 
lungen allerdings sehr schnell verlaufen müßte, und außerdem geringe 
Temperaturschwankungen der Glühkathode, welche sich zum Teil durch 
das umgebende Gas ausgleichen müssen und wegen der schlechten 
Wärmeleitfähigkeit desselben den Syromschwankungen nur mit einer 
gewissen Trägheit folgen werden. 

Die Trägheit der Liebenröhre zeigte sich schon bei den ersten 
orientierenden Versuchen. Wegen der Bedeutung der Erscheinung für 
die Anwendung der Röhre zur Verstärkung schwacher Wechselströme, 
insbesondere für Meßzwecke, haben wir die folgenden Untersuchungen 
angestellt. 

4. Versuche mit Gleichstrom. Bei den Versuchen mit 
Gleichstrom wurde die in Fig. 5 wiedergegebeue Schaltung angewandt. 
Die Milliamperemeter A, und A, dienten zur Messung der Ströme i 
und J, das Voltmeter V zur Messung der Spannung zwischen Sieb 
und Kathode, das Amperemeter A, zur Messung des Heizstromes. 


1) Herweg, Phys. Zeitschr. 13, 639, 1912. 
2) Kuno Fischer, Phys. Zeitschr. 14, 703, 1913. 


228 | R. Lindemann und E. Hupka. 


Dem Sieb wurde die Spannung durch eine Potentiometerschaltung 
zugeführt, bestehend aus der Batterie B, von 80 Volt und dem 
Widerstand R, mit Gleitkontakt. Der eine Pol des Spannungsteilers 
war mit dem Schleifkontakt eines Widerstandes verbunden, welcher 
parallel zur Heizbatterie lag. Der Heizstrom der Kathode wurde 
durch den Widerstand w, reguliert, der Widerstand w, verhinderte 
ein unbeschränktes Anwachsen des Stromes im Anodenkreise Von 
der technischen Schaltung der Fig. 2 unterschied sich die hier be- 
nutzte Anordnung nur durch die Anwendung des Potentiometers mit 
der Batterie B, im Siebkreise. Diese Schaltung wurde gewählt, um 
auch höhere Spannungen als die der Heizbatterie an das Sieb legen 
zu können und um ferner den Heizstrom der Kathode unabhängig 
von der Siebspannung variieren zu können. 

Bei der beschriebenen Anordnung der Röhre ist in der Kathode 
selbst ein Spannungsabfall bis zu etwa 30 Volt vorhanden, der sogar 
zur Aufrechterhaltung einer leuchtenden Entladung zwischen den ein- 
zelnen Punkten der Kathode ausreicht. Hierdurch wird die Spannung 
zwischen Sieb und Kathode undefiniert und das elektrische Feld in- 
homogen. Daher herrscht die früher erwähnte kritische Spannung 
immer nur zwischen einem Punkte der Kathode und dem Sieb. Es 
soll versucht werden, statt des langen Glühbandes mehrere möglichst 
kurze einander parallel zu schalten. Auf diese Weise ließe sich die 
kritische Spannung zwischen einem größeren Bereich der Glühkathode 
und dem Sieb herstellen, was vermutlich zu einer Erhöhung des Ver- 
stärkungsgrades führen würde. 

Eine besondere Schwierigkeit bestand bei allen Versuchen mit 
der Röhre darin, quantitativ reproduzierbare Verhältnisse zu erreichen. 
An verschiedenen Tagen zeigte sich unter scheinbar gleichen äußeren 
Bedingungen ein verschiedenes Verhalten, das oft schon an der Farbe 
des leuchtenden Gases erkennbar war. Als Ursache dieser Erscheinung 
wird man die unbestimmten Druck- und Temperaturverhältnisse in 
der Röhre ansprechen können. Wie erwähnt, ist zwar ein Druck- 
regulator vorgesehen, derselbe reicht aber offenbar zum Ausgleich der 
bei starker Beanspruchung auftretenden Druckverschiebungen nicht aus. 

Bei den Messungen mit Gleichstrom stellte sich, worauf schon 
früher hingewiesen wurde, der stationäre Zustand der Entladung bei 
einer Änderung der Spannung zwischen Sieb und Kathode erst nach 
geraumer Zeit ein. Wird der-Strom i, mit kleinen Werten beginnend, 
stufenweise gesteigert, und wartet man nach jeder Änderung mit 
der Ablesung der Meßinstrumente so lange, bis die Ausschläge kon- 


Die Liebenröhre. 229 


stant geworden sind, so erhält man für die Abhängigkeit der Ströme J 
und : voneinander Kurven vom Typus der Fig. 4. Zur Aufnahme 
dieser Kurve war eine Zeit von mehreren Stunden erforderlich. Gleich- 
wohl ergibt sich ein wesentlich anderer Kurvenverlauf beim Rückgang 
auf kleinere Werte des Stromes i, und zwar liegt diese Kurve höher 
als die bei steigendem Strom erhaltene (Fig. 4). Diese Erscheinung 
wurde .weiter verfolgt, indem wiederum der Strom :, von kleinen 
Werten ausgehend, bis zu einem gewissen Werte gesteigert und darauf 
wieder vermindert wurde, wobei die Ablesungen unmittelbar nach den 
Änderungen des Stromes i erfolgten. Es ergaben sich so Kurven vom 
Typus der Figur 6. | 


Ganz entsprechend weisen auch die Kurven, welche die Abhängig- 
keit des Stromes © bzw. J von der Spannung e zwischen Sieb und 
Kathode darstellen, getrennte Äste für steigenden und fallenden Strom 
auf. Als Ursache dieser Erscheinung werden wir nach den früheren 
Ausführungen die Trägheit der Entladungsvorgänge ansehen können. 
Aus dem Umstande, daß bei der Kurve J = f (e) die beiden Äste 
weiter auseinander fallen, also eine größere Fläche einschließen als bei 
der Kurve © = f (e), ist zu schließen, daß jene Trägheitserscheinungen 
sich vor allem oberhalb des Siebes abspielen. 

Den betrachteten Stromänderungen läuft eine deutliche Änderung 
des Aussehens der Entladung parallel. Bei kleinen Strömen i ist der 
schon erwähnte Dunkelraum oberhalb des Siebes verhältnismäßig groß 
(1—2 cm); mit wachsendem Strom schrumpft er merklich zusammen, 
im Einklang mit der von Seeliger vertretenen Auffassung, und ver- 
schwindet bei Erreichung des genannten Maximums von J fast völlig. 
Dieses Bild bleibt unverändert, solange bei der nachfolgenden Ver- 


230 R. Lindemann und E Hupka. 


ringerung von ¿ der Strom J jenen hohen Wert beibehält. In dem 
Entladungsraume unterhalb des Siebes ist außer einer Zunahme der 
Helligkeit mit wachsenden Strömen © und J keine merkliche Änderung 
zu beobachten. 

Bisweilen wurde auf dem an- und absteigenden Aste der Kurve 
ein labiler Zustand passiert, der dadurch gekennzeichnet ist, daß der 
Dunkelraum sprunghaft zu- und abnimmt (die Röhre flackert). Wir 
haben versucht, uns die Erscheinung auf ionentheoretischer Grundlage 
zu erklären. Die Tatsache, daß schon bei sehr niedriger Spannung 
zwischen Sieb und Kathode unmittelbar unter dem Siebe das Gas 
leuchtet, beweist, daß hier Stoßionisation vorhanden ist. Diese Ioni- 
sation kann nicht von Teilchen herrühren, die ihre Geschwindigkeit 
in dem schwachen Felde Kathode—Sieb erlangt haben, sondern sie 
muß auf solche Teilchen zurückzuführen sein, welche aus dem oberen 
Entladungsraume stammen. Offenbar sind es positive Ionen, welche 
in dem Dunkelraume oberhalb des Siebes ihre Ionisierungsgeschwindig- 
keit erreicht haben. Sobald nun die Spannung zwischen Sieb und 
Kathode gerade den kritischen Wert besitzt, bei dem die von der 
Glühkathode ausgehenden Teilchen im unteren Raume durch ihren 
Stoß ionisieren, wird hier eine starke Häufung von Ionen eintreten. 
Die durch das Sieb hindurchtretenden Ionen genügen, den Kathoden- 
fall am Siebe fast zum Verschwinden zu bringen. Nun verdankt aber 
noch ein wesentlicher Teil dieser Ionen seine Entstehung dem Stoß 
der von oben durch das Sieb hindurchtretenden positiven Ionen, und 
die von Elektronen unterhalb des Siebes gebildeten Ionen reichen für 
sich nicht aus, den Kathodenfall dauernd klein zu halten. Da anderer- 
seits der kleine Kathodenfall den nach unten fliegenden positiven Ionen 
nicht mehr die lonisierungsgeschwindigkeit erteilen kann, so sinkt die 
Ionenzahl am unteren Raume wieder, und der Kathodenfall am Siebe 
wird wieder größer. Das hat zur Folge, daß von neuem positive Ionen 
beschleunigt durch das Sieb nach unten treten, das Spiel wiederholt 
sich. Steigert man jedoch die Spannung zwischen Sieb und Kathode 
noch weiter, so genügen bereits die von den Elektronen der Glüh- 
kathode durch Stoß erzeugten Ionen allein, um dauernd den Kathoden- 
fall am Siebe klein zu halten, der Zustand ist stabil. 

5. Versuche mit Wechselstrom von 50 Perioden. Die 
Versuche mit 50periodigem Wechselstrom kamen in der Weise zur 
Ausführung, daß sowohl der dem Siebkreis zugeführte, zu verstärkende 
Wechselstrom i als auch der im Anodenkreis auftretende stark pul- 
sierende Strom J mittels eines Siemens-Blondelschen Oszillographen 


Die Liebenröhre. | 231 


aufgenommen wurde. Die Aufnahme erfolgte nacheinander auf dem- 
selben Blatte unter Benutzung derselben hochempfindlichen Schleife 
des Apparates. Die genauere Schaltung ist aus Fig. 7 ersichtlich. 
Von der früher bei den Gleichstrommessungen benutzten Anordnung 
unterscheidet sie sich vor allem dadurch, daß das Potentiometer im 
Siebkreis von Wechselstrom gespeist wird, und zwar durch den an 
die Wechselstromzentrale angeschlossenen Haupttransformator. Ferner 
ist im Sieb- und Anodenkreis je ein Widerstand eingeschaltet, von dem 
die Meßschleife des Oszillographen unter Vorschaltung eines passenden 


J 
A 
Ù 
tét 
Centrale C2 
Wechselstrom 
il 
6&7 
otag ” ılr----|lı 
6 82 . 
zum 
Oszillogr. 
Fig. 7. 


Widerstandes abgezweigt wird. Mit Absicht sind die kleinen Trans- 
formatoren, welche bei der eingangs beschriebenen technischen Ver- 
stärkeranordnung benutzt werden, bei den vorliegenden Messungen 
nicht verwandt, um etwaige Störungen durch das Eisen zu vermeiden. 
Bei den Messungen wurden folgende Größen variiert: 
1. die Amplitude Æ des dem Sieb zugeführten Wechselstroms, 
2. der Heizstrom in der Kathode t, 
3. die mittlere Gleichspannung e zwischen Sieb und Kathode, 
4. die Spannung V zwischen Anode und Kathode. 
Die Änderung von e erfolgte hier durch Verschieben des Gleit- 
kontaktes an dem Widerstand R. Zur Änderung von V diente eine 


Potentiometerschaltung mit einer maximalen Spannung von etwa 
240 Volt. | 


232 R. Lindemann und E Hupka. 


Es wurden nun jeder der genannten Größen drei verschiedene 
Werte gegeben (vgl. dagegen weiter unten), die in aufsteigender Folge 
durch die Indizes 1, 2 und 3 bezeichnet sind, und für die einzelnen 
möglichen Kombinationen die Stromkurven aufgenommen. Bis auf 
einige, weniger charakteristische sind die so erhaltenen Kurven in den 
Fig. 8 bis 27 wiedergegeben. Zum Verständnis derselben sei be- 
merkt, daß bei den Kurven für : und J die derselben Phase ent- 
sprechenden Ausschläge nach entgegengesetzten Seiten gewählt sind; 
die Gleichstromkomponente des Stromes J entspricht einer Verschie- 
bung nach unten. In der Fig. 9 sind nur die Ströme J dargestellt. 
Die Empfindlichkeit bei den einzelnen Aufnahmen ist verschieden. Die 
Tabelle (Seite 236) enthält die zur Reduktion auf gleiche Empfindlich- 
keit nötigen Werte der Widerstände c und o, die der Oszillographen- 


Fig. 8. 


Fig. 9. 
tg = 2,15 Amp. eg ze 0,7 Volt. Es = 5,7 Volt. 


schleife vor- bzw. parallelgeschaltet sind. Bei einer Reihe der mit 
großer Empfindlichkeit aufgenommenen Kurven fallen die übergelager- 
ten Zacken auf, bei anderen Kurven fehlen sie wegen der geringen 
Empfindlichkeit fast völlig. Die Ursache für diese Erscheinung wird 
man in einer Kapazitätswirkung der Röhre zu suchen haben, eine An- 
nahme, die durch Versuche über die Erzeugung hochfrequenter Ströme 
mittels der Liebenröhre nahegelegt wird. Durch diese Kapazität werden 
gewisse Oberschwingungen des benutzten Wechselstromes der städtischen 
Zentrale verstärkt. 

Die Oszillogramme sind auf S. 233—235 in 3 Hauptgruppen 
angeordnet. Die Fig. 10 bis 14 der ersten Spalte wurden bei der 
Heizstromstärke i, = 1,85 Amp., die der zweiten Spalte, Fig. 15 bis 20, 
bei der Heizstromstärke ?, = 2,15 Amp. und die der dritten Spalte, 
Fig. 21 bis 26 sowie Fig. 27 in der ersten Spalte, bei der Heizstrom- 
stärke i, = 2,30 Amp. aufgenommen. In jeder dieser Gruppe folgen 


233 


WAZ= g HA9 +S duy gazy .. HOA S88 =*F. 'NoA 8I +=% 'dwy.ggr =h 
k sag | a ER l 


16 


STN 


oA se = T HOA FTI er ».day Ga = HOA Lg = OA SP += day um 
"FLO oo. l | 


2 1 57 


Die. Liebenröhre. 


Telegraphie u. Telephonie. 12. 


° è Zs . ‘ ZE . ae e ; s Fk, ; 
oA e’se = 7 i = day gapa MoA. Z = ST HoA SFT + = dwy esr =} 


Jahrb. d. drahtl. 


R. Lindemann und E. Hupka. 


234 


‘HOA 3 == ur "0A 0% + m 82. duy oez = % 
"13 314 


HOA S88 = 7 HoA L0— =% duygı'z = 
0 Zi 


HOA L'S = F NALO-=% dwy gogz = 4 
6r B 


OAZ =T HoA Lo — =% ‘dwy grz =% 
"81 3 


HOA 988 = T 


HOA L'o m Sy 


HOA 39 +=% ‘day giz = *% 
1 Jg 


HOA 39 + =% ‘dwy gI =% 
"II IT 


235 


Die Liebenröhre. 


yo S88 = 7 


HOA S88 = ET 


HOA L's = ‘7 


oa zgr — =" ‘dwy os% = *? 


13 "214 


oA sp- =% ‘dwy ogg =% 
93 Ira 


HOA SF — = duy 08%% = 
:cz a 


yoa g=’ MAAS =% duy 083 = °? 
+3 au 


‘oA ggg = "g ‘HoA 03 +=% ‘dwy 08% = 


s3 "214 


HOA L3 = *T HoA 0'8 + = % ‘dmy ogg =% 
33 I 


— m 


ora 


16* 


236 R. Lindemann und E. Hupka. 


die bei sonst gleichen Bedingungen, aber wachsender Amplitude des 
Wechselstromes erhaltenen.Kurven aufeinander. Diese drei Amplituden 
entsprechen etwa den Effektiverten der Spannung an dem Abzweig- 
widerstand R, (Fig. 7): E, = 2 Volt, E, = 5,7 Volt, E, = 38,5 Volt. 


-. 
a 


| Bei Aufnahme der Kurve für i || Bei Aufnahme der Kurve für J 


. ee ie Se E ne ieh — n m 
Figur Abzweig- Vorschalt- Abzweig- | Vorschalt- 
l S widerstand A widerstand o, | widerstand eg, | widerstand c, 
ET re z 847 Ohm 11000 Ohm 
10 833 Ohm ` 500 Ohm | 347 „ | 100 „ 
11 833 „o | 0 500, | 347» 12.150 > 
12 83 „ | 200 „ UT 1200 , 
12: Eu n. 
Io E .n „ ” 
15 0088 „ 1500 BAT n 8000 , 
16 | 838, 1500 „ i 847 „.- | 10000 , 
IT 2T 10000 „ ` 847 „© > 11000 , 
18 °° 088%, 200 „p B847T po 50 „ 
19 4 833 „ 200 , 847 ,„ 14000 , 
20 = 888 „ 9000 `, | 847 „p . . 11000 , 
21 570 , 5000 „ - 847 „ i 17000 , 
22 | 570 , 12000 , 847 „ 17000 „ 
23 | 446 , 20000 , | 847 „ 15000 „ 
24 833 , 200 „ | 347 , 9000 „, 
25 833 „n | 8000 „ 847 „ 11000 ,, 
26 DTO Sy 18000 ,, 847 „ | 12000 , 
. 27 833%, | 20000 , E s47 > = | 10000 > 


Nur bei T Aufnahme Fig. 22 wurde ein TRE E,, = 27 Volt 
gewählt, um den Einfluß wachsender Spannung deutlicher hervortreten 
zu lassen. Die mittlere Gleichspannung e zwischen Sieb und Kathode 
ist außer von der Stellung des Gleitkontaktes am Widerstande R noch 
von der Stärke des Heizstromes i, abhängig. Bei den Versuchen 
wurden dem Gleitkontakt drei Stellungen gegeben, und zwar außer 
der Mittelstelluug die beiden Endstellungen. Die in den Oszillo- 
grammen angegebenen Werte der mittleren Spannung e sind insofern 
‘nur angenähert richtig, als eine geringe Abhängigkeit von der Größe 
des Abzweigwiderstandes R, unberücksichtigt geblieben ist. 


- Zunächst fällt bei den. meisten Aufnahmen die starke Verzerrung 
‚der Stromkurven auf. Nur bei den kleinsten Amplituden der Wechsel- 
'stromkomponente von ¿ (im folgenden mit 7 bezeiehnet) ist J rein 
‚sinusförmig. Durch die Anwendüng einer besonderen Schaltung, bei 
welcher die’ Gleichstromkomponente von J kompensiert wurde, konnte 
bei sehr schwachen Wechselströmen die reine Sinusform der J-Kurven 


Die Liebenröhre. o 237 


mit großer Empfindlichkeit nachgewiesen werden. Der Widerstand o, 

in der Schaltung der Fig, 7 wurde hier ersetzt durch. eine Kompen- 

sationsanordnüng, die aus Fig. 28 ohne weiteres verständlich ist. S be- 

deutet die. Schleife des Oszillographen. Fig. 8 gibt drei so erhaltene 
Stromkurven wieder bei verschiedenen Amplituden des dem Siebkreis 
| En p 


1 
83 
| | Fig. 28. | 
zugeführten Wechselstromes. Die Kurven liegen übereinander, weil 
nur bei einer Aufnahme genau kompensiert war. Die Spannung des 
dem. Siebkreis zugeführten Wechselstromes betrug bei | 


Kurve I: E, = 1,4 Volt, Kurve II: E, = 0,6 Volt, 
Kurve III: E = 0,25 Volt. 


- Während bei Kurve I noch deutliche Verzerrung im oberen Teil 
zu beobachten ist, verschwindet sie bei den beiden anderen Kurven. 
Man kann hiernach sagen, daß bei der benutzten Röhre unter -den 
vorliegenden Bedingungen die Verzerrung der Kurvenform bei. einer 
. Spannung von etwa 1 Volt eintritt. 

. Mit wachsender Amplitude des Wechselstromes © nimmt der Grad 

der. Verzerrung von J zu. Dies zeigen deutlich die einzelnen Gruppen 
der. Aufnahmen bei wachsender Spannung E, z.B. Fig. 10 bis 12, 
15 bis 17, 18 bis 20, 24 bis 26. Eine Erklärung für dieses Ver- 
halten der Röhre ist zum Teil in ihrer Gleichriehterwirkung zu suchen. 
J wird Null, sobald der dem Siebkreise zugeführte Wechselstrom die 
Spannung zwischen Sieb und Kathode soweit verkleinert, daß die 
Elektronen bzw. negativen Ionen von der Glühkathode her nicht mehr 
durch das Sieb hindurchtreten können. Dementsprechend fällt die 
Kurve für J teilweise mit der Zeitachse zusammen. Wie zu erwarten, 
zeigen die Aufnahmen, daß J eine um so längere Zeit Null bleibt, je 
größer 7 ist. Auch die Kurven für +i besitzen eine mit wachsendem Æ 
zunehmende Verzerrnng. Die Ursache ist wiederum in der Gleich- 


238 R. Lindemann und E. Hupka. 


richterwirkung der Röhre zu suchen, welche nach den früheren Aus- 
führungen erst einsetzt, wenn die an die Röhre (Sieb—Kathode) ge- 
legte Wechselspannung größer als die Mindestspannung ist. 

Eine weitere Erscheinung, welche die Aufnahmen bei wachsender 
Spannung R immer schärfer hervortreten lassen, ist der relativ lang- 
same Anstieg der Kurven auf der einen Seite und der schnelle Ab- 
fall auf der anderen. Dazwischen liegt ein längeres oder kürzeres 
Gebiet, in welchem der Strom keine merklichen Änderungen erfährt 
(vgl. Fig. 13, 14, 16, 17, 19, 20, 23, 25—27). Dieser Verlauf der 
Kurven ist durchaus in Übereinstimmung mit den bei langsamen 
Zykeln aufgenommenen Diagrammen (Fig. 6) und zwar ist die Ab- 
flachung der Kurven für J lediglich durch den Verlauf der oben aus 
theoretischen Überlegungen abgeleiteten charakteristischen Kurve J = f (ù 
(Fig. 4) bedingt, während sich in dem verschieden steilen Anstieg und 
Abfall der Kurven wiederum die Trägheit der Entladungsvorgänge in 
der Röhre bemerkbar macht. Auf die Trägheit der Entladung dürfte 
auch die Erscheinung zurückzuführen sein, daß bei kleiner Amplitude 
der dem Siebe aufgedrückten Wechselspannung die nur wenig ver- 
zerrten Kurven für J eine z. T. beträchtliche Phasenverschiebung gegen t 
aufweisen, wie z. B. Fig. 10 zeigt. 

Änderungen des Heizstromes i, und der dem Sieb anfgedrückten 
Gleichspannung e äußern sich in den Kurven wesentlich in gleicher 
Weise, und zwar verbreitert sich das Gebiet konstanter Amplitude in. 
den Kurven für J mit wachsendem Heizstrom i, und wachsender 
Spannung e zwischen Sieb und Kathode. Dies zeigen die Fig, 12, 17, 
23 und 20, 26 für den Fall wachsenden Heizstromes, die Fig. 27, 
26, 23 nnd 14, 18, 12 für den Fall wachsender Spannung. Die Er- 
scheinung ist darauf zurückzuführen, daß eine Variation von e und i 
eine Änderung der Gleichstromkomponente von J nach sich zieht, über 
die sich die aus der charakteristischen Kurve (Fig. 4) zu entnehmenden 
Änderungen von J lagern, d.h. es wird in der charakteristischen 
Kurve der dem Gleichstromwerte von ¿ und J entsprechende Punkt 
verschoben, um welchen die Wechselstrromkomponenten von und J 
pendeln. Daß eine Änderung der Größen i, und e wesentlich gleichen 
Einfluß hat, zeigt auch der Vergleich der Kurven Fig. 15 bis 17 mit 
18 bis 20 nnd 10 bis 12 oder anch der Fig. 21 bis 28 mit 24 
bis 26 und 15 bis 17. Man sieht, daß eine Verkleinerung von e 
oder i, die Verzerrung vermindert. l 

Den Einfluß einer Änderung der Spannung im Anodenkreise 
zeigen die 3 Kurven für J der Fig, 9. Die Spannung zwischen Anode 


Die Liebenröhre. 239 


und Kathode betrug hier 244, 147 und 62 Volt. Da außer der Ab- 
nahme der Amplitude eine Änderung der Kurvenform kaum zu be- 
obachten ist, so wurden alle übrigen Aufnahmen bei der maximalen 
Spannung V == 244 Volt gemacht. 

Der Parallelismus der Erscheinungen bei Wechselstrom und lang- 
samen Zyklen ist noch auffälliger, wenn man statt der Oszillogramme 


Fig. 29. 


Kurve I nach Fig. 23. 
Kurve II nach Fig. 26. 
Kurvelll nach Fig. 27. 


Fig. 30. 
Kurve I nach Fig. 10. 
Kurve II nach Fig. 11. 
Kurve III nach Fig. 12. 
die ihnen entsprechenden charakteristischen Kurven J = f (i) betrachtet. 
Die Fig. 29 und 80 geben einige dieser Kurven wieder. Sie sind 
bereits auf gleiche Empfindlichkeit reduziert und in gleichem Maßstab 
aufgetragen und gestatten daher einen unmittelbaren Schluß auf den 
Grad der Verstärkung. Diese Kurven sofern sie Versuchen mit 


240 R. Lindemann und E. Hupka. Die Liebenröhre. 


größeren Spannungen E entsprechen (Fig. 29), sind bei den langsamen 
Zykeln erhaltenen durchaus ähnlich. Bei abnehmender Verzerrung 
werden die Kurven ellipsenförmig.. Wie die Figuren erkennen lassen, 
schwankt die Verstärkung, d.h. das Verhältnis J: :t, 'etwa zwischen 
2,7 und 11 bei den Versuchen der Fig. 30. 

6. Versuche mit hochfrequenten Schriizungen Von be- 
sonderem Interesse war es, zu untersuchen, ob auch bei noch schnel- 
leren Schwingungen Kurvenverzerrungen auftreten. Die Versuche, 
welche diese Frage entscheiden sollten, besitzen mehr orientierenden 
Charakter. Folgende Meßmethode wurde benutzt. Zur Erzeugung des 
zu verstärkenden Stromes diente ein Poulsen-Lichtbogen, der wegen 
der großen Kapazität im Schwingungskreise außer der Grundschwingung 
eine Reihe stark ausgeprägter harmonischer Oberschwingungen anregte. 
Die Verzerrung des verstärkten Stromes im Anodenkreis ergab sich 
aus dem Verhältnis der Amplituden einiger jener Oberschwingungen 
im unverstärkten und verstärkten Strome. Dabei wurde der Poulsen- 
Kreis mit dem Siebkreise der Röhre lose gekoppelt und die Ober- 
schwingungen sowohl in dem primären Poulsen-Kreise als auch in dem 
Anodenkreise mittels eines Wellenmessers gemessen. Da die stets 
schwache Kuppelung beider Kreise mit dem Wellenmesser und auch 
diejenige des Wellenmessers mit dem ein Galvanometer enthaltenden 
aperiodischen Kreise konstant blieb, so ist das beobachtete Verhältnis 
der Galvanometerausschläge bei Abstimmnng auf die einzelnen Ober- 
schwingungen ein direktes Maß für die Verzerrung. Die Messungen 
wurden durch die Schwankungen der Poulsen-Lampe und der Lieben- 
röhre sehr erschwert. Gleichwohl konnte die Verzerrung mit Sicher- 
heit nachgewiesen werden. Ein Beispiel einer Messung sei hier mit- 
geteilt. Die Wellenlänge der Grundschwingung betrug etwa 5000 m; 
bei Abstimmung des Wellenmessers auf die erste und dritte harmo- 
nische Oberschwingung ergaben sich folgende Ausschläge œ des Gal- 
vanometers: 


K Im  Siebkreis, I. Oberschwingung . . . . &=87mm 
PR Ua I a >.. . &=46 „ 
p Im. Anodenkreis, I. AE .. . &«=12mm 
IIL er en d=B4 „ 
3. ia Siebkreis, I. Oberschwingung a -o & = 86mm 
| aUe a ee wan a a ee, 


as Erst eine genauere Analyse: der- karvan, insbesondere der. Nach- 
weis, daß die Kurven. für J wie. bei 50 periodigem . Wechselstrom auf 


E.H. Armstrong. Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 241 


der einen Seite steiler verlaufen als auf der anderen, würde die Frage 
entscheiden, ob auch bei hochfrequenten Schwingungen Trägheits- 
erscheinungen mit als Ursache der Kurvenverzerrungen anzunehmen sind. 

Zusammenfassung. Auf Grund der Ionenhypothese wurde eine 
allgemeine Theorie der Entladung in der Liebenröhre entwickelt. 
Diese Theorie läßt das Verhalten der Röhre bei Gleich- und Wechsel- 
strom, insbesondere die Verzerrung der Kurvenform bei stärkeren 
Strömen voraussehen. Die beschriebenen Versuche bei Gleichstrom, 
50.periodigem Wechselstrom und hochfrequenten Schwingungen be- 
stätigen die theoretischen Überlegungen. Wegen der auftretenden Ver- 
zerrungen ist die Röhre für quantitative Messungen nur mit Vorsicht 
zur Stromverstärkung zu verwenden. Dagegen dürfte sie in ihrem 
wichtigsten Anwendungsgebiet, dem der Telephontechnik, wegen der 
geringen. Intensität der Sprechströme auch nach den hier gesammelten 
Erfahrungen große Vorteile bieten. 


Charlottenburg, Mai 1914. _ Ä 
(Eingesandt 11. September 1916.) 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger.) 


Von Edwin H. Armstrong.?) 


(Nach Proceedings of The Institute of Radio Engineers 3, 215—247, 1915 
aus dem Englischen übersetzt von Max Ikle.) 


Das Audion als Detektor und Verstärker. 


Die Grundcharakteristik für den Betrieb des Audions ist die 
Beziehung zwischen dem Anodenstrom und dem Potential des Git- 
ters in bezug auf den Faden, nämlich den negativen Pol des Fadens. 
Eine solche Charakteristik ist in Fig. 1 dargestellt, und aus ihr ent- 
nehmen wir, daß eine positive Ladung auf dem Gitter eine Steige- 


1) Vgl. Jahrbuch 9, 383 und 393. 

2) Dem Institute of Radio Engineers zu New York vorgelegt am 3. März 
1915 und der Sektion Boston am 29. April 1915. (Das einleitende Material 
zu dieser Arbeit wurde ursprünglich als briefliche Diskussionsbemerkung 
zu der Arbeit „Long Range Reception with Combined Crystal Rectifier 
and Audion Amplifier“ von Haraden Pratt vorgebracht. Die ersten sechs 
Figuren sind mit gütiger Erlaubnis von Electrical World abgedruckt; die 
übrigen Figuren und der Text erscheinen hier zum ersten Male.) 


242 Edwin H. Armstrong. 


rung des Anodenstromes hervorruft und eine negative Ladung auf dem 
Gitter eine Abnahme dieses Stromes. Wenn man das Audion als Ver- 
stärker benutzt und zwischen dem Gitter und dem Faden eine elektro- 
motorische Wechselstromkraft anlegt, so ändert sich der Gleichstrom 


-l 

S 

gx ç 1% 

v N 

E 
a gS P 

SS 

Es 

ù 

Š 

S o 5 0O +5 +0 

IN Potential des Gülters gegen den Faden. 


Fig. 1. 


im Anodenkreise gemäß der in der Fig. 1 dargestellten Charakteristik 
und erzeugt eine dem Gleichstrom überlagerte Wechselstromwelle, 
welche dieselbe Phase und dieselbe Frequenz hat wie die angelegte 


elektromotorische Kraft. Schematisch wird diese Wirkung durch 
Fig. 2 dargestellt. 


Potenhial 
des Gier” 


geger den 
aden. -5 


_Anoden- 
stromstärke 
Fig. 2. 


Die Wirkungsweise des Audions als Detektor für Schwingungen 
solcher Schwingungszahl, wie sie in der drahtlosen Telegraphie vor- 
kommen, ist von jener als einfacher Verstärker ganz verschieden. 
Man muß eine solche Schaltung anwenden, daß die Wirkung einer 
Gruppe von Schwingungen einer in der drahtlosen Telegraphie ge- 
bräuchlichen Schwingungszahl im Gitterkreise des Audions in eine 
einzige Änderung der Stromstärke in den Telephonen von solcher 
Schwingungszahl umgesetzt wird, wie sie dem Audion entspricht. 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 243 


Das übliche Verfahren besteht darin, die Ventilwirkung zwischen der 
heißen und der kalten Elektrode bei niederen Drucken zu be- 
nutzen, und die hierzu verwendete Schaltungsweise ist in Fig. 3 dar- 
gestellt. Bei dieser Schaltungsart liegen zwei verschiedene Wirkungen 


Fig. 3. 


vor: eine Gleichrichterwirkung und eine Verstärkerwirkung. Der ge- 
schlossene Schwingungskreis LC, Faden, Gitter und Kondensator (',, 
verhält sich genau wie ein Flemingscher Ventilempfänger: die ankom- 
menden Schwingungen werden zwischen Gitter und Faden gleichgerichtet, 


d 
Shingungen WM ww 


Porenhal * 

des Gilters 

g den ? 
aden. `- 

noden- 

Stromstärke : 
Telephon - 

is u i 


Fig. 4. 


und der gleichgerichtete Strom wird benutzt, um den Kondensator C, auf- 
zuladen (wobei die mit dem Gitter verbundene Belegung natürlich 
negativ wird). Das negative Gitter übt dann auf den Anodenstrom 
eine Relaiswirkung aus, indem es ihn verringert; der Anodenstrom 
kehrt dann auf seinen normalen Wert zurück, wenn die Ladung auf 


244 in Edwin H. Armstrong. 


dem Gitterkondensator über das Gitter abfällt und das Gitter sein 
normales Potential wieder annimmt. Wenn das Audiop richtig gebaut 
ist, führt die Relaiswirkung zų einer Verstärkung der zum Gebrauch 


Gitteypelenhal, o amna 


Anoden- 


Figelstro Syko 
stromstärke gE mslark 


Fig. 5. 


in den Telephonen verfügbaren Energie gegenüber jener, die in einem 
einfachen Gleichrichter zu Gebote stehen würde. Fig. 4 gibt die Merk- 
male des Ventilverfahrens zum Nachweis von Schwingungen an. 


Ankommende Schwingung. 


Anoden- Flugelstromstlarke. 


stromstärke 
‚rat u: 


Kondens ator imn 
Gitterkreis. 


Telephonstromstärke. 


| Fig.6. | 

In Gemeinschaft mit Herrn Professor Morecroft habe ich kürz- 
lich Oszillogramme aufgenommen, welche die bereits angegebenen 
Erklärungen bestätigen. Diese Oszillogramme und die Hilfsmittel, 
mit denen wir sie erhalten haben, sind in den Figg. 5, 6, 7 dargestellt. 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 245 


Wie man sieht, zeigt also die Benutzung des Audions als Detektor 
für Schwingungen init Schwingungszahlen, wie sie in der drahtlosen 
Telegraphie vorkommen, daß das Audion nicht nur als Gleichrichter 
arbeitet, sondern zugleich auch als Überträger der Radiofrequenzen; 
die Schwingungen im. Gitterkreise erregen also Schwingungen ähn- 
lichen Charakters im Anodenkreise des Audions. In dem gewöhnlichen 
Detektorsystem wird die Übertragerwirkung nicht benutzt. Der Zweck 
der vorliegenden Arbeit ist nun, zu zeigen, daß man sie nutzbar machen 
kann, um den Empfang von Signalen in einer Weise zu verbessern, 


C2 


E 
4 


j 


| Q 9 | | nihil 
| L ritmn 


Fig. 1. 


welche alle die einzelnen Vorteile des Audions bei dessen Verwendung 
als einfacher Detektor vollkommen in den Schatten stellt. - Der ge- 
wöhnliche Detektorkreis wird durch Fig. 3 veranschaulicht, und die 
in ihm vorkommenden Erscheinungen lassen sich schematisch durch 
die Kurven der Fig. 4 zusammenfassend darstellen, Aus diesen Kurven 
ist zu ersehen, daß die Schwingungen mit Radiofrequenzen, die im 
Anodenkreise der Fig. 3 bei Verwendung des gewöhnlichen Audions 
vorhanden sind, notwendig klein sind, sowie ferner, daß sie für ein 
Ansprechen der Telephone ohne Wert sind. Wenn man aber dafür 
sorgt, ihre Amplitude zu verstärken und sie für die Verstärkung der 
Schwingungen im Gitterkreise nutzbar zu machen, wird es moglik, 
einige ‚sehr bemerkenswerte Ergebnisse zu erzielen. f 


246 Edwin H. Armstrong. 


Verstärkung von Radiofrequenzschwingungen durch das Audion. 

Es gibt zwei Wege, die Schwingungen des Gitterkreises mit Hilfe 
jener im Anodenkreise zu verstärken. Das einfachste Verfahren ist viel- 
leicht das, die beiden Schwingungskreise in der durch Fig. 6 dar- 
gestellten Weise miteinander zu koppeln. Die Figur ist im wesent- 
lichen dieselbe wie Fig. 3, aber durch die Einführung der induktiv 
gekoppelten Spulen L, und L, in den Gitterkreis bzw. in den Schwin- 
gungskreis und durch den Kondensator C, abgeändert, der einen Weg 
von niedriger Impedanz zwischen den Telephonen für die Radio- 
frequenzen bildet. In einem derartigen System erregen ankommende 
Signale Schwingungen im Gitterkreise, und diese übertragen sich auf 
den Anodenkreis, wo sie Änderungen in der Stromstärke des Gleich- 
stromes verursachen, dessen Energie von der Batterie B, geliefert 
wird. Mit Hilfe der Koppelung M, wird ein Teil dieser Energie der 
Schwingungen im Anodenkreise wieder auf den Gitterkreis rückwärts 
übertragen und dadurch die Amplitude der Schwingungen im Gitterkreise 
vergrößert. Die verstärkten Schwingungen im Gitterkreise wirken dann 
mittels des Gitters auf den Anodenkreis zurück und erzeugen größere Ver- 
änderungen der Stromstärke im Anodenkreise und verstärken dadurch 
die Schwingungen des Systems noch weiter. Gleichzeitig mit diesem 
Vorgange verläuft die gewöhnliche Detektorwirkung; der Konden- 
sator C, wird in der üblichen Weise geladen, speichert aber eine Ladung 
auf, die nicht der ursprünglichen Stärke der Signale proportional ist, 
sondern der Endamplitude der Schwingungen im Gitterkreise. Das 
Ergebnis ist ein verstärktes Ansprechen des Telephons, proportional 
der Energievermehrung der ursprünglichen Schwingungen im Gitter- 
kreise. Aus der Betriebscharakteristik (der Beziehung zwischen Gitter- 
potential und Anodenstrom) ersieht man, daß die Amplitude der Ände- 
rung der Anodenstromstärke unmittelbar von der Änderung des Gitter- 
potentiales abhängig ist. Dieser Umstand weist darauf hin, daß man 
dem Gitterkreis eine große Induktanz und eine kleine Kapazität geben 
muß, um die größtmöglichste Spannung zu erhalten, die an das Gitter 
angelegt werden kann. Für Wellenlängen mäßiger Größe kann man 
den Abstimmungskondensator C im Gitterkreise ganz und gar fort- 
lassen und nur die Kapazität des Audions allein zur Abstimmung des 
Schwingungskreises. benutzen. Für lange Wellen wird die verteilte 
Kapazität der Induktanz des Gitterkreises so hoch im Vergleich zur 
Kapazität des Audions, daß man bessere Ergebnisse erhält, wenn man 
einen Abstimmungskondensator benutzt, um die Punkte größter Poten- 
tialdifferenz zwischen Gitter und Faden des Audions genau festzulegen. 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 247 


Bei dem zweiten Verfahren zur Verstärkung der Schwingungen 
ım Gitterkreise wird der Anodenkreis des Audions mit Hilfe einer In- 
duktanz abgestimmt, die in der durch Fig. 9 veranschaulichten Weise 
eingeschaltet wird. Diese Schaltungsweise unterscheidet sich von 
dem in Fig. 3 dargestellten gewöhnlichen Detektorkreise durch die 
Hinzufügung der Spule L} und des Kondensators C,. Auf welche 
Art die Gitterschwingungen verstärkt werden, wird am besten durch 
folgende Auseinandersetzung verständlich werden. Wenn in dem 
System keine Schwingungen bestehen, wird die Potentialdifferenz 
zwischen Faden und Anode annähernd die Spannung der Batterie B, 
sein.. Wenn aber im Gitterkreise Schwingungen erregt werden und 


Č; 


== C = 
= =?» 
My = 
>65. 
— Le = L3 Ii 
Mz O-O 
C2 
Fig. 8. Fig. 9. 


im Anodenkreise Radiofrequenzänderungen der Stromstärke hervor- 
rufen, ändert sich das Potential des Flügels gegenüber dem Faden 
in dem Maße, wie die Reaktanzspannung der Anodeninduktanz die 
Spannung der Batterie abwechselnd erhöht und erniedrigt. Wenn 
dem Gitter eine negative Ladung erteilt wird, so wird der Anoden- 
strom schwächer werden, und die Richtung der Reaktanzspannung 
der Anodeninduktanz wird daher dieselbe sein wie die der Spannung 
der Batterie B,. Die Reaktanzspannung wird daher die Batterie- 
spannung verstärken, und die Potentialdifferenz zwischen Flügel und 
Faden sowie auch zwischen Anode und Gitter wird größer werden. 
In ähnlicher Weise wird, wenn dem Gitter eine positive Ladung erteilt 
wird, die Anodenstromstärke vermehrt, und die Reaktanzspannung 
der Anodeninduktanz wirkt dann der Batteriespannung entgegen und 


248 = Edwin H. Armstrong. 


verursacht eine Abnahme der Potentialdifferenz zwischen Gitter und 
Anode. Nehmen wir also an, daß dem Gitter eine negative Ladung 
erteilt werde, so wird das Streben der entsprechenden Potentialerhöhung 
der Anode gegenüber dem Gitter dahin gehen, mehr Elektronen aus 
dem Gitter herauszuziehen; dadurch erhöht sich die Ladung auf dem 
aus Anode und Gitter gebildeten Kondensator, und die Energie, welche 
diese Ladung liefert, wird aus der Anodeninduktanz entnommen, wenn 
die Anodestromstärke abnimmt. Die erhöhte negative Ladung auf 
dem Gitter sucht eine noch weitere Abnahme der Anodenstromstärke 
herbeizuführen sowie eine weitere Energieabgabe aus der Anoden- 
induktanz in den Gitterkreis. Wenn dagegen dem Gitter eine positive 
Ladung erteilt wird, vermindert sich die Potentialdifferenz zwischen 
Gitter und Anode, und ein Teil der Energie, die in dem von ihren 


Jnduktanz des Nnodenkreises 
Fig. 10. Fig. 11. 


gebildeten Kondensator aufgespeichert ist, wird der Anodeninduktanz 
zurückgegeben. Während dieses Teiles des Kreislaufes werden Elek- 
tronen aus dem umgebenden Raume zum Gitter gezogen, um den 
Gitterkondensator gemäß der bekannten Ventilwirkung zu laden, und 
das ist tatsächlich ein Leitungsstrom, so daß eine Entziehung von 
Energie aus dem Schwingungskreise stattfindet. Trotz dieser Energie- 
entziehung ist indessen eine scharfe Resonanzerscheinung zwischen 
der Kapazität des Audions und der Induktanz der Anode zu erwarten, 
und es stellt sich heraus, daß eine solche beim Empfang von Signalen 
tatsächlich vorhanden ist. Wenn die Anodeninduktanz richtig auf die 
Resonanzfrequenz eingestellt ist, wird Energie frei aus dem Anoden- 
kreise. auf deu Gitterkreis übertragen, und es entstehen ın letzterem 
Schwingungen, die in üblicher Weise gleichgerichtet werden. 

In. Fig. 10.ist eine Kurve dargestellt, welche den allgemeinen Zu- 
sammenhang zwischen Signalstärke und Wert der Anodeninduktanz 
veranschaulicht; bei ihrer Aufnahme wurden die aus Fig. 9 ersicht- 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 249 


lichen Schwingungskreise benutzt. Da die Kapazität des Audions 
das hauptsächliche Hilfsmittel für die Übertragung der Energie aus 
dem Anodenkreise auf den Gitterkreis bildet, erhält man die besten 
Ergebnisse, wenn der Kondensator C sehr klein ist. Wegen der sehr 
kleinen Kapazität des Audions tritt die Wirksamkeit dieses Abstim- 


Fig. 12. 


mungsverfahrens bei den höheren Schwingungszahlen stärker hervor; 
man erhält aber bei Verwendung eines Nebenschlußkondensators parallel 
zur Induktanz des Anodenkreises eine sehr gute Verstärkung bei Fre- 
quenzen von nur 30000 (Wellenlänge 10000 m). Die besten Ergeb- 
nisse erhält man indessen mit einer Koppelungsanordnung und einer 


WPA C; 
L; 


I „ 


oO- 


IOUHN 


12 


Fig. 13. 


Abstimmung des Anodenkreises, wie sie in Fig. 11 veranschaulicht 

werden. Man kann auch andere Koppelungsarten zwischen Gitter- 

kreis und Anodenkreis anwenden; die Figg. 12 und 13 zeigen eine, 

elektrostatische und eine direkte magnetische Koppelung. Die in 

Fig. 13 dargestellte Anordnung arbeitet, in derselben Weise wie das 

System: mit der Koppelung zwischen den beiden Spulen; die in Fig. 12 
Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 17 


250 Edwin H. Armstrong. 


dargestellte elektrostatische Koppelung aber arbeitet auf eigene Weise. 
Bei dieser Sehaltung muß man den Anodenkreis für den Gleichstrom der 
Batterie vervollständigen, und das geschieht durch Kurzschließen des 
Koppelungskondeusators C, durch eine Spule mit hoher Selbstinduktion. 
Der Gleichstrom des Anodenkreises fließt durch diese Spule, und C, 
liefert einen Umgehungsweg von geringer Impedanz zu dieser Spule 
für die Radiofrequenzschwingungen des Gitterkreises und des Anoden- 
kreises. Erhält das Gitter eine positive Ladung, so ist die Folge eine 
Zunahme der Stromstärke im Anodenkreise; dabei lädt die Wechsel- 
stromkomponente des Anodenkreisstromes den Kondensator C,, und 
die Summe der durch C, und L, fließenden Ströme ist gleich dem 
durch das Audion fließenden Strome. Wird dem Gitter eine negative 
Ladung erteilt, so wird die Stromstärke im Audion vermindert und 
die Induktanz L, durch den zu ihr parallel gelegten Kondensator ent- 
laden und lädt diesen in entgegengesetztem Sinne wie bei Erhöhung 
der Stromstärke des Anodenstromes. In beiden Fällen entlädt sich 
dann C, durch den Gitterkreis und verstärkt die Schwingungen in 


diesem. 
NO 00800 D0 
Lı 
C 
1 EMS, IE 
2 AB u 14 
M: 7 
= SL En, 


Fig. 14. 


rn 


Verstärkung der Audionfrequenz. 

Man kann mit jedem dieser Systeme ein System von Audionfrequenz- 
kreisen verbinden, welches den Telephonkreis in genau derselben Weise 
verstärkt, in der die Radiofrequenzschwingungen verstärkt werden. 
Ein solches System zeigt Fig. 14. Hier stellt M, die Koppelung für 
die Radiofrequenzen dar, und die Spulen haben eine verhältnismäßig 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 251 


kleine Selbstinduktion. M, ist die Koppelung für die Audionfrequenzen, 
und der Umformer besteht aus Spulen mit einer Selbstinduktion von 
der Größenordnung eines Henry oder darüber. Die Kondensatoren 
C und C, haben den doppelten Zweck, M, auf die Audionfrequenz 
abzustimmen und die Radiofrequenzen hindurchzulassen. Die ge- 
samte mit dieser Kombination erreichte Verstärkung schwacher Signale 
ist bei Verwendung der gewöhnlichen Audionbirne eine etwa hundert- 
fache. Bei stärkeren Signalen wird die Verstärkung in dem Maße ge- 
ringer, als man sich der Grenze für das Ansprechen des Audions nähert. 


Das Audion als Generator und Schwebungsempfänger. 

Jeder Übertrager, der zugleich ein Energieverstärker ist, kann 
benutzt werden, um durch Rückübertragung eines Teiles der Energie 
in dem Kreise, der die Batterie enthält, auf den Kontrollkreis konti- 
nuierliche Schwingungen zu erzeugen und den letzteren Kreis dauernd 
erregt zu erhalten. Sorgt man für eine genügend enge Koppelung 
zwischen dem Gitterkreise und dem Anodenkreise, so wird dem Gitter- 
kreise genügend Energie zugeführt, um ihn dauernd in Schwingung 
zu erhalten, und infolgedessen bestehen in allen Teilen des Systems 
Schwingungen ähnlicher Frequenz. Die Frequenz dieser Schwingungen 
ist annähernd die des geschlossenen Gitterkreises, wenn der Abstim- 
mungskondensator dieses Kreises groß gegenüber der Kapazität des 
Audions ist. Wenn diese Kapazität klein ist, wird der Anodenkreis 
einen größeren Einfluß auf die Frequenz des Systems haben, und diese 
wird sich jener des Gitterkreises nicht so weit nähern. Wenn ein 
solches System von Kreisen schwingt, ist es, wie sich ergeben hat, 
nicht nur möglich, kontinuierliche Wellen mittels des Schwebungs- 
verfahrens zu empfangen, sondern auch, sie sehr erheblich zu ver- 
stärken. 

Die hierbei mitspielenden Erscheinungen werden am besten unter 
Zuhilfenahme der Figg. 15 und 16 verständlich. Diese Figuren zeigen 
den Zusammenhang zwischen der Anodenstromstärke und der Zeit zu 
Beginn der Schwingung. Wenn das Audion beginnt, als Generator zu 
wirken, werden die Gitterschwingungen dauernd gleichgerichtet, um 
den Gitterkondensator zu laden, und diese Ladung fließt dauernd 
ab, entweder durch das Gitter oder durch einen besonderen hohen 
Widerstand, der in Nebenschluß zu dem Kondensator gelegt wird. 
In dem Maße, wie sich die negative Ladung auf dem Gitterkondensator 
anhäuft, erniedrigt sie den Wert der Gleichstromkomponente des 
Anodenstromes und begrenzt daher die Amplitude der Schwingungen 

17* 


252 u - Edwin- H. Armstrong. - 


im -Gitterkreise, bis schließlich ein Punkt erreicht wird, wo das Maß, 
in dem dem Gitterkondensator Elektrizität zugeführt wird, gerade 
gleich dem Maße ist, in welchem sie abfließt. Wir wollen nun die 
Wirkung betrachten, welche eine auftreffende kontinuierliche Welle 
auf das System ausübt, deren Frequenz sich wenig von jener der 
lokalen Schwingungen unterscheidet. . Die Gegenwart der lokalen 
Schwingungen wird die verstärkenden Kräfte des Systems in keiner 
Weise stören, und die ankommenden Schwingungen werden sich in 


sgg W 


+ 
0 


Gitterpotenlial 


| _Anodenstromstärke. 


Telephonstrom- 
tärke, 


Fig. 15. 


genau derselben Weise aufbauen wie im schwingungsfreien Zustande, 
aber wegen der engeren Koppelung zwischen , Gitter und Anode iùn 
stärkerem Maße. Gleichzeitig mit der Verstärkung der ankommenden 
Wellen entstehen Schwebungen zwischen den. Lokalströmen und den 
Sıgnalströmen, und deren Wirkung besteht darin, die Amplitude der 
Schwingungen in dem System abwechselnd zu vergrößern und zu 
verringern. Aus Fig. 15 wird ersichtlich, daß, wenn dieser stetige 
Zustand erreicht wird, eine auf irgendwelche Weise entstandene Ver- 
stärkung der Amplitude der Gitterschwingungen die Ladung äuf deni 
Gitterkondensator vermehren wird; dadurch wird eine Abnahme des 
Mittelwertes des Anodenstromes und infolgedessen eine Abnahme des. 


Einige neuere Verbesserungen am: Audionempfänger. 3583 


Telephonstromes hervorgebracht. Andererseits wird eine Abnahme 
der Amplitude der Schwingungen einem Teil der negativen Ladung 
zuf dem Gitter das Abfließen gestatten und dadurch eine Zunahme 
der Telephonstromstärke ermöglichen. Wenn sich daher ankommende 
und lokale Schwingungen addieren, nimmt die negative Ladung auf 
dem Gitterkondensator zu, und die Folge ist eine Abnahme der Tele- 
phonstärke. Wenn die beiden Frequenzen einander entgegengesetzt 
sind, so fließt ein Teil der Ladung auf dem Gitterkondensator ab, und 


mstärke im 
ifter kreise . 


+ 
0 


Gitterpotential. u 
_Anodenstromstärke. 


Tagan" 


Fig. 16. 


es erfolgt eine Zunahme der Telephonstromstärke. Das Ergebnis ist- 
die Entstehung eines Wechselstromes in den Telephonen mit einer‘ 
Frequenz gleich der Differenz der Frequenzen der lokalen und: der 
ankommenden Schwingungen, und dieser Wechselstrom hat die be- 
merkenswerte Eigenschaft, nahezu einfach harmorisch zu sein. Fig. 16 
veranschaulicht. die Charakteristik dieses Empfangsverfahrens. Die 
ganze Erscheinung läßt sich wie folgt zusammenfassen. Die auf- 
treffenden Wellen werden in dem System gleichzeitig verstärkt und 
zusammengesetzt, so daß Schwebungen mit einer lokalen Schwingung 
entstehen, die durch. das Audion dauernd aufrecht erhalten werden. 


254 Edwin H. Armstrong. 


Die Radiofrequenzschwebungen werden dann durch das Audion gleich- 
gerichtet und laden das Gitter und den Gitterkondensator, und diese 
Ladung verändert den Elektronenstrom, der seinerseits eine ver- 
stärkende Wirkung auf die Stromstärke in den Telephonen ausübt. 

Wird der Gitterkondensator fortgelassen, so ändern sich die 
Schwebungserscheinungen etwas, und die Audiofrequenzänderung des 
Telephonstromes erfolgt entsprechend der asymmetrischen Wirkung, 
die ich in einer früheren Veröffentlichung über die Arbeitsweise des 
Audion beschrieben habe. Das System ist empfindlicher mit dem 
Gitterkondensator; aber man erhält mit jedem der beiden Empfangs- 
verfahren dasselbe allgemeine Ergebnis. 


Besondere Eigenschaften der Schwingung. 

Die Erzeugung von Schwingungen in dem System wird von einigen 
sehr interessanten Eigentümlichkeiten in der Arbeitsweise begleitet. 
Wir wollen annehmen, das Audion schwinge nicht, und die Koppe- 
lung zwischer Gitter und Anode sei ziemlich schwach. Wenn diese 
Koppelung verstärkt wird, gibt sich der Punkt, an welchem die Schwin- 
gungen einsetzen, durch ein schwaches Knacken im Telephon zu er- 
kennen, das von einer geringen Änderung im Charakter der statischen 
` Ladung begleitet wird. Die erzeugten Schwingungen haben gewöhn- 
lich eine so hohe Frequenz und besitzen eine so konstante Amplitude, 
daß sie gänzlich unhörbar sind. Wird die Koppelung noch weiter ver- 
stärkt, so hört man im Telephon einen rauhen Ton, dessen Höhe mit 
zunehmender Koppelung sinkt. Dieser Ton entsteht durch den Zer- 
fall der Schwingungen in Gruppen, und er tritt auf, so oft dem Gitter- 
kondensator Elektrizität schneller zugeführt wird, als sie abfließen 
kann. Die Folge davon ist, daß das Gitter periodisch auf ein negatives 
Potential geladen wird, das genügt, um den Anodenstrom ganz zu 
unterbrechen, und dadurch die örtlichen Schwingungen zum Stillstand 
zu bringen, bis die Gitterladung abfließt und der Anodenstrom sich 
wieder einstellt. Die Frequenz dieser Unterbrechung hängt stark von 
der Kapazität des Gitterkondensators, dem Widerstande seiner Ab- 
flußbahn und der Amplitude der lokalen Schwingungen ab. Sie läßt 
sich von mehreren hundert Schwingungen in der Sekunde bis hinab 
zu einer in der Sekunde oder noch weniger verändern. Dieser Effekt 
ist beim Empfang von Signalen zuweilen störend, besonders bei Röhren 
mit hohem Vakuum. Er läßt sich indessen dadurch beseitigen, daß 
man das Abfließen der Ladung des Gitterkondensators durch einen 
NebenschlußB von hohem Widerstande verstärkt. Die beste Koppe- 


Einige neuere Verbesserungen am. Audionempfänger. 255 


lung für den Empfang kontinuierlicher Wellen liegt etwa zwischen 
dem Punkte, bei welchem die Schwingungen einsetzen, und dem 
Punkte, an welchem die Unterbreching beginnt, und läßt sich nur 
durch Probieren ermitteln. In diesem Bereiche wirkt zuweilen das 
Auftreten eines sanften musikalischen Tones in den Telephonen störend. 
Dieser Ton tritt unter gewissen kritischen Bedingungen für die Koppe- 
lung mit der Antenne auf, wenn der Gitterkreis mit zwei Freiheits- 
graden schwingt. Man erregt deshalb zwei wenig voneinander ver- 
schiedene Frequenzen, und diese erzeugen Schwebungen, die durch 
das Audion in üblicher Weise gleichgerichtet werden. Dieser Effekt 
ist durchaus kritisch, und wenn er zur Interferenz mit Signalen führt, 
wird eine geringe Neueinstellung ihn für gewöhnlich zum Verschwinden 


E ea C 
io L 
o £ 
1 p= 
c MEA 


“m 


bringen. Er läßt sich indessen RE stetig gestalten und nach 
Belieben wiederholen, und zwar mittels des in Fig. 17 angestellten 
Systems, in welchem zwei Gitterkreise mit verschiedenen Perioden 
vorgesehen sind. Es entstehen infolgedessen zwei verschiedene Fre- 
quenzen, nämlich die des Kreises LCL, und die andere des Kreises 
L’C'L,C. Durch diese Anordnung kann mit Erfolg der gewöhnliche 
Summer ersetzt werden, wenn es gilt, Gruppen von Schwingungen 
zu erzeugen. Die vorstehenden Erklärungen gelten:;für das 
Audion nur dann, wenn es als Elektronenrelais benutzt 
wird.!) Wenn in der Röhre eine merkliche Menge Gas in 
ionisiertem Zustande enthalten ist, treten Störungen von 
gänzlich anderem Charakter auf. 


. 


1) Electrical World, 2. Dezember 1914; ferner Diskussion zwischen 
Reiss und de Forest über den Unterschied zwischen"Elektronenrelais und 
Gasrelais in London Electrician (6. Februar 1914, S. 726; 13. März 1914, 
S. 956; 12. Juni 1914, S. 402; 3. Juli 1914, S. 538; 31. Juli 1914 S. 702). 


256 > ži Edwin H. Armstrong. 


Abstimmung der Audionfrequenz. 


Einer der sehr bedeutendan Vorzüge des Empfängers beim Ge- 
brauch für kontinuierliche Wellen besteht darin, daß der in den Tele- 
phonen erzeugte Wechselstrom nahezu eine reine Sinuswelle ist. Nur 
wenn die Audionfrequenz einfach harmonisch ist, kann man durch Ab- 
stimmung des Telephonkreises Selektivität erreichen. Eine verzerrte 
: Welle, wie sie von Funkensigralen hervorgebracht wird, besitzt viele 
Oberschwingungen, und da der abgestimmte Telephonkreis jede von 
diesen herausfischen kann, so besteht wenig Aussicht, durch Audio- 
frequenzabstimmung zwei Funkensignale voneinander zu trennen. Bei 
kontinuierlichen Wellen indessen macht das Verfahren des Empfanges 


durch Schwebungen es möglich, durch Audiofrequenzabstimmung 
Selektivität zu erhalten; dabei ist die Resonanz vollauf so scharf wie 
in den Radiofrequenzkreisen. In den Figg. 18 und 19 sind zwei Ver- 
fahren der Audionfrequenzabstimmung dargestellt. In Fig. 18 ist das 
Telephon induktiv mit dem Anodenkreise des Audions verbunden, und 
zwar durch einen Umformer, dessen Sekundäre außer dem Telephon 
einen Abstimmungskondensator enthält. Bei dieser Schaltung liegt 
das Telephon, das einen Widerstand von vielen tausend Ohm hat, 
unmittelbar in dem abgestimmten Audiofrequenzkreise, und infolge- 
dessen muß man zum Zwecke einer guten Abstimmung die Selbst- 
induktion der Spule L, äußerst groß machen, um das erforderliche 
Verhältnis zwischen der Reaktanz von L, und dem Widerstande des 
Kreises zu gewährleisten. Dieser Nachteil ist in dem in Fig. 19 ab- 
gebildeten System beseitigt, und zwar durch Entfernung der Tele- 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 257 


phone aus dem Audionfrequenzkreis und durch Verwendung des letz- 
teren zur Betätigung eines zweiten Audions. Man kann dann die Tele- 
phone in den Anodenkreis dieses zweiten Audions legen, ohne dadurch 
die Dämpfung des Kreises merklich zu erhöhen. Man kann daher bei 
vernünftigen Werten der Selbstinduktion die Abstimmung des Kreises 
L,C, einfach dadurch sehr scharf gestalten, daß man den Widerstand 
niedrig hält. In diesem Falle erhält man eine beträchtliche Verstärkung 
durch die Anwendung der Resonanz in dem Umformer M, zur Er- 
höhung der an das Gitter des zweiten Audions angelegten Spannung. 
Der große Vorteil dieser Art der Abstimmung erhellt aus folgendem 
Beispiel. Wir wollen annehmen, das ankommende Signal habe eine 


Fig. 19. 


Frequenz von 50000 Perioden, und die lokale Schwingung eine solche 
von 49000. Die Differenzfrequenz beträgt 1000, und dementsprechend 
wird die Audionfrequenz abgestimmt. Eine interferierende Welle, die 
um 1°), kürzer ist als die Signalwelle, also 49500 Perioden hat, wird 
eine Audionfrequenz von 500 Perioden in der Sekunde erzeugen, und 
diese wird in dem Anodenkreise des zweiten Audions keineswegs auf- 
treten, es sei denn, daß sie vielfach stärker wäre als das Signal mit 
seinen 1000 Perioden. Diese Verbindung der Radiofrequenzabstim- 
mung mit der Audionfrequenzabstimmung ist gegenwärtig für den 
Gebrauch zu scharf, selbst dann, wenn die Sendestation mit einem 
Wechselstromerzeuger ausgerüstet ist; die geringen Schwankungen ın 
der Frequenz der ausgestrahlten Wellen rufen nämlich Änderungen 


258 ‚ Edwin H. Armstrong. 


in der Schwebungszahl des Empfängers hervor, durch welche dieser 
für den scharf abgestimmten Audionfrequenzkreis unerreichbar wird. 
Ein Nachteil dieses Abstimmungsverfahrens besteht darin, daß atmo- 
sphärische Störungen durch Stoßerregung des Audionfrequenzsystems 
einen musikalischen Ton hervorrufen. Sehr lockere Koppelung mit 
dem Anodenkreise des ersten Audions schafft hier teilweise Abhilfe. 
Es gibt indessen Fälle, wo die Interferenz störender ist als statische 
Ladungen, und in solchen Fällen kann man das Verfahren mit großem 
Vorteil anwenden. Nach Belieben kann man sowohl Radiofrequenz- 
abstimmung als auch Audionfrequenzabstimmung in demselben Audion 
ausführen, wie dies Fig. 14 angibt. Diese Kombination kann zuweilen 
im Betrieb sehr lästig werden, weil man sowohl im Audionfrequenz- 
system als auch im Radiofrequenzsystem eine kumulative Verstärkung 
erhält. 


Kaskadensysteme. 


Wo größere Verstärkung erforderlich ist, als sich mit einem 
Audion erreichen läßt, kann man seine Zuflucht zum Kaskadenbetrieb 
mit Radiofrequenzsystemen nehmen, indem man zwei oder mehrere 
Audionsysteme miteinander koppelt, von denen jedes in der durch 
Fig. 19 veranschaulichten Weise geschaltet ist. Die auf das erste 
Audionsystem auffallenden Wellen werden in üblicher Weise verstärkt 
und erregen durch die Koppelung M, Schwingungen im zweiten System. 
Die in diesem zweiten System ursprünglich erregten Schwingungen 
werden wiederum verstärkt und dann im zweiten Audion gleich- 
gerichtet, so daß sie ein hörbares Ansprechen der Telephone hervor- 
rufen. Für den Empfang von Funkensignalen ist eine erhebliche Ein- 
stellung erforderlich, wenn man die besten Ergebnisse erhalten will, 
ohne zu veranlassen, daß eines oder das andere der Systeme Schwin- 
gungen erzeugt. Man wird finden, daß, nachdem der erste Schwingungs- 
kreis auf den Schwingungspunkt eingestellt ist, und der zweite mit 
ihm gekoppelt worden ist, die Stärke der Signale im ersten System 
vermindert wird, weil ihm seitens des zweiten Systems Energie ent- 
zogen wird. Man kann dann die Stärke der Signale dadurch wieder 
heben, daß man die Koppelung zwischen Gitterkreis und Anodenkreis 
des ersten Audions verengt, bis das Auftreten der lokalen Schwingungen 
anzeigt, daß die Grenze der Verstärkung erreicht worden ist. Durch 
sorgfältige Einstellung kann man mit zwei Stufen eine etwa tausend- 
fache Verstärkung und eine sehr scharfe Abstimmung erreichen. 

Für den Empfang kontinuierlicher Wellen gibt es mehrere Me- 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 259 


thoden zum Betrieb von Kaskadensystemen. Man kann eines der 
beiden Systeme Schwingungen erzeugen lassen, wobei dann das andere 
System einfach als Verstärker wirkt; oder man kann beide Systeme 
synchron erzeugen lassen. Im allgemeinen wird man finden, daß, wenn 
beide Systeme Schwingungen. erzeugen, Schwebungen entstehen, so 
daß man in den Telephonen einen kontinuierlichen Ton hört. Wenn 
man aber die Frequenz eines der Systeme einstellt, wird die Höhe 
dieses Tones sinken, wenn die beiden Systeme sich dem Synchronis- 
mus nähern, bis schließlich bei hundert bis zweihundert Schwebungen 
in der Sekunde die beiden Systeme in Tritt kommen, etwa so, wie 
zwei Wechselstrommaschinen. Die Fähigkeit der beiden Systeme, in 
Tritt zu bleiben, hängt hauptsächlich: von dem Werte der Koppelung 


Fig. 20. 


zwischen ihnen ab, und je enger diese ist, um so besser halten sie 
miteinander Tritt. Es gibt noch eire andere Möglichkeit, diese Kom- 
bination zu betreiben, und zwar asynchron. In diesem Falle entstehen 
in dem System dauernd Schwebungen, so daß man im Telephon einen 
kontinuierlichen Ton hört, Man kann aber die Schwingungskreise 
so einstellen, daß der Ton nicht laut genug ist, um zu stören, oder 
man kann ihn in der oben beschriebenen Weise durch Abstimmung 
beseitigen. Auftreffende Schwingungen werden im System mit diesen 
Schwebungen vereinigt, so daß sie also mit den bereits vorhandenen 
Schwebungen neue erzeugen, und man hört dann einen ziemlich sonder- 
baren Ton. Mit diesem Verfahren erzielt man eine sehr gute Ver- 
stärkung, wenngleich natürlich der Betrieb des Systems umständlich ist. 

Es mag hier bemerkt werden, daß in allen Fällen, in denen ein 
Signal zu schwach ist, um mit einem Audionsystem aufgenommen 
zu werden, und ein Kaskadenbetrieb notwendig wird, es stets prak- 


260 5 . -Edwin H. Armstrong. 


tischer ist, die Kaskadenkreise für die Radiofrequenzen zu benutzen, 
selbst dann, wenn man in den einzelnen Audionsystemen die Regene- 
rativkreise nicht anwendet. Die Frequenz der durch statische Ladung 
in den Kreisen erregten Schwingungen ist unter normalen Verhältnissen 
dieselbe: wie die des auftreffenden Signals, und die statische Ladung 
wird daher niemals mehr verstärkt als das Signal. Für gewöhnlich 
wird es etwas weniger verstärkt, zumal, wenn man Regenerativkreise 
anwendet. In den für Audionfrequenzen benutzten Kaskadensystemen 
liegt die’ Sache anders. Gewöhnlich verbindet man die einzelnen Stufen 
miteinander durch Umformer, und dies führt zu Bedingungen, infolge 
derer das System die höheren Frequenzen mehr verstärkt. Die Ände- 
rungsgeschwindigkeit der Stromstärke im Detektoraudion infolge 


a 
„$ 


t 
i 


Cs a 

100000 ae © 
LS | a 
G i E- 

$ Q 

de @ = aM A 


Fig. 21. 


statischer. Ladung entspricht einer sehr hohen Frequenz und wird 
infolgedessen ausnahmslos mehr verstärkt als das Signal. 

Es gibt noch eine zweite Methode, kontinuierliche Schwingungen 
zu empfangen, bei welcher man von der Generatoreigenschaft des 
Audions Gebrauch macht, aber nicht die Schwebungserscheinungen 
benutzt. Das Verstärkungsverhältnis des Audions hängt mehr oder 
minder unmittelbar vom Werte der Anodenstromstärke ab, und wenn 
man diese Stromstärke periodisch ändert, erhält man eine entsprechend 
periodische Änderung des Verstärkungsvermögens des Audions. Mithin 
wird ein Audion, das so eingestellt ist, daß es eine kontinuierliche 
Welle übermittelt, unter solchen Verhältnissen in seinem Anodenstrom 
Schwingungen hervorbringen, deren Amplitude sich periodisch ändert, 
und die man daher mit einem einfachen Audionsystem empfangen 
kann. Man kann das erste. Audion, um die nötige Änderung seines 
Verstärkungsvermögens zu erreichen, so anordnen, wie es in Fig: 21 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 261 


angedeutet ist; diese Figur zeigt auch die vollständigen Schwingungs- 
Kreise für die Ausführung dieses Empfangsverfahrens. Hier ist C,L,L,C, 
ein Audionfrequenzsystem zur Erzeugung von Audionfrequenzschwin- 
gungen, und P ist ein. Potentiometer, mit dessen Hilfe man das Poten- 
tial des Gitters so einstellen kann, daß im negativen Teile der. Schwin- 
gung im Anodenkreise die Stärke des Anodenstromes praktisch Null 
wird. Der Radiofrequenzkreis C’LCC, ist auf die Schwingungsfrequenz 
der ankommenden Welle abgestimmt. Die Radiofrequenzschwingungen 
lassen sich in dem ersten Audionsystem nicht wahrnehmen; denn 
der in diesem System fließende starke Audionfrequenzstrom würde 
in den Telephonhörern einen kontinuierlichen‘ Ton von solcher Stärke 
hervorbringen, daß, von sehr starken Signalen abgesehen, nichts zu 
hören sein würde. Trifft man die Anordnung so, daß die Schwingungen 
in einem zweiten Audionsystem nachgewiesen werden, das mit dem 


Ankornrnende UM 
Sıqnale 


niak ~ MiM MMN MMS FE 


rom inlc, Arm 


Fig. 22. 


Flügelkreise des ersten gekoppelt ist, so vermeidet man derartige Stö- 
rungen, weil der Schwingungskreis L,C, eine sehr hohe Impedanz für 
die Audionfrequenzströme hat und die durch die magnetische Koppe- 
lung von Lg und L, erzeugte Wirkung auf das zweite System ver- 
nachlässigt werden kanp. Hingegen ist der Kapazitätsstrom ‘zwischen 
diesen beiden Spulen durch die Telephone zur Erde merklich; und um 
ihn zu vermeiden, ist es ratsam, ihre beiden einander zugekehrten 
Enden in der angedeuteten Weise zu erden. Die Wirkungsweise des 
Systems läßt sich folgendermaßen zusammenfassen. Das erste Audion- 
system verändert die Amplitude der ankommenden Radiofrequenz- 
wellen mit Audionfrequenz, und das zweite Audionsystem verstärkt 
die ihr von dem ersten System gelieferten Radiofrequenzschwingungen 
und weist sie nach. Schematisch ist der Verlauf der auftretenden 
Vorgänge in Fig. 22 dargestellt. Das System spricht ungefähr ebenso 
gut an, wie man dies mit einem einzigen Audion erreichen kann, wenn 
man nach dem Empfanrgsverfahren mit Schwebungen arbeitet. Die 
Vorteile, die sich aus dem Heterodynverfahren der Verstärkung und 


262 | Edwin H. Armstrong. 


aus der Abhängigkeit des Audionfrequenztones in den Empfängern 
von der Wellenlänge ergeben, fehlen hier natürlich; aber für den Emp- 
fang solcher Wellen, deren Frequenz höher ist als jene, bei welcher 
ein Empfang mittels Schwebungen tunlich ist, ist dieses Verfahren 
wertvoll. 


Wirkungen atmosphärischer Störungen. 


Eine sehr interessante Eigenschaft dieser Empfangssysteme ist 
ihr Verhalten bei heftigen atmosphärischen Störungen, zumal bei 
Verwendung zum Empfange kontinuierlicher Wellen. Unter solchen 
Verhältnissen beruht ihr Erfolg darauf, daß sie mit der ihnen inne- 
wohnenden Eigenschaft, auf eine ungedämpfte Welle leichter anzu- 
sprechen als auf eine stark gedämpfte, die charakteristischen Eigen- 
schaften der beiden wirksamsten Hilfsmittel zur Beseitigung statischer 
Störungen verbinden, die wir kennen: des ausbalancierten Ventils 
und des Heterodynempfängers. Die Wirkungsweise des ausbalancierten 
Ventils ist eine physiologische. denn es liefert einfach ein Mittel, das 
Ohr vor dem lauten Knacken zu schützen, das zeitweise seine Emp- 
findlichkeit für die verhältnismäßig schwachen Signale beeinträchtigt. 
Es begrenzt geradezu das Geräusch, das durch eine Störung im Telephon 
hervorgerufen werden kann, unabhängig von der Amplitude dieser 
Störung. Die Wirkung der statischen Störung auf ein Audion besteht nun 
darin, eine negative Ladung auf dem Gitter hervorzurufen, welche 
die Anodenstromstärke vermindert, und die Grenze für die Möglich- 
keit des Ansprechens der Telephone wird dann erreicht, wenn der 
Anodenstrom auf Null gesunken ist. Unter gewöhnlichen Verhältnissen 
ist dieser Grenzwert zu groß, um viel nützen zu können; wenn aber 
das Audion als Generator arbeitet, ist es möglich, durch geeignete 
Einstellung der Amplitude der lokalen Schwingungen die Anoden- 
stromstärke bis zu einem Punkte zu vermindern, der eben oberhalb 
des unteren Krümmungspunktes der Betriebscharakteristik liegt, so 
daß das Audion für eine weitere Zunahme der negativen Ladung auf 
dem Gitter unempfindlich gemacht wird. Die Störungen, welche 
ernstlich interferieren, haben eine viel größere Amplitude als die lokale 
Frequenz, so daß keine merkliche Wechselwirkung zwischen beiden 
stattfindet, und die Anodenstromstärke nimmt unveränderlich ab. Da 
die Abnahme der Anodenstromstärke nicht proportional der Änderung 
des Gitterpotentials ist, werden das Ansprechen des Telephons und 
die Wirkung auf das Ohr des Telegraphisten entsprechend herab- 
gesetzt. Statische Störungen von kleinerer Amplitude als die lokalen 


- AM 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 268 


Schwingungen können mit diesen in Wechselwirkung treten und ent- 
weder eine Zunahme oder eire Abnahme der Amplitude der Schwin- 
gungen im Gitterkreise erzeugen und daher entweder eine Abnahme 
oder eine Zunahme der Anodenstromstärke verursachen. Die Anoden- 
stromstärke kann natürlich bis zu einem verhältnismäßig hohen Werte 
anwachsen; da aber die Anodenstromstärke unmöglich rascher wachsen 
kann als die Ladung auf dem Gitterkondensator abzufließen vermag, 
so muß sie notgedrungen langsam wachsen. Das Ansprechen der 
Telephone ist daher nicht so störend, wie es sein würde, wenn es durch 
eine Abnahme von gleichem Betrage verursacht würde, bei der die 
Stromstärke sich für gewöhnlich rasch ändert. 

Wenn man das System ohne weitere Ableitung am Gitterkonden- 
sator betreibt, verursacht eine heftige statische Störung häufig eine 
eigentümliche Lähmung des Audions; man hört danr nämlich während 
ziemlich langer Zeit keinerlei Ton in den Telephonen. Wenn der 
Apparat nicht berührt wird, kann die Lähmung viele Minuten lang 
anhalten und dann plötzlich verschwinden und der früheren Empfind- 
lichkeit Platz machen. Der Effekt wird primär durch die Ladung 
des Gitterkondensators auf ein Potential hervorgerufen, das groß 
genug ist, um die Elektronenströmung zur Anode hin vollständig 
zu unterbrechen und dadurch die Anodenstromstärke auf Null herab- 
zusetzen. Nun erfolgt der Abfluß der negativen Ladung auf dem 
Gitterkondensator hauptsächlich durch Vermittelung der positiven 
Ionen in der Röhre, die zur Berührung mit dem Gitter angezogen 
werden, wenn dieses negativ geladen wird. Diese positiven Ionen 
sind die Folge einer Stoßionisierung, und wenn die Spannung der 
Batterie im Anodenkreise richtig eingestellt ist, können sie nur in dem 
Gebiet zwischen Gitter und Anode erzeugt werden, da die Geschwindig- 
keit, welche die Elektronen zwischen Faden und Gitter erreichen, 
sehr niedrig ist. Wenn das Gitter auf hohes negatives Potential ge- 
laden ist, hält es alle Elektronen zwischen Gitter und Faden fest und 
sperrt sie dadurch von dem Gebiete zwischen Gitter und Anode ab. 
Folglich muß die Bildung positiver Ionen aufhören, und damit ver- 
schwindet das gewöhnliche Mittel zur Beseitigung der negativen Ladung 
von dem Gitter. Der Widerstand des Abflußweges vom Gitterkonden- 
sator muß dann fast unendlich groß sein; das geht aus der sehr langen 
Zeit hervor, die die Ladung braucht, um von eirem Kondensator mit 
einer Kapazität von annähernd 0,0001 Mikrofarad abzufließen. Der 
Effekt ist natürlich um so ausgeprägter, je höher das Vakuum ist, 
weil die Anzahl der vorhandenen positiven Ionen entsprechend kleiner 


264 eo; Edwin H. Armstrong. 


wird. Ein: parallel zum Gitterkondensator gelegter Widerstand von 
mehreren hunderttausend Ohm liefert eine Ableitung, die vom Werte 
der Anodenstromstärke unabhängig ist und derartige Störungen wirk- 
sam beseitigt.. Bei den sehr hohen Entluftungsgraden, die man heut- 
zutage mit Hilfe der Molekularpumpe erreichen kann, sind praktisch 
keine positiven Ionen vorhanden, so daß die Hilfsableitung immer 
erforderlich ist. Unter diesen Verhältnissen verhindert sie nicht nur 
die Lähmung durch statische Störungen, sondern sie entfernt auch 
die überschüssige Ladung von dem Gitterkondensator, die sich auf 
ihm ansammelt, und erhöht dadurch die Empfindlichkeit des Audions 
und die Schärfe der Signale in den Telephonen. Es ist überraschend, 
zu welch hohen Potentialen der Gitterkondensator durch die statische 
Störung geladen werden kann, wenn er richt mit einer Hilfsableitung 
versehen ist. Diese Potentiale lassen sich auf eine sehr einfache und 
sehr genaue Weise messen, die hier beschrieben werden soll. Wenn 
man, nachdem eine Störung den Anodenstrom unterbrochen hat, die 
Kapazität des Gitterstromes dauernd erhöht, nimmt die Spannung 
an ihm und damit das Potential des Gitters gegen den Faden umgekehrt 
proportional zur Kapazität ab. Schließlich wird ein Punkt erreicht 
werden, wo das Gitterpotential niedrig genug wird, um das Fließen 
des Anodenstromes zu gestatten. Wenn dies eintritt, so istes ein Zeichen 
dafür, daß das Potential des Gitterkondensators ein wenig niedriger 
ist als das, welches die Betriebscharakteristik als erforderlich angibt, 
um die Anodenstromstärke auf Null zu erniedrigen. Das Potential, auf 
das der Gitterkondensator ursprünglich geladen gewesen war, ist 
gleich dem Produkte aus diesem Potential und dem Verhältnis zwischen 
der Kapazität des Kondensators, bei welcher der Anodenstrom zu 
fließen begann, und der ursprünglichen Kapazität. Das Gitter erreicht 
nicht selten Potentiale von mehr als hundert Volt; da nun ein Volt 
ein sehr starkes Signal darstellt, so treten die Schwierigkeiten des 
statischen Problems sehr überzeugend zutage. 

Der Umstand, daß eine statische Störung von großer Amplitude 
fast ausnahmslos eine Abnahme der Anodenstromstärke verursacht, 
während ein Signal (bei Empfang mittels Schwebungen) abwechselnd 
eine Zunahme und eine Abnahme der Anodenstromstärke hervorbringt, 
müßte sich nutzbar machen lassen. Man kann die Schwingungs- 
kreise so anordnen, daß sie den Anodenstrom in solcher Weise gleich- 
richten, daß nur die Steigerungen dieser Stromstärke zur Erzeugung 
eines Ansprechens der Telephone verfügbar werden; wenn man aber 
dieses Verfahren ausführt, so beobachtet man Störungen durch eine 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 265 


Nullpunktswanderung. Ein besseres Verfahren, die Differenz für das 
Ansprechen nutzbar zu machen, ıst folgendes. Wir wollen annehmen, 
wir ordneten zwei vollständige Empfangssysteme so an, daß sie in 
Tritt miteinander schwingen, aber zum Luftleiter so liegen, daß die 
Schwebungsströme in den beiden Systemen um 180° gegeneinander 
verschoben sind. Das Ergebnis wird sein, daß das auftreffende Signal, 
in dem Augenblick, wo es eine Zunahme der Stromstärke in den Tele- 
phonen des einen Empfängers hervorruft, eine Abnahme der Strom- 
stärke in den Telephonen des anderen Empfängers bewirkt, so daß 
die beiden Telephonströme um 180° gegeneinander in Phase ver- 
schoben sind. Statische Störungen von großer Amplitude treten nicht 
mit den lokalen Frequenzen in Wechselwirkung und erzeugen gleich- 
zeitig in beiden Empfängern eine Abnahme der Telephonstromstärke. 
Diese beiden Ströme stehen daher miteinander in Phasen. Ersetzt 
man jedes der beiden Telephone durch die Primäre eines Umformers, 
und verbindet man die beiden Sekundären in passender Weise mit 
einem Telephon, so kann man die statische Störung ausbalancieren 
und zugleich ein additives Ansprechen auf die Signale in jedem der 
beiden Empfänger erreichen. 

Fig. 23 zeigt eine Anordnung, mit deren Hilfe man dieses Ver- 
fahrer zur Ausführung bringen kann. Hier werden zwei schwingende 
Empfangssysteme durch die Schwingungskreise L,C}, Cy L; mit 
einander in Tritt gehalten. L,C, und L,’C,’ sind untereinander iden 
tisch, und jeder von ihnen ist einzeln auf die zu empfangende Fre- 
quenz abgestimmt. Wena beide Audions miteinander in Tritt schwingen, 
wird der Strom in diesen Schwirgungskreisen abwechselnd auf der 
einen Seite aufwärts fließen und auf der anderen Seite abwärts, wie 
es die Pfeile in Fig. 23 angeben. Der Punkt zwischen den Konden- 
satoren C} und C,’ wird ein Knotenpunkt sein, und man kann den 
Luftleiter an diesen Punkt anlegen, ohne die Verhältnisse merklich 
zu stören, wenn man einen Widerstand R in den Luftleiter so ein- 
schaltet, wie in der Figur angedeutet. Dieser Widerstand braucht. 
nicht so groß zu sein, daß er die Signalstärke ernstlich beeinflußt; 
er braucht nur groß gegen den Widerstand des Kreises L Cir Lr 
zu sein, und dieser Kreis hat einen sehr niedrigen Widerstand. 

Ankommende Schwingungen gehen durch den geteilten Schwin- 
gungskreis in der Weise hindurch, wie es in der Figur angegeben ist, 
und sind daher mit den lokalen Schwingungen des einen Empfängers 
in Phase und gegen die lokalen Schwingungen des anderen Kreises 
um 180° verschoben. Dadurch entsteht: das gewünschte Ergebnis in 

Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 18 


266 . Edwin H. Armstrong. 


den durch die Umformer des Kreises T tließenden Strömen, die in 
der bereits geschilderten Weise wirken. 

In der Praxis stellt sich heraus, daß die Schwingungen, die von 
den ankommenden Signalen in jedem der beiden Systeme erregt werden, 
einander in dem Kreise L,C,C,'L, zu neutralisieren streben. Diese 
Wirkung vermeidet man durch Einschalten einer Differentialkoppe- 
lung in die Anodenkreise, die so angeordnet wird, daß sie die Koppe- 
lung zwischen den beiden Gitterkreisen neutralisiert. Das ist deshalb 
möglich, weil dadurch die Koppelung keines der beiden Empfänger 


mit dem Luftleiter beeinflußt wird, und weil es den lokalen Betrieb 
erst dann stört, wenn die effektive Koppelung zwischen den beiden 
Systemen bis auf einen Punkt erniedrigt wird, unterhalb dessen sie 
nicht mehr miteinander in Tritt bleiben. Es gibt noch andere Möglich- 
keiten, dasselbe Ergebnis zu erzielen; aber das hier gezeigte System 
veranschaulicht das allgemeine Verfahren bei der Ausführung dieser 
Ausbalancierungsmethode. 

Vielleicht sind die praktischen Ergebnisse von Interesse, die man 
mit diesen Empfängern erhalten kann. Gegenwärtig hört man an 
der Universität Columbia die Signale von allen Großstationen von 
Eilvese bis Honolulu bei Tag und bei Nacht mit einem einzigen Audion. 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 267 


Kaskadensysteme liefern entsprechend bessere Ergebnisse, und zwar 
genügen zwei Stufen, um die Signale von Honolulu nachts durch den 
ganzen Arbeitsraum hörbar zu machen. Eine Störung der von Nauen 
kommenden Signale durch die Bogenstation in Newcastle (Neubraun- 
. schweig, Kanada) läßt sich sehr leicht mittels eines Abstimmungs- 
kreises für Audionfrequenz ausmerzen, und diese Störung ist die ernst- 
lichste, mit der wir es bis jetzt zu tun gehabt haben, da sich die beiden 
Frequenzen zuweilen um weniger als 1°/, voneinander unterscheiden, 
und die Bogensignale die bei weitem stärkeren sind. 

Diese Empfänger sind im Hartley Research Laboratory der 
Universität Columbia ausgebildet worden. Sie stellen hauptsächlich 
das Ergebnis einer richtigen Auffassung und Deutung der Vorgänge 
dar, die der Wirkung des Audions zugrunde liegen, nämlich der Kurve, 
die den Zusammenhang zwischen Gitterpotential und Anodenstromstärke 
wiedergibt. Zum Schlusse möchte ich betonen, daß keiaes der Ver- 
fahren zur Erzeugung einer Verstärkung oder einer Schwingung auf 
einer kritischen Gaswirkung beruht; sie beruhen einzig und allein 
auf der Relaiswirkung der benutzten Röhre (Elektronen- oder Gas- 
relais) und auf der passenden Anordnung der diese bestimmenden 


Schwingungskreise. 


Zusammenfassung. 


Es wird die Wirkungsweise des Audions als Detektor und ein- 
facher Verstärker erklärt, und zwar nach der Methode der Bestätigung 
der Theorie durch Oszillogramme. Zur Verstärkung der Schwingungen 
im Gitterkreise werden zwei Verfahren angewandt: erstens das Ver- 
fahren, den Gitterkreis mit dem Anodenkreise zu koppeln und letzteren 
so anzuordnen, daß er Radiofrequenzströme frei eintreten läßt; zweitens 
das Verfahren, im Anodenkreise eine große Selbstinduktion anzuwenden 
und diesen Kreis dadurch auf die ankommende Frequenz abzustimmen 
(im Verein mit der Kapazität zwischen Faden und Anode im Audion 
selbst). Beide Verfahren können zusammen angewandt werden. Es 
werden verschiedene Wege gezeigt, Gitterkreis und Anodenkreis mit- 
einander zu koppeln. Es werden Verfahren zur vereinten Audionfrequenz- 
und Radiofrequenzverstärkung gezeigt. 

Das Audion, das ein Generator für Wechselstrom jeder beliebigen 
Frequenz ist, läßt sich als Schwebungsempfänger benutzen. Ein stetiger 
Audiongenerator für regelmäßige Gruppen von Radiofrequenzschwin- 
gungen wird beschrieben. Es sind verschiedene Verfahren der Audion- 
frequenzabstimmung möglich, welche ein hohes Selektionsvermögen 

18* 


268 Edwin H. Armstrong. 


gestatten. Bei Verwendung zweier Audions in Kaskadenschaltung 
kann man Verstärkung bis auf das Tausendfache erreichen. Man kann 
die Kaskadensysteme so anordnen, daß beide Audions entweder syn- 
chron oder nicht synchron arbeiten. 

Als Gegenstück zum Schwebungsempfang ungedämpfter Wellen 
wird eine Anordnung auseinandergesetzt, bei welcher das Verstärkungs- 
verhältnis eines Übertragungsaudions sich periodisch mit Audion- 
frequenz ändert. Mit diesem System wird ein einfacher Audiondetektor 
gekoppelt. Auf diese Weise erhält man musikalische Signale von be- 
liebiger Tonhöhe. 

Es ergibt sich, daß statische Störungen großer Amplitude fast 
immer den Flügelstrom schwächen, während ein Signal (bei Schwebungs- 
empfang) ihn abwechselnd verstärkt und schwächt. Es wird ein 
System von Schwingungskreisen beschrieben, in welchem dieser Um- 
stand nutzbar gemacht wird, um die statische Störung auszubalancieren, 
dabei aber ein additives Ansprechen der Signale zu erhalten und auf 
diese Weise den Einfluß der statischen Störung großenteils auszu- 
schalten. 


Schließlich werden Beispiele für den Empfang von fernen Stationen 


und die Überwindung von Störungen in der Praxis angeführt. 


| Diskussion. | 

Herr Lee de Forest (briefliche Mitteilung). — Meine Abwesen- 
heit von New York und berufliche Arbeiten verhindern mich, die 
Veröffentlichung des Herrn Armstrong so gründlich zu diskutieren, 
wie sie es von meiner Seite verdiente. 
~ In Kürze muß ich feststellen, daß meine Untersuchungen über 
den einfachen Audiondetektor, den Audionverstärker und den „Ultra- 
audion“detektor für ungedämpfte Wellen nicht vollständig die Er- 
gebnisse und Schlußfolgerungen bestätigen, die Herr Armstrong 
angegeben hat. | | 

Zunächst muß jeder, der beträchtliche Erfahrungen mit zalhreichen 
Audionröhren gehabt hat, zugeben, daß das Verhalten verschiedener 
Röhren in vielen Einzelheiten und in erstaunlichem Maße voneinander 
abweicht. Die Kurven für den Zusammenhang zwischen Anodenpotential 
und Anodenstromstärke sind für verschiedene Röhren, ja selbst für 
eine und dieselbe Röhre zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen 
Bedingungen (Fadentemperatur usw.) sehr verschieden. 
=- Was für eine Röhre als feststehendes Gesetz gelten kann, gilt 
möglicherweise für eine andere nicht. 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 269 


Herr Armstrong tut dieser bekannten Tatsache keine Erwäh- 
nung, auch stellt er nicht einmal fest, daß seine Kurve für den Zu- 
sammenhang zwischen Gitterpotertial und Anodenstromstärke bei einer 
anderen angelegten Spannung der Batterie B oder bei anderen Faden- 
temperaturen ganz anders aussehen kann als die von ihm gezeigte. 

Er erwähnt nicht die oft bewiesene Tatsache, daß ein Gleich- 
strominstrument, z. B. ein Mikroamperemeter, einen kleineren Aus- 
schlag, oder praktisch keinen Ausschlag nach irgendeiner Seite zeigen 
kann, wenn dem Gitter ziemlich starke Radiofrequenz- (oder Audion- 
frequenz-) Impulse zugeführt werden, selbst dann, wenn der Telephon- 
empfänger im Anodenkreise stark anspricht. 

Ich habe häufig bewiesen, daß eine dem Gitter oriei positive 
Ladung den ‚„Anodenstrom‘‘ schwächen kann, statt ihn zu verstärken. 
Herr Armstrong behandelt den ganzen Gegenstand, wenn ich so 
sagen darf, viel zu flüchtig und obenhin, zumal er anscheinend die 
Arbeiten anderer Forscher und Entdecker ganz vergißt. 

Wie ich in einer Mitteilung in ‚‚Electrical World‘ vom 20. Februar 
festgestellt habe, ist die Schwingungsfähigkeit des Audions vor 
mehreren Jahren von mir entdeckt worden. 

Ich habe gefunden, daß die von Herrn Armstrong beschriebenen 
komplizierten Stromkreise für die Erzeugung der erwähnten Wir- 
kungen ganz unnötig sind. Tatsächlich erhält man die Vereinigung 
der Schwingungsfunktion mit der Verstärkungsfunktion in einer und 
derselben Röhre fast, wenn auch nicht ganz, so wirksam und weit 
einfacher mit viel einfacheren Kreisen. 

Das zweite Verfahren, das Herr Armstrong für eine Vereinigung 
der Abstimmungen auf Radiofrequenzen und auf Audionfrequenzen 
angibt, ist geistreich und höchst beachtenswert. Leider. gibt es, wie 
er mit Recht feststellt, heutzutage keinen Wellenerzeuger, dessen 
Frequenz genügend konstant wäre, um eine volle Ausnutzung dieses 
eleganten Verfahrens zu gestatten. 

Herr Edwin H. Armstrong. — Die Bedingung, unter der ein 
dem Gitter erteiltes positives Potential eine Abnahme der Anodenstrom- 
stärke hervorruft, ist insofern bemerkenswert, als sie die Ursache für 
den Schleier des Wunderbaren gewesen ist, von dem das Audion so 
lange umhüllt gewesen ist. Der Effekt tritt unter gewissen Bedin- 
gungen auf, die sich sehr leicht erklären lassen. Wir wollen annehmen, 
es befinde sich in der Röhre eine merkliche Gasmenge, und die Poten- 
tialdifferenz zwischen Anode und Faden sei so eingestellt, daß eine 
beträchtliche Anzahl positiver Ionen erzeugt werden. In solchem 


270 Edwin H. Armstrong. 


Zustande kommt es häufig vor, daß die Zahl der mit dem Gitter 
zur Berührung gelangenden positiven Ionen jene der negativen 
Ionen übersteigt. Infolgedessen nimmt das Gitter gegenüber dem 
Faden eine positive Ladung an. Wir wollen annehmen, das Poten- 
tial, auf welches das Gitter geladen wird, sei um drei Volt posl- 
tiv gegen den negativen Pol des Fadens. Unter diesen Umständen 
wird eine Batterie von etwa ein bis zwei Volt, deren positiver Pol in 
der durch Fig. 1 angegebenen Weise mit dem Gitter verbunden ist, 
tatsächlich das Potential des Gitters in negativem Sinne verändern. 
Die natürliche Folge ist eine Abnahme der Anodenstromstärke. Das 
Gegenteil dieses Effektes, die Bedingung, unter welcher ein an da® 
Gitter angelegtes negatives Potential eine Zunahme der Anodenstrom" 


RI 

R P 
+ 3 Volt 6 
S 

v1.5 
Volt K 
S 
D 
Q 
S 
-10 0 +10 
Qulferpotential 
Fig. 1. Fig. 2. 


stärke hervorruft, treffen wir ausnahmslos in einem Audion mit hohem 
Vakuum, in dem das Potential, welches das Gitter annimmt, aus- 
nahmslos negativ ist. Beide Fälle lassen sich indessen auf derselben 
Grundlage erklären. Fig. 2 zeigt, welches Potential das Gitter an- 
nimmt, wenn eine große Anzahl positiver Ionen zugegen ist. 

Herr Edwin H. Armstrong (briefliche Mitteilung). — In Be- 
antwortung der Mitteilung des Herrn de Forest möchte ich betonen, 
daß der Zweck meiner Veröffentlichung war, die Anwendung von 
Schwingungskreisen einer neuen Art auf die Betätigung des Audions 
zu behandeln. Die dem Betrieb des Audions zugrundeliegenden Eigen- 
tümlichkeiten wurden nur als Grundlage für die Erklärung der Wir- 
kungsweise der Schwingungskreise skizziert. Eine ausführliche Er- 
klärung der verschiedenen im Audion als Detektor und als Relais mit- 
spielenden Erscheinungen, die von der früher von Herrn de Forest 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 271 


aufgestellten von Grund aus verschieden ist, habe ich vor einiger 
Zeit in „Electrical World“ vom 12. Dezember 1914 veröffentlicht, 
und die Spalten des genannten Blattes stehen zweifellos noch für eine 
Diskussion über diesen elementaren Gegenstand frei. 

Herr de Forest spricht von den großen Verschiedenheiten, die 
zwischen den Kurven für die Beziehung des Anodenpotentials zur Anoden- 
stromstärke bestehen. Wem die Gesetze der Elektrizitätsleitung in 
Gasen vertraut sind, der wird leicht einsehen, daß dies der Fall sein 
muß, wo eine irgendwie beträchtliche Gasmenge in der Röhre vor- 
handen ist. Das Potential, bei welchem eine fortschreitende Ionisierung 
des Gases beginnt, ist unter anderen Dingen vom Drucke abhängig; 
infolgedessen ändern sich die oberen Teile der Kurve für die Beziehung 
des Anodenpotentials zur Anodenstromstärke; aber die: unteren Teile, 
die einzige Stelle, wo das Elektronenrelais betrieben 
werden kann, haben ausnahmslos dieselbe allgemeine Gestalt. Mit 
den uns heutzutage zu Gebote stehenden Verfahren zur Erzeugung 
sehr hochgradiger Vakua, ist es einfach, Audions zu bauen, deren 
Charakteristiken für alle praktischen Zwecke identisch sind. Bei diesen 
Röhren mit hohem Vakuum verschwinden die erstaunlichen Ver- 
schiedenheiten, von denen Herr de Forest spricht, bis zu einem er- 
staunlichen Grade. 

Die großen Verschiedenheiten, die zuweilen zwischen den Kurven 
für die Beziehung zwischen Gitterpotential und Anodenstromstärke 
verschiedener Audions, oder bei einem und demselben Audion unter 
verschiedenen Bedingungen des Anodenpotentials oder der Faden- 
temperatur bestehen, rühren gleichfalls von dem Gasreste her und 
werden in derselben Weise durch die Verwendung sehr hoher Vakua 
beseitigt. Es ist natürlich klar, daß für jeden Wert des Anodenpotentials 
und der Fadentemperatur eine andere Kurve für den Zusammenhang 
zwischen Gitterpotential und Anodenstromstärke gelten wird, aber für 
Röhren mit hohem Vakuum liegen diese Kurven alle geordnet über- 
einander und haben, bis auf kleinere Unterschiede, dieselbe allgemeine 
Gestalt. 

Zur Erklärung der Tatsache, daß ein Gleichstrominstrument im 
Anodenkreise keine Änderung der Einstellung aufweist, wenn an das 
Gitter eine elektromotorische Wechselkraft von Audionfrequenz 
angelegt wird, selbst dann nicht, wenn ein mit diesem Meßinstrument 
im gleichen Kreise liegendes Telephon stark anspricht, möchte ich 
auf di» Figg. 2 und 5 meiner Arbeit verweisen und gleichzeitig darauf 
, aufmerksam machen, daß ein Telephon vielleicht auf einen Wechsel- 


272 R = ~ Edwin H. Armstrong. 


strom stärker ansprechen kann als ein Gleichstrominstrument! Eine 
Erklärung für die Abnahme der Anodenstromstärke, die auftreten kann, 
findet man in meiner Veröffentlichung in „Electrical World“ vom 
12. Dezember 1914, zusammen mit einem Oszillogramm, welches die 
in Frage stehende asymmetrische Wirkung zeigt. Der von Herrn 
de Forest genannte Fall, in welchem eine an das Gitter angelegte 
elektromotorische Wechselkraft von Radiofrequenz das Telephon 
zum Ansprechen bringt, ein Gleichstrominstrument aber nicht, ist 
unmöglich. Wenn das Telephon anspräche, das Instrument aber 
keinen Ausschlag zeigte, so wäre das ein Zeichen für eine abwechselnde 
und gleich große Zunahme und Abnahme der Anodenstromstärke mit 
einer Audionfrequenz. Das ist eine Wirkung, welche durch auf das 
Gitter wirkende Schwingungen von Radiofrequenz nicht hervor- 
gerufen werden kann. Wenn man in Verbindung mit dem Gitter einen 
Kondensator benutzt, rufen Radiofrequenzschwingungen ausnahmslos 
eine deutliche Abnahme der Anodenstromstärke und somit eine Ab- 
nahme der Telephonstromstärke hervor. Wenn man die asymmetrische 
Relaisanordnung benutzt, die wegen der Krümmungen in der Betriebs- 
charakteristik möglich ist, so können auf das Gitter wirkende Radio- 
frequenzen entweder eine deutliche Zunahme oder eine deutliche Ab- 
nahme der Anodenstromstärke hervorrufen, je nachdem, bei welcher 
Krümmung das Audion betrieben wird; aber eine Zunahme und eine 
Abnahme können niemals gleichzeitig erzeugt werden. 

Herr de Forest versucht, die Gültigkeit der Betriebscharak- 
teristik und damit alle auf ihr beruhenden Erklärungen durch die 
Behauptung in Zweifel zu ziehen, er habe häufig bewiesen, daß eine 
dem Gitter erteilte positive Ladung die Anodenstromstärke erniedrigen 
kann, statt sie zu erhöhen, eine Behauptung, die er.ursprünglich zur 
Erklärung der Relais- und Detektorwirkung des Audions aufgestellt 
hat. In der Diskussion habe ich auf das Fehlerhafte dieser Ansicht 
hingewiesen und das anscheinende Paradoxon erklärt, daß man in 
Röhren mit niedrigem Vakuum ın dem für die Betriebsbedingungen 
geltenden Teile der Kurve für die Beziehung zwischen Gitterpotential 
und Anodenstromstärke findet. Es besteht noch ein Effekt, der zu 
unrichtigen Schlüssen über die Wirkungsweise des Elektronenrelais 
führen kann und auf Wirkungen beruht, die sich oberhalb des für die 
 Betriebsbedingungen geltenden Teiles der Kurve finden. Wenn das 
Gitterpotential erhöht wird, ist es möglich, daß die Anodenstromstärke 
ein Maximum erreichen und dann sinken kann. Das kommt daher, 
daß ein Leitungsstrom zum Gitter fließt, wenn es positiv gegen den 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 273 


Faden ist, und daß sich unter gewissen Bedingungen dieser Strom 
“von dem Anodenstrom subtrahiert. Die Höchststromstärke, die vom 
Faden zur Anode fließen kann, wird durch die Anzahl der vom Faden 
ausgesandten Elektronen begrenzt, und wenn die Bedingung für das 
Fließen der Höchststromstärke im Anodenkreise hergestellt ist, ehe 
das Gitterpotential stark positiv wird, dann wird eine weitere Steige- 


lamper 


074% 


Betriebscharakteristik des Audıon. 


N 
ò 


Hnodenstromstärke in 
Mill 


72 -76 Gitter-Potential. 


Effekhivwiderstand für verschiedene 
Feststehende Gillerpotentiale,, ‚3720. 


Eff. Wid. in 


fzs2o~ 


212 -70 -8f << 2 +2 + Gilterpotenhal 
Fig. 3. 


rung des Gitterpotentials die Anzahl der von dem Gitter absorbierten 
Elektronen vermehren, und die Folge davon ist eine Abnahme der 
Flügelstromstärke. Die Unmöglichkeit, ein Elektronenrelais in diesem 
Teile der Kurve zu betreiben, wird aus den beistehenden Diagrammen 
(Fig. 3) hervorgehen; diese Diagramme zeigen, wie der Effektivwider- 
stand der Speisungsseite des Audions zunimmt, wenn das Potential 
des Gitters verändert wird. Nur wenn das Gitter negativ gegen den 
Faden ist, kann das volle Verstärkungsvermögen des Audions ver- 
wirklicht werden, da die Speisungsseite keine Energie verzehrt. Hierin 


274 Edwin H. Armstrong. 


liegt die Erklärung für die großen Verschiedenheiten, die im Ver- 
stärkungsvermögen verschiedener Röhren bestehen, wenn man sie in 
der üblichen Weise benutzt. Es ist üblich, die Verstärker für Audion- 
frequenzen so zu betreiben, daß das Gitter für Leitungsströme vom 
Faden isoliert ist, so daß das Potential des Gitters allein durch die 
Charakteristik des Audions bestimmt wird. Wenn es zufällig genügend 
negativ ist, verzehrt die Speisungsseite keine Energie, und das Er- 
gebnis ist gut; ist es positiv, so verzehrt die Speisungsseite Energie, 
und die Verstärkung wird ernstlich beeinträchtigt, und zwar in einem 
Grade, der von dem Werte der positiven Ladung abhängt. Dies alles 
findet eine deutliche Stütze in der Tatsache, daß, wenn man das Poten- 
tial des Gitters einer guten Röhre absichtlich positiv macht, die Ver- 
stärkung sinkt. Die in Fig. 3 wiedergegebenen Kurven liefern eine 
weitere Bestätigung, und in diesem Zusammenhange ist es inter- 
essant, die Übereinstimmung zwischen den Kurven für Radiofrequenz 
und jenen für Audionfrequenz zu beachten. 

Die Behauptung des Herrn de Forest, daß er ursprünglich die 
Schwingungserscheinung beobachtet und sie vor mehreren Jahren 
zur Erzeugung der beschriebenen Wirkungen angewandt habe, kann 
hier nicht erörtert werden, weil seine Priorität in dieser Sache dem- 
nächst auf anderem Wege angefochten werden wird. 

Herr Lee de Forest (briefliche Mitteilung). — Wenn ich auch 
die Erklärungen des Herrn Armstrong für meine Beobachtungen 
über die Wirkung eines positiv geladenen Gitters auf den Anoden- 
strom nicht annehmen kann, spricht doch mehr zu ihren Gunsten als 
zugunsten seiner früheren oberflächlichen Widerlegung, daß eine Wir- 
kung, wie ich sie beschrieben habe, überhaupt nicht bestehe. 

Was nach der Behauptung des Herrn Armstrong ‚elementare 
Dinge“ sind, sind den Mitarbeitern der Herren Rutherford und 
Soddy, mit denen ich sie erörtert habe, nicht als solche erschienen. 
Diese Erörterungen haben allerdings vor dem Erscheinen der Arbeit 
des Herrn Armstrong stattgefunden. 

Trotz den Erklärungen des Herrn Armstrong sind wir noch 
völlig im Dunkeln darüber, wie hoch diese übereinstimmende Ergeb- 
nisse liefernden Vakua sind, und auf welche Betriebsspannungen er 
sich eigentlich bezieht. Mehr quantitative Ausführlichkeit und An- 
gaben über die genauen Leistungen einer größeren Anzahl von Röhren 
würden überzeugender wirken als die Theorien, die er als Grundlage 
für die Beschreibung einiger komplizierter Schwingungskreise aufstellt. 

Wenn Herr Armstrong einen Röhrentyp behandelt, der von 


n = es E a ee (U WRDGEEEEGERE. ( DE ru 7 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 275 


dem Audion ganz verschieden ist (wegen des Vakuumgrades, der an- 
gelegten Potentiale usw.), so hätte er das zu Beginn ausdrücklich er- 
wähnen müssen. Das ist mein Hauptbeschwerdegrund. Er gibt keine 
wesentlichen Daten an, sondern nur allgemeine Gesetze mit versuchs- 
weise aufgestellten Axiomen. Ich nahm an, daß wir Erscheinungen 
behandelten, wie sie in dem Audion in seiner allgemein bekannten 
Form vorkommen, das mit einer Spannung von 20 bis 50 Volt be- 
trieben wird. Bei diesem Audion wenigstens bleiben noch einige un- 
geklärte Fragen bestehen. 

Wenn Herr Armstrong nicht imstande ist, meine Beobachtung 
zu erklären, daß bei Anwendung von Audionfrequenzen gewisse Röhren 
eine Abnahme des Ausschlages eines Gleichstromamperemeters zeigen, 
andere keinen merklichen Ausschlag, während ein Telephonempfänger 
mit einer Stärke von vielfacher Hörbarkeit anspricht, so soll er diese 
Tatsache frei heraus bekennen. Ich wüßte auch gern seine Erklärung 
dafür, weshalb gewisse Audions deutlich empfindlicher für niedrige 
Funkenfrequenzen sind als für hohe, während andere genau das Gegen- 
teil zeigen. Ich habe zwar Theorien für diesen Punkt, doch habe ich. 
sie noch nicht erwiesen. 

Was den Nachdruck betrifft, den Herr Armstrong auf den 
Wert seiner Oszillogramme legt, die bei Audionfrequenzen aufgenommen 
worden sind, weil Audion- und Radiofrequenzen ihrem Wesen nach 
identisch sind, so möchte ich auf seine Äußerung aufmerksam machen, 
daß „dies ein Effekt ist, den Radiofrequenzschwingungen (zum Unter- 
schiede von Audionfrequenzschwingungen) bei Eu auf das 
Gitter nicht hervorbringen können“. 

Ist es nicht vielleicht möglich, daß in Fällen, wo stark gedämpfte 
Wellenzüge von Radiofrequenzen abwechselnd positive und nega- 
tive anfängliche Wellenfronten haben, abwechselnd eine Zunahme 
und eine Abnahme des Anodenstroimes auftreten kann, die zwar laute 
Signale im Telephonempfänger liefern, aber keinen Ausschlag in einem 
damit in Reihe geschalteten Gleichstrommikroamperemeter hervor- 
bringen würden ? 

Was nun die Schlußbemerkung des Herrn Armstrong angeht; 
so hatte ich bisher nicht erfaßt, daß er tatsächlich geradezu die Ent- 
deckung der Schwingungsfähigkeit des Audions für sich in Anspruch 
nimmt. Ich denke, es wird festgestellt werden können und festgestellt 
werden, daß diese Eigenschaft einige Zeit vor seiner ersten Arbeit auf 
diesem Gebiete entdeckt worden ist. Sollte noch jemand der Ansicht 
sein, daß die Schwingungsfähigkeit des Audions auf die Entdeckung 


276 ' Edwin H. Armstrong. 


der von Herrn Armstrong beschriebenen komplizierten Kreise ge- 
wartet hätte, so möchte ich auf die Arbeit von Professor A. H. Taylor, 
„The Double Audion Type of Receiver“ in „Electrical World“ vom 
13. März 1915 verweisen. 

Herr Edwin H. Armstrong (briefliche Mitteilung). — In Be- 
antwortung der letzten Mitteilung des Herrn de Forest über die 
Wirkung eines geladenen Gitters auf den Anodenstrom kann ich nur 
auf Grund des Umstandes, daß es ihm nicht gelungen ist, einen Gegen- 
beweis zu erbringen, annehmen, daß seine Beobachtungen sich viel- 
leicht durch die positive Restladung auf dem Gitter erklären lassen. 
Dies gilt für den Röhrentyp, bei welchem so viele „ungeklärte‘“ Er- 
scheinungen beobachtet werden, nämlich für das ‚„Audion in seiner 
allgemein bekannten Form, das mit einer Spannung von 20 bis 50 Volt 
betrieben wird“. 

Das Mißverständnis des Herrn de Forest hinsichtlich des Röhren- 
typs, auf den sich meine Arbeit bezieht, fällt durchaus ihm zur Last. 
Es ist in der Veröffentlichung in ‚Electrical World“ und gelegent- 
lich der Vorlegung dieser Arbeit im ‚Institute of Radio Engineers“ 
klar ausgesprochen worden, daß das Vakuum der Röhren ein solches 
war, daß nur Thermionenströme bestanden. Die Verfahren, die an- 
gewandt wurden, um diese Vakua zu erhalten, waren die, welche kürz- 
lich Herr Irving Langmuir in einer Arbeit beschrieben hat, die 
er der „American Physical Society‘ vorgelegt hat, sowie in einer anderen 
dem „Institute of Radio Engineers“ vorgelegten Arbeit (vgl. hierzu 
„Proceedings of The Institute of Radio Engineers 3, 261, 1915“, wo 
auch die Diskussion über die Arbeit des Herrn Langmuir wieder- 
gegeben ist). 


Zur Erklärung der Beobachtung des Herrn de Forest, daß auf ° 


das Gitter einwirkende Audionfrequenzen entweder eine Abnahme 
des Ausschlages eines Gleichstromamperemeters oder gar keinen 
Ausschlag bewirken können, während ein Telephon kräftig anspricht, 
habe ich auf die Oszillogramme verwiesen, welche beide Fälle vollauf 
erklären. Es scheint nötig, hinzuzufügen, daß ein Gleichstrom- 
instrument der erwähnten Art Mittelwerte mißt! 

Die Frage nach der relativen Empfindlichkeit eines Audions als 
Detektor für hohe und niedrige Funkenfrequenzen ist für die gegen- 
wärtige Diskussion völlig bedeutungslos. Sie enthält jedoch einige 
Punkte, die von Interesse sind. Der Effekt tritt nur dann auf, wenn 
man die Ventilwirkung des Audions benutzt, um die Schwingungen 
gleichzurichten, und man muß notwendig einen Kondensator in Reihe 


x 


Einige neuere Verbesserungen am Audionempfänger. 277 


mit dem Gitter anwenden. Wenn positive Ionen spärlich vorhanden 
sind, kann das Abfließen der von einer Gruppe von Schwingungen 
herrührenden Ladung auf dem Gitterkondensator so langsam erfolgen, 
daß der Kondensator bis zur Ankunft einer zweiten Gruppe von 
Schwingungen nicht ladungsfrei werden kann. Unter diesen Ver- 
hältnissen bleibt beständig eine negative. Restladung auf dem Gitter- 
kondensator während der Perioden der Signalgebung bestehen, und 
diese Ladung stört die Gleichrichterwirkung zwischen Gitter und 
Faden. Dieser Effekt wird offenbar bei den höheren Funkenfrequenzen 
ausgeprägter sein, und die Empfindlichkeit des Audions wird bei den 
niedrigeren Funkenfrequenzen weniger beeinträchtigt werden. Die 
Erscheinung ist interessant, aber im wesentlichen ganz einfach und 
von elementarem Charakter. 

Herr de Forest versucht den Fall zu erklären, der, wie ich ge- 
zeigt habe, unmöglich ist, nämlich den Fall, daß auf das Gitter wirkende 
Radiofrequenzen ein Ansprechen eines Telephones im Anodenkreise be- 
wirken, aber keinen Ausschlag eines mit dem Telephon in Reihe ge- 
schalteten Gleichstrominstrumentes. Die aufgestellte Erklärung ist 
unmöglich. Der beschriebene Effekt könnte nur durch Wellenzüge 
hervorgebracht werden, die praktisch aperiodisch wären. Ich brauche 
nicht zu sagen, daß gegenwärtig in der drahtlosen Telegraphie nichts 
gebräuchlich ist, was dem im Entferntesten ähnelte. 

Zum Schlusse möchte ich betonen, daß diese Diskussion ursprüng- 
lich von Herrn de Forest eröffnet worden ist in dem Bestreben, die 
Erklärungen als ungültig darzustellen, die für die verschiedenen 
Detektor-, Übertrager- und Schwingungswirkungen aufgestellt worden 
sind. Meiner Meinung nach bleiben die gegebenen Erklärungen als 
richtig bestehen. 

- Herr Robert H. Marriott. — Es ist häufig beklagt worden, 
daß es an Untersuchungen über Fragen der drahtlosen Telegraphie 
mangele, die in Physikalischen Instituten ausgeführt worden wären. 
Herr Armstrong verdient hohe Anerkennung für seine hochinter- 
essante Untersuchung, und es ist zu wünschen, daß unter ähnlichen 
Vorbedingungen weitere wertvolle Ergebnisse erlangt werden möchten, 


(Eingesandt 1. Oktober 1915.) 


ae 


Adresse des Autors: The Institute of Radio a 
111 Broadway, New York. 


278 J. Bethenod. 


Über die Verwendung des Audions als Generator 
mit Selbsterregung. 


(Sur ’emploi des audions comme générateurs auto-exeitateurs). 


Von J. Bethenod. 


In einer früheren Mitteilung!) habe ich zunächst einige allgemeine 
Betrachtungen über die charakteristischen Kurven und über die Be- 
dingungen für die Stetigkeit des Zustandes entwickelt und alsdann als 
Anwendungsbeispiel die Bedingungen für das Zünden des Nebenschluß- 
Lichtbogens durch einen schwingenden Kreis festgestellt. 


ll 
Ar F 


| 
i 
' 
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U | 
Ç 
| 
] 
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| 
i 


om] 
P o o 
LS SL a NEE 
3 Er |C 


EONS: -E 
? 


Die vorliegende Mitteilung bezweckt, zu zeigen, wie man nach 
demselben Verfahren die Zündung des als Generator mit Selbst- 
erregung benutzten Audions analysieren kann. Bekanntlich gewinnt 
diese Anwendung gegenwärtig in der drahtlosen Telegraphie mehr und 
mehr an Verbreitung, und zwar sowohl für den Empfang als Hilfs- 
generatoren zum Nachweis der ungedämpften Wellen (Heterodyne) als 
auch zum Senden. | | 

Betrachten wir also die durch die Figur dargestellte Schaltung. ?) 


1) Vgl. J. Bethenod, Sur les courbes caracteriques et les conditions 
de stabilité des régimes. La Lumière Electrique (2) 35, Nr. 42, 14. Okt. 


1916, S. 25ff. | 
2) Vgl.TheElectrician, 31.Juli1914,S.702, und franz. Pat. Nr. 467,747, Fig. 6. 


Über die Verwendung des Audions als Generator mit Selbsterregung. 279 


Auf diese Schaltung läßt sich übrigens leicht eine große Anzahl der 
abweichenden Ausführungsformen zurückführen, die seit zwei oder drei 
Jahren seitens verschiedener Physiker und Ingenieure vorgeschlagen 
worden sind, und wir haben sie deshalb zur Grundlage für die vor- 
liegende Untersuchung gewählt, weil sie die leichteste Analyse der 
Zündungsvorgänge gestattet. 
Wir bezeichnen: 
mit Æ die elektromotorische Kraft der in den Plattenkreis eingeschal- 
teten Batterie, 
„ 0 ihren Widerstand, 
„ U die Potentialdifferenz zwischen Draht und Platte, 
„ u jene zwischen Draht und Rost, 
„ {I den durch die Platte fließenden Strom, 
„ t den im Kreise Rost— Draht fließenden, 
„ R, L den Widerstand bzw. die Selbstinduktion der Spule im 
Schwingungskreise, 
r,l die entsprechenden Größen der im Kreise Rost—Draht liegen- 
den Spule, 
M den Koeffizienten der wechselseitigen Induktion zwischen diesen 
beiden Spulen, 
J den Bruchteil des Stromes I, der nicht durch den Kondensator C 
des Schwingungskreises hindurchgeht. 
Man kann ohne weiteres schreiben: 


7) 


E=U+ oI+ LÊZ +RJ+ “t, 


O=utrit + m, 


C 


Die Gleichungen für den Zuwachs lauten dann ?): 


0=4AU+ p414 L? + RAaIH ut, 


I-J di 
f t= LÊZ + RI+ UT. 


0 = du+rsipit ft + use], 


5 Sata p AI gagy utii., 


(1) 


1) s. meine genannte Arbeit. 


280 J. Bethenod. 


Wir verfügen bereits über drei Gleichungen zur Bestimmung der 
fünf Unbekannten AI, Ai, AJ, AU und Au. Zwei neue Gleichungen 
liefern uns die charakteristischen Kurven für die als kathodischer 
Generator benutzte Lampe. Wir können nämlich schreiben: 


i = (U, u) 
und 
I= F(U, u), 


wo sich die Funktionen f und F zum mindesten experimentell be- 
. stimmen lassen. | 

In dieser Fassung ist das Problem, das wir betrachten, in seiner 
ganzen Allgemeinheit nahezu unlösbar. Immerhin können wir, wenn 
wir uns auf die Untersuchung des Anfanges des Zündungszustandes 
des Generators beschränken, die Zuwachse, welche die Unbekannten des 
Systems (1) bilden, als sehr kleine Größen ansehen. Nach einem Ge- 
danken, den Herr Marius Latour!) betreffs der Theorie der Ver- 
stärker ausgesprochen hat, in denen gleichfalls die Lampen mit drei 
Elektroden (Audion) benutzt werden, kann man dann die Ausdrücke 
für Ai und AI als Funktionen der Zuwachse Au und AU der Ver- 
änderlichen in Reihen entwickeln und diese Entwickelung mit den 
beiden ersten Gliedern abbrechen. Man erhält so die Beziehungen: 


a nn; 
Al=a,4U+a, du, 

wo die Koeffizienten a für eine Admittanz konstant und homogen sind.?) 
Das System (2) gestattet im Verein mit dem System (1), die Be- 


dingungen für die Zündung des kathodischen Generators vollständig 
zu bestimmen. Zu diesem Zwecke wollen wir 


d | 
Fr = ü, also f: .. dt = o"!, 


schreiben.) 


(2) 


1) Vgl. The Electrician, 1. Dez. 1916, S. 280. 
2) Benutzt man die Schreibweise für die partiellen Ableitungen, so 
kann man schreiben: 


BR.) ~ êl 
du’ a0’ 
a EN LE 

oU ou 


3) 8. meine genannte Arbeit. 


Über die Verwendung des Audions als Generator mit Selbsterregung. 281 


Auf diese Weise erhalten wir ein System von drei für AJ, Au 
und 4 U homogenen Gleichungen: 
0=(Lo+RAJ+(oa,+Mao)Au+(l+oa,+Ma w)AU, 
0=Mo4AJ+(l+ra +iao)dAu+(ra, +la,o) AU, 


_ 1 a, a g 
0= Fr +Lo+R) 494 [#ao-54)4u+ (Mav - 28 \au (3) 
a 


nachdem wir mit Hilfe des Systems (2) die Veränderlichen Ai und 4 I 
eliminiert haben. Dafür daß diese drei homogenen Gleichungen mit- 
einander vereinbar sind, ist notwendige und hinreichende Bedingung, 
daß die Determinante der Unbekannten 
R+lo oa,+ Ma,» SER EN 
D= Mo l+ra +law ra, + la, w 
|l+RCo+LCo? MCa w? — a, MCa o? — a | 
null wird. Das führt tatsächlich zu einer Gleichung dritten Grades 
für w, deren Lösung im Prinzip die vollständige Analyse der Zün- 
dungsbedingungen für den nach dem Plane der Figur angeordneten 
Generator gestattet. Der Grad der Gleichung D = 0 ergibt sich ohne 
weiteres, wenn man die Determinante entwickelt. Die Glieder mit w* 
verschwinden nämlich bei dieser Entwickelung, und wenn man nach 
den Elementen der ersten Spalte ordnet, erhält man: 
D = (R + Lo)[M Ca, w? — a, +r(a,a, — a, 4,) 

+ lo(a, a, — a, a,)]— Mo [o M C (a, a, — a, a3) 0? 

+a, — MCa »°+ (aza, — a8) Mo]+ (1 + RCo 

+ LC o’ [or (a, a, — a, ag) + 0 lo (aa, — a, @,) 

1-09, — Ma,o—ra — lao]. 

Die charakteristische Gleichung für den Generator ist sonach: 
0 = (1 — k’) (a — os)CLLo + [LC +a C(Rl 

+rL)— ọaą, LC — s(1 —kALI— ọsC(IR 

+ Lr)jo?’ + [aL + (a, + %) M+ la + RCN (4) 

+ra)+oaRC—-s(Ri+rL)— ols— RCors]o 


+1+ra +Eaą +ga — Rsr— ors, 
Jahrb. d. draht). Telegraphie u. Telephonie. 12. 19 


282 l J. Bethenod. 


wenn man 
2 
pa 
a ILL 
und 
S = Qg l, — 0,4 
setzt. i 


. Die Gleichung D = 0 ist also tatsächlich dritten Grades für ®, 
wie die allgemeine charakteristische Gleichung, welche die Zündung 
des singenden Lichtbogens bestimmt.!) Sie kann ebenso wie diese zu einer 
algebraischen Diskussion benutzt werden, und eine solche soll unter 
gleichzeitiger Anwendung auf die beiden in Rede stehenden Gleichungen 
den Gegenstand einer weiteren Untersuchung bilden. Einstweilen wollen | 
wir uns damit zufrieden geben, die Bedingungen aufzusuchen, die er- 
füllt sein müssen, damit das in der Figur gezeichnete System zum 
Sitze beständiger Schwingungen wird, wobei, wohlverstanden, die Am- 
plitude dieser Schwingungen einen sehr kleinen Wert nicht über- 
schreitet. 

Zu diesem Zweck braucht nach einem bereits dargelegten Ver- 
fahren?) die Gleichung (4) nur die rein imaginären Wurzeln œ = +j Q 
zuzulassen (wo £2 reell ist). Das kommt auf dasselbe heraus, als wenn 
wir sagen, die Gleichung (4) läßt sich auf die Form 


+ 23(Po+Q)=0 (5) 
bringen. 

Setzen wir in den Gleichungen (4) und (5) die Koeffizienten der 
gleichen Potenzen von œ einander gleich, so erhalten wir die vier 
Gleichungen: 

(1-Adla -—oe)CLi=P, 

LC+aC(RiI+rD)+o&,LC-—-s(l— KALI | 
—osCliR+Ln)=(Q, 
%L+(,+0,)M+ai+RC(l-+ra) 
+0,RC-s(Ri+rL-ols—-RCors= 2°P, 
1+ra +Ra,+oa,—Rsr-ors= 2°Q. 


| (6) 


Durch diese Gleichungen sind ohne Weiteres 92, P und Q be- 
stimmt, und die Elimination dieser drei Unbekannten bildet die ge- 


1) s. in meiner gesannten Arbeit, La Lumière Electrique vom 14. Okt. 
1916, S. 30, Gleichung (19). 
2) a. a. O., S. 31, Fußnote 1. 


Über die Verwendung des Audions als Generator mit Selbsterregung. 288 


suchte Bedingung, d. h. die Bedingung, die erfüllt werden muß, damit 
die zugrunde gelegte Ausgangsgleichung zwei rein imaginäre Wurzeln 
zuläßt. 

Meistens sind die Koeffizienten a und die Widerstände r, R und 
0 klein genug, daß die Gleichungen merklich zu 


1-Kd)aCLi=P, 


LC=Q', i (6^ 
a L+la, +a) Mta +tRC= QP, 
l= RR 


werden. . 
In dieser sehr einfachen Gestalt, der sich übrigens in der Praxis 
die Verhältnisse im allgemeinen hinreichend nähern, führen die Glei- 
chungen des Systems (6’) unmittelbar zu den folgenden Schlüssen: 


1. Die zweite und vierte dieser Gleichungen liefern die Beziehung: 


1 
2 = 
Q? = LC ` (7) 
Mithin ist also die Frequenz der Schwingungen, die der Lampen- 
generator in der durch die Figur angegebenen Schaltweise spontan 
erzeugt, praktisch gleich der Eigenfrequenz des geschlossenen Schwin- 
gungskreises LC. Dieses Ergebnis stimmt mit der Erfahrung überein, 
solange die Frequenz nicht gar zu hoch ist.!) 
2. Die Bedingung, die erfüllt werden muß, damit ein Betrieb 
mit sin Q t bestehen kann, erhält man in der Form 


sL+(a,+a)M+ai+RC=(1— kal 
oder -° | 
a, L + (a, + a) M++ RO= k ql. (8) 


Nun ist nach den Versuchsergebnissen der Koeffizient a, positiv. 
Folglich kann die Gleichung (8) nur dann befriedigt werden, wenn der 
Koeffizient M endlich und negativ ist. Dieses Ergebnis wird noch 
durch die Versuche bestätigt. 


1) Wenn die Frequenz sehr hoch ist, kann man nicht mehr, wie wir 
getan haben, die Wirkung der parasitären Kapazitäten vernachlässigen, 
d. h. jener, welche zwischen den verschiedenen Elementen .der Lampe, dem 
Rost, der Platte und dem Faden bestehen. Offenbar werden durch die 
Berücksichtigung dieser Kapazitätswirkungen die Gleichungen (1) noch 
erheblich verwickelter. 

19* 


284 L. W. Austin. 


8. Die dritte Wurzel der charakteristischen Gleichung hat den 
Näherungswert: 


ee 
- 5, 
g o 1 


d kja l 
Da diese Wurzel immer negativ ist, kann der Dauerbetrieb mit ` 
sin Qt nur dann bestehen, wenn die Bedingungsgleichung (8) erfüllt ist. 


(Übersetzung eingegangen 15. Mai 1917.) 


(Nach La Lumière Electrique (2) 35, Nr. 51, S. 225—228, 1916 
aus dem Französischen übersetzt von Max Iklé.) 


Quantitative Versuche mit dem Audion. 


(Quantitative experiments with the Audion.) 


Von L. W. Austin. 


Detektoren mit Vakuumröhren haben sowohl für gedämpfte als 
auch für ungedämpfte Schwingungen in so hohem Maße allgemeine 
Anwendung gefunden, daß es nachgerade wünschenswert erscheint, das 
Gesetz für das Ansprechen dieser Instrumente festzustellen, zumal sie 
häufig mit Telephonen im Nebenschluß angewandt werden, um in der 
drshtlosen Telegraphie die Stärke empfangener Signale zu schätzen. 

Die für diese Untersuchung gewählte Form des Vakuumdetektors 
war das de Forestsche Audion mit drei Elektroden '). 

Bekanntlich kann man das Audion entweder als gewöhnlichen 
Detektor benutzen (alte Audionschaltung), indem man den sekundären 
Empfängerkreis an den heißen Faden und die mittlere Elektrode (Rost) 
anschließt, oder man kann ihn an die Rostelektrode und die kalte 
Platte anlegen (Ultraudionschaltung) und auf diese Weise im Empfänger 
örtliche Schwingungen erregen, so daB man die Signale nach der 
Schwebungsmethode empfangen kann. | 

Um die Gesetze für die Stärke der empfangenen Wellen und das 
Ansprechen der Detektoren zu bestimmen, wurde der Kreis, der das 
Audion enthielt, durch einen Wellenmesser erregt, in welchem Schwin- 


1) Wegen dessen Beschreibung s. Bull. Bur. of Stand. 6, 540; Reprint 
140, 1911. 


Quantitative Versuche mit dem Audion. 285 


gungen von veränderlicher Stärke erzeugt wurden, und zwar entweder 
für ungedämpfte Erregung durch ein schwingendes Audion oder für 
gedämpfte Erregung durch einen Summer. 

Da es unmöglich ist, ein Galvanometer direkt im Telephonkreise 
des Audions zu verwenden, und zwar wegen des aus der Trocken- 
batterie durch das Audion fließenden Gleichstromes, wurde folgende 
Anordnung der Apparatur angewandt: Die Primäre eines Telephon- 
umformers mit Eisenkern wurde mit den Telephonen in Reihe ge- 
schaltet, und an die Sekundäre wurde ein Siliziumdetektor in Reihe 
mit einem empfindlichen Galvanometer angeschlossen. Die Änderungen 
der Stromstärke, welche die Telephone beeinflussen, rufen ähnliche Wir- 
kungen im Telephonumformer hervor und geben Anlaß zu Wechsel- 
strömen in der Sekundären, die dann ihrerseits im Siliziumdetektor 
gleich gerichtet werden und dadurch auf das Galvanometer einwirken 
können. Die Galvanometerausschläge sind, wie nachgewiesen worden 
ist, proportional dem Quadrate der Wechselstromstärke im Detektor!) 
und somit proportional dem Quadrate der Telephonimpulse im Haupt- 
kreise. Wenn durch das Audion örtliche Schwingungen erzeugt wurden, 
ergab sich, daß diese den Detektor schwach beeinflußten; ihr Einfluß 
wurde aber dadurch völlig ausgeschaltet, daß ein Kondensator von 
0,1 Mikrofarad quer zum Detektor gelegt wurde. 

Die Stärke der von dem sendenden Wellenlängenmesser aus- 
gesandten Hochfrequenzschwingungen wurde mittelst eines in den 
Wellenmesserkreis eingeschalteten Thermoelementes gemessen. 


Tabelle I. 
Altes Audion. 


Gedämpfte Erregung 


j | : | 1% 

En, | T, 
20 2 14,1 
30 4 15,0 
50 13 13,9 
15 28 14,2 
107 57 14,2 
121 10 14,5 
154 107 14,9 
178 145 14,4 


Durch den ersten Versuch sollte das Gesetz für das Ansprechen 
des Schwingungskreises bei der alten Audionschaltung bestimmt werden; 


1) Bull. Bur. of Stand. 6, 530, 1911. 


286 L. W. Austin. | E 


dabei wurde der sendende Wellenmesser durch. einen Summer erregt. 
Die Ergebnisse sind in Tabelle I dargestellt. Hier bedeutet I,? die 
Ablesungen des Thermoelementgalvanometers im Senderkreise und L? 
die Ablesungen des Detektorgalvanometers im Telephonumformer, I, 
ist proportional den Hochfrequenzsenderströmen und damit den emp- 
fangenen Hochfrequenzströme.; I, ist proportional dem Werte der 
Stromstöße im Telephonempfängerkreise. Die Spalte III in Tabelle I 
zeigt, daß die Telephonstöße (das Ansprechen) dem Quadrate der 
empfangenen Hochfrequenzströme ist. Ein weiterer Versuch, der dem 
vorbeschriebenen ähnlich ist, nur daß der Empfängerkreis die Ultraudion- 
schaltung aufwies, aber so angeordnet war, daß keine örtlichen Schwin- 
gungen hervorgebracht wurden, lehrte, daß dasselbe Gesetz gilt wie 
im Falle der alten Audionschaltung. 


Tabelle II. 
Schwingendes Ultraudion. 


Gedämpfte Erregung 


2 2 ], 
1, k yA 
11 9 1,11 
20 19 1,02 
33 29 1,06 
52 46 1,06 
71 64 | 1,05 
90 84 1,08 


Tabelle III. 
Schwingendes Ultraudion. 


Ungedämpfte Erregung 


| I, 

L? IL% | 4 

1 2 7 
1 2 0,71 
3 a4 0,87 
5 8 0,79 
7 11 0,80 
9 16 0,75 


Die Tabellen II und III geben die Ergebnisse wieder, die mit 
dem Audion in Ultraudionschaltung und mit schwingendem Audion 
gewonnen wurden. Bei der Tabelle II sind die Senderwellen gedämpft 


Quantitative Versuche mit dem Audion. - 287 


wie bei der Tabelle I, während. bei der Tabelle III die Senderwellen 
ungedämpft sind und der sendende Wellenmesser durch ein schwin- 
gendes Audion erregt wird. Der Ton im Empfängertelephon entsteht 
hierbei durch Schwebungen zwischen den lokalen Schwingungen und 
den auftreffenden; er ist bei gedämpften Schwingungen rauh, aber bei 
ungedämpften rein und musikalisch. 


Die dritte Spalte jeder der beiden letzten Tabellen lehrt, daß das 
Ansprechen bei den lokalen Schwingungen der empfangenen Hoch- 
frequenzstromstärke proportional ist, und nicht ihrem Quadrat, wie 
dies beim nicht schwingenden Audion der Fall war. Der Wert für 
die Verhältniszahlen in den dritten Spalten zeigt, daß der Telephon- 
empfänger bei ungedämpften Schwingungen stärker anspricht als bei 
den gedämpften, und zwar unter sonst gleichen Bedingungen im Ver- 
hältnis 1,4:2. Nehmen wir aber, wie dies wahrscheinlich wenigstens 
annähernd richtig ist, im Sender- und im Empfängerkreise gleiches 
Dekrement an, so bedeutet das gleiche Empfindlichkeit, denn es ist 
für ungedämpfte Wellen: 

I= EJR 
und für gedämpfte Wellen: 


ER. 


Er ) 

Ryırz 
wo 0,/d, das Verhältnis zwischen den Dekrementen in den beiden 
Kreisen darstellt. 


Außer den Versuchen mit dem Detektor und dem Galvanometer 
wurden noch Bestimmungen über das Empfindlichkeitsverhältnis der 
alten Audionschaltung und der Schaltung des schwingenden Ultraudions 
angestellt. Zu diesem Zwecke benutzte ich das Verfahren des Neben- 
schlußtelephons mit Funkenerregung, und zwar entweder mittelst ferner 
Signale oder mittelst des Summers. Es ergab sich, daß bei der Hör- 
barkeit Eins mit der alten Audionschaltung das schwingende Ultraudion 
eine Hörbarkeit von dreihundert bis tausend lieferte; da aber das Ge- 
setz des Ansprechens in diesen beiden Fällen verschieden ist, wird 
natürlich das Verhältnis mit zunehmender Stärke der Signale kleiner 
werden. Mit dem nicht schwingenden Ultraudion sind die Signale 
zwanzig- bis vierzigmal so stark wie mit dem alten Audion. Dieses 
Verhältnis wird größer, wenn das Ultraudjon dem schwingenden Zu- 
stand näher gebracht wird. | 


288 Referate. 


Die Versuche zeigen, daß die atmosphärischen Störungen im all- 
gemeinen beim schwingenden Audion nur wenig lauter sind als beim 
alten Audion, die Töne sind indessen bei ersterem kontinuierlicher. 


(Nach Journ. Washington Ac. of Sc. 6, 81—84, 1915 aus dem 


Englischen übersetzt von Max Ikl6.) 
(Eingesandt 20. April 1916.) 


Adresse des Autors: U. S. Naval Radio Telegraphic Laboratory, 
Navy Dept., Washington D. C., U. S. A. 


Referate. 


Marius Latour; Theoretische Erörterung des Audions. 
(Nach Electrician vom 1. Dez. 1916, S. 280—282.) 

Aus dem interessanten Aufsatze des Herrn Eccles ‚Recent 
Patents in Radio-telegraphy and Radio-telephony“ („Über neuere Pa- 
tente auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie und Telephonie‘‘)!) 
geht sehr deutlich die wachsende Bedeutung hervor, welche Vakuum- 
röhren als Verstärker oder als Vorrichtungen zur Erzeugung un- 
gedämpfter Schwingungen in der Telegraphie und Telephonie ohne wie 
mit Draht besitzen. 

Herr E. Weintraub und ich haben bereits in den Amerika- 
nischen Patentschriften Nr. 921930 und 1041210 aus dem Jahre 
1907, „Producing amplifies current variations“ und „Amplifying cur- 
rent variations“ („Verfahren zur Erzeugung verstärkter Stromstärken- 
änderungen“ bzw. „Verfahren zur Verstärkung von Stromstärken- 
änderungen“) die Verwendung der Quecksilberröhre als Verstärker be- 
schrieben. Auf unseren Verstärker verwies auch ReißB in seinem 
Aufsatze über die Röhren von Lieben und Reiß.?) Die Versuche | 
von Weintraub und mir sind im Jahre 1905 ausgeführt worden. 

Wir haben damals den Begriff des negativen Widerstandes für 
Überträger eingeführt, den Herr A. W. Hull neuerdings wieder auf- 
gebracht hat.?) Ich habe kürzlich auf diesen Begriff gewisse Ver- 
stärkerschaltungen gegründet und werde bei späterer Gelegenheit die 
gewonnenen Ergebnisse mitteilen, Hier will ich die charakteristischen 
Gleichungen für den Verstärker ableiten, der als „Audion‘“ bekannt 
ist und eine Bedeutung in der Praxis erlangt hat. 


1) The Electrician, 28. Juli und 4. Aug. 1916. 
2) Elektrot. Zeitschr. 34, 1859, 27. Nov. 1913. 
3) s. Phys. Rev., Jan. 1916. 


Referate. 289 


Der erste Gedanke der Verwendung des Audions als Detektor 
läßt sich auf eine Veröffentlichung von L. Zehnder?) zurückführen, 
aber das Audion als Verstärker oder als Relais ist zuerst von de Forest, 
von Lieben und Reiß und von anderen Erfindern beschrieben worden. 

Das Audion umfaßt, wie allgemein bekannt, eine Platte, ein Gitter 
und einen Faden, der durch den von einer Batterie p (s. Fig. 1 und 2) 
ausgehenden Strom erhitzt wird. Die Platte und der eine. Pol des 
Fadens, beispielsweise der negative, werden durch einen Widerstand R 
(s. Fig, 1) oder durch die Primäre eines Umformers 7, dessen Sekun- 
däre durch einen Widerstand R geschlossen ist (s. Fig. 2), mit einer 
Batterie P verbunden. Der Widerstand R kann ein Empfänger be- 
liebiger Art (Telephon usw.) sein. Das Gitter und der Faden werden 
unmittelbar oder durch einen Umformer mit der Quelle des zu ver- 
stärkenden Stromes verbunden. 


ll li 


Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. 


Aus den zahlreichen in „The Electrician“ veröffentlichten Arbeiten 
wissen wir bereits, daß seitens der verschiedenen Erfinder viele ver- 
schiedene Anordnungen der einzelnen Elemente Platte, Gitter und 
Faden vorgeschlagen worden sind. Die Art, die Gestalt, die gegen- 
seitige Anordnung und die Abmessungeu der Elektroden, die Größe 
und Art des Gasrestes, dies alles sind Veränderliche, die bereits in 
mehr oder minder befriedigender Weise bestimmt worden sind. Es 
liegt nicht in meiner Absicht, diese physikalischen Charakteristiken 
zu erörtern. Ich beabsichtige nur, die Gleichungen für den Betrieb 
eines Audions unabhängig von den zahlenmäßigen Konstanten zu be- 
stimmen, durch die sich die verschiedenen Formen des Apparates mehr 
oder minder vorteilhaft voneinander unterscheiden, und die das Ver- 
dienst der verschiedenen Erfinder bedeuten. 

Im Audion werden das Potential V der Platte und das Potential v 
des Gitters gegenüber jenem eines Poles des Fadens, beispielsweise des 
negativen Poles, bestimmt. Man kann sich im allgemeinen vorstellen, 


1) Wied. Ann. 1892, S. 77. 


290 | Referate. 


daB das Gitter mit Hilfe einer zwischen Gitter und Faden in den 
Stromkreis eingeschalteten (in den Figuren nicht mit dargestellten) 
Hilfsbatterie auf ein kontinuierliches Potential v, gegen jenes des 
Fadens gebracht werden kann, ebenso wie die Platte mittels der Bat- 
terie P auf ein Potential V, gegen jenes des Fadens gebracht wird. 

Der Gitterstrom i ist, allgemein zu reden, eine Funktion von v 
und F, also: i= flv, N. 


Unter diesen Verhältnissen erhalten wir in der Nachbarschaft eines 
Betriebspunktes, der durch die kontinuierlichen Potentiale v, und V, 
entsprechend einer Gitterstromstärke :,, definiert wird: 


(v — vo) + p 


y vE Vo 
= Yo 


Ò 
-9- |5 v- 0 


Dio Abgeleiteten 


lassen sich leicht experimentell bestimmen. Sie werden durch die 
Kurve gegeben, welche die Gitterstromstärke als Funktion von v für 
ein Plattenpotential V, darstellt, und durch jene, welche die Gitter- 
stromstärke als Funktion von V für ein Gitterpotential v, darstellt. 
Der Kehrwert dieser Abgeleiteten hat die Dimension eines Wider- 
standes. Wir wollen schreiben: 

| ĝi 1 [0 1 

5, .”r 

V= 


1 


= Yo Vo 


Dann können wir die Gleichung {1) als 
i — i) = = + rh (1) 
schreiben. 1 É 
Die Plattenstromstärke ist eine Funktion von V und v, also: 
| I = FW») 
Was soeben für © bemerkt worden ist, läßt sich für I wiederholen. 
Wenn also die Betriebsbedingungen der Röhre durch dieselben kon- 


tinuierlichen Potentiale V, und v, auf der Platte und auf dem Gitter 
bestimmt sind, die einer Plattenstromstärke J, entsprechen, so haben wir: 


a- = (3, 7-0 w- @ 


Referate. 291 
Die Abgeleiteten 


ôI 1 ôI 
ôV v=vVo == 
V= V, 


lassen sich leicht experimentell bestimmen. Sie werden durch die 
Kurve gegeben, welche die Plattenstromstärke als Funktion vón V für 
ein Gitterpotential v, darstellt, und durch jene, welche die Platten- 
stromstärke als Funktion von v für ein Plattenpotential V, darstellt. 
Der Kehrwert dieser Abgeleiteten hat gleichfalls die Dimension eines 
Widerstandes. Wir wollen schreiben: 


ôI _1 [6 l 

-M orn öl T, 

. V=F, V=V, 
Gleichung (2) läßt sich demnach in der Form 


dena hy! 2) 
schreiben. $ . | 

Wir wollen nunmehr annehmen, daß (v— v, eine unendlich 
kleine Wechselspannung u sei. Dann wird (i — i,) eine Wechselstrom- 
stärke j, (V — V,) eine Wechselspannung U, (I— I) eine Wechselstrom- 


stärke J, und wir erhalten somit für das Audion die Gleichungen: 


. u U 
De 
1 2 
(3) 
Ja y 
s 14 


Eine dritte Gleichung können wir erhalten, wenn wir den äußeren 
Kreis Platte—Faden betrachten. 

Wenn wir in den Fadenkreis einen Widerstand R einschalten, so 
erhalten wir (unter der Voraussetzung, daB Æ die EMK. der Bat- 
terie ist): 
E-IR=V 
oder: 

| E-(I-I)R-LR=(V-V)+VI;; 
also: 
E-—LR-VW=U+HJR 
Die linke Seite dieser Gleichung ist notwendig 0, denn unter den be- 
trachteten Betriebsbedingungen haben wir nach unserer Voraussetzung: 


E—1lR=V, 


292 Referate. 


Wir erhalten daher: 
U+-JR=0O 


Wenn wir uns den Widerstaud R durch Vermittelung eines 
vollkommenen Umformers (Magnetisierungsstromstärke Null, Kapazität- 
der Primär- und der Sekundärwickelung Null, Streuung Null, Verlust 
Null) in den Kreis Platte— Faden eingeschaltet denken, so gelangen wir 
zu derselben Gleichung. Der durch den Umformer hineingebrachte 
Spannungsabfall rührt in Wirklichkeit daher, daß in dem Widerstande Fè 
ein Wechselstrom kJ fließt, wo k das Übersetzungsverhältnis des Um- 
formers in verkleinerndem Sinne bezeichnet. Wir haben daher: 


U+MPJR=0 


Der einzige Unterschied bei Anwendung des Umformers besteht 
darin, daß die Spannung E der Batterie dem Potential V, auf der 
Platte entspricht. 

Denken wir uns den mit % vervielfachten Widerstand R in den 
Primärkreis der Röhre eingeschaltet, so werden in allen Fällen die 
Grundgleichungen für die Röhre: 


oug 
> 2 
ee (4) 
Ta á Ti 
U+JR=0 


°- Wenn der Widerstand R völlig induktionsfrei ist, so sind die 
Vektoren J, u, J und U notwendig miteinander in Phase, und das 
Gleichungssystem (4) entspricht alsdann dem folgenden System: 


-|- er] , 
= Ti Tar, + E) 


r, R 
BR ; 5 
c r, + B) ý (5) 
r 
Ja 
r, (rs + B) 


Wir wollen das Verhältnis der aus dem Schwingungskreise Platte— 
Faden in dem Widerstande R frei werdenden Schwingungsenergie zu 
der dem Kreise Gitter—Faden zugeführten und in ihm verbrauchten 
Energie als „Relaiswirkung“ bezeichnen. Die „Relaiswirkung“ ent- 
spricht dem Verhältnis U J/uj. 


Referate. 293 


Wir finden leicht: 
UJ . 5 2 R 

= een 

"+ + R) — E R] 
vr, 

Es gibt einen Wert von R, den wir als Roptimum bezeichnen 
können, und der einen Höchstwert für die „Relaiswirkung‘‘ liefert. 
Wir finden, daß 


Ta 


1— a” 
ist. ei 
Wird ein Umformer angewandt, so wählen wir ein solches Um- 
formungsverhältnis k, daß 


k? R = 


Roptimum s= 


T3 


1—23 
T3 4 
Aus dem Gleichungssystem (5) ermitteln wir weiter, daß der 
scheinbare Widerstand Y des Kreises Gitter— Faden 


wird. 


Y = ri o n+ 
(m + R) — "1'3 R 
ist. 2’ 


Wenn die Quelle der Spannung u eine Impedanz Z hat, so wählen 
wir für die Stromzufuhr zum Kreise Gitter—Faden einen Umformer 
mit einem solchen Aufformungsverhältnis, daß 

kZ=Y 
wird. | 

Auf diese Weise leiten wir aus der Spannungsquelle die Höchst- 
leistung her. 

In Wirklichkeit müssen wir, da der Umformer unvollkommen ist, 
das Vorhandensein eines Widerstandes W parallel zur Sekundären des 
Umformers annehmen, der den Umformerverlusten entspricht, sowie 
gleichzeitig das Vorhandensein einer gewissen Kapazitanz oder In- 
duktanz. Dann wird % kleiner sein. 

In dem Gleichungssystem (5) haben wir den Widerstand R als 
induktionsfrei angenommen; wir müssen uns aber denken, daß R, grob 
ausgedrückt, irgendeine beliebige Impedanz darstellt, und müssen dann 


294 Referate. 


das Gleichungssystem nach dem Verfahren der imaginären Größen in 
der Weise auflösen, daB wir u, j, U und J als Vektoren mit einer 
gewissen Phasendifferenz behandeln. 

Der Widerstand R (Fig. 2) kann offenbar durch den Kreis Gitter— 
Faden einer zweiten Vakuumröhre im Falle eines mehrstufigen Ver- 
stärkers gebildet werden. Der Umformer T wird dann ein solches 
Umformungsverhältnis k haben, daß 

z Roptimum = k Y 
wird. 

Wenn die zwischen Gitter und Faden angelegte Wechselspannung 
ziemlich hoch ist, kann nicht mehr von einer unendlich kleinen Wechsel- 
spannung u die Rede sein; wir werden es dann mit einer merklichen 
Spannung &sin@t zu tun haben. Den scheinbaren Widerstand Y des 
Kreises Gitter—Faden betrachten wir alsdann als einen mittleren 
Widerstand, der sich aus dem Mittelwerte von di/dv ergibt, wenn 
sich v zwischen (v + €) und (v, — €) ändert. Im allgemeinen wird 
di/dv für einen negativen Wert von v rasch Null, so daß, wenn die 
Röhre ungefähr bei der Spannung v, = 0 betrieben wird, der dann 
erhaltene Mittelwert von di/dv doppelt so groß ist wie der Mittelwert 
von di/dv, den man erhält, während v positiv bleibt. Dieser Mittelwert 
läßt sich aus der Kurve für die Gitterstromstärke bestimmen. Den Kehrwert 
dieses Mittelwertes benutzt man zur Schätzung des Widerstandes r. 

In Wirklichkeit müssen wir jetzt die höheren Ableitungen von t 
in Betracht ziehen. Wenn wir zunächst die zweite Abgeleitete unter- 
suchen, so führt sie uns zur Erforschung der bekannten Detektor- 
wirkung des Audions, und allgemeiner finden wir bei Berücksichtigung 
aller höheren Ableitungen, daß sie die Verzerrung des verstärkten 
Stromes bestimmen. Wie groß aber auch die an den Kreis Gitter— 
Faden angelegte Spannung und die entsprechende im Kreise Platte— 
Faden frei werdende Schwingungsenergie sein mögen, wir dürfen nicht 
vergessen, daB der Begriff eines gewissen Roptimum für diesen letzt- 
genannten Kreis weiter bestehen bleibt. 

Wir wollen jetzt insbesondere einen Hochfrequenzstrom betrachten 
und dabei annehmen, daB der Plattenkreis eine Selbstinduktion L ent- 
halte, die durch eine Kapazität C und einen damit in Reihe geschal- 
teten Widerstand F kurzgeschlossen sei (s. Fig. 3), Die einzelnen Ele- 
mente dieses Kreises wirken wie ein Ohmscher Widerstand im Kreise 
Platte— Faden, wenn bei der Frequenz w/2 die Beziehung 
1 _ Lo?+YL?o'+4R?02 


— 


C 2 


Referate. 295 


besteht, und der Wert dieses scheinbaren Ohmschen Widerstandes 


ist dann: 1 

Recheind. = R + OGIR 
Wenn wir R gegenüber Lo oder 1/Cœ vernachlässigen können, so 
wird die obige Beziehung zu der Resonanzbedingung 


wCL=1 


und der Wert von Rscheinb. wird: 


L 
Rocheinb. = CR 


Man erhält nun bei einer gegebenen an den Kreis Gitter—Faden 
angelegten Wechselspannung von der Resonanzfrequenz »/2r dann 
die Höchstleistung aus der Röhre, wenn Rscheinb. einen gewissen Wert 
hat, der eine Funktion der inneren charakteristischen Eigenschaften der . 
Röhre ist. 

Das Audion als Verstärker kann mit einem für sich erregten 
Wechselstromerzeuger verglichen werden; dabei kann der Kreis Gitter— 
Faden als der Feldwickelungskreis und der Kreis Platte—Faden als 
der Ankerkreis angesehen werden. 

Die Selbsterregung des Audions erhält man bekanntlich durch 
Koppelung des Plattenkreises und des Gitterkreises, so daß man das 
Gitterpotential u aus dem Plattenpotential U erhalten kann (Meißner, 
de Forest u. a). Die Stetigkeitsbedingungen sind denen ähnlich, 
welche bei dynamoelektrischen Maschinen mit Neben- und HauptschluB- 
erregung gelten. Die Relaiswirkung nimmt mit Wachsen der an dem Kreis 
Gitter— Faden angelegten Spannung ab, gerade so wie das Verhältnis 
der Ankerspannung zur Erregungsstromstärke in einer dynamoelek- 
trischen Wechselstrommaschine mit wachsender Erregungsstromstärke 
abnimmt; das heißt, es besteht eine Sättigungskurve. 

Es ist zu beachten, daß der Vorgang der Selbsterregung, wie 
beim Lichtbogen, die Erzeugung höherer Oberschwingungen mit sich bringt. 

Die beste Röhre für die Erregung ist die, welche bei einem ge- 
gebenen Betriebspotential auf der Platte die höchste Stromstärke auf 
der Platte für ein wachsendes Potential auf dem Gitter auszuhalten 
vermag. Eine derartige Röhre wird nicht mehr durch die „Relais- 
wirkung“ gekennzeichnet, weil die im Gitterkreise. durch die Selbst- 
erregung verzehrte Energiemenge als immer verhältnismäßig klein blei- 
bend und nur einen untergeordneten EinfluB auf die Erwärmung und 
den Wirkungsgrad des Apparates ausübend vorausgesetzt wird. 


296 Mitteilungen aus der Praxis. 


Die Theorie lehrt, daß es auch für einen Audionerzeuger mit 
Selbsterregung ein Roptimum gibt. 

Es ist möglich, einen Audionverstärker zu ersinnen, in welchem 
eine teilweise Selbsterregungswirkung stattfindet,” wie dies schon 
Meißner, Franklin u. a. vorgeschlagen haben. Die entsprechende 
Bedingung findet man an dynamoelektrischen Maschinen mit besonderer 
Erregung, wenn sie gleichzeitig bis zu einem gewissen Grade als 
Maschinen mit Selbsterregung arbeiten. Man findet dies insbesondere 
bei den Verbunderregern für Wechselstrommaschinen, die wir früher 
untersucht haben.!) Die Gleichungen für dieses System lassen sich 
leicht bestimmen, wie wir in einer weiteren Veröffentlichung zu zeigen 
beabsichtigen. Wir müssen noch bemerken, daß auf diese Weise ge- 
baute Verstärker eine gewisse Ähnlichkeit mit Übertragungsvorrich- 
tungen aufweisen, welche auf dem Prinzip eines negativen Wider- 
standes beruhen, und daß sie daher die Neigung zeigen, die Vorzüge 
‘ des Audions, zwei voneinander unabhängige Kreise zu besitzen, ein- 
zubüßen. 

(Nach dem Englischen übersetzt von Max Ikl6.) 


1) s. z. B. Franz. Pat. 355,274 vom Juni 1905. 
‚(Eingesandt 1. Februar 1917.) 


Adresse des Übersetzers: Dr. Max Ikle, Berlin-Zehlendorf 
(Wannseebahn), Milinowskistr. 31. 


Mitteilungen aus der Praxis. 


Die Messung radiotelegraphischer Signale mit dem 
schwingenden Audion. 
Von L. W. Austin. 


Zur Messung von Signalen, die aus großer Entfernung auf- 
genommen werden, haben sich keine anderen Verfahren als anwendbar 
erwiesen als jene, bei denen das Telephon benutzt wird. Wenn man 
auch Galvanometerverfahren ausgebildet hat, welche hinlänglich empfind- 
lich sind, sind doch die von atmosphärischen Entladungen herrührenden 
Störungen so hinderlich, daß sich die Anwendung dieser Verfahren in 
vielen Fällen als untunlich erweist. Für Meßzwecke definiert man die 


Mitteilungen aus der Praxis. 297 


Hörbarkeit des Telephonstronies als das Verhältnis i/i,, wo ¿ die ge- 
gebene Stromstärke und i, die geringste Stromstärke ist, welche bei 
der gegebenen Frequenz für den jeweiligen Beobachter im Telephon 
hörbar ist.!) Dieses Verhältnis bestimmt man experimentell in der 
Weise, daß man die Telephone kurzschließt, .so daß der Ton in ihnen 
gerade noch hörbar bleibt. Ist dann ¢ der Efiektivwiderstand der 
Telephone bei der gegebenen Frequenz und der gegebenen Form des 
Telephonimpulses, ist ferner s der Wert des Nebenschlusses, so ist die 


Hörbarkeit 
m A=ili,=(t+9)[s. 


Das beste Verfahren zur Ausführung einer solchen Messung ist, 
falls eine derartige Anordnung möglich ist, anscheinend, Probezeichen 
senden zu lassen, die von einem Beobachter in nicht kurz geschlossenen 
Telephonen und von dem die Hörbarkeit aufnehmenden Beobachter in 
kurzgeschlossenen Telephonen abgehört werden. Man verringert dann 
den Nebenschlußwiderstand allmählich, bis der Beobachter die Zeichen 
nicht mehr richtig wahrzunehmen vermag. Auf diese Weise kann 
man, wenn es im Beobachtungsraume vollkommen ruhig ist, und keine 
atmosphärischen Störungen vorhanden sind, die Beobachtungsfehler bis 
auf etwa 10 v. H. herabdrücken. Unter Verhältnissen, wie sie ge- 
wöhnlich auf den Stationen herrschen, sind die Fehler selten kleiner 
als 20 v. H. und erreichen unter sehr ungünstigen atmosphärischen 
Verhältnissen zuweilen 50 v. H. oder gar noch mehr. ?) 

Dieses Verfahren zur Anstellung telephonischer Messungen in der 
drahtlosen Telegraphie ist für elektrolytische Detektoren und für 
solche mit Kristallkontakt von verschiedenen Forschern untersucht 
worden. 3) 


1) Die Gleichmäßigkeit der von verschiedenen geübten Beobachtern 
erhaltenen Hörbarkeitsablesungen ist sehr stark unterschätzt worden. Von 
dem halben Dutzend Leuten oder darüber, die im Laboratorium mit der- 
artigen Arbeiten beschäftigt gewesen sind, hat nur eine einzige Person, die 
als etwas schwerhörig bekannt war, Ergebnisse erhalten, die sich im all- 
gemeinen von den übrigen um mehr als 20 v. H. unterschieden. 

2) Im allgemeinen zeigen an drahtlosen Stationen die Hörbarkeits- 
ablesungen die Neigung, zu niedrig zu sein, und zwar infolge atmosphä- 
rischer Störungen, störender Geräusche auf der Station und mangelhafter 
Einstellung der Apparate. 

8) F. Braun, Jahrbuch 8, 203, 1914. — L. W. Austin, Bull. Bur. 
Stand. 7, 819, 1911; Reprint. 159. — Klages und Demmler (Jahrb. $, 
212, 1914) versuchten mittels eines Kontaktdetektors eine lineare Beziehung 
zwischen Senderstromstärke und Wert des Telephonnebenschlusses zu finden. 
In einigen Zusammenstellungen und Zitaten ist ihr Mißerfolg als ein Beweis 

Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 20 


Cai 


298 Mitteilungen aus der Praxis. 


Durch die ausgedehnte Verwendung von Vakuumröhren mit drei 
Elektroden zum Empfang kontinuierlicher Schwingungen ist eine ähn- 
liche Untersuchung des Verfahrens mit dem Telephon im Nebenschluß 
für diese Detektoren wünschenswert geworden. 


Eichung des Hörbarkeitsmeßkastens. 


Die Anordnung der Apparatur wird durch Fig. 1 dargestellt. 
Hier ist A ein Wellenmeßkreis, der entweder durch ein Audion oder 
einen Summer erregt wird, B ein Zwischenkreis oder ein künstlicher 
Luftleiter, C der Empfängerkreis, der dem üblichen sekundären Emp- 
fängerkreis entspricht. Die Stromstärke in dem Kreise B wurde durch 


G A 


Fig. 1. 


Änderung der Koppelung AB verändert, während der Hörbarkeits- 
bereich im Empfangskreise C in jedem einzelnen Versuch durch die 
Koppelung BC festgelegt wurde. Die Stärke des Hochfrequenzstromes 
in B wurde mittels eines Siliziumdetektors und eines Galvanometers 
relativ gemessen. Es war natürlich nicht möglich, an dem Galvano- 
meter Ablesungen zu erhalten, welche den ganzen Bereich der Hör- 
barkeit im Telephon von 1 bis 5000 umfaßten, zumal da der Silizium- 
detektor im Verhältnis zum Quadrate der Hochfrequenzstromstärke an- 
spricht, während die Hörbarkeit des schwingenden Audions der ersten 
Potenz dieser Stromstärke proportional ist.!) Das Galvanometer konnte 


gegen die Verwendbarkeit des Verfahrens mit kurzgeschlossenem Telephon 
für quantitative Messungen angeführt worden. Berechnet man ihre eigenen 
Beobachtungen unter Zugrundelegung eines wahrscheinlichen Wertes für 
den Widerstand ihres Telephons neu, so zeigen sie eine schöne lineare Be- 
ziehung zwischen dem Quadrate der Senderstromstärke und der Hörbarkeit 
nach deren oben gegebener Definition. 

1) Journ. Wash. Acad. 6, 81, 1916. 


Mitteilungen aus der Praxis. 299 


während einer Versuchsreihe nicht kurzgeschlossen werden, weil es 
sich herausstellte, daß dadurch die Empfindlichkeit des Detektors be- 
einflußt wurde. 

Der bei den Kutloniölerhouen benutzte Hörbarkeits-Nebenschluß. 
widerstand gehörte einer bereits beschriebenen Ausführungsform an.!) 
Sein Bereich erstreckt sich von der Hörbarkeit 1 bis zur Hörbarkeit 
5000 in 84 durch einen einzigen Kontakthebel zu betätigenden 
Stufen. Der Widerstandskasten war so geeicht, daß er ohne weiteres 
die Hörbarkeit angab, wenn er im Verein mit Telephonen benutzt 
wurde, die für den Ton mit der betreffenden Schwingungszahl einen 
Effektivwiderstand von 5000 Ohm hatten. Die benutzten Telephone 
hatten einen Gleichstromwiderstand von 2040 Ohm und eine Strom- 
empfindlichkeit von 5 x 101° Amp, bei 1000 Funken in der Sekunde. 

Bei der Ausführung der Messungen wurde die Koppelung BC 
ungeändert belassen und währenddessen die Koppelung AB verändert; 
dabei wurden die entsprechenden Hörbarkeiten und die zugehörigen 
Galvanometerausschläge verzeichnet. Dann wurde die Koppelung BC 
verändert, und die Beobachtungen wurden für einen neuen Hörbarkeits- 
bereich wiederholt; dabei wurde dafür Sorge getragen, daß die Kop- 
pelung BC niemals eng genug wurde, um eine Beeinflussung des 
Detektors im Schwingungskreise B durch die lokalen Schwingungen 
im Audionkreise zu gestatten. Auf diese Weise wurde das Verhältnis 
der Stromstärke im Kreise B zu den Hörbarkeitsablesungen für ver- 
schiedene Meßbereiche des Hörbarkeitskastens bestimmt. 

Die Tabelle I läßt die Proportionalität zwischen der Hörbarkeit 
und der empfangenen Stromstärke für fünf Bereiche erkennen; hierbei 
ist die Stromstärke proportional der Quadratwurzel aus den Aus- 
schlägen des Detektorgalvanometers im Kreise B. Die sich zeigenden 
Abweichungen liegen durchaus innerhalb der Versuchsfehlergrenzen. 


Tabelle I. 
Verhältnis der Stromstärke - Anzahl der 
Hörbarkeitsbereich | — A 
Verhältnis der Hörbarkeit Beobachtungsreihen 
1— 2 0.95 6 
i— 10 0.93 6 
10— 100 0.94 5 
100—2000 1.05 q 
250—5000 1.03 E 16 


1) Journ. Wash. Acad. 3, 133, 1913. 
20* 


300 Mitteilungen aus der Praxis. 


Die Tabelle II gibt die Beobachtungen für eine zwischen den 
Hörbarkeiten 3 und 80 angestellte Beobachtungsreihe im einzelnen 
wieder. Aus diesen Beobachtungen können wir folgern, daB unter den 
gegebenen Versuchsbedingungen das Verfahren des kurzgeschlossenen 
Telephons Ergebnisse liefert, die innerhalb der Versuchsfehlergrenzen 
richtig sind. | | 
Tabelle II. 


Stromsstärkeverhältnis 
Hörbarkeitsverhältnis | Stromstärkeverhältnis | —- — 

| Hörbarkeitsverhältnis 

l 4 


E a BEE 2 

3 a eT 

Fa e 
} s ' 

> TE | 0.89 ` 

a a - 089 

0 Í 

> . = | 0.85 

52 E De Ä 0.99 

= | 2 0.93 

s0 | 

D | nn 0.93 


Das vorstehend geschilderte direkte Eichverfahren ist besser als das 
übliche, das eine Bestimmung der Impedanz der Telephone in sich schließt. 
Diese Impedanz ist bei den sehr geringen Stromstärken, wie sie beim tat- 
sächlichen Empfang auftreten, schwer zu bestimmen, und außerdem be- 
gegnet dieses Verfahren den Unsicherheiten, welche von Änderungen der 
gesamten Stromstoßstärke bei geschlossenem Nebenschluß herrühren, 


Absolute Empfindlichkeit des schwingenden Audions. 
Das Verhältnis zwischen der Hörbarkeit im schwingenden Audion 
und jener im Audion alter Bauart für Summersignale ist häufig be- 
stimmt worden und beträgt im Durchschnitt etwa 600, wenn man 


Mitteilungen aus der Praxis. 301 


die Hörbarkeit im Audion alter Bauart zu 1 ansetzt. Ähnliche Ver- 
gleichungen sind zwischen dem alten Audion und dem elektrolytischen 
Detektor mit freiem Draht angestellt worden, und zwar mit dem Er- 
gebnis, daß die mittlere Empfindlichkeit des alten Audions sich als 1,7mal 
so groB wie jene des elektrolytischen Detektors herausgestellt hat. 
Die äußersten Abweichungen bei verschiedenen Röhren waren 1,5 und 
1,8. Gelegentlich der Versuche in Brant Rock!) wurde eine sehr 
sorgfältige Bestimmung der Wattzahl im Empfangssystem angestellt, 
die erforderlich war, um in den damals in Verbindung mit dem 
elektrolytischen Detektor benutzten Telephonen ein für normale Ohren 
hörbares Signal hervorzubringen. Diese Zahl wurde zu 25 x 10-1 
Watt bestimmt. Durch die Verbesserungen an den Telephonen ist sie 
auf 12,25 x 101% Watt verringert worden. Auf Grund aller dieser 
Daten wurde geschätzt, daB die geringste zur Erzeugung eines Signals im 
schwingenden Audion fähige Energiemenge bei Verwendung von Tele- 
phonen mit 2000 Ohm Widerstand und einer Stromempfindlichkeit von 
5x 10719 Amp. bei 1000 Perioden 1,2 x 10715 Watt beträgt. Auf 
Grund dieses Wertes wurde eine Zahlentafel berechnet?) unter der An- 
nahme, daß das schwingende Audion im Telephon eine Änderung der 
Stromstärke hervorbringt, welche der Quadratwurzel aus der Zahl der 
empfangenen Watt proportional ist.) | 

Um über die Empfindlichkeit des Audions Sichereres zu erfahren, 
wurde die der Hörbarkeit Eins im schwingenden Audion entsprechende 
Energie im Empfangssystem neuerdings bestimmt, Das dabei an- 
 gewandte Verfahren ist praktisch das bei den Versuchen zu Brant Rock 
benutzte. Der in Fig. 2 dar gestellte Aufbau der Apparatur war mit 
geringen Abänderungen der in Fig. 1 wiedergegebene. Der Sender- 
wellenmesser A wurde durch ein schwingendes Audion erregt, welches 
mehrere Watt zu liefern vermochte und dadurch die Anwendung loser 
Koppelung zwischen den Schwingungskreisen A und B möglich machte. 
Der Detektor des Schwingungskreises B wurde entfernt und ein 
empfindliches Vakuum-Thermoelement mit einem Widerstande von 
28 Ohm unmittelbar in den Schwingungskreis eingeschaltet. Dieses 
Thermoelement lieferte in Verbindung mit dem angewandten Galvano- 
meter einen Ausschlag von 1 mm für 40,4 x 10° Amp, im Kreise B. 
In den Schwingungskreis C wurde ein doppelpoliger Umschalter ein- 
geschaltet, so daß der eigentliche Empfängerkreis mit dem Audion 

1) Bull. Bur. Stand. 7, 315, 1911; Reprint 159. 


2) Proc. Inst. Radio Eng. 4, 255, 1916. 
3) Journ. Wash. Acad. 6, 81, 1916. 


302 Mitteilungen aus der Praxis. 


oder mit einem Siliziumdetektor und einem Galvanometer verbunden 
werden konnte. Unter Verwendung des Siliziumdetektors im Kreise C 
bei einer solchen Einstellung der Koppelung BC, daß der größte Aus- 
schlag im Galvanometer des Siliziumdetektors erhalten wurde, wurde 
eine Vergleichung zwischen den Ausschlägen des 'Thermoelementes im 
Kreise B und den Detektorausschlägen im Kreise C vorgenommen. 
Durch Interpolation war dann die Möglichkeit gegeben, das Detektor- 
galvanometer in C zur Messung der Radiofrequenzströme in B zu 
benutzen, selbst wenn sie klein genug waren, um das Ansprechen des 
schwingenden Audions in den Meßbereich des Hörbarkeitsmeßkastens 
zu bringen, wenn das Audion mit dem sekundären Empfangskreise C 
verbunden war. 


Zum Si. Decektor . 


Zum Audin. 


Fig. 2. 


Die Empfindlichkeit des Audions ist sehr stark von der Einstel- 
lung seiner Schwingungskreise abhängig. Es ist daher notwendig, ein 
bestimmtes Verfahren für die Vornahme dieser Einstellung zu wählen. 
Das nachstehend geschilderte Verfahren liefert zwar nicht die größte 
Empfindlichkeit, scheint indessen die am leichtesten reproduzierbaren 
Ablesungen zu ergeben: Der Luftleiter und der geschlossene Schwin- 
gungskreis werden zunächst bei sehr loser Koppelung auf die besten 
Signale abgestimmt durch Einstellung des Nebenschlußkondensators, 
des Gitterkondensators und Verstärkung der etwa vorhandenen Kop- 
pelung. Dann wird die Hauptkoppelung allmählich bis zur günstigsten 
Stellung gelockert und der Sekundärkreis für die gewünschte Tonhöhe 
etwas nachreguliert, wobei man den Luftleiter unverändert läßt.}) 


am ee u 


1) Um falsche Ablesungen zu vermeiden, muß man, wenn die Signal- 
stärke die Hörbarkeit 100 überschreitet, eine Seite der Beobachtungstelephone 
durch eine passende Drosselspule (ein Paar Telephone von 2000 Ohm) erden, 
um die von der Kapazität des Körpers des Beobachters ausgehenden Wir- 
kungen zu vermeiden. Um das Aussetzen der Schwingungen zu verhindern, 


Mitteilungen aus der Praxis. 308 


Die Hörbarkeitsmessungen wurden nach dem bereits erwähnten 
Verfahren mit Prüfzeichen ausgeführt. Es gelangten bei den Mes- 
sungen drei Wellenlängen zur Verwendung, nämlich 3000 m, 6000 m 
und 10000 m. Die Selbstinduktion im Sekundärkreise C betrug für 
8000 m nahezu 12 mH. Bei 6000 m wurden Beobachtungen mit 
einer Selbstinduktion von 12 mH, sowie gleichfalls mit einer solchen 
von 85 mH angestellt. Bei 10000 m wurden 36 mH benutzt. 

In Tabelle III sind die ausführlichen Angaben über eine Be- 
obachtungsreihe bei 3000 m aufgeführt. Hier ist D der Ausschlag 
des Detektorgalvanometers, I die Stromstärke im Kreise B, W die 
Wattzahl im Kreise B, A die entsprechende Hörbarkeit im Audion 
und W, die Wattzahl für die Hörbarkeit Eins oder W/A?. Der Ge- 
samtwiderstand R in dieser Tabelle ist der Widerstand des Kreises B, 
vermehrt um den Widerstand, der von der Koppelung des Kreises C 
mit angehängtem Siliziumdetektor herrührt. Diese Summe beläuft sich 
auf das 1,7fache des Widerstandes des Kreises B allein. 


Tabelle III. 
y = 3000m R=65 Ohm L.= 12 mH. 


1 mm Ausschlag im Siliziumdetektorgalvanometer = 6,2—107° Amp. 
im Kreise B. 


D z I wW W, 
wm v 10-8 Amp. | 10-10 Watt 10-15 Watt 
23 | 152 | 64 57,2 | 2500 0,92 

4.0 2,00 12,4 100.1 3000 111 

20 141 8,7 50.1 2000 1.25 

22 148 92 55.2 2300 1.02 

4.0 200 | 124 | 1001 3000 | EU 


Mittel: 1,09 
In Tabelle IV sind die Mittelwerte der für die Hörbarkeit Eins 
bei den angegebenen Wellenlängen erforderlichen Energie angeführt. 


Tabelle IV. 
y L, W, 
Meter mH 10715 Watt 
3000 12 1,09 
6000 12 1,72 
6000 36 1,55 
10000 | 36 l 1,51 


Sn Mittel: 1,45 

kann man einen hohen Widerstand (100000 Ohm oder darüber) parallel zum 
Gitterkondensator schalten, oder man kann das Gitter durch einen Konden- 
sator von einigen wenigen Zehntausendsteln eines Mikrofarads erden. 


304 Mitteilungen aus der Praxis. 


Da die Wattzahl dem Quadrate der Hörbarkeit proportional ist, 
und da die Hörbarkeit unter den beobachteten Größen die bei weitem 
ungenaueste ist, so ist die Genauigkeit des Wertes für die Wattzahl 
bei der Hörbarkeit Eins nicht sehr hoch. Nehmen wir den Fehler 
im Mittelwerte für die Hörbarkeit zu 20 v. H. an, — ein Betrag, 
der unter den tatsächlichen Versuchsbedingungen sicherlich groß genug 
ist —, so würde der Fehler für die Wattzabl bei der Hörbarkeit Eins 
40 v. H. betragen. Wir können dann den wahrscheinlichen Mindest- 
wert dieser Größe für unsere Telephone und unsere Beobachter roh 
zu 1 X 10715 Watt und den Höchstwert zu 2x 1015 Watt anneh- 
men. Der durch Vergleichung zwischen schwingendem und nicht 
schwingendem Audion gefundene Wert von 1,2 x 10-15 Watt liegt 
innerhalb dieser Grenzen. Die seitens der auftretenden Wellen am 
Luftleiter erzeugte EMK. und der empfangene Luftleiterstrom, die 
vom theoretischen Gesichtspunkte aus die wichtigsten Größen sind, die 
sich aus den Beobachtungen beim Arbeiten über große Entfernungen 
ableiten lassen, haben denselben Fehler wie die Hörbarkeitsablesungen. 


Zusammenfassung. 


Nach einer Betrachtung über das Verfahren und die Genauigkeit 
bei der Hörbarkeitsmessung mittels des kurzgeschlossenen Telephons 
gibt der Verfasser eine Anordnung zur Eichung eines gewöhnlichen 
Hörbarkeitsmeßkastens für den Fall an, daß dieser in Verbindung mit 
einem schwingenden Audion benutzt wird. Es stellt sich heraus, daß 
das Verfahren, gerade wie bei anderen Detektoren, genauer als auf 
20 v. H. ist. 

Die absolute Empfindlichkeit des schwingenden Audions ergibt 
sich für ein eben hörbares Signal zu 1,2 x 101° Watt. Diese Emp- 
findlichkeit ist mehr als 10°mal so groß wie die des elektrolytischen 
Detektors und 7 X 10°mal so groß wie jene des normalen Audions 
für Summersignale. 

Die Einzelheiten der Messungen und die erforderlichen Vorsichts- 
maßregeln werden ausführlich geschildert. 


(Aus dem Englischen übersetzt von Max Ikle.) 


(Eingesandt 31. Jan. 1917.) 


Adresse des Übersetzers: Dr. Max Ikl&, Berlin-Zehlendorf 
(Wannseebahn), Milinowskistr. 31. 


= 


H. Eales. Patentschau. 8305 


Patentschau. 
Von H. Eales. 


In diesem und in den folgenden Heften des Jahrbuchs soll über 
den Inhalt einer Reihe von Patentschriften berichtet werden, die sich 
auf Kathodenstrahlröhren beziehen. Gerade auf diesem Gebiete 
ist die Zahl der in der letzten Zeit erschienenen ausländischen Patent- 
schriften ziemlich groß. Zunächst werden besondere konstruktive 
Ausgestaltungen dieser Apparate behandelt werden, einschließlich 
der bei ihrer Herstellung anzuwendenden Verfahren und Kunstgriffe. 
Sodann soll auf die Schaltungen dieser Röhren für die verschiedenen 
Verwendungszwecke (Hochfrequenz-, bezw. Niederfrequenzverstärkung 
einerseits und Gleichrichter-, bezw. Detektorwirkung andererseits) einge- 
gangen werden, und endlich sollen auch solche Patentschriften behandelt 
werden, die sich auf die Verwendung solcher Kathodenstrahlröhren 
als Relais im allgemeinen und zur Beeinflussung der Stärke von 
Hochfrequenzschwingungen zwecks Übermittlung von Zeichen und 
Tönen für die Zwecke der drahtlosen Telephonie im besonderen richten. 

Die General Electric Company in Amerika gibt in der briti- 
schen Patentschrift 15788 vom Jahre 1914 eine Beschreibung einiger 
Hauptkonstruktionen von Dreielektrodenröhren, die in der Hauptsache 
von Irving Langmuir herrühren. Das wesentlichste Merkmal dieser 
Röhren besteht darin, daß sie fast vollkommen gasfrei sind, der Gas- 
druck beträgt nur noch einige Hundertstel Mikron Quecksilbersäule, 
und infolge dieses außerordentlich hohen Vakuums findet die Strom- 
leitung in der Röhre fast ausschließlich durch die Elektronen statt, 
denn es sind zu wenig Gasreste vorhanden, um eine genügende Zahl 
von positiven Ionen durch Stoßionisation zu erzeugen. Infolgedessen 
fehlt bei diesen Röhren jedes blaue Glühlicht und jede Glasfluorescenz 
selbst bei sehr hohen Spannungen. Außerdem findet keinerlei Bom- 
bardement der Kathode durch die Masse positiver Ionen statt und 
daher ist auch die Zerstäubung der Kathode fast vollkommen ver- 
mieden. Die Wirkung der Röhre ist infolgedessen viel regelmäßiger 
und leichter dauernd zu erhalten als bei Röhren, die noch Reste von 
Gasen enthalten. Das Hauptziel beim Entlüftungsverfahren dieser 
hochgradig evakuierten Röhren besteht. wie bei der Entlüftung der 
bekannten Coolidge X-Strahlenröhren, in dem Austreiben der von 
den Elektroden occludierten Gase. Während des Evakuierens . wird 
das Glas so hoch erhitzt, wie es ohne Weichwerden der Glaswandung 


306 H. Eales. 


möglich ist, und die besten und bewährtesten Kunstgriffe, die beim 
Evakuieren von elektrischen Glühlampen im Gebrauch sind, werden 
sinngemäß angewendet. Dann wird, während die Röhre noch heiß ist, 
eine Gaedesche Molekularpumpe angewendet, um die übriggebliebenen 
Dämpfe und Gase zu entfernen; oder es werden bekannte chemische 
Mittel zum Evakuieren, wie z. B. die elektrische Verdampfung von 
Calcium oder Magnesium angewendet. Entweder vor oder auch noch 
während des Evakuierens wird die Anode erhitzt, besonders, wenn die 
Elektroden der fertigen Röhre während des normalen Betriebes bei 
hohen Temperaturen arbeiten sollen, und zwar wird zu diesem Zwecke 
die Temperatur der Anoden auf helle Weißglut gesteigert. Wenn die 
Entlüftung weit vorgeschritten ist, wird eine geeignete Spannung 


Fig. 1. 


zwischen zwei der Elektroden angelegt, um so die Metalle der Elek- 
troden dem Elektronenbombardement auszusetzen. Man muß dabei 
Vorsorge treffen, daß das blaue Glühlicht nicht auftritt, da sonst eine 
Zerstäubung und ein Zerfall der Kathode entstehen würde. Während 
die Lüftpumpe beständig in Betrieb gehalten wird, wird dann die an 
die Elektrode gelegte Spannung schrittweise erhöht, bis eine Span- 
nung erreicht ist, die höher. ist als die, bei der die Röhre im Betriebe 
arbeiten soll. Ist die Röhre für stärkere Ströme bestimmt, so soll 
das Bombardement kräftig genug sein, um die Elektrode zu erhitzen. 
Metallelektroden, die so behandelt wurden, können dann der Luft 
unter gewöhnlichem Atmosphärendruck ausgetzt und z. B. aus der 
Röhre herausgenommen und in andere Röhren eingesetzt werden, ohne 
daß sie dabei Gase wieder absorbieren. Fig. 1 zeigt eine solche Röhre, 
die als Verstärker wirken soll. Die Glühkathode 3, die in Fig. 2 be- 
sonders dargestellt ist, wird durch eine Feder 7 straff gespannt ge- 
halten, die beim Erhitzen sich senkt. Die Steuerelektrode 10 besitzt 


Patentschau. 307 


die Gestalt eines Gitters aus feinem Draht, der auf den Glas- oder 
Quarzrahmen 99’, der die Kathode trägt, aufgewunden ist. Die 
Anode 12 bildet ein zickzackförmig über Haken 13 gespannter Draht. 
Sowohl die Anode als auch das Gitter bestehen aus Tantal oder anderem 
Metall mit außerordentlich hohem Schmelzpunkt, Die Anode besitzt 
zwei Zuführungsdrähte 16 und 17, und das Gitter hat ebenfalls zwei 
Zuleitungsdrähte 18 und 19, mit Hilfe deren sie während des Eva- 
kuierens zwecks Erhitzens mit Strom beschickt werden können. Je 
einer dieser Zuleitungsdrähte dient dann während des Betriebes der 
Röhre als Elektrodenzuführung. 

Im Gegensatz zu dieser Ausführung der Röhre, die für die Zwecke 
der Hoch- oder Niederfrequenzverstärkung bestimmt war, sollten die 
Röhren, die als Detektor arbeiten sollen, bis zu einem bestimmten 
Grade Spuren von Gasen enthalten. Bei einem bestimmten Gas- oder 
Dampfdruck in der Röhre folgt dann die Stromveränderung im Ver- 
stärkungs- (Anoden-)kreis der Potentialveränderung im Gitterkreis sehr 


Marr: ll TED 92 


GA 25) zu 


Fig. 2. 


viel besser als im Falle der reinen Elektrodenentladung; bei einer 
bestimmten Spannung zwischen der Gitterelektrode und der Kathode 
dagegen und innerhalb eines engen Bereiches besteht eine Art von 
labilem Zustand derart, daß, wenn Hochfrequenzschwingungen dem 
Gitterkreis zugeführt werden, eine plötzliche Abnahme des Stromes 
im Verstärkungs- oder Anodenkreis stattfindet, wodurch eine sehr 
empfindliche Detektorwirkung erreicht wir. Um den hierzu not- 
wendigen Gasdruck genau einstellen zu können, wird in die Röhre vor 
dem Zuschmelzen eine geringe Menge eines verdampfbaren Materials, 
2. B. eines Amalgams, oder Schwefel, oder Phosphorsäure-Anhydrid ge- 
bracht. Quecksilber selbst gibt zu hohe Gasdrucke. Wenn Amalgame ange- 
wendet werden, wird das zu amalgamierende Metall, z. B. Silber, vor 
dem Evakuieren in die Röhre gebracht und zugleich etwas Quecksilber 
in einen Seitenansatz der Röhre. Nach der Entlüftung kann der 
Quecksilberdampf sich durch die ganze Röhre verbreiten. Bei Zimmer- _ 
temperatur sind dann ein bis zwei Tage erforderlich zur Amalgamie- 
rung. Der überschüssige Dampf wird in dem seitlichen Röhrenansatz 
durch eine Kältemischung kondensiert und die Röhre dann abgeschmolzen. 


308 H. Eales. 


Eine so behandelte und hergestellte Röhre soll bei Zimmertemperatur 
eine vollkommen reine Elektronenentladung zwischen der Anode und 
der Kathode ohne jede Gasionisation aufweisen, selbst bei Anwendung 
von Spannungen bis zu 400 Volt. 

Ebenfalls auf konstruktive Einzelheiten solcher thermionischen Ver- 
stärkeröhren (sogenannte Audions) bezieht sich die britische Patent- 
schrift 1694 vom Jahre 1915 der Western Electric Company. 
Das Hauptkennzeichen dieser Röhren besteht in dem sehr engen Zu- 
sammenbau der Steuer- oder Gitterelektrode und der Glühkathode, 
wobei natürlich eine gegenseitige Berührung ausgeschlossen werden 
muß. Je näher aber diese beiden Elektroden einander sind, desto 
besser ist, wie festgestellt worden ist, die Verstärkungswirkung der 
Röhre. Die Praxis hat ergeben, daß ein dünner Überzug einer Sub- 
stanz, wie z. B. Nickeloxyd, ausreichend ist, um die beiden Elek- 


eg 


Fig. 3, 


troden genügend voneinander zu trennen. Ein anderer wichtiger 
Umstand besteht in der geeigneten Anordnung der Hauptanode in 
bezug auf die anderen beiden Elektroden, wobei diese Verhältnisse 
sich nach den näheren Umständen richten, unter denen die Röhre 
benutzt werden soll. Als Faustregel in dieser Beziehung gilt, daß, 
je weiter die Anode von der Kathode und der Gitterelektrode ent- 
fernt ist, wenn letztere sehr nahe beieinander angeordnet sind, desto 
höher die im Verstärkungsstromkreis erforderliche Spannung ist. Dies 
kann man sich aus der wohlbekannten Tatsache erklären, daß in einer 
Anordnung wie derjenigen der Audionröhre die Hauptwirkung der 
Steuerungs- oder Gitterelektrode elektrostatischer Natur ist. Besonders 
wichtig ist es auch, daß die Steuerungs- oder Gitterelektrode eine 
möglichst große Oberfläche besitzen soll. Wie dies im besonderen er- 
reicht wird, zeigen die Figg. 3, 4, 5 und 6. Fig. 5 stellt eine schau- 


Patentschau. 809 


bildliche Ansicht der Elektrodenanordnung dar und Fig. 4 einen Grund- 
riB dazu. Die Steuerungselektrode besteht aus einem Draht 1b in 
Gestalt eines umgekehrten V, und auf dieser ist der Draht 2b auf- 
gewunden, der beim Erhitzen die Elektronenentladung liefert. Die im 
Verstärkungsstromkreis liegenden Anoden werden durch die Platten 3b 
gebildet. Man sieht also, daß das Gitter des Audions hier durch 
einen V-förmig gestalteten Draht gebildet wird, der nicht in den Raum 
zwischen die Kathode und die Hauptanode hineinragt. Bei der An- 
ordnung gemäß Fig. 5 ist die Steuerungselektrode le, die aus einer 
beliebigen Anzahl von Armen oder Zweigen bestehen kann, mit dem 


Fig. 5. Fig. 6. 


Kathodendraht 2e umwunden, wobei die Isolation zwischen diesen 
beiden Elektroden, wie oben bereits erwähnt, für gewöhnlich Nickel- 
oxyd ist. Dadurch, daß die Anodenplatte 3e nahe an den anderen 
Elektroden liegt, wird erreicht, daß trotz Anwendung nur niedrigerer 
Spannungen stärkere Ströme im Verstärkungsstromkreis auftreten. Fig. 6 
zeigt eine abgeänderte Ausführung. Die Steuerungselektrode 1g ist ein 
Zylindermantel mit einer schraubenförmigen Nut, in welche die Draht- 
kathode 2g gewunden ist. Die Anode des Verstärkungsstromkreises 3g 
ist ein großer, konzentrischer Hohlzylinder. Fig. 7 endlich zeigt eine 
Weiterbildung dieser letztgenannten. Röhrenform, die speziell zum 
Arbeiten mit größeren Stromstärken bestimmt ist. Diese Röhre besitzt 
eine im Innern der zylinderförmig ausgebildeten Vakuumröhre 8 an- 


310 H. Eales. 


geordnete und durch beide zylinderförmig ausgebildeten Elektroden 1}, 
2h, 35h hindurchgehende Röhre 9. Durch den durch diese Röhre 9 
gebildeten Kanal kann eine Kühlflüssigkeit hindurchgeleitet werden, 
oder die ganze Röhre kann auch in einen Behälter mit Kühlflüssig- 
keit eingetaucht werden, denn bei ausreichender Kühlung kann die 
Röhre stärker belastet werden. 

Die in Fig. 6 dargestellte Röhrenform bildet auch den Gegen- 
stand des amerikanischen Patentes 1130009, das auf den Namen 
A. Mo L. Nicolson erteilt worden ist, während die amerikanischen 
Patente 1180042 und 1130008, die auf den Namen H. J. van der 
Bijl und A. Me L. Nicolson lauten, ähnliche Formen zeigen, wie 
die Figg. 3—5. Der Vollständigkeit halber seien die Figuren dieser 


beiden zuletzt genannten amerikanischen Patentschriften hier reprodu- 
ziert (Figg. 8, 9 u. 10). Eine weitere Form der Verstärkungsröhren 
zeigt Fig. 11 nach der amerikanischen Patenttchrift 1128280 von 
Harold De Forest Arnold in East Orange, New Jersey, V. St. A., 
wobei zugleich die Schaltung dargestellt ist, um die Röhre als Tele- 
phonrelais zur Verstärkung schwacher Telephonströme zu verwenden, 
die durch die in der Linienleitung liegende Primärspule 18 des Trans- 
formators 11 gesandt werden. Naturgemäß kann die Primärspule 13 
aber auch in die Antenne drahtloser Empfangsstationen geschaltet, und 
so die Röhrenschaltung für Empfangszwecke der drahtlosen Telegraphie 
verwendet werden. Die Glühkathode besteht aus zwei Teilen 2 u. 2%, 
zwischen denen die Anode 4 des Verstärkungsstromkreises angeordnet 
ist. Neben jeder Teilkathode 2 und 2° befindet sich eine Steuerungs- 
elektrode (Gitter) 8 und 3°. Letztere sind an die beiden Enden der 


Patentschau. | 811 


Sekundärspule 10 des Empfangstransformators 11 gelegt, während 
der negative Pol der Batterie 12 im Steuerungsstromkreis an den 
mittleren Punkt dieser Sekundärspule 20 gelegt ist. 6 ist die Heiz- 


Fig. 10. 


batterie für die Glühkathoden und 5 ein Draht, der die beiden Teile 
der Glühkathode stromleitend verbindet. 7 ist eine Batterie im Ver- 
stärkungsstromkreis, und 9 ein Transformator mit Primär- (8) und 


312 H. Eales. 


Sekundärwirkung (24) für den Telephonhörer 15. Die Wirkungsweise _ 
dieser Schaltung ist folgende: An den beiden Hälften der Glühkathode 
bestehen elektrostatische Felder, die gemeinsam durch die positive 
Elektrode 4 im Verstärkungsstromkreis und durch die negative Gitter- 
elektrode 3 und 3°? gesteuert werden. Diese Elektroden haben Poten- 
tiale, die anfangs so eingestellt sind, daB nur ein schwacher Strom 


ASAN S 
R 


> III 


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N 


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un 


$ a — 


nach der Platte 4 fließt. Das negative Potential der Steuerungselek- 
troden, die vorzugsweise sehr nahe neben den Kathodenzweigen und 
zwischen diesen und der Platte angeordnet sind, kann klein sein im 
Vergleich mit dem positiven Potential der Verstärkungselektrode, die 
von den Kathodenzweigen weiter entfernt ist. Wenn nun das Potential 
irgendeiner Steuerungselektrode noch mehr negativ wird, kann der 
Strom von der Glühkathode zur Platte nur bis auf Null sinken, da 
die einseitige Leitfähigkeit der Röhre keinen Stromfluß in der ent- 
gegengesetzten Richtung zuläßt. Daher ist die Abnahme des Stromes 
im Verstärkungsstromkreis, welche durch diese Potentialänderung her- 


Patentschau. 313 


vorgerufen wird, sehr klein. Wenn andererseits das negative Potential 
der Steuerungselektrode vermindert wird, so wächst der Strom im Ver- 
stärkungsstromkreis um einen beträchtlichen Wert. Trotzdem kann 
kein Strom außer dem sehr kleinen Betrag, der möglicherweise durch 
die elektrostatische Kapazität zwischen den Steuerungselektroden und 
der Glühkathode zugelassen wird, im Steuerungsstromkreis fließen, und 
daher wird auch keine Energie außer dem kleinen Verlust, der durch den 
Transformator 11 bedingt ist, aus dem Schwingungskreis, der die 
zu verstärkenden oder anzuzeigenden Schwingungen (Antennenkreis) 
führt, verbraucht zur Auslösung des Gleichstromes im Verstärkungs- 
stromkreis. 

Andere ebenfalls aus Amerika stammende Röhrenformen und Röhren- 
schaltungen beschreibt die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft 
in Berlin in ihrer Deutschen Patentschrift 293539, für welche ge- 
mäß dem Unionsvertrag die Priorität auf Grund der Anmeldung in 
den Vereinigten Staaten von Amerika vom 29. Oktober 1913 bean- 
sprucht ist. Die Erfindung verfolgt ebenfalls den Zweck, die Wirkung 
der Raumladung bei Entladungsgefäßen, die ohne Gasionisation, bezw. 
ohne Gasleitung arbeiten, auf die Elektronenentladung zu verringern, 
die Wirkung negativ geladener Körper in der Nähe der Kathode 
abzuändern, die Entladestromstärke für eine gegebene Spannung zu 
vergrößern, Elektronen von verhältnismäßig gleichmäßiger Geschwindig- 
keit zu liefern und die Kathode selbst gegen mechanische Beschädigung, 
bezw. mechanische Spannungen infolge elektrostatischer Kräfte zu 
schützen. | 

Zu diesem Zwecke wird gemäß der Erfindung in der Nähe der 
Kathode ein weiterer leitender Körper vorgesehen und auf einem be- 
stimmten positiven Potential gehalten. Dieser Leiter erhält vorzugs- 
weise die Form eines die Kathode umfassenden Doppelgitters oder 
Doppelrostes und ist mit einer Spannungsquelle verbunden, die vor- 
zugsweise eine niedrige Spannung liefert. 

Fig. 12 zeigt eine dieser Ausführungsformen dieser Entladungs- 
röhre. Daselbst ist ein Teil der das Entladungsgefäß bildenden ein- 
hüllenden Glocke 1 weggebrochen dargestellt, um das Innere zu zeigen. 
Die Kathode 2 besteht aus einem V-förmigen Faden, die Anoden 8 
und 4 aus kleinen Scheiben. Die Kathode wird von einem Rahmen 5 
umgeben, welcher passenderweise aus Glas bestehen kann, und auf 
welchen ein feiner Draht gewickelt ist, der ein Doppelgitter 6 bildet, 
welches mit seinem eng aneinanderliegenden Windungen die Kathode 2 


umfaßt. Zwischen diesem Gitter und jeder der Anoden liegt je 
Jahrb. d. draht. Telegraphie u. Telephonie., 12. 21 


314 | . H. Eales. 


eine Hilfselektrode 7, bezw. 8, die gleichfalls gitterförmig ausge- 
bildet sind. 

Die Kathode ist mit Stromzuführungsdrähten 9 und 10 verbunden, 
die ihrerseits mit Stromeinführungsdrähten 11 und 12 verbunden sind, 
die in der üblichen Weise in dem Fuß 13 der Glasglocke einge- 
schmolzen sind. Der Kathodenfaden wird durch eine an seiner Biegung 


angreifende, im Rahmen 5 befestigte Feder 14 gespannt gehalten. Die 
Elektroden und die Gitterdrähte bestehen beispielsweise aus duktilem 
Wolfram. Die Kathode und die Gitter sitzen mittels Glasstäbchen 
auf einem Traggestell 15. Die Anodenstiele 16 und 17 bestehen aus 
Wolfram oder Molybdän und werden in rohrförmigen Ansätzen 18 
und 19 der Glasglocke durch Federn 20, welche sich gegen die Wände 
der Ansätze legen, in ihrer Lage gehalten. Zu den Anoden wird in 
der üblichen Weise durch Einführungsdrähte 21 und 22 die strom- 
leitende Verbindung hergestellt, zu dem die Kathode umgebenden 
Gitter 6 durch einen Stromeinführungsdraht 23. Die Gitter 7 und 8 


Patentschau. | 815 


sind vorzugsweise auf metallische Rahmen 24 und 25 gewickelt, die 
beispielsweise aus Chromeisen bestehen und die Windungen der Gitter 
kurzschließen. Durch die Leiter 26 und 27 wird eine stromleitende 
Verbindung zu den Rahmen, bezw. Gittern hergestellt. 

In der Fig. 13 ist die gegenseitige Lage der Elektroden und 
Gitter mehr schematisch und dadurch deutlicher dargestellt. Wie diese 
Fig. 13 zeigt, wird die Kathode 2 durch eine Batterie 29 oder eine 
andere geeignete äußere Stromquelle zum Glühen gebracht. Das um- 
gebende Gitter 6 ist an den positiven Pol einer Spannungsquelle, 


z. B. einer Batterie 30, angeschlossen, Ueren negativer Pol mit der 
Kathode verbunden ist. Das Entladungsgefäß wird soweit als möglich 
entlüftet, wobei die Elektroden von Gas befreit werden, indem das 
Gefäß bereits an der Pumpe in Betrieb genommen wird, und zwar 
zunächst mit einer Spannung unterhalb desjenigen Wertes, bei welchem 
eine schädliche, an dem blauen Glimmlicht erkennbare Gasionisierung 
eintritt; in dem Maße, wie aus der Anode durch das Elektrodenbom- 
bardement Gas ausgetrieben wird, wird die angelegte Spannung fort- 
schreitend gesteigert und gleichzeitig das frei gewordene Gas fortlaufend 
durch die Pumpe abgeführt. Die angelegte Spannung soll schließlich 
vor dem Abschmelzen gewöhnlich so hoch gesteigert werden, daß sie 
die normale Betriebspannung übertrifft. Das Vakuum, dessen Grad 
21* 


316 H. Eales. 


von der Art und Anwendung des Entladungsgefäßes abhängt, soll im 
allgemeinen so niedrig sein, daß es nur einige hunderttausendstel 
Millimeter Quecksilber oder noch weniger beträgt. 

Die in Fig. 13 dargestellte Anordnung eignet sich im besonderen 
zu der Umwandlung von Gleichstrom in Wechselstrom, bezw. zur Ge- 
winnung von Wechselstrom aus einer Gleichstromquelle.e Zu diesem 
Zwecke sind die Anoden 3 und 4 durch Leiter 31 und 32 mit der 
Primärwicklung eines Transformators 33 verbunden. Die Gleichstrom- 
quelle ist mit 34 bezeichnet und besteht beispielsweise aus einem 
Gleichstromerzeuger oder aus einer Batterie, deren negativer Pol durch 
einen Leiter 35 mit der Kathode 2, und deren positiver Pol durch 
den Leiter 36 mit einem mittleren Punkt der Primärwicklung des 
Transformators 33 verbunden ist. Die Gitter 7 und 8 sind durch die 
Leiter 37 und 38 mit einer Wechselstromquelle 39 verbunden, die 
diejenige Frequenz besitzt, die man dem zu. erzeugenden Wechselstrom 
zu geben wünscht. Diese Wechselstromquelle kann beispielsweise, wie 
gezeichnet, aus einem Transformator 39 bestehen. Die Kathode 2 ist 
durch einen Leiter 40 mit einem mittleren Punkt der Sekundärwick- 
lung dieses Transformators 39 verbunden. 

Die Wirkungsweise der beschriebenen Anordnung ist folgende: 
Wenn die Kathode 2 zum Glühen gebracht wird, sendet sie Elektronen 
aus, welche unter dem Einfluß der aufgedrückten elektromotorischen 
Kraft zu einer positiven Elektrode wandern. Wenn sich nun aber 
zwischen der Kathode und einer Anode, zwischen welchen die Elek- 
tronen wandern, ein negativ geladener Leiter befindet, werden die 
Elektronen nach Maßgabe der Größe der negativen Ladung zurück- 
getrieben, und es wird hierdurch der Entladungsstrom herabgesetzt oder 
unterbrochen. Befindet sich andererseits zwischen der Kathode und einer 
Anode ein positiv geladener Körper, so wird die Entladung unterstützt 
und der Strom verstärkt. Einige der Elektronen gehen zu dem positiv 
geladenen Körper; wenn dieser jedoch eine verhältnismäßig kleine, 
dem Elektronenstrom entgegenstehende Oberfläche besitzt, was der Fall 
ist, wenn ein feiner Draht als Gitter, bezw. als sonstiger leitender 
Körper dient, so wird hierdurch nur wenig Energie absorbiert. Es 
kann beispielsweise ein Wolframdraht mit einem Durchmesser von 0,01 
bis 0,025 mm und einem Windungsabstand von !/ „ mm benutzt werden. 
Wenn die zwischen Kathode und Anode aufgedrückte Spannung hoch 
ist, kann der Energieverlust durch Absorption der Elektronen durch 
ein derartiges, eine verhältnismäßig niedrige positive Ladung besitzen- 
des Gitter vernachlässigt werden. 


Patentschau. 317 


Da die Gitter 7 und 8 durch die Wechselstromquelle 39 ab- 
wechselnd negativ und positiv gemacht werden, geht der Entladungs- 
strom abwechselnd zu den Anoden 3 und 4 und erzeugt so einen 
Wechselstrom in der Primärwicklung des Transformators 33. Er- 
forderlichenfalls kann ein Kondensator 41 parallel zur Gleichstrom- 
quelle 34 vorgesehen werden, um Stromschwankungen aufzunehmen, 
die induktive Wirkung des Transformators aufzuheben und einen 
schnelleren Anstieg und schnelleres Fallen des Stromes zu bewirken. 
In jedem Augenblick ist entweder das Gitter 7 oder das Gitter 8 
positiv geladen und sucht infolge seiner Nähe zur Kathode den Elek- 
tronenstrom herabzudrücken. Wenn jedoch in der Nähe des Kathoden- 
fadens durch das Gitter 6 ein positives Feld erzeugt wird, schirmt 
dieses Gitter die Kathode gegen das negative Feld der anderen Gitter 
und unterstützt den Elektronenstrom. Die Elektronen werden durch 
die Kathode mit veränderlicher Geschwindigkeit ausgesendet; da sie 
jedoch alle dem .nämlichen statischen Feld ausgesetzt sind, wird ihre 
Geschwindigkeit gleichförmiger, und die Geschwindigkeitunterschiede 
stellen nur noch einen verhältnismäßig kleinen Bruchteil der mitt- 
leren Geschwindigkeit dar. Da das positive Feld in der Nähe der 
Kathode der strombegrenzenden Wirkung der Raumladung entgegen- 
wirkt, kann der Abstand zwischen der Kathode und den Anoden 
ohne Verlust am Wirkungsgrad vergrößert werden. Infolge der Ab- 
sorption von Elektronen durch das positiv geladene Gitter 6 geht 
etwas Energie verloren; da jedoch die Oberfläche des Gitters klein ist 
und auch seine positive Spannung im Verhältnis zu der zwischen 
Kathode und den Anoden aufgedrückten Spannung verhältnismäßig 
klein gewählt werden kann, bildet dieser Verlust nur einen verhältnis- 
mäßig kleinen Bruchteil der Gesamtenergie. 

Es ist wünschenswert, da8 die Spannung desjenigen der beiden 
Gitter 7 und 8, welches jeweilig negativ wird, sehr rasch absinkt, um 
den Elektronenstrom zur zugehörigen Anode vollständig zu unter- 
brechen. Dies kann durch Anwendung einer Wechselstromquelle 39 
von hoher Spannung bewirkt werden; hierdurch würde jedoch auch die 
gleichzeitige positive Ladung des Gegengitters vergrößert. Hohe Span- 
nung eines Gitters vermehrt jedoch die Energieabsorption durch dieses 
Gitter. Durch Einfügung einer Batterie 42 in die die Kathode mit 
dem mittleren Punkt der Stromquelle 39 verbindende Leitung 40, und 
zwar derart, daB der negative Pol dieser Stromquelle mit dem Trans- 
formator verbunden ist, kann die Spannung des negativ geladenen 
Gitters vermehrt, diejenige des positiv geladenen Gitters verringert 


318 H. Eales. 


werden, vorausgesetzt selbstverständlich, daß die Spannung dieser 
Stromquelle 42 nicht diejenige der Wechselstromquelle 39 übertrifft. 
Erforderlichenfalls können noch Widerstände 43 und 44 in die Lei- 
tungen 37 und 38, die von der Wechselstromquelle 39 zu den Gittern 
7 und 8 führen, oder ein einziger Widerstand in die Leitung 40 ein- 
geschaltet werden, wodurch der Strom in dieser Leitung ohne Herab- 
setzung der Spannung verringert werden kann. Manchmal machen 
solche Widerstände die Einfügung der Stromquelle 42 überflüssig. 
Bei der in Fig. 14 dargestellten Anordnung dient das Elektronen- 
entladungsgefäß zur Gleichrichtung von Wechselströmen, die von der 
Sekundärwicklung eines Transformators 45 geliefert werden, dessen 
äußere Klemmen mit den Anoden 3 und 4 durch die Leiter 46, bezw. 


Fig. 14. 


47 verbunden sind. Der positive +-Leiter 45 des Gleichstromver- 
brauchskreises ist mit der Kathode 2 und der negative —-Leiter 46 
mit einem mittleren Punkt der Sekundärwicklung des Transformators 45 
verbunden. Die Elektroden 3 und 4 werden abwechselnd positiv und 
negativ, wobei Strom von der Kathode zur jeweilig positiven Elektrode 
fließt. Auch hier würde die jeweilig negative Elektrode den Strom, 
der von der Kathode zur anderen, positiven Elektrode geht, herab- 
zudrücken suchen. Diese Wirkung wird durch das positiv geladene 
Gitter 6 verhütet. Bei einem Gleichrichter mit einer Mehrheit von 
als Anoden arbeitenden Elektroden ist die Stromverminderung durch 
die jeweilig negativen Elektroden besonders ausgeprägt, da der Span- 
nungsabfall im Gleichstrombelastungsstromkreis das Potential der strom- 
führenden positiven Elektrode herabdrückt. Da zu einer negativen 
Elektrode kein Strom fließt, so hat eine solche das volle Potential der 


Patentschau. 319 


Stromquelle.e. Aus diesem Grunde könnte eine gefährliche einseitige 
mechanische Beanspruchung der in einem unsymmetrischen Feld liegen- 
den Kathode eintreten, wenn nicht das positiv geladene Gitter vor- 
handen wäre, welches die Kathode dagegen schützt. Der positiv ge- 
ladene Leiter muß nicht notwendig die Form eines Gitters haben. 
Die Fig. 15 veranschaulicht in etwas schematischer Form eine Gleich- 
richtervorrichtung, bei welcher eine Platte 50 zwischen einer Elek- 
tronen aussendenden Kathode 48 und einer Anode 49 angeordnet ist. 
Die Kathode wird wieder durch eine Batterie 29 zum Glühen ge- 
bracht. Als Wechselstromquelle dient wieder ein Transformator 45, 


` 


welcher in Reihenschaltung mit dem Gleichstromverbrauchskreis 51 
zwischen die Elektroden 48 und 49 geschaltet ist. Die Kathode wird 
von einer gekrümmten Platte 52 umgeben, auf welcher eine negative 
Ladung aufrecht erhalten wird, am einfachsten, indem sie mit der 
Kathode durch einen Leiter 53 verbunden ist. Diese hohlspiegelartige 
Platte beeinflußt das elektrostatische Feld derart, daß die Elektronen 
zu einem ziemlich scharf abgegrenzten Strom vereinigt werden, welcher 
durch eine Öffnung in der Platte 50 zur Anode geht. Dadurch, daß 
auf der Platte 50 beispielsweise durch die Batterie 30 eine positive 
Ladung aufrechterhalten wird, wird der Übergang der Elektronen von 
der Kathode zur Anode unterstützt. Die Spannung der Batterie 30 
und daher die Ladung der Platte 50 braucht nur einen Bruchteil der 


320 i -= H. Eales. 


Spannung zwischen der Kathode und Anode zu sein. Die Elektronen 
werden wohl zur Platte 50 hingezogen, gehen aber größtenteils durch 
deren Öffnung, da diese den mittleren Punkt der statischen Anziehung 
bildet. Der Energieverlust durch Absorption von Elektronen durch die 
Platte 50 ist daher verhältnismäßig gering und wird durch die Ver- 
größerung des Entladungsstromes mehr als wettgemacht. Wenn beide 
Halbwellen des Wechselstromes ausgenützt werden sollen, werden zwei 
Apparate der dargestellten Art vorgesehen. Diese Art der Entladungs- 
röhre eignet sich auch, wie in Fig. 16 dargestellt, zur Verstärkung 
schwacher veränderlicher Ströme, z. B. wellentelegraphischer oder wellen- 
telephonischer Zeichen. Das Entladungsgefäß 1 ist mit einer Oris- 


Fig. 16. 


stromquelle, z. B. einer Batterie 54, welche von sehr niedriger Span- 
nung sein kann und zwischen die Kathode 2 und die Anode 3 ge- 
schaltet ist, verbunden. Das Gitter 7 und die Anode 3 sind mit der 
Sekundärwicklung eines Transformators 55 verbunden, dessen Primär- 
wicklung in den Antennenkreis geschaltet ist, der, wie üblich, eine 
Luftantenne 56 und einen geerdeten Kondensator 57 umfaßt. Durch 
eine Batterie 58 kann das Gitter 7 auf einem bestimmten Potential 
gehalten werden. Die Kathode ist von einem Gitter 6 umgeben, 
welches durch eine Batterie 30 gegenüber der Kathode auf einem be- 
stimmten positiven Potential gehalten werden kann. Wenn die Ka- 
thode durch die Batterie 29 erhitzt wird, sucht Strom von ihr zur 
Anode zu fließen, dieser Stromfluß wird aber verhindert oder weit 
herabgesetzt, wenn das Feld des Gitters 7 negativ ist. Da die Elek- 
tronen von der Kathode 2 durch das vom Gitter 7 erzeugte posi- 
tive Feld weggezogen werden, kann im Anodenkreis eine sehr geringe 


Patentschau. | 321 


Spannung angewendet werden. Tatsächlich genügt für die Batterie 54 
manchmal eine einzige Zelle. Das negative Potential an dem Gitter 7 
kann andererseits verhältnismäßig hoch gemacht werden. Die Strom- 
schwankungen im Elektrodenkreis 59, die durch die dem Gitterkreis 
aufgedrückten, von den ankommenden Zeichen herrührenden Impulse 
hervorgerufen werden, sind verhältnismäßig groß. Die Zeichen können 
in einem Telephon 60 aufgenommen werden, welches mit einem Kon- 
densator 61 parallel geschaltet ist. Die Empfindlichkeit dieser An- 


I 


Fig. 17. 


ordnung ist besonders groß, da die Elektronen das Gitter 6 mit im 
wesentlichen gleichförmiger Geschwindigkeit verlassen und daher sämt- 
lich in gleichem Maße durch die Schwankungen in der negativen La- 
dung des Gitters 7 beeinflußt werden. 


Ferner sei erwähnt die amerikanische Patentschrift 1128817 von 
Greenleaf Whittier Pickard in Amesbury Mass., V. St. A. Er 
beschreibt zwei Röhrenformen. Fig. 17 zeigt die eine derselben und 
zugleich die für drahtlose Empfangszwecke bestimmte Schaltung. 
Pickard behauptet, daß alle bisher bekannten Ausführungsformen an 
Kathodenstrahlröhren für Detektor- und Hochfrequenz- bez. Nieder- 


322 H. Eales: Patentschau. 


frequenzverstärkung vermöge ihrer Bauart einen schwerwiegenden 
Mangel besäßen, nämlich den, daß sie zeitweise ihre Empfindlichkeit 
verlören und in Gegenwart elektrostatischer Störungen unwirksam 
würden, die täglich zu beobachten wären und besonders in den Tropen 
häufig aufträten. Nach ihm rührt diese schädliche Wirkung her von 
einer Anhäufung elektrischer Ladungen an der Innenwand der Glas- 
röhre, und der Zweck seiner Röhrenausbildung ist, diese Übelstände 
zu vermeiden. Gemäß Fig. 17 sind die Glühkathode A und die 
Steuerungselektrode oder Plattenelektrode B in der gewöhnlichen Weise 
mit geeigneten Zuführungsdrähten O, P und Q verbunden und in die 
Glasröhre Æ eingeschmolzen. Die Oberfläche des Glasstiels N der Glas- 
röhre E, in der die oberen Enden der Zuführungsdrähte O, P und 


Q eingeschmolzen sind, ist, wie aus Fig. 17 zu ersehen, mit einem 
leitenden Belag D versehen, der aus einem Niederschlag von Silber oder 
eines anderen Metalls bestehen kann. Dieser Niederschlag oder Belag 
ist zusammenhängend bis auf drei kreisförmige Einschnitte S, T und U, 
die die Zuführungsleitungen unmittelbar umgeben, so daß sie durch 
den Metallbelag D nicht kurzgeschlossen werden. Es ist jedoch 
wichtig, daß an diesen Stellen kein wesentlicher Teil der Glaswandung 
 freiliegt, da dies eine dielektrische Oberfläche bilden würde, woselbst 
sich dann elektrostatische Ladungen ansammeln könnten. Über dem 
Glasstiel N und vorzugsweise in gutem elektrischen Kontakt mit dem 
leitenden Belag D ist eine leitende Kammer oder Haube C, vor- 
zugsweise aus Aluminium, angeordnet. Diese leitende Haube sollte 
vorzugsweise den Glasstiel N so dicht umgeben, daß die Verbindung 
zwischen beiden fast ganz, jedoch nicht völlig hermetisch geschlossen 
ist; indessen ist dies nicht so wichtig, wenn eine luftdichte Glas- 


Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. 828 


röhre E verwendet wird. Die Haube C und der Belag D bilden eine 
leitende Schicht, die die Elektrode A und B einhüllen und bewirken, 
daß alle negativen Ionen, die bei der Entladung von der heißen zur 
kalten Elektrode freiwerden, aufgenommen werden. Eine Leitung R 
führt von der Haube C und dem Belag D zur Erde K oder zu einer 
anderen Ableitung. Eine Haube E aus Glas oder anderem luftdichten 
Material kann über die Haube C gestülpt und der Raum zwischen 
ihnen gut evakuiert werden. Die äußere Haube Æ ist zwar nicht 
wesentlich, indessen bietet sie gewisse Vorteile. Fig. 18 zeigt eine 
etwas abgeänderte Form der Röhre, bei der die Metallhülle C D durch 
einen Metallbelag C’, z. B. einen Silberüberzug oder Silberniederschlag 
auf der Innenfläche der Glasröhre E ersetzt ist, wobei wiederum der 
Metallüberzug bis auf dicht um die Zuführungleitungen O PQ ge- 
führte kreisförmige Schnitte vollständig zusammenhängend ist. Die 
übrige in Fig. 17 dargestellte Schaltung ist die bei Zweielektroden- 
röhren oder Ventildetektoren übliche: @ und H stellen Antennen- und 
Erd- (Gegengewichts) Leitung dar, F den Empfangstransformator, L 
die Batterie zum Erhitzen der Glühkathode, M die Batterie im Detek- 
torkreis und I einen Kondensator im Nebenschluß zum Telephon- 


hörer J. 
(Eingesandt Juli 1917.) 


Adresse des Autors: Berlin-Lichterfelde West, Roonstraße 12. 


Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. 


(Die Redaktion behält sich die Besprechung einzelner Werke vor.) 


Amerika ohne Maske. Neutral. Feststellungen. (Aus dem Hollän- 
dischen übersetzt von Adolf Teutenberg.) M. 1.75 


Das neue Europa. Eine holländische Stimme für die Befreiung Europas 

von Dr. jur. W. J. L. van Es. M. 1.50 

Uber Annexions-Politik. Die Kriegsziele unserer Feinde von 

J. Versluys. M. 1.75 
Sämtlich im Rembrandt-Verlag, Oberweimar i. Thür. 

Hermann Stegemann, Geschichte des Krieges. I. Band. Deutsche 

Verlags-Anstalt, Stuttgart 1917. Geb. M. 14.— 


324 Literaturverzeichnis. 


Aus großen Meistern der Naturwissenschaften: 
1. Ludwig Boltzmann, Reise eines deutschen Professors ins 
Eldorado. , 
2. Ernst Mach, Über Erscheinungen an fliegenden Projektilen. 
Vom räumlichen Sehen. 
8.. Carl Snyder, Die Endlichkeit des Weltalls. Die Fortschritte auf 
dem Wege zur Erklärung der Elektrizität. 
Jede Nummer 45 Pfg. 
Verlag J. A. Barth, Leipzig. 


Arthur Erich Haas, Die Grundgleichungen der Mechanik, dar- 
gestellt auf Grund der geschichtlichen Entwicklung. Verlag von 
Veit & Comp., Leipzig 1914. Geh. M. 7.50, geb. M. 9.— 

Giorgio Molli, Englands Verhängnis. Die Folgen des U-Bootkrieges. 
(Übersetzung aus dem Italienischen von L. Hämmerle.) Verlag Julius 
Hoffmann, Stuttgart 1917. 

„Elektroindustrie“ 9, Nr. 11 u. 12 vom 1. u. 15. Juni 1917. Fachschriften- 
Verlag A.-G., Zürich. 

(Eingesandt 28. Juni 1917.) 


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1916. Arlington Radio Station and its activities in the general scheme 
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1916. Physical aspects of Radio Telegraphy. | 
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nating-current generators. 

Kennard, E. H., Phil. Mag. (6) 33, 779, 1917. On unipolar induction: 
Another experiment and its significance as evidence for the existence 
of the aether. 

Maior, August, Elektrot. Ztechr. 38, 279, 1917. Über das Einschalten 
langer Leitungen mit Wechselstrom. 

Martinez, G., I modemi sistemi di ricezione radiotelegrafica. Sonderdruck 
aus Giornale l’Elettroteenica 25. Mai 1917, Nr. 15. 

Mueller, E. F., Sc. Papers Bur. of Stand. (Washington) Nr. 288, S. 547, 
1916. Wheatstone bridges and some accessory apparatus for resistance 
thermometry. 

Nottage, W. H., (London, The Wireless Press) The calculation and mea- 
surement of inductance and capacity. 

Rikli, H., Bull. Schweiz. Electrot. Ver. 8, Nr. 5, S. 125, 1917. Beitrag zur 
Bestimmung von zusätzlichen Kupferverlusten in Wechselstrommaschinen 
(s. daselbst auch S. 138). (Vgl. auch E. u. M. 35, 249, 1917.) 

Rudge, W. A. Douglas, Electrician 79, 345, 1917. A self-recording electro- 
meter for atmospheric electricity. 

Schüler, L., Elektrot. Ztschr. 38, 185, 201, 218, 1917. Die Geschichte des 
Transformators. 

Smith, S. P., Electrician 79, 258, 300, 340, 1917. The theory of armature 
windings. 

Stern, Georg, Elektrot. Ztschr. 38, 277. 1917. Normalisierung von Trans- 
formatoren. 


826 Bücherbesprechungen. 


Stone Stone, John, Proc. Inst. Radio Eng. (New York) 4, Nr. 5, S. 468, 
1916. The effect of the spark on the oscillations of an electric circuit. 

Verdurand, A., Theorie simplifié de la télégraphie sans fil. Paris 1916. 

Wagner, K. W., Elektrot. Ztschr. 38, 260, 1917. (Ref. über J. B. Flowers, 
Proc. Am. Inst. El. Eng. 85, 183.) Die wahre Natur der Sprache. 

Wolf, W., Schweiz. Elektrot. Ztschr. 14, 137, 147, 155, 163, 170, 179, 186. 
1917. Neuere Schutzvorrichtungen gegen Überspannung. 


(Eingesandt 23. Juni 1917.) 


Bücherbesprechungen. 


— 


Leitfaden der drahtlosen Telegraphie für die Luftfahrt von Max Dieck- 
mann, Privatdozent für reine und angewandte Physik an der Technischen 
Hochschule München. (Luftfahrzeugbau und -Führung Bd. XIII) X u. 
214 Seiten, 8° mit 150 Textabbildungen. In Leinwand gebunden M. 8.—. 


Entsprechend den Vorteilen, welche die Einrichtungen der drahtlosen 
Telegraphie der Praxis der Luftfahrt gewähren, wird der vorliegende Leit- 
faden auf großes Interesse rechnen dürfen. Da nur hinreichende Kenntnis 
der Elektrizitätslehre und insbesondere der Hochfrequenztechnik einen 
sicheren funkentelegraphischen Betrieb gewährleistet, erscheint es berechtigt, 
daß der Inhalt auch eine Darstellung der Gleichstrom- und Wechselstrom- 
technik, soweit sie zum Verständnis der Hochfrequenztechnik erforderlich 
ist, enthält. | 

Der mit zahlreichen instruktiven Abbildungen ausgestattete Band er- 
scheint auch als Lehrbuch der Funkentelegraphie allgemein aufs beste 
geeignet. 

Die einzelnen Kapitel behandeln: I. Die atomistische Auffassung der 
Elektrizität. II. Gleichstrom. III. Wechselstrom. IV. Der geschlossene 
Schwingungskreis. V. Der offene Schwingungskreis. VI. Die Strahlung. 
VII. Wellenempfindliche Anordnungen. VIII. Drahtlostelegraphische Systeme. 
IX. Zündungsgefahr. X. Die Bordstationen. XI. Orientierung und meteo- 
rologische Beratung. XII. Der Verkehr. 

Wir können das Werkchen unseres Mitarbeiters, der aus seiner reichen 
Praxis heraus den Gegenstand lebendig schildert, bestens empfehlen. Für 
eine event. Neuauflage wäre eine ganze Anzahl Druckfehler zu beseitigen, 
auch müßten nach dem Kriege die Beschreibungen der neuen Typen von 
Bord- und Flugzeugstationen samt den heute in solchen gebräuchlichen 
Elektronen-Verstärkern und anderes aufgenommen werden, um das ‚Buch 
nach der technischen Seite hin zu modernisieren. Eichhorn. 


` Bücherbesprechungen. 327 


Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. 1. Bd. Mit 5 farbigen 
Kriegskarten. Geheftet M. 11.50, in Leinen gebunden M. 14.—, 
in Halbfranz gebunden M. 16.—. (Deutsche Verlagsanstalt in 
Stuttgart). 

„Von großen Dingen soll man groß reden — oder schweigen!“ — 
Wenn einst die Zukunft nach diesem Wort Nietzsches über die durch den 
Weltkrieg hervorgerufene Literatur richten wird, so wird von der unge- 
heuren Menge von Büchern, Broschüren und Aufsätzen nicht allzuviel übrig 
bleiben. Unter den Werken über den Krieg aber, denen man schon heute 
mit aller Bestimmtheit dauernden Wert und Bestand zusprechen darf, wird 
dann Stegemanns Geschichte des Krieges mit an erster Stelle stehen. Denn 
sie ist des ungeheuren Stoffes würdig; sie „redet groß von großen Dingen“ 
— nicht etwa in großsprecherischer, pathetischer Weise, wohl aber in gründ- 
lichster Sachlichkeit dem Inhalt nach, und was die darstellerische Form 
betrifft, in vornehmer Ruhe, die doch die Ergriffenheit des Zuschauers vor 
schicksalsvollen Höhe- und Wendepunkten des Völkerringens nicht ver- 
leugnet und so dem Leser neben reichster Belehrung und Aufklärung auch 
sittliche Werte übermittelt. — Man wußte von Hermann Stegemann schon 
früher, daß er nicht nur ein feinsinniger Romanschriftsteller ist, sondern 
mit einem alles Dilettantische weit hinter sich lassenden Eifer und Ver- 
ständnis sich dem Studium der Kriegswissenschaften ergeben hat. Die 
schönste Frucht trug dies Studium, als Stegemann nach Ausbruch des 
Krieges im Berner „Bund“ mit seinen Betrachtungen über die Kriegsereig- 
nisse hervortrat. Der Aufenthalt in der politischen Hauptstadt eines neu- 
tralen Landes erwies sich dabei als äußerst günstig für die Beschaffung 
reichlichsten Materials von allen Seiten und für die Wahl eines recht ob- 
jektiven, sachlichen Standpunktes. So gewannen diese Betrachtungen bald - 
einen europäischen Ruf, und Stegemann erschien zum Verfasser einer groß- 
angelegten, zusammenfassenden Kriegsgeschichte wie vorausbestimmt. Daß 
er diese nun wirklich schreibt, und daß sie noch während des Krieges zu 
erscheinen beginnen konnte, sind zwei gleich erfreuliche Tatsachen — die 
zweite zugleich ein schöner Beweis für die Unbefangenheit und sichere 
Ruhe, mit der unsre leitenden militärischen Stellen schon heute eine objek- 
tive Erörterung der ersten Phasen des Krieges für die Öffentlichkeit frei- 
geben. Der erste Band enthält, außer. zwei einleitenden, in ihrer Knapp- 
beit vorzüglichen Kapiteln: „Aus der Vorgeschichte des Krieges“ und „Die 
militärische Lage Europas“, drei Hauptabschnitte, die den Krieg im Westen, 
den Feldzug in Ostpreußen, den Feldzug in Südpolen und Galizien, jedes- 
mal bis zum 15. September 1914 schildern. Als Anhang folgen wichtige 
urkundliche Belege in sorgfältiger Auswahl und Auszüge aus den die da- 
maligen Ereignisse unmittelbar begleitenden Betrachtungen zur Kriegslage, 
die Stegemann im „Bund“ veröffentlichte. Überaus klare und instruktive 
Karten ermöglichen es auch dem Laien, der Schilderung selbst verwickelter 
kriegerischer Operationen mit Verständnis zu folgen. Überhaupt ist die 
Darstellung bei aller fachmännischen Gründlichkeit durchaus in allgemein- 
verständlichem Ton gehalten, von großer Anschaulichkeit, belebter Farbig- 
keit und oft von wahrhaft dramatischer Kraft. Es sind Partien in dem 
Buch, die man mit fast atemloser Spannung liest, wie jene, die das gran- 
diose Ringen der Armee Kluck unter ihrem genialen Führer am Oureg, 


828 Bücherbesprechungen. 


oder die den Kampf um die Befreiung Ostpreußens nach dem Eintreten des 
von der Vorsehung gesandten „rechten Mannes“ auf den Kriegsschauplatz 
behandelt. Diese „Geschichte des Krieges“ von Stegemann (hier in der 
Schweiz scherzhaft „Strategemann‘ genannt) liest sich wie das Werk eines 
schriftstellerisch begabten Generalstäblers, das man geradezu als ein 
klassisches Erzeugnis bezeichnen kann. 


Zürich, Mitte August 1917. Eichhorn. 


(Eingesandt 15. August 1917.) 


Jahrbuch 


der 


drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


Band 12. 1917. Hett 4. 


Inhalt. 


Seite 
H. Wiesent, Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser. (Mit 
9 Figuren und 2 Kurven im Text und 1 Tafel) . . . . . . 880 


G. Vallauri, Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Tele- 
graphie benutzten Vakuumröhren mit drei Elektroden nn 


(Mit 18 Figuren im Text). . . 349 
Mitteilungen aus der Praxis: 

Eichhorn, Audion. (Mit 1 Figur im Text). . . 2 . . . . 898 

Drahtlose Telegraphie zwischen Kalifornien und Japan . . . . 400 
Patentschau: 

H. Eales. (Mit 18 Figuren im Text) . . 2 2. 2 2202020. 401 
Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. . . . . . 417 
Literaturverzeichnis. . . . 2 or m nenn. 418 
Bücherbespreehungen . . . . 2: 2 2m nn nn nenn nn. 421 


Manuskripte für das Jahrbuch sind an die Redaktion: Dr. G. Eichhorn in 
Zürich, Hauptpostfach 6123, zu senden. Zur Erleichterung der Be- 
richterstattung wird um Zusendung einschlägiger Sonderabdrücke und 
Mitteilung wichtiger Arbeiten für das Literaturverzeichnis gebeten. 

Abonnements und Inserate sind an die Verlagsbuchhandlung von M. Krayn, 
Berlin W. 10, Genthinerstraße 39 zu richten. 


Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12, 22 


330 H. Wiesent. 


Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser. 
Von H. Wiesent. 


(Auszug aus der Dissertation der K. Technischen Hochschule 

zu München.) 
Einleitung. 

Um Luftfahrzeuge, wie Freiballone, Luftschiffe und Flugzeuge, 
bei unsichtigem Wetter über die Gegend aufzuklären, über der sie 
sich befinden, benutzt man nach M. Dieckmann die Tatsache, daß 
die von einer ortsfesten (Land-)Station mit gleichbleibender Intensität 
ausgesandten Zeichen von einer beweglichen (Schiffs-, Luftfahrzeugs-) 
Bordstation um so kräftiger empfangen werden, je kleiner der Ab- 
stand zwischen den beiden Stationen ist. Durch die Kontrolle der 
Stärke der auf einer Bordstation empfangenen Zeichen nach der 
Parallelohmmethode!) oder mit dem Saitengalvanometer?) ist man in 
der Lage, Änderungen des Abstandes beider Stationen festzustellen. 
Aus dem Lautstärkeverhältnis der von mindestens drei lagenverschie- 
denen, ortsfesten Stationen empfangenen Zeichen, läßt sich ein Schluß 
auf das Verhältnis der Abstände der Bordstation von den ortsfesten 
Stationen und damit auf den Schiffsort selbst ziehen. 

Wird jedoch während der Orientierung die von einer der drei 
Stationen ausgesandte Welle stärker gedämpft, was z. B. durch Locke- 
rung einer Schwingungskreisverbindung leicht eintreten kann, so wird 
das von dieser Station ausgesandte Zeichen plötzlich nicht mehr so 
stark gehört und dadurch ein größerer Abstand vorgetäuscht. 

Es zeigt sich also hierbei das Bedürfnis, den Augenblickswert der 
Dämpfung der orientierenden Anlage ohne vorherige besonders aus- 
zuführende Messungen und Rechnungen festzustellen und zu über- 
wachen. 

Diesem Bedürfnis soll im Folgenden durch Konstruktion eines 
direkt zeigenden Dämpfungsmessers Rechnung getragen werden. 


1) M. Dieckmann, Drahtlostelegraphische Luftschifforientierung, 
Zeitschrift für Flugtechnik und Motorluftschiffahrt, 1911, Heft 23, 8. 1. 
..2) M. Dieckmann und F. Eppen, Mitteilungen des Luftschiffbau 
Zeppelin Friedrichshafen, Zeitschrift für Flugtechnik und Motorluftschift- 
fahrt, 1914, Heft 2, S. 1. l 


Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser 381 


Beschreibung der Methode, 


Bei dem Kurzschlußringdynamometer von Mandelstam und 
Papalexi!) hängt. in der mittleren Ebene einer flachen Spule S, 


(Fig. 1) aus wenig Windungen bifilar 
und konzentrisch mit S, ein Ring 
aus dünnem Aluminiumblech. . Kon- 
zentrisch mit S, und dem Ring be- 
findet sich in der zu S, senkrechten, 
durch die Drehungsachse des Ringes 
hindurch gehenden Ebene eine zweite, 
S, gleiche, flache Spule S.. Wenn 
die Induktanz des Ringes seinen Ohm- 


schen Widerstand weit übersteigt, so’ 


gilt folgendes: 

Schickt man durch ©, einen 
Strom å, so wird in dem Ring ein 
Strom i, induziert, der mit i, gleich- 
phasig und dessen Amplitude der- 


Fig. 1. 


Y 


. Fig. 2. 


1) L. Mandelstam und N. Papalexi, Über eine Methode zur Mes- 
sung von logarithmischen Dekrementen und Schwingungszahlen elektro- 
magnetischer Schwingungssysteme, Ann. d. Phys. 33, 490, 1910, 


22* 


339 H. Wiesent. 


jenigen von i, proportional ist. , übt aber kein Drehmoment auf 
den Ring aus, da Ring und ©, koaxial und parallel zueinander sind. 
Schickt man durch S, einen Strom i, so induziert i zwar keinen 
Strom im Ringe, da Ring und $, senkrecht zueinander stehen, übt 
aber auf den Ring ein Drehmoment aus, das proportional i,, also 
schließlich proportional ist 

f i idt. 

0 


Statt nun S,, wie Mandelstam und Papelexi getan haben, senk- 
recht zu S, durch die Achse von $, zu legen, stellen wir S, senk- 
recht zu 6, so auf, wie Fig. 2 zeigt. Jede der beiden Spulen ent- 
hält einen Kurzschlußring X, bzw. K,, deren Ebenen einen Winkel 
von 45° miteinander bilden. Beide sitzen auf ein und derselben Glas- 
achse, die in Spitzen läuft. Das Ringsystem befindet sich mechanisch 
im indifferenten Gleichgewichte, solange S| und S, stromfrei sind. 

Schickt man durch S, einen Strom i,, so induziert dieser im 
Ring K,, der nicht eben senkrecht zu S, und auch nicht koaxial 
mit S, zu stehen braucht, was im Notfall durch eine Erschütterung des 
Ringsystems bewirkt werden kann, einen Strom i,, der, da die In- 
duktanz des Ringes seinen Ohmschen Widerstand weit übersteigt, 
gleichphasig und proportional i, ist. Beide Ströme üben auf den 
Ring ein 


fie: 
0 


proportionales Drehmoment aus. 


Schickt man durch S, einen Strom i,, so induziert dieser im 
Ringe Ä,, der ebenfalls nicht eben senkrecht zu S, und auch nicht 
eben parallel dazu stehen soll, einen Strom ig. Und mutatis mutandis 


wird auf den Ring ein 


firat 


0 
proportionales Drehmoment ausgeübt. 

Schickt man gleichzeitig durch S, einen Strom i, und durch ®©, 
einen Strom t,, so wirken die beiden Drehmomente einander entgegen 


und die endliche Gleichgewichtslage des Ringsystems ist wegen der 
gleichen Dimensionen in beiden Spulen durch eine Verdrehung be- 


Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser. 3833 


stimmt, die proportional 


(e o) 


farat: fiat 
0 (0) 


Trifft man nun die Anordnung so (vgl. S. 336), daß die Ein- 
stellung des Ringsystems proportional 


y = Per : J’, er 
ist, so kann bei konstant gehaltener Verstimmung x ohne weiteres 
auf die Dämpfung geschlossen, oder wenn die Skala des Apparates 


gleich in Dämpfungsbeträgen geeicht ist, die, „Daimpfung sofort, ab- 
gelesen werden. 


Die Theorie des ewigen | 
Die magnetische Energie im Spulensystem 1, das aus der Spule S, 
und dem Kurzschlußringe K, besteht, sei W,. Dann gilt: 


a ce 1_. 
W, = Lish i + 5 bı ns z Ps ig 

Darin ist: | | 

L, der Selbstinduktionskoeffizient des Kurzschlußringes K), 

L der der Spule $,, 

b, der wechselseitige Induktionskoeffizient zwischen Spule &, 

und Ring K, 

ù der Strom in $,, 

i der Strom in K, Ä | 

é sei nun die Zahl der Kiirsisniadhhgen in der Sekunde, 
Dann ist das Spulensystem 1 auf den Kurzschlußring ausgeübte Dreh- 
moment ®, gegeben durch die Beziehung: 


Rn 


am 
D, -a | (h 
(9) 


- Darin sind bei der Differentiation nach œ, dem Drehungswinkel, 
die Ströme i als von œ unabhängig anzusehen (1. Annahme: œ klein). 
Es gilt also 


| Ferner soll 


884 | - H. Wiesent. 


sein, d. b. die Rückwirkung des Kurzschlußringes auf die Spule soll 
vernachlässigt werden können (Annahme 2) und auch vom Einfluß 
des Widerstandes des Kurzschlußringes soll abgesehen werden können 
(Annahme 3). 


Dann wird: 


gefen 


0... 


D, =- 5,4 


Dud entsprechende Soreni und Annahmen für das 
andere Spulensystem 2, das aus der Spule S, und dem Kurzschluß- 
ring K, besteht, ib sich, wenn 

L,, der wechselseitige Induktionskoeffizient zwischen ie S, und 

Ring K,, 

L, der Selbstinduktionskoeffizient der Spule s, 

L, der des Ringes R,; 
der Strom in S,,. 

&, die Entladungszahl ist, 
für das von © und K, ausgeübte Drehungsmoment Ð, : 

5 La, å Las i? 
Dd,=-5,7 EG a, dt 
wenn f der Winkel ist, um den K, sich gedreht hat. 

Die Ruhelage der beiden starr miteinander verbundenen Kurz- 
schlußringe W, und K, wird dann, da jedes weitere Drehungsmoment 
aufgehoben sein soll, gegeben durch die Bedingung: 


DHD =0 
Diese lautet — ausführlich geschrieben — unter der Berück- 


sichtigung, daß L, = L, bei der Konstruktion des Apparates ge- 
macht wird. 


| DER... 
-6 ge [arm Se fatat 
0 (8) 


Setzen wir nun!) 


L, = L, cos p und 
Las == Lı cos WY 


1) Vgl. E. Cohn, Das elektromagnetische Feld. Leipzig 1900, S. 274. 


Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser. 835 


worin L, und L, der Maximalwert von Lig bzw. L,, sein soll, der 
erreicht wird, wenn Spule und Kurzschlußring koaxial sind, und @ 
und % die Winkel zwischen Kurzschlußring und zugehöriger Spule 
bedeuten, und machen wir L, = D, = L bei Konstruktion des Ap- 


parates, so gilt: 


=g 
oder 
gi 
$. 
“1S, 
Bi 15 Fig. 3. 
Fig. 8 zeigt nun den ‘Apparat von oben ae ‚Wir ent, 
nehmen ihr: 
| B=-« 
P= fota 
P = YP — « 


p =45— y 


386 H. Wiesent. 


worin p, und Wo die Anfangelago des Ringsystems nn und er- 
arten: weiter: 


af 4 2di 
— = — cotg29@ 


u 
0 


Wir verbinden nun sowohl $,, als auch S, je mit einem Dreh- 
kondensator von gleicher Form und einer Koppelungsspule von glei- 
chen Ausmessungen. Diese beiden so gebildeten Kreise von genau 
gleichen Dimensionen werden nun mit dem Sehwingungskreis, dessen 
Dekrement gemessen werden soll, gleich stark rein magnetisch gekop- 
pelt. Der S, enthaltende Kreis wird mit ihm in Resonanz gebracht, 
der S, enthaltende um den Betrag x verstimmt. Es gilt dann 


ze 
= — cotg2% 


afia i2dt 


Erinnern wir uns, da8 man durch die Bekrecktnng der für die 
in einer Sekunde in einem Drahte von wirksamen Widerstande R ent- 
wickelte Wärmemenge gewonnenen Beziehungen!) erhält: 


Jg = 1 fea g feat 
0 0 


worin 
wi sin = und d< 2a, 
so gilt: 
Jar 
y = Tr = — cotg 2 p 


Nun aber wissen wir weiter?), daB unter der Voraussetzung, daß 


extrem lose gekoppelt ist und die Versimmung x = 1 — E worin 
— nn nn r 

1) Vgl. J. Zenneck, Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie, 2. Auf- 
lage, S. 82 und 88, 1918. 

2) Siehe J. Zenneck, Lehrbuch -der dabHogan Telegraphie, 2. Auf- 
lage, Leipzig 1913, Tabelle XI. 


Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser. 837 


N die jeweilige Frequenz bedeutet, der Bedingung x < 1, ebenso die 
Summe der Dekremente der zu beobachtenden Anlage d, und des 
Dämpfungsmessers d, der Beziehung b, +d, < 27 ae die 
Gleichung besteht: 3 


Es gilt also | 
— cotg 2 p cotg (180 — 2 q) 
= 2 = 2n: SERASA 
a m Va nn - 
oder 


1 
u | asasi ST 1 

Ist d,, die Dämpfung des Dämpfungszeigers, ein für allemal be- 
stimmt, dann kann man — gleiches x vorausgesetzt — d,, das Dekre- 
ment der Anlage, aus @ leicht ermitteln oder, wenn die Skala ent- 
sprechend geeicht ist, ohne weiteres ablesen. 

Bei den bisherigen Entwickelungen wurden verschiedene 

Annahmen 
gemacht: 

Annahme 1, daß œ klein sein soll, kann ohne weiteres übersehen 
werden; denn wäre & zu groß, so könnte das Kurzschlußringsystem 
vorher durch Klopfen am Apparat in eine geeignetere Lage gebracht 
werden; zudem spielt œ in den Eudformeln keine Rolle. ` 

Das, was Annahme 2 und 8 erheischen, sind konstruktive An- 
ordnungen, auf die später Rücksicht genommen wird. 

DaB ọ¢ + y = 45° gewählt wurde, hat seinen Grund in der 
leichteren Fortsetzung der Berechnung, weil dann 2w anfach zu 
90 — 29 wird. 

Aber es muß erwähnt werden, daB K, nicht L K, gemacht 
werden darf, wobei @ stets = w wäre, und daß auch œ + nicht 
= 90° (K, .K,) sein kann. In beiden Fällen liefert die Theorie 
nämlich | Va zz badi 


afi 2dt: E 2dt=— 1 d.h. = — sing, 
0 
worin & den konstanten Wert 90° besitzt, und das Experiment zeigt, 
daß sich ohne Unterschied auf das herrschende Kräfteverhältnis im 
Falle K, L K, jeder Ring | zu seiner Spule stellt, im Falle K, | K, 
aber die Ringe sich {| zu der repas Wi die ee en Energie 
enthält. | 


338 -H Wiesent. 


Im Falle K, L K, ist dies leicht aus Fig. 4 zu ersehen. Das 
Kurzschlußringsystem wird von beiden Spulen in demselben Sinne ge- 
dreht, bis X, L S und damit auch X, 1 6, ist, und zwar spielt. für 
diese Einstellung die Größe der ikeanen Drokmonmente keine Rolle. 


N, ur N. f 


Ra mag 2G 


K, wer, 


>H mogt 


Fig. 4. 

Es ist in diesem Falle Po = Wo: & = P, p = y, so dab die 
Gleichung 7? o 
| g farat 

0 ER _ sin 2 
& sin? 
& firar 
0 
übergeht in Pi 
: E, f 2dt 
10) e — 
-— =— sing 


p firas 


wenn: @ den konstanteh a 900 besitzt. 
Im Falle K || Æ, erhält man dieselbe Beziehung, da, wie Fig. 5 
zeigt, eh, 
| Y=, P= Pote . 
| y = 90 — ọ E. | ist. 
Doch ist es nötig, um diesen Fall genau. einzusehen, den Verlauf 
des von einer ‘der Spulen auf den zugehörigen Ring ausgeübten Dreh- 
momentes für verschiedene Werte von ọ zu untersuchen. | 


Über einen dirckt zeigenden Dämpfungsmesser. 389 


Es ist. beispielsweise nach dem Vorausgehenden: 


Da Alaa fga 
= — E 13 213 i 
D, A L, de, “d 


Setzen wir!) 


Fa pe 
feu- A5 
0 


wobei A und d aus der Beziehung 


wet 9 
| hn=4Ae sin — 
verständlich werden, und 
Ve 
noeh T 
ist; und ersetzen wieder 
3 d Lis _ 1 dL 
13 du 2 dæ 
durch 
| 1 d (L? cos? p) re 
| 7 Tu L’ sin 2 o 
so gilt: 
-— EL : 
D, = — A sin? o 
; ! 8NL d 


1) Vgl. E. Cohn, Das elektromagnetische Feld, Leipzig 1900, 8. 274. 


340 H. Wiesent. 


67 L. -i als konstant anzusehen ist, setzen wir dafür m, 


und a D, = — m, aay 


Analog ergibt sich für Ð, die Beziehung 
D, = — m, sin2 y 
m, soll < m, sein, weil A, < A, infolge i < i sein möge. 


> 


E 


Fig. 6. 


Aus Fig. 6 ist zu ersehen: 

Stets wirkt auf das Ringsystem ein Drehmoment ® im Sinne 
des Drehmomentes, das von der mit stärkerem Strom durchflossenen 
Spule herrührt und gegeben ist als 

D=D +D, 
und nur für y = 0° odr y= 90° gleich Null wird (Ruhelage). 

g = 0° ist aber eine labile Gleichgewichtslage, die nicht mehr 
erreicht wird (m, < m, vorausgesetzt), sobald p, = 0° war. 

Also ist @ = 90° endgültige Binstellung für i >i, 

p = 0° dagegen h L iz 

Allerdings gilt das alles nur dann, wenn zu D, mad D, koin 
weiteres Drehmoment ®, (etwa von kurzer Fadenauf hängung her- 
rührend) vorhanden ist. 

Dann wäre nämlich die Bedingung für die Ruhelage 

D +D,+D, = 0 
und es könnte K, 1 K, oder K, || K, sein. 


Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser. 341 
Endlich haben wir noch die Beziehung 


Be fèar 
V 


für den Fall 
u e D 
i= 4e sin — t undd< 27 


eingeführt, d. h. angenommen, daß eine gedämpfte Schwingung vor- 
liegt, deren Amplitudenkurve eine Exponentialkurve ist. 

Damit ist keineswegs der Fall starker Funkendämpfung aus- 
geschlossen, in dem die Amplitudenkurve eine Gerade ist. 

Ist nämlich i 


2 
isas sisin sr und a< 1 


so ist 
t/a 


Dits | (qatt j=1,2. 
v0 


Und mit Hilfe der Beziehung!) 
tja 
i PEEN- f dt 
U 
gelangen wir zu derselben Endformel. 


Meßanordnungen. 


Spulen S, und S, sind Kreiszylinderspulen von je 86 Windungen 
Litzendrahtes, aus dem auch, um das Joulesche Dekrement des Zeiger- 
kreises herabzudrückeu, alle Verbindungsleitungen und die Koppelungs- 
spulen dieses Kreises bestanden. Der Innenraum der Spulen hat eine 
lichte Weite von 10 cm Durchmesser. Die Kurzschlußringe bestehen 
aus 0,09 mm dickem Messingblech. Ihr äußerer Durchmesser beträgt 
9,5 cm, der innere 7,5 cm. Die Ringe sind da, wo sie auf der Achse 
sitzen, ein wenig aufgeschlitzt und nach Art der sogenannten Wind- 
fünge der Weckeruhren auf ihr befestigt. Die Glasachse hat eine 
Stärke von 2,2 mm. An ihre beiden Enden sind Spitzen angeschliffen, 
die in verstellbaren Messinglagern laufen. 


1) Vgl. E. Cohn, Das elektromagnetische Feld, Leipzig 1900, S. 274. 


842 | H. Wiesent. 


Der Apparat braucht ungefähr 10 Watt (gemessen mit einem 
Rießschen Luftthermometer!), das mit Gleichstrom geeicht wurde. 

Ehe zu der eben beschriebenen Ausführung geschritten wurde, 
wurde eine Reihe von Spulen mit verschiedenen Windungszahlen in 
ihrer Wirkung auf verschiedene Ringarten untersucht. Dabei wurde 
„folgende Anordnung benutzt. Die Spule wurde mit einem variablen 
Kondensator und einem Hartmann und Braunschen Wattmeter, auf 
dem noch Beträge von 0,001 Watt mit Sicherheit abgelesen werden 
konnten, zu einem Kreise vereinigt, mit einem weiteren Schwingungs- 
kreis in Resonanz gebracht und auf Wattverbrauch und Rückwirkung 
des Ringes auf die Spule untersucht. 


' hohl | hohl 
(iom) 2 Smis OEN \/ 


= 
= 
E=] 


Fig. 8. 


Fig. 9. 


Bei den Spulen zeigten natürlich Spulen mit mehreren Windungen 
(in einer Lage!) sich günstiger als solche mit wenig Windungen. 

Von den Ringen zeigte ein toroidförmiger Ring von einem in 
Fig. 7 gezeichneten Querschnitt ganz deutliche Rückwirkung. Ringe 
vom Querschnitt der Fig. 8 waren weit unempfindlicher als die 
schließlich benützten, in Fig. 9 abgebildeten. Doch dürfen auch 
diese Ringe nicht zu breit sein. | | 

Es zeigte sich vorteilhaft, diese Ringe möglichst leicht zu machen. 
Die Glimmerisolationsringe der Plattenfunkenstrecke der Gesellschaft 
für drahtlose Telegraphie?) geben, mit Staniol überzogen, sehr brauch- 
bare Kurzschlußringe. | 

Zur systematischen Hauptmessung wurde die in a Fig. 10 gezeich- 
nete Anordnung und beide Dämpfungszeiger der Reihe nach benutzt. 

Ein A.E.G.-Gleichstrommotor, mit dem starr ein Drehstrom- 
dynamo gekuppelt war, wurde mit 110 Volt und 6 Amp. der Stadt- 


1) Vgl. F. Braun, Drahtlose Telegraphie durch Wasser und Luft, 1901. 
2) Graf Arco, Jahrbuch für drahtlose en und i Telephonie 4, 
79, 1910. | 


Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser. 848 


leitung gespeist. Zwei Bürsten des Drehstromdynamo lieferten mit- 
sammen verbunden Wechselstrom von 76 Perioden (gemessen mit einem 
Resonanzfrequenzmesser System Hartmann-Kempf von Hartmann und 
Braun,: A.-G. Frankfurt am Main, 45—90 Polwechsel, mittels Trans- 
positionseinrichtung 45—90 Perioden; 50—230 Volt. Durch einen 
Hochspannungsumformer hindurch wurde die Löschfunkenstrecke, eine 
Plattenfunkenstrecke der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mit 
280 Watt betrieben (gemessen mit dem Rießschen Luftthermometer, 
das vorher mit Gleichstrom geeicht wurde). 

Der Primär-(StoßB-)Kreis enthielt außer der Funkenstrecke eine 
Kapazität aus Leydener Flaschen von je 2400 cm Kapazität, wobei 
durch Parallelschalten maximal etwa 7200 cm erzielt werden konnten, 
ferner eine veränderliche Selbstinduktion (maximal 46000 cm) und eine 
Koppelungsschleife I, mit der unser Dämpfungsmesser statt, wie in 
Taf. I, Fig. 10 gezeichnet, mit dem Sekundärkreis auch mit dem Pri- 
märkreis gekoppelt werden konnte. 

Der Sekundärkreis (gestoBener Kreis) enthielt außer der zum Ab- 
stimmen nötigen veränderlichen Kapazität und Selbstinduktion eine 
Koppelschleife und einen elektrolytischen Widerstand, mit dem die 
Dämpfung des Kreises ohne gleichzeitige Frequenzänderung variiert 
werden konnte. Er war stets mit dem Stoßkreis über wenig Selbst- 
induktion direkt gekoppelt. 

Von unserem Dämpfungsmesser war jede der beiden gleich- 
dimensionierten Spulen Sı und S, mit einem Drehplattenölkondensator 
und einer Koppelinzeschläife von es denselben Abmessungen verbunden. 
Die Kondensatoren waren geeicht, um leichter bestimmte Verstimmungen 
herstellen zu können. Ihr Dielektrikum war Paraffinum liquidum 
flavum, s = 0,856, & = 2,23 bei 18° C. 

Dämpfungsbeträge und Wellenlängen wurden mit einem geeichten 
Wellenmesser der luftelektrischen und drahtlos-telegraphischen Versuchs- 
station Gräfelfing in Verbindung mit einem Hartmann und Braun- 
schen Hitzdrahtwattmeter, auf dem Beträge von 0,001 Watt noch mit 
Sicherheit festgestellt werden konnten, gemessen. Die Eigendämpfung 
des Wellenmessers wurde vorher mittels Zusatzwiderstand (Konstantan- 
draht von 0,1 mm!) Durchmesser) bestimmt und gefunden zu: 


0,0195 bei Spule I 
0,0117 bei Spule II 
0,0119 bei Du III. 


—- m je — 


1) Vgl J.Zenneck, Labuh der drahtlosen en Tabelle VIII. 


344 H. Wiesent. 


Meßergebnisse. 


Es wurden nun mit dem Dämpfungszeiger bei systematisch 
variierter Koppelung, Wellenlänge, Verstimmung und Dämpfung eine 
Reihe von Messungen ausgeführt und nach der alten Methode nach- 
geprüft und überwacht. 

Es ergab sich hierbei folgendes: 

Der Grad der Koppelung ist unter sonst gleichen Umständen 
obne Einfluß auf die Einstellung des Ringsystems. Als Grenzen für 
den Grad der Koppelung dienen die folgenden Sätze: 

Die Koppelung darf nie so fest sein, daB eine doppelgipfelige 
Resonanzkurve erhalten wird. Jedoch muß sie andererseits so stark 
sein, daß die Ruhelage des Ringsystems deutlich und eindeutig auf- 
gesucht wird. Hierzu brauchte der Apparat etwa 5—6 Watt bei 
280 Watt im Primärkreise. Am besten ist also mittellose Koppelung. 

Für den Einfluß der Wellenlänge ergab sich: 

Die Größe der Wellenlänge ist bei gleicher prozentualer Ver- 
stimmung ohne Einfluß. Verwendet wurden Wellenlängen von 320 m 
bis 1270 m. 


Die folgenden Tabellen geben die Resultate wieder: 


Tabelle I. 
Dämpfung des ae 2. dr = 0,02 
Verstimmung . . = ae Tegi 
2 Nach der Abweichung 
no en ò = Schlußformel nen Diffe-| in °/, des 
5 laseb d, +ò, | berechnete renz | berechneten 
in m ge 9: Einstellung & p Wertes 
320 0,62 | 0,64 64° 41’ | 64, 5 0,13 
320 0,25 0,27 57° 5 57,0 | 5 0,15 
320 0,04 | 0,06 46° 6 46,00 | 6 0,22 
870 0,63 ! 0,65 64° 46’ 64,8° 2’ 0,05 
870 0,21 ' 0,23 55° 12’ 55,3° 6 0,19 
870 | 004 0,06 46° 6 46,0° | € 0,22 
1270 0,70 : 0,72 650 34° 65,504 0,10 
1270 | 0,28 -0,30 58° 19’ | 58, 30 l r 0,03 
1270 | 0.05 ; 0,07 46° 30’ ; 46, ‚50 0’ — 


Diese Tabellen zeigen, daß noch Dämpfungsänderungen vom Be- 
trage 0,01 konstatiert werden können. 


1) Die in diesen Reihen angegebenen Werte sind die Mittelwerte von 
Beobachtungen. 


Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser. 845 


Tabelle II. 


Dämpfung des Apparates . . . d, = 0,02 
Verstimmung.. . . . .. a. 1:7 
Wellen- | Dämpfung = Abge- | n; Abweichung 
länge A | der An- | p° 7, | Berechnet | lesen |Diffe-| in %/, des 
i lage b 1+0 p renz | berechneten 
in m 1 Q Wertes 
820 0,62 0,64 54° 19’ 54,30 | r 0,08 
820 0,25 0,27 47° 23° 47,3° 5’ 0,18 
320 0,04 0,06 45° 8 45,10 | X 0,07 
870 0,68 0,65 34° 29’ 54,59) r. 0,03 
870 0,21 0,23 46° 46’ 46,8° 2’ 0,07 
870 0,04 0,08 45° 8 45,10 | 2 0,07 
1270 0,70 0,72 550 92’ 55,50 | X 0,06 
1270 0,28 0,30 47° 58° 48,0° | 7 0,24 
1270 0,05 0,07 45°11 45,2 rl’ 0,04 


Ein Vergleich beider Tabellen läßt ersehen, daß bei einer Ver- 
stimmung von 1:7 die Dämpfungsänderung von 0,04 auf 0,05 
durch 0,1°, bei einer Verstimmung von 1:21 aber durch 0,5° Zeiger- 
verschiebung registriert wird; während die beiden Verstimmungen die 
Dämpfungsänderungen von 0,64 auf 0,65 durch 0,2° Ausschlags- 
änderung sich anzeigen. 

Tabelle IH. 


Verstimmung |  _ Wertvong ne 
x für d = 0,05 | für d = 0,04 

0,005 62°49 | 605%  ; 15y 

0,0075 58054 |! 5622 | 28X 

0,009 56°51 0 5818 | W8 

0,01 55036 | 580 8 28g 

0,015 51° 13° 49020 1058 

0,02 48059 |  4T8g Pr 

0,05 450 43’ | 45° 28’ | 15’ 

Tabelle IV. 

Verstimmung | Wert vn o č _ Ai 

Rn für b = 0,25 | für d = 0,24 


Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12.. 23 


346 H. Wiesent. 


Dies legt den Gedanken nahe, daß für jede Dämpfungsänderung 
je nach der Größe der Dämpfung ein Optimum der Verstimmung 


existiert. 
Besonders deutlich zeigen dies die Tabellen III und IV. 


Auf Grund dieser Tabellen ergeben sich die folgenden Kurven: 


D = 0,25 -- 0,24 


N 


90°0 |— 


| | 
o zsceo = < = o 
ee $ = 
2 czo D D D 
Se g S 3 z 5 
‚ 


X > 


Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser. 847 


Es läßt sich übrigens auch rechnerisch genau zeigen, wo für 
jeden Betrag der Dämpfung eine derartige Optimumverstimmung liegt. 
Nach unserer Schlußformel ist 


i 
u 1 — 


oder 
4n?x? 
180 — 29 = arctg | + 1) 
= 1 P 
p = 90 — z arctg (z +1) 
wobei | 
ER DNL 
D 
4n? «9 
dag 1- 2z da č * ç č č 
ad 21+(1 +2224) 16n’zt 8ra?x? 
a 
Für die Optimumverstimmung muß sein 
d? p dP >o 
dddx de 
worin 
dp _ ax? 
P = Ib car+barr? 
wenn 
4n? 8 n? 16 n* 
a a 


dp  (cxt+ bzr? + 2)2ax— ax?’ (4cx*+ 2bz) 
dæ (ext + bx? + 2} 


Zähler = 0 gesetzt, liefert für die Optimumverstimmung 


b4 
A 
= 8n* 
oder 
dp 2 / 
L = — % = d. 0,18927 
2n 
oder rund | 


23” 


348 H. Wiesent. Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser. 


Dadurch erhalten wir, daß die Kurve, die den Zusammenhang 
zwischen Dämpfung und ÖOptimumverstimmung gibt, eine Gerade 
sein muß. | 

Endlich muß noch erwähnt werden, daß der Wert, den A @ bei 
der Optimumverstimmung besitzt, mit wachsendem b erst rasch, dann 
immer langsamer abnimmt, was die folgende Kurve zeigen will. 


x 


"I BPL 


"mM uyg ur uivsy 'W uoa 60749 4 


"YU9soOIM H 


‘OT 3A 


ST pq ‘oruogdeje], pun ordeo], uasoTjysıp I9p yanqugef 


aaea „Google 


G. Vallauri. Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen usw. 849 


Zusammenfassung. 


Es wird ein direkt zeigender Dämpfungsmesser angegeben, der 
gestattet, Änderungen des logarithmischen Dekrementes im Bereiche 
von 0,75 bis 0.04 festzustellen. Änderungen im Betrage von 0,01 
sind noch erkennbar und für mittlere Werte mit einer Genauigkeit 
von 0,2°/, festzustellen. So kann man eine Anlage überwachen, obne 
ihr zuviel Energie zu entziehen. 

Der Dämpfungsmesser beruht darauf, daß zwei unter 45° gegen- 
einander geneigte, miteinander starr verbundene Kurzschlußringe, von 
denen der eine durch eine mit der Anlage in Resonanz befindliche 
Spule, der andere durch eine zu dieser senkrechte, um einen gewissen 
Betrag verstimmte Spule beeinflußt wird, eine Ruhelage aufsuchen. 

Dabei befindet sich das Kurzschlußringsystem vollständig im in- 
differenten Gleichgewicht. 

Bei konstant gehaltener Verstimmung ist die Ruhelage nur durch 
den Dämpfungswert bedingt, jedoch unabhängig von Koppelung und 
Frequenz. 

Zu jedem Dämpfungsbereich wird ein Optimum der Verstimmung 
angegeben zu etwa !/, des Betrages der Gesamtdämpfung. 

Seine Wirkungsweise ist theoretisch skizziert und praktisch 
geprüft. 

(Eingesandt 19. Oktober 1916.) 


Adresse des Autors: Dr.H. Wiesent, Assistent a d. k. Universität 
(Laboratorium Prof. Graetz), München. 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie 
benutzten Vakuumröhren mit drei Elektroden (Audion). 


(Sul funzionamento dei tubi a vuoto a tre elettrodi (audion), 
usati nella radiotelegrafia.) 


Von 6. Vallauri. 


Inhaltsübersicht: x$ 1—3. Allgemeines über das Audion. — 88 4—8. 

Charakteristiken des Audions. — 8$ 9—11. Der Audionverstärker. — 

83 12—19. Der Audionerreger mit magnetischer Koppelung. — 88 20—28 

Der Audionerreger mit elektrischer Koppelung. (Ultraudion). — 83 29—38. 
Der Audiondetektor. — $ 34. Zusammenfassung. 


3850 G. Vallauri. 


Allgemeines über das Audion. 


$ 1. Die Verwendung der Vakuumröhren in der Technik der draht- 
losen Nachrichtenübermittelung nimmt beständig an Verbreitung zu. 
Der größte Wert dieser Geräte besteht in ihrer Fähigkeit, gleichzeitig 
oder für sich allein drei verschiedene Funktionen auszuüben, nämlich: 
1. die eines Empfängers, indem sie die oszillatorischen Ströme in 
gleichgerichtete umformen; 2. die eines Verstärkers, insofern sie 
einen veränderlichen Strom in einen anderen umformen, der sich nach 
demselben Gesetze, aber mit größerer Amplitude, ändert; 8. die eines Er- 
regers, indem sie Gleichströme in kontinuierliche oszillatorische Ströme 
umformen. Auf Grund dieser Eigenschaften bilden die Vakuumröhren 
heutzutage die vollkommenste Gruppe von Empfangsgeräten in der 
drahtlosen Telegraphie und Telephonie. Auch als Sendergeräte scheinen 
sie dazu bestimmt zu sein, eine immer ausgedehntere Anwendung zu 
finden, nachdem die technischen Schwierigkeiten, die der Wirkung der 
Vakuumröhren für beträchtliche Leistungen noch im Wege stehen 
nach und nach beseitigt sein werden. | 

Die wertvollen Eigenschaften der in der drahtlosen Telegraphie 
angewandten Vakuumröhren stehen in engem Zusammenhange mit 
einem grundlegenden charakteristischen Merkmal, das allen Ausfüh- 
rungsformen gemeinsam ist. Dieses Merkmal besteht in der Verwen- 
dung von drei Elektroden, nämlich: 1. einer zum Glüben gebrachten 
Kathode, die zumeist aus einem von einem elektrischen Strom durch- 
flossenen Drahte besteht; 2. einer kalten Anode, die für gewöhnlich 
die Gestalt eines ebenen oder zylindrischen Bleches oder einer Platte 
besitzt, und 3. einer Hilfselektrode, die fast immer zwischen die 
beiden anderen Elektroden eingeschaltet ist und die Gestalt eines 
Rostes oder Gitters hat, und für die Eccles!) zweckmäßig den 
Namen Regelungselektrode oder Kontrollelektrode vorgeschla- 
gen hat. | 

Die Vakuumröhren mit drei Elektroden pflegt man im allgemeinen 
nach dem Vorschlage von de Forest mit dem Namen Audion zu 
bezeichnen, um ihre Detektorwirkung in Erinnerung zu bringen, wäh- 
rend Langmuir für sie den Namen Pliotron eingeführt hat, der 
auf ihre Verstärkerwirkung hinweist, und während andere Verfasser 
den Namen Ventilröhren anwenden, der bereits für ältere Aus- 


1) W. Eccles, Recent patents in radiotelegraphy and radiotelephony. 
The Electrician 77, 595, 1916. 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 351 


fübrungsformen mit nur zwei Elektroden in Gebrauch ist, und durch 
den ihre Gleichrichterwirkung ausgedrückt werden soll. 


82. Vom physikalischen Gesichtspunkte aus betrachtet, gründet 
sich die Wirkungsweise des Audions hauptsächlich auf die Erschei- 
nungen der thermionischen Emission und auf jene, welche den Durch- 
gang der Elektrizität durch verdünnte Gase begleiten. Eine wertvolle 
Untersuchung über das Audion von diesem Gesichtspunkte aus hat 
Langmuir?) veröffentlicht. 

In der Hauptsache kann man sich von der Wirkungsweise des 
Audions eine qualitative und grobe Vorstellung bilden, wenn man 
einfach den Strom betrachtet, der zwischen der Anode und dem Drahte 
übergeht, und dabei beachtet, daß dieser Strom durch die Spannung 
geregelt (oder, wie man sagt, kontrolliert) wird, die man zwischen 
Rost und Draht anlegt, und die man deshalb Regelungsspannung 
oder Kontrollspannung nennt. Der Rost wird nämlich infolge 
der an ihn angelegten Spannung wie ein Ventil oder ein Hahn wirken, 
der den Durchgang für den Strom zwischen Anode und Draht mehr 
oder minder weit Öffnet. Diese qualitative Darstellung genügt indessen 
nicht, um mit ausreichender Klarheit das Verhalten des Audions in 
jeder einzelnen der sehr zahlreichen Schaltungsweisen zu erklären, die 
dafür vorgeschlagen und zum Teil angewandt worden sind. Und noch 
weniger genügt sie, um die Eigenschaften dieser Schaltungen voraus- 
zusagen und miteinander zu vergleichen, und um sie zu den Charakte- 
ristiken der Audionform in Beziehung zu bringen, die man jeweils 
anwenden will. 

Der Zweck der vorliegenden Untersuchung besteht darin, eine 
angenäherte analytische Darstellung von der Wirkungsweise des Audions 
zu geben, eine Darstellung, die dazu dienen soll, sich eine weniger 
unvollkommene Vorstellung, wenn auch nicht vom Wesen, so doch 
von der Art und Weise des Vorganges zu geben, sowie von dem Ein- 
flug der einzelnen veränderlichen Faktoren, von den kritischen Be- 
ziehungen zwischen ihnen und von den Eigenschaften der verschiedenen 
angewandten oder vorgeschlagenen Schaltungsweisen in ihrem Verhält- 
nis zueinander. Dabei soll zunächst ein Versuch einer physikalischen 
Theorie für die Wirkungsweise des Audions gänzlich beiseite gelassen 
werden. 


1) J. Langmuir, La pura scarica elettronica e le sue applicazioni 
alla telegrafia ed alla telefonia senza fili. L’Elettrotecenica 2, 714, 1915. 


352 - . G. Vallauri. 


& 3. Das Verhalten eines Audions hängt vor allen Dingen von 
seinem geometrischen und physikalischen Bau ab, nämlich von der Ge- 
stalt, den Abmessungen und der gegenseitigen Anordnung der Elektroden, 
ferner von ihrer Natur, sowie von der Art und dem Verdünnungsgrade des 
in der Röhre enthaltenen Gases. Auf diesen Elementen beruhen die Unter- 
schiede zwischen den zahlreichen Ausführungsformen der Vakuumröhren 
mit drei Elektroden, die heutzutage von vielen Fabriken hergestellt 
und in der drahtlosen Telegraphie benutzt werden. Bei einem ge- 
gebenen Audion ändert sich das Verhalten seinerseits mit dem Maße 
des Glühens der Kathode; aber auch dieser Faktor bleibt für gewöhn- 
lich bei gegebenen Wirkungsbedingungen konstant, so daB man ihn 
unberücksichtigt lassen kann, wenn man die Art und Weise, wie sich 
der Zustand des Audions während der Wirkung selbst ändert, zum 
Gegenstande der Untersuchung machen will. 


Fig. 1. 


Betrachten wir beispielsweise eine Schaltung wie die in Fig. 1 
dargestellte, wo b die Audionröhre, a die Anode oder das Blech, c die 
Regelungselektrode oder den Rost und f die glühende Kathode oder den 
Draht darstellt, so können wir, wie ersichtlich, im allgemeinen zwei äußere 
elektrische Kreise, abgesehen vom Heizkreise des Drahtes, betrachten. 
Von diesen beiden äußeren Kreisen ist im Falle der Fig. 1 der eine 
zwischen Draht und Anode, der andere zwischen Draht und Rost ge- 
schaltet. Jeden einzelnen dieser beiden Kreise könnte man durch einen 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 358 


zwischen Anode und Rost geschalteten Kreis ersetzen, indem man mit 
Hilfe einfacher algebraischer Beziehungen von dem Ausdruck für Span- 
nung und Stromstärke in dem betrachteten Paar von Stromkreisen zu 
dem entsprechenden Ausdruck für das neue Paar übergeht. Man 
braucht indessen nur einen der drei möglichen Fälle zu betrachten, 
beispielsweise den der Fig. 1. In diesem Falle enthält der rechte 
Kreis, der zwischen Anode und Draht eingeschaltet ist, eine regelbare 
anodische EMK. e, welche einen Strom i, speist und eine Spannung v, 
zwischen Anode und Draht aufrecht erhält. Der linke Kreis hingegen 
-ist zwischen Rost und Draht geschaltet und erfüllt daher die Aufgabe 
eines Regelungskreises. Für diesen letzteren Kreis gelten die ent- 
sprechenden Definitionen von e, t, und v, Es versteht sich, daß, damit 
man die beiden äußeren Kreise ‚als einfache Kreise auffassen kann, die 
in der Figur dargestellten Voltmeter, die zur Messung von v, und v, 
bestimmt sind, von solcher Bauart sein müssen, daß sie keinen Strom 
ableiten, oder aber, man muß den durch sie abgeleiteten Strömen 
mittels passender Korrektionen Rechnung tragen. 


Charakteristiken des Audions. 


84. Ist ein Paar äußerer Kreise gegeben, von denen jeder mit 
zweien der Elektroden des Audions verbunden ist (wie beispielsweise 
-im Falle der Fig. 1), so besteht die Aufgabe des Audions darin, 
zwischen den beiden Kreisen eine Art Koppelung herzustellen, infolge 
derer sich zwischen den charakteristischen Veränderlichen besondere Be- 
ziehungen zeigen müssen. Dieser Veränderlichen gibt es vier, nämlich 
die beiden an die Elektrodenpaare angelegten Spannungen ') v, und v, 
und die zugehörigen zwischen ihnen fließenden Ströme i, und i, 

Die Möglichkeit, nach Belieben von außen her mittels einer 
Änderung der Kreise (beispielsweise durch Veränderung der elektro- 
motorischen Kräfte oder der Widerstände) zwei und nur zwei dieser 
vier Veränderlichen zu ändern, zeigt, daß sich die Wirkung des Audions 
im allgemeinen analytisch mit Hilfe von zwei Gleichungen zwischen 
den vier Veränderlichen v, V, i, t, darstellen lassen muß. Mit anderen 


a 0’ a 
Worten: wenn man annimmt, daß jeder der beiden äußeren Kreise 


1) In Wirklicheit ändert sich das Potential längs des Drahtes infolge 
des Potentialabfalles, der den Durchgang des Heizstromes begleitet. Des- 
halb sind die Spannungen v, und v. als auf das mittlere Potential des 
Drahtes bezogen anzusehen, und die äußeren Kreise gehen deshalb bei der 
Schaltung der Fig. 1 vom Mittelpunkte der Heizbatterie aus. 


354 G. Vallauri. 


für sich allein innerhalb der Röhre geschlossen würde, daß also das 
Audion nicht die oben genannte gewisse innere Koppelung herstellte, 
so müßte :, eine Funktion von v, allein und ż¿, eine Funktion von v, 
allein sein. Die Anwesenheit des Audions erzeugt hingegen eine 
Wechselwirkung zwischen den beiden Kreisen und bewirkt dadurch, 
daß sowohl :, als auch :, als Funktion von v, wie von v, angesehen 
werden muß, so daß man den beiden Gleichungen zwischen den vier 
Veränderlichen die allgemeine Form | 
t 7 vv, va) | 

geben kann. ta = X War Va) 

In Analogie zu den in allen anderen Zweigen der Elektrotechnik 
gebräuchlichen Bezeichnungen kann man diese Gleichungen ‚Charak- 
teristische Gleichungen“ oder (nach den Begriffen der analytischen 
Geometrie) „Oharakteristische Flächen“ für den Zustand des Audions 
nennen. !) 


85. Für die Bestimmung der Charakteristiken kann man eine 
Versuchsanordnung benutzen, die dem Schaltungsplan der Fig. 1 ent- 
spricht. In dieser Anordnung kann man die EMK. e, sich so ändern 
lassen, daß beispielsweise die Spannung v, für eine ganze Versuchs- 
reihe, unabhängig von allen Veränderungen der Stromstärke ?_, kon- 
stant bleibt. Wenn man dann e, und somit v, stetig ändert, so kann 
man die entsprechende Änderungsweise von i, und i, als Funktion 
von v, — immer für v, = konst. — feststellen. Auf diese Weise 
gelangt man zur Bestimmung der beiden charakteristischen Flächen 
für das Audion durch zwei Kurvenscharen mit den Koordinaten (t, v.) 
bzw. (i v,» in denen jede Kurve einem gegebenen Werte von v, ent- 
spricht. Wir haben hier die bekannte geometrische Darstellung einer 
Fläche nach dem Verfahren der zerlegten Ebenen. 

Ein Beispiel für diese Darstellungsweise ist für die zweite Charak- 
teristik ©, = x (Vv, v,) in den Diagrammen der Fig. 2 gegeben, die sich 
auf eine Röhre beziehen, welche zu entsprechenden Versuchen benutzt 


1) Die vorliegende Untersuchung war im Druck, als eine Notiz von 
Marius Latour (The Electrician 78, 280, 1. Dez. 1916) erschien, in der 
die Begriffe des § 4 in von der unserigen nicht stark abweichenden Form 
angedeutet sind. Aber die Behandlung, die Latour auf dieser Grundlage 
gegeben hat, ist ganz allgemein gehalten und stützt sich auf keinerlei kon- 
krete und experimentelle Form der Charakteristiken, auch beschränkt sie 
sich allein auf den einfachen Fall des Audions als Verstärker. (Vgl. Jahr- 
buch 12, 288 ff., 1917.) | | 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 855 


wurde, und die in der Figur auf das Gebiet des größten Interesses für 
die Anwendung begrenzt worden sind. In eben diesem Gebiete, ins- 
besondere für v, < 0, bleiben die Werte von i, sehr klein und sind 


Fig. 2. 


in der Mehrzahl der Fälle ohne weiteres gegenüber den Werten von (A 
zu vernachlässigen. Beispielsweise bleiben in dem Audion, auf das 
sich die Fig. 2 bezieht, die absoluten Werte von i, an allen Punkten, 
für welche v, < 0 ist, kleiner als 24 A; nur wenn die Regelungs- 
spannung v, positiv wird, beginnen die die Stromstärken :, mit wach- 
sendem v, merklich zu wachsen, und diese Zunahme erfolgt um so 


356 G. Vallauri. 


rascher, je niedriger die Anodenspannung v, ist (s. § 21, Fig. 11). 
Man kann daher unter der Bedingung v, < 0 die erste Charakteristik 
i = w(v, v,) zunächst angenähert durch die Gleichung 

i, = 0 
ausdrücken, wobei man jede weitere Betrachtung auf den Gang der 
zweiten Charakteristik beschränkt, wie er beispielsweise durch die 
Kurvenschaar der Fig. 2 dargestellt wird. 


S 6. Durch den Umstand, daß wir :, = 0 angenommen haben, 
erklärt sich die Rolle als „Regelungselektrode“, die wir dem Rost zu- 
erteilt haben. . Wenn nämlich die Stromstärke im Roste Null ist, so 
ist es möglich, die Anodenstromstärke i, ohne Energieaufwand, allein 
durch Anderung der Regelungsspannung v,, zu verändern. Wir haben 
somit in jedem Falle einen Verstärkungsvorgang. Wollen wir 
außerdem die Annahme machen, daß während der Änderungen von dv, 
und somit auch von :, die Anodenspannung v, konstant bleibt, so 
brauchen wir nur eine Charakteristik mit nur zwei Veränderlichen, 
i, = f(v), zu. betrachten, welche mit einer der in der Fig. 2 aus- 
gezogen gezeichneten Charakteristiken identisch ist. Wenn diese Cha- 
rakteristik einen geradlinigen Verlauf hat (wie dies annäherungs- 
weise in der Nähe der Biegung der Fall ist), so wiederholen sich 
die Änderungen von v, durch proportionale Änderungen von i,, und 
wir haben dann einen reinen Verstärkungsvorgang. Wenn hin- 
gegen die Charakteristik krummlinig ist, so gibt jede periodische Ver- 
änderung von v, im allgemeinen Anlaß entweder zu einer periodischen 
Änderung von i, mit der gleichen Frequenz, aber mit deformiertem 
Verlauf, oder zu einer Änderung des Mittelwertes von t, und in dieser 
letzteren Wirkung besteht dann die Gleichrichterwirkung, die zu 
der Verstärkungswirkung hinzutritt. Diese letztere kann man dann 
(auf die weiter unten angegebenen Arten) benutzen, um einen Vorgang 
der Erzeugung kontinuierlicher Schwingungen herbeizuführen, wenn 
man die beiden elektrischen Kreise auch außen aufeinander einwirken 
läßt und so die Verstärkerwirkung nutzbar macht, um die Verluste 
wett zu machen, welche den Durchgang eines oszillatorischen Stromes 
begleiten, und um somit deren Dämpfung zu vernichten. 

Die folgende analytische Behandlung stellt einen ersten Versuch 
dar, diese qualitativen Erklärungen durch eine angenähertere Darstellung 
zu ersetzen, bei der jedoch auch weiterhin :, = 0 angenommen, aber 
die Veränderlichkeit der Anodenspannung v, während der Wirkung 
nicht von vornherein vernachlässigt wird. 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 857 


8 7. Einen nicht empirischen Ausdruck für die charakteristische 
Gleichung 1, = x (v, v,) könnte man nur aus der Theorie der Vor- 
gänge ableiten, die im Innern des Audions verlaufen (vgl. § 2). Aber 
unsere Kenntnisse in dieser Hinsicht sind für diesen Zweck einstweilen 
unzureichend, und die Aufgabe geht überdies über den Rahmen der 
vorliegenden Untersuchung hinaus. Es empfiehlt sich daher, die ex- 
perimentelle Kenntnis der Charakteristik i = x (Vv, v,) vorsuszusetzen 
und aus ihr eine rein empirische analytische Darstellung abzuleiten. 

Die erste und gründlichste Annäherung, auf die man verfällt, be- 
steht darin, ein mehr oder minder ausgedehntes Stück der charakte- 
ristischen Fläche in der Umgebung eines bestimmten Punktes durch 
die Projektion eben dieses Stückes auf die zu der Fläche in dem be- 
trachteten Punkte tangentiale Ebene zu ersetzen. Ein solches ersetzendes 
Verfahren ist um so unbedenklicher, je geringer die Krümmung der 
Fläche in dem jeweils betrachteten Gebiete ist. Wenn wir nun die 
in Fig. 2 durch Schnitte dargestellte Fläche betrachten, so sehen wir, 
daß ein solches der Ebene sich. näherndes Gebiet besteht und ver- 
‚hältnismäßig ausgedehnt ist. Die Kurven haben nämlich in der Nähe 
der Biegung auf eine ziemliche Strecke einen praktisch geradlinigen 
Verlauf, und diese einzelnen geradlinigen Strecken sind ihrerseits für 
eine gewisse Anzahl von Kurven nahezu parallel und &quidistant. 

Legen wir durch einen mittleren Punkt eben dieses Gebietes die 
Tangentialebene zur Fläche, und ersetzen wir diese Fläche durch sie, 
so erhalten wir eine lineare charakteristische Gleichung, der wir 
die Form 

t, = av, bv, +e 
geben können. 

In dieser Gleichung haben offenbar a und b die Dimension einer 
Leitfähigkeit und c jene einer Stromstärke. 

Für den Fall des Audions, auf das sich die Fig. 2 bezieht, ist 
als Tangentialpunkt der in der Figur durch einen kleinen Kreis be- 
zeichnete Punkt gewählt, der ungefähr dem Gebiete größter Neigung 
der Kurven i, = /(v,) entspricht. Aus der Neigung der besonderen 
Kurve i, = f(v,), die durch den betrachteten Punkt hindurchgeht, er- 
hält man den Parameter a, und dieser ergibt sich gleich 28 u A/V 
oder L = ZM Q. Für die Ableitung des Parameters b kann man 
auf die Zeichnung des Schnittes der gegebenen Fläche mit der zur 
Achse v, senkrechten und durch den betrachteten Punkt gehenden 
Ebene zurückgreifen. Dieser Schnitt ist in der Figur durch die ge- 


358 G. Vallauri. 


strichelte Linie dargestellt, und deren Neigung in dem gewählten 
Punkte ist b = 16,8 u A/V (oder L = u MQ) Um den Para- 
meter c zu erhalten, müssen wir nunmehr in die lineare Gleichung 
alle die übrigen Ausdrücke einsetzen, die bekannt sind, und dabei be- 
rücksichtigen, daß sich die Werte der Fig. 2 auf eine Versuchsanordnung 
beziehen, die sich von der in Fig. 1 dargestellten ein wenig dadurch 
unterscheidet, daß v, und v, am positiven Ende des Drahtes gemessen 
sind. Da dieser Draht während des Versuches einen Spannungsabfall 
von 2,8 V verzehrte, so müssen wir, wenn v, und v, die ihnen in der 
ersten Anmerkung zum $ 4 beigelegte Bedeutung beibehalten sollen, 
die aus der Fig. 2 erhaltenen Werte für die Spannung um 1,4 V ver- 
mehren. Wir erhalten dann: 


203,2 = 28(— 7,5 -+ 1,4) + 16,8 (25 + 1,4) + c, 


und hieraus ergibt sich: 
c = — 69,5 
und somit: 
t, = 28v, + 16,8 v, — 69,5. 


Natürlich kann man, so lange man in erster Annäherung die 
Charakteristik als eben annimmt, aus ibr wohl eine analytische Dar- 
stellung der Wirkungsweise des Audions als Verstärker und als 
Schwingungserzeuger ableiten, aber nicht eine solche seiner Wirkungs- 
weise als Detektor, da ja die Gleichrichterwirkung oder die Detektor- 
wirkung gerade auf der Krümmung der charakteristischen Fläche 
beruht. 


8 8. Abgesehen von der Ungenauigkeit, die dadurch hinein- 
kommt, daß man an die Stelle der aus den Versuchen abgeleiteten 
charakteristischen Fläche eine empirisch bestimmte, mit ihr nicht zu- 
sammenfallende Fläche treten läßt, ist es angebracht, gleich anfangs 
eine andere mögliche Ursache für eine Unstimmigkeit zwischen den 
Ergebnissen der analytischen Behandlung und jenen des tatsächlichen 
Gebrauches des Audions hervorzuheben. | 

Wir setzen die Fläche i, = y (v„ v,) voraus als abgeleitet aus 
Versuchsanordnungen von der Art der in Fig. 1 dargestellten; mithin 
stellt jeder einzelne ihrer Punkte eine Arbeitsbedingung dar. Es ist 
nun nicht ausgeschlossen, daß, falls die unabhängigen Veränderlichen 
sich mit der Zeit beständig und rasch ändern, der Zustand des Audions, 
wie er beispielsweise durch den Wert von i, als Funktion von v, 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 359 | 


und v, charakterisiert wird, nicht mehr ausschließlich und eindeutig, 
von den Augenblickswerten dieser beiden Veränderlichen abhängt, son- 
dern auch vom Verlauf der Änderungen, die diese vorber durch- 
gemacht haben. Wir würden es hierbei mit einer Trägheits- 
wirkung, oder, wenn man so sagen will, mit einer Hysterese- 
wirkung in der Wirkung des Audions zu tun haben. Mit anderen 
Worten kann man in Anlehnung an die bei der Behandlung des elek- 
trischen Lichtbogens zur Erzeugung von Schwingungen üblichen Be- 
zeichnungsweise sagen, die statischen Charakteristiken des Audions 
würden von den dynamischen verschieden sein. Die Gleichungen 
zwischen den charakteristischen Parametern müßten in diesem Falle 
mittels der bereits für andere Hystereseerscheinungen eingeführten 
Kunstgriffe abgeändert werden, und es würde in ihnen als neue höchst 
wichtige Veränderliche die Zeit auftreten, was für jegliche analytische 
Behandlung recht beträchtliche Schwierigkeiten mit sich bringen würde. 

Die experimentellen Angaben in dieser Hinsicht sind einstweilen 
noch recht spärlich. Die Versuche von Lindemann und Hupka?) 
über die Liebenröhre gestatten, wenigstens teilweise die Trägheits- 
vorgänge für solche Röhren vorauszusagen, in denen das Vakuum ver- 
hältnismäßig mäßig ist und entschieden die Erscheinung der Stoß- 
ionisation nutzbar gemacht wird. . Dagegen lassen die Versuche von 
Langmuir?) und andere im Gange befindliche Untersuchungen an- 
nehmen, daß für den Fall von Röhren mit &ußerster Verdünnung die 
Trägheitswirkungen zu vernachlässigen sind. Diese Betrachtungen 
zejgen indessen, wie zweckmäßig und wünschenswert es ist, die Er- 
gebnisse der folgenden analytischen Behandlung seinerzeit einer strengen 
und eingehenden Nachprüfung zu unterwerfen. 


Der Audionverstärker. 


8 9. Durch die Annahme, daß unter allen Arbeitsbedingungen, 
die wir betrachten wollen, ©, = 0 sei, wird der Spannungsabfall in 
dem außerhalb des Audions liegenden Teile des Regelungskreises null. 
Man kann daher in jedem Falle die Regelungsspannung v, mit der 
in dem Kreise wirksamen EMK. e, gleich setzen. Auf Grund dieser 
Betrachtungen und der einfachen Annahme einer ebenen Charakteristik 
i, = av, +bv,+c kann man die Wirkungsweise des Audions sowohl 


1) R. Lindemann und E. Hupka. Sul funzionamento e sulle propri- 
età dei tubi di Lieben. L’Elettroteenica 2, 185, 1915. (Vgl. Jahrbuch 12, 
218 f£., 1917.) | | 
2) a. a. O. 82. 


360 F. Vallauri. 


als Verstärker wie als Erreger untersuchen. Da aber diese zweite An- 
wendung sich auf die erste gründet und sie umfaßt, ist es zweck- 
mäßiger, sich auf diese zu beschränken (s. § 12ff). 

Jedenfalls hängt in dem Falle des einfachen Verstärkungsvor- 
ganges (bei dem keine äußere Koppelung zwischen den beiden Kreisen 
vorhanden ist, $ 6), die Beziehung zwischen der in dem Regelungs- 
kreise wirksamen EMK. e, und der Anodenstromstärke 2, außer von 
der Charakteristik des Audions auch von den Eigenschaften des Anoden- 
kreises ab. Wenn dieser beispielsweise eine konstante EMK. E, ent- 
hält, und man annehmen kann, daß sich alle Ursachen für einen 
Spannungsabfall wie ein einfacher Ohmscher Widerstand R (s. Fig. 3) 
verhalten, so erhält man: 


Fig. 3. 


v=E,- Ri: 

t =av,+bv te, 

w=ae,+b(E, — ki)+te,' 

TOE 

“ 1+bR 
Wenn nun e, einen konstanten Teil Æ, und einen periodisch mit 

dem Mittelwerte Null veränderlichen Teil e enthält, also e, = E, + e 


ist, so wird auch ¿, aus einem konstanten Teile I, und einem ver- 
änderlichen Teile è gebildet. Setzen wir nämlich: 


L,=aE, +b(E— RIL)+e 


ae +bE +o). 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen 'Telegraphie. usw. 361 


oder 
1 
I E ), 
ot ate) 
so erhalten wir durch Substitution: 
ae . 
„= I, + 1+bR hti, 
wo 
— 140R 
ist. 


Was nun die veränderlichen Teile e und è angeht, so sehen wir 
also, daß ihre Werte in jedem Augenblicke einander proportional sind, 
und der Verstärkungsvorgang ist somit ein vollkommener. 

Nehmen wir das Verhältnis = a a R als Index für das Ver- 
stärkungsvermögen, so sehen wir, daß unter dem Gesichtspunkte 
der Zweckmäßigkeit des Audions es sich empfiehlt, daB a groß 
und b klein ist, daß also die ausgezogenen Linien in Fig. 2 mög- 
lichst steil und möglichst dicht beieinander verlaufen. 


$ 10. Wenn wir im Anodenkreise außer dem Ohmschen Wider- 
stande R noch eine Selbstinduktion L betrachten müssen, so erhalten 
wir unter Verwendung derselben rn wie zuvor: 


p=ae+b|E,— Ri, 1% a) he, 


Pi 
| 


=aE,+tb(E,—-RI)+e; 
r=1i—-J],=te—b Rit La) 


` Aus dieser Beziehung wird ersichtlich, daß, wenn man b und L 
nicht gleich Null setzen kann, die Voraussetzung der ebenen Cha- 
rakteristik für die Gewährleistung einer vollkommenen Verstärker- 
wirkung nicht ausreicht. Die veränderlichen Teile von e, und t, 
also e und i, sind nämlich nicht mehr miteinander in Phase, und im 
allgemeinen Falle eines nicht einfach sinusförmigen e sind die Ampli- 
tuden- und Phasenverhältnisse der einzelnen Öberschwingungen eine 
Funktion der zugehörigen Frequenzen. 

Es ist weiter leicht ersichtlich, daß im Falle L = 0 ( 9) der 
Kreislauf der Veränderung des Zustandes des Audions in seiner cha- 
Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12, 24 


362 Sauer i G. Vallauri. 


rakteristischen Ebene sich auf einen Abschnitt einer Geraden reduziert, 
die durch den mittleren Punkt (A I, E, — RI geht, und deren 


Projektion auf die Ebene der Fig. 2 eine Neigung E p bat. Die 


Tatsache verdient hervorgehoben zu werden, daß, da a und b immer 
positiv sind, diese Neigung immer kleiner ist als a, also kleiner als 
die Neigung der in Fig. 2 ausgezogen gezeichneten Kurven i = f(v). 
Also verschiebt sich die Projektion des Punktes, der den Zustand des 
Audions darstellt, nicht auf der Tangente an eine dieser Kurven, son- 
dern in einer minder stark geneigten Richtung, wie beispielsweise in 
der Richtung der in derselben Figur gestrichelt und punktiert ge- 
zeichneten Geraden. In dem’ weiteren Falle, daß L von Null ver- 
schieden ist, ist der geschlossene Kreislauf, den der darstellende Punkt 
beschreibt, nicht mehr ein Segment, sondern er schließt eine endliche 
Fläche ein. 

Damit es zulässig sei, L == O oder gar b = U zu setzen, muß 
das Produkt bw L (wo œ = 2 æ f = Pulsation des als einfach sinus- 
förmig vorausgesetzten e ist) bzw. müssen die Produkte b R und bœ L 
gegenüber Eins zu vernachlässigen sein. Damit sie beispielsweise in dem 
zahlenmäßigen Falle der Fig. 2 nicht größer als 1/100 werden, dürfen 

1 1 1 
R ang œw L nicht größer werden als 100° b "100 x 168 M2 
= 595 Q. 

In ähnlicher Weise könnte man den Fall einer in den Anoden- 
kreis in Reihe geschalteten Kapazität betrachten; aber dieser Fall würde 
keinerlei Berührungspunkt mit der praktischen Wirklichkeit haben, 
weil I, = 0 sein müßte Nun kann der resultierende Anodenstrom 
ia = Ip + ¿ keine negativen Werte annehmen, und mithin muß I, 
nicht nur positiv, sondern auch kleiner als die Höchstamplitude von i 
sein. Die Behandlung ließe sich hingegen auf kompliziertere Schal- 
tungen ausdehnen, bei denen beispielsweise die beiden Kreise in paral- 
lele Zweige unterteilt wären, wie in dem Schaltungsplan der Fig. 4. 
die mit einigen Vereinfachungen eine typische Anordnung für die Ver- 
wendung des Audions als Verstärker beim Empfang drahtloser tele- 
graphischer Signale mit gedämpften Wellen darstellt. Beispiele ähn- 
licher Kreise sollen weiter unten ($ 13 ff.) bei der Bebandlung der 
Arbeitsweise des Audions als Erreger untersucht werden. 


8 11. Es muß angemerkt werden, daß unter dem Gesichts- 
punkte der dabei mitspielenden elektrischen Energie uusere Zu- 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 363 


grundelegung des Verhältnisses was welches die Dimension 


Null hat, als Maß für die Verstärkung im Falle der Fig. 3 nicht voll- 
kommen streng erscheint. Es ist aber leicht ersichtlich, daß infolge 
der vereinfachenden Annahme i = 0 das als Verhältnis zwischen 
der An ME (für welche man .vernunftgemäB den Ausdrnck 


P == Ai Ri?dt annehmen kann; und der (von der in Fig 3 


BEN a und b liegenden Wechselstromquelle gelieferten) Primär- 
leistung definierte Verstärkungsvermögen unbestimmt ist, da nach der 
Voraussetzung die letztere Null ist, während die erstere endlich ist. 
Berücksichtigt man indessen die Verluste, die sich geltend machen, 
wenn man im Regelungskreise die periodische EMK. e aufrecht erhalten 
will, so kann man auch unter Beibehaltung der gemachten verein- 
fachenden Annahmen das Verstärkungsverhältnis definieren und 


Fig. 4. 


berechnen. Beispielsweise könnte man im Falle der in Fig. 4 dar- 
gestellten Empfangsanlage als Verstärkungsverhältnis das Verhältnis 
zwischen der Energie annehmen, die an den Kreis Empfänger-Telefon 
abgegeben wird, wenn dieser zwischen «' und b geschaltet ist, und 
jener, die diesen Kreis aufnehmen würde, wenn man ihn unter Aus- 
schaltung des Audions zwischen a und b legen würde. 

Des weiteren wird, da die im Regelungskreise auftretende Energie 


Null ist, die Nutzleistung, die beispielsweise in dem einfachen Falle 
24* 


364 G. Vallauri. 


A 
1 D : ] 
der Fig. 3 durch P, = T f Rı”dt dargestellt ist, vollständig von der 
0 


Quelle der EMK. E, erzeugt, die eine Gesamtleistung P, = EI, lie- 
fert. Man kann übrigens durch Übereinkunft als Ausbeute des 


Audionverstärkers das Verhältnis Žu definieren, bei welchem man 


t 
von der Energie absieht, die bestimmt ist, den Draht glühend zu er- 
halten. Im Falle der Fig. 3 und unter der Annahme, daß e und č 
einfach sinusförmig seien und die Effektivwerte Æ und I haben, er- 

2 F 
hält man 2 = -n und wenn man den Grenzfall der Höchstamplitude 
t a0 
= von i oder V2I= I annimmt, so erhält man —* = 2 x ih 
? ’ P 2 E, 
dem in Fig. 2 angezeichneten Punkte würde für R = 1000 Q, R = 
10000 2 und R = 100000 Q diese Grenzausbeute 0,4 v. H. bzw. 


3,6 v. H. und 22 v. H. betragen. 


In 


Der Audionerreger mit magnetischer Koppelung. 


812. Die Wirkungsweise des Audions als Erreger beruht (vgl. 
$ 6) auf einer äußeren Koppelung der beiden Kreise, welche es ge 
stattet, die verstärkende Wirkung zu dem Zwecke nutzbar zu machen, 
die Ursachen der Dämpfung in einem Schwingungskreise aufzuheben. 


Fig. 5. 


Ehe wir diesen Fall behandeln, bietet es einiges Interesse, die 
Wirkungen der einfachen magnetischen Koppelung zwischen den beiden 
Kreisen für den Fall zu untersuchen, daß sie keine Kapazität enthalten 
und somit aperiodisch werden. Das ist der Fall, der in Fig. 5 dar- 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 365 


gestellten Schaltungsweise. Für diesen Fall haben wir auf Grund der 

gemachten Voraussetzungen vor allen die charakteristische Gleichung 
„ar, +bu,te, 

alsdann die Gleichung für den Rostkreis (i, = 0): 


= Ep — M dt , 
and endlich die Gleichung für den Anodenkreis: 
v =E —Ri ae, 
a a a d t 


Es empfiehlt sich die Bemerkung, daß durch die Art und Weise. 
wie die Gleichungen für den Fall der Fig. 5 aufgestellt worden sind, 
das Vorzeichen des Koeffizienten der gegenseitigen Induktion M be- 
stimmt wird. Es ist positiv, wenn die verketteten Flüsse, die je 
Produkte zweier Ströme sind, deren Richtungen durch die Pfeile be- 
zeichnet werden, gleichlaufend sind; es ist negativ, wenn sie einander 
entgegengesetzt sind. 

Das System der soeben aufgestellten drei Gleichungen verbindet 
die drei Unbekannten v, v, und i, miteinander, die mit der Zeit ver- 
änderlich sind. Wenn wir nun die beiden ersten dieser Unbekannten 
eliminieren, wenn wir also die zweite und die dritte Gleichung in die 
erste einsetzen, so erhalten wir 


BL+am Ge + +b Ri, — (aE, +bE, tco) =O. 


Und wenn wir uns nun (s. § 9) des Ausdrucks für die Strom- 
stärke J, erinnern (die im tatsächlichen Falle mit der Stromstärke 
zusammenfällt, die wir beim Betriebe ohne Koppelung erhalten würden, 
also für M = 0), nämlich des Ausdrucks 


IR E,+tbE, +o, 


_ 1 
 1+bR 
=], +: 
so haben wir 


BL+ aM + +bRi= 0 


Integrieren wir diese Gleichung, und nehmen wir an, daß im 
Anfangsmomente der Anodenstrom geschlossen werde, daß also für 
Z2=0::, = 0 und somit = —/J, sei, so haben wir: 

I+HbR ` 


; "iLras |° 
I == ÍT 1 — e i 
u 0 


866 G. Vallauri. 


Wenn wir beachten, daß «, b, L und R wesentlich positive Parameter 
i b 

sind, so geht aus diesem Ausdruck hervor: 1. für M>— T L strebt- 

die Stromstärke ¿_ asymptotisch dem Betriebswerte I, zu, und zwar 


um so rascher, je kleiner M ist; — 2. für den Grenzfall M = si 
[04 


und unter der Annahme, daß M dem Werte — Li zustrebt, stellt 
5 


sich für abnehmende Werte die Betriebsstromstärke I, in einer un- 
endlich kurzen Zeit ein und bleibt danach konstant, — 3. für 


b R . \ 
M< Zu ist die Stromstärke negativ und nimmt unbegrenzt zu 


Fig. 7. 


(s. Fig. 6) Das Widersinnige dieser letzten Folgerung zeigt nur die 
physikalische Unmöglichkeit, daß die Ersetzung der tatsächlichen cha- 
rakteristischen Fläche durch eine Ebene außerhalb eines begrenzten 
Gebietes gültig sein kann. 

Setzen wir den Ausdruck für :, in die beiden anderen Aus- 
gangsgleichungen ein, so leiten wir die Art und Weise der Änderung 
von v, und v, ab, und wenn wir die Zeit eliminieren, so können wir 
den Vorgang daraus ableiten, indem wir den Punkt, der den Zustand 
des Audions darstellt, auf der charakteristischen Ebene verschieben. 


8 13. Wir kommen nunmehr zur Untersuchuug der Wirkungs- 
weise des Audions als eines Erregers kontinuierlicher Schwingungen. 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 867 


Da empfiehlt es sich, auf ein typisches Beispiel wie das der Fig. 7 
Bezug zu nehmen. Erinnern wir uns der wiederholt gemachten Voraus- 
setzungen, und bedienen wir uns der in der Figur angegebenen Be- 
zeichnungen, so können wir die folgenden Gleichungen aufstellen, in 
denen v die Potentialdifierenz des Punktes a gegen den Punkt b be- 
zeichnet: 


i= ae = bv tC, } 
di 


e= Ri- Dl = 0, 
v -4 fëdt= 
C f 
a= hat h» 
di 
n= EB- My 


t =E -Ri-v. 

Dieses System von 6 Gleichungen gestattet, die 6 Veränderlichen 
is ig io Up Uy U als Funktionen der Zeit zu bestimmen. Nachdem 
man einmal die dritte Gleichung abgeleitet hat, kann man :, in die 


vierte einsetzen, und aus ihr und ihrer Ableitung erhält man dann ', 


di iaa aia ; a. s 
und —:, um diese in die zweite und in die fünfte einzusetzen und 


dt 
so zu einem System von 4 Gleichungen zwischen i, v 
zugehen, nämlich: 
i = av tbr, +“ 


ne p + ro% T v=L%4 Ri, 


a Up V über- 


yt’ 


2, 
n = E,— M Ti+ yo 


dt?’ 
v=E — Riv. 
Setzt man die durch die dritte uud vierte Gleichung gegebenen 


Werte für v, und v, in die erste Gleichung ein, so erhält man ein 
System von zwei Gleichungen zwischen :, und v, nämlich: 


nero +10 t= R +L | | 


ren (I+5R)i En, | 


368 G. Vallauri. 


In die zweite dieser Gleichungen haben wir, wie in den voraus- 
gegangenen Paragraphen, die Größe I, eingeführt. Diese stellt den 
konstanten Wert dar, den im Betriebe die Stromstärke ¿, für den 
Fall M = 0 annehmen würde und unterliegt somit der Beziehung: 


L=ab,=b[E,—-(R+R)I)+e. 
Eliminieren wir aus den beiden letzten Gleichungen einmal as 
und einmal ¿,, so erhalten wir zwei neue Gleichungen, in denen nur 


di ir Er f : 
‘, bzw. --” vorkommen. Lösen wir die erstere dieser Gleichungen 


dt 
di 

auf, und setzen a in die zweite ein, so erhalten wir eine End- 
gleichung, in der nur v als Funktion von £ vorkommt. Diese End- 
gleichung ist eine lineare Differentialgleichung zweiter Ordnung, und 
zwar eine vollständige und nicht homogene mit konstanten Koeffizienten; 
sie hat mithin die Form: 

PEET Lyo=e, 

C 


wo i 
u=(1+b)LC 
A=aMtbL+U+ORRO | 
y=1+b(R+R) | 
s=[1+b(R+R/]RI, 

ist. 


Da alle auf den rechten Seiten dieser Ausdrücke erscheinenden 
Parameter positiv sind, mit Ausnahme von M, das auch negativ sein 
kann, so sind œ, £ und & sicherlich positiv. 


Setzen wir v = V+ v, und V= m — RI,, so erhalten wir das 


allgemeine Integral 


e 

§ 14. Damit der Vorgang periodisch verlaufe, muß vor allen 
a die Wurzel imaginär sein, also 
A > B 


Ja? 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen 'Telegraphie usw. 869 


‘Damit ferner der periodische Vorgang nicht gedämpft sei oder nicht 
-unbegrenzt wachse, sondern einem Schwingungszustande mit konstanter 
Amplitude zustrebe, muß der Exponentialfaktor konstant sein, also 


Emo oder p= 0. 

Diese zweite Bedingung schließt auch die erste in sich und ist 

‚gleichwertig mit der folgenden: 
vo ILEUHORRO, 
fl 

Die analytische Behandlung lehrt uns somit, daß man, um kon- 
-tinuierliche Schwingungen zu erhalten, eine besondere 
Koppelung zwischen den beiden Kreisen herstellen muß, bei 
welcher der Koeffizient der gegenseitigen Induktion negativ ist und 
den durch den soeben abgeleiteten Ausdruck gegebenen Wert hat. 
Entfernt man sich von diesem kritischen Werte für M nach kleineren 
‚absoluten Werten hin, so ist der Vorgang anfänglich periodisch. aber 
‚die Schwingung ist gedämpft, wobei für höhere Werte die Schwingung 
unbegrenzt an Amplitude zuzunehmen strebt. Entfernt man sich mehr 
und mehr von dem kritischen Werte der Koppelung, so gelangt man 
‚schließlich zu Bedingungen, unter denen die Wurzel reell und der 
Vorgang aperiodisch wird mit einem Endzustande von endlicher und 
unendlicher Amplitude, je nach dem Werte von M. 

Es liegt auf der Hand, daß die Fälle, in denen die Amplitude 
unbegrenzt zu wachsen strebt, in Wirklichkeit nicht eintreten können, 
weil dem der Umstand entgegensteht, daß Ursachen mitspielen, die 
‘wir in der vorliegenden Theorie vernachlässigt haben. Vergrößert man 
nämlich die Änderungen der einzelnen Parameter mehr und mehr, so 
muß der Zustand des Audions den Bereich verlassen, in welchem die 
-Charakteristik ¿i = z (v,, v,) als eben angenommen werden und die 
Stromstärke ¿, vernachlässigt werden kann. Es ist sonach zu erwarten, 
.daß wir, wenn wir von einer negativen ganz schwachen Koppelung 
ausgeben und diese nach und nach in ihrem absoluten Werte wachsen 
lassen, zunächst zu einer kritischen Bedingung gelangen, bei welcher 
.die Schwingungen einsetzen, und daß jenseits dieser Bedingung neue 
Betriebsbedingungen möglich sind, bei denen die Amplitude der kon- 
tinuierlichen Schwingung eine Funktion der Koppelung ist. Die vor- 
liegende Theorie gestattet nicht, diese Funktion vorauszusagen, aber 
.die Ergebnisse, zu denen sie führt, bieten bereits erhebliches Interesse 


370 G. Vallauri. 


im Hinblick auf die kritische Bedingung, zu der man gelangen muß, 
damit die Schwingungen einsetzen können. 


8 15. Betrachten wir die Bedingung, der M genügen muß, so 
sehen wir, daß. vom Gesichtspunkte der Eigenschaften des Audions 
die erforderliche Koppelung um so schwächer ist, die Schwingungen 
also um so leichter einsetzen, je größer a und je kleiner b 
ist, d. h. je schneller sich die Anodenstromstärke als Funktion der 
Regelungsspannung ändert, und je langsamer sie sich mit der Anoden- 
spannung ändert. Das stimmt mit der bereits ($ 9) abgeleiteten Be- 
dingung für den Audionverstärker überein. 

Hinsichtlich der Charakteristiken des Kreises, in dem man die 
Schwingung unterhalten will, ergibt sich, daß | M| um so kleiner ist, je 
kleiner L, C'und R sind, sofern man annimmt, daß die Änderungen von 
L, von C und von R einzeln für sich betrachtet werden können. In Wirk- 
lichkeit ist es indessen vernünftiger, auf den Koppelungskoefizienten 


LL, 
| ist), und nicht auf M, und außerdem anzunehmen, daß sich R 
mit L und mit C ändert, beispielsweise so, daß dadurch im Schwin- 
gungskreise ein bestimmtes logarithmisches Dekrement ô entsteht. Man 
erhält dann: 


k = k d Bezug zu nehmen (wo L, die Selbstinduktion im Regelungs- 


p a TOVE + (ELR) Ve 
za yË, 
Wir nehmen an, es seien außer a und b auch Ò, R’ und Z, und 
1 
die Periode œ’ = ——— des Schwingungskreises gegeben. Dann ergibt 


sich, daß k einen Mindestwert hat, wenn 


u 


co” b 
ist, ein Fall, in dem der Ausdruck für k 
r=? ie? 


a AAM L, 


wird. 
Diese Beziehungen zeigen u. a., daß unter sonst gleichen Be- 
dingungen die Schwingungen um so leichter eintreten, je 


L 
mehr das Verhältnis C einem günstigsten Werte nahe 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 371 


kommt, je kleiner das Dekrement, und je größer die Eigen- 
frequenz des Schwingungskreises ist. 

Auf Grund der mehrfach erwähnten zahlenmäßigen Versuchsbe- 
dingungen erhält man: a = 28.1076, b=16,8-.107°, und wenn wir 
beispielsweise AR’ = 10000 Q, ð= 0,04 annehmen, so ergibt sich: 
A = 7,84 : 10%. Für LC = 4.107", oder œ = 5 . 105 (Wellenlänge 
X = 8770 m), erhalten wir: L = 1770 u H, C = 0,00226 u F, R= 
11,8 2, M = — 2125 u H. Unter der Annahme, daß die Schwin- 
gungen bei einer Koppelung A = 50°/, einsetzen sollen, muß L, = 
10200 u H sein. Alle diese Werte lassen sich in der Praxis leicht 
verwirklichen. 


816. Setzen wir nun die kritische Bedingung f = 0, die für 
die Erzeugung kontinuierlicher Schwingungen notwendig ist, als erfüllt 
voraus, so können wir dem Ausdruck für v, die Gestalt 


v = A, coswt + DB, coswt 
geben, wo 


un a 1 + biR + R) 
ug To ë 7°” 1o 


Aus diesen Beziehungen geht hervor, da8 die erzeugten 
Schwingungen sinusförmig sind, und daß die Effektiv- 
frequenz der Eigenfrequenz des Schwingungskreises etwas 
überlegen ist. Die als Beispiel gewählten Zahlenwerte lehren in- 
dessen, daB dieser Unterschied tatsächlich zu vernachlässigen ist (er ist 
in dem betrachteten Falle ungefähr 1/10000). 

Wir wollen als Anfangszustand }) den Zustand annehmen, daß der 
Anodenkreis unterbrochen ist, daß o für t= 0: v +0, i=} = 


i = 0, v, = E (und somit v, = — , [oE , + el) sei. Dann erhalten 
wir: 4, = RI, 2, = 0, und a 
v= R (1 — cos“ t), 
1) Nimmt man als Anfangszustand den an, wo der Anodenkreis ge- 
schlossen ist und die negative Koppelung bis zur Erreichung des kritischen 
Wertes verstärkt wird, so begegnet man bei der Bestimmung der Kon- 


stanten nen analytischen ESAMBRIBNEHEN, auf die EImngehen: hier er- 
übrigt. 


372 G. Vallauri. 


und hieraus folgt: 
„=C,,=@CRLsnoi. 


Den Ausdruck für i, erhalten wir durch Integration der zweiten 
Gleichung des ursprünglichen Systems (vgl. § 18): 


di 
LT} + Pi = RL — cos w t); 


unter Berücksichtigung der Grenzbedingungen erhält man also: 


R 
1 
i = I |1 — cos œ cos (w0 t — p) — sin? g -e r |. 
In diesem Ausdruck und in den folgenden ist @ durch die 
übliche Beziehung tang y = z definiert. Wir sehen, daß das letzte 


Glied von i, ein vergängliches ist und im Dauerzustande (für t= oo) 
. verschwindet. Durch Addition der beiden Komponenten i, und ;, 


erhalten wir den Anodenstrom 


Hk, 
=], i — 008% cos (wt — g) + o C Rsin wt — sin? g -e z |; 


der außer einem vergänglichen Gliede einen konstanten Teil gleich 
jenem enthält, den man beim Dauerzustande erhält, wenn die Schwin- 
gungen nicht auftreten, sowie einen nach einem Sinusgesetze ver- 
änderlichen Teil. Die Regelungsspannung ihrerseits ergibt sich zu 

di, 
dt 


v 


v = E — M> = E — o M cos gsn (wt — p) +: 


M_. Se 
a R7 hosing. e L", 


Es bestätigt sich, daß zur Zeit t = 0: a = (0 und somit 


v,= E, wird. Schließlich erhalten wir für die Anodenspannung: 


v=E,-v-Ri=VH+NL | R cos mt + R' cos g cos (w t — 4) — 


R 
— oC RR sinwt+ Rsin’gp- |. 
wo V, = E,— (R + R)I, die Anodenspannung ist, die man im Dauer- 
ustande erhält, wenn die Schwingungen nicht auftreten. Für t= 0 
liefert der Ausdruck für v, den Wert, E,, d. h. im Augenblicke i = 0 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 373 


des Schlusses des Kreises erleidet die Anodenspannung einen Sprung 


von — (a E, + c) auf E, 


§ 17. Während des Betriebes mit kontinuierlichen Schwingungen 
beschreibt der Punkt, welcher den Zustand des Audions kennzeichnet, 
auf der charakteristischen Ebene i, = av, + bv + c eine Ellipse, deren 
Mittelpunkt die Koordinaten J, E, V, hat. Ihre Projektionen auf 
die drei Koordinatenebenen sind mithin weitere Ellipsen, und der 
Drehungssinn, in welchem die Bewegung des Punktes erfolgt, wird 
durch den Umstand bestimmt, daß sich der Punkt in der Ebene v,i, 
(wenn diese so gesehen wird wie in Fig. 2) auf der Ellipse im Sinne 
einer negativen Drehung verschiebt. 

Greifen wir wieder auf das schon erwähnte Zahlenbeispiel zurück, 
in welchem I,= 208,2-10°%, E,=6,1, V = 26,4, R’ = 10000, 
R= 11,8, L = 1770. 10-6, C = 0,00226 - 10-8, w = w = 5. 105, 
M = — 2126 . 1076, E = 28,4 ist, so erhalten wir: 


v = 2,29. 107°(1 — cos w t), 
is = 2,59 . 1076 sin o t, 


i = 208,2 - 107° £ — 0,0128 cos g — 0,9915 — = Zu 

und entsprechende Werte für i, v, v, Es zeigt sich, daß die Amplitude 
der oszillatorischen Spannung am Kondensator 2,29 mV und jene der 
oszillatorischen Stromstärke im Kreise (L, C) gleich 2,59 uA oder 
etwa gleich 1,3 v. H. der mittleren Anodenstromstärke I, ist. Die 
Amplitude der Änderungen der Stromstärke j ist noch viel kleiner 
` und gleich 0,0331 uA; die Amplitude der Änderungen von v, ist 
2,75 mV, und die Phasendifferenz zwischen diesen beiden Änderungen 
ist von: der Größenordnung 1°. Die Ellipse ist demnach sehr lang- 
gestreckt und kann beinahe mit einer Strecke einer Geraden vertauscht 
werden. Es ist aber bemerkenswert (ebenso, wie wir es beim Audion- 
verstärker, § 10, gefunden haben), daß die Projektion dieser Strecke auf 
die Ebene der Fig. 2 nicht mit der Richtung der Charakteristiken 
i, = f(v) zusammenfällt, sondern eine geringere Neigung hat (die in 
Fig. 2 durch eine Punktstrich-Gerade angegeben ist), Den Beweis hier- 
für erhält man durch Berechnung des veränderlichen Teiles der Anoden- 
spannung v, im Betriebszustande, und zwar findet man, daß v, prak- 
tisch entgegengesetzte Phase hat wie v, und wie ¿ und, in dem be- 
trachteten Zahlenbeispiel, eine Amplitude von 2,62 m V besitzt. Daraus 


374 G. Vallauri. 


folgt, daß beim Betriebe des Audions als Stromerzeuger der 
Anodenstrom und die Regelungsspannung sich sehr ange- 
nähert in gleicher Phase ändern, während die Anodenspan- 
nung sich in entgegengesetzter Phase ändert. 


818. Was die dabei mitspielenden Energiemengen, und somit 
auch die Ausbeute, anlangt, so geht vor allen Dingen hervor, daß 
die von der konstanten EMK. E, entwickelte Energiemenge immer E, J 
ist, mögen nun die Schwingungen entstehen oder nicht. Daraus folgt, 
daß für ein gegebenes Wertepaar E, und E, der konstanten EMKK. die 
gesamte von dem System absorbierte Energiemenge dieselbe 
ist, einerlei ob das Audion als Erzeuger. wirkt, oder ob es un- 
wirksam bleibt. Da nun, wenn das Audion schwingt, die durch 
dən Jouleefiekt in den Kreisen verz-hrte Energie größer ist, muß die 
in der Röhre verzehrte Energie v,i, kleiner sein. Wir sehen also, 
daß die veränderlichen Teile von v, und j, einander annähernd in 
Phase entgegengesetzt sind ($ 17). 

Da wir nicht auf verwickeltere Schaltungen als die in Fig. 7 
dargestellte eingehen wollen, die uns zur Fragestellung gedient hat, 
können wir beispielsweise als nutzbare Energie P, jene annehmen, 
welche von der verüänderlichen Komponente der Stromstärke i, in dem 
Widerstande R des Schwingungskreises verzehrt wird. Im stationären 
Zustande würde somit 


P, 


4 


T 
R 1 
ee fe = Iyd= 5 R 1,” cos? p 
0 


sein. 

Sehen wir von der Energie ab, die erforderlich ist, um den 
Draht glühend zu erhalten, und nehmen wir mithin als Gesamtenergie 
P,= E, I an, so könnten wir demnach als Ausbeute des Audion- 


P Bo 
erregars 7) = p definieren. In dem berechneten Zahlenbeispiel hätten 


t 

wir P, = 57,9 uuW, P,= 5770 uW, was einer sehr kleinen Ausbeute 
von 6,6 + 10”? entspricht. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß dies 
die geringste in der Praxis erhältliche Ausbeute ist, nämlich jene, 
die man unter den kritischen Verhältnissen erhält, also dann, wenn 
die Schwingungen sich eben einstellen. Durch weitere Anspannung 
der Koppelung erhalten wir aus den bereits erwähnten Gründen (8 14) 
neue günstigere Betriebsbedingungen mit weit größeren Schwingungs- 
weiten und mithin auch mit viel weniger: kleiner Ausbeute. 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 375 


819. Eine andere Schaltungsweise des Audionerregers, die jener 
der Fig. 7 ähnelt, ist in Fig. 8 dargestellt. Bei dieser Schaltung ist 
der Schwingungskreis nicht zwischen Draht und Anode gelegt, sondern 
zwischen Draht und Rost. Wenn wir auch in diesem Falle nur zwei 


ge 


ta 


L 
C R 
=E, 
EN EHER 
Fig. $ 


Ströme betrachten müssen statt dreier, werden doch die analytische 
Behandlung und die Diskussion etwas anders und verwickelter als im 
vorigen Falle. Da sie indessen den für die Schaltungsweise des Ultr- 
audions (8 9) geltenden durchaus analog sind, die weit interessanter 
ist, erscheint es überflüssig, hier die Behandlung des Falles der Fig. 8 
wiederzugeben. 


Der Audionerreger mit elektrischer Koppelung (Ultraudion). 


& 20. Die in Fig. 9 dargestellte Schaltungsweise ist die von 
de Forest mit dem Namen Ultraudion bezeichnete. Sie ist cha- 
rakterisiert: 1. durch die Schaltung des Schwingungskreisess L C 
zwischen Rost und Anode unter Einfügung eines Kondensators C} 
zwischen Draht und Anode; 2. durch die Ersetzung der Stromquelle 2, 
in Reihe mit dem Rost durch einen Kondensator C”. 

Was den ersteren Punkt angeht, so hat E. Armstrong!) in 
geistreicher Weise gezeigt, wie sich die Schaltungsweise der Fig. 9 
auf solche zurückführen läßt, die den früher behandelten analog sind, 
in denen wir zwei äußere Kreise (einen zwischen Draht und Rost, den 
anderen zwischen Draht und Anode) haben, die durch eine Koppelung 


1) Proc. Inst. Radio Eng. 4, 264, 1916. 


376 | G. Vallauri. 


aufeinander einwirken. Zeichnen wir nämlich die Schaltung der Figur 
noch einmal in der völlig gleichwertigen Form der Fig. 10, so erhalten 


Fig. 10. 


wir wiederum die beiden Kreise Draht—Rost und Draht— Anode, die 
nunmehr nicht mehr wie in den Figg. 5, 7 und 8 magnetisch durch 
eine gegenseitige Induktion M, sondern elektrisch durch die beiden 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 877 


Kreisen gemeinsame Strecke ab miteinander gekoppelt sind. Dadurch 
wird der Name Koppelungskondensator für den Kondensator Cy 
gerechtfertigt. 


8 21. Wenn wir nun die Wirkungsweise des Rostkondensators C’ 
erklären wollen, der nicht nur in der Schaltungsweise des Ultraudions, 
sondern auch in den übrigen zuvor betrachteten Schaltungsweisen an 
Stelle der EMK. E, benutzt werden kann, so müssen wir auf die 
erste Charakteristik des Audions, i, = W (V, v.) zurückgreifen, die wir 
zu Anfang (s. 85) erörtert haben. Nehmen wir jetzt einmal an, 
C’ wirke ausschließlich als Kapazität, so können wir sagen, daß im 
Dauerzustande die Aufgabe des Rostkondensators darin be- 


t 


a 


Fig. 11. 


steht, den Mittelwert der Regelungsstromstärke č, auf Null 
zu erhalten. Um die Wirkungen dieser Funktion zu untersuchen, 
müssen wir uns daran erinnern, daß für Werte von v, unterhalb eines 
gewissen Grenzwertes die Stromstärke ?, zu vernachlässigen bleibt und 
orst jenseits dieses Grenzwertes anzusteigen beginnt, und zwar um so 
rascher, je geringer die Anodenspannung v, ist. Daher würde die 
graphische Darstellung der ersten Charakteristik, wenn wir sie in 
analoger Weise ausführen würden, wie dies in Fig. 2 für die zweite 
geschehen ist, die in Fig. 11 dargestellte Form erhalten. Nehmen wir 
in erster Annäherung an, daß die Änderungen von v, derart seien, 
daß wir die Wirkungen auf :, im Dauerzustande vernachlässigen 
können, so brauchen wir nur eine einzige der in Fig. 11 gezeichneten 
charakteristischen Linien zu betrachten. Nach den gemachten Voraus- 
setzungen hat diese angenähert den Verlauf der Kurve 1 in Fig. 12, 
die im Punkte A auf Null hinabsteigt. Der Versuch zeigt indessen, 
daß in Wirklichkeit in der Mehrzahl der Fälle die Charakteristik die 
Jahrb. d. draht!. Telegraphie u. Telephonie. 12. 25 


878 G. Vallauri. 


Abszissenachse in einem Punkte B schneidet (wie beispielsweise die 
Kurve 2 der Fig. 12), und daß man jenseits dieses Punktes sehr kleine 
Werte für den negativen Regelungsstrom, also für den vom Roste zur 
Außenseite des Audions fließenden, erhält. 

Nehmen wir nun einen periodischen Vorgang an, bei dem sich 
dıe Rostspannung zyklisch in einem Intervall Av, ändern muß, so 
sehen wir, daß im Falle der Kurve 2 die Betriebsbedingung außer 
in der Umgebung des Punktes B nicht beständig sein kann!), da 
der Mittelwert der Stromstärke Null sein muß. Im Falle der Kurve 1 
hingegen ist der Betrieb theoretisch auf jeder Strecke links von A 
möglich. Berücksichtigt man aber die unvermeidlichen Zerstreuungen 
(wenn diese selbst auf einen Mindestwert verringert werden) zwischen 


1 


Fig. 12. 


den beiden Belegungen des Kondensators C° und. den Umstand, daß 
v, links von A negativ ist, so sieht man, daß auch in diesem Falle 
die Änderung Av, beim Betriebe in der Umgebung links vom Punkte 4 
auftreten muß. 

Was nun die Regelung des Audions anlangt, so könnte man, da 
ja die Lage des Punktes B (oder A), um den herum das Audion von 
selbst in Wirksamkeit tritt, keineswegs von der Spannung v, unab- 
hängig ist, durch Änderung dieser Spannung innerhalb gewisser Grenzen 
auch den Mittelwert von v, regeln, aber dann würden v, und v, nicht 
mehr unabhängig voneinander veränderlich sein, und es würde im all- 
gemeinen nicht möglich sein, den Zustand des Andions in das für 


1) Oder gegebenenfalls in der Umgebung anderer Punkte, wo die 
Charakteristik die Abszissenachse nicht mit positiver Neigung schneidet 
wie in B. 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 879 


seine Wirkung günstigste Gebiet zu bringen. Glücklicherweise tritt 
für verschiedene Audionformen in Wirklichkeit der Fall ein, daß der 
Punkt B (oder A) genau dem günstigsten Gebiete entspricht. Und 
wenn er ihm nicht entspricht, so findet man ihn nicht selten links 
von diesem Gebiet, so daß es ein Leichtes ist, durch Anwendung eines 
zum Kondensator C’ parallelen regelbaren Zerstreuungswiderstandes ?}) 
das Audion auf die gewünschten Verhältnisse zu bringen und somit 
eine Regelung von v, unabhängig von v, zu erhalten. Da nämlich der 
Punkt B der Fig. 12 in die negativen Werte von v, fällt und der 
Wert von v, immer positiv ist, so ist die Potentialdifferenz v, — v, 
(wo wir unter v, die Potentialdifferenz des Punktes n in der Fig. 9 
gegen den Draht verstehen) zwischen den beiden Belegungen des Kon- 
densators C” im Mittel positiv. Daraus folgt, daß durch den Zer- 
streuungswiderstand ein Strom zum Roste fließt, d. h. der Mittelwert 
von i, steigt von Null an zu einem positiven Werte, der um so höher 
ist, und die Arbeitsbedingungen verschieben sich um so mehr nach 
rechts vom Punkte B, je niedriger der Zerstreuungswiderstand ist. 
Auf Grund dieser Überlegungen können wir nunmehr sagen, die 
Aufgabe des Rostkondensators, der gegebenen Falles durch einen 
regelbaren Zerstreuungswiderstand überbrückt ist, besteht darin, 
der Regelungsspannung einen bestimmten Mittelwert zu 
geben. Mit denselben Worten können wir die Aufgabe der in den 
Schaltungsplänen der Figg. 5, 7 und 8 gezeichneten EMK. E, um- 
schreiben; somit können wir uns hinfort den Rostkondensator durch 
eine konstante Spannungsquelle ersetzt denken, die einen endlichen 
oder unendlichen inneren Widerstand hat, je nachdem wir die Zer- 
streuungen berücksichtigen wollen, oder nicht. Wollen wir die den 
vorstehenden Ausführungen zugrunde gelegte Voraussetzung i = 0 
beibehalten, so werden die Zerstreuungen ohne weiteres vernachlässigt, 
und wir können dann der Anwesenheit des Rostkondensators dadurch 
Rechnung tragen, daß wir einfach v, — v, = d = konst. setzen. 


& 22. Wenn wir mit Hilfe der angenommenen Voraussetzungen 
die Wirkungsweise des durch die Schaltungspläne der Figg. 9 und 10 
dargestellten Ultraudions durch eine Gleichung auszudrücken suchen, so 
begegnen wir folgender Schwierigkeit: Wenn in jedem Augenblicke 
i, = 0 ist, muß auch die Stromstärke des von der Anode zum Punkte m 


1) Es muß bemerkt werden, daß man dieses Ziel der Regelung durch 
Anderung der Kapazität C’ nicht erreichen würde, und daß diese daher 
unverändert bleiben kann. 


25* 


380 G. Vallauri. 


fließenden Stromes Null sein, und es kann mithin kein Energieüber- 
gang vom Audion zum Schwingungskreise stattfinden, wie er für die 
Erzeugung kontinuierlicher Schwingungen in letzterem erforderlich sein 
würde Für die Überwindung dieses Hindernisses erscheint es an- 
gebracht, die Betrachtung der elektrostatischen Kapazität des Rostes 
gegen den Draht einzuführen, die wir bisher vernachlässigt haben, wie 
überhaupt die Kapazität jeder der drei Elektroden gegen die anderen. 
Mit Hilfe dieser Betrachtung können wir auch weiterhin den Ionen- 
strom des Rostes gleich Null annehmen, wenn wir nur annehmen, 
daß durch den Kondensator C” ein (dielektrischer oder Verschiebungs)- 
Strom hindurchgeht, der durch einen anderen mit C’ in Reihe lie- 
genden Kondensator geschlossen wird und zu Belegungen den Rost 


\ 


pej 


Aii mw 


m 
Q 


Allen 


Fig. 13. 


und den Draht hat. Mit anderen Worten: Nennen wir diese letztere 
Kapazität C” und legen wir in der Schaltung den Elektroden auch 
fernerhin die Kapazität Null bei, so muß die Fig. 9 in die Fig. 13 
abgeändert werden. Da nun weiter im Punkte o der Fig. 13 keinerlei 
Stromableitung zum Roste hin stattfindet, ist die Verbindung zwischen 
dem Punkte n und dem Drahte der Verbindung äquivalent, die man 
durch einen einzigen Kondensator C, = an erhält. Hiermit 
gehen wir auf die Schaltung der Fig. 14 über, die zur analytischen 
Behandlung der Frage dient. 

Lassen wir den Buchstaben die bereits angegebene Bedeutung 
oder die in der Figur angegebene, und erinnern wir uns der Voraus- 
setzung ©”, — v,= d; setzen wir ferner der Kürze halber c — ad = k, 
so erhalten wir für die Veränderlichen des in Fig. 14 dargestellten 
Systems die folgenden Beziehungen: 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegrapbie usw 


iu +,=av+bv+k, 


E,-v, — Ri= 
1 fr. 

tie = 0, 
1 l 

v, + giit- 0, 


1r. 
gJitt=Ru+L 


Fig. 14. 


dir, 
dt’ 


881 


| 
| 


f'li 


m 
9 


hij- 


Wir haben somit ein System von 7 Gleichungen zwischen den 


7 Unbekannten ?, i,, %,, iz, i v,, Va die sich mit £ ändern. 
mitteln ©’ aus der zweiten Gleichung, i 


1 


Wir er- 
aus der dritten, 2, aus der 


vierten und ? aus der siebenten und erhalten durch Einsetzen dieser 


Werte in die drei übrigen Gleichungen: 


d (A er 
dt 


C d v, 


; 6, 
J dt T 2 


+ Rit LEO, 
tt 


1% R _ 
B+ tan + = 0. 


382 G. Vallauri. 
Eliminieren wir iz aus den beiden letzten Gleichungen, so er- 
halten wir: 


d? dv 
a L(C+ JG + RO" — RO + 0) 


=0. 


Diese Gleichung bildet zusammen mit der ersten Gleichung des vor- 
stehenden Systems ein neues System von zwei Gleichungen zwischen 
v, und v, Eliminieren wir hieraus mittels geeigneter Ableitungen 
und Substitutionen v,, so erhalten wir schließlich eine vollständigs, 
nicht homogene lineare Differentialgleichung dritter man mit kon- 
stanten Koeffizienten von der Form: 


arte, =£, 


Zr TA 


wo 
= L(CO+0,0,+G0), 
A 
B=R(CC+0C+ O+L|lac+ B+7lc+ C) 
y=0 +6, i a g| C+ 9), 


t=a+b4+>, 
Ep 
ee 


ist. 
§ 23. Die Differentialgleichung wird offenbar durch 
€ 
= Er V = konst. 


befriedigt.!) Diese Lösung entspricht dem schwingungslosen Zustande, 
in welchem alle Ströme, mit Ausnahme von i’, Null sind, welch 


letzterer allein der Charakteristik. des Audions genügt. In diesem Falle 
muß nämlich 

E,—-Rk € 
vev=E-RÜ=E-R b k > 
n ze [e+ u+ Ra+l)+i E 


sein, und das ist gerade der oben errechnete Wert für V,. Setzer 


— 


1) Ebenso wird die Endgleichung des $ 13 durch » = 
befriedigt. 


Z m V, = konst. 
Y 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegrapbie usw. 388 
wir dann v = V + v, so erhalten wir: 
3y d? v dv 
“pth getto =® 
Das allgemeine Integral dieser Gleichung hat die bekannte Gestalt 
v = Aent 4+ Beaty Cent, 
WO X, Xa, X die Wurzeln der Auflösungsgleichung 
u+ Per +yce+t=0 
sind. 
Soll der Vorgang reell und periodisch sein, so müssen von den 


drei Wurzeln eine reell und die beiden übrigen (konjugiert) komplex 
sein; es muß also sein: 
. I, = % ,=nH+)Jo, T= Njo, 


wo x, n und œ reelle Werte haben müssen, welche durch die Be- 
ziehungen 


ß 


/ 
=, 5na t 2n „ 52an Hnt w; — 


R |r 


= r (n? + 0°) 


bestimmt sind. 

Halten wir uns gegenwärtig, daß «, f, y, & wesentlich positiv 
sind, so finden wir aus der dritten dieser Beziehungen, daß, wenn 7 
und œ reell sind, x, reell und negativ sein muß, daß also, wenn der 
Vorgang periodisch ist, das erste Glied Ae*:! eine vergängliche Kom- 
ponente darstellt, die im Dauerzustande verschwindet. Damit wir 
ferner kontinuierliche Schwingungen erhalten, der periodische Vorgang 
also eine konstante Amplitude habe, muß 7 = O sein, also: 


ß y 
— č —— Z Tı N) 2 
[77 7 
oder weiter 


By=udf 
sein. 


Wenn wir in diese letzte Beziehung für «, f, y und ğ ihre 
Ausdrücke einsetzen, so erhalten wir eine Gleichung, welche die Para- 
meter a und b des Audions mit den Elementen C, Ci, Cy L, k, K 
der äußeren Kreise verbindet: und befriedigt sein muß, damit die 
. Schwingungen erfolgen. 

Als unabhängige Veränderliche, auf die wir einwirken können, 
um die Bedingung für Schwingungen zu erhalten, können wir jedes 
beliebige dieser Elemente betrachten. In Analogie zu der voraus- 


ne 2 
= 0, 


384 G. Vallauri. 


gegangenen Betrachtung wollen wir beispielsweise die Koppelungs- 
kapazität C, wählen. Die nach Potenzen von C, geordnete Bedingungs- 
gleichung ĝ y = æ% ist eine Gleichung zweiten Grades: 


rC?+s0,+t=0, 


in welcher r und ¢ wesentlich positiv sind, Somit ist der Vorgang 
möglich (oder C, reell und positiv), wenn 


s<0 und s?>4rt 
ist. 

Sind diese Bedingungen erfüllt, so haben wir zwei Lösungen 
für C, d.h. es gibt zwei Werte für die Koppelungskapazität, 
bei denen kontinuierliche Schwingungen entstehen. Diese 
Schwingungen sind sinusförmig. i 


Da in der positiven Umgebung von n = 0 die Gleichung p y = « ¢ 
in die Ungleichung fy < œğ übergeht, und da diese durch die 
zwischen den beiden Lösungen der Bedingungsgleichung liegenden 
Werte von C, befriedigt wird, so gelangen wir zu dem Ergebnisse, 
daß, wenn wir uns von den kritischen Werten von C, nach der 
Außenseite dieses Intervalles entfernen, die Schwingungen gedämpft 
sind und im Dauerzustande verschwinden, während bei Überschreitung 
der kritischen Werte nach der Innenseite des Intervalles zu die Schwin- 
gungen an Amplitude zuzunehmen streben. Diese Zunahme der Ampli- 
tude ist nach der Theorie unbegrenzt; in Wirklichkeit aber wird sie 
innerhalb gewisser Grenzen dadurch gehalten, daß mäßigende Ursachen 
in Wirkung treten, die wir nicht mit in Rechnung gezogen haben, 
und vor allen Dingen durch die Krümmung der charakteristischen 
Fläche. In der Praxis haben wir mithin ein ganzes Intervall für die 
Änderung der Koppelungskapazität, innerhalb dessen die Schwingungen 
möglich sind. Im allgemeinen wird es gut sein, wenn dieses Intervall 
zwischen den beiden kritischen Werten weit ist, wenn also die Differenz 
s?— 4rt nicht nur positiv, sondern auch möglichst groß ist. Die 
Diskussion dieser Bedingung und der beiden oben erwähnten Un- 
gleichungen ist verwickelt und mühsam, denn wenn wir beispielsweise 
C und C, als Veränderliche betrachten, so wird s vom zweiten und ? 
vom dritten Grade. Setzen wir nämlich der Kürze halber 


b=b+ 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 385 


so erhalten wir: 


r=(0+6, 


n 


=— a% 0, +(0+0)RC + (2+aR+ 20 RCO +(+ R) 0, 


~h 


-L|(a +04 2+0) +v 0° + z ü 
E l i 
+ CO [la +v) RC +(1 +V MG). 


— mm a gp om g m nn | 


e 
= 
ree 
3 
5 
O 
oe 
wm. 
I 
~ 


M 


J VOU 
m 
A 


J 


| 5 


Fig. 16. 


& 24. Wir können eine rationelle Vereinfachung des analytischen 
Verfahrens erhalten und gleichzeitig zu einer interessanten Schaltungs- 
weise gelangen, wenn wir die Fig. 13 in die ihr gleichwertige Fig. 15 
verwandeln und dabei beachten, daß in dieser letzteren die Rolle der 
aus C, C, und C, bestehenden Gruppe von drei Kondensatoren wahr- 
scheinlich von einer Gruppe aus nur zwei Kondensatoren, C) und C’,, 
übernommen werden kann, wie das in dem Schaltungsplan der Fig. 16 


386 G. Vallauri. 


angegeben ist. Es ist leicht ersichtlich, daß die ganze eben entwickelte 
Behandlung auch für den neuen Fall der Fig. 16 gilt, sobald man 
C = 0; C, = C'i; C, = C, setzt. Die Bedingungsgleichung wird dann: 


' L 
C CG (1+0 RCG’ 47 CCO tU (84 2) LC’=0. 
Bezeichnen wir nun mit œ = ANE. SUNERE die Eigenfrequenz 
z EEI | 
Ci +0, 


des Schwingungskreises, mit ò = 4 das zugehörige Dekrement, 


w D 

’ ð R ; C, 

(woraus sich 0 = ig; folgern läßt), mit y = T das Verhältnis 
2 

zwischen den beiden hintereinander geschalteten Kapazitäten, mit 


2’=- a das Verhältnis zwischen der Selbstinduktion und der 
1 Y2 


G+% 
Gesamtkapazität, so erhalten wir für die nach Potenzen von y ge- 
ordnete Bedingungsgleichung den Ausdruck 
a 


y +2 +v 0z — r; ziy + (1 +02) 145) =. 

Beachtenswert ist der Umstand, daß in dieser Beziehung œ nicht 
vorkommt, daß also bei gleichem a, b und O die Bedingungen des 
Schwingungskreises, was die Möglichkeit der Erzeugung 
von Schwingungen anlangt, dieselben sind, wie sich auch 
immer die Eigenfrequenz ändern mag, sofern nur die Größen- 
verhältnisse zwischen L, C) und C, unverändert bleiben (sofern also 
y und z unverändert bleiben). 


8 25. Betrachten wir nun außer a und b auch R’ (und somit b’) 
und 0 als gegeben, so folgt, daß die Schwingungen möglich sind, wenn 
y und z nicht nur der letzten Gleichung genügen, sondern auch reell 
und positiv sind. Damit aber y diese Bedingungen erfüllt, müssen 
die folgenden Beziehungen befriedigt werden: 


2+502-52<0 
: a \2 . b’z 
2+v0z— 52) -40 +014) OÖ. 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 887 


Lösen wir diese nach z auf, so erhalten wir: 


20 
u: b 0? 
bzw. 
40 (a +b’) 


2 WSV ZU: | 
Da z >0 sein muß, so ergibt sich, daß die zweite Beziehung 
die erste umfaßt, und daß (damit der Nenner auf ihrer rechten Seite 
positiv wird) 0 seinerseits der Beziehung 


a 
g II BER. 
< % y 
genügen muß. 


Daraus folgt, daß es weder für O roch für z einen günstigsten 
Wert gibt, daß aber vor allen Dingen, damit die Schwingungen 
möglich werden, das Eigendekrement des Schwingungs- 
kreises unterhalb eines gegebenen Grenzwertes liegen muß, 
welch letzterer mit wachsendem a zunimmt und mit wachsendem b’ 
niedriger wird. Von diesem Gesichtspunkte aus sowie in Ansehung 
der Eigenschaften des Audions gelangen wir somit zu dem Schlusse, 
daß zweckmäßig a groß und b’ klein sein muß, wie im Falle 
der magnetischen Koppelung (vgl. $ 15); was die Elemente der äußeren 
Kreise angeht, so muß zweckmäßig der Widerstand R’ des 
Anodenkreises groß sein. ?) 

Wenn das Dekrement seinerseits die ihm auferlegte Bedingung 
erfüllt, muß, um die Schwingungen zu ermöglichen, auch 
noch das Verhältnis zwischen Selbstinduktion und Kapazi- 
tät des Schwingungskreises oberhalb eines gewissen Grenz- 
wertes liegen, Damit dieser Grenzwert niedrig sei, müssen weiter 
zweckmäßig a und R’ groß und b klein sein, und ferner muß zweck- 
mäßig das Dekrement so klein wie möglich gegenüber dem 


Grenzwerte 7 | % + = — 1 sein. 


Damit schließlich die beiden kritischen Werte für y = u bei 


denen man kontinuierliche Schwingungen erhält, möglichst weit aus- 


1) Aus dem im 8 15 gegebenen Ausdruck für % ist ersichtlich, daß im 
Falle der magnetischen Koppelung umgekehrt R’ gerade zweckmäßig klein 
sein muß. 


388 G. Vallauri. 


einander liegen (oder damit der Regelungsbereich für C, und C, 
innerhalb dessen man praktisch kontinuierliche Schwingungen erhält, 
möglichst weit sei, muß zweckmäßig das Verhältnis 2? zwischen 
Selbstinduktion und Kapazität des Schwingungskreises 
möglichst groß gegenüber dem Grenzwerte sein. Dem unbegrenzten 
Anwachsen des Verhältnisses 2? steht übrigens eine praktische Schwierig- 
keit entgegen, denn wenn man L immer größer werden lassen will, 
wird es immer schwieriger, die längs des Leiters, der die Selbst- 
induktion bildet, verteilte Kapazität klein zu halten. Es folgt daraus, 
daß jenseits einer gewissen Grenze diese Kapazität gegenüber jener der 
Endkondensatoren C, und C, das Übergewicht erhält und sie weiter- 
hin vollständig ersetzt und dadurch die Verwirklichung der Schaltungs- 
weisen unmöglich macht, die wir der vorliegenden Untersuchung zu- 
grunde gelegt haben, und bei denen die Kapazität und die Selbst- 
induktion als konzentriert und voneinander getrennt angenommen 
worden sind. 


8 26. Wir können die ausgeführten Betrachtungen auf ein zahlen- 
mäßiges Beispiel anwenden und dabei auf das übliche Audion der 
Fig. 2 Bezug nehmen, für welches wir unter den bereits gewählten 
Arbeitsbedingungen a = 28 - 107° und b = 16,8 . 10° haben. Nehmen 
wir (wie in § 15) ô = 0,04 und R’= 10000 an, so finden wir, daß 


die Bedingung ô < n | % = 5 — 1) reichlich erfüllt ist, daß aber z 


nicht kleiner sein darf als 9,5 - 10%, ein Wert, der sich aus den so- 
eben angedeuteten Gründen schon schwer verwirklichen läßt. Da aber 
die Erörterung dargetan hat, daß es von diesem Gesichtspunkte aus 
zweckmäßig ist, wenn R’ groß ist, und da der Erfüllung dieser Be. 
dingung keinerlei praktische Schwierigkeiten entgegenstehen, so wollen 
wir R= 100000 setzen, statt 10000. Dann erhalten wir z = 3,56-10° 
und können beispielsweise z = 5 - 10° annehmen, ein Wert, der immer 
noch ziemlich hoch ist, aber sich immerhin schon vollkommen ver- 
wirklichen läßt, insofern er œ= 5.105, L = 10000 uH und 


aa, = 0,0004 uF ergibt. Mit diesen Werten ergeben sich die 
Ci +C, 
beiden kritischen Werte für y = welche der Erzeugung kontinuier- 


licher Schwingungen entsprechen, zu 1,55 und 7,47. Wir erhalten somit 
als erste Lösung: C, = 0,00102 uF, C, = 0,00066 uF; 
als zweite Lösung: C, = 0,00339 uF, C, = 0,00045 uF. 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 889 


Da wir in der Praxis in dem ganzen Raume zwischen diesen 
beiden Grenzwertpaaren kontinuierliche Schwingungen erhalten können 
(s. § 23), so ersehen wir, daß nicht notwendig beide Kondensatoren C, 
und C, kontinuierlich veränderlich zu sein brauchen, sondern daß es 
vielmehr genügt, wenn der eine stufenweise veränderlich ist, um den 
Wert des Verhältnisses y in den Betriebsbereich zu bringen, und wenn 
der andere kontinuierlich veränderlich ist, um die gewünschte Wellen- 
länge zu erhalten. 

Die Frequenz der erzeugten kontinuierlichen Schwingungen wird 


(s. 8 28) durch w? = Z — 5 oder im Falle der Figg. 14 und 15 durch 


0? = — —- x. Fri 1 + ae 2 2 l 2 
L (o F Pre Zu 
Ci + C, 
und im Falle der Fig. 16 durch 
ET WR Re 
00, De 
C+C, 


gegeben. 

Es ergibt sich, daß in beiden Fällen, wie bereits im Falle der 
magnetischen Koppelung ($ 16), die Frequenz ein wenig höher 
ist als die Eigenfrequenz des Schwingungskreises, aber auch 
hier ist der Unterschied äußerst gering und verschwindet, wenn man 
den Widerstand AR vernachlässigt. 


8 27. Lassen wir der Kürze halber die Erörterung der Anlaufs- 
phase beiseite, und beschränken wir uns auf den Fall der Fig. 16, so 
erhalten wir für den Dauerzustand die folgenden Beziehungen: 


v= Vo + Ysinwt, 


V. l 
— snot, 
R 


er m 
i, = œ C, Vsin 01-2) 


© WILD G? 
v -v+ y Te N sinoøot— o, 


ETIA 
b2 wC 2 
i, = @ C V ran o: — f — a , 
2 


a? + w? 
„-itutb 


t =l — 


~ 


390 G. Vallauri. 


wo der Winkel @ seinerseits durch die Beziehung 
o Cb — o C, a 
Vo? C CG t+ ab 


tang p = 


definiert ist. 
Wir finden weiter, daß die konstante Potentialdifferenz d (s. § 21) 
zwischen den Belegungen des Rostkondensators C” sich zu . 
1 
A Vao = Vo — Koo = Cis A a, 


C. 


oder 


d= [a + +] 
ergibt. 

In den beiden Lösungen des im vorigen Paragraphen behandelten 
Falles haben wir tangp = — 0,0322 bzw. tang o = — 0,109, und da 
cos < 0 ist, so ist der Winkel 9 wenig kleiner als m. Wir sehen 
mithin, daß die beiden Spannungen v, und v, =v, — d der Anode 
und des Rostes sich annähernd in entgegengesetzter Phase ändern, so 
daß an den gemeinsamen Enden der Gesamtkapazität und der Selbst- 
induktion des Schwingungskreises eine elektromotorische . Wechselkraft 
wirkt, deren Amplitude ungefähr die Summe der Amplituden der 
zwischen Rost und Draht und der zwischen Anode und Draht wirken- 
den EMKK. ist. Dies scheint einer der theoretischen Gründe zu sein, 
welche die beachtenswerten Vorzüge der Ultraudionschaltung erklären 
können. 

Die beiden Ströme ü, und i, haben annähernd gleiche Amplitude 
und entgegengesetzte Phase, so daB man einen einzigen Strom im 
Schwingungskreise betrachten kann. In den beiden Lösungen des be- 
trachteten zahlenmäßigen Beispiels beträgt die Amplitude dieses Stromes 
5,1-10”%.V bzw. 16,85.1074.V (wo V die Amplitude der Änderung 
von v, ist. Von den beiden Lösungen ist also die zweite vorzuziehen 
(d.h jene, bei welcher der Koppelungskondensator C, die größere 
Kapazität hat), da sie zu einer elffach so großen Ausbeute führt, wie 
sie sich bei der ersten Lösung erhalten läßt. 

Die gesamte Anodenstromstärke ı, ihrerseits ergibt sich 
als angenähert in Phase mit der Regelungsspannung v, und 
in entgegengesetzter Phase wie die Anodenspannung v„ wie 
für den Fall der magnetischen Koppelung (vgl. § 17). Auch hier ver- 
schiebt sich der Punkt, der den Zustand des Audions darstellt, auf 
der charakteristischen Ebene so, daß er eine sehr gestreckte Ellipse 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 891 


beschreibt, die sich annähernd durch einen Abschnitt einer Geraden 
ersetzen läßt. Die Projektion dieser letzteren auf die Fig. 2 hat für 
die erste Lösung des betrachteten zahlenmäßigen Beispiels eine Nei- 
gung von 17,1 uA für 1 V und für die zweite Lösung eine solche 
von 25,7 uA für 1 V, während sie bei dem Beispiel der magnetischen 
Koppelung ($ 17) eine Neigung von nur 12 uA für 1 V hatte (das 
ist die Neigung der in Fig. 2 durch Striche und Punkte gekennzeich- 
neten Geraden). 


$ 28. Für die Bestimmung der Amplitude V auf Seiten der 
veränderlichen Anodenspannung v, (s. $ 27) ist die Betrachtung des 
Anfangszustandes und der Anlaufphase erforderlich. Diese kann in 
analoger Weise angestellt werden, wie dies im Falle der magnetischen 
Koppelung geschehen ist, und sie gestattet gleichfalls die Berechnung 
der in Frage kommenden Energiemengen und der Ausbeute. Aber 
diese Daten sind weit weniger interessant als die für das Zustande- 
kommen der Schwingungen notwendigen Bedingungen und als die Daten 
über die Frequenz, mit der diese Schwingungen erfolgen. Was nämlich 
die Energiemengen und die Ausbeute angeht, so sind die berechneten 
Bedingungen nur Grenzbedingungen, unter denen die Schwingungen 
eben einsetzen. In der Praxis wird man sich von ihnen in der Rich- 
tung der Gebiete entfernen müssen, in denen die Schwingungen nach 
der Theorie unbegrenzt an Amplitude zunehmen würden, in Wirklich- 
keit aber neue Betriebszustände annehmen, die weit stabiler sind und 
höhere Ausbeute ergeben als die den Grenzbedingungen entsprechenden 
(§ 18 und $ 23). 

Schließlich verdient hervorgehoben zu werden, daß die einfachen 
analytischen Voraussetzungen, die wir gemacht haben, um die Arbeits- 
weise des Audions darzustellen, in analoger Weise wie in den voraus- 
gegangenen Abschnitten die Vorgänge zu untersuchen gestatten, die 
bei vielen anderen Schaltungsweisen eintreten. So kann man beispiels- 
weise eine mit dem Widerstande K’ im Kreise der Anoden— EMK. 
in Reihe geschaltete Selbstinduktion L’ berücksichtigen; oder einen 
Bremskondensator (von beträchtlich größerer Kapazität als die übrigen 
Kondensatoren), den man bei den Ultraudionsschaltungen zwischen den 
Draht und den gemeinsamen Punkt der Kondensatoren C) und C, 
legen kann; oder die gleichzeitige Wirksamkeit des Audions als Ver- 
stärker und als Schwingungserzeuger, bei der Schwebungen zwischen 
einer Empfangswelle und einer örtlichen Welle auftreten; oder seine 
Wirksamkeit als Erzeuger zweier verschiedener Wellen, wenn von den 


392 G. Vallauri. 


beiden mit den Elektroden verbundenen Kreisen nicht, wie in den zu- 
vor betrachteten Fällen der eine oszillatorisch und der andere aperio- 
disch ist, sondern vielmehr beide oszillatorisch und in passender Weise 
miteinander gekoppelt sind; und so fort noch sehr viele andere Fälle. 


Der Audiondetektor. 


8 29. Die bisher für die Darstellung des Verhaltens des Au- 
dions gemachten Voraussetzungen eignen sich nicht mehr für die 
analytische Untersuchung, wenn man diese auch auf die Wirkung 
als Detektor oder als Gleichrichter ausdehnen will, weil man dann 
auf die ebene Charakteristik verzichten und für i, = z (v,, v,) einen 
komplexeren Ausdruck annehmen muß (vergl. § 6 und 7) Um die 
einfache Wirkung als Gleichrichter zu untersuchen, kann man sich 


auf die Fig. 17 beziehen, welche die gleiche ist wie Fig. 3, und kann, 
während man noch der Einfachheit halber die Voraussetzung i, = 0 
beibehält, v, = e, = Ep + ¢ setzen, wo E, eine konstante EMK. ist 
und e eine periodische EMK. mit dem Mittelwerte Null. Unter diesen 
Bedingungen findet man allgemein, daß der Anodenstrom i, sich eben- 
. falls aus einem konstanten Teile J) und einem periodischen Teile z 
zusammensetzt, also : = J, + ti, aber als Folge der Krümmung der 
Charakteristik 2, = y (v,, v,) zeigt sich, daß J, nicht mehr von e un- 
abhängig ist, sondern sich vielmehr infolge von e ändert. Die Gleich- 
richterwirkung besteht gerade darin, daß die Einfügung einer perio- 
dischen EMK. mit dem Mittelwerte Null in den Rostkreis eine Ände- 
rung des Mittelwertes I, der Anodenstromstärke bedingt. Auf Grund 
dieser Auffassung können wir einen Index des Gleichrichterver- 
mögens folgendermaßen definieren: 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 398 


Wenn wir die Elemente des äußeren Anodenkreises und die in 
ihm wirkende EMK. als gögeben ansehen, erhalten wir eine Beziehung 
zwischen v, und :,, die im einfachsten Falle der Fig. 17 die Form 
E, — v, = Ri, bat. Eliminieren wir v, aus dieser Beziehung und 
aus der Charakteristik i, = y (v,, v,), so erhalten wir eine Gleichung 
„= % (v). Wenn wir nun annehmen, daß wir der Regelungsspannung 
einen Zuwachs + Jv, erteilen, so erhalten wir eine entsprechende 
Änderung + 4, i, der Anodenstromstärke, und ebenso erhalten wir 
für — Áv, eine Änderung — 4, t,, also: 


+ 4i =e, + dv): 
i, — 4i, = x wv, — 4v): 


Nur in dem Falle, daß die Beziehung :, = x, (v,) linear ist (ebene 
Charakteristik), sind die beiden Änderungen A, i, und A,i, an Wert 
und Vorzeichen für beliebiges Av, identisch; in den übrigen Fällen 
ist das Mittel i, + (4i, — 4, i,) zwischen den beiden neuen Werten, 
welche die Anodenstromstärke annimmt, vom Anfangswerte :, um eine 
Größe 1(A,i, — 4,i,) verschieden, welche die Wirkung der Gleich- 
richtertätigkeit des Audions darstellt. Für ein nach Null strebendes 
Av, ist diese Größe unendlich klein von zweiter Ordnung gegenüber 
Av,; nehmen wir dann an, daß wir nur sehr geringe periodische 
Änderungen betrachten, so können wir als Index des Gleichrichter- 
En annehmen, 


und dieser ist die zweite Ableitung z,” der Funktion x nach v, 


vermögens den Grenzwert des Verhältnisses 


8 30. Diese Überlegung gründet sich auf die implicite gemachte 
und ziemlich einschränkende Annahme, daß man von der Betrachtung 
der Zeit absehen könne. Sie bezieht sich nämlich auf die Dauer- 
zustände für drei verschiedene Regelungsspannungen v, — Av, v, 
und v, + Av,, und nimmt das Vorhandensein der Funktion i, = x, (v,) 
an. In Wirklichkeit aber enthält die Beziehung zwischen :, und v, 
die wir aus den Elementen des Anodenkreises abgeleitet haben, um 
dann îi, = x, (v,) zu erhalten, im allgemeinen eine dritte Veränderliche, 
und diese ist die Zeit. Diese fällt nur in dem Falle heraus, daß wir 
die Wirkungen der elektromagnetischen Trägheit des Kreises selbst 
vernachlässigen, daß wir also seine Selbstinduktion und seine Kapa- 
zität nicht berücksichtigen und uns nur, wie im Falle der Fig. 17, 
auf seinen Widerstand beschränken. Bei diesen Beschränkungen hin- 
sichtlich des Anodenkreises verhält sich das ganze System so, als ob 

Jabrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telegraphie. 12. 26 


394 G. Vallauri. 


es frei von Trägheit wäre, denn für das Audion haben wir das schon 
dadurch angenommen, daß wir dessen Charakteristiken ausgedrückt 
haben, ohne die Zeit zu berücksichtigen (s. $ 8), und was den Regelungs- 
kreis anbetrifft, so kann sich in ihm keine elektromagnetische Trägheit 
geltend machen, wenn wir der Stromstärke i, beständig den Wert Null 
beigelegt haben. Wir können somit die zweite Ableitung der Funk- 
tion X, als Index des Gleichrichtervermögens annehmen, unabhängig 
von der Zeit im Allgemeinen und von der Frequenz der periodischen 
EMK. e im Besonderen. 


8 31. Wenn wir mit den eben angegebenen Einschränkungen 
das Problem der Gleichrichtung quantitativ untersuchen wollen, müssen 
wir der charakteristischen Fläche i, = x(v,, v,) einen neuen empirischen 
Ausdruck geben und dabei ihrer Krümmung Rechnung tragen. Die 
Wahl eines solchen Ausdrucks ist nicht leicht, und es ist ratsam, sich 
hierbei auf ein Beispiel zu beschränken, unter dem Vorbehalt, bei einer 
weiteren Untersuchung die Prüfung der Frage ausführlicher wieder 
aufzunehmen. Beginnen wir mit den Kurven i, = f(v,), die einzelnen 
Werten von v, entsprechen (wie die in Fig. 2 gezeichneten), so können 
wir sie beispielsweise angenähert durch einen Ausdruck von der Form 


2n (v, — 2) | 
i =m 1 4 ~t | 
BE ee (t) 
darstellen, wo p und m die Koordinaten des Punktes mittlerer Krüm- 
mung sind, und n die horizontale Entfernung zwischen ihm und jedem 


der beiden Punkte ist, für welche dta 


= Q0 ist. Die nutzbare Strecke 


der Kurve (1) würde gerade die zwischen diesen beiden Punkten liegende 
di, 


2 
sein. Die Ableitung im Krümmungspunkte wird pe i 


Um nun die Veränderlichkeit mit v, zu berücksichtigen, muß 
man, wie unter Berücksichtigung der Fig. 2 ersichtlich wird, etwa 
zwei verschiedene Darstellungen annehmen, nämlich eine für verhältnis- 
mäßig kleine Werte von v, unter der Annahme, daß sich die Ordi- 
naten proportional mit v, ändern, I 


R 2n(v. — p 
„= 0,11 = RB], 


_—— 2 
n? ns (w, — P l ) 
die andere für höhere Werte von v, unter der Annahme, daß sich die 
Kurven parallel mit sich selbst nach links proportional mit der Zu- 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 395 


nahme von v, verschieben, 
2nw,+kv, — p) 
ur a 6) 
Für mittlere Werte von v, könnte man auch zwecks größerer 
Annäherung eine Formel nehmen, welche beiden Änderungsweisen von 
i, mit v, Rechnung tragen würde. 
Nehmen wir an, daß der Anodenkreis nur eine konstante EMK. 
E, und einen Widerstand R enthält (Fig. 17), so erhalten wir: v, = 
E,— Ri, und durch Einsetzen in die Gleichung (2) und Auflösen 
nach ¿, ergibt sich: 


1 
a OET 
Fr, p) 


Nehmen wir als Maß der Gleichrichterwirkung die zweite Ab- 


5 
leitung A an, und setzen wir der Kürze halber v, — p = v, so folgt: 


d?i v(v? — 8n?) + q Rev — 2n)(v + n}? 
a Oo a E 
dv? a [v? + n? + q R(v + n)?’ 
und diese Gleichung geht in die zweite Ableitung der Gleichung (1) 
über (wenn man q E, = m setzt), wenn man annimmt, daß q R gegen 
Eins zu vernachlässigen ist. 

Die Substitution v, = E, — Ri, kann man ebenfalls in Gleichung (3) 
vornehmen, aber sie führt dort zu beträchtlichen analytischen Kom- 
plikationen, weil der Ausdruck vom dritten Grade für i, wird. 


8 32. Greifen wir auf das experimentelle Beispiel der Fig. 2 
zurück (und berücksichtigen wir die im $ 7 angedeuteten Korrektionen 
für v, und v), so finden wir, daß für v, > 25 annähernd die Formel (3) 
mit den nachstehenden Zahlenwerten angenommen werden kann: 

32 (v, + 0,82v, — 15) | 
256 + (v, + 0,82 v, — 15)? 

Wollten wir nun für v, < 25 die Formel (2) mit der Bedingung 
annehmen, daß für v, = 25 die Formeln rusammenfallen, so würden 
wir erhalten: 


paia 10-0. v,f En 


i, = 180 - 10-011 ji 


256 + (v, + 5,5)? 

Die dem System der beiden letzten Gleichungen entsprechenden 
Kurven sind in Fig. 18 ausgezogen dargestellt. In dieser Figur ist 
26* 


32 (v, + 5,5) | 


396 G. Vallauri. 


ferner gestrichelt (in willkürlichem Maßstabe) die Kurve für das Gleich- 
richtervermögen als Funktion von v, für E, = 25 und R = 10000 
gezeichnet, sowie mit Strichen und Punkten (in demselben Maßstabe) 
die gleiche Kurve für E, = 25 und ein gegen Eins zu vernachlässigen- 


580 


F 229% 
Ar 


Ly A 
HHH Fer 

E 
ma 


m 
// 
ME 
LUVA A 
FRY 
He 
Aea 
PES 


120 


Fig. 18. 


des q4 R. Um Fig. 18 mit Fig. 2 zu vergleichen, muß man berück- 
sichtigen, daß die in Fig. 2 bezeichneten Werte von v, und v, alle 
um 1,4 V vergrößert werden müssen (vergl. § 7). 


$ 33. Nimmt man für die Charakteristik des Audions Formeln 
wie (2) und (8) an, welche ihrer Krümmung Rechnung tragen, so kann 


Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Telegraphie usw. 397 


man auf Grund ihrer die Untersuchung des Verhaltens als Verstärker 
und als Erreger wiederholen, die wir bereits für den Fall der ebenen 
„Charakteristik durchgeführt haben. Abgesehen von den analytischen 
Schwierigkeiten kann man voraussagen, daß die neuen Ergebnisse sich 
von den bereits erhaltenen um so weniger unterscheiden müssen, je 
enger begrenzt die zyklischen Änderungen der Elemente sind, und je 
mehr sich das Stück der Charakteristik, in dem wir diese Änderungen 
vor sich gehen lassen, einer Ebene nähert. Berücksichtigt man dann 
gleichzeitig die drei Wirkungen des Audions, so kann man neue Fälle 
der Wirkungsweise außer den zuvor behandelten oder angedeuteten 
betrachten. Beispielsweise gestattet, die Gleichrichterwirkung, die in Be- 
. gleitung der Verstärkerwirkung auftritt, im Falle der Fig. 4 ohne einen 
besonderen Detektor im Telephonkreise auszukommen und das Telephon 
gleich in den Anodenkreis zwischen a und b’ einzuschalten statt in den 
Schwingungskreis. Die Schaltung wird dann jener der Figg. 8 u. 17 äqui- 
valent, wenn man durch R das Telephon und durch die kleine zwischen 
a und b eingeschaltete Wechselstromquelle den geschlossenen Schwingungs- 
kreis darstellt, der mit dem Empfangsluftleiter gekoppelt ist. Dies ist 
die einfachste Schaltungsweise des Audionempfängers für Signale mit 
gedämpften Wellen, und in ihr kann man noch die Regelungs-EMK. 
E durch einen einfachen mit dem Rost in Reihe geschalteten Konden- 
sator ersetzen (s. $ 21). 

In derartigen Schaltungen besteht keine Koppelung zwischen den 
äußeren Kreisen, und es wird das Regenerierungsvermögen, das sich 
daraus infolge der Verstärkerwirkung des Audions ergibt, nicht nutz- 
bar gemacht. Berücksichtigt man dieses Kriterium, so sieht man, wie 
auch für den Empfang gedämpfter Wellen die durch die Figg. 7, 8, 
9, 10, 13, 14, 15 und 16 dargestellten Schaltungen ihr überlegen 
sein müssen. In diesen Schaltungen braucht man zur Vervollständigung 
des Empfängerkreises nur anzunehmen, daß der Widerstand R’ ein Tele- 
phon darstellt, und daß mit der Selbstinduktion L der Empfangsluft- 
leiterkreis gekoppelt ist, der in der Figur nicht gezeichnet ist. Die 
Schaltungsweisen dieses Typus haben den großen Vorzug, auch den 
Empfang kontinuierlicher Wellen nach der Schwebungsmethode zu ge- 
statten. Bringt man nämlich das System auf solche Bedingungen, in 
denen es zum Erzeuger wird, so überlagern sich die örtlichen Schwin- 
gungen mit den vom Luftleiter empfangenen, und man erhält dann 
bei Änderung der Wellenlänge der ersteren Schwebungen von beliebig 
regelbarer musikalischer Schwingungszahl. Somit erhält man denn 
auch infolge der Gleichrichterwirkung im Anodenkreise eine Kompo- 


898 Mitteilungen aus der Praxis. 


nente des Telephonstromes, welche den Empfang gestattet. Das ist die 
Wirkungsweise als Autoheterodyn. 

Die Mannigfaltigkeit der Schaltungsweisen, die vorgeschlagen wor-. 
den sind, um die angegebenen Ergebnisse (und auch noch andere, wie 
beispielsweise die stufenweise Verstärkung der radiotelegraphischen und 
der radiotelephonischen Stromstärke in einer und derselben Röhre) zu 
erhalten, ist sehr groß, aber durch passende Vereinfachungen lassen 
sie sich auf die Grundformen znrückführen, deren Eigenschaften wir 
hier untersucht haben. 


Zusammenfassung. 

` & 34. Die vorliegende Untersuchung kann vielleicht als ein erster 
Versuch einer „Theorie des Audions‘“ angesehen werden, in welcher 
a) die radiotelegraphischen Anwendungen der Vakuumröhren mit drei 
Elektroden aufgezählt werden; b) ihre Eigenschaften und die Art ihrer 
Darstellung durch Charakteristiken untersucht werden; c) einfachste 
Näherungsformen für den analytischen Ausdruck dieser Charakteristiken 
vorgeschlagen werden; d) die Möglichkeit dargetan wird, auf Grund 
der vorgeschlagenen Charakteristiken die Wirkungsweisen des Audions 
als Verstärker und als Erzeuger zu untersuchen; e) die Eigenschaften 
einiger typischer Audionschaltungen analytisch erörtert werden; f) der 
Weg vorgezeichnet wird, nicht nur die Wırkungsweise des Audions 
als Empfänger zu untersuchen, sondern auch die verwickelteren Fälle, 
in denen das Audion gleichzeitig verschiedene Aufgaben erfüllt. 


Istituto Elettrotecnico e Radiotelegrafico della R. Marina, 
Livorno, R. Accademia Navale, 15. Dezember 1916. 


(Eingegangen 15 Mai 1917.) 


(Nach einem Sonderabdruck von „L’Elettrotecnica“, 25. Jan. bis 
5. Febr. 1917, aus dem Italienischen übersetzt von Max Ikle.) 


Mitteilungen aus der Praxis. 


Audion. 


In den ausländischen Arbeiten über das Audion kommen Aus- 
drücke vor, die in der Terminologie der deutschen Radiotechnik nicht 
gebräuchlich sind. An Hand nachstehender Figur sei deshalb zur 
allgemeinen Klarstellung folgendes bemerkt: 


Mitteilungen aus der Praxis. 399 


Man unterscheidet bei jeder Kathodenröhre: 

Anodenkreis, enthaltend die Gasstrecke zwischen Anode und Kathode, 
Anodenbatterie, sowie das Telephon im verstärkten Stromkreis 
der Verstärkerröhre und beim Audion, sowie Spule oder Konden- 
sator bei der Senderöhre. 


Emp fanger — 


i densa ; 
Paralett- | 


Widersta. 


Herzbarferıe 


Anodenkreis: ausgezogen; 
Gitterkreis: gestrichelt; 
Brennerkreis: punktiert. 


Gitterkreis, enthaltend die Gasstrecke zwischen Gitter und Kathode, 
den .unverstärkten Stromkreis der Verstärkerröhre, den An- 
schlug mit Gitterkondensator und Parallelwiderstand zum 

- Empfänger beim Audion und die Kopplung (induktiv oder 
kapazitiv) mit dem Anodenkreis bei der Senderöhre. 

Brennerkreis zum Heizen der Glühkathode. 

Eichhorn. 


(Eingesandt 1. Oktober 1917.) 


400 Mitteilungen aus der Praxis. 


In der „Neue Zürcher Zeitung“ erschien kürzlich folgender Bericht: 


Drahtlose Telegraphie zwischen Kalifornien und Japan. 


Während des Krieges — im November des vorigen Jahres — ist 
eins der Glieder der großen Kette drahtloser Telegraphenämter fertig 
geworden, die die Marconigesellschaft seit einer Reihe von Jahren ge- 
plant hat, und gegenwärtig kann man bereits von San Francisco in 
Kalifornien nach Funabaschi in Japan drahtlos telegraphieren. Die in 
Gotenburg erscheinende schwedische Fachzeitschrift für drahtlose Tele- 
graphie und Telephonie „Radio“ teilt nähere Einzelheiten über Ein- 
richtung und Betrieb dieser drahtlosen Telegraphenlinie mit. 

In der Nähe von San Francisco liegt die Doppelstation Marshall- 
Bolinas, die von Funabaschi rund 11000 Kilometer entfernt ist. Zwischen 
den beiden Endpunkten der Strecke, fast 4000 Kilometer von der 
amerikanischen Küste, nicht ganz 7000 Kilometer von Japan entfernt, 
liegt die Vermittlungsstelle, ebenfalls eine Doppelstation, Kahuku-Koko- 
Head auf Hawai, wohl die größte Einrichtung für drahtlose Tele- 
graphie, die bisher überhaupt geschaffen worden ist. Koko-Head liegt 
gegen 16 Kilometer östlich von Honolulu auf Oahu, der drittgrößten 
Hawai-Insel.e Die Antennen für den Amerikadienst sind in südwest- 
licher Richtung gespannt, die für den Japandienst in östlicher. Für 
die Amerika-Antennen sind fünf Masten von etwa 100 Meter Höhe 
errichtet worden, während die Japan-Antennen von zwei je 188 Meter 
‘hohen Masten getragen werden, von denen aus sie sich nach einem 
Turme ziehen, der auf Koko-Head steht, einem erloschenen Vulkan 
von 370 Meter Höhe. Dieser Turm ist noch 45 Meter hoch, die Länge 
der Antennen beträgt daher annähernd 600 Meter. In Kahuku sind 
die Einrichtungen noch größer und ausgedehnter: die Amerika-Antenne 
wird von 12 Masten von 100 Meter Höhe getragen und liegt nach 
Südwesten, die Japan-Antenne hängt an 12 Masten von 150 Meter Höhe. 
Auf der amerikanischen Seite des Stillen Weltmeeres sind in Bolinas 
Antennen, die von 8 je 100 Meter hohen Masten getragen werden, 
während die Station Marshall 7 Masten von annähernd gleicher Höhe 
hat. Den elektrischen Strom von 300 Kilowatt liefern Motoren von 
500 Pferdekräften. Der Bau der Anlagen mitten im Weltmeer war 
nicht einfach, da fast die gesamten Baustoffe auf langem Wege dort 
hingeschafft werden mußten. Das meiste wurde von New-York aus 
nach der Ostküste Mexikos mit dem Dampfer befördert, dann mit der 
Eisenbahn an die Westküste gebracht und von dort weiter mit dem 


H. Eales. Patentschau. 401 


Schiffe nach Honolulu geführt. Alle Einrichtungen dieser Linie für 
drahtlose Telegraphie sind selbstverständlich auf der Höhe der Zeit; 
so geschieht das Senden aller Telegramme automatisch mit Hilfe durch- 
lochter Streifen, die in den Sender nur eingespannt zu werden brauchen. 
Die Telegraphiergeschwindigkeit ist recht erheblich; es können 300 
Zeichen in der Minute übermittelt werden. Als Empfänger dienen 
Einrichtungen, die dem Diktaphon nachgebildet sind und von denen 
besondere Beamte die Telegramme, wenn sie fertig vorliegen, rasch 
ablesen. Als Sprache ist nur das Englische und Französische zulässig. 


Die Errichtung ähnlicher Anlagen empfiehlt sich, wie der Krieg 
lehrt, auch für die Mittelmächte. E. 


(Eingesandt 15. September 1917.) 


Patentschau. 
Von H. Eales. 


A. W. Hull in Worcester, Mass., V. St. A., beschreibt in der 
amerikanischen Patentschrift 1114697 drei Ausführungsformen und 
Schaltungsanordnungen für Elektronenentladungsröhren, und zwar ist 
der Hauptzweck der, die Wirkung der sogenannten Raumladung bei 
solchen Elektronenentladungsgefäßen zu verringern obne zugleich die 
Wirkungsweise des Apparates zu beeinträchtigen. Zu diesem Zwecke 
wird die Elektronenentladung innerhalb eines positiven Feldes erzeugt, 
welches durch ein sehr hohes Potential erzeugt werden kann, und die 
Elektronen werden durch ein elektromagnetisches Feld, welches pa- 
rallel zu einer die Anode und die Kathode verbindenden Linie verläuft, 
daran gehindert, sich auf den Leiter, durch den das positive Feld 
erzeugt wird, zu entladen. Auf diese Weise wird die Bewegung 
der Elektronen innerhalb einer vorherbestimmten Zone begrenzt. Der 
positiv geladene Körper erhöht sonach den Elektronenentladungsstrom, 
indem er die Wirkung der Raumladung eliminiert ohne selbst Energie 
abzuleiten. Fig. 1 zeigt eine solche Anordnung. Der Elektronen- 
entladungsapparat besteht aus einer zylindrischen Glas-, Quarz- oder 
drgl. Röhre 1. Die elektronenaussendende Kathode 2 besteht aus 
einem geradlinig ausgespannten Draht aus schwer schmelzbarem Me- 
tall, z, B. Wolfram, der in der Achse der Röhre 1 angeordnet ist. 


402 | H. Eales. 


Dieser Kathodendraht 2 wird durch einen durch die eingeschmol- 
zenen Leitungen 3 und 4 zugeführten Strom auf Weißglut erhitzt. 
Durch eine zylindrische Feder 5 wird der Kathodenglühdraht straff 
gespannt erhalten. Die Anode 6 hat eine Durchbrechung, durch 
welche der Draht 4 hindurchgeht. Sie besteht ebenfalls aus sehr 
schwer schmelzbarem Material, vorzugsweise Wolfram. Die Anode ist 
durch Elektronenbombardement während des Herstellens der Röhre 
möglichst von okkludierten Gasen befreit. Der Innenraum der Röhre 
ist mittels einer Gaede-Molekularpumpe soweit entlüftet, daß Gasioni- 
sation in der Hauptsache oder vollkommen verschwunden ist. Die be- 
besonderen Gasdrucke hängen von den Spannungen und den Strömen 

8 


9 
f ii ili v5 Ad 


| z2- < 
AD OKANANI aa 


al NAH EEN E 

nf Fiaa nn x 

i 2 ITEM ITITT* 

H 4 mn = 
Fig. 1. 


ab, mit denen gearbeitet werden soll, und sie können einige Hundert- 
tausendstel Millimeter Quecksilberdruck oder sogar besser noch weniger 
betragen. 

Die Kathode 2 ist von einem Leiter 7 umgeben, der vorzugs- 
weise aus einer eng gewundenen Drahtspirale besteht, die sich wenig- 
stens über die ganze Länge der Kathode hinweg erstreckt und dicht 
an der Wandung der Röhre angeordnet ist. Der Leiter 7 kann auch 
gegebenenfalls die Form einer zylindrischen Metallhülse annehmen, oder 
auch die eines Metallniederschlages auf der inneren Oberfläche der 
Glasröhre 1. Der Leiter 7 wird mit der positiven Klemme einer 
geeigneten Spannungsquelle (Batterie) 8 verbunden, deren negative 
Klemme an die Kathode 1 angeschlossen ist. Um den Leiter 7 einen 
Potentialgradienten zu geben, der demjenigen des Glühdrahtes ähnlich 
ist, sind seine Enden vorzugweise mit einer Batterie 9 verbunden, . deren 
Potential so eingestellt ist, daß das Feldpotential an irgend zwei ent- 
gegengesetzten Punkten gleichgroßB wird wie das des Glühdrahtes. Der 
Kathodendraht wird auf Glühtemperatur erhalten durch die Batterie 10, 
die über die Zuleitungen 11 und 12 angeschaltet ist. Zwischen die 


Patentschau. i 408 


Kathode 2 und die Anode 6 ist eine Ortsstromquelle 13 geschaltet, 
deren positive Klemme mit der Anode verbunden ist. Im Ortsstrom- 
kreis liegt der Anzeigeapparat 14, z. B. in Gestalt eines Telephon- 
hörers, oder ein anderer elektromagnetischer Anzeiger, z. B. ein elektro- 
magnetisches Relais. Wenn nun bei der bisher beschriebenen Röhren- 
anordnung ein Potential zwischen die Kathode und die Anode 
durch die Stromquelle 18 angelegt wird, wird eine kontinuierliche 
Elektronenentladung durch den evakuierten Raum zwischen der Ka- 
thode und der Anode stattfinden. Wie bereits erwähnt, wird dieser 
Strom bei einer bestimmten Spannung begrenzt und verringert sein 
durch die sogenannte Raumladung, deren Wert in jedem besonderen 
Falle abhängt von der geometrischen Gestalt der Elektronenentladung, 
von dem Abstande zwischen den Elektronenentladungselektroden und 
von anderen Faktoren. Wenn der Leiter 7 positiv geladen wird und 
dem elektrischen Felde um die Kathode eine radiale Komponente ge- 
gegeben wird, wird die Raumladung veringert je nach dem. Potential 
der positiven Ladung. In diesem Falle würde der Elektronenstrom 
zum Teil nach dem Leiter 7 verlaufen, der dann als Anode wirken 
und die Wirkung der Anordnung verringern würde Gemäß der Er- 
‘ findung soll nun diese Entladung der Elektronen auf den positiv ge- 
ladenen Körper verhindert werden, indem der Apparat mit einer magne- 
tischen Spule 15 umgeben wird, die bei geeigneter Erregung ein 
elektromagnetisches Feld erzeugt, welches parallel zur Kathode 2 ver- - 
läuft. Dieses Feld zwingt die Elektronen, sich in gekrümmten Bahnen 
um die Kathode zu bewegen und zur Kathode zurückzukehren, wenn 
kein Potential zwischen der Kathode und der Anode herrscht, dagegen 
im anderen Falle in Spiralen um die Kathode sich zu bewegen, bis 
sie die Anode erreichen. Durch Veränderung des Potentials des positiv 
geladenen „Neutralisators“ 7 kann der Entladungsstrom mit einer ge- 
nügend hohen Temperatur des Glühdrahtes variiert werden. Diese 
Anordnung kann verwendet werden zum Empfang elektromagnetischer 
Wellen in der drahtlosen Telegraphie. Dabei ist z.B. 16 in Fig. 1 
eine geerdete Antenne, 17 ein lose gekoppelter Empfangstransformator, 
18 ein abgestimmter Schwingungskreis mit dem Kondensator 19; 14 ist 
ein Telephonhörer, zu dem parallel ein Kondensator 20 liegt. Fig. 2 
zeigt eine Abänderung, bei der statt der Drahtspirale 7 in Fig. 1 
ein Metallzylinder 21 tritt, der an seinem einen Ende einen ringför- 
migen Teil 22 besitzt, der vorzugsweise im rechten Winkel zur Achse 
(der Röhre liegt und so einen verhältnismäßig hohen Beitrag zur elek- 
trischen Kraft parallel zur Röhre liefert. Die Wechselstromquelle 23 


404 H. Eales. 


kann eine Dynamomaschine sein, oder ein Transformator oder ein Os- 
zillator. 24 ist eine Gleichstromquelle.e Durch die Wechselstrom- 
quelle 23 wird der Stromfluß der Gleichstromquelle 24 so gesteuert, 
daß der Wechselstrom 28 in verstärkte Pulsationen der Gleichstrom- 
quelle umgesetzt wird, die dann durch den Transformator 26 wieder 


| Js 


2, A 
Ten = 
= TITTEN NTTTT « 


4 


—liliily 
Fig. 2. 


in Wechselstrom verwandelt wird. Das Ganze dient also zur Steuerung 
starker bzw. hochgespannter Gleichströme (24) durch schwache Wechsel- 
ströme (23) Fig. 3 zeigt eine dritte Ausführungsform dieser Ent- 
ladungsröhre, bei der zwei im rechten Winkel zueinander verlaufende 


Fig. 3. 


magnetische Felder verwendet werden. 27 ist die Elektronen aus- 
sendende Glühkathode. Der Elektronenstrom ist in einen: längs der 
Röhrenachse fließenden Strom konzentriert, der eine der Anoden 29 
oder 30 erreicht. Der Ausgleichsleiter oder Neutralisator 28 erhält 
eine positive Ladung durch die Hochspannungsquelle 44. Der Neu- 
tralisator 28 besitzt wiederum ein ringförmiges Endstück im rechten 
Winkel zur Röhrenachse, wodurch die Geschwindigkeit der Bewegung 
der Elektronen gegen die Anoden 29 und 30 zu gesteigert wird. Die 


Patentschau. 405 


Elektronen werden durch das magnetische Feld des Solenoids 31 ge- 
hindert, sich nach dem Ausgleicher oder Neutralisator 28 zu entladen, 
vielmehr werden die Elektronen durch dieses magnetische Feld veranlaßt 
in einem in der Achse der Röhre konzentrierten Strom zu fließen. Durch 
den Magneten 32, der ein im rechten Winkel zu dem von der Spule 31 
erzeugten Feld gerichletes Feld erzeugt, wird ein resultierendes Feld 
erzeugt, so daß der Elektronenstrom abgelenkt und entweder nach der 
Anode 29 oder nach der Anode 30 gerichtet wird. Das Feld des 
Magneten 32 kann durch eine Wechselstromquelle 33 erzeugt werden, 
die mit den Wicklungen 34 und 35 durch die Leitungen 36 und 87 


6 


BE zo 
An N Z 


Dan 


a 00 20 


Œ> 
aY EE 


M i 


Fig. 4. 


verbunden ist. Wenn die Anoden 29 und 30 mit Hilfe der Leiter 38 
und 39 an die entgegengesetzten Enden der Primärspule 40 eines 
Transformators gelegt sind und eine Gleichstromquelle 41 einerseits 
mit der Glühkathode 27 andererseits mit dem mittleren Punkt der 
Primärwindung 40 verbunden ist, so wird ein Wechselstrom durch 
diese Primärspule fließen, dessen Frequenz mit derjenigen der Wechsel- 
stromquelle 33 übereinstimmt. Die Gleichstromquelle 41 kann sehr 
hohe Spannung besitzen, z. B. 100000 Volt; sobald aber der Strom 
von der Kathode zu einer der Anoden zu fließen beginnt und im 
äußeren Kreis Arbeit verrichtet, fällt die Spannung zwischen der Ka- 
thode und der Anode auf einen niedrigen Wert, so daß die Elektronen 
in der Röhre verzögert werden und deshalb die Anode nicht mit einer 
genügenden Geschwindigkeit erreichen, um eine übermäßige Erhitzung 
der Anode zu bewirken. Bei dieser Ausführung wird das positive 


406 H. Eales. 


Potential auf dem die Kathode umgebenden Leiter nicht entladen und 
die Stromquelle 44 leistet dann keine Arbeit. | 

Ferner ist zu erwähnen die amerikanische Patentschrift 1138652 
von B. Graves in Thorntown, Indiana, V. St. A. Sie bezieht sich 
auf eine Dreielektroden-Röhre der üblichen Detektorschaltung, siehe 
Fig. 4 mit der Glühkathode 9, der Anodenplatte 10 und dem Gitter 11. 
Graves will diese Anordnung dadurch empfindlicher machen, daß er 
erstens einen Elektromagneten 20 vorsieht, der aus einer Gleichstrom- 


Fig. 6. 


quelle 21 erregt wird und nahe bei der Anodenplatte 10 angeordnet 
wird, und daß er zweitens in einem ÖOrtsstromkreis 22 mit der Bat- 
terie 23 und dem Reglungswiderstand 24 eine Spule 25 vorsieht, die 
die Röhre mit den drei Elektroden umgibt. 

Chester D: Ainsworth in Worcester, Mass., V. St. A., beschreibt 
in der amerikanischen Patentschrift 1145785 einen Vakuumröhren- 
detektor mit drei Elektroden, bei denen zur Ionisation anstelle einer 
Glühkathode eine radioaktive Substanz (Uranium, Thorium, Radium 
oder Aktinium) verwendet wird, die in der Nähe der Elektroden an- 
geordnet wird. Fig. 5 zeigt diese Anordnung. In einem zylinder- 
förmigen Gefäß 1 aus Glas ist konzentrisch zur Achse eine röhren- 
förmige Anode 2 angeordnet, die an die eingeschmolzene Zuleitung 3 
gelegt ist. 4 bezeichnet eine neutrale Elektrode aus Drahtgewebe, in 


Patentschau. 407 


Gestalt eines zur Anode konzentrischen Hohlzylinders; an dieser liegt 
die eingeschmolzene Zuleitung 5. Eine zylindrische Kathode 6 umgibt 
die Elektrode 4 konzentrisch; sie besteht ebenfalls aus Drahtgewebe, 
jedoch mit viel engeren Maschen, wie andeutungsweise aus der Fig. 5 
zu ersehen. 7 ist die zugehörige eingeschmolzene Zuleitung. 

Innerhalb der Röbre 1 ist eine Scheibe 8 angeordnet aus Iso- 
lationsmaterial; auf ihr ist die radioaktive Masse 8 angebracht. Die 
Zuleitungen 5 und 7 von der Kathode 6 und der neutralen Elek- 
trode 4 führen zu den Enden des Abstimmtransformators 10 und des 
Kondensators 11. 12 ist der Telephonhörer und 13 eine Ortsstrom- 
quelle. Wenn der Transformator 10 nicht erregt ist, ist das ver- 
dünnte Gas im Innern der Röhre 1 in einem Zustande der Ionisation 
infolge der Gegenwart der radioaktiven Substanz 9, während das Po- 
` tential der Batterie 13 so gewählt ist, daß die Spannung zwischen 
der positiven Elektrode 2 und der negativen Elektroden 4 und 6 
niedriger ist als nötig um den Widerstand der Vakuumstrecken zu 
überwinden und den Raum zu durchbrechen. Treffen dagegen Schwin- 
gungen im Transformator 10 ein, so vermag ein Strom durch die 
Röhre zu fließen. 

Auch René Darmezin beschreibt in der französischen Patent- 
schrift 396406 einen Detektor mit einem evakuierten Elektrodengefäß 
und lonisation durch eine radioaktive Masse; diese Anordnung zeigt 
Fig. 24; sie besteht aus einer Glasröhre a, in welcher mittels der 
leitenden Stäbe b und c die Platten d und e angeordnet sind, die 
zwischen sich einen engen Spalt f lassen nnd deren eine mit Radium- 
salz bedeckt ist, z. B. mit Radiumbromür. In der Röhre ist außer- 
dem eine trocknende Substanz g angeordnet und die Röhre evakuiert. 
Der Abstand der beiden Platten e und d kann durch Schrauben h, íi, 
J geregelt werden. 

Das britische Patent 28413 vom Jahre 1913 der Marconi 
Company und von H. J. Round bezieht sich auf den Empfang un 
gedämpfter Wellen unter Erzeugung von Schwebungstönen auf deı- 
Empfangsstation; in den Figg. 7, 8 und 9 sind beispielsweise Schaltungs- 
anordnungen angegeben. Gemäß Fig. 7 ist der Schwingungskreis a 
auf die Antenne und die ankommenden Schwingungen der Signale ab- 
gestimmt und infolge seiner Verbindung mit der Steuerungselektrode 
(Gitter b) des Audionempfängers erzeugt er im Schwingungskreise e, 
der im Anoden- oder Verstärkungsstromkreiss der Röhre liegt, er- 
zwungene Schwingungen von der Frequenz der ankommenden Wellen. 
Gleichzeitig werden durch Rückwirkung infolge der Kopplung zwischen 


408 H. Eales. 


e und a Schwingungen von der Eigenfrequenz des Kreises e in diesem 
erzeugt, wobei deren Energie von der Batterie, die in Serie mit dem 
Telephon im Anoden- oder Verstärkungskreis der Röhre liegt, geliefert 
wird. Da die Frequenzen der beiden im Schwingungskreise e auf- 
tretenden und sich überlagernden Schwingungen 
voneinander verschieden sind, so erzeugen sie Inter- 
ferenz- oder Schwebungsschwingungen von der Höhe 
hörbarer Töne und infolge der Gleichrichter- oder 
Ventilwirkung der Röhre entstehen im Anoden- 
und Batteriestromkreis Stromstöße gleicher Rich- 
tung, die durch das Telephon fließen. Wenn dann 
also die Eigenschwingung des Kreises e.in bezug 
auf die Frequenz der ankommenden Wellen so 
eingestellt ist, daß die Schwebungsfrequenz niedrig 
genug ist, entsteht im Telephon ein hörbarer Ton. 
Fig. 7. Durch Veränderung der Kopplung zwischen a 

und e kann man die effektive Induktanz und 

die Rückwirkung der Schwingungskreise aufeinander einstellen und 
so die Höhe und die Stärke des Schwebungstones im Telephon 
regulieren. Fig. 8 zeigt eine ähnliche Anordnung, nur sind hier 


e 


+ 


a 


Fig. 8. | Fig. 9. 


die Glühelektrode ce und das Gitter b direkt mit dem Lutftleiter 
verbunden, statt mit einem Schwingungskreis induktiv gekoppelt 
zu sein; außerdem ist die Induktanz des Kreises e induktiv mit 
der Spule f im Luftleiter gekoppelt, um die nötige Rückwirkung 
zu erhalten. Ein Gleichrichtdetektor g ist hierbei im Telephonzweig 
notwendig. In Fig. 9 ist eine Drosselspule h, zu der parallel ein ver- 
änderlicher Kondensator i liegt, in Reihe mit der dritten Elektrode 


Patentschau. 409 


geschaltet, und in diesem Falle ist eine magnetische Kopplung zwischen 
den Kreisen a und e nicht nötig. Der Kondensator J ist oftmals er- 
forderlich, um, wie durch Versuche festgestellt worden ist, die Wirkung 
der Kapazität ¿ zwischen a und b aufzuheben. In Vakuumröhren 
dieser Art wird ferner das Glas infolge der Einwirkung des Kathoden- 
stromes elektrisiert, was eine Art Polarisationswirkung zur Folge hat. 
Um diesen Nachteil zu beseitigen, werden sowohl die Steuerungs- 
elektrode (Gitter) als auch die Anode in Gestalt von geschlossenen 
Zylindern ausgeführt, die den Glühdraht vollständig umschließen. 
Die Kapazitätswirkung zwischen den Zylindern kann genügend groß 
gemacht werden, um die magnetische Kopplung, die zwischen dem 


Fig. 10. 


Steuerungs- und dem Verstärkungskreis zur Erzeugung der Schwingungen 
sonst erforderlich wäre, unnötig zu machen. 

E. H. Armstrong beschreibt in der britischen Patentschrift 24 231 
vom Jahre 1914 und in der amerikanischen Patentschrift 1113149 
einige Schaltungsanordnungen von Audionröhren, die ebenfalls zum 
Schwebungstonempfang für ungedämpfte Schwingungen dienen. Eine 
dieser Anordnungen ist in Fig. 10 wiedergegeben. Hier ist der übliche 
Resonanzempfangskreis L C S, wobei S die Sekundärspule des Empfangs- 
transformators ist, mit der Steuerungsseite der Vakuumröhre durch 
die Kondensatoren C? 03 gekoppelt. Der Verstärkungsstromkreis L!050* 
ist ebenfalls mit der Röhre verbunden und mit dem Steuerungskreis 
durch den Kondensator O? und die Induktanz R gekoppelt. In der 
besonderen Schaltung nach Fig. 10 ist die Induktanz des Telephon- 
empfängers zur Kopplung benutzt. Der Kondensator C wird so ein- 
gestellt, daß infolge der Rückwirkung zwischen den Schwingungskreisen 
Schwingungen erzeugt werden, deren Frequenz etwas von denen des 
Resonanzkreises abweicht, und somit Schwebungen auftreten. Diese 

Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12, 27 


410 H. Eales. 


Schwingungen von niederer Frequenz werden ihrerseits durch die Röhre 
und ihre Schwingungskreise verstärkt, und somit werden laute Signal- 
töne erzeugt. l 

In der genannten amerikanischen Patentschrift 1113149 sind 
eine Reihe weiterer Schaltungsanordnungen angegeben, die demselben 
Endzweck dienen, von denen jedoch hier mangels Raumes keine weiter 
reproduziert werden kann. | 

Die französische Patenischrift 467 747 der Gesellschaft fürdraht- 
lose Telegraphie und die britische Patentschrift 252 vom Jahre 1914, 
die auf die Namen Graf Arco und Meissner lautet, enthält ebenfalls 
eine Reihe von Audionschaltungen zur Erzeugung verstärkter Empfangs- 
schwingungen, zum Teil auch nach dem Interferenztonempfang. In 


Fig. 11. 


Fig. 11 ist zunächst eine Anordnung dargestellt, mittels welcher irgend- 
ein im Stromkreis 6 fließender Wechselstrom im Kreise 9, 11 verstärkt 
wiedergegeben werden kann. Hier bedeutet 2 die übliche Glühkathode, 
4 die Gitter- oder Steuerungselektrode und 8 die Anode; der Kreis 9 
enthält eine Stromquelle 10 von hoher EMK, so daB Strom von 3 
nach 2 im Innern der Röhre fließt. Das Wesentliche dieser Anord- 
nung besteht darin, daß der den verstärkten Strom führende Kreis so 
angeordnet ist, daß er durch die Kopplung 12, 8 wieder auf den 
Steuerungskreis 7 zurückwirkt, so daß die Amplitude der die Wirkung 
auslösenden Störung in 7 verstärkt wird. Diese zwischen den Kreisen 
9, 11 und 6 hin und her gehende Verstärkungswirkung wird nur 
durch die Eigenschaften der Röhre selbst und durch den Energie- 
betrag, der bei 11 abgeleitet wird, begrenzt. In Fig. 12 ist eine 
Anwendung der nach Fig. 11 zur verstärkten Wiedergabe von Linien- 
telephonströmen dienenden Verstärkungsanordnung auf drahtlose Emp- 
fangsstationen dargestellt. Der Kreis 15 mit dem Detektor 19, dem 
Blockkondensator 20 und dem Telephon 21 bilden die übliche Empfangs- 
anordnung. Wenn ein Wellenzug ankommt, so bringt der Trans- 


Patentschau. 411 


formator 8 eine EMK auf dem Wege 4, 2}auf die Röhre zur Ein- 
wirkung; die verstärkte Störung wirkt durch den Transformator 12 
und verstärkt die Schwingung im Kreise 15; hierdurch entsteht in 
den Kreisen eine sehr rasch anschwellende Schwingung, deren Energie 
von der Stromquelle 10 geliefert wird und ‚die erst nach dem Auf- 


18 


hören der den Vorgang auslösenden ankommenden Welle erlischt. 
Ähnlich ist die Wirkung der Anordnung nach Fig. 18, woselbst an 
Stelle der Verwendung eines besonderen Detektors, wie bei 19 in 
Fig. 12, die Röhre sowohl die Wirkung eines Detektors und eines 
Verstärkers gleichzeitig ausübt. Die Anordnung nach Fig. 13 wirkt 


Fig. 13. 


folgendermaßen: Ein Wellenzug, der von der Antenne her ankommt, 
wirkt über den Transformator 14, 8 auf die Gitterelektrode 4 und 
bewirkt, daß Pulsströme von 3 nach 2 im Innern der Röhre fließen, 
Diese Pulsströme wirken mittels des Transformators 12 auf den Gitter- 
kreis 7 zurück und verstärken hier die Schwingung. Auf diese Weise 
werden die Schwingungen bis zu einem Maximum verstärkt und der 
Wellenzug wird in einen Zug einseitig gerichteter Pulsströme, die 
durch die Primärwicklung 26 des 'Telephontransformators fließen, um- 
27° 


412 H. Eales. 


gesetzt. Der veränderliche Kondensator 28 dient nicht zum Ab- 
stimmen auf die empfangenen Wellen, sondern zu dem doppelten 
Zweck, die Hochfrequenzpulse über den Transformator 26,27 zu leiten 
und die Energie im Telephon zu regeln. Auch in diesen Patenten 
von Arco und Meissner bzw. der Gesellschaft für drahtlose Tele- 
graphie wird die Röhre beim Empfang ungedämpfter Schwingungen als 
Schwingungserzeuger benutzt, um mit den ankommenden Schwingungen 
Interferenz- oder Schwebungsschwingungen von Tonhöhe zu erzeugen. 
In Fig. 14 ist eine solche Anordnung dargestellt. Die aufeinander 
zurückwirkenden Kreise sind mit der rechts ersichtlichen Röhre ver- 
bunden; der Kreis 31 ist etwas gegen die Frequenz der ankommenden 
Schwingungen verstimmt. Diese ankommenden Schwingungen erregen 


Fig. 14. 


die Antenne 18, und diese wirkt über den Filterkreis 37 auf einen 
Kreis, der einen Detektor 19 und das Telephon 21 enthält. Dieser 
letztgenannte Kreis ist mit dem Kreis, in welchem Schwingungen er- 
zeugt werden, gekoppelt, und zwar erfolgt diese Kopplung mit Hilfe 
der Spule 43 des nicht schwingungsfähigen Kreises 41. Hierbei ent- 
stehen dann im Detektortelephonkreis Schwebungen. Ist die Frequenz 
dieser Schwebungen niedrig genug, So erzeugen sie einen musikalischen 
Ton, wobei dann die Frequenz dieser Schwebungstöne gleich ist der 
Differenz zwischen der Frequenz der ankommenden Schwingungen und 
den örtlich erzeugten Schwingungen. In Fig. 15 ist eine Anordnung 
gezeigt, die zum Verstärkungsempfang bei gedämpften oder un- 
gedämpften Schwingungen dient. Auch hier wird wieder die Rück- 
wirkung der Schwingungskreise wie bei den Figg. 11 und 14 ver- 
wendet. Die Antenne 13 ist mittels der Windungen 14 und 40 mit 
dem Schwingungskreis 31 gekoppelt, der ganz wenig gegen die Antenne 
verstimmt ist. Die erzwungenen Schwingungen im Kreise 31 wirken 


Patentschau. 413 


mit Hilfe der Windungen 30, 8 auf die Gitterelektrode 4 und dadurch 
entsteht wieder eine verstärkte Wirkung im Kreise 9 und im Kreise 31. 
Die Röhre wirkt so als Relais. Aber wenn die Kopplung zwischen 
30 und 8 genügend fest gemacht wird, wirkt die Röhre gleichzeitig 
als Schwingungsgenerator und es werden dann freie Schwingungen im 
Kreise 31 erzeugt; infolgedessen treten wieder die Schwebungs- 
erscheinungen auf. Der Telephonempfänger' 21 ist mit dem Kreise 9 
über den Transformator 26, 27 gekoppelt und die Induktionsspule 26 
ist durch den Kondensator 28 kurz geschlossen. Der Niederfrequenz- 
stromkreis wird so leicht zu Schwingungen angeregt und diese werden 


21 


fi | ‚27 | i 2 


Fig. 15. 


durch die Röhre aufrecht erhalten, so daß ein dauernder musikalischer 
Ton im Telephon entsteht. Dieser Ton kann dieselbe Frequenz wie 
der Pulsstrom im Kreise 9 besitzen und durch Einstellen des Kon- 
densators 29 leicht einreguliert werden. Wenn diese beiden Nieder- 
frequenzen wenig voneinander abweichen, ändert sich der Dauerton 
beträchtlich, wenn Schwingungen ankommen. In diesen Patentschriften 
sind auch Schaltungen zur Erzeugung von Hochfrequenzschwingungen 
für Senderzwecke beschrieben, indessen sollen diese Anordnungen erst 
in einem späteren Abschnitt dieser Patentberichte behandelt werden, 
der sich auf die Schwingungserzeugung mit Hilfe von Kathodenstrahl- 
röhren bezieht, | 

Die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin hat 
sich durch DRP. 299 301, für welches gemäß dem Unionsvertrage 
die Priorität auf Grund der den gleichen Gegenstand betreffenden An-. 
meldung in den Vereinigten Staaten von Amerika vom 29, Oktober 
1913 beansprucht ist, ein abgestimmtes Empfangssystem für elektrische 


414 H. Eales. 


Schwingungen schützen lassen. Das Wesen dieser Anordnung besteht 
darin, daB zwei oder mehrere, auf die auszuwählende Frequenz ab- 
gestimmte Schwingungskreise vorgesehen sind, die durch Relais in 
Kaskado geschaltet sind; diese Relais bestehen aus Entladungsgefäßen 
— vorzugsweise solchen mit reiner Elektronenentladung —, wobei 
der Hilfsstromkreis jeder Entladungsröhre mit einem der abgestimmten 
Schwingungskreise und der Anodenkreis mit dem folgenden Schwingungs- 
kreis verbunden ist. Hierdurch wird bezweckt, in den. Anodenstrom- 
kreisen der aufeinanderfolgenden Relais elektrische Schwingungen mit 
fortschreitend abnehmender Störung auszulösen. In Fig. 16 ist eine 
solche Anordnung mit drei abgestimmten Kreisen 4/8, 12/15 und 


177 


Fig. 16. 


18/19 dargestellt. Durch eine solche Anordnung wird erreicht, daß 
die Sicherheit gegen Störungen durch nicht gewünschte Schwingungen 
in geometrischer Progression mit der Zahl der abgestimmten Strom- 
kreise wächst. ‚Da nämlich jeder abgestimmte Stromkreis für störende 
Schwingungen, deren Frequenz von der auszuwählenden abweicht, mehr 
oder weniger undurchlässig ist, so wird in jedem Stromkreis der Reibe 
ein bestimmter verhältnismäßiger Anteil der Störung ausgeschieden, 
so daß die Reinheit des ankommenden Wellenzuges progressiv in dem 
Maße wächst, wie er auf die aufeinanderfolgenden Relais übertragen 
wird. Als Relais eignen sich insbesondere diejenigen, welche in einem 
Entladungsgefäß bestehen, welches eine Glühkathode, eine Anode und 
eine als Sonde oder wegen ihrer gewöhnlichen Form als Gitter oder 
Rost bezeichnete Hilfselektrode besitzt. 

Ein anderes DRP. der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesell- 
schaft in Berlin, für welches ebenfalls eine Unionspriorität vom 
10. Dezember 1914 auf Grund einer Anmeldung in den Vereinigten 
Staaten von Amerika beansprucht ist, ist das DRP. 298 382. Es be- 


Patentschau. 415 


trifft ein Verfahren und Einrichtungen zur Verstärkung elektrischer 
Schwingungen, insbesondere für die drahtlose Nachrichtenaufnahme, und 
das Wesentliche dieses Verfahrens besteht darin, daß in einem oder 
mehreren Verstärkern durch Einfügen von Strombegrenzern zwischen 
dem Verstärker und seiner sekundären Stromquelle statt des Stromes 
die Spannung der aufgenommenen Schwingungen ein- oder mehrmals 
verstärkt und gegebenenfalls schließlich durch die Schwingung von 
verstärkter Spannung eine Schwingung von verstärktem Strom hervor- 
gerufen wird. In Fig. 17 ist eine solche Empfängeranordnung dar- 
gestellt, und Fig. 18 zeigt eine Anwendung des Strombegrenzers zur 


Verringerung statischer Störungen. Gemäß der Anordnung nach Fig. 17 
ist die Antenne 1 durch einen Transformator 2 mit dem Gitter 3 
eines Entladungsgefäßes 4 induktiv verbunden. Letzteres besitzt außer 
dem Gitter 3 eine gewöhnliche scheibenförmige Anode 5 und eine 
gewöhnliche fadenförmige, durch eine Batterie 7 zum Glühen gebrachte 
Kathode 6. Das Entladungsgefäß ist vorzugsweise in so hohem Grad 
entlüftet, daß der Stromdurchgang zwischen den Elektroden praktisch 
von keiner Gasionisierung begleitet ist, gleichgültig, wie groB die an- 
gewandte Spannung ist. In Reihe mit den Elektroden des Entladungs- 
gefäßes liegt eine Energiequelle 8 und ein zweites Entladungsgefäß 9. 
Dieses ist ähnlich dem ersten Entladungsgefüß gebaut, besitzt jedoch 
kein Gitter. Das zweite Entladungsgefäß ist nun aber so entworfen, 
daß bei der Temperatur, die für die Kathode 10 am geeignetsten ist, 
der Strom bereits seinen Höchstbetrag erreicht, wenn die der Anode 11 
aufgedrückte Spannung beträchtlich unter derjenigen der Energiequelle 8 
liegt. Die beiden Entladungsgefäße sind so aufeinander abgestimmt, 
und die Spannung der Stromquelle 8 so gewählt, daß normal der 


416 H. Eales. Patentschau.. 


Sättigungsstrom des Gefäßes 9 kleiner ist als der Strom, der durch 
das Gefäß 4 bei normaler Spannung seines Gitters 3 geht. Wenn 
dann die Gitterspannung geändert wird, dann sucht auch der Strom 
durch das Gefäß 4 sich zu verändern. Da aber dieser Strom durch 
das als Strombegrenzer wirkende Gefäß 9 konstant gehalten wird, so 
ist keine Änderung des durch das Gefäß 4 gehenden Stromes möglich. 
Fig. 18 zeigt die Verwendung dieser Strombegrenzer zur Beseitigung 
der Störungen, die durch heftige statische Impulse, die von der Antenne 
aufgenommen werden mögen, herrühren. Der. Strom, welcher von 
einem der durch die verstärkten Spannungsschwankungen beeinflußten 
Entladungsgefäße kommt, wird durch eine Spule 19 gesandt. Der so 
erhaltene Strom kann Wellen von einer Mehrheit von Stationen ent- 
halten und außerdem Impulse von statischen Ladungen von viel größerer 


to 
wi 


í | f 73 


Fig. 18. 


Amplitude als derjenigen der Signalwellen. Um aber diese Impulse, 
deren Amplitude größer als diejenige der Signalwellen ist, auszu- 
merzen, ist in den Stromkreis der mit der Spule 19 gekoppelten 
Spule 21 ein Strombegrenzer 20 mit „wei Glühkathoden gelegt, welcher 
Strom in beiden Richtungen durchläßt. Die Signalwellen gehen durch 
diesen Strombegrenzer ohne Schwierigkeit hindurch. Sowie dagegen 
eine von statischen Impulsen herrührende Welle von großer Amplitude 
in dem Kreis induziert wird, setzt die strombegrenzende Wirkung der 
Vorrichtung 20 ein und läßt nur einen kleinen Teil der Welle durch. 
Die durch den Strombegrenzer nicht durchgelassene Wellenenergie 
kann durch einen Widerstand 22 vernichtet werden. Nachdem in 
dieser Weise heftige statische Impulse ausgemerzt sind, kann der 
Strom in dem abgestimmten Gitterkreis des Detektors 23 reproduziert 
werden, um die Wellen der gewünschten Frequenz auszuwählen und 
aufzunehmen. Während der zuletzt erwähnte Strombegrenzer bei dem 
dargestellten Ausführungsbeispiel hinter den Spannungsverstärkern an- 
geordnet ist, kann er ersichtlich an eine beliebige Stelle der Gesamt- 
anordnung verlegt werden, wo der Stromwert der aufgenommenen 


Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. 417 


Wellen vom Sättigungsstrom dieser Vorrichtung nicht sehr abweicht. 
Ist beispielsweise der Sättigungsstrom genügend klein und die auszu- 
merzenden statischen Impulse genügend groß, dann kann der zuletzt 
erwähnte Strombegrenzer unmittelbar in Reihe mit der Antenne ge- 
schaltet werden. Bei den Entladungsgefäßen mit Gitter ist es wünschens- 
wert, die normale Spannung des Gitters auf jenen Wert einzustellen, 
bei welchem das Entladungsgefäß für Schwankungen der Gitterspannung 
am empfindlichsten ist. Zu diesem Zweck kann eine Batterie 25 
(Fig. 17) bzw. 24 (Fig. 18) dienen. 
| (Eingesandt 15. Septembeı 1917.) 
Adresse des Autors: Berlin-Lichterfelde West, Roonstraße 12. 


Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. 


(Die Redaktion behält sich die Besprechung einzelner Werke vor.) 


Elektroindustrie. IX. Jahrg. 1. u. 15. Juli, 1.u.15. August 1917. Fach- 
schriften-Verlag A.-G. Zürich. 

Martin Sjöström, Experimentelle Untersuchungen über die Beu- 
gung elektromagnetischer Wellen an einem Schirm mit gerad- 
linigem Rande. A. B. Akademiska Bokhandeln. Upsala (Schweden) 
1917. i 

Ernst Kahn, UnsereValutasorgen. Ursachen, Wirkungen und Heil- 
mittel. (Heft 6 von „Dringliche Wirtschaftsfragen“.) Verlag Veit & 


Comp., Leipzig. 1917. M. 1.50 
H. Triepel, Die Freiheit der Meere und der künftige Friedens- 
schluß. Verlag von Julius Springer, Berlin 1917. M. 1.20 


P. Kaufmann, Was dankt das kämpfende Deutschland seiner 
sozialen Fürsorge? Verlag von Franz Vahlen, Berlin 1917. M. 0.50 

A. Einstein, Über die spezielle und allgemeine Relativitäts- 
theorie, gemeinverständlich. Verlag Friedr. Vieweg u. Sohn, 
Braunschweig 1917. M. 2.80 
Felix Auerbach, Die Grundbegriffe der modernen Naturlehre. (Ein- 
führung in die Physik.) 40. Bändchen von „Natur und Geisteswelt“. 

4. Aufl. Verlag B. G. Teubner, Leipzig 1917. M. 1.50 
Karl Georg Nepenborn, Unsere Feinde und wir. Verlag Karl Siegis- 
mund, Berlin 1917. M. 1.— 
Fritz Stier-Somlo, Die Freiheit der Meere und das Völkerrecht 
Verlag Veit & Comp., Leipzig 1917. M. 3.50, geb. M. 5.— 
Elektroindustrie. 1. u. 15. Septbr. 1917. Fachschriften-Verlag A.-G. Zürich. 
Antaeus, Gegen sechsfache Übermacht. Verlag: Literarische Anstalt 
Rütten u. Loening, Frankfurt a. M. 1917. M. 1.— 


(Eingesandt 7. September 1917.) 


418 Literaturverzeichnis. 


Literaturverzeichnis. 


Affel, A. H. s. Kennelly, A. E. 

Austin, L. W. u. Cohen, Louis, Rev. Gén. de l'ÉI. 2, 295, 1917. Appli- 
cation des méthodes radiotélégraphiques de réception à la télégraphie 
par câble. 

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Wernicke, Karl, Helios 23, 201, 1917. Hundert Jahre Selen. 


Bücherbesprechungen. | 421 


Wesendonk, Karl von, Verh. D. Phys. Ges. 19, 95, 1917. Über Vokal- 
klänge. 

Whitehead u. Brown, Rev. Gén. de l’EI. 2, 129, 1917. (Ref. ü. Am. Inst. 
El. Eng. 36, 159. 1917.) Sur la rigidité diélectrique de l'air. 

Wolf, W., Schweiz. Elektrot. Ztschr. 14, 194, 201, 1917. Neuere Schutz- 
vorrichtungen gegen Überspannung. 

Wust, A. s. Makower, A. J. 

(Eingesandt 15. September 1917.) 


Bücherbesprechungen. 


Dr. Max Beer, L’Entente Annexionniste. Le Paix du „Droit“. 
Verlag Ferd. Wyss, Bern 1917. 348 S. 


Der Schweizer Dr. Beer, der sich bereits vorher durch seine Schriften 
„La Bataille des Diplomates“, „A propos du Livre Arc-en-Ciel“, „Les in- 
fluences francaises à Petrograde‘‘ (Le projet de conference de Grey) einen 
hervorragenden Namen in der Kriegsliteratur gemacht hat, untersucht in 
diesem neuen Werke in leidenschaftsloser aber gründlicher Weise, auf 
welcher Seite der Kriegführenden vor und während des Krieges wirklich 
Annexionspolitik getrieben wurde Das Ergebnis ist, daß Deutschland (und 
seine Verbündeten) rein dasteht als das Land friedfertiger Arbeitsfreudig- 
keit, das sich streng von jeder Annexionspolitik fern hielt im schroffen 
Gegensatz zu seinen heutigen Feinden, die zwar von Frieden und Freiheit 
der Völker schwatzen, aber in Wirklichkeit samt und sonders krasseste 
und brutalste Eroberungspolitik trieben. Das wird ausführlich im zweiten 
und dritten Teil in folgenden Kapiteln dargestellt: II. L’Entente an- 
nexionniste avant la guerre: (1. La Serbie annexionniste. 2. La Rou- 
maine et l’Italie annexionnistes. 3. La Russie annexionniste. 4. La France 
annexionniste. L'’Angleterre annexionniste.) III. Laguerreannexionniste 
de l’Entente (1. L’annexionnisme et la guerre. 2. Buts de guerre francais. 
3. Buts de guerre russes, anglais, italiens.) 4. Le cas du Japon, des petits 
alliés et de la Gr&ce. 5. Le débat sur la paix). Mit den heuchlerischen 
Phrasen der Entente wird gründlich aufgeräumt, und ihre schamlosen Raub- 
ziele werden in ihrer ganzen Nacktheit gezeigt. DasausgezeichneteWerk, 
dessen allerweiteste Verbreitung nur dringend zu wünschen ist, 
sollte auf einem künftigen Friedenskongreß jedem Delegierten 
auf seinen Platz gelegt werden; über die Frage nach der Schuld am 
Weltkriege braucht dann auch weiter kein Wort verloren zu werden. 


Eichhorn. 


422 Bücherbesprechungen. 


Dr. Paul Kaufmann, Präsident des Reichsversicherungsamts, Was dankt 
das kämpfende Deutschland seiner sozialen Fürsorge? 1917. 
24 S. 8. Verlag von Franz Vahlen in Berlin W 9, Linkstr. 16. Preis 
50 Pf. Partiepreise geringer. 


Die Druckschrift enthält einen Vortrag, den der Leiter unserer obersten 
Versicherungsbehörde auf Einladung des Generalgouverneurs von Beseler 
im April 1917 in Warschau gehalten hat. Sie ergänzt seine frühere Rede 
über „Soziale Fürsorge und deutscher Siegeswille“, die im Jahre 1915 im 
gleichen Verlag erschienen ist und bereits 21 Auflagen erlebt hat. In der 
ihm eigenen eindringlichen, geistvollen Form, die auch einen an sich spröden - 
Stoff meistert, entwirft Präsident Kaufmann ein umfassendes Bild von der 
Organisation unserer sozialen Fürsorge und ihrem bestimmenden Einfluß 
auf das staatliche Leben Deutschlands. Er stellt dar, wie sie ursprünglich 
auf Friedensarbeit eingestellt, zu einem starken Rüstzeug für den Welt- 
kampf wurde und sich als immer wirksamere Waffe im Kriege selbst be- 
währt. Dabei werden nicht nur Arbeiterversicherung und Arbeiterschutz, 
sondern auch die bedeutsameren Maßnahmen der Öffentlichen und privaten 
Kriegswohlfahrtspflege, an welchen die Sozialversicherung unmittelbar oder 
mittelbar beteiligt ist, in den Kreis der Betrachtung gezogen. Endlich wird 
gezeigt, wie Deutschland zu einer Zeit, in der es für sein Haupt und sein 
Leben ficht, stark genug war, die soziale Fürsorge gesetzlich noch be- 
trächtlich auszudehnen, und welche Ziele und Aufgaben bei ihrem weiteren 
Ausbau ins Auge zu fassen sind. 

Auch die neueste Schrift des Präsidenten Kaufmann gehört nach 
Inhalt und Fassung zu dem Besten, was uns in der so reichen Kriegs- 
literatur bisher geboten wurde. Man begreift es, daß, wie die Tagespresse 
berichtet, diese Darlegungen bei der Zuhörerschaft in Warschau tiefen Ein- 
druck hinterlassen und in der Schlußansprache des Generalgouverneurs 
warme Worte der Anerkennung gefunden haben. 


Unter dem Titel: „Gegen sechsfache Übermacht“ ist im Verlag 
der Literarischen Anstalt Rütten & Loening (Frankfurt a. M., 1 Mark) 
ein kleines Buch erschienen, das gerade zurecht kommt, um mit auf- 
rüttelnder Kraft die gewaltigen Leistungen darzutun, die von Deutsch- 
land und seinen Verbündeten in dem ihnen aufgezwungenen Völkerringen 
vollbracht worden sind. Aber nicht nur dieses: An der Hand über- 
raschender und origineller Karten, Skizzen und graphischer Darstellungen 
zeigt der anonyme Verfasser (er nennt sich Antaeus) eingehend, wer 
seit 1870 Eroberungs- und Expansionspolitik getrieben hat. Des 
Weiteren weist er durch eine besonders geschickte, trefflich erläuterte 
Zeichnung, die — von zuständiger und berufener Stelle auf ihre Richtigkeit 
nachgeprüft — angibt, von wem die Kriegserklärungen etc. in diesem 
Staatenprozeß ausgegangen sind und wer sie veranlaßt hat, nach, 
wen die Schuld an dem Ausbruch wie an der Fortdauer des Weltkrieges trifft. 

Was haben wir denn aber erreicht? \Vas müssen wir noch erreichen? 
Wird es uns auch gelingen? Das sind Fragen, mit denen sich die Schluß- 


Bücherbesprechungen. 428 


kapitel befassen. Und die Antwort kann nicht anders als voll fester 


Zuversicht sein. Ja! Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt ` 


uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es muß uns doch 
gelingen! 

Schon um dieser Zuversicht willen kann man das auch äußerlich an- 
sprechende, vorzügliche Buch, mit seinem dem Charakter unbedingter Ge- 
nauigkeit und Zuverlässigkeit tragenden Karten- und Übersichtenmaterial, 
als eine der wichtigsten Erscheinungen in unserer Kriegsliteratur be- 
zeichnen, und man muß wünschen, daß es sowohl in Deutschland als auch 
bei Deutschlands Verbündeten und in den neutralen Ländern das verdiente 
Interesse und die gebotene Aufmerksamkeit findet. 


(Eingesandt 7. September 1917.) 


Wann kommt der Friede? Die Wirkungen des U-Bootkrieges in 
amtlicher Darstellung. Bearbeitet im Admiralstab der Marine. 
32 Seiten. Preis 50 Pf. (Partiepreise. Militärische Verlagsanstalt 
München, Weinstr. 2. 


Wann kommt der Friede? Dieser sehnsüchtige Gedanke erfüllt alle 
Menschen. Durch die lange Dauer des Krieges ist die Kriegsmüdigkeit bei 
vielen begreiflich. Wie ein Trostbüchlein kommt für solche die vorliegende 
Sehrift, um sie anzuregen, aufzuheitern und zu stärken. Nicht gleich 
vielen Prophezeiungen wird ein bestimmtes Datum des Friedens angegeben, 
sondern in packender Darstellung, die auf ein umfangreiches amtliches 
Material gegründet ist, wird uns vor Augen geführt, mit welch steigender 
Wirkung unsere U-Boote arbeiten. Mit mathematischer Sicherheit wird 
ausgerechnet, wie schnell der Lebensnerv unserer Feinde, die Schiffahrt, 
durch die U-Boote zusammenschrumpft bis zu dem Tage, wo sie gezwungen 
sein werden, mit uns um jeden Preis Frieden zu schließen. Zum erstenmal 
werden hier ausführlich die Berechnungen und die Beweggründe angegeben, 
die unsere Heeresleitung veranlaßten, zum verschärften U-Bootkrieg über- 
zugehen. Diese Schrift wird wesentlich zur moralischen Stärkung des 
deutschen Volkes beitragen und kein Leser sollte versäumen, sich die 
billige Broschüre anzuschaffen, und an Angehörige und Freunde sowie ins 
Feld zu verbreiten. Mit der Beruhigung legen wir das Büchlein aus der 
Hand, daß ein siegreicher Friede nicht mehr in weiter Ferne liegt. Und 
dieses Siegen ist notwendig, wie immer wieder, auch nach der Papstnote, 
die unverschämten, von Beschimpfungen strotzenden Reden der englischen 
Staatsmänner zeigen, welche unsere Staatsmänner endlich einmal gebührend 
beantworten sollten an Stelle des ewigen Geredes von Friede und Verstän- 
digung, die England gur nicht will, das durch den U-Bootkrieg und durch 
andere militärische Mittel auf die Knie gezwungen werden muß, wenn der 
Massenmord endlich aufhören soll. Eichhorn. 


(Eingesandt 24. Oktober 1917.) 


en 


424 Bücherbesprechungen. 


F. Auerbach, Die Grundbegriffe der modernen Naturlehre (Einfüh- 
rung in die Physik). „Aus Natur und Geisterwelt“ Bd. 40. 4. Auf- 
lage. M.1.50. Verlag B. G. Teubner, Leipzig 1917. 


Das aus Vorträgen in einem Ferienkurs entstandene Werkchen, das 
die Grundkapitel der Physik behandelt: I. Der Raum. II. Die Zeit. II. Die 
Bewegung. IV. Die Schwingungsbewegung. V. Die Wellenbewegung und 
die Strahlung. VI. Kraft und Masse. VII. Eigenschaften der Materie. 
VIII. Arbeit und Energie. IX. Die Entwertung der Energie und die 
Entropie, wendet sich an ein größeres Publikum, und die bekannte fesselnde 
und geistreiche Darstellung des Verfassers, die auch beim Fachmann leb- 
haftes Interesse erweckt, hat sich schnell den verdienten großen Leserkreis 
erworben, wie die Ausgabe der 4. Auflage beweist. Eichhorn. 


Jahrbuch 


| der 
drahtlosen Telegraphie und Telephonie 
Band 12. 1918. Heft 5. 
Inhalt. 
. Seite 
Eichhorn, Camille Tissot + . 2: 2 2 nn nn nn nn. 426 
Eichhorn, William Duddell 7 . . ... a ev; 
W. Burstyn, ne und Abstimmschäre. (Mit 7 Figuren 
im Text) . ee. AT 


Mitteilungen aus der Praxis: 
J. Zenneck, Über telephonische Messungen an einem drahtlosen 


Empfänger. (Mit 4 Figuren im Text). . . . 2 2 2 22. 443 
Benjamin Liebowitz, Quantitative Beziehungen in Detektor- 
kreisen. (Mit 4 Figuren im Text) . . . . 2 2 2 2 20020. 451 
E. Roux, Untersuchungen und Verbesserungen am Parallelohm- 
meter. (Mit 5 Figuren im Text). . . . 2 2 2 2 2 2.020.462 
Briefe an die Redaktion . . . 2 2 2 nn m mn ee nenne. 478 
Patentschau: 
H. Eales. (Mit 27 Figuren im Text) . . 2 2 2 ... . . 403 
Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. . . . . . 499 
Literaturverzeichnis. . . . 2 2 2 2 er nn ee 2.0.0. 500 
Bücherbespreehungen . . . 2 2 2 m nn nennen. 502 


Manuskripte für das Jahrbuch sind an die Redaktion: Dr. G. Eichhorn in 
Zürich, Hauptpostfach 6123, zu senden. Zur Erleichterung der Be- 
richterstattung wird um Zusendung einschlägiger Sonderabdrücke und 
Mitteilung wichtiger Arbeiten für das Literaturverzeichnis gebeten. 

Abonnements und Inserate sind an die Verlagsbuchhandlung von M. Krayn, 
Berlin W. 10, Genthinerstraße 39 zu richten. 


Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 28 


426 Camille Tissot 7. — William Duddel 7. 


Camille Tissot +. 


Wir vernehmen mit schmerzlichem Bedauern das plötzliche Ab- 
leben unseres Mitarbeiters Prof. Dr. C. Tissot, Commandant de vaisseau 
und Vorstand des Laboratoire centrale de la Marine in Paris, im Alter 
von 49 Jahren, mit dem wir vor dem Kriege in ebenso regem wie 
angenehmem Verkehr standen (vgl. seine Beiträge im Jahrbuch nach 
Bandregister in Band X) Tissot hielt auch in Gemeinschaft mit 
Colonel Ferrié die Vorlesungen an der École supérieure de l’Elec- 
tricité und veröffentlichte in der Folge eine ganze Anzahl wertvoller 
selbständiger Untersuchungen, sowie ein kürzlich in zweiter Auflage 
erschienenes Handbuch über Elektrische Schwingungen und Drahtlose 
Telegraphie, wodurch er in der radiotechnischen Welt sich einen her- 
vortretenden Namen als theoretisch und praktisch versierter Fachmann 
machte. Wir werden unseren ehemaligen Mitarbeiter in gutem An- 
denken behalten. 


Zürich, Ende November 1917. . Eichhorn. 


William Duddell +. 


Am 4. November verstarb in London im Alter von 45 Jahren 
der hervorragende Pionier unseres Gebietes, William Duddell. Seinen 
Verdiensten und Arbeiten widmet „The Electrician“ vom 9. November 
einen ausführlichen Nekrolog, auf den wir verweisen. Eichhorn. 


W. Burstyn. Empfangsstärke und Abstimmschärfe. 427 


Empfangsstärke und Abstimmschärfe. 
Von W, Burstyn. 


Für den radiotelegraphischen Empfänger sind allgemein folgende 
Überlegungen anzustellen: 

1. Wie groß und wie beschaffen muß der Luftdraht sein? 

2. Welche Wellenlänge ist für den Verkehr am günstigsten? 

3. Welche Kopplungsverhältnisse sind anzuwenden? 

Genauer ausgedrückt, in anderer Reihenfolge und unter Voraus- 
setzung eines integrierenden Detektors lauten diese Fragen: 

Wie hängt unter sonst gleichen Umständen die Empfangsleistung 

1. von der Abstimmschärfe, 
2. vom Empfangsluftdrahte, 
3. von der benützten Wellenlänge ab? 

Bei der Untersuchung dieser Fragen soll die übliche verein- 
fachende Annahme gemacht werden, daB der Detektor als ein unmittel- 
bar im Luftdrahte liegender Ohm’scher Widerstand (IV,) aufgefaßt 
werden kann; die von ihm aufgenommene Leistung ist das Maß für 
die Empfangsstärke. 


Bezeichnungen und Beziehungen. 


C, = Kapazität des Senderluftdrahtes. 

L, = Selbstinduktion des Senderluftdrahtes mit Verlängerungs- 
spulen. 

h, = wirksame Höhe des Senderluftdrahtes. 

À = Verkehrswellenlänge. 

& = Dekrement der Senderwelle, bzw. des Senderluftdrabtes. 

E, = Spannung des Senderluftdrahtes (Effektivwert). 

l, = Strom des Senderluftdrahtes (Effektivwert). 

F = el. Feldstärke der beim Empfänger ankommenden Wellen (eff.). 

„= Kapazität des Empfüngerluftdrahtes. 

L,, = kleinstmögliche Selbstinduktion des Empfängerluftdrahtes 
bei gegebener Wellenlänge. (A sei immer größer als die 
Eigenwelle des Luftdrahtes, so daß nach Fig. 1 kein Kon- 
densator, sondern nur eine Spule S einzufügen ist). 

L, = tatsächliche Selbstinduktion des nach Fig. 2 durch den 
Kondensator K verkürzten und die Spule S, wieder ver- 
längerten Empfängerluftdrahtes. (L, = L,,+ Sa) 

25* 


428 W. Burstyn. 


n = L,/L,, = Verlängerung des Empfängerluftdrahtes. 


` 
w 


0, = Strahlungsdekrement des unverlängerten Empfängerluft- 


drahtes (n = 1, Fig. 1) bei der Welle A. 
o = Verlustdekrement desgl. 
vo = Nutzdekrement desgl. (vom Detektor herrührend). 


Po = Qo + Oo 
ðo = Qo H To + 1 
= fo + ”o 


— Gesamtdekrement desgl. 


rt 


_— 
— 


0 = Strahlungsdekrement des verlängerten Empfängerluftdrahtes 


(Fig. 2) usw. 


a = «lbo 


W, = Widerstand, welcher das .Dekrement ọ hervorruft usw. 


A 
20 L 
f 2 


IN =. 
IL 

er Fi, 
SE Ri 


Fig. 1. Fig. 2, 


E, = Spannung des Empfängerluftdrahtes (Effektivwert). 
I, = Strom des Empfängerluftdrahtes (Effektivwert), 
A = Empfangsstärke (von W, absorbierte Leistung). 
4™ax. — Eimpfangsstärke (bei günstigstem W,). 
c = Lichtgeschwindigkeit. 
k = beliebige, Proportionalität ausdrückende Konstante, 
Es gelten folgende Beziehungen, die später benützt werden: 


Li’ = CE? und /=% y LCi?» 
daher 


Empfangsstärke und Abstimmschärfe. | 429 


N 2 
per 275 a 


„Bi C, 
ee 5 
| 7 (5) 
Ferner ist 
| E,=F-.h, (6) 
Nach der Dekrementformel ist 
ee (7) 
2c-L, 
2n?.c-(,-W 
= BE (8) 
À 
dabei beträgt der Strahlungswiderstand 
et 
W = 1607? 77 (9) 
somit 
h2 
0 =k. 10 
32 B 
=k.” n (11) 


Welcher Größe kommt die Bezeichnung „Abstimmschärfe“ zu? 
Die Abstimmschärfe ist das Reziproke der „Unschärfe“. Die 
` „Unschärfe des Empfanges“ ist zu definieren als jene Verstimmung 
vl 

À 
werden muß, damit die Empfangsstärke auf den Bruchteil 1/m sinkt. 
Es ist 


, um welche der Empfänger aus der Resonanzlage verstellt 


K—-) («u +òyVm—1 , 
Ro 2a 0° 
also, wie bekannt, der Summe der Dekremente von Sender und Emp- 
fänger proportional. 

Wenn die Gegenstation allein als Sender in Frage käme, wäre 
die Abstimmschärfe, mit der sie empfangen wird, gleichgiltig, sogar 
unbequem. Gewinn bringt diese erst, sobald es gilt, Störungen aus- 
zuscheiden. Eine zweite Station mit etwas verschiedener Wellenlänge 


1) Vgl. z. B. Zenneck, Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie, 3. Aufl., 
S. 187. 


430 W. Burstyn. 


wird — abgesehen von ihrer Stärke und ihrem Toncharakter — um- 
somehr stören, je größer ihre Empfangsschärfe ist. Letztere hängt 
aber auch vom Senderdekrement ab, so daß über sie keine allgemeinen 
Aussagen gemacht werden können !). 

Als einziger für den Empfänger charakteristischer Ausdruck bleibt 
daher die „Empfängerunschärfe‘ übrig, welche der ‚Empfangsunschärfe‘, 
eines ungedämpften Senders gleich und Ô proportional ist. In den 
folgenden Ausführungen wird daher 1/d als Maß der Abstimmschärfe 
des Empfängers betrachtet werden. 


I. Ungedämpfte Schwingungen. 
Die geltende Theorie rührt von Rüdenberg?) her. Er setzt 


J, = 


und 


= R2. ERS \ 

| 2. (W, + W)’ (12) 

Das Maximum von A erhält man, wie eine einfache Rechnung 

ergibt und gemäß dem bekannten Satze „Äußerer Widerstand gleich 
dem inneren‘, für 


E a 
W, = W; = 5 . m, (13) 
also 
E,’ E.? 
max. — u EEE 
A 4 W; 2 W; (14) 


Will man die Abstimmschärfe verbessern, so wählt man W, < W; 
Dann sinkt natürlich die Empfangsstärke. Aus (12) und (14) erhält 


man 


A max 4 Wg j W, 
— 4wax,__ n l (15) 
ô 


1) Außer wenn man von der „Abstimmschärfe eines radiotolegrapbi- 
schen Systems“ sprechen will, wie es Rein (Jb., Bd. VIII, S. 393.) tut. 
Doch hat auch das wenig Sinn, da sich die Reichweiten der verschiedenen 
Systeme überdecken und die atmosphärischen Störungen als stark gedämpfte 
Sender wirken. . 

2) Vgl. z. B. Zenneck, Lehrbuch der drahtl. Tel., 3. Aufl., S. 364fl. 


Empfangsstärke und Abstimmschärfe. 431 


= amaz. , PUR) (16) 


ö? 


Fig. 3 zeigt, wie gemäß (16) A von ð abhängt; die Abstimm- 
schärfe steigt höchstens auf das Doppelte, während die Empfangsstärke 
bis auf Null zurückgeht. 

Diese Überlegung ist zwar an sich richtig, sie entspricht aber 
nicht dem Verfahren, das man in Wirklichkeit benützt, um verbesserte 
Abstimmschärfe zu erhalten. Das Loser- A 
machen der Kopplung von Luftdraht und A 
Zwischenkreis wird im vereinfachten Schema 
vielmehr dadurch wiedergegeben, daß (Über- 
gang von Fig. 1 zu Fig. 2) in den Luftdraht 
eine zusätzliche Spule S und ein Konden- | 
sator K eingefügt wird. (Die üblichen Emp- | 


fänger sind übrigens meist mit einem solchen $ 
Verkürzungskondensator versehen, der allein 0 ß 2ß 
schon wie eine lose Kopplung wirkt). Der 

mehr oder minder festen Kopplung des Fig. 3. 


aperiodischen Detektorkreises mit dem Zwi- 
schenkreise entspricht die Veränderung des Widerstandes W,. 

Soferne © und K selbst dämpfungsfrei sind, ändert ihre Einfügung 
in den Luftdraht W, nicht; daher braucht auch W, nicht geändert 
zu werden und nach (12) bleibt A unvermindert. Wohl aber sinkt ò 
(vgl. 7) auf den Wert 


= oea (17) 


und wird im Grenzfalle gleich dem Dekremente eines geschlossenen 
Kreises SK. | 

Beim Empfange ungedämpfter Schwingungen kann man 
also die Abstimmschärfe erhöhen, ohne wesentlich an Emp- 
fangsstärke zu verlieren. 

Kehren wir zur Gleichung (14) zurück und ersetzen darin E, 
durch F- h: 


F? h? 
AM — 2 
iw, (18) 
Nun können wir A? durch W, ausdrücken (9) und erhalten 
W Q 
4wax._. ..P 2 = sy 2... 122 
iy k- F?.-A 3 (19) 


f 


432 W. Burstyn. 


Die Empfangsstärke ist dem Verhältnisse zwischen Strahlungs- 
und Gesamtdekrement 0/f des Luftdrahtes proportional. Es ist dies 
dieselbe Größe, welche den Nutzeffekt eines Senderluftdrahtes angibt. 
Da f =ọ +0, erkennt man, wie wichtig es ist, die schädliche 
Dämpfung o durch Verwendung reichlicher Drahtquerschnitte, guter 
Spulen und insbesondere durch sorgfältige Erdung zu vermindern. — 

Die Abmessungen des Empfangsluftdrahtes sind nach (19) für die 
Empfangsstärke scheinbar gleichgiltig; das würde auch für den Ideal- 
fall zutreffen, daB es keine schädliche Dämpfung gäbe, also ¢ = 0 und 
o=f wäre. 

In Wirklichkeit ist aber in fast allen praktischen Fällen 5 weit- 
aus größer als o!), so daß man angenähert setzen kann: 


o W, 
3 -= i (20) 
Dadurch geht (19) über in 
wW 
amaz = Zu F2. LEE l= k 2222 (21) 


o 


Aus dieser Formel läßt sich zunächst ableiten, wie bei gleich- 
bleibender Wellenlänge die Empfangsstärke von den Abmessungen des 
Empfangsluftdrahtes abhängt. 

Bei zwei geometrisch ähnlichen Luftdrähten müssen sich die 
schädlichen Widerstände angenähert umgekehrt wie die Höhen ver- 
halten; denn dies gilt für die Erde als räumlichen Widerstand, für die 
Verlängerungsspulen, die js bei einem kleinen Luftdrahte größer sein 
müssen, und auch einigermaßen für das Kupfer des Luftdrahtes selbst, 
dessen Widerstand obnedies keine große Rolle spielt. Also 


w=. 1} (22) 


: h, 
Bei geometrisch ähnlichen Gebilden ist die elektrostatische Kapa- 
zität den linearen Maßen proportional, somit 


1) Bei einer von mir untersuchten mittelgroßen Landstation (k = 50 m, 
C = 1000 cm) betrug bei der Betriebswellenlänge von 6,5 km o/ß weniger 
als 1/40. Zenneck (Jb., Bd. XI, Heft 3) fand bei der Station Sayville 
(k = 67m, C = 12000 cm) für eine Wellenlänge von 4,6 km ọ/ĝ = 1/5, wenn 
das Gegengewicht benützt wurde, aber fast 10 mal kleiner bei Erdung. 
(Dieser große Unterschied läßt auf eine unrichtig angelegte Erdung schließen). 


— Die von Austin (Jb., Bd. IX, S. 498ff.) mitgeteilten Werte zeigen deut- 
lich das Gleiche. 


Empfangsstärke und Abstimmschärfe. 433 


C, = k- h, (23) 
und nach (22) und (8) 
o = k + h? (24) 
Hingegen ist nach (11) und (23) 
0o = k e h,’ (25) 
Daraus folgt 
TT | 
ae kh, (26) 
und gemäß (21) auch 
An = k. h,’ (27) 


Bei ungedämpften Schwingungen gegebener Wellenlänge 
und ähnlichen Luftdrähten ist die Empfangsstärke ungefähr 
der 3. Potenz der Höhe des empfangenden Luftdrahtes pro- 
portional. 

l Ändert man, um ein anderes Beispiel anzuführen, bei einer 
Schirmantenne nur die Höhe des Schirmes (und die Zusatzspulen), so 
bleibt W, ungefähr konstant; ferner ist die Kapazität des Schirmes 
angenähert umgekehrt proportional seiner Höhe, 


C, =k. 2 (28) - 

z la 
und nach (8) 

n =k. = (29) 

h, 

während nach (11) und (28) | 

0 = keh, (30) 
somit nach (21) 

Am = k. h,” . (81) 


Ein Satz, nach dem man sich zwar in der Praxis nicht richtet, 
der aber nie Widerspruch gefunden hat, lautet: „Wenn man möglichste 
Abstimmschärfe erreichen will, ist die Kombination einer stark strah- 
lenden Sendeantenne mit einer schwach strahlenden Empfangsantenne 
erheblich günstiger als die Verwendung von zwei gleichen Antennen.“ !) 


1) H. Rein, Radiotelegraphisches Praktikum, S. 189, sagt z.B. fol- 
gendes: „Wie aus den Bedingungen zur Erzielung einer maximalen Reich- 
weite hervorgeht, sind die Forderungen, die an die Sendeluftleiter gestellt 
werden, andere wie die, die auf der Empfangsseite verwirklicht sein müssen. 
Denn während im ersteren Falle eine hohe Strahlungsfähigkeit notwendig 
ist, verlangen die günstigsten Empfangsbedingungen eine möglichste Ver- 


434 W. Burstyn. 


Das Gegenteil ist richtig. Denn in beiden Fällen (ähnliche Luft- 
drähte und verschiedene Höhe eines Schirmes) sinkt nach (27) bzw. 
(31) A,”®%* sehr stark, wenn man den Luftdraht niedriger macht, die 
Abstimmschärfe (ð = 28 = 20) hingegen bessert sich dabei nicht, sondern 
bleibt im ersten Falle (24) gleich, im zweiten Falle (29) verschlechtert 
sie sich sogar. — 

Schwieriger ist die Abhängigkeit der Empfangsstärke von der 
Verkehrswellenlänge mit der Rechnung zu verfolgen, da sich die ver- 
schiedenen Anteile von W_ ganz verschieden verhalten. 

Der Kupferwiderstand des Luftdrahtes selbst ist mit Skineffekt 
behaftet, sinkt daher mit zunehmender Wellenlänge. Der der Ver- 
längerungsspulen steigt etwa proportional A. Ausschlaggebend sind 
aber wohl in den meisten Fällen die Erdverluste Wie ich seinerzeit 
dargelegt habe), verhalten sie sich sowohl bei wirklicher Erdung als 
bei Gegengewicht ähnlich, als ob ein Ohmscher Widerstand einem 
Kondensator parallel > Dann würden sie von der Wellenlänge nach 


der Formel 
1 


Ñ 
kooz 
i A“ 


abhängen, also bei kurzen Wellen quadratisch, später linear wachsen 
und sich einer oberen Grenze nähern. Am steilsten ist die Kurve bei 
jener nur von der Beschaffenheit des Erdreiches abhängigen Wellen- 
länge, bei welcher die kapazitive Leitfähigkeit der Erde gleich ihrer 
Ohmschen ist. Für Seewasser ist das etwa bei A = 1 m der Fall, 
selbst für fast trockene Erde kaum bei mehr als A = 1000 m. An 


ringerung dieses Wertes. Bei allen Stationen nun, bei denen dasselbe 
Strahlgebilde wechselweise zum Senden und Empfangen gebraucht wird, ist 
man somit gezwungen, ... ein Kompromiß ... zu schließen. Es wäre je- 
doch zu überlegen, ob man nicht später bei besonderen Anlagen ... dahin 
kommen wird, ... die Trennung von Sende- und Empfangsluftleiter durch- 
zuführen, ... Während man demnach an der Primärseite cinen hohen Mast 
errichten wird, ... sind auf der Empfangsseite die Masthöhe einmal wegen 
der atmosphärischen’ Störungen nicht übermäßig hoch zu wählen (Erdantenne) 
und zweitens die Luftleiterdrähte so anzuordnen, daß der Strahlungswider- 
stand bei kleiner Verlustdämpfung nicht zu groß ausfällt.“ 

Folgerichtig brauchte man danach zum Empfangen überhaupt keinen 
Luftdraht; ein gewöhnlicher Wellenmesser könnte ihn mit Vorteil ersetzen. 

1) Elektrotechn. Zeitschrift 1906, S. 1117. 


Einpfangsstärke und Abstimmschärfe. 435 


dieser Stelle betragen die Verluste 50°/, des Endwertes, bei der 
doppelten Wellenlänge 80°/,)). 

In sehr grober Annäherung wird man für Wellenlängen, die über 
der kürzesten betriebsmäßig benützten liegen, 


W=k.% (32) 
setzen dürfen. Daraus und aus (9) folgt: 

W, 1 

E (83) 


o 


Außerdem ist zu berücksichtigen, daß sich die ankommende 
Strahlung mit A äudert. Nach den Strahlungsgesetzen ist?) 


J 
Fakes (34) 
Beim Betriebe mit Poulsenlampe bleibt?) in der Größen- 
ordnung der Betriebswellenlänge J}, die Stromstärke im Senderluftdraht, 


angenähert konstant; somit 


1 
F=k. 7 (35) 
In (21) eingesetzt ergibt dies 
4maxX.— k. a 
W, 
und nach (38) 

1 

4™ax. = k $ 72 (36) 


Für die Telegraphie mit der Poulsenlampe müßten danach große 
Wellenlängen ungünstig sein. In Wirklichkeit geht bei kurzen Wellen- 
längen J,, vermutlich infolge der Lichtbogenhysteresis, zurück; daher 
stellt sich ein Optimum der Betriebswellenlänge heraus. In derselben 
Richtung wirken die rechnungsmäßig noch weniger zu erfassenden 
atmosphärischen Einflüsse, welche die Wellen unterwegs erleiden. 

Ähnliche Verhältnisse dürften bei Hochfrequenzmaschinen vorliegen, 
nur muß hier das starke Ansteigen der Eisenverluste mit der Frequenz 
bewirken, daß das Optimum bei beträchtlich größeren Wellenlängen liegt. 


1) Austin (Jb. IX, S. 498) erklärt mit derselben Anschauung das 
mehrfach gemessene langsame Anwachsen der Erdverluste mit der Wellen- 
länge. Da dieses Anwachsen aber noch bei einer à von mehreren km auf- 
tritt, dürfte es auf andere Ursachen zurückzuführen sein. 

2) Zenneck, S. 46. 

3) Nach eigenen Messungen und übereinstimmenden fremden Angaben. 


436 W. Burstyn. 


II. Gedämpfte Schwingungen. 


Unter der Voraussetzung, daß alle Wirkungen eines Funkens bis 
zum Einsetzen des nächsten verklungen sind, ist nach Bjerknes 


fe E,? : 23 


J? = — l 87 
: 8c, - L,- wð (« + 0) (#7) 
Es ist wieder A = J» W,, und aus (6) und (9) ergibt sich 
h. 2.12. 
er l (38) 
Lyu + 0) 
Nach (10) läßt sich A,?/L, durch ọ ausdrücken: 
EN 
en (89) 


T E NE Er 
& Ò (« + Ò) 
Bethenod?) hat untersucht, welchen Wert v erhalten muß, damit 

A möglichst groß werde. Es ist die Maximumbedingung für 


v v 


ulat) aw + pwt +H) 


zu berechnen; sie lautet 


v= VR@FB-R/ır5 o) 


und besagt, daß die Nutzdämpfung nicht, wie bei ungedämpften 
Schwingungen, gleich der übrigen Dämpfung des Empfängers, sondern 
größer sein soll, und zwar um so größer, je stärker der Sender ge- 
dämpft ist. — Bis hierher ist Bethenod gekommen. 

Wir wollen aber wieder, wie bei den ungedämpften Schwingungen, 
die Verhältnisse bei loserer Kopplung (Fig. 2) untersuchen. Unter der 
Voraussetzung, daß man die Dämpfung der Zusatzspulen vernachlässigen 
kann, ist: 


=b a1) 


Daher (4) Be Po YT Fan Bern (42) 
= yi Faj (43) 
u+ò= ÊN ant yi pan (44) 


1) Jb., Bd. VI, S. 436. 


Empfangsstärke und Abstimmschärfe. 437 


Ferner ist genau gs Qo as) 


n 

Diose Werte, in (39) eingesetzt, ergeben 
Fr. 1 

Por all + y1 + an)? 

Aus den Formeln (46) und (43) läßt sich entnehmen, in welcher 
Weise Empfangsstärke und Abstimmschärfe von den veränderlichen 
Größen, also auch von einander, abhängen. Zunächst werde nur a und n 
als veränderlich betrachtet. Die Veränderlichkeit von a bedeutet, daß 
das Dekrement a der vom fernen Stoßsender ausgestrahlten Wellen, 
z. B. durch Einfügen eines veränderlichen Widerstandes in den Luft- 
draht, geändert wird. (Die Anfangsspannung E,, daher auch F, bleibt 
dabei gleich) — Die Veränderlichkeit von n entspricht dem praktischen 
Vorgehen, am Empfänger die Abstimmschärfe durch Losermachen der 
Kopplung von Luftdreht und Zwischenkreis zu verbessern, wobei aber 
die Detektorkopplung immer auf die größte dabei erhältliche Lautstärke 
eingestellt wird. 

Fig. 4 zeigt für vier verschiedene Werte von a die Empfangsstärke 


Awax. — k (4 6) 


438 W. Burstyn. 


Amar. und das Empfängerdekrement ô als Funktionen der Luftdraht- 
verlängerung n. Um einen geeigneten Maßstab zu erhalten, sind beide 
Größen durch jene Werte A,"**-, bzw. 0, ausgedrückt, die sie für 
n = 1 annehmen. Aus (46), bzw. (43) folgt: 


4max._ 4 az i A+ryl+ a) (47) 
è a(l + yi+t an) 


und on 
DR A u (48) 
n(l+Yi-+a) 
Diese Funktionen werden durch die Schaulinien der Fig. 4 dar- 
gestellt. 


Übersichtlicher ist Fig. 5, welche für mehrere Werte der Sender- 
dämpfung Am°x-/A @®* als Funktion von Ö/ö,, also die Empfangsstärke 


pr 
EIER 
MÉY 


MAAJA 
1/7 EEE 


als Funktion der Abstimmschärfe, wiedergibt. Dieser Figur läßt sich 
Folgendes entnehmen: 
Wenn man, von der Stellung stärksten Empfanges (Ö/ö, = 1) aus- 


Empfangsstärke und Abstimmschärfe. 439 


gehend, die Abstimmschärfe durch loseres Koppeln verbessert, sinkt 
die Empfangsstärke, und zwar um So schneller, je stärker der Sender 
gedämpft ist. (Bei ungedämpften Schwingungen, a = 0, überhaupt 
nicht). Besitzen z. B. Sender (mit Stoßerregung) und Empfänger gleiche 
Luftdrähte, so ist a = 1 und man verliert anfangs beim Loserkoppeln 
an Empfangsstärke nur ungefähr !/,!) dessen, was man an Abstimm- 
schärfe gewinnt; Verdopplung der Abstimmschärfe verringert die Emp- 
fangsstärke auf ungefähr °/,. Erst bei recht starker Senderdämpfung 
(a = 4) tritt angenähert Proportionalität ein. 


li 
u 


Q 4 
BEER. A e aenn © 
Ar bo 


In Fig. 6, die der Fig. 5 entspricht, ist die Empfangsstärke mit 


jenem Werte A,,"®*- als Einheit gemessen, den sie für n = 7 annimmt, 


das Empfängerdekrement (statt mit ðo = fo (1 + y2) mit dem Werte 
ß,. Aus (47) ergibt sich: 


2 


1) Genauer = 
(1 + V2)” 


= V; 


440 | W. Burstyn. 


max, = max... —— ` E 4 
f AT a(l + y1 + an “ 

Aus Fig. 6 ist zu ersehen, daß die Empfangsstärke beträchtlich, 
mehr als proportional, die Abstimmschärfe viel weniger wächst, wenn 
die Senderdämpfung abnimmt. 

Selbstverständlich bewirken auch bei den gedämpften Schwingungen 
die Verluste in den Verlängerungs-, bzw. Kopplungsspulen, daß die 
Empfangsstärke im Vergleich zum Empfängerdekrement beim Loser- 
koppeln schneller sinkt als es die Schaulirien der Figuren 4—6 an- 
geben. Doch kann der Unterschied wenigstens zu Anfang und bei 
Verwendung guter Spulen nur gering sein. 

Wie bei den ungedämpften Schwingungen gilt auch hier, daß es 
sehr ungünstig wäre, wenn man die Abstimmschärfe statt in der an- 
genommenen Weise bloß durch Verminderung der Nutzdämpfung 
(Losermachen der Kopplung des aperiodischen Detektorkreises) ver- 
bessern wollte). — 

Wie hängt bei gedämpften Schwingungen die überhaupt erreich- 
bare Empfangsstärke von den Eigenschaften des Empfangsluftdrahtes, 
insbesondere seiner Höhe ab? 

Aus (46) wird nach Einsetzen von n = 1 


2o 
Ba all + VI Fa 


Sehen wir zunächst von den schädlichen Verlusten des Empfängers 
ab; es ist dann A, = 0, und a = «/o,, daher 


1 


— G? 
a(1+ Vı+2) S 
Oo 


A an k 


(50) 


A = k. 


wobei œ als konstant zu betrachten ist. Für geometrisch ähnliche 
Luftdrähte gilt (25), daher 


Amar = k.: 1 


a ge 
| æ (52) 
Beyi 
| 2 
Fig. 7 stellt diese Beziehung dar, wobei der Maßstab für A 


willkürlich, der für A, so gewählt ist, daß 1 dem Falle a = 1 ent- 
spricht. Sind Sender- und Empfängerluftdraht einander ähnlich und 


1) Vgl. Zenneck, S. 366. 


Empfangsstärke und Abstimmschärfe. 441 


hat auch ersterer keine schädliche Dämpfung (« = k.h,), so würde 
die Abszisse h,/h, bedeuten. 

Aus der Schaulinie ist zu ersehen, daß unter obigen Voraussetzungen 
die Empfangsstärke der Luftdrahthöhe proportional ist, wenn beide 


Fig. 1. 


Luftdrähte ungefähr die gleiche Höhe besitzen!), daß sie aber bei 
niedrigerem Empfänger weit schneller abnimmt, am stärksten ungefähr 
für h, = h / 2. 

Nimmt man aber, um der Wirklichkeit nahe zu kommen, an, daß 
die Strahlungsdämpfung gegenüber den Verlusten klein ist, so erhält 
man nach Einsetzen von (4), (20), und (23) aus (50) 

h,’ 


P i = k è D 


Ey 


Da angenähert 6, = c und daher nach (24) 9, = k» h,?, wird 
(53) zu 


Az = k» h,? (54) 


ebenso wie bei ungedämpften Schwingungen (27). 

Der Nachweis, daß auch bei gedämpften Schwingungen ein nied- 
riger Empfangsluftdraht in bezug auf die Abstimmschärfe keine Vor- 
teile bringt, möge der Kürze halber unterbleiben. — | 

Die Abhängigkeit der größtmöglichen Empfangsstärke von der 
Verkehrswellenlänge soll nur für den Fall untersucht werden, daß der 
Sender mit Löschfunken arbeitet. Es ist dann E, konstant, nach (5) 

=k-E,/A und nach (34) 


BB 
1) Genauer, wenn h, = V0,8 = 0,93. 


Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 29 


442 W. Burstyn. Empfangsstärke und Abstimmschärfe. 


E, 
F=k z. (55) 
Dies und (11) in (46) eingesetzt ergibt für n = 1 
E? 1 
mk (56) 


FB a ET 

Bei Vernachlässigung der schädlichen Dämpfung wird a = k.» 2°, 
da das Strahlungsdekrement des Senders sowohl als des Empfängers 
nach (11) 1/A® proportional ist. Danach ist auch 

1 
Bo = 0 =F k + 23? 

somit 
An = k. A? (57) 

Aber auch bei Berücksichtigung der Verluste werden sich die 
Gesamtdekremente von Sender und Empfänger in ungefähr gleicher 


Weise mit der Wellenlänge ändern, so daß man wieder a als konstant 
annehmen kann. Nach (32) und (8) ist 


1 
bo = 0 =ke, (58) 
daher (56) 
1 | 
A: = AET (58) 


Nach (57) ist also die Empfangsstärke dem Quadrate der Wellen- 
länge direkt, nach (58) umgekehrt proportional. Ersteres trifft eher 
bei kurzen, letzteres bei langen Wellen zu. Es muß daher — unab- 
hängig von den Verlusten, die die Wellen auf dem Wege vom Sender 
zum Empfänger erleiden, — ein Optimum der Verkehrswellenlänge 
geben, welches gemäß (56) durch die Bedingung A? - p, = Min. bestimmt 
ist und im allgemeinen ziemlich niedrig liegen dürfte. Je besser die 
Stationen gebaut, d. h. je sorgfältiger schädliche Dämpfungen vermieden 
sind, bei desto größeren Wellenlängen liegt ihr Optimum, das infolge 
der Unterwegsverluste der Strahlung noch höher hinaufrückt. Das 
Ineinanderfließen der Wellenzüge setzt aber bei rascher Funkenfolge 
auch hier bald eine Grenze. 


Zusammenfassung. 


Der Verbesserung der Abstimmschärfe des Empfängers durch 
loseres Koppeln entspricht nicht einfach eine Verminderung der Nutz- 


Mitteilungen aus der Praxis. 443 


dämpfung, sondern der Gesamtdämpfung des Empfängers, die sich durch 
Einfügen einer Verlängerungsspule und eines Verkürzungskondensators: 
in den Luftdraht wiedergeben läßt. Dieser Vorgang wird rechnerisch 
verfolgt. | 
Wären die Zusatzspulen (Kopplungskreise) verlustfrei, so würde 
sich die Abstimmschärfe bei ungedämpften Schwingungen durch Loser- 
koppeln ohne Verminderung der Empfangsstärke beliebig erhöhen lassen; 
praktisch ist die Grenze durch das Eigendekrement der. Zuzatzapparate 
gegeben. Bei gedämpften Schwingungen sinkt die Empfangsstärke im 
allgemeinen viel weniger als die Abstimmschärfe steigt. | 

Von der Höhe des Empfängerluftdrahtes ist die Empfangsstärke 
ungedämpfter Schwingungen nicht, die gedämpfter stark abhängig, wenn 
die hauptsächlich von der Erde herrührenden schädlichen Verluste zu 
vernachlässigen wären. Das sind sie jedoch keineswegs, sondern sie 
übersteigen die Strahlung meist bei weitem, insbesondere bei langen 
Wellen. Sie haben zur Folge, daß für beide Arten von Schwingungen 
die Empfangsstärke ungefähr der 3. Potenz der Höhe (geometrische 
Ähnlichkeit vorausgesetzt) proportional ist. 

Die Abhängigkeit der Empfangsstärke von der Verkehrswellen- 
länge wird einerseits für den Poulsensender, andererseits für den Stoß- 
sender untersucht. Für letzteren ergibt sich ein Optimum der Wellen- 
länge, welches um so höher liegt, je verlustfreier die Stationen ge- 


baut sind. 
(Eingesandt 81. Juli 1917.) 
(Adresse des Autors: Dr. W. Burstyn, z. Z. Wien III., Weißgerber- 
Lände 44.) 


Mitteilungen aus der Praxis. 


Über 
telephonische Messungen an einem drahtlosen Empfänger. 


(On telephonic measurements in a radio reveiver). 
Von J. Zenneck. 


Es ist bereits auf einige Schwierigkeiten hingewiesen worden, die 
sich bei der Deutung des Hörbarkeitsfaktors zeigen. Die folgenden all- 
gemeinen Bemerkungen zur Frage der telephonischen Messung der 
Empfangsstromstärke dürften von Interesse sein, obschon ich mir wohl 
bewußt bin, daß sie nichts Neues bringen. 

| 29” 


444 Mitteilungen aus der Praxis. 


I. Die Messung der Hörbarkeit. 


Der Strom im Detektorkreise ist im allgemeinen ein pulsierender, 
und seine Frequenz ist identisch mit der im Sender oder im Empfänger 
erzeugten Gruppenfrequenz. Die Bewegung der Telephonmembran 
wird durch die Wechselstromkomponente dieses pulsierenden Stromes 
bestimmt; durch irgendwelche telephonische Messung kann man daher 
nur diese Komponente bestimmen, Man kann diese Wechselstrom- 
komponente oder diesen Audiostrom zunächst als sinusförmig annehmen. 

Der Gedanke, den man bei der Messung der Hörbarkeit verfolgt, 
ist der, die Amplitude dieses Audiostromes zu messen, aber nicht in 
Ampere, sondern in willkürlichen Einheiten, nämlich durch die Amplitude, 
die dem jeweiligen Beobachter eben die Unterscheidung zwischen Strichen 
und Punkten gestattet. Dementsprechend wird die Hörbarkeit definiert 
als das Verhältnis zwischen der Amplitude des tatsächlich auftretenden 
Audiostromes und jener Amplitude, die gerade zwischen Strichen und 
Punkten zu unterscheiden gestattet. 

Diese Unbestimmtheit der Grundeinheit schließt eine ernstliche 
Schwierigkeit in sich, wenn von verschiedenen Beobachtern oder von 
einem und demselben Beobachter zu verschiedenen Zeiten Hörbarkeits- 
messungen vorgenommen werden sollen. Die Einheit kann bei ver- 
schiedenen Messungen verschieden sein. Die Amplitude, welche gerade 
zwischen Strichen und Punkten zu unterscheiden gestattet, ist für ver- 
schiedene Individuen verschieden und bei einer und derselben Person 
von physiologischen und psychologischen Bedingungen abhängig. Sie 
wird sicherlich kleiner, wenn, von den Signalen abgesehen, das Tele- 
phon absolut ruhig ist, als wenn durch Störungen im Telephon dauernd 
starke Geräusche hervorgerufen werden. Falls in diesen beiden Fällen 
die von den Signalen herrührenden Audioströme genau gleichstark 
wären, würde in letzterem Falle eine weit kleinere Hörbarkeit gemessen 
werden als im ersterem. Daher besagt die einfache Aussage, daß für 
einen besonderen Sender und Empfänger eine Hörbarkeit von 200 ge- 
messen worden ist, für den messenden Physiker nicht viel, so wichtig 
sie für den Installateur sein mag. 

Das folgende Verfahren zur Messung der Hörbarkeit ist allgemein 
angenommen. Das Telephon wird durch einen induktionsfreien Wider- 
stand R kurzgeschlossen, der so eingestellt wird, daß Striche und 
Punkte gerade unterscheidbar werden. Die Genauigkeit, mit der sich 
dieser kritische Widerstand messen läßt, ist stark von der Geschick- 
lichkeit und der Erfahrung des Beobachters abhängig. Der Haupt- 


Mitteilungen aus der Praxis. 445 


nachteil besteht . darin, daß das! Verschwinden eines allmählich 
schwächer werdenden Tones bestimmt 
werden muß, und nicht ein scharf de- 
finiertes Minimum, wie man es bei der 
Wheatstoneschen Brückenanordnung für 
Wechselstrom erhält. 

Nach Messung des kritischen Wertes 
für den Nebenschlußwiderstand muß der 
Wert des Hörbarkeitsfaktors berechnet 
werden. Die Amplitude J, des Audio- 
stromes im Telephon wird durch die Fig. 1. 
Gleichung 


R 

TIR + R?+ (2a NL)? 
gegeben !), wo I die Amplitude des Audiostromes in den Zweigen A A’ und 
BB in Fig. 1 ist, R, der Widerstand des Telephons für Audiofrequenz, L, 
seine Selbstinduktion für Audiofrequenz, und N die Gruppenfrequenz. 
Nach Entfernung des Nebenschlußwiderstandes R mag die Amplitude 
des Telephonstromes = I” sein. Dann ist nach der oben erwähnten 
Definition die Hörbarkeit: 


I, = 


I, I “R 
Damit 


q VERY 1 (2 a NZ)? (2 


und somit nur von den Konstanten des Telephons und seinem Neben- 
schlusse abhängig werde, muß die Bedingung 
Fr 

erfüllt werden. Daß heißt, die Stromstärke in den nicht kurzge- 
schlossenen Zweigen AA’ und BB darf durch Kurzschließen des 
Telephons nicht verändert werden. Diese Bedingung schließt in sich: 

a) Daß der durch den Detektor fließende Radiofrequenzstrom durch 
Kurzschließen des Telepbons nicht beeinflußt werden darf, denn sonst 


1) Unter der Annahme, daß die Rückwirkung der Schwingung der 
Telephonmembran auf den Telephonkreis vernachlässigt werden kann. Wenn 
dies nicht der Fall ist, so können der Effektivwiderstand R, des Telephons 
sowie seine effektive Selbstinduktion L, auch von der Amplitude des Audio- 
stromes abhängen und nicht nur von dessen Frequenz. 


446 Mitteilungen aus der Praxis. 


würde auch. der von dem Detektor erzeugte Audiofrequenzstrom ver- 
ändert werden. Dies kann man dadurch vermeiden, daB man die 
Reaktanz des Kondensators C für Radiofrequenz klein gegenüber der 
Impedanz des abgezweigten Kreises R, T für Radiofrequenz macht. 

b) Daß das Verhältnis zwischen den Audiostromstärken I” und 
I von R unabhängig sein muß. 

Dies kann dadurch geschehen, daß man die Reaktanz des Konden- 
sators C für Audiofrequenz groß gegenüber der Impedanz des Tele- 
phons für Audiofrequenz macht. Selbst in diesem Falle fließt, wenn 
das Telephon nicht kurz geschlossen ist, und noch weit mehr, wenn 
es kurz geschlossen ist, praktisch der ganze Audiostrom durch den 
Zweig AA B' B. Benutzt man aber eine große Wellenlänge in Ver- 
bindung mit einer verhältnismäßig hohen Gruppenfrequenz, so kann 
diese Bedingung der Bedingung («) widersprechen. 

Dann kann man die Anordnung 

der Fig. 2 verwenden, allerdings unter 

= a 122 der Voraussetzung, daß die Impedanz 
| = des Telephons für Audiofrequenz groß 

4 T im Verhältnis zu jedem Wert des be- 
nutzten Widerstandes R ist. Der Ne- 


2 benschluß R kann daher nicht ausge- 
| | schaltet werden, denn das würde be- 
Fir. 2 deuten, daß man R = 00 machte. In- 

g. 2. 


folgedessen kann man nur das Ver- 
hältnis zweier Hörbarkeiten A, und A, messen, nicht die Hörbarkeit 
selbst. Nach Gleichung (2) ist: 


N Y(R, + R?+(2aNL? VR +: + R)?+ (27 read? 
m R, | BR 


wenn R, und R, die Werte des Nebenschlußwiderstandes R sind, die 
in den beiden Fällen erforderlich sind, um Striche und Punkte eben 
unterscheidbar zu machen, und wenn sowohl M, als auch R, klein 
gegenüber der Impedanz des Telephones für Radiofrequenz sind. 

Es scheint allgemein üblich zu sein, die Gleichung (2) durch die 
Beziehung 
R+R, 

R 


zu ersetzen. Das ist natürlich nur dann richtig, wenn die Induktanz 
des Telephones für Audiofrequenz sehr klein gegenüber (R + R, ist, 


A= 


Mitteilungen aus der Praxis. 447 


was bei den für den radiotelegraphischen Betrieb allgemein gebräuch- 
lichen Telephonen nicht der Fall ist.!) 


II. Die Beziehung zwischen dem Audiostrome im Telephon und 
dem empfangenen Luftleiterstrom. 


Es möge zunächst angenommen werden, daß als Sender ein Lösch- 
funkensystem zur Anwendung gelange, das Gruppen exponential ge- 
dämpfter Wellen nur einer Frequenz aussendet. 

In erster Linie hängt die Amplitude des Audiostromes von den 
Charakteristiken des Detektors ab, davon nämlich, ob das Ansprechen 
des Detektors von der Amplitude des Radiofrequenzstromes abhängt, 
oder von ihrem Quadrate, oder von sonst einer Funktion von ihr. 
Die Amplitude hängt ferner sehr stark von der Empfindlichkeit des 
einzelnen Detektors zur Zeit der Messung ab. Deshalb muß der 
Detektor geeicht; werden. 

Aber die Eichung darf nicht mittels eines Galvanometers erfolgen. 
Das würde bedeuten, daß man die Gleichstromkomponente des Detek- 
torstromes messen würde, und nicht seine Wechselstromkomponente, 
die ja die Hörbarkeit bestimmt. Diese letztere wird sehr stark. durch 
die „Trägheit“ des Detektors beeinflußt. Da die Trägheit zweier 
Detektoren verschieden ist, kann der eine von ihnen eine zwanzigmal 
so hohe Hörbarkeit ergeben wie der andere, und doch kann der von 
diesen Detektoren hervorgerufene Ausschlag eines Galvanometers bei 
einem und demselben Radiofrequenzstrome derselbe sein. 

Auch die Kapazität des im Nebenschluß zum Telephon liegenden 
Kondensators C (Fig. 1) kommt in Betracht. Sobald die Reaktanz des 
Kondensators für Audiofrequenz nicht groß ist im Vergleich zur Im- 
pedanz des Telephones, verringert eine Zunahme der Kapazität des 
Kondensators die Hörbarkeit in derselben Weise wie eine Zunahme 
der Trägheit des Detektors. 

Allen diesen Schwierigkeiten, sowie denen, die in der Unsicherheit 
der Einheit für die Hörbarkeit und in der veränderlichen Empfindlich- 
keit des Detektors begründet liegen, begegnet man dadurch, daß man 
die von den ankommenden Signalen hervorgerufene Hörbarkeit mit 
jener vergleicht, die von einem mit dem Empfangsluftleiter äußerst 
lose gekoppelten Normalkreise mit derselben Gruppenfrequenz her- 
rührt. Als Normalkreis kann man einen Kondensatorkreis mit einem 


1) A.H. Taylor and A.S. Blatterman, Proc. Inst. Radio Eng. 4, 
135, 1916. 


448 Mitteilungen aus der Praxis. 


die wahre mittlere Stromstärke messenden Instrument (etwa einem 
empfindlichen Hitzdrahtamperemeter oder einem Thermoelement) benutzen. 
Wie man freie Schwingungen von bekannter und veränderlichen An- 
fangsamplitude, die das natürliche Dekrement des Kreises besitzen, 
unter Benutzung eines rotierenden oder schwingenden Schalters 
Fig. 3) oder eines Unterbrechers (Fig. 4) erzeugen kann, zeigen die 


M igh 
Resistance 


Fig. 3. Fig. 4. 


beiden eben genannten Figuren. Der Kondensator C wird periodisch 
auf das von der Batterie B erzeugte und durch das Potentiometer 
P geregelte Potential geladen und entlädt sich durch den Schwingungskreis. 

Mit Hilfe dieses Normalkreises, der im allgemeinen auf die Fre- 
quenz der ankommenden Wellen abgestimmt werden muß, kann man 
die ganze Empfangsanordnung eichen. Die Koppelung des Normal- 
kreises mit dem Luftleiter kann man konstant halten und dann durch 
Veränderung der Spannung, auf die der Kondensator C (Fig. 3 oder 4) 
aufgeladen wird, die wahre mittlere Stromstärke im Normalkreise 
ändern. Dann kann man die Hörbarkeit messen, die jedem einzelnen 
Werte der wahren mittleren Stromstärke entspricht. Man kann auch 
die Schwingungen im Normalkreise konstant halten und seine Koppe- 
lung mit dem Luftleiter (d. h. den Koeffizienten M der wechselseitigen 
Induktion zwischen Luftleiter und Normalkreis) ändern. Auf diese 
Weise mißt man die Hörbarkeit als Funktion von M und der Ampli- 
tude der durch den Normalkreis im Luftleiter induzierten Schwingungen, 
welch letztere M proportional ist. 

Sind die Konstanten der Anordnung bekannt, so kann man nach 
diesem Verfahren die Amplitude der Schwingungen, die im Luftleiter 
seitens eines fernen Senders erregt werden, in absoluten Einheiten oder 
in Ampere messen?!) Aber für diese Messung muß das Dekrement 


— 


1) F. Braun, Jahrb. 8, 132, 212, 1914. 


Mitteilungen aus der Praxis. 449 


des Normalkreises jenem der ankommenden Wellen gleich sein. Nehmen 
wir beispielsweise an, es werde ein Thermodektor benutzt, dessen An- 
gaben vom Quadrate der Stromstärke und daher von der Energie der 
Schwingungen abhängen, so wird die Amplitude des Audiostromes 
(und daher die Hörbarkeit) für verschiedene Dekremente selbst dann 
verschieden sein, wenn die Energie des Luftleiterstromes dieselbe ist. 
Ob das Dekrement des Normalkreises dasselbe ist wie das der an- 
kommenden Wellen, läßt sich leicht kontrollieren, wenn man beispiels- 
weise einen Widerstand in den Luftleiter einschaltet oder den Luftleiter 
um einen bestimmten Betrag verstimmt. Die Abnahme der Hörbar- 
keit muß bei Erregung durch den Normalkreis und bei Erregung. 
seitens der ankommenden Wellen dieselbe sein. 

Wenn die Dekremente dieselben sind, ist es wünschenswert, die 
Amplitude der im Luftleiter durch den Normalkreis erzeugten Schwin- 
gungen so einzustellen, daß sie dieselbe Hörbarkeit ergeben wie die 
ankommenden Wellen, und zwar dadurch, daß man die Amplitude der 
Schwingungen im Normalkreise, oder dadurch, daß man dessen Koppelung 
mit dem Luftleiter verändert. Dann ist die durch die ankommenden 
Wellen im Luftleiter induzierte EMK. dieselbe wie die durch den 
Normalkreis erzeugte. Diese Amplitude läßt sich leicht aus den Kon- 
stanten der Anordnungen und dem Wert der wahren mittleren Strom- 
stärke im Normalkreise berechnen. Bei dieser Gestaltung ist das Ver- 
fahren von der Charakteristik des Detektors, von der Kapazität des im 
Nebenschluß zum Telephon liegenden Kondensators unabhängig und 
ebenso von den im ersten Abschnitt der vorliegenden Abhandlung er- 
wähnten Bedingungen. Es ist mit und ohne Verstärker anwendbar. 


III. Der Empfang ungedämpfter Wellen. 


Wenn der Sender kontinuierliche Wellen aussendet und im Emp- 
fänger nach einem der bekannten Verfahren ein Ton erzeugt wird, so 
hängt im allgemeinen die Amplitude des Audiostromes im Telephon 
nicht nur von der Amplitude der ankommenden Wellen ab, sondern 
auch von der Anordnung, welche den Ton im Empfänger hervorbringt. 
Es ist beispielsweise bekannt, daß beim Verfahren der Schwebungen 
die Amplitude des Audiostromes gerade so sehr von der Amplitude 
der an Ort und Stelle erzeugten Schwingungen abhängt wie von jener 
der ankommenden Wellen. Es besteht daher keinerlei feste Beziehung 
zwischen der Amplitude des Audiostromes und jener der im Empfangs- 
luftleiter erregten Schwingungen. 


450 Mitteilungen aus der Praxis. 


In diesem Falle kann man die Schwierigkeit ebenfalls durch Ver- 
wendung eines Normalkreises überwinden. Es würde aber verkehrt 
sein, einen Normalkreis derselben Art zu benutzen, wie oben beschrieben. 
Die gedämpften Schwingungen, die ein solcher Kreis im Luftleiter 
erregte, würden durch die Empfangsanordnung (Verstärker, Schwebungs- 
empfang) in ganz anderer Weise beeinflußt werden als die durch die 
ankommenden Wellen im Luftleiter erregten ungedämpften Schwingungen. 
Es ist unbedingt erforderlich, als Normalkreis ein kontinuierlich 
schwingendes System von genau derselben Frequenz zu benutzen wie 
die des Senders. Einen solchen Normalkreis kann man sehr leicht mittels 
eines schwingenden Elektronenrelais, etwa des Audions, erhalten, und 
seine wahre mittlere Stromstärke, und daher auch die Amplitude des 
Stromes, kann man leicht mit einem Hitzdrahtamperemeter oder einem 
Thermoelement messen. Im Übrigen ist das Verfahren zur Messung 
der Amplitude der durch die ankommenden Wellen im Empfangsluft- 
leiter erregien Schwingungen genau dasselbe wie das im zweiten Ab- 
schnitt dieser Abhandlung für gedämpfte Wellen dargelegte Es ist 
insofern noch einfacher, als keine Komplikationen durch die Dämpfung 
hineingebracht werden. 


Zusammenfassung. 


Wenn es gilt, das Hörbarkeitsverfahren zur Messung der Ampli- 
tude oder der Energie der ankommenden Wellen zu verwenden, so 
lassen sich nutzbare Ergebnisse nur dadurch erlangen, daß man ver- 
gleichende Proben mit einem passend gebauten Normalkreise für jede 
einzelne Messung, oder mindestens für jede Messungsreihe, anstellt. 

(Nach Proc. Inst. Radio Eng. (New York) 4 (4), S. 363—369, 
1916, aus dem Englischen übersetzt von Max Ikl6). 


(Eingesandt 15. Mai 1917.) 


Adresse des Übersetzers: Dr. Max Ikl&e, Zehlendorf (Wannseebahn). 
i Milinowskistraße 31. 


Mitteilungen aus der Praxis. 451 


Detektoren. 


Quantitative Beziehungen in Detektorkreisen. 


(Eine Erörterung der Arbeit des Herrn Armstrong: „Eine Unter- 
suchung der Heterodynverstärkung durch das Elektronenrelais.‘) 


[Quantitative Relations in Detector Circuits. 
(A Discussion on Mr. Armstrong’s Paper on „A Study of Heterodyne 
Amplification by the Electron Relay.‘“‘)]!) 


Von Benjamin Liebowitz. 


Der Zweck der vorliegenden Erörterung besteht darin, gewisse 
grundlegende Beziehungen in einfachen Detektorkreisen klarzulegen 
und dadurch direkt die höchste Verstärkung zu bestimmen, die man 
dem Heterodynprinzip zuschreiben kann. Die: Hauptannahmen sind 
1. daß die vorherschende Reaktion im Detektorkreise (DK in Fig. 1) 


Fig. 1. Typischer Detektorkreis. 


die vom Widerstande D herrührende ist, und 2. daß dieser Wider- 
stand so hoch ist, daß die dem Schwingungskreise LC seitens des 
Detektorkreises entzogene Energiemenge sehr klein ist. Unter diesen 
Umständen wird dem Detektor eine annähernd einfache harmonische 
EMK. aufgezwungen werden, wenn die empfangenen Signale einfach 
harmonisch sind, wie wir annehmen wollen, und dann kann man die 
den Detektor durchfließende Stromstärke bestimmen. 

Wir wollen zwei Detektortypen betrachten, und zwar „vollkommene“ 
Gleichrichter und „annähernde“ Gleichrichter. Das Verfahren, das wir 
einschlagen, besteht in beiden Fällen darin, sowohl die Radiofrequenz- 
ströme als auch die Audiofrequenzströme zu ermitteln, die im Detektor- 


1) s. Proc. Inst. Radio Eng., Juni 1915, S. 185 ff. 


452 Mitteilungen aus der Praxis. 


kreise fließen, und durch deren Vergleichung festzustellen, welcher 
Teil der dem Schwingungskreise entzogenen Energie bei der Erzeugung 
eines Telephonstromes von hörbarer Frequenz nutzbar ist. 


Erster Fall. ‚„Vollkommene“ Gleichrichter. 


Einen „vollkommenen“ Gleichrichter können wir definieren als 
einen solchen, der in der einen Richtung einen konstanten und in 
der anderen Richtung einen unendlich großen Widerstand hat. Die 
Spannungs Stromstärken-Charakteristik eines derartigen Detektors wird 
in Fig. 2 dargestellt. 


Stromstorke 


Spannung 


Fig. 2. Charakteristik eines „vollkommenen“ Gleichrichters. 


Wird einem derartigen Gleichrichter eine einfache harmonische 
EMK. aufgezwungen, so wird der resultierende Strom offenbar eine 
Folge von Sinusschleifen sein, wie sie in Fig. 3 dargestellt ist. Ist 


Fig. 3. Stromstärke im „vollkommenen“ Gleichrichter. 


die EMK. e sin pt, und der endliche Widerstand des Detektors R, so 
wird die Amplitude dieser Schleifen einfach e/R sein. 
Diese Folge von Schleifen läßt sich leicht in eine Fouriersche 


Reihe zerlegen. Nach dem üblichen Verfahren findet man für diese 
Reihe: 


Mitteilungen aus der Praxis. 453 


1 1 2 
— { — — 6 t nn 2 pt — —— 
EE aa O +>; g 005 2p a tpir.. iz 


Wir haben hier einen gleichgerichteten Strom von der Stärke 
1 
25 einen Radiofrequenz-Grundstrom von der Amplitude 52 und 
eine Reihe schwächerer Obertöne. Bezeichnen wir den gleichge- 
richteten Strom mit y, und die Amplitude des Radiofrequenz-Grund- 
stromes mit Y p 50 folgt demnach, daß 


Yo = 4 


angenähert ist.. Wir sehen somit, daB die Stärke des nutzbaren 
Stromes nur etwa zwei Drittel der Amplitude des im Detektor- 
kreise fließenden Radiofrequenz-Grundstromes beträgt. 

Der durchschnittliche Betrag, in dem dem Schwingungskreise 


1 e? i 
LC Energie entzogen wird, ist IR (nämlich die Hälfte des Betrages, 
den man erhalten würde, wenn der Detektor in beiden Richtungen 


e2 
e — in dem 
R 


; 1 
den ‚Widerstand Jè hätte). Von dieser Energie steckt x? 


2 


gleichgerichteten Strome, - 5 im Radiofrequenz-Grundstrome und 


der Rest in den ÜÖbertönen. Das heißt: Von der gesamten dem 
Schwingungskreise entzogenen Energie finden sich etwa 
40 v. H. in Gestalt gleichgerichteten Stromes, 50 v. H. in Ge- 
stalt des Radiofrequenzstromes mit der Grundfrequenz, und 
der Rest in Gestalt der Obertöne. 

Um gehört zu werden, kann die kontinnierliche Schleifenreihe der 
Fig. 3 in Züge mit hörbarer Frequenz zerlegt werden, so daß der 
stetige gleichgerichtete Strom in einen solchen verwandelt wird, der 


zwischen Null und Be 7; auf- und absteigt. Ein solcher Strom 
Ä 7 


ist äquivalent einem Audiofrequenzstrom von der Amplitude = = 
der einem Gleichstrom überlagert ist, mitsamt seinen Obertönen. Im 
übrigen sind die Energiebeziebungen unverändert, denn die vorstehende 
Analyse ist auf jeden Wellenzug oder auf jede einzelne Schleife jedes 
Zuges anwendbar. 

Statt sie zu zerlegen, kann man indessen die Schleifenfolge auch 


454 Mitteilungen aus der Praxis. 

nach dem Heterodynverfahren hörbar machen. Wenn die „andere 
Kraft“ von derselben Größenordnung ist wie die ankommende EMK. 
(„gleiches“ Heterodyn), werden die Schleifen zwischen Null und = 


auf- und absteigen. Und da jede einzelne Schleife sehr nahezu reine 
Sinusgestalt hat, so ist die vorstehende Analyse als enge Annäherung 
anwendbar, und wir erhalten daher einen Schwebungsfrequenzstrom von 


der Amplitude Z . a das ist doppelt so viel, wie man ohne Hetero- 


dyn erhalten würde. 
Wenn indessen die lokale Kraft, etwa mit der Amplitude E, groß 
E-+e 
R 


—° an- und absteigen. Und wenn wir dann die frühere Ana- 


gegenüber der empfangenen ist, werden die Schleifen zwischen 


und 


lysis anwenden wollen, so würden wir wiederum finden, daß die Am- 


1 
plitude des Schwebungsfrequenzstromes 5 ist. Mithin liefert, 


wenn der Detektor ein vollkommener Gleichrichter ist, das 
Heterodynverfahren einen doppelt so starken nutzbaren 
Telephonstrom wie das „Auflösungsverfahren“, unabhängig 
von der Amplitude des Lokalstromes. Dieses Ergebnis steht 
vollständig im Einklang mit jenem, zu dem ich ursprünglich gelangt bin.?). 

In dem Sinne, daß mit einem gegebenen „vollkommenen“ Gleich- 
richter das Heterodyn einen doppelt so starken Telephonstrom liefert 
wie das „Auflösungsverfahren“ und sonach viermal soviel Energie beim 
Ansprechen liefert, kann man sagen, daB das Heterodyn eine vierfache 
wahre Verstärkung ergibt. Diese Deutung des Begriffes „wahre Ver- 
stärkung“ hat Herr Armstrong in seiner Arbeit benutzt, und sie läßt 
sich durchaus rechtfertigen. Man darf den Begriff aber nicht so auffassen, 
als führte das Heterodyn dem Telephonstrome viermal soviel Energie 
zu, wie dem Schwingungskreise an Energie der empfangenen Frequenz 
entzogen wird. Diese Frage soll im folgenden Abschnitt nochmals in 
größerer Ausführlichkeit behandelt werden. | 

Der Grund für die vierfache Verstärkung wird vollkommen klar, 
wenn wir uns gegenwärtig halten, daß wir bei dem Verfahren der 
„Auflösung“ für den Empfang ungedämpfter Wellen diesen rund die 
Hälfte der verfügbaren Energie entziehen, während wir mit dem 


1) Siehe Proceedings, Juni 1915, S. 185. 


Mitteilungen aus der Praxis. 455 


Heterodynverfahren ebensoviel verfügbare Energie hinzufügen, wie wir 
anfänglich hatten. 

Ich habe viele Einzelheiten der vorstehenden. Analyse fortgelassen 
und mehrere Punkte übergangen, .weil nach der Ausarbeitung der 
Fourierschen Reihe für die in Fig. 3 dargestellte Reihe von Sinus- 
schleifen die weiteren Ergebnisse auf Grund physikalischer Überlegungen 
klar werden, und weil ferner der Fall der „annähernden“ Gleichrichter, 
den wir nunmehr vornehmen wollen, weit größeres Interesse bietet. 


Zweiter Fall. „Annähernde“ Gleichrichter. 


Die Charakteristik eines gewöhnlichen Kristall-Gleichrichters unter- 
scheidet sich von jener eines „vollkommenen“ Gleichrichters (wie sie 
in Fig. 2 dargestellt wird) dadurch, daß sie für negative Spannungen 
nicht längs der Stromstärkenachse verläuft, sondern etwas unterhalb 
dieser, und daß sie statt einer unendlichen Krümmung am Anfangs- 
punkte eine endliche hat, sowie schließlich dadurch, daß sie für posi- 
tive Spannungen im Allgemeinen aufwärts gekrümmt ist und nicht 
geradlinig verläuft. Der gewöhnliche Gleichrichter ist daher in zweierlei 
Hinsicht unvollkommen: er richtet keinen Wechselstrom vollkommen 
gleich, und er richtet verhältnismäßig starke Ströme besser als schwache. 

Für Zwecke der Analysis ist es wünschenswert, einen Detektor 
zu benutzen, der schwache Ströme im wesentlichen ebensogut gleich- 
richtet wie verhältnismäßig starke. Zu diesem Behufe muß der Detektor 
im Anfangspunkte eine starke, wenngleich endliche, Krümmung be- 


Siromstarke 


Spannung 


Fig. 4. Charakteristik eines „annähernden“ Gleichrichters. 


456 Mitteilungen aus der Praxis. 


sitzen, wie dies Fig. 4 zeigt. Einen solchen Detektor wollen wir bei 
unserer Analysis voraussetzen und wollen ihn einen „annähernden“ 
Gleichrichter nennen. 

Die Kurve der Figur 4 läßt sich durch eine Potenzreihe oder mit 
einer für alle praktischen Zwecke hinreichenden Genauigkeit durch 
etwa ein Dutzend Glieder einer solchen Reihe darstellen. Des Weiteren 
muß, um unserer Definition eines „annähernden“ Gleichrichters zu ge- 
nügen, die Summe aller ungeraden Potenzen der Reihe nahezu gleich 
der Summe aller geraden Potenzen sein. Die ungeraden Putenzen 
wechseln nämlich das Vorzeichen, wenn die Spannung negativ wird, 
während die geraden Potenzen dies nicht tun. Wenn daher ihre 
Summen einander nahezu gleich sind, werden sie sich für negative 
Spannungen nahezu gegenseitig aufheben, und die Reihe wird nur für 
positive Spannungen groß sein. Wenn also y die Stromstärke und v 
die Spannung ist, wird die Charakteristik unseres Annan ruden Gleich- 
richters dargestellt durch: 


y=zav+wvV+av’+a,vVi+..., (1} 
mit der Bedingung, daß, wenn v positiv ist, 
a v+ avta vr... =,V”+tavV+avV+...+4 0 


ist, wo A eine von v abhängige kleine Größe ist. 

Weiter wollen wir, um den einfachsten und günstigsten Fall zu 
behandeln, die Koeffizienten a, alle als positiv annehmen; d. h. wir 
wollen annehmen, der Detektor habe eine Charakteristik, in welcher 
innerhalb eines gegebenen Bereiches die Stromstärke mit zunehmender 
positiver Spannung immer rascher und rascher anwächst. 

Wir wollen nun annehmen, es werde infolge der alleinigen Wirkung 
der empfangenen Signale dem Detektor eine einfache harmonische EMK. 
e sin pt aufgezwungen. Der resultierende Stront wird werden: 


y = a esinpt+ta,e’sin’pt+a,esin’pt+ - =». (3) 
Bedenken wir, daß 
1 
sin? 0 = Eu — cos 20), 
. 1 
sind = 7 — (3 sin 0 — sin 3 0), 
; 1 A 
sint 0 = 5 (8 — 4 cos 2 Ô + cos40), 


usw. 


Mitteilungen aus der Praxis. 457 


ist, so erhalten wir: 


Yy = a, esinpt +, -a e (1 — cos 2 pt) + 
1 ; À | 
+ gs (8 sinpt — sin 3Sph + 


1 A 
+ -g 44 e (3 — 4 cos 2 pt + cos 4 pt)+ 


+ Š a (10 sin pt — 5 sin 8p t +sin 5 pi) + 
1 
+ 359 e° (10 — 15 cos 2 pt + 6 cos 4 p t — cos 6 pt) + 
E E dh Eaa en ee a S E 
Eo op aou a ea e ae a e a Hea e a a a a a (4) 


Ordnen wir die Glieder dieser Reihe nach der Periodizität, und 
bezeichnen wir den Strom von der Frequenz O mit yọ, jenen von der 


p i f 
Frequenz —- mit y_, so finden wir: 
requen 2n ™ Yp ; 


1 3 3x5 3X5X7 
3 ,,8x5 
Yaa inpia eti me taigis eTa ie (6) 


Die Gleichungen (5) und (6) sind allgemeine Formeln für die 
Berechnung des gleichgerichteten Stromes und des Radiofrequenzstromes. 
die durch einen einfachen Detektorkreis von bekannter Charakteristik 
fließen. Es ist zu beachten, daß diese Formeln von keiner der An- 
- nahmen abhängig sind, die wir über die Gestalt der Charakteristik 
des Detektors gemacht haben. 

Um die Vorstellung festzulegen, wollen wir nun annehmen, es 
genügten zehn Glieder unserer Reihe (1) zur Darstellung der Charak- 
teristik des Detektors. Das letzte Glied in der Klammer in der weicHung 
(5) wird dann lauten: 


3X5X7XxX9I 


SAINTA 01009, 
4x6x8 x 10 10 pe oS 


und das letzte Glied in der Klammer in der Gleichung (6) wird 
0,492 a,e® sein. Da die Koeffizienten a, positiv sind, erhalten wir 


somit die folgenden Ungleichungen: 
Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 30 


458 Mitteilungen aus der Praxis. 


a, + atte H aoe >a,e’ ++ + +0,492 ao €" 
> 0,492 (a, e? +a,e +: + ageh, 

ae +a ebte +we>ae +04 + 0,492 a, e’ 
> 0,492 (a e + ae +... +ae)). 


Wenn wir nunmehr unsere Annahme über die Gestalt der Charak- 
teristik einführen, nämlich die Beziehung (2), so folgt, daß die Klammern 
in den Ausdrücken (5) und (6) von derselben Größenordnung sein müssen. 
Mithin können wir, wenn wir die Amplitude von Yp mit 2, bezeichnen, 
in roher Annäherung schreiben: 


1 
H= Y, (roh). (7) 
Für den Fall des „vollkommenen“ Gleichrichters hingegen hatten wir 
gefunden: 
2 A 
er Y „ (angenähert). 

Mithin liefern die ganz verschiedenen analytischen Verfahren Er- 
gebnisse von derselben Größenordnung, und da wir auf Grund unseres 
Begriffes vom „annähernden“ Gleichrichter dies aus physikalischen 
Überlegungen erwarten mußten, so liefert der Vergleich eine ausge- 
zeichnete Probe auf die mathematischen Ableitungen. 


Wir wenden uns nunmehr dem Verhalten des Heterodynverfahrens 
bei seiner Anwendung im Verein mit einem „annähernden“ Gleichrichter 
zu und nehmen an, daß dem Detektor eine lokale EMK. E sin gt auf- 
gezwungen werde, und daß diese gegenüber der empfangenen EMK. 
esin pt groß sei. Die Spannung v in der Reihe (1) wird jetzt Esin gt + esinpt. 
Bei der binomialen Entwicklung der Ausdrücke (E sinq t + esin p t 
liefern zwei Glieder eine hinreichend enge Annäherung, da wir e/E 
als klein annehmen. Es ergibt sich somit in diesem Falle für die 
Stromstärke: 


y = a (Esingt + esinp i + 

: + a (E? sin? qt + 2 Eesingtsinpi) + 
+ a, (E? sin? gt + 8 E?e sin? qt sin pt) + 
+ a, (E* sint qt +4 E’e sin? qtsin pt) + 
+ e. e o >œ Tia e ap d a e a a + 


Mitteilungen aus der Praxis. 459 


Entwickeln wir die Glieder sin“ gt und sin*-—! qg tsin pt nach wohl- 
bekannten oder leicht abzuleitenden Formeln in Polynome mit mehr- 
fachen Winkeln, so erhalten wir: 


y = a, {Esingt + esinpt! + 


+ Ar E?(1 — cos2gt) — Ee [eos (4+p)t — costa— pl | + 


+ | (8 singt — sin? q t) 
+ È. E e[sin (2 g — pt — sin (2 q +p)t + 2sinpt]} + 


| 3 1 1 \ 
ra, [zs + — 2 COS agtt 7 cos 4 1t) 


+E’e 6 cos (p—g)t — -5 0s (p + pt 


1 | 1 
-zesq nt+ za) -+ 


KOPETE ee. 


1 
Fassen wir alle Glieder mit der Frequenz In (p — q) unter der 


Bezeichnung y 


e. . 1 
zusammmen und jene mit der Frequenz —-p unter 
P= 2n 


der Bezeichnung y,, so ergibt sich: 
aE +.. } ecos(p—a)t, (10) 


+ LELEN E+.. lesinpt. (11) 

Die Gleichungen (10) und (11) sind unabhängig von allen An- 
nahmen, die wir über die Gestalt der Charakteristik des Detektors 
gemacht haben, und sind daher allgemeine Formeln für die Berechnung 
der Stromstärken des Schwebungsfrequenzstromes und des empfangenen 
Radiofrequenzstromes, die durch einen bekannten Heterodyndedektorkreis 
fließen, wenn die lokale EMK. im Vergleich zu der empfangenen groß ist. 

30* 


460 Mitteilungen aus der Praxıs. 


Nehmen wir wieder an, daß zehn Glieder der Reihe genügen, 
so wird das letzte Glied in der Klammer des Ausdrucks (10) 2,46 a,, £’ 
und jenes im Ausdruck (11) 2,46a, E°. Somit ergeben sich die Un- 
gleichungen: 

3 
a Eta E+. +a,.E’< a, E +5 4 E? + -+2,46 a, E’ 


<246(, E+a, P+- Han E (12) 


3 
ata E+: -- +4E< a +g E + + 2,46 a, E° 
< 2,46 (a, +a, E? +. - +a E’). (13) 
Ferner erhalten wir aus (2): 
a +a E’ + a E+.. -=q,E+a,E’+a,E’+- T 7” (14) 


Da nun die Neigung der Kurve in Fig. 4 im Anfangspunkte gering 
ist, wird z eine kleine Größe und daher (a, + ap E? - - .) nahezu 


gleich (a, E+ a, E’ + - + .) sein. Aus (12), (13) und (14) folgt 
daher, daß die Klammern in (10) und (11) von derselben Größenordnung 
sein müssen. Bezeichnen wir also die Amplitude von y mit Y „ und 
jene von y,_, mit Y,_,, so können wir in roher Annäherung schreiben: 


Y, + Y,(rob) (15) 


Wir haben zwar eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Gliedern 
der Reihe (1) benutzt, um das Ergebnis (15) zu erhalten, aber dessen 
Richtigkeit würde selbst dann nicht beeinflußt werden, wenn es er- 
forderlich sein würde, viel mehr Glieder zu benutzen. Wir können 
auch sicher sein, daß in allen praktischen Fällen die Charakteristik des 
Gleichrichters durch verhältnismäßig wenige Glieder ganz genau spezi- 
fiziert werden kann. 

Eine Vergleichung von (15) und (7) zeigt, daß bei gegebenem 
Y_, d.h. bei einer gegebenen Energiemenge der empfangenen Frequenz 
im Detektorkreise (und das ist die einzige richtige Grundlage für eine 
Vergleichung) das Heterodynverfahren in roher Annäherung eine doppelt 
so hohe Stromstärke der hörbaren Frequenz und mithin viermal so 
viel Energie liefert wie das „Auflösungsverfahren‘“, wenn der Detektor 
ein „annähernder‘“ Gleichrichter ist. In diesem Sinne, aber nur in 
diesem Sinne, ist die vierfache Verstärkung durch das Heterodynver- 
fahren abermals nachgewiesen worden. Sofern nämlich die dem Schwin- 
‚gungskreise entzogene Energie der empfangenen Frequenz nur ein 


Mitteilungen aus der Praxis. 461 


kleiner Bruchteil der gesamten empfangenen Energie sein darf, beweist 
das Ergebnis (15), daß einerlei, wie groß die örtliche Heterodyn- 
stromstärke sein mag, die Energie beim Ansprechen immer 
kleiner sein muß, als die im Signal enthaltene Energie. 
Die dieser Analyse zugrunde gelegte Annahme der in Fig. 4 
wiedergegebenen Charakteristik des „annähernden“ Gleichrichters bringt 
das Beste zur Geltung, das diese beiden Verfahren zu leisten vermögen. 
Im Allgemeinen haben indessen praktische Gleichrichter keine so scharfe 
Krümmung im Anfangspunkte, wie wir hier angenommen haben, d. h. 
sie richten starke Ströme viel besser gleich als schwache. Mitbin 
werden die Abweichungen der praktischen Charakteristiken von der 
Bedingung (2) den Wirkungsgrad der „Auflösungsverfahren“ weit stärker 
verringern als jenen des Heterodynverfahrens. Aus eben diesem Grunde 
erhält man mit dem Heterodynverfahren eine beträchtlich höhere Ver- 
stärkung als eine vierfache, wie es Herr Armstrong in seiner Arbeit 
sehr klar nachgewiesen hat. Kurzum, der tatsächliche Vorteil des 
Heterodynverfahrens liegt, abgesehen von der Erzeugung eines musi- 
kalischen Tones, in einer wirksameren Verwendung der Detektorcharak- 
teristik. als ohne dies Verfahren möglich ist. | 
Die in der vorliegenden Arbeit enthaltenen Ergebnisse werfen 
keinerlei schlechtes Licht auf das Heterodynverfahren an sich, sondern 
nur auf die Theorien, die den Nachweis zu erbringen beanspruchen, 
daß sich mit ihm mehr leisten ließe, als die Naturgesetze gestatten. 


Zusammenfassung. 


Es wird dargetan, daß in einem einfachen Empfangssystem selbst 
mit einem „vollkommenen“ Gleichrichter, wie er definiert wird, im 
Detektorkreise mehr Hochfrequenzenergie enthalten ist, als der gleich- 
gerichtete Strom besitzt. Weiter wird gezeigt, daß bei einem „voll- 
kommenen“ Gleichrichter das Heterodynverfahren gerade viermal so 
viel Energie beim Ansprechen liefert wie die „Auflösungsverfahren‘“, 
unabhängig von der Amplitude der lokalen EMK. 

Es werden die „annähernden‘“ Gleichrichter definiert. Es werden 
allgemeine Formeln für die Berechnung des gleichgerichteten Stromes 
und des empfangenen Radiofrequenzstromes abgeleitet, die in einem 
einfachen Detektorkreise von bekannter Charakteristik fließen; ferner 
allgemeine Formeln für die Berechnung des Schwebungsfrequenzstromes 
und des empfangenen Radiofrequenzstromes im Falle des Heterodyns, 
wenn die lokale EMK. im Vergleich zur empfangenen größer ist. Auf 


462 Mitteilungen aus der Praxis. , 


Grund dieser Formeln und der Definition eines „annähernden“ Gleich- 

richters wird dargetan, daß die Energie beim Ansprechen i immer kleiner 

sein muß als die Energie im Signal. 

| Nach Proc. Inst. Radio Eng. 5 (1), 33—42, Februar 1917, aus 
dem Englischen übersetzt von Max Ikle.) 

(Eingesandt 25. Mai 1917.) 


Adresse des Übersetzers: Dr. Max Iklé, Zehlendorf (Wannseebad), 
Milinowskistraße 31. 


Untersuchungen und Verbesserungen am Parallelohmmeter. 
Von E. Roux. 


Zur Vergleichung der Empfänger Selektivität bei verschiedenen 
Tiekerschaltungen und Ausführungen sollten Resonanzkurven aufge- 
nommen werden. Da nur ein Drehspulgalvanometer zur Verfügung 
stand, das auf die, einen ungleichförmigen Wechselstrom darstellenden, 
Tickerströme nicht anspricht, mußte auf die sogenannte Parallelohm- 
methode zurückgegriffen werden. Da zwar deren große Unzuverlässig- 
keit bekannt war, aber nicht hinlänglich ihre Gründe, war vor An- 
wendung zu etwaiger Verbesserung eine eingehendere Untersuchung 
erforderlich. 

Es seien vorerst die bei den folgenden Untersuchungen ver- 
wendeten Konstanten und Versuchsschaltungen dargelegt. Parallel- 
ohmmeter von Ruhstrat mit Schiebewiderstand von 0,1—10, Dekaden- 
widerständen von 10—100, 100—1000 Ohm; die Werte der einzelnen 
Stufen weichen oft um etwa 5°/, vom Sollwert ab. Hörer: Telefunken 
EH 2, 1000 Ohm, etwa 0,2 Henry. Als Schwellenwert für das eben 
hörbare Ansprechen des Hörers wurde in den Tabellen und Kurven 
angenommen J „= 1:10-77 Amp. Er schwankte bei den Messungen 
je nach den äußeren Umständen von etwa 5 - 10° bis 5 - 1077 und 
hielt sich im Durchschnitt bei etwa 1,4-10-7. Bei einiger Übung 
und Fernhaltung aller äußeren Störungen kann für eine nicht zu lange 
Meßreihe eine Konstanz von + 10°/, als erreichbar angesehen werden. 
Sämtliche Werte gelten für Ton 800, da der zu Messungen benutzte 
Unterbrecher diese Tonhöhe gab. Die Messungsreihen der Tabellen II 
und III 5, 8, 11 und die Kurven B wurden aufgenommen, indem an 
die Stelle des Detektors eine mit der Tonfrequenz 800 pulsierende 
Gleichstromquelle gesetzt wurde, deren Spannung durch Abzweigwider- 
stände in weitesten Grenzen geregelt werden konnte. Die Spannung 


Mitteilungen aus der Praxis. 463 


wurde nach Einstellung des Parallelohmmeters auf den zu untersuchen- 
den Wert solange nachgeregelt. bis im Hörer der Ton des Schwell- 
wertes zu vernehmen war, dann mit einem Meßinstrument sehr hohen 
Widerstandes in 10% Volt gemessen. Bei den Messungsreihen Tabelle II 
und III 4, 7, 10 wurde mit Gleichstrom gemessen, wobei der Schwell- 
wert nach dem Galvanometer eingestellt wurde; die Blindwiderstände 
waren dabei durch Ohmsche derart ersetzt, daß der Gesamtwiderstand 
dem der andern Versuchsreihe entsprach. 


Fig. 1. Fig. 2. 


In der gewöhnlichen Schaltung wird parallel zum Hörer ein ver- 
änderlicher, meist nahezu selbstinduktionsfreier Widerstand gelegt, der 
bis zum Verschwinden des Tones im Hörer verkleinert wird. Dies 
Verfahren hat außer seiner Einfachheit nur Nachteile, wie aus vielen 
früheren Untersuchungen bekannt ist und hier von neuem Gesichts- 
punkte aus gezeigt werden soll. 

Es seien zuerst die Schwingungselektrischen Verhältnisse des 
Detektorkreises betrachtet. Parallel zum Hörerkondensator — bei 
2000 cm z. B. kapazitiver Widerstand für A 3000 m = 715 Ohm — 
wird durch die Einschaltung des Parallelohmmeters ein nahezu selbst- 
induktionsfreier Widerstand gelegt, der durch die Meßhandlung ver- 
kleinert wird (die weitere Parallellegung des Hörers mit 1000 Ohm 


464 Mitteilungen aus der Praxis. 


Werk- etwa 130000 Ohm Blind-Widerstand für A 3000 m kann da- 
bei vernachlässigt werden.) Der resultierende Schwingungswiderstand 
wird dadurch stark verringert (Tabelle I, Spalte 1, wobei die Phasen- 
verhältnisse nicht berücksichtigt sind), mithin die resultierende schein- 
bare Kapazität vergrößert, die Abstimmungs-, Koppelungs- und Dämpfungs- 
verhältnisse des Detektorkreises und infolge davon die dem Detektor 
zugeführte Schwingungsenergie geändert. | | | 
Für die folgende Betrachtung der Verhältnisse des Tonfrequenz- 
stromes soll zuerst die eben besprochene Änderung der schwingungs- 
elektrischen Verhältnisse außer Acht 
bleiben, und konstante Detektorspan- 
nung angenommen werden. Durch 
die Meßhandlung wird der — für 
den mit der Tonfrequenz pulsieren- 
den Gleichstrom resultierende — Ge- 
samtwiderstand der Brücke Hörer = 
Paralleloehmmeter verringert (Hörer 
dabei etwa 1500 Ohm Scheinwider- 
stand), Tabelle I 2, Kurve A,. Da- 
raus folgt ohne weiteres eine weit- 
gehende Änderung des Detektor- 
stromes (Kurve B,, bei der die Ver- 
hältnisse durch den vorgeschalteten 
Widerstand des Galvanoıneters von 
160 Ohm noch sehr gemildert sind! 
Ähnliche Kurven wurden bei Messun- 
gen an Empfängern erhalten). Durch 
-o die Messhandlung wird also der zu 
Ausgleich- Mess-Horer messende Strom in zweifacher Weise 
Fig. 3. i — in bezug auf Hoch- und Mittel 
frequenzvorgänge — gröblich ver- 
ändert, was mit dem Wesen einer Messung gänzlich unvereinbar ist. 
Aber der Unvollkommenheiten sind noch mehr! Bei Einstellung des 
Schwellwertes im Hörer ist unter Vernachlässigung der 
rl, 
pP - Pr zu 
wenn P der eingeschaltete Parallelwiderstand, T der des Hörers, K der 
des Detektorkreises für die Tonfrequenz ist: die Parallellage des für 
Tonfrequenz sehr hohen (89500 Ohm bei 2000 cm) Widerstandes des 
Hörerkondensators kann dabei vernachlässigt werden. Die gemessene 


schiebungen die Detektorspannung E, = Io 


Mitteilungen aus der Praxis. 465 


Spannung ist also weitgehend abhängig vom Widerstande K des 
Detektorkreises; für K=0 und einen sehr kleinen inneren Widerstand 
des Detektors wäre 7. B. eine Messung unmöglich, weil die Lautstärke 
im Hörer von der Einstellung des Parallelwiderstandes unabhängig 
wäre. Es kann daher beispielsweise u. U. kein Vergleich gezogen werden 
zwischen den mit demselben Empfänger, Zelle, Hörer und Parallelohm- 
meter erhaltenen Werten, wenn nur die Detektorspule anders ge- 
stöpselt oder ausgewechselt und damit der Widerstand K geändert 
wurde Auch ist der Meßbereich der Anordnung sehr gering und 
eine Messung findet eigentlich erst auf dem unteren Teil mit der 
verhältnismäßig geringsten Genauigkeit statt, wie aus deu Werten in 
Tabelle II 3, 5 und Kurve C II 3 hervorgeht, die für einen praktisch 
vorliegenden Fall von K = 7,5 Ohm gelten; die Werte Tabelle II 4, 
7, 10 sind für einen etwas höheren Widerstand A gemessen. 

Aus dem vorhergehenden erhellt deutlich, daß diese Anordnung 
selbst für nahe vergleichende Messungen, insbesondere zur Aufnahme 
von Resonanzkurven gänzlich ungeeignet ist, den Namen eines Meß- 
verfahrens überhaupt nicht entfernt verdient. Aus dən erhaltenen Werten 
ist ein Schluß auf die Detektorspannung bzw. EMK., und damit auf 
die aufgenommene Schwingungsenergie nur sehr unvollkommen und 
nach verwickelten Gesetzen möglich, deren nar angenäherte Bestimmung 
eıne genauere Untersuchung des Detektorkreises für die gerade vor- 
liegenden Verhältnisse voraussetzt. Es ist danach klar, daß Klages 
und Demmler ein lineares Gesetz nicht feststellen konnten. Es mußte 
daher versucht werden, möglichste Konstanz der Hoch- und Mittel- 
frequenzverhältnisse zu erreichen und von den Empfängerabmessungen 
unabhängig zu werden. 

Als Ideal für diese Art der Messung sind die Kurven zu be- 
zeichnen, die sich bei konstantem, von P unabhängigem Gesamtwider- 
stande = W aus der Leitfähigkeit der Verzweigung Hörer = Parallel- 
ohmmeter ergeben, also 


Sie sind für Ton 800 und 1500 Ohm Hörer-Scheinwiderstand in den 
Tabellen II und III 2 sowie auf dem Kurvenblatt C strichpunktiert 
unter entsprechender Bezeichnung eingetragen. Auch dies Ideal ergibt 
noch kein lineares Gesetz für die Hörbarkeiten! | 

In dieser Richtung bedeutet bereits die Vorschaltung eines weiten 
Hörers eınen erheblichen Fortschritt, der zudem noch den weiteren 


466 Mitteilungen aus der Praxis. 


Vorteil der ungestörten Aufnahme bzw. Kontrolle auf Störer u. A. hat. 
Durch den hohen induktiven Widerstand des Hörers tritt eine Änderung 
des Hörerkondensatorwiderstandes für die Schwingungen nicht mehr 
ein, die Nachteile der gewöhnlichen Schaltung in dieser Hinsicht sind 
also beseitigt. Auch die Änderung des Tonfrequenzwiderstandes 


Br 
f 


TE ga ae 


Fig. 4. 


wird sehr gemildert und damit die des Stromes sehr verringert (Kurve 
B 2) und die Messung viel unabhängiger vom Werte des Widerstandes K 
(Tabelle III 3, 4, 5 und Kurve C III 8). 

Weiterhin wurde die Schaltung der Meßbrücke dahin geändert, 
daß sie als Abzweigwiderstand wirkt. Dadurch wurde die Änderung 
des resultierenden Gesamtwiderstandes verringert und in eine steigende 
verwandelt (Tabelle I 3, Kurve A 3) die Änderung des Stromes durch 


Mitteilungen aus der Praxis. 467 


die Meßhandlung ebenfalls verringert (Kurve B 3, 4). Durch die 
steigende Widerstandscharakteristik der Brücke wird die gemessene 
Detektorspannung sehr viel höher wie im Idealfall. (Tabelle II und 
III 6, 7, 8, Kurven C II und IlI 6). 


Schließlich wurde parallel zu den ausgeschalteten Hundertern ein 


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4 IH 


Fig. 5.. 


Ausgleichshörer gelegt, wodurch die Konstanz des Gesamtwiderstandes 
(Tabelle I 4, Kurve A 4) und damit die des Stromes (Kurve B 5, 6) 
weiter verbessert wurde. Bei Vorschaltung eines Hörers kann sie als 
praktisch vollkommen angesehen werden. Auch Messungen an Emp- 
fängern, wobei statt des zweiten Hörers das Galvanometer und ent- 
sprechender Ergänzungswiderstand vorgeschaltet war, ließen Änderungen 
außerhalb der Schwankungen der Detektorenergie an sich nicht er- 
kennen. Ferner kann die Annäherung an die idealen Kurven als 


468 Mitteilungen aus der Praxis. 


nahezu vollkommen gelten (Tabelle II und III 9, 10, 11, Kurve C II 
und IlI 9), besonders wenn man die Unsicherheit der Einstellung des 
Schwellwertes in Betracht zieht, 

Bei dem hohen Eigenwiderstand fällt der meist verhältnismäßig 
geringe des Detektorkreises (A) kaum mehr ins Gewicht und könnte 
durch einen Mittelwert von etwa 10 Ohm genügend berücksichtigt 
werden. | 

Die Brücke ließe sich nun eichen, wenn nicht mit Änderung der 
Tonfrequenz die Verhältnisse des Hörerwiderstandes zum Parallelohm- 
meter sich verschöben, da dieses nahezu induktionsfrei ist. Das kann 
dadurch behoben werden, daß dieses in jeder einzelnen Stufe im selben 
Verhältnis wie der Hörer mit Selbstinduktion ausgestattet wird, womit 
die Widerstandsverhältnisse von der Frequenz unabhängig werden. Der 
Ausgleichshörer kann natürlich durch einen entsprechenden Schein- 
widerstand ersetzt werden; ferner muß der Meßbrücke ein bestimmter 
Hörer zugeordnet werden, auf den die gesamten Verhältnisse abge- 
stimmt sind. Auch wird sich empfehlen, den Schiebewiderstand für 
die Einer durch je einen Dekadenwiderstand von 0,1 und 1 Ohm zu er- 
setzen. 

Für den Betriebsgebrauch wird die Änderung der Schaltung vor- 
handener Parallelohmmeter in die Abzweigschaltung, die man leicht 
selbst vornehmen kann, genügen, da sie wenigstens im oberen Teile 
nahezu proportionale Hörbarkeiten ergibt, sobald ein zweiter Hörer 
vorgeschaltet ist. 

Zusammenfassung: Durch eine Untersuchung werden die Ur- 
sachen der früher schon von Verschiedenen festgestellten Mängel der 
Paralleloehmmethode dargelegt. Die Rechnungen wurden unter den 
vereinfachenden Annahmen durchgeführt, daß die Phasenunterschiede 
zwischen den einzelnen Scheinwiderständen bei Bildung der Gesamt- 
widerstandswerte vernachlässigt wurden; eine genaue Berücksichtigung 
würde die Verhältnisse aber nicht wesentlich verschieben, wie die ver- 
hältnismäßig gute Übereinstimmung der Rechnungs- und Messungs- 
werte zeigt; eine quantitative Untersuchung war zudem nicht beab- 
sichtigt. Auch sind die Ergebnisse der Untersuchung aus dem Grunde 
nicht ganz zutreffend, weil Rechnungen und Messungen für geringen 
inneren Widerstand des Detektors ausgeführt wurden, was nur für 
Ticker und Schleifer einigermaßen zutrifft; je größer der innere Detektor- 
widerstand wird, welcher bei Bleiglanz etwa 500—2000, Pyrit 1000 
bis 3000, Perikon 10—40000 Obm beträgt, desto weniger fallen die 
Widerstandsänderungen der Meßanordnung und des Detektorkreises ins 


Mitteilungen aus der Praxis. 469 


Gewicht und desto mehr werden die Fehler der üblichen Anordnung 
gemilder. Es werden im Anschluß Verbesserungen beschrieben, die 
die Zuverlässigkeit bis auf die Unsicherheit der subjektiven Einstellung 
des Hörerschwellwertes der objektiven Messung näherbringt, ohne die 
Handhabung irgendwie zu erschweren. 


Tabelle I. 


Gesamtwiderstand in Ohm. 
1. der Verzweigung Hörerkondensator = Parallelohmmeter in alter Schal- 
tung für A 3000 m (ohne Berücksichtigung der Phasenverhältnisse). 
2. der Verzweigung Hörer=Parallelohmmeter für Ton 800 in alter 
Schaltung | P-T 


3. in Abzweigschaltung G = t 1000 — Pio + 100 — Pio- 


4. in Abzweigschaltung mit Ausgleichhörer: 
P.T T(1000 — Pioo) 


ws wa 200.2 p; 
4 = birt Tg 1000 — Pio | 10 
| 2 | 3 | 4 
1500 | (1140) | (1110) 
638 | 638 | 638 
566 166 | 133 
482 882 | 770 
380 980 155 
257 1057 | 701 
102,5 1102,5 | 602,5 
84,7 1104,7 604,7 
66,9 1106,9 606,9 
| 48,4 1108,4 608,4 
| 29,4 | 11094 609,4 
10 9,85 9,94 1109,94 609,94 
5 497 4,98 1104,98 609,98 
1 1 | 1 1101 601 


Vergl. auch Kurvenblatt A die entsprechend bezeichneten Kurven 2,3, 4. 


Tabelle II 


Detektorspannungen in 10”? Volt für den Hörerschwellwert 1.10” 
Amp. bei Einstellung des Parallelohmmeters auf Werte der Spalte 1. 

2. Idesalwerte aus der Leitfähigkeit der Verzweigung Hörer = 
Parallelohm bei vollkommen konstantem Gesamtwiderstande 


470 Mitteilungen aus der Praxis. 


berechnet 3 6 9) 

gemessen mit Gleichstrom 
und Galvanometer 

gemessen mit Tongleich- 


4| alte 7| als Ab- 10| mit 
Schaltung |zweigung Ausgleich 


strom und Hörer 5) s a ) 
2 Y 
a kaa E E 6 7 8 9 | 10 | 11 
1110 1,516 1,516 1,58 | 1,28 1,516| 1,52| 1,86] 1,516| 1,481 17 
910| 1,71 | 1,52 | 1,59 2,05 | 2,24 1,96] 1,962| 1,88| 2,03 
710| 2,01 | 1,525| 1,59 | 1,47 2,775 8 2,47| 2,425) 2,76 2,37 
510| 2,5 | 1,58 | 1,595 3,9 4,4 4 3,01 | 8,2 | 2,86 
810 3,76 | 1,54 | 1,6 |(0,92) 6,2 5,72 2 6,55] ı 4,13 4,52) 3,83 
110 9,4 | 1,605 1,69 |(0,73) 16,2 | 16,8 | 18,9 | 8,91 | 11,25) (5) 
90 11.4 1,632, 1,72 19,7 | 22,2 | 20,2 | 10,82 | 14,5 | 8,7 
70 14,45 | 1,667) 1,79 | 1,65 | 25 28,8 | 26,9 | 18,75 | 18 12,4 
50/20 | 1,735, 1,91 34,6 | 332 | 33,6 | 19,08 | 24,6 | 18,8 
80 832,9 | 1,88 | 2,1 | 1447| 57 65 53,1 | 81,45 | 41,7 | 83,8 
10 | 97,2 | 2,63 | 3,36 | 1,83 | 168,6 165 |143 | 983,8 |107 (121 
5 194 | 3,755 5,2 | 3,66 | 835 357 |228 (184,5 1247 1180 
1 969 |12,74 |19,8 |22 |1663 — | — |9155 |— |— 


E 


Vergl. auch Kurvenblatt C die entsprechend bezeichneten Kurven II 2, 
3, 6, 9; die Werte der Spalte 4 wurden mit e, die der Spalte 5 
mit O eingetragen. 


Tabelle III. 


Detektorspannungen in 10”? Volt für den Hörerschwellwert 1.107 
Amp. bei Einstellung des Parallelohmmeters auf Werte der Spalte 1 
mit vorgeschaltetem 1000-Ohm-Hörer. 

2. Idealwerte aus der Leitfähigkeit der Verzweigung Hörer = 
Parallelohm bei vollkommen konstantem Gesamtwiderstande 
berechnet 8 | 9 
gemessen mit Gleichstrom 4l alte 7| als Ab- 10| mit 

und Galvanometer 
Schaltung |zweigung Ausgleich 
gemessen mit Tongleich- 5 8 1 
strom und Hörer ) 


| | | EE SEE Een. p 


1110| 5,041 5.041 4,95 5,04! 4,98] 4,3 


4 
910| 568 5,5 | 5,81 6 5,84 6,25 
710| 6,9 6,21] 6,45 T 6,79 8,05 
510) 847 7,45) 7,32 8 8,4 i 9,1 
810' 12,55] 10,25] 9,95| 11,5) 14,95 | 12 | 15,7 | 12,82! 10,85; 13 


| | | 


Mitteilungen aus der Praxis. 471 


12 | Ideal 


31,8 | 28,5 17,21 88,1 | 37,6 | 82,5 | 80,82] 30,4 | 32,6 
90| 38 28,2 . 46,2 | 49,5 | 41 | 387,45) 38,8 | 87 
70. 48 35,3 | 88,8 | 28,7 .58,6 | 60,2 | 51 | 47,85! 51,6 | 49 
50. 66,5 | 48,2 432 | 811 | 836 | 76 65,6 | 67,5 | 57,5 
30! 1095 | 784 | 75 | 65,5 133,4 |183 1120 |113 |1135 | 92 


[| 3 
u 
© 
Le) 
> 
-J 


10 324 229 1206 226 395 370 | 356 320 319 326 
5 | 644 456 1452 |491 | 787 — 855 635 — 642 
1 13220 |2262 — — 3916 — — |3165 = — 


Vgl. auch Kurvenblatt C die entsprechend bezeichneten Kurven III 2,8,6,9; 
die Werte der Spalte10 wurden mit e, die der Spalte 11 mit O eingetragen. 


Kurve A (entspricht Tabelle I). 
Berechneter Gesamtwiderstand in Ohm der Verzweigung Hörer = 

Parallelohmmeter für Ton 800 

2. in alter Schaltung, 

8. in Abzweigschaltung, 

4. in Abzweigschaltung mit Ausgleich, 
in Abhängigkeit von der Einstellung des Parallelohmmeters. 

Kurve B. 


Gemessene Änderung des Stromes bei konstanter Detektorspaunung 
in Abhängigkeit von der Einstellung des Paralleloehmmeters. 


150 sau bei vorgeschaltetem Widerstand. 1500 Ohm 
Parallelohmmeter in alter Schaltung 2 
in Abzweigschaltung 4 
in Abzweigschaltuug mit Ausgleich 6 


Auf gehen Ausgangspunkt gebracht. 
Kurve C (Gruppe II entspricht Tabelte II, Gruppe III Tabelle IIl). 
Detektorspannunng in Millivolt für den Schwellwert 1-10? Amp. und 
Ton 800 für die verschiedenen Einstellungen des Parallelohmmeters II ohne, 
III mit vorgeschaltetem Hörer 
2. im Idealfalle vollkommen konstanten Widerstandes, 
3. in alter Schaltung, 
6. in Abzweigschaltung, 
9. in Abzweigschaltung mit Ausgleich. 
II 4. und III 10. gemessen mit Gleichstrom und Galvanometer = ®. 
I 5. und III 11. gemessen mit Tongleichstrom und Hörer = ©. 


Nachtrag. 

Kurz vor Erscheinen dieser Abhandlung habe ich gelegentlich die 
Widerstandsverhältnisse der Verzweigung Hörer = Parallelohmmeter 
unter genauer Berücksichtigung der Phasenverhältnisse für die damaligen 
Verhältnisse bei Annahme sinusförmiger Spannung berechnet; die Er- 
gebnisse sind in einer weiteren Tabelle zusammengestellt, deren einzelne 
Spalten mit den entsprechend bezifferten der Tab. I zu vergleichen sind. 
Es ergibt sich, daß die Abweichungen nur bei den ersten hohen Ohmwerten 
einigermaßen erheblich sind (bei 1110 Ohm z.B. 9,7°/,\, während der 
Charakter im Ganzen durchaus der Gleiche geblieben ist. Die Verhält- 
nisse werden dadurch bei der alten Schaltung noch ein wenig un- 
günstiger, bei den Verbesserten günstiger. Entsprechend behalten Ta- 


472 Mitteilungen aus der Praxis. 


bellen und Kurven ihren Wert. Die damalige Behauptung der ge- 
ringen Bedeutung der Phasenverbältnisse kann als gerechtfertigt gelten. 

Ferner habe ich noch eine weitere Ausgestaltung der Form mit 
Ausgleich (Fig. 3) ausgearbeitet, bei der mit Hilfe geeignet bemessener 
Ausgleichs-Stufenwiderstände die Widerstandsschwankungen unter 1°/, 
berabgedrückt sind; zugleich ist der Gesamtwiderstand der gleiche 
wie der des allein eingeschalteten Hörers. Die Angaben dieser Form 
sind also von den Widerstandsverhältnissen im Detektorkreis ganz un- 
abhängig und können in Eichkurven niedergelegt werden. 

Tabelle zum Nachtrag. 

Zu vergleichen mit den gleich bezifferten Spalten der Tabellal. Gesamt- 
Scheinwiderstand in Ohm der Verzweigung Hörer = Parallelohmmeter: 2 in 
alter Schaltung, 3in Abzweigschaltung, 4in Abzweigschaltung mit Ausgleich. 

5 Phasenverschiebung des Stromes in der Verzweigung Hörer = 
parallelliegende Ohm (Meßwerte). 

a umgekehrtes Verhältnis der Meßwerte. 

Verhältnis der Lautstärken: b für Abzweigschaltung, c mit Aus- 
Eia di M eam oninia Mos d oo oo d im Falle ganz konstanten Wider standes (Ideal). _ 


AR a | 2 | 8 | 4 ZEUESEHEREREEND HM e a 5! b | c d 
| 1500 - | — low. 
| 1l 9,1 2,14 
1110 | 700 | wo jo 140 | | 
1,221 ` 1275 122 | 1,145 
910 616 718 | 750 41°50 | 
1,28 | 13 — 119 1,16 
710 528 $71 | TW 40°20" | : 
1,39 1,49 ` 1,80 ` 1,36 
510 408 955 | 740 37°50 
1,645 | 156 1,38 1,44 
310 271 | 1037 | 682 330 Ä 
2,82 | 274 23 2,68 
110 105 | 1100 | 600 20°20 | | 
1,221 121 | 121 1,21 
90 86,6 | 1102,5 | 602,7 | 17045’ | 
1,285 1,28 | 1,28 1,28 
710 68 | 1105,6 | 605,7 | 14058’ 
1,4 1,395 1,895 | 1,89 
50 48,9 | 1108,8 | 608,4 | 11028’ 
1645 1,645 1,65 1,65 
30 29,7 | 1109,8 | €09,83 | 7°35 
3 | 2,96 2,96 2,96 
101... 9,97) 1109,95] 609,95 | 2043 
2 2 2 2 
5 5 |1105 | 605 © Pa- ns 
5 ; | 5 5 5 
1| 1 |1101 |601 = | 


(Bingaanii 8. September 1917.) 
Adresse des Autors: cand. ing. E. Roux, Leutnant d. R. z. Zt. Cöln-Riehl, 
Pionierstr. 18. 


Briefe an die Redaktion. — H. Eales: Patentschau. 473 


Briefe an die Redaktion. 


(Für die Veröffentlichungen in dieser Rubrik übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) 


In der interessanten Arbeit von Herrn Paul Ludewig im Jahrbuch 
Band 12, Heft 2 vom August 1917 sind auf S. 143 ff. die verschiedenen Er- 
klärungsversuche für den Unterschied der Empfangslautstärke bei Tag und 
Nacht von Marconi, Fleming, Kiebitz, Kenelly u.a. wiedergegeben. 
Leider teilt Herr Ludewig keine Kritik dieser einzelnen Theorien mit und 
vermeidet es auch, eine eigene Anschauung hierüber zu geben. 

Offenbar liegen die Verhältnisse so, daß die Heaviside-Schicht nicht 
plötzlich am Tage sich bildet und des Nachts, nach Aufhören der Sonnen- 
bestrahlung der Erdatmosphäre plötzlich wieder vollkommen verschwindet. 
Auch erscheint es nicht wahrscheinlich, daß am Tage außerhalb der Hesvi- 
side-Schicht sich eine halbleitende Zwischenschicht bilden soll. Herr Fritz 
Löwenstein gibt in seiner Arbeit (gleichfalls Jahrbuch, Band 12, Heft 2, 
S.156 ff.) ein anschauliches Bild über die wahrscheinlichen Leitfähigkeiten 
der verschiedenen Atmosphärenschichten und kommt hierbei zu dem Schluß, 
daß die oberen Sauerstoff-Stickstoffschichten (Stratosphäre, 11 km bis 75 km) 
besonders gut leitend sein müssen, wobei es noch vollkommen dahingestellt 
sein mag, ob diese leitenden Schichten bereits bei 11 km oder erst bei zirka 
75 km beginnen. Es können daher die erstaunlichen Verschiedenheiten in 
der Leitfähigkeit der Atmosphäre und die hierdurch bedingten Intensitäts- 
schwankungen bei Tag und Nacht eine Erklärung finden, indem man diese 
oberen, gut leitenden Sauerstoff-Stickstoffschichten in ihrer Höhe nicht als 
konstant ansieht, sondern vielmehr annimmt, daß dieselben unter dem Ein- 
fluß der Sonnenbestrahlung eine Vergrößerung ihres Abstandes von der Erd- 
oberfläche erfahren, welche sofort auf den normalen Abstand zurückgeht, 
sobald die Sonnenbestrahlung aufgehört hat, mit anderen Worten: es wird 
der Leitungsraum für die Fortleitung der Wellen am Tage größer sein, als 
des Nachts, wodurch es sich zwanglos auch erklären würde, daß die 
Schwingungen kleinerer Wellenlängen am Tage eine größere Absorption 
erleiden würden, als Nachts, wo der Leitungsraum der Schwingungen ein 
kleinerer und somit die Zerstreuungsmöglichkeit eine geringere ist. 


Wien VIII, Friedrich Schmidtplatz 5, 20. September 1917. 
Dr. Eugen Nesper. 
(Eingesandt 20. September 1917.) 


Patentschau. 
Von H. Eales. 


Gemäß der britischen Patentschrift 8926/1915 der Marconis 
Wireless Telegraph Co. und von G. M. Wright in London werden 
drahtlose Empfangssysteme mit Strombegrenzungseinrichtungen versehen, 
so daß die von atmosphärischen Störungen herrührenden Geräusche ver- 

Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 31 


474 H. Eales. 


ringert werden und nicht mehr die den zu empfangenden Signalen 
entsprechenden Töne übertönen. Bei der Anordnung nach Fig. 1 ist 
A eine Vakuumröhre, deren Glühdraht B nur bis zu einem solchen 


Fig. 2. 


Patentschau. 475 


Grade erhitzt wird, daß keine Verstärkung eintritt; diese Vakuum- 
röhre ist zwischen den Luftleiter H und den Empfänger K zwischen- 
geschaltet. Auf diese Weise werden Ströme, die von atmosphärischen 
Störungen herrühren, auf die Größenordnung der zu empfangenden 
Signale herabgemindert. Ferner ist eine Spule L im Stromkreis F 
angeordnet, die mit der Spule I derart zusammenwirkt, daß keine 
Signale, mögen sie auch noch so stark sein, die Röhre vermöge 
ihrer Kapazität durchfließen können, wenn nicht der Glühdraht der 
Röhre erhitzt ist. Der Elektro- 
nenstrom wird hauptsächlich 
längs eines engen Pfades mit 
Hilfe eines Magneten geführt, 
und nur ein Teil des Glüh- 

drahtes ist mit Elektronen aus- F 
sendenden Material bedeckt. Bei 
einer abgeänderten Ausfübrungs- 
form dieser Anordnung werden 
die Signale daran gehindert, die 
Röhre vermöge ihrer Kapazität 
zu durchfließen und zwar mittels 
der Kondensatoren M und einer 
Drosselspule N mit parallel ge- 
schaltetem Kondensator O ge- 
mäß der Schaltung nach Fig. 2. 
Bei der Anordnung nach Fig. 3 
wird der Glühdraht der Vakuum- 
röhre A ebenfalls nur soweit 
erhitzt, daß nur eine ganz kleine 
Verstärkungswirkung eintritt, 
und es werden sowohl der 
Schwingungskreis F als auch der Schwingungskreis I so mit dem 
Luftleiter gekuppelt, daß der effektive Widerstand des Luftleiters ver- 
ringert wird, wie dies z. B. bereits in der britischen Patentschrift 
13636 vom Jahre 1913 beschrieben worden ist, über die bereits im 
Jahrbuch, Bd. 11, S. 226—228 berichtet worden ist. Der natür- 
liche Widerstand des Luftleiters wird durch den Widerstand P soweit 
vergrößert, daß die von atmosphärischen Störungen herrührende An- 
tennenströme gedämpft werden. Infolge der engen Grenzen, innerhalb 
deren die Vakuumröhre eine Verstärkungswirkung besitzt, wird der 
Widerstand P für die schwachen Signale neutralisiert, jedoch nicht für 

31* 


> 


Fig. 3. 


476 H. Eales. 


die stärkeren Ströme atmosphärischer Störungen.. Durch Verwendung 
zweier Vakuumröhren in Hintereinanderschaltung kann die Verstärkungs- 
wirkung verdoppelt werden, ohne die Begrenzungswirkung der An- 
ordnung zu beeinträchtigen, so daß der Widerstand P soweit vergrößert 
werden kann, um die atmosphärischen Störungen zu verringern 
Marconis Wireless Telegraph Co. Ltd. und G. M. Wright be- 
schreiben ferner in der britischen Patentschrift 8927 vom Jahre 1915 eine 
Anordnung zur selbsttätigen Aufrechterhaltung und Regelung des Vakuum- 
grades von Vakuumröhren. Diese Anordnung ist in Fig. 4 dargestellt. 
Die Röhre enthält einen Ansatz DB, der mit dem Röhreninnern in Ver- 


Fig. 4. 


bindung steht und ein Stück Asbest oder anderes gasokkludierendes 
Material enthält; dieser Röhrenansatz wird durch die ihn umgebende 
Spule D erhitzt; der Heizstrom wird durch Relais MJ ein- und aus- 
geschaltet, von denen das letztere in Reihe mit den Glühdraht und 
dem Gitter liegt und vorzugsweise nach der Galvanometertype gebaut 
ist. Auf diese Weise wird das poröse Material im Röhrenansatz B 
erhitzt, sobald das Vakuum soweit gestiegen ist, daß der Strom im 
Gitterstromkreis unter einem bestimmten kritischen Betrag sinkt, die 
der maximalen Empfindlichkeit der Röhre entspricht. Gemäß den An- 
gaben in der Provisional Specification dieser Patentschrift kann die 
Regelung auch durch Bewegung der Widerstandsspule erfolgen. 
Verstärkungsschaltungen mit Audionröhren in Kaskadenschaltung 


Patentschau. 477 


betreffen ferner die amerikanischen Patentschriften Nr. 1159307 von 
W. C. White in Schenectady, V. St. A. und Nr. 1173079 von Ernst 
F. W. Alexanderson, ebenfalls in Schenectady. Da diese aber im 
Wesentlichen übereinstimmen mit der bereits in den vorigen Heften 
behandelten deutschen Patentschriften 299301 und 293539 (Jb. 12, 
S. 413 u. S. 313) und mit dem ebenfalls bereits behandelten britischen 
Patent 15778 vom Jahre 1914 von Langmuir (Jb. 12, S. 305), so 
soll hierauf nicht mehr eingegangen werden. 

Ferner beschreiben Lee de Forest und C. Logwood in New 
York in der amerikanischen Patentschrift 1170881 Audiondetektor- 


schaltungen für Empfang elektrischer Schwingungen. Fig. 5 zeigt 
eine Schaltung mit einfachem Audionverstärker, Fig. 6 und 7 dagegen 
solche mit Doppel-Audionröhren, d. h. solchen mit einer Glühkathode, 


478 H. Eales. 


zwei Anoden und zwei Gittern. Bei Fig. 5 ist K eine Drosselspule 
um die Stromquelle B vor den Hochfrequenzschwingungen, die in dem 
Schwingungskreise SC, erzeugt werden, zu schützen. 

Eine andere Audiondetektorschaltung von Lee de Forest zeigt 
Fig. 8 nach der amerikanischen Patentschrift 1201272. Bezweckt 


Fig. 8. 


wird mit dieser Schaltung, als Stromquelle für den Anodenstromkreis 
an Stelle der sonst üblichen Batterie eine Dynamomaschine verwenden 
zu können. 17 und 18 sind die Pole dieser Dynamomaschine; in die 
Zuleitungen von dort zum Anodenstromkreis sind Drosselspulen 1 und 
2 mit Eisenkernen eingeschaltet und zwar liegen diese Zuleitungen an 
den Klemmen des Kondensators 3 von 1 bis 2 Mikrofarad Kapazität. 
4 ist ein Potentiometerwiderstand von 5000 bis 25000 Ohm beispiels- 
weise in Gestalt eines Graphitstabes, mit Schleifkontakt 5 und Konden- 
sator 6. Der Zweck dieser Drosselspulen und Kondensatoren ist 
Störungen induktiver Natur, die von der Stromquelle aus herrühren 
können, zu vermeiden. 

Endlich soll noch die amerikanische Patentschrift 1112655 von 


Patentschau. 479 


G. W. Pierce in Cambridge, Mass., V. St. A. erwähnt werden, der 
eine Reihe von Audionschaltungen mit Kaskadenanordnung mehrerer 
Audionröhren beschreibt. Fig. 9 zeigt eine dieser Schaltungen mit 


/ 
e | 
3.5 
22 Zul 
ior man un rg u 
Éz ji B, 5 Be 
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= De 


Fig. 9. 


den Audions V, und V,, und Fig. 10 zeigt eine andere Schaltung, 
bei der die beiden Audions in einem einzigen Gefäß vereinigt sind. 
Die Schaltungs- und Wirkungsweise erscheint an Hand dieser Figuren 


Fig. 10. 


ohne weitere Erläuterung verständlich, sodaß sich ein näheres Ein- 
gehen hierauf erübrigt. 

Hiermit sollen zunächst die Audion-Empfängerschaltungen 
verlassen werden, und es soll auf die Schaltungen eingegangen werden, 
bei denen diese Kathodenstrahlrelais zur Erzeugung unge- 
dämpfter Schwingungen, insbesondere für die Zwecke des 


480 H. Eales. 


Aussendens drahtloser Wellen und Signale benutzt werden, 
übergangen werden. 

Da ist zunächst die bereits früher behandelte britische Patent- 
schrift 252 vom Jahre 1914 und die ebenfalls behandelte französische 
Patentschrift 467747 von Arco und Meißner bezw.der Gesellschaft 
für drahtlose Telegraphie in Berlin zu erwähnen. Außer den 
bereits erwähnten Verstärkern und Empfängerschaltungen ist dort die 
Verwendung der Kathodenstrahlrelais zur Erzeugung von Schwingungen 
dargestellt. Fig. 11 zeigt diese Schaltung, die zur direkten Erregung 
einer Antenne dient. 31 ist ein geschlossener Schwingungskreis, be- 
stehend aus der Kapazität 29 und der Induktanz 30. Letztere ist 


Fig. 11. 


induktiv gekoppelt mit der Spule 8, die einerseits mit der Glüh- 
kathode 2 und andererseits über die Leitung 7 mit dem Gitter 4 ge- 
koppelt ist. Der Schwingungskreis 31 ist auf der einen Seite mit der 
Kathode 2 über die Gleichstrommaschine 10 und auf der anderen 
Seite über die Leitung 9 mit der Anode 3 verbunden. Wenn der 
geschlossene Schwingungskreis 31 auf irgendeine Weise zu Eigen- 
schwingungen angestoßen wird, z. B. durch Ladung des Kondensators 
29 durch Einschalten der Stromquelle 10, wirken diese Schwingungen 
über den Kreis 7 auf die Steuerelektrode 7 (Gitter) zurück; hierdurch 
werden im Anodenkreis 9 stärkere Schwingungen erzeugt und so 
findet eine wechselseitige Steigerung der Schwingungen statt, die nur 
eine Grenze in dem Energieverlust findet, der entweder in der Röhre 
selbst, oder in der Ausstrahlung von Energie bedingt ist. Die 


Patentschau. 481 


Frequenz der Schwingungen wird durch die elektrischen Konstanten 
des Schwingungskreises 381 bestimmt und kann durch Einstellen des 
Kondensators 29 geregelt werden. Da die Röhre nur Ströme -einer 
einzigen Richtung, nämlich nach der Kathode zu, durchfließen, fließen 
im Kreise 9 nur unipolare Strompulse. Die Energie der Schwingungen 
hängt von der Spannung der Stromquelle 10 zwischen der Anode 3 
und der Kathode 2 ab. Man erhält daher umso stärkere Schwingungen, 
je höhere Speisespannungen man wählt. Ist die Stromquelle eine 
Gleichstromquelle, so entstehen ungedämpfte Schwingungen. Man kann 


$ 


Fig. 12. 


aber auch Wechselstrom als Speisestrom verwenden, nur muß man, 
gegebenenfalls unter Zwischenschaltung eines Transformators, dafür 
sorgen, daß die Spannung genügend hoch ist. Die Schwingungserzeugung 
tritt auch ein, wenn man Wechselstrom niedriger Frequenz als Speise- 
strom verwendet, nur entstehen dann keine ungedämpften Schwingungen, 
sondern Gruppen von Schwingungen, da nur in den Periodenhälften, 
wo an der Anode positives Potential herrscht, Schwingungserzeugung 
auftritt. Es entstehen also Schwingungsgruppen, deren Gruppenfrequenz 
gegebenenfalls Toncharakter hat. Um ununterbrochene Schwingungen 


482 H. Eales. 


auch bei Wechselstromspeisung zu erhalten, verwenden Arco und 
Meißner zwei Kathodenstrahlenrelais, die derart parallel geschaltet 
sind, daß während der einen Wechselstromhalbperiode des Speisestromes 
die eine Röhre arbeitet und während der anderen Wechselstromhalb- 
periode die andere Kathodenstrahlröhre. Fig. 12 zeigt diese Anordnung. 
Die Kathode 2 und die Hilfselektrode 4 des einen Relais 1 sind durch 
die eine Leitung 7, und die Kathode 2° und das Gitter 4’ des anderen 
Relais 1° durch die Leitung 7’ mit der Koppelungsspule 8 verbunden, 
während die Anode 3 der ersten Röhre und die Kathode 2° der zweiten 
Röhre durch einen gemeinsamen Leiter 32 an die eine Klemme der 
Wechselstrommaschine 33 und die Kathode 2 und die Anode 3° der 
beiden Röhren durch einen zweiten gemeinsamen Leiter 34 verbunden 
und über den geschlossenen Schwingungskreis 31 nach der anderen 
Klemme der Maschine 33 führen. Auf diese “Weise kann der Strom 
der Maschine 33 während der einen Wechselstromhälfte durch die 
eine Röhre und während der anderen Wechselstromhälfte durch die 
andere Röhre fließen. Fig. 13 endlich zeigt eine andere Schaltung 


Fig. 13. | Fig. 15. 


mit 2 Gittern 85 und 36; diese Gitter können auch gemäß Fig. 14 
kammartig oder gemäß Fig. 15 spiralförmig ineinandergreifend ange- 
ordnet werden. 

Lee de Forest beschreibt in der amerikanischen Patentschrift 
1201271 und in der britischen Patentschrift 100959 Ausführungs- 
formen von Vakuumentladungsröhren, von denen in Fig. 16—19 
mehrere dargestellt sind und die insbesondere dazu bestimmt sind, 
elektrische Schwingungen von beträchtlicher Stromstärke zu führen. 
Das entlüftete Glasgefäß 7 des Audions ist innerhalb eines zweiten 
Gefüßes 6 angeordnet, welches entweder entlüftet oder mit einer ge- 


Patentschau. 483 


eigneten Flüssigkeit, wie z. B. Quecksilber, Castor- oder anderem Öl, 
oder Glycerin gefüllt ist und gleichzeitig dazu dient, die Wärme aus 
dem Vakuumgefäß abzuleiten. Sowohl die Röhre 7 des Audions selbst 
als auch das äußere Gefäß 6 können aus Metall bestehen. Gegebenen- 
falls kann auch eine hitzebeständige Emailleschicht angewendet werden, 
um das Gefäß gasdicht zu erhalten. In einer Ausführungsform ist 
gemäß Fig. 16 das Audiongefäß 7 und das äußere Gefäß 6 aus Stahl 
und von elliptischem Querschnitt (Fig 17) und beide Gefäße werden 
durch Zwischenkörper 8 im gegenseitigen Abstand gehalten. Eine 
Scheibe 9 aus Glas oder anderem Isolationsmaterial, welches von der 
Flüssigkeit bedeckt ist, ruht 
auf der Flantsche des Audion- 
gefäßes und ist mit Röhre 10, 
11, 12 aus Glas Oder der- 
gleichen ausgerüstet, um die 
Einführungsdrähte zu halten 


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auch das untere Ende der 


42 34 aain und das Gefäß entlüften und 
12 F zuschmelzen zu können. Der 
3 E == : Gitterdraht 14 ist auf einer 
E f 79 hufeisenförmig gebogenen 
f A Röhre 10 aufgewickelt, die 


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Fig. 16. o Fig. 17. 


` Kathodenglühdrähte trägt. Das Gefäß 7 dient zugleich als dritte 
Elektrode. Ein elektrischer Ventilator, Kühlröhre oder Schlangenröhre 
mit Wasserdurchfluß können zum Kühlen des äußeren Gefäßes ange- 
wendet werden. Bei einer anderen Ausführungsform ist das Gefäß 
des Audions an seinem oberen Ende nach einwärts abgeschrägt (Fig. 18); 
es trägt dort einen kegelförmigen Verschlußstopfen 9 und ist dort 
wulstförmig ausgebaucht (bei 20), um mit dem äußeren Gefäß Kontakt 
zu machen. Wenn der Zwischenraum 24 gemäß Fig. 19 entlüftet ist, 
soll das Audiongefäß über seine ganze Oberfläche wellenförmig gestaltet 
sein, um die Wärme nach dem äußeren Gefäß abzuleiten. Die Ent- 
lüftungsröhre 23 kann dabei in der Weise zugeschmolzen werden, daß 
in einem nach abwärts gebogenen Absatz des Entlüftungsrohres 23 etwas 


484 H. Eales. 


Lötmetall eingebracht wird, welches beim Entlüften geschmolzen wird 
und nach dem Erstarren einen luftdichten Pfropfen bildet. 


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Fig. 19. 


Fig. 18. 


Lee de Forest beschreibt in den amerikanischen Patentschriften 
1201270 und 1201273 andere Schaltungen für Schwingungserzeugung 
mittels Kathodenstrahlrelais, von denen aus Raummangel hier nur die 
Schaltungen gemäß Fig. 20 und 21 reproduziert werden können. Da 


Fig. 20. 


deren Wirkung hiernach leicht verständlich erscheinen werden, kann 
von einer näheren Erläuterung derselben abgesehen werden. 

Auch zur drahtlosen Übermittlung von Zeichen, insbesondere 
Tönen wird das Audion verwendet, z. B. in der Schaltung nach Fig. 22 
nach der deutschen Patentschrift 298622 der Allgemeinen Elek- 
trizitätsgesellschaft, für die gemäß dem Unionsvertrage. die Priorität 
auf Grund der Anmeldung in den Vereinigten Staaten von Amerika 


Patentschau. 485 


vom 18. September 1914 beansprucht ist, sowie nach der den gleichen 
Gegenstand betreffenden britischen Patentschrift 21388 vom Jahre 


' 1914. Hierbei wird mit geeigneten Punkten des Antennenkreises ein 
Energieverbraucher verbunden, welcher aus diesem Stromkreise in 


Fig. 22. 


486 H. Eales. 


Übereinstimmung mit den zu übertragenden Zeichen mehr oder weniger 
Energie absorbiert. Bei dem in Fig. 22 dargestellten Ausführungs- 
beispiel ist die Antenne 1 in der üblichen Weise geerdet und mit 
einem Hochfrequenzgenerator 2 unmittelbar verbunden oder durch einen 
Transformator 3 mehr oder weniger lose gekoppelt. Mit der Antenne 1 
ist eine Drosselspule 4 in Reihe geschaltet, die zwecks Abstimmung 
des Antennenkreises einstellbar sein kann. Die Induktanz dieser Drossel- 
spule muß für die richtige Abstimmung bei kleiner Antenne ver- 
hältnismäßig groß sein, woraus sich ein großer Spannungsunterschied 
zwischen ihren Enden ergibt. Diese Enden sind unmittelbar mit den 
Anoden 5 eines Elektronenentladungsgefäßes 6 verbunden, während 
der Mittelpunkt der Drosselspule 4 mit der Kathode 7 des Entladungs- 
gefäßes verbunden ist. Letzteres ist in solch weitem Maße entlüftet, 
daB auch bei hohen Elektronenspannungen der Stromfluß zwischen den 
Elektroden nicht von einer sichtbaren Folgeerscheinung einer Gasioni- 
sierung begleitet ist. Während der Strom, der durch ein derartiges 
Gefäß fließen kann, begrenzt ist, ist die praktisch anwendbare Spannung, 
abgesehen von den Schwierigkeiten der Isolation, unbegrenzt. Die 
Kathode 7 ist fadenförmig und wird durch den Strom einer Batterie 8 
oder anderweitig geheizt. Ein gitterförmiger Leiter 9 umgibt die 
Kathode. Wenn bei der beschriebenen Einrichtung der Antenne 
Energie geliefert wird, so wird den Enden des Relais 6 eine hohe 
Spannung aufgedrückt. Es fließt daher Strom von der Kathode 7 zu 
der Anode 5, und zwar während der einen Halbwelle der Strom- 
schwingungen zu der einen Anode, und während der nächsten Halb- 
welle zur anderen Anode. Es ergibt sich somit eine andauernde Energie- 
verzehrung durch die Vorrichtung. Wenn nun dem Gitter im Ver- 
hältnis zur Kathode eine positive Spannung aufgedrückt wird, wird 
der Stromfluß verstärkt, während er geschwächt wird, wenn dem 
Gitter eine negative Spannung aufgedrückt wird. Durch Änderung 
der Gitterspannung kann somit die durch das Relais aufgebrauchte 
Energiemenge und demgemäß auch die von -der Antenne ausgestrahlte 
Energiemenge verändert werden. Wenn gewünscht wird, die mensch- 
liche Sprache oder andere Tonwellen zu übertragen, so ist hierzu nur 
erforderlich, die Gitterspannung in Übereinstimmung mit den Spannungs- 
schwankungen zu verändern, die durch einen Telephonübertrager 10 
erzeugt werden. Der Übertrager ist in üblicher Weise mit einer 
Batterie 11 versehen und mit dem Gitter 9 durch einen Transformator 
12 verbunden. Ein Ende des Transformators ist nämlich mit dem 
Gitter durch einen Kompensationswiderstand 18 verbunden, während 


Patentschau. 487 


das andere Ende mit der Kathode verbunden ist. Gewöhnlich ist es 
zweckmäßig, dem Gitter 9 außer der vom Transformator 12 erzeugten 
Spannung noch eine weitere Spannung aufzudrücken. Diese wird bei- 
spielsweise durch eine mit den Enden des Kompensationswiderstandes 
13 verbundene Batterie 14 erzeugt und durch Einstellung des letzteren 
. geregelt. Um den absorbierten Energiebetrag ohne Überhitzung des 
Relais 6 zu erhöhen, kann es zweckmäßig sein, in Reihe mit den 
Anoden 4 Widerstände 15 zu schalten. Von dem dargestellten Aus- 
führungsbeispiel kann in mannigfacher Weise abgewichen werden. 
Wesentlich ist aber, daß zwischen den gewählten Punkten des Antennen- 
kreises ein hoher Spannungsunterschied besteht. Wenn die Antenne 
selbst eine so hohe Induktanz besitzt, daß zur Abstimmung nur eine 
kleine Drosselspule erforderlich ist, dann kann einer der Anschluß- 
punkte in der Antenne selbst gefunden werden und beispielsweise eine 
Elektrode des Entladungsgefäßes mit dem äußersten Ende der Antenne 
verbunden werden. Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel wird 
ferner während beider Halbwellen Energie absorbiert; praktische Ver- 
suche zeigten aber, daß die Sprache auch deutlich übertragen werden 
kann, wenn nur während der abwechselnden Halbwellen Energie ab- 
sorbiert wird. Dies kann mit dem dargestellten Apparat einfach in 
der Weise geschehen, daß die Kathode mit dem einen Ende und beide 
Anoden parallel geschaltet mit dem anderen Ende der Drosselspule 
verbunden werden. ' 

Einen Zusatz hierzu betrifft das D. R. P. 299312, für welches 
die Unionspriorität vom 5. Juni 1915 auf Grund der Anmeldung in 
den Vereinigten Staaten von Amerika beansprucht ist. Die zugehörige 
Schaltung ist in Fig. 23 dargestellt. Das Wesen derselben besteht 
darin, daß zwischen Gitter und Kathode des Entladungsgefäßes ein auf 
die Frequenz der Hochfrequenzquelle 2 abgestimmter Schwingungskreis 
liegt. In Fig. 23 bezeichnet 1 wieder die Antenne, die in üblicher 
Weise geerdet ist, 2 einen Hochfrequenzerzeuger, 3 einen Transformator, 
durch welchen die Antenne mit dem Hochfrequenzerzeuger vorzugsweise 
lose gekoppelt wird. 4 bezeichnet eine im Antennenkreis liegende 
einstellbare Drosselspule. Parallel zur oteren Klemme 5 der einstellbaren 
Drosselspule und dem Erdpunkt liegt das Elektronenentladungsgefäß 
6 mit der Anode 7, der Glühkathode 8 und dem Gitter 9. Die 
Glühkathode wird durch die Sekundärwicklung 10 gewöhnlicher Frequenz 
gespeist, welcher einem Wechselstromnetz 12 entnommen wird. Der 
Primärwicklung 11 des Transformators ist der regelbare Widerstand 
13 vorgeschaltet, zwecks Einstellung der Kathodentemperatur. 14 be- 


488 H. Eales. 


zeichnet einen gewöhnlichen Telephonübertrager mit einer kleinen 
Batterie 15, welcher über den Transformator 16 das Gitter 9 des 
Entladungsgefäßes 6 speist. Im Gitterkreis liegt noch eine Batterie 
17, durch welche die Gitterspannung auf einen passenden Wert ge- 
bracht wird, und parallel zu dieser ein Kondensator 18, damit diein 
der Sekundärwicklung des Transformators 16 erzeugten Ströme nicht 
durch die Batterie 17 fließen müssen. Die bisher beschriebene Ein- 
richtung ist im wesentlichen bereits bei der Anordnung nach dem 
Hauptpatent 298622 vorhanden. Die Anode besteht aus ein oder 
mehreren Scheiben von beträchtlicher Größe und das Gitter 9 aus 
einer Anzahl Windungen feinen Drahtes, die auf einem Rahmen auf- 


Fig. 23. 


gewickelt sind und parallel zu den Anodenscheiben liegen. Die Kathode 
ist ebenfalls vorzugsweise in einer Ebene parallel zum Gitter und zur 
Anode angeordnet. Der Abstand zwischen diesen Teilen ist vorzugs- 
weise klein und infolge dieses Umstandes besitzen sie eine beträchtliche 
Kapazität. Die Anode 7 ist bei der beschriebenen Einrichtung gegen- 
über der Kathode abwechselnd positiv und negativ und infolgedessen 
werden auf dem Gitter 9 durch elektrostatische Induktion abwechselnd 
positive und negative Ladungen induziert. Obgleich das Gitter und 
die Kathode elektrisch verbunden sind, können doch die Spannungs- 
differenzen zwischen ihnen infolge der äußerst raschen Polwechsel der 
induzierten Ladungen zeitweise sehr beträchtlich werden, da die Sekundär- 
wicklung des Transformators 16 Hochfrequenzströmen, die zwischen 
Gitter und Kathode fließen, eine beträchtliche Impedanz entgegensetzt. 


Patentschau. 489 


Infolge dieses Umstandes kann die positive Spannung, welche auf dem 
Gitter 9 induziert wird, wenn die Anode gleichfalls positiv ist, so groß 
werden, daß ein genügend großer Strom durch das Entladungsgefäß 6 
fließt, um von der Antenne fast, die gesamte, dem Hochfrequenzgenerator 
entnommene Energie selbst dann abzulenken, wenn dem Gitter durch 
den Telephonübertrager keine Spannung aufgedrückt wird. Auch sind 
die durch die Sekundärwicklung des Transformators 16 erzeugten 
Spannungen meistens klein im Verhältnis zu der Spannung, welche im 
Gitter 9 in der erwähnten Weiso elektrostatisch induziert wird, und 
erzeugen daher nur geringe Stromschwankungen im Relais 6. Um 
diese Schwierigkeit zu überwinden, wird gemäß der Erfindung ein ab- 
gestimmter Stromkreis vorgesehen, welcher einen Kondensator 19 und 
eine veränderliche Induktanz 20 enthält und zwischen das Gitter 9 
und die Kathode 8 geschaltet ist. Wenn dieser Stromkreis auf die 
Frequenz der Hochfrequenzquelle 2 abgestimmt ist, bietet er der im 
Gitter induzierten Hochfrequenzladung nur eine geringe Impedanz dar 
und wirkt, soweit diese Hochfrequenzladungen in Betracht kommen, 
wie ein Kurzschluß zwischen Gitter und Kathode. Daher befinden sich 
Gitter und Kathode normal auf gleicher Spannung bis auf die geringe, 
durch die Batterie 17 erzeugte Spannungsdifferenz. Der Kondensator 
19 soll vorzugsweise geringe Kapazität besitzen, um den von den Ton- 
wellen erzeugten verhältnismäßig niedrigfrequenten Strömen eine hohe 
Impedanz zu bieten. 

Ein anderes deutsches Patent der Allgemeinen Elektrizitäts- 
Gesellschaft in Berlin ist das D. R. P. 294 641, ausgestattet mit der 
Unionspriorität vom 6. November 1914 auf Grund der Anmeldung 
in den Vereinigten Staaten von Amerika; es betrifft eine Einrichtung 
zur Beeinflussung der Stärke von Hochfrequenzschwingungen für die 
Zwecke der Übertragung akustischer Zeichen, z. B. für drahtlose Tele- 
phonie In Figg. 24 und 25 sind zwei Ausführungsbeispiele dargestellt. 

Bei dem in Fig. 24 dargestellten Ausführungsbeispiel bezeichnet 1 
ein Entladungsgefäß mit einer Kathode 2 aus Quecksilber und Haupt- 
anoden 3 und 4 aus Graphit, Wolfram, Molybdän oder einem anderen 
sehr schwer schmelzbaren Stoff. Oberhalb der Kathode 2 ist eine Anode 
5 vorgesehen, von welcher, während des Betriebes der Vorrichtung 
dauernd ein Lichtbogen nach der Kathode übergeht. Zur Beruhigung 
dieses Lichtbogens dient eine über die Kathodenoberfläche vorragende 
Spitze 6 aus Platin oder Kupfer. An Stelle der verdampfbaren 
Kathode kann auch eine Glühkathode benutzt werden, die beispiels- 
weise aus einer Wolframdrahtspirale besteht. Auch in diesem Fall 

Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 32 


490 H. Eales. 


kann das Entladungsgefäß mit Quecksilberdampf gefüllt sein, welcher 
von einer in der Nähe der Glühkathode angeordneten Quecksilbermasse 
entwickelt wird. Anstatt oder neben dem Quecksilberdampf können 


auch andere Gase, z. B. Stickstoff oder Argon, benutzt werden. Die 
Anode 5 steht von den Hauptanoden 3 und 4 gleichweit ab. Ober- 
halb des Lichtbogenraumes ist noch eine Kondensationskammer 7 vor- 


Fig. 25. 


gesehen, deren Größe so gewählt ist, daß sich der für den Betrieb am 
besten geeignete Quecksilberdruck einstellt. Zur Regelung der Temperatur 
kann ferner auch noch künstliche Kühlung durch ein in Umlauf be- 
findliches Ölbad oder durch einen Luftstrom dienen. Der Lichtbogen 


Patentsehau. 491 


wird durch eine kleine Zündelektrode 8 oder auf irgendeine andere 
passende Weise gezündet. 

Zwischen dem von der Anode 5 nach der Kathode 2 übergehenden 
Lichtbogen und zwischen den Anoden 3 und 4 ist noch ein die Ent- 
ladung beeinflussender leitender Körper 9 vorgesehen, welcher im 
folgenden als Gitter bezeichnet wird. Dieses Gitter besteht beispiels- 
weise in einem Wolframdraht, welcher über ein zylindrisches oder 
prismatisches Traggestell J oder schlangenlinien- 
förmig aufgewickelt ist. 

Mit 17 ist eine Antenne bezeichnet in deren Kreis eine Sekundär- 
spule 18 und ein geerdeter Kondensator 19 liegen. Dem Antennen- 
kreis wird von einem Hochfrequenzerzeuger 20 unter Vermittlung 
einer mit der Spule 18 gekoppelten Primärspule 21 Energie zuge- 
führt. Mit der Spule 18 ist ferner noch eine zweite Sekundärspule 22 
gekoppelt, deren Endklemmen durch Leiter 23 und 24 mit den Anoden 
3 und 4 verbunden sind. Die Kathode 2 ist über einen Widerstand 
25 durch einen Leiter 26 mit einer Mittelklemme der Sekundärspule 
22 verbunden. Dieser Leiter führt gleichgerichteten Strom. Der 
Stromkreis 27, welcher. die Kathode 2 und die Anode 5 verbindet, 
erhält eine Batterie 28, durch welche zwischen diesen Elektroden 
ständig ein Lichtbogen aufrechterhalten wird. Dieselbe Batterie kann 
durch Schließung des Schalters 29 zur Zündung des Lichtbogens über 
die Hilfselektrode 8 dienen. Wenn der Lichtbogen zwischen den Elek- 
troden 5 und 2 in normaler \Veise übergeht, dann wird durch den 
Hochfrequenzerzeuger 20 Energie geliefert, und es gehen in der vom 
Quecksilberdampfgleichrichter her bekannten Weise aufeinanderfolgend 
Lichtbögen von den Anoden 3 und 4 nach der Kathode 2 über. Wenn 
dagegen das Gitter 9 auf ein genügend hohes Potential negativ geladen 
wird, dann wird das Einsetzen dieser Lichtbögen verhütet. Um sich 
diese Erscheinung zunutze zu machen, wird dem Gitter ein veränder- 
liches Potential aufgedrückt und hierdurch veränderliche Energiebeträge 
durch das Entladungsgefäß hindurchgelassen und, da diese Energie im 
Widerstand 25 aufgezehrt wird, so wird diejenige Energie, welche für 
die Antenne zur Verfügung steht, um den gleichen Betrag verringert. 
Auf diese Weise können die gewünschten Zeichen übertragen werden. 
Der Zeichengeber besteht beispielsweise aus einem Telephonübertrager 30, 
welcher über eine ÖOrtsstromquelle 31 mit der Primärwicklung eines 
Transformators 32 verbunden ist, dessen negative Klemme durch einen 
Leiter 33 mit dem Gitter 9 und dessen positive Klemme durch einen 
Leiter 34 über eine Batterie 35 mit der Kathode 2 verbunden ist. 

32* 


492 H. Eales. 


Die Batterie 35 ist nicht unbedingt erforderlich, ist aber vorteilhaft, 
da sie das Gitter auf einem bestimmten negativen Potential hält, so daß 
die durch den Transformator 52 aufgedrückten Schwingungen das 
Gitterpotential auf Werte bringen, die oberhalb oder unterhalb des 
Batteriepotentials liegen. Hochfrequenzströme im Kreise 33, 34 werden 
durch einen Kondensator 36 und einen Widerstand 37 gedämpft. Wenn 
bei der beschriebenen Anordnung durch die menschliche Stimme oder 
durch andere hörbare Zeichen Schwankungen in der Leitfähigkeit des 
Übertragers 30 hervorgerufen werden, dann wird ein veränderlicher 
Strom, dessen Spannung im Transformator 32 hinauftransformiert 
wird, der Spannung der Batterie 35 supponiert und dadurch die 
Ladung des Gitters 9 verändert. Das Gitter verzögert nach Maßgabe 
seiner negativen Ladung das Einsetzen der über die Hauptanoden 
gehenden wellenförmigen Stromimpulse. Die während jeder Halbwelle 
hindurchgelassene Energie hängt also von der Gitterspannung bzw. den 
zu verstärkenden Strömen des Telephonübertragers ab. Auf diese 
Weise wird ein veränderlicher Strom von der Antenne abgelenkt und 
_ dadurch die von der letzteren in den Raum ausgestrahlte Energiemenge 
verändert. : 

Anstatt die durch das EntladungsgefäB gehende Energie vom 
Antennenkreis abzulenken, ist es auch möglich, diese Energie durch 
den Antennenkreis zu führen, wofür Fig. 25 ein Ausführungsbeispiel 
zeigt. Hierbei ist der Hochfrequenzerzeuger 20 mit der Primärwicklung 
eines Transformators 38 verbunden, dessen Sekundärwicklung durch 
Leiter 39 und 40 mit den Anoden 3 und 4 des Entladungsgefäßes 
verbunden ist. Die Kathode 2 ist durch einen Leiter 41 über die 
Primärwicklung eines Transformators 42 mit einer Mittelklemme des 
Transformators 38 verbunden. Die übrigen Verbindungen sind ähnlich 
denjenigen, des früheren Ausführungsbeispieles. Wenn dem Gitter 9 
vom Telephonübertrager 30 eine veränderliche Spannung aufgedrückt 
wird, dann werden veränderliche Teile der wellenförmigen Stromimpulse 
des Hochfrequenzerzeugers durch die Lichtbögen durchgelassen und als 
gleichgerichtete Stromimpulse dem Transformator 42 aufgedrückt, dessen 
Sekundärwicklung in Reihe mit der Antenne 43 liegt. Es wird daher 
in der Antenne ein Hochfrequenzstrom erzeugt, dessen Frequenz doppelt 
so hoch ist wie diejenige des Hochfrequenzerzeugers 20, und dessen 
Stärke in Übereinstimmung mit den Schwankungen des Signalisier- 
stromes schwankt. Ä 

Ebenfalls eine Einrichtung zum Aussenden wellentelegraphischer 
Zeichen durch Hochfrequenzströme betrifft das D. R. P. 298380 der 


Patentschau. 498 


Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin, für das die 
Unionspriorität vom 15. Juni 1914 auf Grund der Anmeldung in den 
Vereinigten Staaten von Amerika beansprucht ist. In dieser Patent- 
schrift wird ausgegangen von der Anordnung nach Fig. 26. Hierin 
bedeutet 1 die zum Aussenden der Zeichen dienende Antenne, die in 
der üblichen Weise durch einen einstellbaren Kondensator 2 geerdet 
ist. Die Ortsstromquelle zur Erzeugung der auszusendenden Wellen 
wird beispielsweise von einem Wechselstromgenerator 3 gebildet, dessen 
Frequenz oberhalb des Hörbarkeitsbereiches liegen soll. Der Strom- 
kreis des Hochfrequenzerzeugers umfaßt außer dem üblichen Schwingungs- 
transformator 4, durch welchen die Schwingungen auf den Antennen- 
kreis übertragen werden, einen zweiten eisenlosen Transformator 5, der 
vorzugsweise so entworfen wird, daß er eine verhältnismäßig große 


Fig. 26. 


Sekundärspannung liefert. Im Sekundärkreis des Transformators 5 
liegen zwei Relais 6 und 7. Jedes der beiden Relais enthält eine 
beispielsweise glühfadenförmige Kathode 8, eine beispielsweise scheiben- 
 förmige Anode 9 und einen beispielsweise gitterförmigen Körper 10 
innerhalb eines hochentlüfteten Gefäßes. Die Kathoden werden durch 
Ströme zum Glühen gebracht, die kleinen Batterien 11 entnommen 
werden, und hierdurch veranlaßt, Elektronen auszusenden. Die eine 
Sekundärklemme des Transformators 5 ist mit der Anode des Relais 6 
und der Kathode des Relais 7 verbunden, die andere Sekundärklemme 
umgekehrt mit der Kathode des Relais 6 und der Anode des Relais 7. 
Infolge dieser Anordnung werden, obwohl jedes Relais nur Strom in 
einer Richtung durchläßt, doch beide Halbwellen des Sekundärkreises 
ausgenutzt. Der durch die Relais fließende Strom kann jedoch durch 
Veränderung der an die Gitter 10 angelegten Spannung verändert 
werden. Bei einer bestimmten Spannung ist die Empfindlichkeit der 


494 H. Eales. 


Relais am größten. Die Größe dieser Spannung hängt in weitem Maße 
von den Abmessungen des besonderen Relais ab und kann leicht ver- 
suchsmäßig festgestellt werden. Zur Erzeugung der Spannung dient 
eine Batterie 12 von geeigneter Größe, die im geeigneten Sinne mit 
je einem der Gitter 10 verbunden ist. 

Bei der beschriebenen Anordnung fließt ein Hochfrequenzstrom 
von einer bestimmten Amplitude im Sekundärkreis des Transformators 5, 
und der der Antenne 1 zugeführte Strom hat gleichfalls eine bestimmte 
Amplitude, die von derjenigen des im Sekundärkreis fließenden Stromes 
abhängt. Durch Änderung der Spannung der Gitter 10 können im 
Antennenkreis entsprechende Stromschwankungen hervorgerufen werden 
und diese zum Aussenden von Zeichen irgendeiner gewünschten Art 
dienen. Um durch eine solche Einrichtung Töne zu übertragen, wird 
ein gewöhnlicher Mikrophonübertrager 13 in einem eine Batterie 14 
enthaltenden Ortsstromkreis vorgesehen. Der Übertrager kann selbst- 
verständlich von der Sendestelle weit entfernt und mit ihr durch eine 
Übertragungsleitung verbunden sein. Der Übertragerkreis ist mit dem 
Gitter 10 induktiv durch Transformatoren 15 verbunden, wodurch 
Schwankungen in dem durch die Tonwellen hervorgerufenen Strome 
entsprechende Schwankungen der Gitterspannung und diese ihrerseits 
entsprechende Schwankungen in der Amplitude des Antennenstromes 
hervorgerufen. Es ergibt sich hieraus, daß die Stromwellen der Antenne 
nicht konstante Amplitude besitzen, sondern daß diese unmittelbar 
proportional den Schwankungen der: von den Tonwellen hervorgerufenen 
Ströme schwankt. Diese Schwankungen der ausgesandten Wellen können 
an der Empfangsstelle durch geeignete Empfangsvorrichtungen benutzt 
werden, um die Tonwellen an dem entfernten Orte zu reproduzieren. 
Von den dargestellten Ausführungsbeispielen kann in mannigfacher 
Weise abgewichen werden. So können die beiden Elektronenentladungs- 
gefäße zu einem einzigen, mit zwei Anoden und zwei Gittern vereinigt 
werden. Die beiden Anoden sind in diesem Falle mit den Außen- 
klemmen der Sekundärwicklung des Transformators 5 zu verbinden, 
die beiden Gitter mit den Außenklemmen der Sekundärwicklung des 
einzigen, an Stelle der beiden Transformatoren 15 tretenden Trans- 
formators; eine Mittelklemme dieses Transformators ist mit einer Mittel- 
klemme des Transformators 5 und mit der Kathode zu verbinden. 
Die Übertragerströme können, falls sie zu schwach sind, zunächst durch 
ein ähnliches Entladungsgefäß verstärkt werden, ehe sie induktiv den 
Gittern zugeführt werden. Von den beiden Transformatoren 4 und 5 
kann der eine oder andere fehlen, d. h. der Hochfrequenzerzeuger 3 


Patentschau. 495 


kann auch im Relaiskreis oder im Antennenkreis liegen. Er kann 
aber endlich auch im Übertragerkreis, d. h. in Reihe mit dem Über- 
tragerkreis 13 liegen, in welchem Falle im Relaiskreis eine Batterie 
‘ geeigneter Größe oder eine andere Stromquelle vorzusehen ist. 

Bei der beschriebenen Einrichtung wird ein großer Teil der vom 
Hochfrequenzerzeuger erzeugten Energie im Relaiskreis absorbiert. Die 
Energiemenge, die der Antenne zugeführt werden kann, ist daher durch 
die Aufnahmefähigkeit des benutzten Relais begrenzt, und letztere ist 
gegenwärtig durch die Schwierigkeiten begrenzt, mit welchen die Her- 
stellung solcher Apparate gegenwärtig verbunden ist. Die übertragene 
Energie kann vergrößert werden, indem man mehrere Relais parallel 
schaltet, in welchem Falle der Energiebetrag proportional der Anzahl 
der Relais wächst. Man kann jedoch, und dies bildet den Gegenstand 
der Erfindung, indem man mit jedem der parallelgeschalteten Relais 
einen Widerstand in Reihe schaltet und die Relais passend entwirft, 
erreichen, daB die Energiemenge im wesentlichen proportional dem 
Quadrat der Anzahl der Relais wächst. Diese Anordnung ist in der 
Fig. 27 dargestellt. Es sind hierbei beispielsweise vier Relais, 6, 6', 
6”, 6” parallelgeschaltet, und mit jedem der Relais ein Widerstand 
17 in Reihe geschaltet. Von den beiden Anoden 9 jedes Relais ist 
die eine mit der einen und die andere mit der anderen Außenklemme 
des Transformators 5 verbunden. Die Kathoden 8 sind von Gittern 10 
umgeben, die sämtlich mit einer Klemme der Sekundärwicklung des 
Transformators 15 verbunden sind, dessen andere Klemme mit einer 
Batterie 16 verbunden ist. Diese Batterie tritt an Stelle der Batterien 12 
der Fig. 26, und es sind mit ihr die Kathoden 8 der Entladungsröhren 
verbunden, jedoch an verschiedenen Punkten der Batterie, so daß die 
Spannungsdifferenz zwischen Kathode und Gitter für die aufeinander- 
folgenden Relais stufenweise zunimmt. Das andere Ende der Batterie 
. 16, welches mit der Kathode des letzten Entladungsgefäßes verbunden 
ist, ist außerdem mit einer mittleren Anzapfung der Sekundärwicklung 
des Transformators 5 verbunden und ferner gewöhnlich geerdet. Vor- 
zugsweise wird ein einstellbarer Kondensator 19 zu den Sekundär- 
klemmen des Schwingungstransformators 5 parallelgeschaltet, doch ist 
dies in solchem Falle, in welchem die. Kapazität der Relais genügend groß 
ist, nicht erforderlich. 

Bei dieser Anordnung schwankt wie bei derjenigen nach Fig. 26 
der Strom im Antennenkreis übereinstimmend mit demjenigen im 
Primärkreis des Schwingungstransformators 5 und daher auch in Über- 
einstimmung mit demjenigen im Sekundärkreis des Schwingungstrans- 


496 H. Eales. 


formators. Die Spannung und Energie der Stromquelle 1 wird zum 
Teil durch den Transformator 4, zum Teil durch den Transformator 5 
aufgenommen. Die erste Teilenergie wird dem Antennenkreis zugeführt, 
die zweite Teilenergie wird auf den Sekundärkreis des Transformators 5 
übertragen und in diesem durch die Widerstände und Relais aufge- 
zehrt und in Wärme umgesetzt, welche diese Teile erwärmt. Eine 
Steigerung der dem Antennenkreis zuführbaren Energiemenge ist in- 
folgedessen gleichzeitig mit einer Steigerung der in den Widerständen 


ss NN INN 


r Ng 
k= 13 


Fig. 27. 


und Relais erzeugten Wärme verbunden und daher durch die zulässige 
Erwärmung insbesondere der Relais begrenzt, während die Widerstände 
für einen beliebig hohen Energieverbrauch gebaut werden können. Die 
Erfindung ermöglicht, wie noch gezeigt werden wird, daß von der im 
Sekundärkreis aufgebrauchten Energie verhältnismäßig -weniger auf die 
Relais entfällt, so daß die gesamte Belastung gesteigert werden kann. 

Wie bereits erwähnt wurde, wächst die Spannungsdifferenz zwischen 
den Kathoden und den Gittern der aufeinanderfolgenden Relais stufen- 
weise. Wenn nun im Transformator 15 eine Spannungswelle von 
solcher Richtung erzeugt wird, daß sie die negative, der Batterie 16 


Patentschau. 497 


entnommene Spannung der Gitter 16 überwindet, so beginnt Strom 
zunächst durch das Relais zu fließen und nimmt allmählich bis zu 
einem Höchstbetrage zu. Wenn die Spannung der Stromquelle ge- 
nügend groß ist, wird sie aufeinanderfolgend die negative Spannung 
der Gitter sämtlicher Relais überwinden und es wird Strom aufein- 
anderfolgend in sämtlichen Relais zu fließen beginnen. Umgekehrt 
wird beim Sinken der Spannung, welche den Gittern durch den Trans- 
formator 15 aufgedrückt wird, ein Relais nach dem anderen aufhören, 
Strom durchzulassen, bis die aufgedrückte Spannung auf Null sinkt 
und wie im Anfang kein Strom fließt. Die Relais können so entworfen, 
und die an ihre Gitter angelegte Spannung kann so gewählt werden, 
daß, wenn der Strom im Relais 6 seinen Höchstwert erreicht, Strom 
im Relais 6° zu fließen beginnt, und wenn dieser seinen Höchstwert 
erreicht hat, Strom im Relais 6” zu fließen beginnt usw. Die Relais 
der dargestellten Art schwanken etwas in ihrem Verhalten, und bis- 
weilen besteht Proportionalität zwischen dem durchfließenden Strom 

und der dem Gitter aufgedrückten Spannung nur für einen begrenzten 
Bereich. In solchem Falle kann es angezeigt sein, die Gitterspannungen 
so zu wählen, daß, bevor der Strom in einem Relais seinen Höchstwert 
erreicht hat, er bereits im nächsten Relais zu fließen beginnt. Auf 
diese Weise kann die Gesamtanordnung so entworfen werden, daß der 
die Relais durchfließende Gesamtstrom der Spannungsschwankung im 
Transformator 15 im ganzen Bereich proportional ist. Wenn Strom 
durch ein Relais zu fließen beginnt, dann hat es zunächst einen sehr 
großen scheinbaren Widerstand, der größte Teil des Spannungsabfalles 
findet daher im Relais selbst statt und das Relais hat den größten 
Teil der Energie des Sekundärkreises aufzuzehren, während der vorge- 
schaltete Widerstand 17 infolge der geringen Stromstärke nur einen . 
geringen Spannungsabfall hervorruft und nur wenig Energie vernichtet. 
In dem Maße jedoch, wie der Strom wächst, wächst gleichzeitig der 
Spannungsabfall am vorgeschalteten Widerstand 17 und die von ihm 
vernichtete Energiemenge, sinkt dagegen die Spannung am Relais und 
der verhältnismäßige Anteil der Energie, der im Relais aufgezehrt wird. 
Die größte Energiemenge wird somit, wie die Rechnung zeigt, vom 
Relais vernichtet, wenn der Strom die Hälfte seines Höchstwertes er- 
reicht hat und das Relais die Hälfte der Spannung vernichtet. Wenn 
der Strom seinen Höchstwert erreicht, dann wird fast die ganze Spannung 
des Anodenkreises durch den Widerstand vernichtet, auf das Relais 
entfällt nur ein sehr kleiner Teil der Spannung, und es kann daher 
der durch das Relais vernichtete Energiebetrag praktisch vernachlässigt 


498 H. Eales: Patentschau. 


werden. Es sei beispielsweise angenommen, daß durch den Sekundär- 
kreis eine Energiemenge im Höchstbetrage von 10 Kilowatt überwacht 
werden soll, welcher z. B. 0,5 Ampere bei 20000 Volt entsprechen 
möge. Geschieht dies durch ein einzelnes Relais und wird eine all- 
mähliche Regelung der Energie vom unbelasteten Zustand bis Vollast 
bewirkt, so hat das Relais im Maximum 0,25 Ampere bei 10000 Volt, 
also 2,5 Kilowatt aufzuzehren. Es muß also so bemessen sein, daß 
es während der Zeit, während welcher die Gitterspannung vom Null- 
wert zum Höchstwert übergeht, eine Energiemenge aufnehmen kann, 
die von Null an bis auf den angegebenen Höchstbetrag ansteigt und 
dann wieder bis auf Null sinkt. Es sei nun angenommen, daß ge- 
wünscht wird, eine Energiemenge im Höchstbetrage von 160 Kilowatt 
entsprechend 8 Ampere bei 20000 Volt zu überwachen. Wenn vier 
Relais in der dargestellten Weise parallel geschaltet werden, so hat 
jedes 2 Ampere aufzunehmen. Der Höchstbetrag der in einem Relais 
zu vernichtenden Energie beträgt somit 1 Ampere bei 10000 Volt 
oder 10 Kilowatt. Der Übergang vom Mindestbetrage zum Höchst- 
betrage und wieder zum Mindestbetrage findet jedoch in jedem einzelnen 
Relais in einem Viertel der Zeit statt, in der er bei Benutzung eines 
einzelnen Relais auftreten würde, nämlich beim Relais 6 während der 
Zeit, während welcher die Gitierspannung von Null bis auf ein Viertel 
des Höchstwertes steigt, beim Relais 6° während des Steigens der Gitter- 
spannung von ein Viertel bis auf ein Halb des Höchstwertes usw. 
Daher trägt die von einem jeden Relais aufzunehmende Energiemenge 
nur ein Viertel von 10 Kilowatt, also 2,5 Kilowatt. Diese Energie- 
menge ist ebenso groß, wie im früheren Fall, obwohl das Relais nun 
den vierfachen Strom führt. Es ıst also ersichtlich, daß vier Relais 
derselben Kapazität die 16 fache Energiemenge eines einzelnen Relais 
überwachen können. Die dargestellten Relais besitzen eine merkliche 
Kapazität zwischen den Anoden. Dies führt zu einem beträchtlichen 
Stromfluß durch die Relais zwischen den Anoden während der Zeit, 
während welcher die Anordnung nicht zur Zeichenübertragung dient. 
Es wird daher eine beträchtliche Menge Energie nutzlos in den Wider- 
ständen 17 vernichtet. Um dies zu vermeiden, kann es angezeigt 
sein, jedem dieser Widerstände einen Kondensator (20) parallel zu 
schalten. Hierdurch werden die Hochfrequenzströme herabgedrückt, 
während der gleichgerichtete Stromfluß des Relais zwischen Kathode 
und Anode in keiner Weise gehindert wird. Selbstverständlich kann 
der Widerstand 17 ebensogut mit der Kathode in Reihe geschaltet 
werden wie mit den Anoden. Damit die Gitter 10 nicht einen un- 


Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. 499 


nötig großen Strombetrag aufnehmen, wenn sie stark positiv werden, 
können sie in Reihe mit einem Widerstand 18 geschaltet werden. 


(Eingesandt 29. November 1917) 
Adresse des Autors: Berlin-Lichterfelde, Roonstr. 12. 


Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. 


(Die Redaktion behält sich die Besprechung einzelner Werke vor.) 


Johannes Jegerlehner, Neutrale in Elsaß-Lothringen. Verlag Ferd. 
Wyss, Bern 1917. Fr. 1.20 

Max Dessoir, Vom Jenseits der Seele. (Die Geheimwissenschaften in 
kritischer Betrachtung.) Verlag Ferdinand Enke, Stuttgart 1917. M. 11.— 

Rudolf Stratz, Wie’s zum Weltkrieg kam. Deutscher Schriftenverlag 
G. m. b. H., Berlin 1917. 2. Aufl. M. 0.20 

Elektroindustrie. 1. u. 15. Oktbr., 1. u. 15. November 1917. Fachschriften- 
Verlag A.-G. Zürich. 

Hanns Floerke (Herausgeber), England der Feind! Beweisstücke bri- 
tischen Vernichtungswillens (mit zahlreichen Karrikaturen und Tendenz- 
bildern aus englischen Zeitschriften). Verlag Georg Müller, München 1917. 

Wann kommt der Friede? Die Wirkungen des U-Bootkrieges in 
amtlicher Darstellung. (Abgeschlossen im August 1917.) Militäri- 
sche Verlagsanstalt, München 1917. | M. 0.50 

Dr. Georges Chatterton-Hill, Moloch England!! Was Deutschland im 
Fall eines englischen Sieges zu erwarten hätte. Irlands Schicksal als 
Warnung für Deutschland. Verlag: „Das größere Deutschland‘. Dres- 


den-A. M. 1.— 
Sven Hedin, Bagdad — Babylon — Ninive. Verlag F. A. Brockhaus, 
Leipzig. Feldpostausgabe 1917. M. 1.— 


Karl Strecker, Die Telegraphentechnik. Ein Leitfaden für Post- und 
Telegraphenbeamte. 6. neu bearbeitete und vermehrte Auflage. Verlag 
von Julius Springer, Berlin. M. 10.—, geb. M. 11.60 

Alfred Manes, Englands Seeherrschaftim Wanken. (Deutsche Kriegs- 
schriften, Heft 24.) Verlag A. Marcus & E. Weber, Bonn 1917. M. 2.— 

Georg Solmssen, England und wir. Ders. Verlag. 1917. 50 Pfg. 

Ernst Bischoff, Die englischen und französischen Untaten auf 
kolonialer Erde. Verlag Art. Institut Orell Füssli, Zürich 1917. F. 1.50 

„Anklagen gegen Deutschland. Das Buch «J’accuse» u. andere Schriften“ 
von Karl Federn. Verlag von Ferd. Wyss, Bern. Fr. 7.50 

Das Werk ist der Form nach eine kritische Besprechung verschiedener 

Schriften, die die Schuld der deutschen und österreichischen Politik am 

Weltkrieg zu beweisen suchten, und zwar des anonymen „Deutschen“ der 

„J'accuse“ schrieb, des Schweizers Menni, des italienischen Historikers 

Guglielmo Ferrero, des amerikanischen Professors Munroe Smith. Der 


500 Literaturverzeichnis. 


Hauptteil des Werkes ist dem Buch ‚„J’accuse‘ gewidmet und weist die 
zahllosen Fälschungen und Flüchtigkeiten dieses Sensationsbuches sowie die 
Unwissenheit seines Verfassers auf politischem und historischem Gebiet 
nach. Es zeigt, daB das Buch „l'accuse“ im Grunde ein „Autfsitzer‘ ist, 
eher lächerlich als tragisch zu nehmen. Im Gang der Kritik wird die ganze 
politische Lage, die zum Weltkrieg führte, sowie der Ausbruch des Krieges 
zum Teil auf Grund völlig neuen Materials beleuchtet und dar- 
gestellt. Insbesondere über die Vorgeschichte des österreichischen Ultima- 
tums, sowie über das Verhalten Italiens zwischen Dreibund und Triple- 
Entente, über die Verhandlungen zwischen Österreich und Rußland werden 
teils neue Tatsachen mitgeteilt, die jedem nicht diplomatisch eingeweihten 
Leser unbekannt sein dürften, teils werden diese wichtigen Vorgänge in 
ganz neuer Beleuchtung gezeigt. 

Das Buch ist das Werk eines Autors, der ohne jede Gehässigkeit, 
ohne nationale Voreingenommenheit schreibt, der sich mit der Geschichte 
und Literatur der „feindlichen“ Staaten aufs innigste beschäftigt hat und 
die europäische Kulturgemeinschaft tief empfindet, der jedoch als Jurist 
und Historiker die Akten und Schriften prüft und hier seine Ergebnisse 
vorlegt. 

(Eingesandt 30. November 1917.) 


Literaturverzeichnis. 


Armaquat, H., Rev. Gen. de PÉI. 2, 643, 1917. Contribution au calcul 
des aimants. 

Baillie, P., Electrieian 79, 974, 1004, 1917. On the calculation of the 
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502 Bücherbesprechungen. 


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VI u. 111 S. Experimentelle Untersuchungen über die Beugung elektro- 
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Smith, Stanley Parker, Electrician 80, 10, 42, 80, 1917. Notes on the 
design of electromagnetic machines. Part. II. Design of slow-speed 
alternating-current gencrator. 

Sörensen, Aage, S. M. Elektrot. Ztschr. 38, 469, 1917. Konstruktive Be- 
stimmung der Wellenlänge aus Kapazität und Selbstinduktion. 

Still, Alfred, Rev. Gén. de I’El. 2, 492, 1917 (nach El. World 69, 312, 603, 
1917). Isolation des transformateurs à très haute tension. 

Styff, Eivind, Elektrot. Ztschr. 38, 461, 1917. Der Phasenvergleich bei der 
Parallelschaltung von Wechselstrommaschinen. 

Telegraphen- u. Fernsprecehtechnik Nr. 11, S. 87, 1917. Ein Detektor mit 
gelöteten Kontakten. 

Whittemore, L. E., Rev. Gen. de l’El. Nr. 14. 1917. (Ref. ü. Pys Rev. 
Mai 1917.) Emploi du galvanometre Einthoven et d'un détecteur du 
type Audion pour la mesure de l'intensité des signaux radiotelegraphiques. 

Wireless Telegraplıy in Scandinavia. Electrician 80, 247, 1917. 

Wirz, Emil, Arch. f. Elektrot. 6, 23, 1917. Untersuchungen über die mög- 
lichen Fehlerquellen bei Stromwandlern. 


(Eingesandt Ende Novbr. 1917.) 


Bücherbesprechungen. 


Dr. Georges Chatterton-Hill: Moloch England. Was Deutschland im Falle 
eines englischen Sieges zu erwarten hätte. Irlands Schicksal als 
Warnung für Deutschland. 1. Kapitel: Die sittliche Weltanschauung 
der Engländer. 2. Kapitel: Wehe dem Volke, das England in den Weg 
tritt. 3. Kapitel: Die Greuel der Eroberung Irlands. 4. Kapitel: Eng- 
land als Vampyr. 5. Kapitel: Deutschlands Schicksal nach einer Nieder- 
lage. Verlag „Das größere Deutschland“, Dresden. M. 1.—. Ä 

Der durch seine Vorträge in Deutschland weitbekannte irische Freiheits- 
kämpfer Chatterton-Hill will mit diesem Buche am Schicksale Irlands dem 
deutschen Volke die Augen öffnen über den erbarmungslosen Vernichtungs- 
willen, der England uns gegenüber beseelt. Alle die schwachen Seelen, 
welche noch von einer Versöhnung träumen, muB das Buch durch seine er- 
schütternde Wahrhaftigkeit endlich zur Aufrüttelung bringen! 

Aus dem furchtbaren Schicksal Irlands soll exemplifiziert werden, daß 
sobald Notwendigkeiten politisch- wirtschaftlicher Art ins Spiel treten, für 
den Engländer sämtliche anderen Regeln der Gesittung jegliche Daseins- 
berechtigung verlieren. Genau so solljetzt Deutschlandinbrutalster 
Weise unschädlich gemacht werden, weil es England im Wege stand. 


Bücherbesprechungen. 503 


Seit zwei Jahrzehnten erstrebt England dieses Ziel, jede seiner Kriegs- 
handlungen in diesem Weltkriege ist damit in absoluter Übereinstimmung, 
jede mit den gemeinsten Beschimpfungen des deutschen Volkes und seines 
Kaisers gespickte Rede der englischen Staatsmänner zeigt diese klare un- 
beirrte Absicht immer auf's neue bis auf den heutigen Tag und trotzdem 
schwatzt man im deutschen Reichstag von Frieden und „Verständigung“! 
Statt dessen sollte man lieber von seiner Tribüne diese kleine 
Warnungsschrift vorlesen, um sie dem ganzen deutschen Volke zu- 
gänglich zu machen, damit es nochmals in ingrimmigem furor teutonicus 
auflodere, um sich und die ganze Welt von dieser Menschheitsgeißel Eng- 
land für alle Zeiten zu befreien. i 


Zürich, Anfang November 1917. Eichhorn. 
(Eingesandt 4. November 1917.) 


Leo Galland, Ingenieur, Deutscher Telegrammschlüssel für die 
technische Industrie (Ingenieur-Code). Verlag: M. Krayn, Berlin 

W 10, Preis 120,— Mk. 

Die gegenwärtigen Zeitverhältnisse zeigen uns deutlich, wie sehr unsere 
Volkswirtschaft auf die weltwirtschaftliche Verflechtung angewiesen ist; die 
dauernde wirtschaftliche Antarkie ist für uns unmöglich, wenn wir als 
Kulturvolk die Höhe behaupten wollen, die wir vor dem Kriege innehatten. 
Um unsere Stellung auf dem Weltmarkt in Zukunft wieder erlangen 
und behaupten zu können, werden wir aber alle unsere Kräfte sammeln 
müssen, denn unsere alten Gegner haben inzwischen viele unserer Absatz- 
gebiete erobert, und neue Konkurrenten sind erstarkt. Beim Wiederaufbau 
unseres Wirtschaftslebens müssen wir zwei Forderungen berücksichtigen, 
wenn wir erfolgreich sein wollen: höchste Wirtschaftlichkeit und 
stärkste Intensität in unserer Wirtschaft. 

Bei der Durchführung geschäftlicher Unternehmungen in anderen Erd- 
teilen spielt die telegraphische Nachrichtenübermittlung, die sich entweder 
der Kabel- oder der Funkentelegraphie bedienen kann, eine große Rolle, 
die in Zukunft wohl noch an Umfang und Bedeutung zunehmen wird; es 
ist daher auch für unsere wirtschaftliche Entwicklung erforderlich, daB wir 
die Technik der Nachrichtenübermittlung nach Kräften vervollkommnen; 
jeder übermittelte Satz muß so knapp wie möglich ausfallen, einmal um 
dem Unternehmen möglichst geringe Unkosten zu machen, und ferner um 
die vorhandenen Einrichtungen der Nachrichtenstellen (Kabel, Funken- 
stationen) weitgehend auszunützen. 

Ein großartiges System, um die geschäftliche Naehrichtenvermittlung 
auf die knappste Form zu bringen, hat Galland in seinem Telegramm- 
schlüssel für die technische Industrie geschaffen. Der Gedanke an sich, 
Worte, Wortverbindungen und ganze Sätze im telegraphischen Verkehr durch 
einige Zahlen oder Buchstaben auszudrücken, ist nicht neu, wenn auch die 
vorhandenen Werke, soweit sie die Technik berücksichtigen, meist englischen 
Ursprungs sind und z. T. als veraltet bezeichnet werden müssen; neu ist 
dagegen, daß hier ein deutscher, technischer Telegrammschlüssel in 


504 Bücherbesprechungen. 


vorbildlicher Anordnung und Vollständigkeit geschaffen ist. Jedes Wort, 
Vorbild oder Redewendnng wird durch ein aus sieben Buchstaben oder 
Zahlen bestehendes Schlüsselwort, von dem sich nach einem bestimmten 
System je zwei noch weiter auf ein Gebilde von 10 Buchstaben oder Zahlen 
zusammenziehen lassen, ausgedrückt. 

Beim Zusammenstellen der Liste für die Schlüsselworte der einzelnen 
Ausdrücke und Wortverbindungen ging der Verfasser von dem Gedanken 
aus, ein Werk zu schaffen, das vor allem den Bedürfnissen der Industrie 
dienen sollte. Aus diesem Grund enthält auch der erste Teil eine recht 
vollständige Liste technischer Einzelausdrücke. Im zweiten Teil sind in 
Gruppen die einzelnen technischen Gebiete behandelt; schlagen wir z. B. 
die Gruppe „Dampfmaschine“ auf, so finden wir dort nicht nur eine genaue 
Angabe der verschiedenen Bauarten derselben, sondern auch ihre Einzel- 
teile und Besonderheiten, kurz alles, was ein Käufer oder Verkäufer auf 
diesem Gebiete telegraphisch übermitteln könnte. Einen großen Vorzug 
besitzt dieser Teil noch dadurch, daß die einzelnen Maschinen und Maschinen- 
teile durch kleine Skizzen erläutert werden, so daß auch der Nichttechniker 
mit den ihm weniger geläufigen technischen Begriffen sicher arbeiten kann. 
Etwa 120 Gruppen, so ziemlich die gesamte Technik, enthält dieser Teil, 
und die große Sorgfalt und das Geschick mit der hier die Anordnung durch- 
geführt ist, verdient alle Anerkennung. Im dritten Teil sind die Bezeich- 
nungen für Maße, Gewichte, Daten, Währungen, Hochschulen, Behörden, 
Zeitschriften, Firmen usw. angegeben. Sehr wertvoll dürfte auch dor vierte 
Teil sein, der um dem Benutzer des Telegrammschlüssels die Möglichkeit zu 
geben, auch Telegramme nicht nur technischen Inhaltes aufzugeben, etwa 
40000 allgemeine Redewendungen, kurze Sätze usw. in systematischer An- 
ordnung enthält. 

Das ganze Werk stellt eine ungeheure, fleißige Leistung dar; es ist zu 
wünschen, daß dieser Telegrammschlüssel in der Industrie große Verbreitung 
erlangt, und daß es unserm Handel gelingt, damit wieder einen neuen, 
blühenden deutschen Welthandel zw schaffen. Dipl. Ing. G. Sinner. 


(Eingesandt 1. Dezember 1917.) 


Jahrbuch 


drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


Inhalt. 


Seite 
Max Dieckmann, Über Malle Laugen taolo lelpgrapiiicher 
Sende- und Empfangsstationen . . ae ne DO 
W. Eecles, Eine Tafel zur - Wellenlängenberechnung. (Mit 1 Figur 
im Text.) . . . Euge a ee SD 
Referate: 
C.H. Graf von Bressler, Eine neue Anordnung zur Darstellung 
von stehenden Wechselstromkurven mit der Braun-Röhre . . 515 
Mitteilungen aus der Praxis: 
P. Luckey, Nomogramm für Schwingungszahl und De 
von Kondensatorkreisen. (Mit 1 Tafel). . . 516 
Tyng M. Libby, Eine Übersichtstafel für die Übermittelung 
ungedämpfter Wellen. (Mit 1 Tafel). . . . 519 


Aage S. M. Sörensen, Konstruktive Bestimmung der Wellen- 
länge aus Kapazität und Selbstinduktion. (Mit 5 Figuren im Text.) 526 


Cornelis J. De Groot, Über das Wesen und die DE 


von Störungen. (Mit 2 Figuren im Text.) . . 532 
Patentschau: 

H. Eales. (Mit 22 Figuren im Text.) . . 2 2 222020. 4T 

Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. . . . . . 565 

Literaturverzeichnis. . 2 2 2 2 vr ren. 565 

Namenrepister.. . . 0 00 4 we ER inne ii an S567 


Manuskripte für das Jahrbuch sind an die Redaktion: Dr. G. Eichhorn in 
Zürich, Hauptposifach 6123, zu senden. Zur Erleichterung der Be- 
richterstattung wird um Zusendung einschlägiger Sonderabdrücke und 
Mitteilung wichtiger Arbeiten für das Literaturverzeichnis gebeten. 

Abonnements und Inserate sind an die Verlagsbuchhandlung von M. Krayn, 
Berlin W. 10, Genthinerstraße 39 zu richten. 


Jahrb. d. dıaht!. Telegraphie u. Telephonie., 12. 33 


506 ` Max Dieckmann. 


Über Maßbezeichnungen 
radiotelegraphischer Sende- und Empfangsstationen.') 


Von Max Dieckmann. 


Der radiotelegraphischen Praxis mangeln zurzeit einfache cha- 
rakteristische Maßbezeichnungen für ihre Sende- und Empfangsanlagen 
im ganzen und in ihren einzelnen Teilen. 

Die übliche Art, die Stärke eines Senders zu kennzeichnen, be- 
steht zurzeit darin, seine Antennenleistung zu nennen, d. h. die An- 
zahl von Watt anzugeben, die aus Antennenstromstärke und Antennen- 
gesamtwiderstand folgen. Da diese Angabe die Strahlungseigenschaften 
der Antenne nicht berücksichtigt, bietet sie für Reichweitenübeı- 
legungen usf. keine Grundlage. 

Zur Charakteristik von Empfangsanlagen begnügt man sich in 
der Praxis meist mit ganz allgemeinen Werturteilen. 

Ich bin durch mancherlei Probleme, die mir bei meiner Tätigkeit 
gelegentlich der Ausbildung der Bordstationen für Zeppelinluftschiffe 
entgegentraten, schon seit drei Jahren vor die Notwendigkeit der Wahl 
einfacher Maßbezeichnungen geführt worden. Da diese Bezeichnungen 
sich gerade im letzten Jahr besonders gut bewährten, scheinen sie mir 
auch nach den Arbeiten von Austin?) Barkhausen?), Zenneck* u. a. 
der Mitteilung würdig zu sein. 

Ich darf im folgenden die von mir verwendeten Definitionen 
nebst einigen Folgerungen kurz mitteilen. 

Der größeren Klarheit wegen sei zunächst die Annahme gemacht, 
daß es sich um Sender handle, die ungedämpfte Wellen‘ aussenden. 
Ferner sei eine gut leitende Erdoberfläche (feuchter Boden, Meerwasser) 
angenommen. Vernachlässigt werde eine etwaige Absorption der Energie 
im Zwischenmittel. Alle Aussagen seien außerdem bezogen auf eine 
bestimmte Wellenlänge, auf einen bestimmten Azimut und eine be- 
stimmte Stromstärke in der Sendeantenne. 

Als r?fache Maßzahl für die Stärke einer Sendestation oder kürzer 
Sendezahl © ist die Anzahl von Watt angenommen worden, welche 


1) Abdruck aus „Zeitschrift für Flugtechuik und Motorluftschiffabrt“ 
1914, Heft 1. 

2) Austin, Jahrbuch der drahtl. Telegr., 5, 75, 1911. 

3) Barkhausen, Jahrbuch der drahtl. Telegr., 5, 261, 1911. 

4) Zenneck, Lehrbuch dar drahtl. Telegr., lI. Aufl., S. 294 ff. 


Über Maßbezeichnungen radiotelegraph. Sende- u. Empfangsstationen. 507 


die Station durch einen Quadratmeter senkrecht zur Strahlrichtung 
in rkm Abstand hindurchdrückt. 

Wenn man annehmen will, daß in 1 km Abstand vom Sender 
schon reine Strahlung herrscht, kann man sagen: Die Einheit der 
Sendezahl kommt der Station zu, die ein Watt durch einen Quadrat- 
meter in einem Kilometer Abstand hindurchtreten läßt. 

Bei gerichteten Antennen oder einer Umgebung mit verschiedener 
Bodenbeschaffenheit hat die Sendezahl für die einzelnen Azimute ver- 
schiedene Werte. à 

Als Maßzahl für die Güte einer Empfangsantenne oder als 
Empfangszahbl Æ gilt die Größe derjenigen Fläche in Quadratmeter, 
aus der die Antenne sämtliche Strahlungsenergie absorbiert?) Die 
Einheit der Empfangszahl Æ kommt der Empfangsanlage zu, die in 
der Antenne gerade so viel Watt beobachten läßt, als durch 1 qm 
des Stationsortes hindurchtreten. 

Sind die Zahlenwerte von © und E einer Sende- und Empfangs- 
station, die sich in rkm Abstand befinden, bekannt, so ergeben sich 
die beim Empfang beobachtbaren Watt y definitionsgemäß als 


ES Ä 


Je nach der Empfindlichkeit der Detektoren, Telephonhörer, 
Galvanometer, Relais usf. existiert ein unterer Wattschwellenwert, die 
Empfangsschwelle J, bei welcher das Indikatorinstrument gerade 
noch sicher anspricht. - 

Allgemein ist für einen bestimmten Empfänger 

y=nT (2) 
wobei für brauchbaren Empfang n = 1 sein muß, 

Ist » = 1, reicht die beobachtbare Energie also nur gerade zum 
Empfang aus, verträgt sie keine Verminderung mehr, so befinden sch 
die Stationen im größten zulässigen Abstand voneinander. Dieser 
maximale Abstand heißt die Reichweite R in bezug auf die betref- 
fende Sende- und Empfangsstation.. Es ist demnach 


Aus der Anzahl n von Schwellenwerteinheiten, die in einem Ab- 
stand r beobachtet worden sind, kann man die maximale Reichweite 


1) Vgl. Rüdenberg, Ann. d. Phys., 25, 1905, 465. 
- 33 * 


508 Max Dieckmann. 


in bezug auf diese Stationen als 
R=rYnkm | (4) 


annehmen. 

Für den Fall man nicht die Wattwerte y, sondern die Antennen- 
stromwerte J beim Empfang beobachtet, kann man y durch J-W er- 
setzen, wo W den Antennenwiderstand bezeichnet. Man erhält dann, 
wenn man 


: ES 
setzt, die einfache Form der Dudellschen Regel?) 
| K 


Das Produkt der Größen ES, das Güteprodukt der betreffenden 
Sende- und Empfangsstationen, läßt sich ermitteln, wenn man die 
beim Empfang beobachtete Wattzahl mit dem Quadrat des Abstandes 
multipliziert. 
Hat ein und dieselbe Empfangsstation von zwei Sendestationen 
mit den Sendezahlen S, und S, Empfang, so gilt für das Verhältnis 
zwischen beiden 
S_n" 7 
5 T yan? o 
2 2'3 

wobei sich die Indices entsprechend auf die Stationen bezıehen. 

Wird andererseits ein und dieselbe Sendestation von zwei Empfangs- 
stationen mit den Abständen r,, r, mit y, resp. y, Watt empfangen, 
so folgt für das Verhältnis ihrer Empfangszahlen 


E yr? 
= er (8) 
E Yr 


Bei Stationen mit beweglichem Abstand kann man auch ohne 
Kenntnis des Güteproduktes aus den zu verschiedenen Orten beobach- 
teten Watt oder Stromwerten einen Rückschluß auf die Entfernungs- 
änderung machen. Es verhält sich 


a a2 9) 
T3 Yı J 


Läßt man die eingangs gemachten Einschränkungen, daß die 
Sendestation nur mit ungedämpften Schwingungen arbeitet und das 


1) Jahrbuch der drahtl. Telegr., 1909, 103. 


Über Maßbezeichnungen radiotelegraph. Sende- u. Empfangsstationen. 509 


Zwischenmittel keine Energie absorbiere, fallen, so treten zu den auf- 
gestellten Beziehungen Korrektionsglieder hinzu. 

Die Korrektion, die notwendig ist, für den Fall der Sender mit 
gedämpften Schwingungen arbeitet, ist formal unerfreulich. Bekannt- 
lich (vgl. Zenneck, Barkhausen l. c.) ist die vom Sekundärsystem 
aufgenommene Energie um so kleiner, je größer das Verhältnis der 
Summe der Dämpfungsdekremente des Primär- und Sekundärsystems, 
d, und d,, zum Dekrement des Sekundärsystems ist. Diese Form der 
Abhängigkeit verbietet, die Dämpfungskorrektur an der Sende- oder 
Empfangszahl ausgewertet anzubringen. Es ist vielmehr erforderlich, 
für alle Stationen das Dämpfungsdekrement neben der Sende- und 
Empfangszahl getrennt zu nennen. DBezeichnet man das Verhältnis 


2 — mit f, so nimmt die Beziehung (1) die Form an 


b, + b, f 
E 

A (10) 

Hat ein und dieselbe Empfangsstation mit dem Dämpfungs- 


dekrement d von zwei Sendestationen S,, d, und S,, d, Empfang, so 
geht (7) über in 


Yı r,’ f l (11) 


d, d 

= —t—- und f, = —ı— t t. Eb ht d 

wo f, T und ĝ, +, zu setzen is enso ge ie 
Beziehung für den Vergleich zweier Empfangsstationen über in 


E, z= Yı "i É (12) 
E, Yar: A 
wo 8, und ĝ, die für (11) angegebene Form haben, b aber das 
Dekrement der Sendestation bedeutet. An der Gleichung (9) wird 
durch die Dämpfungskorrektion nichts geändert. 
Die Berücksichtigung der Absorption und Zerstreuung macht 
ein weiteres Korrektionsglied %k erforderlich. Bei einer bestimmten 
Wellenlänge A wächst k mit dem Abstand wie 


k=e-4r (18) 


wobei A wahrscheinlich (Cohen) gleich m: zu setzen ist. A bzw. a 


ist zeitlich stark variabel, kann aber durch je eine ortsfeste Sende- 
und Empfangsstation, die mit Einrichtung für quantitativen Empfang 
ausgerüstet ist, unter ständiger Kontrolle gehalten werden. Der Zahlen- 


510 Max Dieckmann, Über Maßbezeichnungen usw. 


wert von A ergibt sich aus 
ES 


zwischen eınem bekannten Fender und Empfänger in bekanntem Ab- 
stand als 


1 E 
A = — Ig nat Ea (15) 


Die Gleichungen (11) und (12) erhalten bei Berücksichtigung der 
Absorption die endgültige Form 


S _ ABA P, e— Alnı- re) (16) 
Do Yar TI 

und ebenso 
E, Beh r? B e-Aln- ra) (17) 
E, NP, 


Für diese Vergleichsmessungen spielt also die Absorption nur 
eine verschwindende Rolle, für den Fall die Stationsabstände r, und r, 
gleich oder doch nahezu gleich groß und die jeweiligen Worte für A 
nicht lokal eng begrenzt sind. 

Der drahtlosen Telegraphie wird mit gut definierten Stationen 
als Orientierungsmittel für bewegliche Stationen ein ausgedehntes Be- 
tätigungsfeld erwachsen. 
| Erwünscht ist, daß für alle in Frage hommenden Stationen Polar- 
diagramme angelegt werden, in welchen die Sendezahlen für bestimmte 
Wellen und Antennenstromstärken nach allen Azimuten und das 
Dämpfungsdekrement eingezeichnet sind. Gerade die Luftschiffstationen 
bilden, da bei ihnen Erdungswiderstände fehlen und sie sich der Gegen- 
station so weit nähern können, daß die Absorptionskorrektion wegfällt, 
ein sehr günstiges Hilfsmittel zur Herstellung derartiger Stations- 
diagramme. Großer Wert muß auf Kontrolle der Dämpfungsdekre- 
mente der Stationen gelegt werden, sowie auf die Registrierung und 
Erforschung des Absorptionskoeffizienten. 

Zusammenfassung. Die drahtlostelegraphischen Stationen auf 
Luftschiffen bieten ein brauchbares Hilfsmittel zur quantitativen 
Charakterisierung von Sende- und Empfangsstationen. Es wird das 
System von Maßbezeichnungen mitgeteilt, das einer Reihe von Mes- 
sungen mit Hilfe von Zeppelinluftschiffen zugrunde gelegt wurde. 


Adresse des Autors: Dr. Max Dieckmann, Privatdozent an der 
Technischen Hochschule München. 


W. Eceles, Eine Tafel zur Wellenlängenberechnung. 511 


Eine Tafel zur Wellenlängenberechnung. 
(An Abac for the Calculation of Wave-Lengths.) 


Von W. Eeceles.') 


Die Formeln, die man bei der Berechnung der Wellenlänge 2 
eines Schwingungskreises aus den gegebenen Werten der Selbst- 
induktion L und der Kapazität C des Kreises für gewöhnlich an- 
wendet, lauten: 

à in cm = 27a V{(L in cm) (C in cm)} 
und: 
à in m = 1,885 Y{(L in u H) (C in u F)}. 

Hier bedeutet „ZL in cm“, daß die Selbstinduktion in elektromagne- 
tischen Einheiten ausgedrückt wird; „C in cm“ bedeutet, daß die 
Kapazität in elektrostatischen Einheiten ausgedrückt wird; u H be- 
deutet „Mikrohenry“, und uF bedeutet „Mikrofarad“. Man kann 
sonach zur Auswertung der vorstehenden Formeln jede beliebige gra- 
phische Methode zur Multiplikation zweier gegebenen Größen mit- 
einander benutzen, wenn der Maßstab, auf dem die Produkte gewöhn- 
lich abgelesen werden, so geteilt ist, daB er mit 2” multiplizierte 
Quadratwurzeln angibt. Man kennt etwa ein halbes Dutzend ver- 
schiedener graphischer Multiplikationsverfahren und hat diese auf eine 
Menge verschiedener Formeln im Laufe der letzten hundert Jahre 
(oder länger) angewandt; viele Leute haben sie zweifelsohne auch un- 
abhängig voneinander auf die obigen Formeln angewandt; aber, so 
weit mir bekannt ist, ist die im folgenden beschriebene Rechentafel 
bisher noch nicht entwickelt worden, obgleich sie gegenüber den be- 
kannten Typen gewisse Vorzüge besitzt. 

Es genügt, wenn ich von den älteren Rechentafeln ein paar 
Typen erwähne Zwei ganz bekannte Formen sind Diagramme auf 
Koordinatenpapier, bei denen die Werte von L auf der einen und die 
Werte von C auf der anderen Achse aufgetragen werden. Bei gleich- 
förmiger Teilung dieser Maßstäbe für L und C sind die Linien kon- 
stanten Produktes Hyberbeln, und man muß die einzelnen Hyperbeln 
so zeichnen, daß sie runden Zahlen für die Wellenlänge in Metern 
entsprechen, und muß sie mit eben diesen Zahlen bezeichnen. Man 
kann aber die Hyperbeln durch Geraden ersetzen, wenn man die 


1) Alle Rechte vorbehalten. 


512 W. Eccles. 


Achsen in passender Weise ungleichförmig teilt, und erhält auf diese 
Weise eine andere Rechentafelform. Es gibt mehrere verschiedene ab- 
geleitete Formen der vorstehenden Art, die vielfach angewandt worden 
sind. Außerdem liefert logarithmisch geteiltes Koordinatenpapier offen- 
bar Rechentafelformen. 

Die Linienrechentafeln sind von den vorgenannten völlig ver- 
schieden. Bei ihnen sind drei Maßstäbe vorhanden — je einer für L, 
C und A — die so angeordnet und so geteilt sind, daß die der Wellen- 
längengleichung entsprechenden Punkte auf einer Geraden liegen. Die 
nächstliegende und älteste Form dieser Multiplikationsweise besteht 
aus drei parallelen logarithmischen Maßstäben ähnlich denen des 
Rechenschiebers. Die &ußeren Maßstäbe sind nach Werten von L 
und C geteilt, der innere Maßstab ist der Wellenlängenmaßstab und 
ist doppelt so eng geteilt wie die anderen, so daß er die Quadrat- 
wurzeln zieht. Bei gegebenen Werten für zwei der Größen erhält man 
die dritte, indem man den Schnitipunkt auf ihrem Maßstabe mit der 
Verbindungsliniie der beiden auf den zugehörigen Maßstäben ab- 
gelesenen gegebenen Werte vermerkt. Das einfachste Verfahren, die 
Gerade zu ziehen, besteht darin, daß man einen feinen Faden über 
die Maßstäbe spannt oder eine durchsichtige Zelluloidplatte mit einer 
eingeritzten Geraden darüber legt. Eine andere Form einer logarith- 
mischen Linienrechentafel besteht aus drei von einem Punkte aus- 
strahlenden Geraden. 

Ein Nachteil aller dieser Rechentafeln bei der Anwendung auf 
das vorliegende Problem besteht darin, daß sie zwar für solche 
Werte von L, C und A recht gute Dienste leisten, die innerhalb des 
Bereiches liegen, für das sie geteilt sind, daß sie jedoch, wenn man 
es mit verhältnismäßig großen oder kleinen Werten zu tun hat, ein 
gewisses Maß von Kopfrechenarbeit mit positiven oder negativen 
Potenzen von 10 erfordern. Es ist nicht möglich, einen einfachen 
logarithmischen Maßstab so anzuordnen, daß er den gesamten Umfang 
der in der drahtlosen Telegraphie benutzten Werte von L und C um- 
faßt und dabei praktisch genügend genau ist, und man kann sehr 
leicht bei den Quadratwurzeln der Zehnerpotenzen schwerwiegende 
Fehler machen. 

In der in der Figur dargestellten Rechentafel sind diese Schwierig- 
keit und diese Gefahr umgangen worden. Sie umfaßt das ganze Ge- 
biet der Werte von L, C und A, dessen Verwendung in der drabt- 
losen Telegraphie oder im Laboratoriumsbetrieb wahrscheinlich ist. 
Das Bereich der Selbstinduktion erstreckt sich von 10° bis zu 10° 


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513 


514 | W. Eccles. 


elektromagnetischen Einheiten, d. h. von 1 Mikrohenry bis zu 1 Henry; 
das Bereich der Kapazität geht von 10 bis zu 10° elektrostatischen 
Einheiten, d. h. von etwa 1/iooooọo Mikrofarad bis zu 10 Mikrofarad; 
und das Bereich der Wellenlänge erstreckt sich von 10 m bis zu 
100 km. Natürlich sind die Zahlen in diesen Bereichen nicht gleich 
genau, das würde unmöglich sein. Nur die mittleren Teile der Maß- 
stäbe sind sehr breit gestaltet, und diese dienen für die für gewöhn- 
lich vorkommenden Größen von L, C und A und vermögen die ver- 
langten Zahlen ungefähr mit der in der Praxis erforderlichen Genauig- 
keit zu liefern. Die Endgebiete der Maßstäbe werden von den außer- 
gewöhnlich großen oder kleinen Werten von L, C und } eingenommen, 
und die Maßstäbe werden mehr und mehr gedrängt, je weiter wir 
uns von den für gewöhnlich vorkommenden Werten entfernen. Die 
Sache ist so gedacht, daß diese äußersten Gebiete der Tafel haupt- 
sächlich benutzt werden sollen, um die Anlässe zu Fehlern durch die 
Zehnerpotenzen zu beseitigen, von denen oben die Rede gewesen ist. 
Angenommen, es seien ein Paar extreme Werte von L und C gegeben, 
und wir suchten À. Wir legen den Faden so genau an seine Stelle, 
-wie dies angesichts des Mangels an Teilstrichen nahe den Enden der 
Maßstäbe möglich ist, und lesen den Näherungswert von A ab. Nach- 
dem wir nun die Antwort angenähert kennen, lassen wir die in der 
Aufgabe vorkommenden Zehnerpotenzen vollkommen außer Acht und 
verschieben den Faden in den mittleren offenen Teil der Maßstäbe, 
um die Zahlen für die Antwort genauer zu erhaltan. Wir müssen 
den Faden so legen, daB die bekannten Werte von L, C und à — 
unter Vernachlässigung der Potenzen von 10 — wieder unter ihm 
liegen. Die nachstehenden Beispiele werden dies erläutern: 

Beispiel 1. — Gesucht ist A, gegeben L = 370 uH, C = 1650 
Fx 10712 Auf der rechten Skala des Ovals stellen wir auf 3,7 x 10? 
ein und auf der linken inneren Skala auf 1,65 x 10°, spannen den 
Faden von einer Einstellung zur anderen und lesen seinen Schnitt- 
punkt mit dem mittleren Maßstabe ab. Dieser Punkt ist A = 1470 m. 

Beispiel 22 — Gesucht ist A, gegeben L = 3700 u H, C= 
16500 F. Der Faden geht jetzt durch die Spitze des Ovals und 
liefert ein Ergebnis zwischen 14500 und 15000 m. Da die Maßstäbe 
in der Nähe der Mitte am weitesten sind und die Genauigkeit dort 
besser ist, schieben wir den Faden in die Nähe von 1,5, bringen das 
eine Ende genau auf 3,7 auf der rechten Skala, stellen das andere auf 
der linken inneren Skala auf 1,65 ein und lesen auf der mittleren 1,47 
ab. Mithin ist A = 14700 m. | 


Referate. 515 


Beispiel 3. — Gesucht ist die Selbstinduktion, die erforderlich 
ist, um bei einer Kapazität von 95 cm eine Wellenlänge von 2300 m 
zu erreichen. Stellen wir auf 95 auf der äußeren linken Skala nahe 
dem unteren Ende des Ovals und auf 2,8 x 10° etwa in der Mitte 
des mittleren Maßstabes ein, so gibt ein gespannter Faden L als etwas 
größer als 1,0 x 107 elektromagnetische Einheiten an. Wir drehen 
den Faden um 2,3 als Drehpunkt, bis er auf der äußeren linken 
Skala durch 9,5 geht, also etwas oberhalb der Mitte des Ovals. Dann 
lesen wir die gesuchte Zahl auf der rechten Skala genau als 1,41 
ab. Also ist L = 1,41 x 107 elektromagnetischen Einheiten. 


(Nach Electrican 76, 888—389, 1915 aus dem Englischen über- 


setzt von Max Ikl6.) 
(Eingesandt 18. März 1916.) 


Adresse des Autors: 26 Ridgmount Gardens, London WC. 


Referate. 


C. H. Graf von Bressler, Eine neue Anordnung zur Dar- 
stellung von stehenden Wechselstromkurven mit der Braun- 
Röhre (Physik. Ztschr. 17, 349, 1916). 

Verfasser gibt folgende Zusammenfassung dieser seiner vorläufigen 
Mitteilung: Es wird eine neue Schaltung angegeben, durch welche | 
man die genaue Kurve des Wechselstromes dauernd stehend auf dem 
Schirm der Braunschen Röhre erhalten kann. 

In einer abgeglichenen Brückenschaltung besteht ein Zweig aus 
einem, auf dem Umfang einer synchron rotierenden Scheibe befestigten 
Draht, an dem eine Bürste schleift. In der Brücke, in der die Ab- 
lenkungsspulen liegen, werden dadurch periodische Stromänderungen 
hervorgerufen, die der Zeit proportional sind. 

Es wird gezeigt, wie sich die Kurven durch ein auf dem Schirm 
projiziertes Achsenkreuz bequem messen lassen und wie sich die An- 
ordnung zur Demonstration von Wechselströmen verwenden läßt. Da 
ja die Braunsche Röhre keine mechanische Trägheit besitzt und in- 
folgedessen selbst zur Analyse von Hochfrequenz brauchbar ist, so ist 
für die auflösbare Frequenz nach der neuen Methode eine Grenze nur 
gegeben durch die Frequenz, bei welcher infolge der hohen Drehzahl 
des Motors oder Generators gerade noch ein sicherer Kontakt zwischen 
Draht und Schleifbrücke möglich ist. E. 

(Eingesandt 15. August 1916.) 


516 Mitteilungen aus der Praxis. 


Mitteilungen aus der Praxis. 


a u für Schwingungszahl und Wellenlänge von 
Kondensatorkreisen. 


Von P. Luckey in Elberfeld. 
Hierzu Tafel II. 


Zur Ersparnis von Ausrechnungen nach einer häufig vorkom- 
menden Formel benutzt man entweder numerische Tafeln (Tabellen) 
* oder graphische Methoden. In Zennecks Lehrbuch findet man eine 
Tabelle für die Formel Í 
1 


N= ay E 


ferner eine solche für die Formel 
= 6 zy. Q.108m 


Lästig ist bei solchen Zahlentafeln die Einschaltung (Interpolation), 
da es sich um Tabellen mit zwei Eingängen handelt. Graphische 
Tafeln ermöglichen hingegen die bequemere Einschaltung nach dem 
Augenmaß. Die Genauigkeit der graphischen Tafeln kann durch hin- 
reichend große Ausführung so weit getrieben werden, wie es der 
Zweck erfordert. Bei der Anwendung der eben genannten Formeln 
für die Schwingungszahl und für die Wellenlänge von Kondensator- 
kreisen ist stets nur eine mäßige Genauigkeit erforderlich. Für sie 
können also geeignete graphische Tafeln vorteilhaft sein. 


Leider verfällt man aber immer noch zu sehr darauf, derartige 
graphische Tafeln in einem Netz rechtwinkliger kartesischer Koordi- 
naten anzulegen. So anschaulich ein Kurvenbild in rechtwinkligen 
Koordinaten sein kann, so unzweckmäßig wäre es, eine Rechentafel, 
etwa für die Thomsonsche Formel, in solchen Koordinaten anzulegen. 
Das Netz der’ Parallelenscharen zu den Koordinatenachsen wäre von 
einer Kurvenschar durchzogen, und in diesem Liniengewirr dreier 
Kurvenscharen sich zurechtzufinden, ist für das Auge ermüdend und 
führt zu Irrtümern. Besonders die Einschaltung von Zwischenwerten 
nach dem Augenmaß ist hier lästig. Man greift da lieber zu den 


Mitteilungen aus der Praxis. 517 


Zahlentafeln, die ja übrigens auch nach rechtwinkligen kartesischen 
Koordinaten angelegt sind. 

Demgegenüber sind die graphischen Methoden der modernen - 
Nomographie, deren Ausbildung wir besonders dem Franzosen D’Ocagne 
verdanken, das Bequemste und Klarste, was man sich denken kann. 
Die Figur (Taf. II) zeigt ein Nomogramm zu den beiden genannten Formeln. 
Dieses Nomogramm ersetzt also die beiden genannten Tabellen des 
Zenneckschen Werkes und gibt noch dazu die Kapazität sowohl in 
Mikrofarad als auch in Zentimetern an. Die Benutzung des Nomo- 
gramms zeigt folgendes Beispiel: 

Wie groß sind Schwingungszahi und Wellenlänge eines Kon- 
densatorkreises von 6000 cm Kapazität und 6800 cm Selbstinduktion? 
Auflösung: Man spannt mit beiden Händen einen schwarzen Faden, 
den Weiser (Index), so über die Zeichnung, daß er die Skala der 
Selbstinduktionswerte im Punkte 6800 cm und die Skala der Kapazi- 
tätswerte im Punkte 6000 cm schneidet (siehe die punktierte Linie). 
Dann liest man auf dem Schnitt mit den Skalen der mittleren Achse 
unmittelbar ab: N = 750000, A = 400 m. 

Wie man sieht, kann man mit dem Nomogramm mit derselben 
Leichtigkeit finden: | 


Zu gegebener Schwingungszahl (oder Wellenlänge) und Kapazität 
die Selbstinduktion; 

Zu gegebener Schwingungszahl (oder Wellenlänge) und Selbst- 
induktion die Kapazität. 


Die Doppelskala rechts kann man zur wechselseitigen Verwand- 
lung einer Kapazität aus einem Maß in das andere benutzen, die 
mittlere Doppelskala zur Ablesung der Wellenlänge zu einer beliebigen 
Schwingungszahl und umgekehrt. 

Der Zahlenbereich des Nomogramms ist unbegrenzt, wenn man 
erforderlichenfalls das „Prinzip der korrespondierenden Multiplikatoren“ 
auf die zugrunde liegenden Formeln anwendet. Nach diesem Prinzip 
kann man z. B. im Kopfe gleichzeitig die Werte von €, Q und A 
verzehnfachen und die Werte von N durch 10 teilen, oder man kann 
gleichzeitig © verzehnfachen, Q durch 10 teilen, 4 und N unverändert 
lassen, oder man kann z. B. auch gleichzeitig © verhundertfachen, 
Q unverändert lassen, A verzehnfachen und N durch 10 teilen. 


Die mathematische Grundlage des Nomogramms ist höchst ein- 
fach. Logarithmiert man die Formel 


518 Mitteilungen aus der Praxis. 


2 Ben 
67.108 ye = 
so erhält man 


log 4 — k = 4} (log € + log £) 


wo k eine Konstante ist. Abgesehen von einer Verschiebung des 
Anfangspunktes läßt sich also log A als Mittellinie eines Trapezes dar- 
stellen, dessen parallele Seiten die Werte log@ und log Q haben. In 
dem Nomogramm stellen die drei Parallelachsen die parallelen Seiten 
und die Mittellinie des 'Trapezes dar. Sie sind, wie die Skalen des 
gewöhnlichen Rechenschiebers, als logarithmische Skalen gezeichnet und 
mit den Numeris beziffert, so daß man €, Q und A unmittelbar 
abliest. | | 

Bei der Anlage des Nomogramms kann man zwei der Parallel- 
achsen, z. B. die Œ- und die 2-Achse, beliebig legen. An die dritte 
Achse ist in unserem Falle bei der Herstellung der logarithmische 
Maßstab so anzulegen, daß die Verbindungslinie zweier beliebiger Werte 
Œ und Q die Achse im richtigen A-Wert trifft. Z. B. gehört zu 

= 10% Henry = 10? cm Selbstinduktion und © = 1078 Farad 

= 10”? Mikrofarad Kapazität der Wert A=60r m Wellenlänge.!) 
Große Ausführung und harmonische und übersichtliche Anordnung der 
Teilstriche und Bezifferungen tragen sehr zur Bequemlichkeit bei. 

Die Vorteile eines derartigen „Nomogramms nach dem Prinzip 
der fluchtrechten Punkte‘ (Mehmke) brauchen nicht hervorgehoben zu 
werden. Nach ganz kurzer Übung werden der Techniker und der 
Physiker, die ohnehin an Ablesungen von ungleichförmigen Skalen ge- 
wöhnt sind, rasch und sicher mit einem guten Nomogramm arbeiten 
können. In vielen Fällen, wo man nicht zur Herstellung eines be- 
sonderen Rechenschiebers schreiten will, wird sich die Anfertigung 
eines Nomogramms lohnen, um fortwährende Ausrechnungen mit Zahlen 
oder mit dem gewöhnlichen Rechenschieber zu ersparen. °) 


1) Facettenmaßstäbe mit logarithmischer Teilung liefern Denunert 
und Pape in Altona. 

2) Nähere Anleitung und Literaturangabe zur Nomographie findet man 
in Pirani, Graphische Darstellung in Wissenschaft und Technik, Samm- 
lung Göschen. Vgl. auch P. Luckey, Kriegsnomogramme, Zeitschr. für 
math u. naturw. Unterr. 1917, S. 1, Leipzig. 


(Eingesandt 15. Januar 1917.) 


Adresse des Verfassers: Leutuani d. L. Luckey, Armee-Funker- 
Abteilung 4, Deutsche Feldpost 352. 


Jahrbuch der drahtlosen Tele; 


Schw 


VO 


induktion in cm 
$z? | 


‚Selbst 


Verlag von M. Krayn in Berlin 


Digitized bi Google 


Mitteilungen aus der Praxis. 519 


Eine Übersichtstafel für un. en di 
Wellen 


(Sustained Wave Transmission Chart.) 
Von Tyng M. Libby.) 
` Hierzu Tafel IlI. 


An den Radioingenieur tritt oft die Aufgabe heran, die Reich- 
weite drahtloser Senderstationen zu schätzen und die Höhe der Luft- 
leiter, die Wellenlänge und die Energiemenge vorauszubestimmen, die 
erforderlich sind, um unter normalen Verhältnissen eine gegebene Reich- 
weite zu überbrücken. Zwar kann man auf Grund reicher Erfahrungen an 
einer großen Anzahl von Stationen Schätzungen anstellen, doch bin ich 
der Meinung, daß man durch die Berechnung dieser Faktoren mit Hilfe 
halbempirischer, aus der Vergleichung experimentell gewonnener Daten 
abgeleiteter Formeln zu größerer Annährung wird gelangen können. 
Um festzustellen, welche Formel die beobachteten Ergebnisse für die 
Signalübermittelung bei Tageslicht mit der größten Annäherung dar- 
stellt, habe ich die nachstehenden Formeln für ungedämpfte Wellen 
miteinander verglichen, nämlich: 

Die theoretische Formel von Sommerfeld?): 


Fe 0,0019 d 
ee) I, (1) 
àd R \ sind Vi 
Die halbempirische Formel von Austin’): 
h, h, I, ə _ “löd 
2 2.8 i A a 2 
Bear e a 
Die halbempirische Formel von Fuller‘): 
h, h, I, o an m0040 a 
I, = 377 “aR mg ‚vr - (3) 
Die von Eccles in seinem „Handbook“ angegebene Formel?;: 
hh,l 9 — un 
Ze 8 2 a, 4 
1,= Lenie ne ö A 


1) Der Abteilung Seattle des Institute of Radio Engineers am 10. Juni 
1916 vorgelegt. 

2) A. Sommerfeld, Ann. d. Phys. (4) 28, 1909. 

3) Bull. Bur. Stand. 11 (1), Nov. 1914. 

4) L. F. Fuller, Proc. Am. Inst. El. Eng. 34 (4). 

5) Eccles, Handbook of Wireless Telegraphy und Telephony. 


920 Mitteilungen aus der Praxis. 


In diesen Formeln bedeuten I, und I, die Luftleiterstromstärke 
im Sender und im Empfänger, beide in Ampere gemessen; h, und A, 
die wirksamen Höhen des Sender- und Empfängerluftleiters, in Kilo- 
metern gemessen; A die Wellenlänge und d der Abstand in Kilometern 
gemessen; R ist der Widerstand des. Empfangssysiems bei Radiofrequenz, 


n 0 
Erdkrümmung Rechnung, wobei O den Winkel darstellt, der im Erd- 
mittelpunkte die Entfernung d überspannt. Für praktische Zwecke 
kann dieser Ausdruck als der Eiuheit gleich angesehen werden. 

Die Tabelle I gibt einige der Ergebnisse wieder, die bei Empfangs- 
versuchen zu Darien!) mit Hörbarkeiten gewonnen wurden, die nach 
den Formeln (1), (2), (3) und (4) berechnet worden waren. Die der 
Hörbarkeit Eins?) entsprechende Anzahl der empfangenen Watt wurde 
zu 1,23% 101° und die Hörbarkeit als proportional der empfangenen 
Stromstärke angenommen. 


in Ohm gemessen. Der Ausdruck Vs trägt der Wirkung der 


Tabelle I. 
1% | | | Hörbarkeit o 
7 À h R d 
Senderstation|Am- 1 le nee u en, 
| Met. Met Ohm km beob. |GL()| GL) | G1.8) | GL.) 


Arlington 60 | 6000) 61°) 23,2 | 3300 5000| 1840| 7780 18180 | 6080 


Tuckerton 115 | 7400| 120 |25 13430) 10000| 6040| 25780 | 68680 | 22360 
Sayville 140 | 9400| 80 |14 |3520 7500| 6120| 25900 | 74650 | 1.8780 


San Diego 35 | 3800| 55 !26,5 14670) 0O—100| 113| 911| 1400 547 
San Francisco] 40 | 6500| 96 |23,5 4820| 0—1000) 295| 2334 | 8540 | 2020 


Honolulu 60 110000) 96 | 13,5 | 8500 150) 16| 514 | 6640| _2440 
Nauen 150 | 9400| 120 |29 | 9400 2000 16! 750, 1260| 4860 


Eilvese 140 | 7400| 120 25 |9160 200° 10; 500 | 7030| 2840 


Die durch Gleichung (1) gegebenen Werte stimmen bei den 
kürzeren Entfernungen mit den Beobachtungsergebnissen recht gut über- 
ein. Bei den größeren Entfernungen sind die berechneten Werte so 
niedrig, daB sie die Schlußfolgerung Austins®) unterstützen, nach 


1) L. W. Austin, Experiments at the U. S. Naval Radio Station, Darien, 
Canal Zone, Proc. Inst. Rad. Eng. 4 (3), 1916; Jahrb. 11, 125, 1916. 

2) L. W. Austin, a. a. O. 

3) h, auf Grund von Beobachtungen mit kurzer Reichweite korrigiert 
und annähernd gleich der halben Höhe bis zum geometrischen Mittelpunkte 
gefunden. h, für andere Stationen zu 80 v. H. der Höhe bis zum geome- 
trischen Mittelpunkte angenommen. Wirksame Höhe des Luftleiters in 
Darien: 146 m. 

4) L. W. Austin, a.a. O. 


Mitteilungen aus der Praxis. 921 


welcher die Gleichung (1) den allerniedrigsten Wert der empfangenen 
Energiemenge darstellt, und nach welcher bei größeren Entfernungen 
diese Mengen durch Reflektion an den oberen Schichten verstärkt werden. 

Die Gleichung (3) liefert im Vergleich zu den Beobachtungs- 
ergebnissen unsinnig hohe Werte, und das mag möglicherweise von 
den verschiedenen Bauweisen und Handhabungsarten der Empfangs- 
apparate usw. bei der Ableitung dieser Formel berrühren. 

Die Gleichung (4) steht in engerer Übereinstimmung mit den 
beobachteten Werten für kurze Entfernungen als die Austinsche 
Formel. Bei den größeren Entfernungen sind indessen die Werte 
äußerst hoch. Diese Formel, wie sie von Eccles angegeben worden 
ist, nimmt für R einen Wert von 25 Ohm an. Bei diesen Berech- 
nungen wurde das Glied R in die Gleichung eingeführt, wodurch der 
Koeffizient 4,25 in 106,25 verändert wurde. 

Es muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß an verschiedenen 

Stellen die Gleichungen (3) bzw. (4) als „Fullersche Gleichung“ an- 
gegeben werden. Diese beiden Gleichungen stimmen keineswegs mit- 
einander überein, und ohne einen Abdruck der Fullerschen Original- 
arbeit!) würde man nicht entscheiden können, welcher dieser beiden 
wirklich die „Fullersche‘“ ist. 
Von den vier Gleichungen liefert Gleichung (2) die überein- 
stimmendsten Werte und kann im großen Ganzen als enge Annäherung 
angesehen werden. Man bemerkt, daß die nach Gleichung (2) berechnete 
Hörbarkeit zu Arlington mit dem beobachteten Werte gut in Einklang 
steht. Es liegt die Vermutung nahe, daß dies daher rühren mag, daß 
Gleichung (2) auf Grund von Daten abgeleitet worden ist, die an jener 
Station aufgenommen worden waren. 

Ich habe viele Hörbarkeitsversuche auf Schiffen und an Küsten- 
stationen vorgenommen, und wenn ich auch die gewonnenen Daten 
nicht veröffentlichen kann, so kann ich doch feststellen, daß sich die 
nach Gleichung (2) berechneten Werte als in guter Übereinstimmung 
mit den beobachteten Werten stehend herausgestellt haben. 

Eine einfache algebraische Lösung der Gleichung (2) nach den 
Werten ‚für l und d ist unmöglich, weil diese Größen linear und 
exponential auftreten. Zu dem Zwecke, die beobachteten Ergebnisse 
mit der Gleichung (2) zu vergleichen unter Vorausbestimmung von 
A, h, h, und I, für eine gegebene Reichweite und zur bequemen 
Auflösung der Gleichung nach d, habe ich eine Übersichtstafel ange- 


1) L. F. Fuller, a. a. O. 
Jahrb. d. drahtl. Telegraphie u, Telephonie. 12, 34 


522 Mitteilungen aus der Praxis. 


fertigt. Diese Tafel ähnelt jener für Funkensender, die mein Mitarbeiter, 
Herr H. G. Cordes, der Öffentlichkeit übergeben hat.!) 

Der Radiofrequenzwiderstand des normalen Empfangssystems be- 
trägt ungefähr 25 Ohm. Nehmen wir diesen Wert an und setzen 
wir Gleichung (1) in englischen Einheiten an, so erhalten wir: 


0,0877 d 
Berges pr (5) 
wo I, in Mikroampere, 
I, in Ampere, 
h, und h, in Fuß, 
A in Metern, 
d in Seemeilen 
gerechnet wird. 
Wenn wir Gleichung (5) algebraisch dividieren und logarithmisch 
schreiben, erhalten wir: 
I, À 0,0877 d 
810757 en Boh p I h, L7 ya 
In der Übersichtstafel ist eine Anzahl Kurven (die gestrichelten) 


log ——— logo € — 108,0: (6) 


für verschiedene Werte von I, mit den Ordinaten ShT und den Abszissen 
ı"% 
À 


8 
log- = zt log ———-—- ML 
gezeichnet. 

Für jede einzelne Wellenlänge aus einer Anzahl solcher sind weitere 
Kurven (die ausgezogenen) mit denselben Abszissen gezeichnet, die durch 
den Ausdruck 

_ 0,0877d 
yi 
mit d als Ordinaten wiedergegeben werden. 

Die I,-Kurven (die gestrichelten) sind nach den Hörbarkeiten be- 
zeichnet, und zwar wurde dabei das schwingende Audion als Detektor 
benutzt und die für die Hörbarkeit Eins erforderliche Energiemenge 
zu 1,28 x 101° Watt?) angenommen sowie die Hörbarkeit Eins als propor- 
tional I, vorausgesetzt. Die für die Hörbarkeit Eins bei 25 Ohm er- 
forderliche Stromstärke bei Verwendung des Ultraudions als Detektor 
ist daher 0,007 x10® Ampere. 


loge — logd 


1) Elektrical World 66 (23), 1915. 
2) L. F. Fuller, a. a. O. 


Mitteilungen aus der Praxis. = 528 


Fuller fand, daß die aufgenommene Energiemenge, die bei Ver- 
wendung eines kreisenden Tickers für die Einheit der Hörbarkeit er- 
forderlich ist, 3,2 x1071% Watt!), oder bei 25 Ohm 3,56 Xx 107° Am- 
pere beträgt. Da die Hörbarkeit sich beim Tickerdetektor proportional 
der Stromstärke ändert, kann man in der Übersichtstafel die Hörbar- 
keitskurven für diesen Detektor benutzen, wenn man die angegebene 
TE O X N 0002 minitiolideri 

3,58 x 107° ; 

Bei Verwendung eines anderen Detektors als des Ultraudions 
läßt sich der Wert der Kurven als Funktion von ZJ, leicht aus ihren 
durch die Hörbarkeit ausgedrückten Werten bestimmen. 

Um nach d aufzulösen, verfährt man bei einer gegebenen Sender- 
apparatur folgendermaßen: 

1. Man ermittelt EL, ; | 

2. Man legt diesen Wert auf der Ordinatenskala links fest und 
geht in horizontaler Richtung bis zum Schnittpunkt mit der ge- 
strichelten Kurve für die gewünschte Hörbarkeit. 

3. Von diesem Schnittpunkte aus geht man in vertikaler Richtung 
bis zur ausgezogenen Linie für die benutzte Wellenlänge. 


4. Von diesem letzteren Schnittpunkt aus geht man in horizontaler 
Richtung nach rechts und liest den verlangten Wert von d an der 
Ordinatenskala rechts ab. 


Soll der Wert von vorausbestimmt werden, der erforderlich 


1 2-8 
ist, um eine gegebene Reichweite zu beherschen, so verfährt man gerade 


umgekehrt wie bei der Bestimmung von d. 

Um den Wert von I, zu finden, wie er sich aus Gleichung (2) 
berechnet, geht man, wenn alle übrigen Faktoren bekannt sind, folgender- 
maßen zu Werke: 

1. Man legt auf der Ordinatenskala rechts d fest und geht in 
horizontalerRichtung nach links bis zur ausgezogenen Kurve für die benutzte 
Wellenlänge (Man verzeichnet die Abszisse dieses Schnittpunktes.) 

A 

2. Man ermittelt nh T, mi 

3. Man legt diesen Wert auf der Ordinatenskala links fest und 
geht von dort aus in horizontaler Richtung bis zu der bei 1. ver- 


1) L. W. Austin, a. a. O. 
34* 


524 Mitteilungen aus der Praxis. 


merkten Abszisse. Die Hörbarkeitskurve, auf welcher dieser letzte 
Schnittpunkt liegt, gibt die verlangte Hörbarkeit. Falls dieser letzte 
Schnittpunkt nicht genau auf einer der gezeichneten Hörbarkeitskurve 
liegt, ist es eine ganz einfache Sache zu interpolieren. Um die Hör- 
barkeit in Mikroampere über 25 Ohm anzugeben, multipliziert man 
mit 0,007. 

Bei Vorausbestimmungen benutze ich unter gewöhnlichen Ver- 
hältnissen einen Sicherheitsfaktor vom Zwölffachen der verlangten 
Mindesthörbarkeit. In Ausnahmefällen, etwa bei zwischenliegenden 
Bergen, bei kurzen Entfernungen, und bei Verwendung kurzer Wellen- 
längen würde ein Sicherheitsfaktor vom Sechzehnfachen der verlangten 
Hörbarkeit nicht zu hoch sein. 

Die Austin-Cohensche Formel!) für die Übermittelung bei Tages- 
licht für gedämpfte Sender, 


0,0015 d 
PERL 


ae Va (7) 


stimmt, wie sich herausgestellt hat, bei Wellenlängen bis zu 4000 m 

aufwärts und bei Entfernungen bis zu 2000 Seemeilen aufwärts da, wo 

die Sender genügend lose gekoppelt waren, um nur eine einzige Welle 

auszustrahlen, recht gut mit den beobachteten Ergebnissen überein. 
In englischen Einheiten ausgedrückt wird Gleichung (7): 


0,0577 d 
no nchhl me 


Durch Umformen und logarithmische Schreibweise erhält man: 


L 2 0,08774 
logoa + 108105 7,7, = — Om log, o e — log, o d. (9) 


Es ist zu bemerken, daß die rechte Seite der Gleichung (9) mit 
jener der Gleichung (6) identisch ist. Die ausgezogenen Kurven für 
die Wellenlängen in der Übersichtstafel sind daher für Sender mit 
gedämpften Wellen dieselben wie für solche mit ungedämpften. 

Wäre in der Übersichtstafel eine Schaar von Kurven mit den 


Ördinaten 


À i s 
n hT, und den Abszissen [10g 75, +108 TET gezeichnet, 
: so könnte man diese Tafel sowohl für Sender mit gedämpften Wellen 


verwenden als auch für solche mit ungedämpften. 


1) Bull. Bur. Stand. 7 (3), 1911; 11 (1), 1914. 


daa „Google 


Mitteilungen aus der Praxis. 525 


Herr Austin hat gefunden, daß eine Hörbarkeit gleich 16, oder 
28 x 1078 Ampere über 25 Ohm, eine gute Verständigung über 
atmosphärische und andere Störungen hinweg gewährleistet, wenn man 
den elektrolytischen oder den Perikon-Detektor benutzt. 

Um die Übersichtstafel auch für den Verkehr mit gedämpften 
Wellen verwendbar zu machen, habe ich die Kurve in Punkten und 
Strichen gezeichnet, bei der der Wert von I, zu 28X 107° Ampere 
- angenommen worden ist. 

Wenn ich auch zugebe, daß weniger eine Formel als eine Theorie 
für die Übermittelung verlangt wird, glaube ich doch, daß weitere 
Daten über die Übermittelung ungedämpfter Wellen nicht unerwünscht 
sein dürften, und deshalb unternehme ich diesen Versuch, zu einer 
Betätigung nach dieser Richtung hin den Anstoß zu geben. 


Zusammenfassung. 


Die Übermittelungsformeln von Sommerfeld, von Austin, von 
Fuller und von Eccles werden mit den verfügbaren Daten ver- 
glichen. Dabei gelangt Verf. zu dem Schluß, daß die Austinsche Formel 
mit der größten Annäherung richtig ist. Der Verfasser teilt eine Über- 
sichtstafel mit, mit deren Hilfe man, wenn von den sechs Größen: 
Wellenlänge, Höhe des Senderluftleiters, Höhe des Empfangsluftleiters, 
Übermittelungsstrecke, Senderstromstärke und empfangene Hörbarkeit, 
fünf beliebige gegeben sind, leicht die sechste erhalten kann. Zwar ist 
die Tafel vornehmlich für den Empfang ungedämpfter Wellen unter 
Verwendung des Ultraudions bestimmt, doch läßt sie sich, wie dar- 
getan wird, auch für andere Empfänger und für den Empfang ge- 
dämpfter Wellen benutzen. 

(Nach Proc. Inst. Radio Eng. 5 (1), Febr. 1917, S. 25—31, aus 
dem Englischen übersetzt von Max Ikle.) 

(Eingegangen 25. Mai 1917.) 


Adresse des Übersetzers: Dr. Max Ikle, Berlin-Zehlendorf (Wannsee- 
bahn), Milinowskistraße 31. 


526 Mitteilungen aus der Praxis. 


Konstruktive Bestimmung der Wellenlänge aus Kapazität 
und Selbstinduktion. 


Von Aage S. M. Sörensen. 


Bekanntlich bestimmt sich für einen Schwingungskreis mit Selbst- 
induktion L cm, Kapazität C cm, die Wellenlänge in cm aus der 
Gleichung 


= 2nYL-C. (1)- 


falls der ohmische Widerstand vernachlässigt werden kann. In einer 
früber im Jahrbuch!) erschienenen Arbeit, hat der Verf. diese Gleichung 
analytisch-stereometrisch behandelt, und hierdurch ein Verfahren zur 
graphischen Bestimmung der Wellenlänge aus Kapazität und Selbst- 
induktion abgeleitet. Die Gleichung stellt in einem dreidimensionalen 
Koordinatensystem eine Kegelfläche dar, unì zwar ist dieser Kegel 
elliptisch (schief cirkulär) Die Spitze liegt im Anfangspunkt, aber 
die Verbindungslinie zwischen Spitze und Zentrum eines Kreisschnittes 
ist nicht senkrecht zu der Ebene des Kreises. In der früheren 
Arbeit wurden verschiedene ebene Schnitte in dieser Kegelfläche be- 
handelt. So sind z. B. die Schnitte parallel zu AC- oder A L-Ebene 
die gewöhnlichen Wellenmesser-Eichkurven. Schnittebenen durch die 
A-Achse, senkrecht zur LC-Ebene wurde für das genannte graphische 
Verfahren verwendet, während Schnitte parallel zur LC-Ebene, welche 
die Hyperbeln 


L:C=—,=k | (2) 


geben, von Rein?) benutzt worden sind zur Herstellung einer Wellen- 
längekarte, indem die Hyperbeln in logarithmische Koordinaten nach 
der Gleichung 

log L + log C = log k 


durch Geraden dargestellt werden. In Fig. 1 ist die Fläche durch 
mehrere derartige Schnitte stereoskopisch dargestellt. 


1) Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie, Bd. 6, 1913, S. 429. 
2) H. Rein: Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie. 1917. Tafel 1. 
3) E. T. Z., 1917, Heft 38. 


Mitteilungen aus der Praxis. 527° 


In einer Abhandlung, die vor kurzem in der Elektrotechnischen 
Zeitschrift erschien), hat der Verf. auch Schnitte zwischen den Kegelflächen 
und Ebenen, die senkrecht zur ZC-Ebene sind, aber nicht durch die 
A-Achse gehen behandelt und dadurch ein Verfahren zur konstruktiven 
Bestimmung der Wellenlänge aus Kapazität und Selbstinduktion ab- 
geleitet, das im folgenden beschrieben werden soll. 


Fig. 1. 


Wir betrachten zunächst eine Schnittebene senkrecht zur LC-Ebene, 
die mit den A L- und A C-Ebenen Winkel von 45° bildet, also von 


der Gleichung 
L+C=K. (3) 


Die Schnitikurve ist eine Ellipse. Die eine Achse ist die Spurlinie RS 
in der LC-Ebene (Fig. 2) Hat der Mittelpunkt M die Koordinaten 


L=(C=a ist die Halbachse also =aY2, die andere Halbachse ist die 
A-Koordinate in M also 


=-/=2nYa-a=2na, 
so daß die Exzentrizität der Ellipse 


js aV2 _ 1 


2ru ayz 


. 598. Mitteilungen aus der Praxis. 


ist. Dreht man die Schnittebene um irgend eine senkrechte Gerade 
(+ der A-Achse), so erhält man Schnittellipsen von einer anderen Exzen- 
trizität. Für eine gewisse Stellung der Schnittebene wird die Exzen- 


A 


Fig. 2. 


trizität =1, die Kurve also ein Kreis In Fig. 3 sei RS die Spur- 
linie dieser Ebene. Die Schnittkurve ist um RS gedreht bis sie in 
der LC-Ebene liegt. Der Kreis hat den Halbmesser RS und geht 


Fig. 3. 


durch O. Hat man ein für allemal die Richtung von RS bestimmt, 
(also den Winkel œ) kann man durch eine leichte Konstruktion für jedes 
gegebene C und L die zugehörigen A bestimmen. Durch den Punkt P, 


Mitteilungen aus der Praxis. 529 


(Fig. 3) mit dem gegebenen L und C-Koordinaten zieht man R, S RS 
und P, N L R, Siin P, , zeichnet einen Halbkreis über R, S, (durch 
O gehend) der PR Niin M, schneidet. Dann ist PM =å. Der 
Winkel « läßt sich leicht aus der Fig. 3 bestimmen. Es ist nämlich: 


C = RPecos«e und L= PSsin« 


ferner 22? = RP-PS=4:7°:L:C 
also 
22 = RP: PS = 4n? . RPcosu» PSsin« = 2 a2. RP. PS: sin? « 


Da der Winkel zu klein ist, um mit ausreichender Genauigkeit 
gezeichnet werden zu können, eignet sich diese Konstruktion jedoch 
nicht für praktischen Gebrauch. Die zuerst betrachteten Schnitte, die 
Winkel von 45° mit den senk- 
rechten Bildplänen bilden (« = 45°) 
haben den Vorteil, daß die Spur- 
linie äußerst einfach bestimmt ist, 
wogegen in diesem Falle die ellip- 
tische Schnittkurve keine einfache 
Bestimmung des Ordinats erlaubt. 
Dieses wird aber erreicht, wenn 
man den Maßstab für 4A ändert. 
Setzen wir nämlich 


A=nYy2-Z=2nyYLC 


so wird 


Fig. 4. 


2? = 2LC. 


Diese Fläche ist ein Umdrehungskegel, und die Schnitte mit den 
Ebenen 
L+C=K 


sind Kreise. Nach Niederlegung des Kreisschnittes in die LC-Ebene 
erhält man die Fig. 4, worin die Bezeichnungen die gleiche Bedeutung 
haben wie in Fig. 3, bloß das PN jetzt nicht = A sondern 

4 


PN=z= — 
ny2 


530 Mitteilungen aus der Praxis, 


- ist, also 

à = n y2. PN 
und 

4 ORS = 45°; 


die Konstruktion bleibt sonst dieselbe wie oben beschrieben und in 


Fig. 3 dargestellt; und PN kann direkt als Maß für A benutzt werden, 
wenn man sich erst einen entsprechenden Maßstab konstruiert. Aus 
Fig. 4 läßt sich auch leicht ein plangeometrischer Beweis für die 
Richtigkeit der Konstruktion ableiten. 


Es ist nämlich 


PR=(CY2 und PS=Ly2 


und 
PN?=PR.PS 
also 
PN? = (y2:.L-V2=2CL 
oder 
2n?. P? =4n?.L-C=)} 
i. e. 


à = a y2- PN. g'e.d. 


Maßstabänderungen im Verhältnis nach ganzen Potenzen von 10 
sind auch leicht durchzuführen. 
Ist nämlich 
C=cx 10% 
L= x 10% 
so wird 
L= 2 aV ce. 10% .1- 10+? =2 g. 10+ Ve.l. 


d. h. das Diagramm bleibt unverändert bei Maßstabänderungen nach 
Potenzen von 10 im Verhältnis: 


n: (m+ 2p): (n+p). 


Die Fig. 5 zeigt eine Wellenlängekarte, bestehend aus mehreren 
niedergelegten Kreisschnitten, mit den zugehörigen Maßstäben. Für 


Mitteilungen aus der Praxis. 581 


praktische Zwecke zeichnet man die Karte auf Millimeterpapier. Die 
Spurlinie und die hierauf senkrechten Ordinaten, lassen sich dann ohne 


32H Ch aa AHHH SER ZANBSBRE 
NERBEER = HH- ERBERBERREBEBEE 
SE ee 
NII) TI TI TFT) 
HHRHH HHHH PENEEOAOSSER MINERARE 
N N 
NIITN IT TI HH 


| I II 1 1 | 
BENZRISEBERE if Ee tHL PENRNETENE 


u un 
NHAN HNHH BEEIEESERnE SuSE HERBEBZEEE 
N BEBREN SEE 
KERSEHENLERSKEEEEFEEREEF EP anan 
AINIIN TIIN ETSA e LT 


11 T 
HAAT SERSGESEEUnGE 


74 
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EE HN EHN HA A HN AHAA N IN 
TURNJEBX HH a a S emn 


A TTA Ir I YNDNA | 


A 
m 
| 
| 


Fig. 5. 


besondere Konstruktion längs der Diagonale des Koordinatennetzes ein- 
legen, so daß bloß die Kreise zu zeichnen sind. 
(Eingegangen 30. November 1917.) 


Adresse des Autors: Oberingenieur Aage S. M. Sörensen, 
Berlin-Lichterfelde, Marienstr. 12. 


532 Mitteilungen aus der Praxis. 


Über das Wesen und die Ausschaltung von Störungen‘. 


Eine auf Veranlassung der Niederländisch-Ostindischen Telegraphen- 
verwaltung unternommene Untersuchung. 


Von Cornelis J. De Groot. 


Inhaltsangabe. Naeh einer allgemeinen Erörterung der Vorzüge 
der drahtlosen Telegraphie und der Telegraphie mittels Unterseekabels 
werden einige Stationen des Niederländisch-Ostindischen Dienstes beschrieben. 
Alsdann geht der Verfasser auf eine Einteilung und Analyse der Störungen 
ein und beschreibt einige Verfahren zu ihrer Ausschaltung. Die täglichen 
Änderungen der Störungen und ihre Änderungen mit der Jahreszeit werden 
ausführlich beschrieben, und es wird dargetan, daß diese die Ecelessche 
Theorie tropischer Gewitter als Ursprung aller Störungen nicht stützen. 


Vergleichung zwischen drahtlosem und Kabelverkehr in den Tropen. 


Eine der störendsten Erscheinungen, denen man beim drahtlosen 
Verkehr auf große Entfernungen begegnet, wo die Signale für gewöhnlich 
schwach sind, und wo ihre Stärke veränderlich ist, bilden die atmos- 
phärischen Störungen. Diese beeinträchtigen den drahtlosen Verkehr 
während des Sommers in gemäßigtem Klima ernstlich. Ihre Größe 
wächst in den Tropen in überwältigendem Maße, besonders in jener 
Jahreszeit, wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht, und dann 
ist es für den Radioingenieur eine überaus schwierige Aufgabe, den 
Verkehr herzustellen und aufrecht zu erhalten. Besonders ungünstig 
ist unter solchen Verhältnissen der Vergleich zwischen den Kosten der 
Unterhaltung und der Zuverlässigkeit des drahtlosen Verkehrs einerseits 
und jener mittels Unterseekabels andererseits. 

Die Niederländisch-Ostindische Telegraphenverwaltung hat bereit- 
willig die schwierige Aufgabe auf sich genommen, den drahtlosen 
Verkehr auf regelmäßiger Grundlage in einem tropischen Klima ein- 
zurichten. Besondere Umstände schrieben die Wahl des drahtlosen 
Betriebes vor, wobei die Ausführbarkeit eines solchen Verkehrs selbst 
unter so ungünstigen Verhältnissen angenommen wurde, wie sie in 
den Tropen vorliegen. 

Diese Umstände sind die folgenden: 

a) Der Ostindische Archipel besteht aus einer großen Anzahl von 
Inseln, die durch Meerengen und Meere von gewaltiger Tiefe von ein- 


1) Auszug aus einer im Institute of Radio Engineers, New York, vor- 
getragenen Arbeit. 


Mitteilungen aus der Praxis. 533 


ander getrennt sind, wobei Tiefen von 3600 m ganz gewöhnlich sind. 
In dieser Gegend sind Erdbeben und ähnliche Störungen des Meeres- 
bodens häufig, und die Küstenlinie steigt steil an. Solche Verhältnisse sind 
für das Arbeiten mit Unterseekabeln nicht günstig, denn sie machen 
Ausbesserungen in so großen Tiefen schwierig und zuweilen unmöglich, 
Die große Ausdehnung des Archipels, die in der Länge nahezu 5000 km 
beträgt, würde es erforderlich machen, zwei Kabeldampfer mindestens 
jederzeit in Bereitschaft zu halten, und die große Häufigkeit von Erd- 
beben und Meeresstörungen ähnlichen Charakters würde häufige Brüche 
zur Folge haben. l 

b) Drahtlose Stationen bieten überdies den Vorteil, den Verkehr 
mit Schiffen auf See zu unterhalten. 

c) Ein weiterer Grund dafür, an das Unternehmen heranzutreten, 
einen zuverlässigen drahtiosen Dienst in diesem Tropengebiet einzu- 
richten, lag in der anscheinenden Geringfügigkeit des Risikos, wenigstens 
zu Beginn des Unternehmens. Die Telefunkengesellschaft in Berlin 
ging mit der Niederländischen Regierung einen Vertrag über die Er- 
richtung der Stationenkette ein, und zu der Zeit, da dieser Vertrag 
geschlossen wurde, kannte man auf Grund langjähriger Erfahrung die 
Kosten für die Einrichtung, die Unterhaltung und die Ausbesserung 
von Unterseekabeln. Der Vergleich zwischen dem drahtlosen und dem 
Kabelverkehr erschien recht günstig und ein Wettbewerb zwischen 
beiden nicht unmöglich. Die Stationen haben sich durch den strate- 
gischen Wert, den sie, wie sich im Verlaufe des gegenwärtigen Krieges 
gezeigt hat, besitzen, reichlich bezahlt gemacht. 

Andererseits war die Notwendigkeit, diese Stationen so zu ver- 
größern, daß sie das Sechs- bis Achtfache ihrer gegenwärtigen Energie- 
menge ausstrahlen, der finanziellen Vergleichung zwischen drahtlosem 
und Kabelverkehr durchaus ungünstig und für den drahtlosen Dienst 
nachteilig. 

Trotzdem bin ich überzeugt, daß bei Verwendung neuzeitlicher 
drahtloser Apparate, und wenn die Freiheit besteht. unabhängig von 
den Wünschen des Unternehmers geeignete Örtlichkeiten zu wählen, 
der drahtlose Verkehr jenem mittels Unterseekabels unter gewissen 
bestimmten Bedingungen stets vorzuziehen sein wird. 


Die Arbeitsbedingungen in den Tropen. 


Die systematische Untersuchung über die Ausbreitung der aus- 
gestrahlten Energie und das Wesen der Störungen ist für den Wissen- 
schaftler von großem Interesse. In der vorliegenden Veröffentlichung 


534 Mitteilungen aus der Praxis. 


wird nur jener Teil dieser Arbeit zusammengefaßt, der sich unmittelbar 
mit den Störungen beschäftigt. Die geographische Lage der Stationen 
ist folgende: 

Es handelt sich um die Stationen Landangan 7° 40’ südlicher 
Breite und 114° östlicher Länge im östlichen Teile der Hauptinsel 
und um zwei weitere Stationen in Oiba und Noesanive, die nur Re- 
gierungssitze zweiten Ranges sind. Die ausführende Firma hatte es 
übernommen, einen dauernden Verkehr zwischen Landangan und Oiba, 
1090 km, und von Oiba nach Noesanive, 890 km, herzustellen. Die 
Versuche wurden aber in der Richtung erweitert, daß sie auch 
den nicht garantierten unmittelbaren Verkehr zwischen Landangan und 
Noesanive, 1620 km, umfaßten. 

Alle drei Stationen waren nach demselben Plan gebaut und hatten 
dieselbe Leistung; und zwar wurde die tönende Löschfunkenanlage der 
Telefunken-Gesellschaft benutzt nach dem sog. Normaltyp 5 T. K. (d. h. 
mit 5 Kw im Luftleiter. Der primäre Antrieb erfolgte durch eine 
Gasolinmaschine, System Deutz, von 28 HP, die mittels komprimierter 
Luft angelassen wurde und durch Riemenübertragung einen Generator 
und Erreger von 10 Kw und 5000 Touren antrieb. Der Generator 
speiste den Umformer von 220 auf 12500 Volt mit geschlossenem 
Kern, und dieser lud eine Gruppe Leidener Flaschen auf. Letztere 
entluden sich nahezu 1000 mal in der Sekunde durch eine luftgekühlte 
Wiensche Funkenstrecke mit Silberoberfläche, die sich aus 14 hinter- 
einandergeschalteten Strecken zusammensetzte. Da das Generatorsystem 
in der Nähe der Resonaz betrieben wird, entsteht im Empfangssystem 
ein hoher Ton. 

Der Luftleiter und die geschlossenen Schwingungskreise waren 
eng und unmittelbar gekoppelt, und es konnte leicht jede der vier 
zuvor bestimmten Wellenlängen ausgestrahlt werden. Diese Wellen- 
längen betrugen 600 m für den Verkehr zwischen Schiffen und der 
Küste sowie 1200, 1600 und 2300 m für den Verkehr auf große 
Entfernungen. Es stellte sich heraus, daß die Wellenlänge von 1600 m 
für den unmittelbaren Verkehr zwischen den drei Hauptstationen, 
_ namentlich zur Tageszeit, die wünschenswerteste war. Bei Nacht war 
die Wellenlänge von 600 m, die bei Tage nicht wünschenswert war, 
annähernd ebensogut wie die Wellenlänge von 1600 m. 

Nach Vorversuchen mit Wellenlängen bis hinauf zu 3500 m ent- 
schieden sich die Unternehmer dafür, die Wellenlänge von 1600 m 
als Betriebswellenlänge bei Tage und bei Nacht zu nehmen. 

Die längeren Wellen wurden von einer vierdrähtigen Schirm- 


Mitteilungen aus der Praxis. 535 


antenne, oder vielmehr von einer X-fürmigen Antenne, mit einer Gegen- 
erde aus 12 kupferplatierten Stabldrühten ausgestrahlt. 


Sowohl die Luftleiter wie das Gegengewicht (das auf die durch- 
schnittliche Höhe von 60 m gehoben wurde) wurden von einem in 
der Mitte angeordneten stählernen Gitterturm von 85 m Höhe getragen. 
In zwei von den drei Stationen waren die Masten und Türme von 
einander und von der Erde durch Glasplattenisolatoren isoliert, aber 
in der Station Noesanive machten häufige Erdbeben es notwendig. 
diese Bauart zu vermeiden, und hier wurden der Turm und die Masten 
alle unmittelbar miteinander verbunden. Der Flächenraum aller 
Stationen betrug 220 bei 440 m, und der Turm stand im Mittelpunkte 
der rechteckigen Fläche. Vier weitere nur 16 m hohe Masten waren 
in den Ecken vorgesehen, um das Halten der vier Luftleiterdrähte zu 
ermöglichen. Diese vier Masten trugen auch acht von den Drähten 
des Gegengewichtes. Vier 7 m hohe Stangen trugen die übrigen vier 
Drähte des Gegengewichtes. Die Grundwellenlänge des großen Luft- 
leiters beträgt ungefähr 1100 m, und seine Kapazität bei 1600 m 
Wellenlänge war ungefähr 0.00266 Mf. Die entsprechenden Zahlen 
für die kleineren Luftleiter waren 450 m für die Grundwellenlänge 
und 0,00156 Mf für die Kapazität. Es wurde im Luftleiter eine 
Leistung von ungefähr 4 Kw für die Wellenlänge 600 m und von 
5 bis 7 Kw für die größeren Wellenlängen gemessen. 


Für den Empfang war die normale Empfangsanordnung der Tele- 
funken-Gesellschaft mit Kristalldetektor rorgesehen. Sie besteht aus 
einem abstimmbaren Luftleiterkreis und einem mit diesem magnetisch 
und eng gekoppelten aperiodischen Sekundärsystem. Das Sekundär- 
system enthielt den Kristallgleichrichter und das Telephon. Die in 
der Praxis angewandte Koppelung ergab das lauteste Ansprechen des 
Telephons, d.h. die Koppelung war die sog. „ökonomischste“, bei welcher 
die Hälfte der Luftleiterenergie in nutzbare Energie im Detektor um- 
gewandelt wird. Somit wird die höchstmögliche Energieumwandlung 
erreicht. 

Dieses Verfahren liefert zwar die größte Signalstärke und daher 
die größte Reichweite für die Übermittelung, sie ist aber von zweifel- 
haften Wert, wenn die Ausschaltung störender Signale oder atmos- 
phärischer Störungen in Betracht kommt, da die Dämpfung des Luft- 
leiters gegenüber jener des unbelasteten Luftleiters verdoppelt wird. 
Die Selektivität wird daher verringert, und der Detektorkreis ist zu 
eng mit dem Luftleiterkreise gekoppelt und nimmt die übertragenen 


536 Mitteilungen aus der Praxis. 


und erzwungenen Schwingungen, wie die Störungen im Luftleiter, auf, 
oder spricht auf sie an. 

Was das Geben anlangt, so erwies sich der große Luftleiter mit 
Gegengewichtserde für alle vier Wellenlängen als das Günstigste. 
Für den Empfang dagegen erhielt man die besten Ergebnisse bei 
Verwendung einer leitenden Erde, und zwar betrug der relative 
Vorteil beim Empfang nicht weniger als 50°, im Vergleich zur 
Gegengewichtserde. 

Die Detektoren waren solche mit Siliziumkristallen, und es wurden 
keinerlei Vorsichtsmaßregeln zur Vermeidung der in diesem Teile der 
Erde herrschenden gewaltigen Störungen getroffen. 

Außer den zwischen den drei bereits erwähnten Stationen ange- 
stellten Versuchen wurden noch einige Versuche mit der Station in 
Aer-Melek (von derselben Bauart wie die drei vorgenannten Stationen, 
aber nur mit der halben Leistung), mit Kriegsschiffen und mit einer 
kleinen altmodischen Station auf Batavia ausgeführt. 


Einteilung und Ausschaltung der Störungen. 


Wie in der Praxis der drahtlosen Telegraphie allgemein bekannt, 
erzeugen diese Störungen im Telephon des Telegraphisten ein zischendes, 
knackendes oder rasselndes Geräusch und rühren nicht von anderen 
Stationen oder elektrischen Kraftanlagen in der Nachbarschaft her, 
sondern werden durch den Äther fortgepflanzt und daher in derselben 
Weise aufgenommen wie die an anderen Punkten entstehenden Signale, 
Der Ursprung der Störungen ist in vielen Fällen vollkommen klar 
erkennbar, in anderen Fällen aber kaum nachweisbar. Im allgemeinen 
sind Störungen am schlimmsten zur Nachtzeit und in den Tropen, 
und ihre Stärke und ihr Charakter sind eine Funktion der Tages- und 
der Jahreszeit. Am meisten wird man durch Störungen während 
jener Monate belästigt, in denen die Sonnenhöhe am größten ist, und 
infolgedessen treten die Perioden mangelhafter Nachrichtenübermittelung 
nicht auf der ganzen Erde gleichzeitig auf. In den Tropen ist die 
ungünstigste Zeit die des Westmonsuns oder Passatwindes, die etwas 
später ist als jene der größten Sonnenhöhe. Die Perioden des Störungs- 
maximums fallen zusammen mit jenen ausgesprochenen Schwächerwerdens 
und ausgesprochener Abnahme der Signalstärke bei Tage. An einigen 
der Empfangsstationen geht diese Abnahme soweit, daß die Signale 
unhörbar werden. Indessen waren die nächtlichen Störungen nicht 
viel schlimmer als die während des Nachmittags auftretenden, und bei 
den benutzten Wellenlängen stiegen die nächtlichen Signale in dieser 


Mitteilungen aus der Praxis. 537 


Gegend der Erde auf eine Hörbarkeit von mindestens 1000 und wurden 
somit mehr als dreißigmal so stark wie die besten Signale bei Tage. 
Infolgedessen war es möglich, die verzögerten Nachrichten bei Nacht 
durchzugeben, indem man mit sehr geringen Geschwindigkeiten arbeitete 
und die Nachrichten mitunter bis zu sechsmal wiederholte. Auf diese 
Weise wurde unter außerordentlicher Belastung der Teiegraphisten 
keine Nachricht um mehr als 48 Stunden verzögert. Wie ersichtlich 
sein wird, darf man, wenigstens bei den bestehenden Stationen, einen 
Verkehr von einer Zuverlässigkeit desselben Grades, wie sie bei den 
Unterseekabeln vorhanden ist, nicht erwarten. Immerhin arbeiteten 
die Stationen während der günstigen Jahreszeit zufriedenstellend, und 
ınan konnte während eben dieser Jahreszeit mit derselben Zuverlässigkeit 
und derselben Geschwindigkeit rechnen wie bei Unterseekabeln. 
Während der ungünstigsten Zeiten war für eine ausreichende 
Verständigung ein sechs- bis achtmal so großer Energieaufwand er- 
forderlich wie in der günstigen Jahreszeit. Selbst bei Anwendung 
dieser gesteigerten Energiemenge gab es täglıch ein paar Stunden, 
während derer der Betrieb eingestellt werden mnBte, weil es unmöglich 
war, die allerschlimmsten Störungen und Gewitter auszuschalten. Die 
Beobachtungen wurden so angestellt, daß sich eine Einteilung der 
Störungen nach folgenden Gesichtspunkten ergab: a) nach der Größe 
der Unzuträglichkeiten, zu denen sie führten, und nach dem Maße, 
indem sie den Verkehr beeinträchtigten (hauptsächlich im Hinblick auf 
Lautstärke und Häufigkeit der Wiederkehr); b) nach der scheinbaren 
Verschiedenheit ihrer Beschaffenheit oder ihrer elektrischen Merkmale, 
so daß danach eine Bestimmung ihres Ursprungs ermöglicht wurde; 
c) danach wurden eingehende Versuche eingeführt, um die einzelnen 
Klassen wie sie unter (b) genannt sind, von einander zu scheiden. 


A) Einteilung der Störungen nach der Lautstärke und nach der 
Häufigkeit ihrer Wiederholung. 


Die hier in Frage kommenden Größen wurden von den Tele- 
graphisten in der Regel zweimal stündlich im Einklang mit einer 
weiter unten angegebenen Skala der Werte schätzungsweise ermittelt. 
Gleichzeitig wurden die Bewölkung in der Umgebung der Station, die 
Temperatur, der Feuchtigkeitsgrad, der Luftdruck, die Windrichtung 
und die Windstärke festgestellt. Die Skala der Werte ist eine Skala 
für den praktischen Verkehr und soll im Hinblick auf die tatsächlichen 
Betriebsverhältnisse dienen. Die Skala lautet folgendermaßen: 

Jahrb. d. draht]. Telegraphie u. Telephonie. 12. 35 


538 Mitteilungen aus der Praxis, 


0. Keine Störung. — (Dieser Fall trat niemals ein.) 

1. Schwache Störungen. — Die Stärke dieser Störungen war so 
groß, daß sie einer Lautstärke bei 100 Ohm Nebenschluß zu einem 
Telephon von 1000 Ohm Widerstand entsprach. Eine solche Hörbar- 
keit wird gewöhnlich als eine „zehnfache Hörbarkeit“ bezeichnet. Ein 
Signal von dieser Lautstärke werden wir fortan als ein 
Normalsignal bezeichnen. 

2. Mittlere Störungen. — Solche Störungen waren zwar beim 
Empfang des Normalsignals bis zu einem gewissen Grade lästig, ge- 
statteten aber immerhin noch den Verkehr. 

8. Starke Störungen. — Solche Störungen waren zwar lästig, 
unterbanden aber den Verkehr nicht gänzlich. 

4. Heftige (oder sehr heftige) Störungen. — Solche Störungen 
machten den Verkehr mit dem Normalsignal ganz unmöglich, ge- 
statteten aber das Arbeiten mit sehr starken Signalen (mit einer Hör- 
barkeit zwischen 500 und 1000). 

5. Überwältigende Störungen und Gewitter. — Derartige Störungen 
machten natürlich einen Verkehr ganz unmöglich, wurden aber fast 
niemals wahrgenommen. 

Die folgenden Signalstärken sind wünschenswert, wenn man 1000 
Funken in der Sekunde im Sender und eine gewöhnliche Übermittelungs- 
geschwindigkeit von 12 Wörtern in der Minute anwendet: 

Klasse 1: Signale von 10Ofacher Hörbarkeit (100 Ohm parallel zu 
einem Telephon von 1000 Ohm); 

Klasse 2: Signale von 20- bis 30facher Hörbarkeit; 

Klasse 3: Signale von 60facher Hörbarkeit; 

Klasse 4: Signale von 250- bis 500facher Hörbarkeit. 

Neben der angegebenen Einteilung der Störungen nach den Stärke- 
graden 0 bis 5 wurden diese atmosphärischen Störungen von Zeit zu 
Zeit (wenn sie sehr laut waren) mittels eines Kelvinschen Heber- 
schreibers, wie man ihn bei der Telegraphie mit Unterseekabel benutzt, 
auf ein laufendes Papierband aufgezeichnet. Bei der Betrachtung dieses 
Papierbandes ergibt sich klar, daß im Jahresdurchschnitt nachmittags 
die atmosphärischen Störungen Anlaß zur Entstehung elektromotorischer 
Kräfte von mehreren Volt im Detektor geben. 

Störungen der ärgsten vorkommenden Gruppe (also solche, die in 
die Klassen 4—4,5 fallen würden) zwangen den Schreibheber, vom 
Papierstreifen abzuweichen und müssen im Detektor gleichgerich- 
tete Ströme von der Größenordnung von etwa 3000 Mikroamp. er- 
zeugt haben. 


Mitteilungen aus der Praxis. 539 


Angesichts der Tatsache, daB das Normalsignal von zehnfacher 
Hörbarkeit in der Registrierspule nur 0,15 Mikroamp. hervorbrachte, 
und daß ein Signal von 500facher Hörbarkeit (wie es fast bei allen 
Störungen empfangen werden konnte) nur 7 Mikroamp. erzeugte, ist 
es geradezu erstaunlich, daß sich die Signale durch die Störungen 
hindurch so leicht aufnehmen lassen, wie es der Fall ist. Die Über- 
legenheit musikalischer Signale liegt auf der Hand, denn solche lassen 
sich aus Geräuschen herausschälen, die in den Spulen des Schreib- 
apparates oder im Telephonempfänger Gleichströme erzeugen, deren 
Stärke 400- bis 500 mal so groß ist wie jene des dem eigentlichen 
Signal entsprechenden. 

Diese sehr starken atmosphärischen Störungen haben zur Folge, 
daß manche Wörter verloren gehen. Es ist indessen klar, daß ein 
Signal, welches durch alle Störungen hindurchdringt und eine 500-fache 
Hörbarkeit besitzt, auf dem Papierstreifen einen Ausschlag von nur 
0,02 mm ergibt und daher nicht wahrnehmbar ist. Andererseits stellten 
dauernde knackende atmosphärische Störungen geringer Amplitude, die 
zu keinerlei Ausfall von Signalen führten, noch Störungen dar, die 
20mal so stark wie Signale von 500facher Hörbarkeit oder noch 
stärker waren. Hieraus ergibt sich abermals klar die Überlegenheit 
musikalischer Signale. 


B) Einteilung der Störungen nach ihrer elektrischen Natur und 
ihrem Ursprung. 


Die Stärke der Störungen und die Häufigkeit ihrer Wiederkehr 
waren die wichtigsten Faktoren vom Standpunkte des Technikers aus, 
denn sie bestimmten die im Empfänger erforderliche Signalstärke und 
somit den Energieaufwand an der Senderstation. 

Der Ursprung der Störungen und die Art ihrer Fortpflanzung 
sind von höchstem wissenschaftlichem Wert, wenngleich ihre Kenntnis 
auch dem Techniker die Herstellung von Verbesserungen zur Unschäd- 
lichmachung der Störungen erleichtert, die somit auch die Aufrecht- 
erhaltung des Betriebes mit geringerem Energiesufwand in den Stationen 
gestatten. Um diese notwendige Kenntnis zu erlangen, wurden die 
Telegraphisten beauftragt, die typischen Eigenschaften der empfangenen 
Störungen zu verzeichnen, damit eine mögliche Einteilung dieser nach 
ihrem Ursprung in Betracht gezogen werden könne. Es wurden drei 
verschiedene Arten atmospärischer Störungen verzeichnet: 

Erste Art: Lautes und plötzliches Knacken, das in mehr oder 


minder weit auseinanderliegenden Gruppen auftritt. Wenn solche 
35* 


540 Mitteilungen aus der Praxis. 


Störungen nicht mit anderen untermischt sind, beeinträchtigen sıe den 
Verkehr nicht ernstlich. Im allgemeinen haben sie zur Folge, daß 
ein einzelnes Wort in einer Nachricht bei jeder der weit auseinander- 
liegenden Gruppen verloren geht, und es stellte sich heraus, daß sie 
ihre Ursache in nahen oder entfernten Blitzschlägen haben. 

Zweite Art: Ein beständiges Zischen im Telephonempfänger, das 
den Eindruck eines sanft fallenden Regens oder des Geräusches durch 
Röhren fließenden Wassers macht. Störungen dieser Art treten nur 
gelegentlich auf, wenn sich in der Nähe des Empfangsluftleiters dunkle, 
tiefhängende elektrisch geladene Wolken befinden. 

Das zischende Geräusch im Telephon sowie der Umstand, daß der 
mit dem Galvanometer in Reihe liegende Kondensator den Ausschlag 
veränderte, aber ihn nicht aufhielt, sind ein Beweis dafür, daß nicht 
gewöhnliche Gleichströme vorlagen, sondern in einer Richtung ver- 
laufende Impulse. Der gewöhnliche Verlauf der Dinge bei Störungen 
dieser Art war folgender: Das Galvanometer zeigte etwa eine Viertel- 
stunde lang einen erhöhten Ausschlag und erreichte einen Höchstwert 
bei einer Effektivstromstärke von etwa 0.3 Milliamp. Danach nahm 
der Ausschlag während einer weiteren Viertelstunde ab, und die Stö- 
rungen wurden wieder normal. 

Zur gleichen Zeit zeigten ankommende Signale das entgegengesetzte 
Streben, schwächer und schwächer zu werden, und begannen nach einer 
Viertelstunde zuzunehmen, bis am Ende der Störung die normale 
Signalstärke wieder erreicht wurde. 

Man hat das ‚Schwächerwerden der Signale auf die Änderung der 
Konstanten des Luftleiters durch die vorüberziehenden Wolken zurück- 
geführt, sowie auch auf die Änderung der Signalstärke infolge einer 
Überlastung des Detektors. 

Da Störungen dieser Art ziemlich selten sind und nur kurze Zeit 
andauern, beeinträchtigen sie den Verkehr nicht ernstlich und bieten 
mehr wissenschaftliches als technisches Interesse. Diese Störungen 
können von einem physischen Kontakt des Luftleiters mit geladenen 
Teilchen oder von einer unsichtbaren Büschelentladung des Luftleiters 
zu den tiefhängenden und stark geladenen Wolken hin herrühren. 
Der Umstand, daß der induzierte Strom im Luftleiter synchron mit 
dem Kommen und Gehen der Wolken zu- und abnimmt, läßt auf die 
Richtigkeit der letzterwähnten Lösung schließen. 

Dritte Art: Die Störungen dieser Art verursachen ein anhaltendes 
Jasselgeräusch im Telephon, das zuweilen dem Abbröckeln von Mauer- 
werk ähnelt. Derartige Störungen sind immer vorhanden. Ihre 


Mitteilungen aus der Praxis. 541 


Stärke ist eine Funktion der Jahreszeit, und sie sind am lästigsten 
nachmittags und nachts. 

Da diese Störungen ihrem Wesen nach andauernd sind, sind sie 
am schwierigsten zu behandeln; tatsächlich unterbinden sie denn auch 
häufig den Verkehr vollständig. 

Die Störungen der ersten und der dritten Art beeinflussen die 
Lautstärke der Signale keineswegs in merklichem Maße, wie es bei 
denen der zweiten Art der Fall ist. Die Signale werden nur durch 
die überwiegende Lautstärke der Störungen geradezu überwältigt. So- 
weit diese Störungen in Europa bekannt waren, hat man sie zumeist 
auf entfernte Tropenzewitter zurückgeführt. Auf dieser Annahme be- 
rubt die bekannte Theorie von Eccles. Andererseits hat Herr Dieck- 
mann gezeigt, daß andere Störungen möglicherweise durch plötzliche 
Änderungen in der Potentialverteilung in nahe der Erde gelegenen 
Luftschichten hervorgerufen werden können. 


C) Versuche, die Störungen der verschiedenen Arten voneinander 
zu trennen. 


Die Hilfsmittel zur Untersuchung in dieser Richtung hat Dieck- 
mann selbst dadurch angegeben, daß er die Anwendung eines aperio- 
dischen Schutzkäfigs rings um den Luftleiter empfohlen hat. Ein solcher 
Küfig gestattet bei richtiger Bauart Signalen und periodischen Stö- 
rungen wie denen der ersten Art den Durchgang und die Erreichung 
des Luftleiters, und sie werden dann fast ungeschwächt empfangen. 
Dagegen werden aperiodische Änderungen des statischen Feldes um die 
Erde und andere aperiodische Störungen den Detektor nicht erreichen, 
da der Luftleiter durch den Dieckmannschen Käfig gegen das Erd- 
feld geschützt ist. 

Da sich ein solcher Käfig nicht leicht um einen ausgedehnten 
Luftleiter bauen läßt, wurde zu diesem Zweck ein besonderer Luft- 
leiter gebaut. Dieser bestand aus 1,5 mm starkem Phosphorbronze- 
draht und war von einem vertikalen Käfig umgeben. Die Lünge des 
Drahtes wie des Käfigs betrug 30 m. 

Da der zu untersuchende Luftleiter von einem Maste getragen 
wurde, an welchem auch andere Luftleiter hingen, mußten diese letz- 
teren Luftleiter und alle übrigen Teile der Masten und Stangen, die 
in elektrische Schwingungen versetzt werden könnten, durch hohe 
Widerstände hindurch geerdet werden. Diese Vorsichtsmaßregel ist 
für ein wirksames Arbeiten des Käfigs sehr notwendig; andernfalls 
würden nümlich aperiodische Störungen die oben genannten Systeme 


542 Mitteilungen aus der Praxis. 


durch Stoßerregung zu Schwingungen mit ihrer Eigenschwingungszahl 
anregen. Die Stärke der empfangenen Signale war bei Anwendung des 
Dieckmannschen Käfigs nicht merklich verringert. Andererseits 
wurden nachts nach nachmittags niedergegangenen Gewittern und Regen- 
fällen Rasselgeräusche, die noch hörbar waren, solange der Käfig und 
die benachbarten Oszillatoren isoliert waren, vollständig abgeschnitten, 
sobald alle diese Leiter aperiodisch geerdet wurden. Hierdurch wurde 
bewiesen, daß diese besondere Art der Störungen (Störungen der dritten 
Art) nicht periodischer Natur waren, sondern der von Dieckmann ge- 
fundenen aperiodischen Art angehören müssen. Die einzige Art von 


Fig. 1. 
Ausgleichung periodischer Störungen bei Audionfrequenzen. 


Störungen, die durch den Käfig nicht abgeschnitten wurden, scheinen 
die der ersten Art, d. h. die Blitzstörungen, zu sein. Diese Störungen 
der ersten Art besitzen keineswegs die Allgemeinheit, die Eccles ihnen 
zugeschrieben hat. Die wichtigste und hauptsächliche Art der 
Störungen bilden die Störungen der dritten Art. 

Der Verfasser geht nunmehr dazu über, weiteres Material zu- 
gunsten der Auffassung anzuführen, daß die von Blitzen herrührenden 
Störungen nicht, wie Eccles angenommen hat, die allgemeinste Art 
der Störungen bilden, und daß die Verschiedenheit zwischen den bei 
Tage und den bei Nacht auftretenden Störungen nicht auf Unter- 
schieden in der Absorption zwischen dem Gewitterzentrum und der 
Empfangsstation beruht. 

Alsdann beschreibt der Verfasser verschiedene Vorrichtungen zur 
Ausschaltung solcher Störungen, darunter ein Verfahren, bei welchem 
der ausbalancierte Kristallempfänger uach Marconi zur Anwendung 
gelangt. 

Eine Anordnung zur Ausmerzung von Störungen ist in Fig. 1 an- 
gegeben. Zwei Empfangsluftleiter, L, und L,, von derselben Gestalt 


Mitteilungen aus der Praxis. 543 


und denselben Abmessungen wurden genügend nahe beieinander (10 bis 
20 m auseinander) aufgestellt, um in derselben Weise auf Störungen 
anzusprechen. (Für die aperiodischen Störungen konnte man diesen 
Abstand leicht vergrößern, aber für periodische Störungen muß die 
Trennungsstrecke klein im Vergleich zur Wellenlänge der Störungen 
sein, damit die induzierten EMK. miteinander in Phase kommen.) 
Andererseits müssen die Luftleiter hinreichend weit voneinander auf- 
gestellt werden. so daß die in dem einen, aperiodisch gemachten (ZL,), 
erregten Signale in dem abgestimmten Luftleiter (Z,) keine Ströme 
hervorrufen. 

Der eine der beiden Luftleiter (Z, ı ist auf das ankommende Signal 
abgestimmt und in der gewöhnlichen Weise mit dem Detektorkreise D, 
gekoppelt. Der Detektor D, richtet sowohl Signale als auch Störungen 
gleich und sendet den gleichgerichteten Strom in das Telephon oder — 
wie im Falle der Zeichnung — in den Differentialumformer 7,. Der 
Luftleiter L, wird auf dieselbe, oder besser noch auf eine größere 
Wellenlänge abgestimmt und wird dadurch unempfindlicher für die 
Signale und empfindlicher für die langwelligen Störungen. Der Detek- 
tor D, wird unmittelbar in diesen Luftleiter eingeschaltet und macht 
ihn dadurch ganz oder nahezu aperiodisch. Diese Anordnung macht 
es fast unmöglich, irgendwelche fernen Signale an dem Luftleiter L, 
zu empfangen; aber laute Signale mit Wellenlängen, die von jenen 
verschieden sind, auf die L, abgestimmt ist, sowie Störungen, lassen 
ihn nahezu so laut ansprechen, wie dies mit dem angestimmten Luft- 
leiter L, erreichbar ist. 

Der gleichgerichtete Strom wird in das vorerwähnte Telephon 
oder, wie in dem in der Zeichnung wiedergegebenen Falle, in den 
Differentialumformer T. geleitet. Dieser zweite aus dem aperiodischen 
Luftleiter L, fließende Strom ist indessen so angeordnet, daß er in 
entgegengesetzter Richtung wirkt wie der aus D, kommende. Das 
Telephon T ist entweder in Reihe mit D, und D, geschaltet oder, 
wie in der Zeichnung, in eine dritte Wicklung des Differential- 
umformers und in eine Reihe mit dem Kondensator C gelegt, um eine 
Abstimmung auf die Funkenfreqyuenz zu ermöglichen. Da D, auf ferne 
Signale nicht anspricht, hört man im Telephon nur die von D, kom- 
menden Signale, während die von D, und D, gleichgerichteten Stö- 
rungen sich gegenseitig auszugleichen streben. Durch Änderung der 
Koppelung K, kann man diese Ausgleichung zu einer vollständigen 
machen. 

Diese Vorrichtung gestattet eine vollkommene Ausgleichung von 


544 Mitteilungen aus der Praxis. 


Störungen verschiedener Lautstärke nur dann, wenn die beiden De- 
tektoren D, und D, ühnliche Charakteristiken haben. Das kann man 
leicht erreichen, wenn man Karborundkristalle mit der besten EMK. an- 
wendet. Sobald diese EMK. angelegt wird, ist die Charakteristik für 
gleichgerichtete Ströme als Funktion der ankommenden Wechselstrom- 
stärke nahezu eine Gerade. Diese Ausgleichungsvorrichtung in Ver- 
biüdung mit dem Dieckmannschen Käfig um den Luftleiter zur Unter- 
bindung aperiodischer Störungen bildet eine Lösung des Problems der 
Ausmerzung von Störungen. Eben dieses hier beschriebene Prinzip 
zur Ausgleichung für die gleichgerichteten oder Audionfrequenzströme 
ist auch für die Radiofrequenzströme anwendbar. Für die Ausgleichung 
bei Audionfrequenz genügt es, wenn beide gleichgerichteten Ströme gleiche 
Frequenz haben. Die Ausgleichung bei Radiofrequenz erfordert zwei 
auf dieselbe Wellenlänge abgestimmte und nahe beieinander ange- 
ordnete Luftleiter mit demselben Dekrement. Infolgedessen ist in 
diesem Falle die Anwendung eines aperiodischen Ausgleichungsluft- 
leiters nicht möglich, 


D) Theorie über den Ursprung und die Fortpflanzung der Störungen 
der dritten Art. 


Weiter versucht der Verfasser, die Störungen der vorerwähnten 
Art mit Hilfe von Aufzeichnungen der täglichen Änderungen aller 
empfangenen Störungen durch Mittelbildung für die einzelnen Monate 


«Terran 
N. 


(b) 


Ruhtung der 
, yd 
\ : um dı2 SoN 


Fig. 2. | 
Mittlere tägliche Änderungen der Störungen das Jahr über. 


des Jahres zu erklären. Diese Aufzeichnungen werden für die ein- 
zelnen Monate getrennt dargestellt und sind in Fig. 2 zusammengefaßt. 

Die Fig. 2 gibt die mittlere tägliche Änderung über das ganze 
Jahr mit Einschluß der Beobachtungen bei Nacht wieder. Im Jahres- 


Mitteilungen aus der Praxis. 545 


mittel zeigt der Durchschnittstag einen hohen Wert der Störungs- 
intensität bei Nacht (nämlich eine Stärke der Klasse 4, also eine Stärke, 
die für einen befriedigenden Nachrichtenverkehr eine Signalstärke von 
250- bis 500faclhıer Hörbarkeit erforderlich macht). Ungefähr 2 Stunden 
vor Sonuenaufgang begannen die Störungen schwächer zu werden, bis 
um 10 Uhr morgens das Minimum erreicht wird. Dann werden die 
Störungen bis 3 Uhr nachmittags stärker, bleiben bis 1 Stunde nach 
Sonnenuntergang fast konstant und steigen dann steil auf den nächt- 
lichen Wert an. 

Die Verhältnisse bei Tage (und besonders am Morgen) und bei 
Nacht sind verschieden genug, um den Schluß zu rechtfertigen, daß, 
falls die Theorie von Eccles richtig wäre, unsere Stationen im Durch- 
schnitt nicht in der Nähe des Gewitterzentrums liegen. In Fig. 2 ist 
die Kurve für die mittlere tägliche Änderung der Störungsstärke über 
das ganze Jahr in Polarkoordinaten rings um den kreisförmigen Quer- 
schnitt der Erde gezeichnet. Die Richtung der auffallenden Sonnen- 
strahlen und die Drehungsrichtung der Erde um die Sonne sind an- 
gegeben. 

Das Polardiagramm zeigt zwei eigentümlicha halbovale Kurven 
verschiedener Grüße für die Beobachtungen bei Tage und jene bei 
Nacht (abc und a'b’ c’), die in bezug auf die Bewegungsrichtung der 
Erde um die Sonne symmetrisch zueinander liegen und durch die steilen 
Linien (pq und pq) miteinander verbunden sind, und zwar treten 
diese steilen Teile in der Nähe von Sonnenaufgang und Sonnenunter- 
gang auf. 

Es ist ganz klar, daß die Erscheinungen bei Nacht die symme- 
trische Wiederholung der Erscheinungen bei Tage sind, und daß die 
Ursache für den Unterschied zwischen Nacht und Tag aller Wahr- 
scheinlichkeit nach in dem unter dem Einfluß der Sonnenstrahlen stehenden 
Medium. zwischen dem Ursprungsorte der Störungen und dem Empfänger 
zu suchen ist. Eben diesen Einfluß der Sonnenstrahlung finden wir, 
in weit ausgesprochenerem Maße, bei der Fortpflanzung der elektro- 
magnetischen Schwingungen des Radiosenders, und der Verfasser hat 
an anderer Stelle den Beweis dafür geliefert, daß der Unterschied auf 
Ionisation der Luftschichten bis zu einer Höhe von etwa 200 km be- 
ruhen muß. 

Es ist interessant zu bemerken, daß die Abnahme der Störungen 
im Punkte A lange vor der Zeit des Sonnenaufganges an dem in Frage 
kommenden Orte beginnt. Das heißt, sobald die Schichten der Atmo- 
spbäre über dem Orte vom Sonnenlichte getroffen werden, setzt die 


546 Mitteilungen aus der Praxis. 


Änderung ein. Dieser Umstand weist darauf hin, daß die Quelle der 
Störungen nicht (wie Eccles annimmt) in den niederen Schichten der 
Atmosphäre liegt. 

Des weiteren ist die Stärke der Störungen keine Funktion der 
Richtung der auffallenden Sonnenstrahlen. Die Kurven sind symme- 
trisch in bezug auf.die durch die Bewegung der Erde um die Sonne 
scharf bestimmten Zeiten. Dieser Umstand liefert uns einen Hinweis 
auf die Art, wie die höheren Schichten der Atmosphäre zur Quelle der 
Störungen werden können. 

Auf ihrer Bahn um die Sonne wird die Erde häufig von kos- 
mischen Teilchen getroffen, welche zu Störungen in den elektrischen 
Verhältnissen der oberen Schichten der Atmosphäre Anlaß geben. Es 
ist klar, daß die Störungen in verschiedenen Teilen der Schicht ver- 
schieden sein müssen; und diese Verschiedenheit zwischen den Zu- 
sammenstößen vor und jenen hinter der Erde (auf die Bewegung der 
Erde bezogen) werden die ovale Gestalt der Diagramme hervorrufen. 

Diese ovalen Kurven lassen sich leicht erklären, wenn wir an- 
nehmen, daß die Quelle der Störungen eine ziemlich hoch gelegene 
Schicht der Atmosphäre ist, die durch das unregelmäßige Bombarde- 
ment kosmischer Teilchen oder kosmischen Staubes oder in irgendeiner 
sonstigen einleuchtenden Weise gestört wird. Allerdings erscheint mir 
die Theorie des kosmischen Bombardements der oberen Schichten die 
einleuchtendste Erklärung für den Ursprung der Störungen dritter Art 
zu sein, zumal da eine solche Ursache der Störungen auch die Ursache 
der täglichen Änderungen des magnetischen Erdfeldes erklären würde; 
immerhin wissen wir nicht genug über die oberen Schichten der Atmo- 
sphäre, um gegenwärtig in der Lage zu sein, für diese Annahme einen 
bündigen Beweis zu erbringen. Wenn diese hohe Schicht die Quelle 
von Störungen der dritten Art ist, so ist es ganz klar, daß nicht nur 
der unmittelbar oberhalb der Station gelegene Punkt (also der Zenith) 
die Quelle der Störungen sein kann, daß vielmehr jedenfalls die Ände- 
rungen in den elektrischen Verhältnissen in dem Kreissegment dieser 
Schicht, dessen Mittelpunkt der Zenith der Station ist, zu den an der 
jeweils betrachteten Station beobachteten Störungen beitragen werden. 
Je näher der Störungspunkt dem Zenith der Station sein wird, um 
so ausgeprägter wird die Störung sein. | 

Diess und andere vom Verfasser beobachtete Wirkungen be- 
stätigen die hier gegebene Theorie und sprechen gegen die Richtigkeit 
der Theorie vom Gewitterursprung der Störungen, gegen die auch die 
Versuche mit dem Dieckmannschen Käfig sprechen. Es ist möglich, 


Fi 


H. Eales, Patentschau. 547 


aus der Betrachtung des Punktes q in der Fig. 2, an welchem die 
Abnahme der Störungen bei Nacht auf die Stärke der Störungen bei 
Tage beginnt, auf die annähernde Höhe der gestörten Schicht einen 
Schluß zu ziehen. 

Die tägliche Änderung der Störungen ist im Charakter den Kurven 
der Änderung des Erdmagnetismus ganz ähnlich, wie sie vor einiger 
Zeit im „Wireless World“ (oder „Marconigraph“) veröffentlicht worden 
sind. Diese letztgenannten Änderungen werden Wirbelströmen in der 
Heaviside-Schicht zugeschrieben. Wenn wir annehmen, daß diese 
Schicht die „sekundäre“ Quelle der Störungen dritter Art sei, so er- 
halten wir eine hinreichende Erklärung für die täglichen Änderungen 
der Störungen, da diese Änderungen denen des Erdmagnetismus analog 
sind. Andererseits erklärt sich die sich allmählich ändernde Gestalt 
der täglichen Charakteristik leicht, wenn wir das kosmische Bombarde- 
ment als hauptsächlich am Orte der Erdbahn auftretend ansehen. Es 
ist auch möglich, zu erklären, weshalb Störungen der dritten Art in 
den Tropen so heftig und in Europa so schwach sind. Wir nehmen 
an, daß sie an den Polen fast unmerklich sein würden. Die stärksten 
Störungen folgen viel dichter auf die Zeiten des Monsuns oder Passat- 
windes, und zwar treten die Maxima immer zur Zeit gerade zwischen 
dem Westmonsun und der „Zwischenperiode“ auf; das Minimum hin- 
gegen tritt immer während des Ostmonsuns und nahe am Ende dieser 
Jahreszeit auf, wenn er in die „Zwischenperiode“ übergeht, 

(Eingesandt 7. September 1917.) 


Nach Electrician 79, 846—849, 1917, aus dem Englischen übersetzt von 
Max Ikle. 


Anschrift des Übersetzers: Dr. Max Iklé, Berlin-Zehlendorf 
(Wannseebahn), Milinowskistr. 31. 


Patsntschau. 
Von H. Eales, 


Das deutsche Patent 302 894 der Allgemeinen Elektrizitäts- 
Gesellschaft in Berlin, für welches die Unionsprioritäten vom 29. De- 
zember 1918 und vom 20. März 1914 auf Grund der den gleichen 
Gegenstand betreffenden amerikanischen Patentanmeldungen beansprucht 
sind, betrifft Empfangseinrichtungen für die sogenannte Heterodyna- 
mische Wellentelegraphie, bei der am Empfängerort die ankommenden, 
von der Antenne aufgenommenen Wellen mit anderen Wellen zur 


548 H. Eales. 


Interferenz gebracht werden, die am Empfängerort selbst erzeugt werden 
und eine Frequenz besitzen, die von derjenigen der ankommenden Wellen 
etwas abweicht. Es entstehen hierdurch Wellen bezw. Stromstöße von 
einer Frequenz, die gleich ist der Differenz der beiden anderen Wellen 
und die in einem geeigneten Empfänger hörbare oder sichtbare Zeichen 
hervorrufen können. Gemäß der Erfindung nach dem Patent 302 894 
werden nun die ankommenden Wellen und die am Empfängerorte er- 
zeugten Wellen von etwas abweichender Frequenz einem Entladungs- 
gefäß mit Glühkathode zugeführt und hierdurch die in hör- oder sicht- 
bare Zeichen umzusetzenden Wellen, bzw. Stromstöße erzeugt. Dieses 


Fig. 1. 


Zuführen kann entweder so geschehen, daß die einen Wellen dem 
Anodenkreis, die anderen Wellen dagegen dem Hilfsanodenkreis (Gitter- 
kreis) des Entladungsgefäßes zugeführt werden, oder es können auch 
beide Wellenarten dem Hilfsanodenkreis zugeführt werden. Die ört- 
lich erzeugten Wellen können entweder durch einen besonderen Hoch- 
frequenzgenerator (Hochfrequenzmaschine) erzeugt werden, es ist aber 
auch möglich, das Entladungsgefäß selbst zur Erzeugung der örtlichen 
Hochfrequenzwellen zu benutzen und zwar geschieht dies durch hin- 
reichende magnetische oder elektrostatische Kopplung des Anoden- und 
des Hilfselektroden-(Gitter-)kreises. In Fig. 1—4 sind mehrere Aus- 
führungsbeispiele In Fig. 1 bezeichnet 1 die in üblicher Weise durch 


Patentsehau. 549 


einen Kondensator 2 geerdete Antenne. Die durch die Antenne aut- 
genommenen Wellen werden durch einen Transtormator 4 dem Ent- 
ladungsgefüßB 3 zugeführt, und zwar der gewöhnlich gitterförmig aus- 
gebildeten Hilfselektrode 5. Mit 6 ist die gewöhnlich fadenförmig aus- 
gebildete Kathode bezeichnet, die durch eine Ortsbatterie 7 zum Glühen 
gebracht wird, mit 8 die gewöhnlich platten- oder scheibenförmig aus- 
gebildete Anode. .Im Anodenkreis (Plattenkreis) liegt der Empfänger 9, 
z. B. ein Telephonempfünger, eine Ortsbatterie 10 und eine Spule 11, 
welche aus einer geeigneten Quelle mit Hochfrequenzstrom gespeist 
wird. Hierzu dient z. B. ein Hochfrequenzerzeuger 12, in dessen 
Stromkreis eine mit der Spule 11 gekuppelte Spule 13 liegt. Die 
Frequenz der so erzeugten Welle soll etwas von derjenigen der an- 
„kommenden Wellen abweicken. Das Gitter 5 wird hierbei durch die 
ankommenden, von der Antenne aufgenommenen Wellen abwechselnd 
positiv und negativ gemacht; ebenso wird die Anode 8 durch die ört- 
lich erzeugten Hochfrequenzströme abwechselnd positiv oder negativ 
gemacht. Wenn die Frequenzen der beiden Wellen voneinander etwas 
abweichen, dann gibt es Perioden, während deren sowohl die Anode 8 
als auch das Gitter 5 gleichzeitig positiv sind. Die Dauer dieser 
Perioden hängt natürlich davon ab, in welchem Maße sich die beiden 
Wellen überdecken. Während anderer Perioden ist die Anode positiv 
und das Gitter gleichzeitig negativ, während weiterer Perioden die 
Anode negativ und das Gitter positiv und während noch weiterer 
Perioden die Anode negativ und das Gitter positiv. Im Anodenkreis 
fließt während der erstgenannten Perioden, während welcher Anode 
und Gitter gleichzeitig positiv sind, leicht ein Strom. Die Länge dieser 
Perioden und die Stärke des Stromes wächst von Null an bis zu einem 
Maximum und nimmt dann wieder ab. Da diese Perioden, während 
welcher Strom durch die Entladungsröhre fließt, sehr hohe Frequenzen 
besitzen, hat jeder einzelne Stromstoß keine Wirkung auf den Telephon- 
empfänger. Vereinigt haben aber die Stromstöße die Wirkung eines 
Gleichstromes, welcher allmählich von Null an bis zu einem Höchst- 
wert ansteigt uud daun wieder auf Null heruntersinkt, und es werden 
infolgedessen im Telephon Schläge hervorgerufen, deren Frequenz von 
der Differenz der beiden Wellenarten abhängt. Die einzigen Zeichen, 
welche durch die beschriebene Einrichtung wahrgenommen werden können, 
sind solche, welche von Wellen herrühren, deren Frequenz von der- 
jenigen der Ortsstromquelle um einen Betrag abweicht, der innerhalb 
des Hörbarkeitsbereiches eines gewöhnlichen Telephonempfängers liegt. 
Wenn Wellen ankommen, deren Frequenz von derjenigen der Ortsquelle 


550 H. Eales. 


um einen größeren oder kleineren Betrag abweicht, als dem hörbaren 
Frequenzbereich des Empfängers entspricht, so haben sie keine Wir- 
kung. Manchmal ist es wünschenswert, daß die positive Halbwelle der 
Ortsstromquelle, welche der Anode aufgedrückt wird, größer ist als 
die negative Hulbwelle. Zu diesem Zwecke kann eine Batterie 10 vor- 
gesehen sein, deren positiver Pol mit der Anode verbunden ist. Die 
aufeinanderfolgenden, im Anodenkreis fließenden Stromstöße würden in- 
folge ihrer hohen Frequenz durch die Selbstinduktion des Telephon- 
empfängers gedrosselt werden. Um dies zu verhüten, kann ein Konden- 
sator 14 zum Telephonempfänger 9 parallel geschaltet werden. Manch- 
mal erweist es sich auch zweckmäßig, eine Batterie 27 im Gitterkreis 
vorzusehen, damit die dem Gitter aufgedrückte negative Spannung 
größer als die ihm aufgedrückte positive Spannung ist. Unter Um-, 
ständen ist es sogar vorteilhaft, diese Batterie so groß zu wählen, daß 
das Gitterpotential stets negativ ist. In anderen Fällen ist es wieder 
vorteilhaft, diese Batterie umgekehrt zu schalten, so daß sie dem Gitter 
eine positive Spannung aufdrückt. An Stelle des Telephonempfängers 
kann selbstverständlich auch ein anderer, geeigneter Empfänger be- 
nutzt werden. 

In manchen Fällen dürfte die Energie der ankommenden Wellen 
so klein sein, daß der Betrag der dabei im Anodenkreis zulässigen 
Energiemenge zu klein wird, um im Telephonempfänger leicht hörbare 
Zeichen zu geben. In diesem Falle können jedoch die erzeugten Strom- 
stöße leicht in der aus Fig. 2 ersichtlichen Weise verstärkt werden. 
An Stelle des Telephonempfängers tritt in diesem Falle ein großer 
Widerstand 15, welcher mit dem Gitterkreis eines zweiten Entladungs- 
gefäßes verbunden ist. Dieser Gitterkreis umfaßt außer dem Gitter 17 
und der Kathode 18 zweckmäßig noch die Batterie 19, die mit dem 
Gitter 17 so verbunden ist, daß sie ihm eine positive Ladung auf- 
drückt. In diesem Falle fließt von der Ortsstromquelle aus ständig 
Strom im Anodenkreis des zweiten Entladungsgefäßes, welcher den 
Telephonempfänger 9 enthält. Wenn Strom im Anodenkreis des 
ersten Entladungsgefäßes fließt, dann findet in diesem Stromkreis der 
Spannungsabfall hauptsächlich an dem großen Widerstand 15 statt und 
hierdurch wird die dem Gitter 17 des zweiten Entladungsgefäßes durch 
die Batterie 19 aufgedrückte positive Ladung verringert. Hierdurch 
nimmt auch der Stromfluß im Anodenkreis des zweiten Entladungs- 
gefäßes ab und es entstehen im letzteren infolgedessen Stromschwan- 
kungen, welche im Telephonempfänger 9, ähnlich wie bei der An- 
ordnung nach Fig. 1, hörbare Stöße hervorrufen. 


Patentschau. 


551 


Fig. 2. 


Bei der Anordnung nach Fig. 3 werden die die Telephonstöße eı- 
zeugenden Stromschwankungen unmittelbar in einer Spule 21 erzeugt. 
Die im Antennenkreis liegende Spule 22 und die im Ortshochfrequenz- 
kreis liegende Spule 23 sind miteinander und mit der Spule 21 ge- 


552 H, Eales. 


kuppelt und die in letzterer erzeugte resultierende Welle wird dem 
Gitter 24 eines Entladungsgefäßes 25 aufgedrückt. Infolgedessen fließt 
im Anodenkreis des letzteren ein veränderlicher Strom, der im Tele- 
phon Schläge hervorruft. Es ist zweckmäßig, im Stromkreis des Hoch- 
frequenzerzeugers 12 einen regelbaren Widerstand 26 vorzusehen, um 
die Amplitude der Ortsstromquelle so einstellen zu können, daß sie 
derjenigen der ankommenden Wellen möglichst gleich ist, damit sie 
nicht die letzteren ersticken und die Wirkung der Spule 21 haupt- 
sächlich von den Ortswellen herrührt. Im Gitterkreis der Entladungs- 


Fig. 3. 


röhren 3 bzw. 25 kann noch ein Kondensator 28 vorgeschen werden, 
um diesen Kreis auf die ihm aufgedrückte Welle abzustimmen. 

Bei den bisher beschriebenen Ausführungsbeispielen werden die 
Ortswellen durch einen besonderen Hochfrequenzerzeuger erzeugt. Es 
ist aber möglich, das Entladungsgefäß selbst zur Erzeugung der ört- 
lichen Hochfrequenzwellen zu benutzen. 

Die Fig. 4 zeigt ein Ausführungsbeispiel hierfür. Der Anoden- 
kreis enthält in diesem Falle außer dem Empfänger 9 und der Orts- 
stromquelle 10 noch eine Spule 30 und der Gitterkreis eine Spule 31. 
Die beiden genannten Stromkreise sind miteinander gekuppelt, indem 
die Spulen 80 und 31 in induktive Beziehung gebracht sind. Diese 
Kuppelung kann sehr lose sein oder sogar fortfallen, da die Kapazität 
zwischen den Eektroden und dem Gitter 5 die beiden Stromkreise elek- 
trostatisch genügend kuppeln mag, um im Gitterkreis einen Strom 
hervorzurufen, wann immer der Strom im Anodenkreis sich ändert. 
Wenn bei der dargestellten Anordnung die Spulen 30 und 31 im 


Patentschau. 553 - 


gleichen Sinne gewickelt sind, dann wird in einem Zeitpunkt, in welchem 
der Strom im Anodenkreis anzusteigen beginnt, im Gitterkreis ein 
Strom in umgekehrter Richtung zu fließen streben und das Gitter 
negativ geladen werden. Dies drückt den Strom im Anodenkreis 
herunter, wodurch das Gitter seine negative Ladung verliert und positiv 
wird. Dies ermöglicht wieder ein Anwachsen des Stromes im Anoden- 


Fig. 4. 


kreis und diese Wechsel finden mit großer Geschwindigkeit statt. Ihre 
Frequenz hängt von den natürlichen Perioden der beiden Kreise ab 
und kann daher durch Veränderung der Konstanten der beiden Kreise, 
z. B. durch regelbare Kondensatoren 32 und 38 in den beiden Kreisen 
leicht eingestellt werden. Auf diese Weise können in der Spule 31 
ungedämpfte Schwankungen beliebiger Frequenz erzeugt werden und 
die Frequenz kann leicht auf einen solchen Wert eingestellt werden, 
daß sie von derjenigen der ankommenden, durch die Empfangsvor- 
richtung anzuzeigenden Wellen etwas abweicht. Wenn die so erzeugten 
Wellen jenseits des Hörbarkeitsbereiches des Telephonempfängers 9 
liegen, haben sie selbst auf letzteren keine Wirkung. Wenn jedoch 
die Spule 31 mit einer Spule 34 im Antennenkreis gekuppelt ist, 
dann werden die ankommenden Wellen dem Gitter 5 des Entladungs- 
gefäßes aufgedrückt. Es entstehen wieder ähnlich wie bei der An- 
ordnung nach Fig. 2 im Telephonkreis Stromschwankungen, deren 
Frequenz durch die Differenz der Frequenzen der ankommenden und 
Jahrb. d. drabtl. Telegraphie u. Telephonie. 12. 36 


554 H. Eales. 


der durch das Ladungsgefäß erzeugten Wellen bestimmt ist und inner- 
halb der Hörbarkeitsgrenzen liegt. Im Gitterkreis kann wieder eine 
Batterie 27 vorgesehen werden, um die Spannung des Gitters zu 
beeinflussen. Auch bei der zuletzt beschriebenen Anordnung ist eine 
Verstärkung der erzeugten Stromstöße, ähnlich wie bei Fig. 2, möglich. 

Edwin H. Colpitts in East Orange Staat New Jersey, V. St. A., 
beschreibt in der amerikanischen Patentschrift 1 137 384 mehrere 
Schaltungsarten für drahtlose Telephonie, bei denen eine Kathoden- 


m _/3 

y / 

‘ N 
Baii 


1R 


< 
IITITT 


/0 
Iolldl 


Fig. b. 


strahlenröhre nicht nur als Generator zur Erzeugung von Hochfrequenz- 
strömen . verwendet, sondern zugleich auch benutzt wird, um diese Hoch- 
frequenzschwingungen in Übereinstimmung mit den zu übertragenden 
Sprechlauten zu modulieren. Zur Erzeugung von Hochfrequenzströmen 
wird dabei die bekannte Rückkopplung des Gitterkreisess mit dem 
Anodenkreise benutzt, wodurch ungedämpfte Hochfrequenzschwingungen 
entstehen. Durch Veränderung des Gitterpotentials, z. B. durch Kopp- 
lung des Gitterkreises mit einem Mikrophonstromkreis können dann 
die ungedämpfien Schwingungen so moduliert werden, daß ihre Ampli- 


Patentschau. 555 


tudenkurve der Stiomkurve der Sprachschwingungen entspricht. In 
den Figg. 5—8 sind solche Schaltungsweisen dargestellt, wobei gleiche 
Teile in den verschiedenen Figuren mit gleichen Bezugszeichen be- 
zeichnet sind. In Fig. 5 bedeudet 1 das Audion (Kathodenstrahlen- 
röhre) mit der durch die Batterie 12 geheizten Glühkathode 7, der 
Anode 2 und dem Gitter 18. Die Anode 2 ist über die Primär- 
windungen 3 und 4 der negativen Klemme des Hitzdrahtes 7 des 
Audions verbunden. In diesem Stromkreise liegt ferner eine Batterie 10 


A 


Fig. 6. 


und einstellbare Kondensatoren 8 und 9. Eine Spule 11 von hoher 
Impedanz liegt in Brücke zu dem Anodenkreis, um den Strom der 
Batterie zu ermöglichen, nach der Anode zu fließen. Das Gitter 13 
des Audions ist über die Sekundärspule 14 einer Wiederholerspule 15 
mit der negativen Klemme des Hitzdrahts 7 verbunden, wobei in 
diesen Kreis die Batterie 16 eingeschaltet ist. Die Sekundärspule 17 
des Transformators 6 ist über einen einstellbaren Kondensator 18 mit 
dem Gitterkreis verbunden. Die Primärwindung 19 des Transfor- 
mators 15 ist in Reihe mit der Sekundärwicklung 20 des Mikrophon- 
stromtransformators 21 geschaltet und somit mit dem Mikrophonstrom- 
kreis 24, 23 gekoppelt. Die Sekundärspule 25 des Transformators 5 
im Anodenstromkreis besitzt eine Sekundärspule 25, die einerseits an 

die Antenne A und andererseits an die Erdung E gelegt ist. 
Die Wirkungsweise dieser Anordnung wird hiernach ohne Weiteres 

` 86* 


556 H. Eales. 


zu verstehen sein: Durch die Rückkopplung 17, 18, 13 werden un- 
gedämpfte Wellen unterhalten und deren Intensität durch Beeinflussung 
des Gitterpotentials vom Mikrophonstrom aus im Rhythmus der Sprache 
beeinflußt und moduliert. In Fig. 6 ist eine etwas abweichende 
Schaltung dargestellt, bei der die Batterie 10 in Reihe mit der Spule 11 
von hoher Impedanz in Brücke zum Anodenstromkreis liegt, und bei 
der ferner die Batterie 16 in Brücke zum Steuerkreis und zwar in 
Reihe mit einem regelbaren Widerstand 26 geschaltet ist. In Fig. 7 


4 


Fig. 1. 


liegt die Batterie 10 in Serie mit der Impedanzspule 11, wie bei 
Fig. 6, aber die Primärwindungen 3 und 4 der Transformatoren 5 und 6 
im Anodenstromkreis liegen zueinander parallel anstatt in Serie wie 
bei den Schaltungen nach Fig. 5 und 6. In Fig. 8 endlich ist eine 
Anordnung mit zwei Audions dargestellt. Hier ist die Batterie 10 
mit dem Mittelpunkt der Spule 11 von hoher Impedanz verbunden, 
während deren äußere Enden mit den Anoden 2a und 2b die beiden 
Audions verbunden sind. Die Batterie 16 ist ebenfalls mit der Mitte 
eines einstellbaren Widerstands 26 verbunden, dessen äußere Enden 
mit den beiden Gittern 13a und 13b verbunden sind. Bei der Schal- 
tung nach Fig. 8 sucht daher die Batterie 10 einen konstanten Strom- 
fluß durch beide Audions von den Anoden 2a und 2b nach den Glüh- 


Patentschau. 557 


kathoden 7a und 7b zu senden. Die Batterie 12 speist beide Glüh- 
kathoden mit Strom. Die Anordnung wirkt so, daß Impulse, die von 
den Transformatoren 6 und 15 herkommen, in jedem Augenblick ent- 
gegengesetzte Potentialveränderungen auf den Gittern 13a und 13b 
hervorrufen und daß diese Potentialveränderungen eine Wirkung aus- 
üben, die sich im Anodenkreis, mit dem die Plattenanoden 2a und 
2b verbunden sind, addiert. | 
A 


m 


E 
5 


Fig. 8. 


Alexander Mc Lean Nicolson in Tarrytown, Staat New York, 
V. St. A. beschreibt in der amerikanischen Patentschrift 1 187 275 eine 
Audionkonstruktion, dessen Hitzdraht sich durch besonders große Dauer- 
haftigkeit und Elastizität auszeichnen, zugleich eine möglichst große 
Oberfläche bei geringsten Materialaufwand besitzen und den geringsten 
Energieverbrauch zum Glühen besitzen soll. Zu diesem Zwecke ver- 
wendet Nicolson als Glühdraht ein dünnes Band aus Platin oder 
anderen geeigneten Material in verdrillter Form. In der Praxis soll 
sich ein Band von °/,, mm Breite und °/,,, mm Dicke besonders gut 
bewährt haben. Ein solches verdrilltes Band ist sehr elastisch. Seine 
spiralförmig und konkav gekrümmte Oberfläche bietet einen guten Halt 
für den Oxydüberzug, der bei solchen Glühfäden zweckmäßig ver- 
wendet wird. Durch das Verdrillen wird das Band verkürzt und be- 
sitzt daher eine gewisse Federkraft in seiner Längsrichtung, und es ist 


558 H. Eales. 


einé größere Bandlänge auf einer geringeren Längsausdehnung unter- 
zubringen. Trotzdem ist die Wärmeausstrahlung geringer als bei 
nicht verdrillten Bändern oder gar bei Runddrähten, und infolgedessen 
ist ein geringerer Energieaufwand erforderlich, um die Glühkathoden 


7 


een 0. 


Fig. 9. 
DE De DIDI 
Fig. 10. 


im Glühzustande zu erhalten. In Fig. 9 ist in vergrößertem Maßstabe 
ein solches Band vor dem Verdrillen (1) und in- Fig. 10 dasselbe nach 
dem Verdrillen dargestellt, während Fig. 11 ein Audion zeigt mit dem 


Fig. 11. Fig. 12. 


verdrillten Glühdraht (2). Die konkaven Teile 3 der Bandoberfläche 
dienen zum Halten der Oxydmasse. | | | 

Joel ©. R. Palmer in New Rochelle, Staat New York, V. St. A., 
beschreibt in der amerikanischen Patentschrift 1 196 805 eine Schutz- 
vorrichtung für Glühdrähte von Audionröhren, .die in Fig. 12. dar- 
gestellt ist. In dieser bedeutet 5 die Anode, 4 das Gitter und 3 die 
Glühkathode des Audions. 7 ist die Batterie und 6 eine Vorschalt- 


Patentsehau. 559 


Fig. 13. 


eo es 26, 


Ilil : So 


so 


3O 


AA 


13 1e 


550 H. Eales: 


drossel für den Glühstrom, 8 ein Einschalter und 9 ein Ballastwider- 
stand in Gestalt eines Eisendrahtes, der in einer Wasserstotfatmosphäre 


/3 
Fig. 15. 


angeordnet ist und nach Art der bekannten selbstregulierenden Eisen- 
drahtvaristoren zum Konstanthalten des Glühstroms dient, wenn die 


10 


A 


Fig. 16. 


Batteriespannung sich ändern sollte. Diese Eisendrahtvariatoren in 
‚Wasserstoffatmosphäre haben bekanntlich die Eigenschaft, nur eine be- 


Patentschau. 561 


stimmte Stromstärke hindurchzulassen; indessen besitzen sie diese 
Wirkung nur, wenn sie ihren Glühzustand bereits erreicht haben, 
dagegen nicht im Augenblick des Einschaltens selbst. In diesem 


Fig. 17. 


Einschaltaugenblick und eine ganz kurze Zeit nach dem Einschalten 
lassen sie größere Ströme hindurch, bis sie ihren normalen Gläh- 
zustand erreicht haben. Beim Einschalten könnten daher Überbelastungen 


Fig. 18. 


des Glühdrabtes eintreten und zur Beseitigung dieser Gefahr dient die 
Vorrichtung 10, 11, 12, 13, 14, die nach Art eines Thermostaten 
wirkt. 11 ist ein aus zwei Metallstreifen von verschiedenem Aus- 
dehnungskoeffizienten bestehendes Thermostatenband, 12 eine Heizspule. 
Im kalten Zustande, d. h. vor dem Schließen des Schalters 8, ist der 
Stromkreis durch das Band 11 an der Stelle 13 geschlossen. Wird 
jetzt der Schalter 8 geschlossen, so fließt der Strom der Batterie 7 


562 H. Eales. 


über 6, 18, 12, 9 und 8 zur. Batterie zurück. Der Glühdraht 3 ist 
also kurz geschlossen und kann durch die starken Anfangsströme nicht 
beschädigt werden. Durch die Wärmewirkung der Spule 12 wird 
nun der Thermostatstreifen 11 erhitzt, biegt sich von Kontakt 18 weg 
und öffnet also den Kurzschluß für den Glühdraht. Da unterdessen 
der Eisendrahtvariator 9 seinen normalen Hitzegrad erreicht hat, ist 
nun die Gefahr des Durchbrennens für den Glühdraht 3 überwunden. 
Wird jedoch durch irgendeine Ursache der Ballastwiderstand 9 oder 
die Drosselspule 6 kurzgeschlossen oder sonstwie unwirksam, so wird 
der Thermostat noch höher erhitzt, das Thermostatenband 11 krümmt 


Fig. 19. 


sich noch weiter und schließt den Stromkreis bei 14, so daß abermals 
der Hitzdraht 3 kurzgeschlossen und gegen Überlastung gesichert ist. 


In den amerikanischen Patentschriften 1 087 180, 1112549 und 
1127 371 beschreibt G. W. Pierce in Cambridge, Mass., V.St.A., 
Verstärker- und Detektoranordnungen für schwache Wechselströme 
und für Empfängerzwecke der drahtlosen Telegraphie, bei denen eben- 
falls eine evakuierte Entladungsröhre verwendet wird. Zur lonisierung 
der Entladungsstrecke wird aber nicht ein Glühdraht, sondern ein 
Quecksilberlichtbogen verwendet, der zwischen einer plattenförmigen 
Eisenelektrode 5 (Fig. 13) und einem in einer Quecksilbermenge 6 
zentral angeordneten Platindraht 4 übergeht. Dieser Lichtbogen ioni- 
siert den Raum im Innern der Röhre und bewirkt somit das Leitend- 
werden der Entladungsstrecke zwischen der Anode 2 und der Gegen- 
elektrode 3, denen die zu verstärkenden oder anzuzeigenden Schwingungen 


Patentschau. 563 


oder Wechselströme zugelührt werden. Das Anzeigen kann dabei ent- 
weder, wie in Fig. 13 angedeutet, auf photographischem Wege erfolgen, 
indem die Schwankungen des Glimmlichtes (48 in Fig. 13) durch eine 


Fig. 20. 


Fig. 21. 


Schlitzblende 49 hindurch auf einem kontinuierlich bewegten licht- 
empfindlichen Streifen registriert werden, oder indem die Signale in 
einem Telepbon (50, Fig. 14), abgehört werden. 


564 H. Eales. 


Alexander Meissner in Berlin beschreibt in der amerikanischer 
Patentschrift 1170552 eine größere Anzahl von Schaltungen von 
Kathodenstrahlröhrenempfängern, deren gemeinsames neues Merkmal 
darin besteht, daß diese trägheitslosen Relais von periodischen oder 
Wechselströmen erregt werden und sich dann vor allem zum Empfangen 
von ungedämpften Schwingungen eignen. Erfolgt nämlich diese Be- 
einflussung oder Erregung des Kathodenstrahlenrelais im Rhythmus 
eines gut hörbaren Tones, so ist es möglich, ungedämpfte Wellen in 


Fig. 22. 


Form dieses gut hörbaren Tones wahrnehmbar zu machen und auf 
diese Weise atmosphärische Störungen auszuschließen. Fig. 15 zeigt 
eine solche Anordnung, bei welcher der das Kathodenstrahlrelais 1 be- 
einflussende Wechselstrom der Wechselstrommaschine 18 dem Gleich- 
faden 2 zugeführt wird und zur Heizung derselben dient. Fig. 16 
zeigt eine Abänderung der Schaltung, bei der unterbrochener Gleich- 
strom anstelle von Maschinenwechselstrom verwendet wird und dem 
Glühstrom der Glühkathode überlagert wird. Fig. 17 und 18 zeigen 
Anordnungen, bei denen der Hilfswechselstsom dem Anodenkreis zuge- 
führt wird, Fig. 19 und 20 Anordnungen, bei denen der Hilfswechsel- 
strom dem Gitterstromkreis der Röhre zugeführt wird. Fig. 21 stellt 
eine Scheltungsanordnung dar, bei der mehrere Hilfswechselströme gleich- 
zeitig auf alle Stromkreise des Kathodenstrahlrelais (Glühstromkreis, 
Anodenstromkreis und Gitterstromkreis) einwirken und Fig. 22 endlich 


Literaturverzeichnis. 565 


stellt den Fall dar, in dem Kathodenstrahlröhren zugleich im Detektor- 
kreis und zur Verstärkung der Niederfrequenzströme verwendet werden, 
ehe diese den Empfänger erreichen. 

Adresse des Autors: Gr. Lichterfelde W bei Berlin, Roonstr. 12. 


Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Schriften. 


(Die Redaktion behält sich die Besprechung einzelner Werke vor.) 


Elektroindustrie. 1. u. 15. Dezember 1917, 1. u. 15. Januar 1918. Fach- 
schriften-Verlag A.-G. Zürich. 
Leo Galland (Berlin, Deutscher Telegramm-Schlüssel. Verlag M. 
Krayn, Berlin W 10. Mit ca. 400 Textfiguren. Preis geb. M. 120.— 
Max Planck, Thermodynamik. 5. Aufl. Verlag Veit & Comp., Leipzig. 
1917. geb. M. 10.— 
Hanns Günther, Das Mikroskop und seine Nebenapparate. (Hand- 
buch der mikroskopischen Technik, Teil I.) Franckh'sche Verlagsbuch- 
handlung, Stuttgart. 1917. 
Hermann Stegemann, Geschichte des Krieges. 2. Band. Mit 4 far- 
bigen Kriegskarten. Deutsche Verlags-Anstalt,; Stuttgart. 1917. 
| M. 12.50, geb. M. 15.— 
H. Triepel, Die Freiheit der Meere. Verlag Ferd. Wyss, Bern. 1917. 
20 Ctmes. 
Viktor von Strantz: Die Funkentelegraphie im jetzigen Kriege. Kaufungen- 
Verlag (E. W. Püschel), Rostock 1917. 
(Eingesandt 31. Januar 1918.) 


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(Eingesandt 31. Januar 1918.) 


Namenregister. 567 


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— Norwegische Großstation Övresaeter (M.P.) . . . | | 
— Der Zeitsignaldienst an Nordamerikas Küsten M.P) u u a O 
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Vallauri, G., Über die Wirkungsweise der in der drahtlosen Tele- 
graphie benutzten Vakuumröhren mit drei Elektroden (Audion) > 

Wagner, K. W. und Eichhorn, G., Robert Lindemann + . 

Wiesent, H., Über einen direkt zeigenden Dämpfungsmesser (0). : 

Zenneck, J., Über ebenen Een an einem drahtlosen pnp 
fänger (al. BR)...“ 2 s 


Briefe an die Redaktion 


Bei d. Redaktion eingegang. Bücher u. "Schriften 115. 210. 328. 411. 499. 


Literaturverzeichnis . . . . . . . . . 116. 211. 324. 418. 500. 


516 


565 


Bücherbesprechungen . . . .. . . . . . 118. 213. 326. 421. 502. 


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Band 12. Mp Heft 6. 


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drahtlosen Telegraphe und Telephonie 


sowie des Gesamtgebietes der elektromagnetischen Schwingungen. - 


Unter Mitarbeit 
von 
Prof. M. Abraham (Mailand), Chefingenieur Dr. Graf v. Arce (Berlin), Dr. L. W. Austin 
(Washington), Prof. A. Biendel (Paris), Prof. Ferdinand Braun (Straßburg), Dr. W. Burstyn 
(Berlin), Reg.-Rat H. Eales (Groß-Lichterfelde), Dr. A. Esau (Berlin-Charlottenburg), 
Prof. J. A. Fleming (London), Dr. Lee de Forest (New York), Prof. Josef von Geitler 
(Czernowits), Prof. Leo Graetz (München), Ingenieur W. Hahnemann (Kiel), Oberpostrat 
0. Jentsch (Oppeln), Prof. L. Mandelstam (Odessa), Dr. Guglieimo Marconi (London), 
Dr. Eugen Nesper (Berlin), Prof. J. W. Nicholson (Cambridge), Ingenieur Dr. Valdemar 
Pouisen (Kopenhagen), Dr. phil. Heinrich Freiherr Rausch v. Traubenberg (Göttingen), 
Prof. Auguste Righi (Bologna), Ingenieur Dr. J. 8. Sachs (Frankfurt a. M.), Oberlt. 
Thor Thörnblad (Stockholm), Geh. Hofrat Prof. Max Wien (Jene) 


und unter besonderer Mitwirkung 


Prof. Dr. J. Zenneck 
herausgegeben 


von 


Dr. Gustav Eichhorn 


(ebemal. Leiter der Ostseeversuchsstationen von Prof. Braun -Siemens & Halske) 


in Zürich. 


Berlin W. 
Verlag von M.Krayn. 
1918. 


Die Ausgabe erfolgt in He 6 Hefte bilden einen Band. Preis des Bandes „4 20.—. 
Porto für die d en im Inlande „A 1.20, nach dem Auslande æ 1.60. 


Preis des Hefies 4 k. 
VAN Alle Buchhandlungen sowie die Verlagsbuchhandlung nehmen Bestellungen an. 


Ausgegeben im April 1918. 


Mit diesem Heft schlie/st Band 12. Um baldgef. 
Erneuerung des Abonnements wird gebeten! 


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Nach jahrelangem Vorarbeiten ist es gelungen, einen 
Telegrammschlüssel für die technische Industrie heraus- 
geben zu können. 

Dieser Telegrammschlüssel ist der erste, der in deutscher 
Sprache erscheint und die Gebiete des Maschinenbaues, 
der Elektrotechnik, des Bauingenieurwesens, sowie die 
verwandten Zweige der technischen Industrie bis in die 
neueste Zeit berücksichtigt hat. Es existiert auch in anderen 
Sprachen kein Werk, das auch nur annähernd in so ausführlicher 
Weise die gesamte Technik und speziell auch die üblichen tech- 
nischen Bezeichnungen behandelt, wie Gallands Deutscher 
Telegrammschlüssel. - 

Neuere Gebiete, beispielsweise den Dampfturbinen- 
bau, Turbokompressorenbau, Luftschiff- und Flugzeug- 
bau, ferner das Automobilwesen, in der Elektrotechnik den 
Bau der Turbogeneratoren, Funkentelegraphie, Röntgen- 
apparate usw. hat der Verfasser aufs ausführlichste be- 
handelt. Auch die Textilindustrie, der Papiermaschinen- 
bau und große Teile der allgemeinen Technologie fanden 
entsprechend ihrer Wichtigkeit reichliche Beachtung. 

Außer dem technischen Teil ist dem Werke ein Teil von 
Redewendungen angegliedert, der in praktischer Weise den all- 
gemeinen kaufmännischen Verkehr berücksichtigt, Die 
. Einteilung ist nach den verschiedenen Industriezweigen getrennt 
und derartig geordnet, daß der Gebrauch des Deutschen Tele- 
grammschlüssels bedeutend erleichtert wird: 

‚Durch seine Anordnung und Übersichtlichkeit wird Gallands 
„Deutscher Telegrammschlüssel“ auch für Exporteure und deren ° 
. Kundenkreis ein technisches Nachschlagewerk und Ratgeber sein. 

Einen weiteren Vorteil des Werkes bildet ein Telegramm- 
Kürzer, der eine weitere Verkürzung und wesentliche 
Ersparnis im Telegrammverkehr gestattet. 

Aus einer mehr als 2ojährigen Tätigkeit hat der Verfasser 
sich die Erfahrungen zunutze gemacht und aus eigenem Bedürfnis 
heraus ist dieser für die deutsche Industrie so wichtige „Deutsche 
Telegrammschlüssel für die technische Industrie“ entstanden, 


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